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Full text of "Abhandlungen - Bayerische Akademie der Wissenschaften Philosophisch-Historische Klasse"

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ABHANDLUNGEN 



DER 



KÖNIGLICH BAYERISCHEN 

AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 

PHILOSOPI 1 1S( 1 1 - IM I ILOLOG ISCHE UND 
HISTORISCHE KLASSE 



SECHSUNDZWANZIGSTEK BAND 

IX DER REIHE DER DENKSCHRIFTEN DER LXXXIV. BAND 



7 v 



MÜNCHEN 1914 
VERLAG DER K. B. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN 

IN KOMMISSION DES G. FRANZ'SCHEN VERLAGS (J. ROTH) 



182. 
M 8 1 75" 



Akademische Buclidruckerei von F. Straub in München. 



Inhalt des XXVI. Bandes. 



Seite 

1. Paläographische Forschungen von Ludwig Traube. Fünfter Teil: Auto- 
grapha des Iohannes Scottus. Aus dem Nachlaß herausgegeben von Edward 
Kennard Rand (mit 12 Tafeln) 1 — 12 

2. Beiträge zur Geschichte der assyrischen Skulptur von Fr. W. von Bissing 

(mit 6 Tafeln) 1-17 

3. Die gotischen Wandmalereien in der Kaiser-Pfalz zu Forchheim. Ein Beitrag 
zur Ursprungsfrage der fränkischen Malerei von Hugo Kehrer (mit 10 Tafeln 

und 61 Textabbildungen) .......... 1 — 82 

4. Akten zur Geschichte des bairischen Bauernaufstandes 1705/06 herausgegeben 
von Sigmund Riezler und Karl von Wallmenich. I. Teil: Akten des 

Jahres 1705 1—279 

5. Die handschriftliche Grundlage der Ausgabe des kaiserlichen Land- und 
Lehenrechts von Ludwig Rockinger. Erstes Drittel .... 1 — 88 

6. Akten zur Geschichte des bairischen Bauernaufstandes 1705/06 herausgegeben 
von Sigmund Riezler und Karl von Wallmenich. II. Teil: Akten aus 

den Jahren 1706—1719 1—286 



Abhandlungen 

der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften 

Philosophisch -philologische und historische Klasse 

XXVI. Band 1. Abhandlung 



Palaeographische Forschungen 



von 



Ludwig Traube 

Fünfter Teil 

Autographa des Iohannes Scottus 
Aus dem Nachlaß herausgegeben von Edward Kennard Rand 

Mit 12 Tafeln 
Vorgelegt am 13. Januar 1912 



München 1912 

Verlag der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften 

in Kommission des G. Franz'schen Verlags (J. Roth i 



Vorbemerkung. 



„A. Autographen in der mittelalterlichen Überlieferung überhaupt: veränderte Bedin- 
gungen der Kritik. 

B. Werke des Iohannes in seiner eigenen Niederschrift oder mit eigenen Noten : 
Priscian. 

C. Handschriften seiner Bibliothek. 

D. Seine Bibliothek : Überlieferung seiner Bücher durch Gerbert nach Bamberg. 

E. Der Katalog seiner Bücher (biblia W'ulfudi). 

Unedierte Stücke aus dem Aubigner Kodex des Macrobius. 

Nobilibus quondam fiieras mit Nachträgen aus den Handschriften aus Arras 

(ni fällor). 
Päpstliche Zensur." 

So hat der verstorbene Meister die Darlegung seines schönen Fundes der Eigenschrift 
des Iohannes Scottus entworfen. Einen Teil dieses Planes hatte er im Vorwort zu den 
von ihm herausgegebenen „Quellen und Untersuchungen zur lateinischen Philo- 
logie des Mittelalters" I, 2, einen Teil in einem für die Kgl. Bayerische Akademie 
bestimmten und am 7. Januar 1905 gehaltenen Vortrag ausgeführt. Dieser Vortrag, oder 
vielmehr die für den Vortrag entworfene Skizze, wird hier wiedergegeben; ich habe seine 
Worte, die von seiner großen Persönlichkeit belebt werden, beinahe so gelassen, wie ich 
sie vorfand. Es werden hier die Abschnitte A, B, •'. D der obigen Liste behandelt. 
Traube hat auch sonst einige wenige Notizen über den Gegenstand hinterlassen, aber er 
hat nicht klar gemacht, wie er ihn weiter behandelt haben würde. Über Priscian. vgl. 
Q. u. U. I, 2, IX N. I. Ob er trotz seiner früheren Meinung (Poetae Lat. Car. III, ■ >">'> II.) das 
Schmähgedicht Nobilibus quondam nun für ein echtes Erzeugnis des Iohannes Scottus hielt, 
hätte man gerne erfahren. Ich habe in einem Anhang versucht, dem Leser die Einzel- 
heiten der Hauptbeweisführung vorzutragen — natürlich nicht, wie er es getan hätte; icli 
verfolge, so gut ich es kann, die von ihm gegebenen Andeutungen. Aber nur die Echt- 
heitsfrage der Autographen kann hier in dieser Weise erörtert werden. Was die anderen 
Fragen betrifft, so ziehe ich es vor, nur die nötigen Handschriftenphotographien heraus- 
zugeben. Ich bin dankbar, daß es mir gestattet worden ist, etwas, wenn auch der Dienst 
nur ein geringer ist, für das Andenken meines Freundes und Lehrers zu tun. 

Harvard University. E. K. Hand. 



Traube's Skizze für seinen Vortrag. 

Die Kritik und Herausgabe mittelalterlicher Schriftwerke ist oft dadurch in einer 
eigentümlichen Lage — man kann nicht sagen: ob guten oder schlechten Lage — -, daß 
nicht Abschriften auf uns gekommen sind, sondern die Originale, die eigenhändigen Auf- 
zeichnungen oder doch die von den Verfassern durchkorrigierten Exemplare, also daß uns 
durchaus oder teilweise Autographa vorliegen. 

Wir haben, um auf Deutschlands Geschichtsquellen uns zu beschränken, zwar nicht 
wie man geglaubt hat den Liutprand 1 ) im Original, aber man hat das Autographum von 
Thietmar v. Merseburg 2 ), von Richer 3 ), von Leo v. Ostia 4 ). Man hat einen großen Teil 
der St. Galler und Reichenauer Literatur in der eigenhändigen Aufzeichnung der Verfasser 6 ). 
Man kennt die Hand des Hinkmar 6 ), des Reginbert 7 ), des Ratherius 8 ), des Willigis 9 ) und 
vieler anderer bedeutender Männer, wenn man den Begriff der Geschichtsquellen etwas 
weiter faßt. 

Wir stehen also der mittelalterlichen Literatur oft nicht so gegenüber wie der klas- 
sischen, sondern mehr wie der modernen. Auf den Grund dieser Erscheinung (wir haben 
sehr oft gar nicht mit ordnungsgemäß publizierten Werken, sondern privaten Aufzeich- 
nungen zu tun) will ich nicht eingehen, auch nicht auf die Schwierigkeiten, die uns durch 
das eigenhändige Korrigieren der Verfasser erwachsen, dadurch, daß wir oft in die einzelnen 
Phasen der Entstehung ihrer Werke hineinblicken und es uns doch schwer wird, diesen 
Einblick technisch befriedigend nun unsrerseits wieder zu eröffnen, wie es doch geschehen 
sollte. Nicht auf die Gesamtheit dieser Erscheinungen will ich hier eingehen, sondern 
auf einen einzelnen, freilich sehr denkwürdigen Fall. 

Auf mehreren Reisen, die ich unternahm, um die Bestände einzelner Bibliotheken 
paläographisch kennen zu lernen, fand ich erst zufällig, dann gerade darauf meine Auf- 
merksamkeit richtend, daß wir die Werke eines der tiefsten und fruchtbarsten Denker des 
Mittelalters zum Teil in originaler Aufzeichnung oder doch in Exemplaren besitzen, die 
er selbst öfters und auf das genaueste durchgearbeitet hat. 

Es ist Iohannes Scottus, von dem ich rede. Oder vielmehr ich will nicht reden, 
sondern ich möchte zeigen. Zunächst Bilder aus dem Hauptwerk des Iohannes tieqi cpvaeu>v 
(Tafel I und II): Reims 875. (Die im Dialoge sprechenden Personen sind mit N = Nu- 
tritor und A = Alumnus bezeichnet.) Insulare Randschrift. Abkürzungen : nuo etc. 
Der Zusatz führt den Dialog weiter fort. Dasselbe Werk existiert in Bamberg: H. J. IV 5 
und H. J. IV 6 (Tafeln III — VIII). Reimser Schrift: die Randbemerkungen der Reimser 



1 ) v. Watten bach, Deutschlands Geschichtsquellen l 7 , 480. 2 ) Ebenda, I 7 , 392. 

3 ) I 7 , 466, N. 1. ") II 6 , 235, N. 1. 5 ) I 7 , 442. 6) S. Moyen Age XV (1902), 438. 

7 ) S. Neues Archiv XIII (1888), 165; K. Künstle, Eine Bibliothek der Symbole (in Foi-schungen zur 
christlichen Literatur- und Dogmengeschichte I, 4, p. 3), 1900. 

8 ) S. V. Rose, Verzeichnis der lat. Handschriften der Kgl. Bibliothek zu Berlin, S. 79 f. 

9 ) S. Wattenbach, a. a. 0. I 7 , 396. 



Handschrift sind aufgenommen, neue hinzugefügt. Stolpern der Abschreiber ist bemerkbar. 
In Paris haben wir dann wieder Abschriften (Codd. 12964, 12255), wo einige der Rand- 
schriften der Bamberger Handschrift im Texte stehen. Man sieht den Unterschied der 
römischen und insularen Schule. Iohannes aber schreibt ganz individuell und temperament- 
voll wechselnd. Das Leben des Iohannes wird auch durch den neuen Fund besser erkannt. 
Der Hinkmar, den er besingt, auch bitter schmäht (vehementer avarus, hoc solum gessit 
nobile quod periit) 1 ) ist Hinkmar von Reims. Die Geschichte der Bamberger Bibliothek 
erhält neues Licht: loh. Scottus, Gerbert (der den Iohannes kennt), Otto III., Heinrich II. 
— das ist die edle Genealogie eines Teiles ihrer Schätze. 

Aber unsere graphische Beobachtung führt noch weiter. Zunächst zur Sicherung 
einer Frage nach der Autorschaft. 

Tafel X zeigt ein Blatt aus Laon 81. Ein tiefsinniger Kommentar zum Iohannes- 
Evangelium. Der Name des Verfassers ist in diesen und andern Handschriften nicht über- 
liefert. Aber man konnte die eigenartige philosophische Anschauung nur mit Iohannes in 
Verbindung bringen. Und auch hier schreibt er wieder am Rand, wie in der Reimser 
und Bamberger Handschrift. Er ist wirklich der Verfasser. 

Aber damit ist mein Material nicht erschöpft. Wir können uns in der Werkstatt 
des Iohannes noch weiter umsehen. 

Wir kennen einige Werke der älteren, patristischen Literatur (er war, wie bekannt, 
kein Humanist, wie viele seiner Zeitgenossen ; er kennt einiges aus der klassischen Literatur, 
aber er verachtet es) — wir kennen Werke seiner Bibliothek, die er adnotiert und studiert 
hat. Wieder aus Bamberg: Codex Q VI 32, der Candidus und Arrianus (vgl. Tafel XI) 
enthält 2 ). 

Ich bin mit der Skizzierung meiner Arbeit und der Vorführung meines Materiales 
nicht fertig; doch genügt, glaube ich, der Auszug und Überblick, um die Art und den 
Gang meiner Betrachtungsweise erkennen zu lassen. 

Ich versuche, um es kurz zu sagen, die Paläographie, die so oft in der Diplomatik 
die Gründe für die Echtheitskritik stellt, — ich versuche hier die Paläographie für die 
Echtheitskritik literarischer Werke dienstbar zu machen. Zugleich auch sie nutzbar zu 
machen für eine, ich möchte sagen, genetisch-kritische Herausgabe. 

Ich werde mir erlauben, der hohen Klasse später einmal den Plan für eine von ihr 
zu übernehmende und zu leitende Ausgabe des Iohannes Scottus vorzulegen. Ein wahres 
Desiderium der mittelalterlichen Geistesgeschichte 3 ). 

Vorläufig bitte ich meine Arbeit als Paläographische Forschungen V in die Ab- 
handlungen aufzunehmen, mit 12 Tafeln. 

') Poetae I.at. Cur. III, 50!. 

-) Tafel XII gibt die sieh in Par. Maz. Stil fol. 219* findende Liste .1er Biblia M'ulfudi. 

3 ) Der Verfasser gedachte hier mich auf l'ngedrucktes hinzuweisen. 



Anhang. 

Von E. K. Rand. 

Tafeln I und II geben Blätter aus dem Hauptwerke des Iohannes Ttegi (pvaemv wieder. 
Die Handschrift, jetzt Reims 875, war von einem Reimser Kalligraphen geschrieben. Am 
Anfang des zweiten Buches stand, wie die Photographie es deutlich macht, ursprünglich : 

Quoniam in superiore libro de universalis naturae universali divisione non quasi 
generis in formas seu totius in partes, sed intelligibili quadam universitatis contemplatione 
— universitatem dico deum et creaturam — breviter diximus, nunc eandem naturae di- 
visionem latius, si videtur, repetamus. 

Dieser einfache Satz, in dem der Verfasser einen Teil des Begriffes durch eine 
Parenthese weiter erläutert, wird in der Floßischen Ausgabe (Migne, P. L. 122, 523) durch 
eine noch ausgedehntere Parenthese verlängert, welche nach totius in partes eingeschaltet 
ist : dadurch verliert der Satz alle Symmetrie. Nun aber finden wir das Einschiebsel an 
dem Rand des Reimser Kodex ; die Schrift ist die insulare. Man würde sofort an ein 
Scholium denken, wenn die Handschrift einen durchgeführten Kommentar zu negl qpvaecov 
enthielte. Die Worte sind auch nicht ein ausgelassener Teil des ursprünglichen Textes: 
sie ergänzen nicht, sondern verderben eigentlich den Satzbau, und sind nur als späterer 
Zusatz zu erklären. Wenn sie also weder Scholium eines Kommentators noch der ursprüng- 
liche Text sind, so hat sie Iohannes selbst hinzugefügt: sie stimmen entschieden mit 
seinem Stil und seinen Anschauungen überein. Hat er aber seinem Schreiber die Worte 
diktiert? Wir werden später dieselbe Hand in anderen Handschriften finden. Es ist kaum 
möglich,' daß Iohannes diese verschiedenen Zusätze einem besonderen Schreiber anvertraute. 

Der untere Rand enthält ein ähnliches Beispiel. Der Lehrer fährt mit seiner Re- 
kapitulation fort, und spricht von seiner bekannten vierfältigen Teilung der Natur. 

Talis itaque erat, ut opinor, supradieta universalis naturae quadriformis divisio in 
eam, scilicet formam vel speciem, si rite forma vel species dicenda est prima omnium causa, 
quae superat omnem formam et speciem, dum sit formarum et specierum informe princi- 
pium, quae creat et non creatur. Secunda in eam, quae et creatur et creat. Sequitur 
tertia quae creatur et non creat. Dehinc quarta quae nee creat nee creatur. 

So stand der Satz in seiner ersten Form, wie in der Reimser Handschrift. Aber 
ganz wie zum Anfang dieses Buches, suchte hier der vorsichtige Verfasser, der überhaupt 
gar keine Lust hatte, Ketzer zu heißen 1 ), später seine Lehre von der Gottheit vor jedem 
Verdacht des Pantheismus zu hüten. Gott als informe prineipium zu fassen — das konnte 
ja etwas gefährlich erscheinen. Er setzte daher am Rande der Handschrift hinzu : 



1 ) In omnibus quae scribo suspendor virorum ac piorum Patrum iudicio. Interim dico quae sentio. 
(Komm, zum Iohannesevangelium, Migne 122, 1244.) Vgl. auch Q. u. U. 1, 2, 23. 



Informe autem principium propterea deum dicimus ne quis eum forraarum numero 
aestimet censeri, dum sit formarum omnium causa: ipsum etenim omne formatum appetit 
cum sit per se ipsum infinitus et plus quam infinitus: est enim intinitas omnium infini- 
tatum. Quod igitur nulla forma coartatur vel definitur quia nullo intellectu cognoscitur, 
rationabilius dicitur informe quam forma, quia ut saepe dictum est, verius per negationein 
de deo aliquid praedicare possumus quam per affirmationein. Wenn also die etwas frag- 
liche Redensart bloß die augustinische via negationis bedeutete, so konnte sicherlich kein 
Mensch daran Anstoß nehmen. 

Weiter unten betrachtet der Lehrer die Natur der logischen Analyse (Tafel II, = 
fol. 82, M. 122, 525 D): 

Et quia de oppositionibus ... est dictum, de earundem reditu atque collectione ea 
disciplina quam ät'a/.vzty.ijy philosophi vocant, breviter dicendum video. 

Die darnach gegebene Erläuterung ist in der lieimser Handschrift tatsächlich kurz 
(breviter), aber doch vollkommen. Am Rande und in der Floßischen Ausgabe (526 A — C) 
steht eine ziemlich lange, die Etymologie von ävälvotg betreffende Notiz, die ich hier 
nicht wiedergeben will. Noch klarer wie die vorhergehenden Stellen lehrt sie uns, daß 
Iohannes alle diese Zusätze nicht als gelegentliche Bemerkungen, sondern als neue Teile 
seines Textes auffaßte. Er ordnet nämlich den hinzugefügten Stoff in derselben drama- 
tischen Form an, die er für das ganze Werk gewählt hat: die Erklärung von Analyse 
wird nicht als Ganzes gegeben, sondern zwischen den beiden Sprechern des Dialoges 
geteilt 1 ). 

Auf demselben Blatt dieser Handschrift findet man auch ein paar Verbesserungen 
von Einzelheiten — et vor qnarta, sdum modo nach de deo, ab ea vor creata sunt hinzu- 
gefügt — was alles im Floßischen Text steht (526, C). Im ersten Falle hatte der Reimser 
Schreiber ein et nach que des ursprünglichen Textes ausgelassen : an die anderen Zusätze 
hatte der Verfasser vielleicht erst bei der Revision gedacht. 

In einem Bamberger Kodex (H. J. IV 5 und IV 6) 2 ) kommt noch Interessanteres vor. 
Die Handschrift stammt auch aus Reims und ist auch vom Verfasser verbessert und er- 
gänzt worden. Sie war aber nach dem Reimser 875 geschrieben, da die oben betrachteten 
Zusätze, die kleineren Verbesserungen inbegriffen, alle im Texte sind (vgl. Tafeln IV, V). 
Der Schreiber hat ein paar Fehler gemacht— AIOÜ statt AYOü, OYClarum statt OYCI- 
APYM — und die Abkürzung für numeros (nuos) zuerst mißverstanden. Vielleicht hat 
Iohannes selber hier die Korrektur besorgt: sicher hat er unten easq. in easdemq. geändert. 
Der Schreiber hat auch nach ascendens ävalvrixi] das Wort vocatur hinzugefügt, wie bei 
Floss, das ja auch der Satzbau zu verlangen scheint. Iohannes hat sich in der in Reims 
875 sich findenden Notiz etwas nachlässig ausgedrückt, und muß nachher in einer 
zwischen dem Reimser Kod. 875 und dem Bamberger verfertigten Kopie den Fehler ver- 



') Man bemerke die eigentümliche Deklinationsfonn OYCIAPYM und die Schreibarten 6TOY- 
MOAOriA, ANAAITIKHC (am Ende), an welchen vielleicht bloße Nachlässigkeit schuldig ist. 
Über Fehler und Sonderbarkeiten im Griechischen des Iohannes vgl. Q. u. U. I, 2, 14 ti. 

*) Philos. 2 im Katalog von Leitschul] und Fischer (I, 2. Abt., 3'Jö). H..F. IV 5 = Tomus I ent- 
hält Lib. I— III, H.J. IV 6 = Tomus II enthält I.il). IV — V. Die hier besprochenen Stellen kommen 
alle in H.J. IV 5 vor. Ich habe also keine Photographie des H.J. IV 6 wiedergegeben. 



8 

bessert haben. Oder, da vocatur in Rasur steht, hat Iohannes es vielleicht hier zum ersten 
Mal eingefügt. Jedenfalls hatte der Schreiber noch mehr vor sich als sich im Reimser 
Kodex findet; es muß also wohl eine Abschrift zwischen dem Reimser und dem Bam- 
berger vorgekommen sein. 

Aber die Bamberger Handschrift trägt, wie schon gesagt, weitere und sichere Züge 
einer vom Verfasser selbst herrührenden Revision. Fol. 100 v (die Photographie habe ich 
nicht wiedergegeben) enthält in der Schrift des Iohannes als Randbemerkung den langen 
Halbsatz (M. 122, 572 A) non ut et illud . . . qui fccit utraque unum. Sicherlich fanden 
sich die Worte nicht in der ursprünglichen Form des Textes. Dort sagte der Lehrer am 
Ende einer Erklärung, non incongruum, ut arbitror. Der Schüler antwortete sofort, und 
nicht erst sieben Zeilen hinterher, Plane non incongruum. 

Auch auf fol. 130 = M. 122, 612 A kommt eine interessante Stelle vor. Iohannes 
erörtert die FiMoquefr&ge : er hat, wie man mit Hilfe der Tafel VI sieht, zuerst geschrieben : 
Neun quod de Spiritu Sancto catholice creditur, cur non ctiam de Filio, und auf der Rück- 
seite des Blattes den Satz mit einigen später ausgewischten und jetzt kaum zu entzif- 
fernden Worten beendigt 1 ). Später wollte er ausführlicher darüber sprechen; er setzte 
nach Filio am Ende der letzten Zeile des fol. 130, simi, und fuhr am unteren Rande mit 
liier crederetur ? Nisi forte . . . exempla naturae weiter fort. Am Verso, in der eben be- 
sprochenen Rasur, hat er den neuen Satz mit non sunt idonea zu Ende gebracht. 

Auch an der Tafel VIII (fol. 215 = M. 122, 722 B— C) können wir genau sehen, 
wie Iohannes bei der Änderung verfahren ist. Er hatte sich zuerst, wie es sich aus den 
Lesarten der von Gale benutzten Handschrift, sowie aus den spärlichen Überbleibseln des 
ursprünglichen Textes des Bambergensis wieder aufbauen läßt, wohl ungefähr so ausgedrückt: 

Ita et totum spatium a terra ad solem, medium quippe, et a sole ad duodeeim sidera, 
hoc est ad extimum stellarum motum, rationibus armoniae quae dicitur duplex diapason 
in quadrupli proportione constitutum arbitratus est. 

Nun kam ihm dieser Satz etwas unklar vor : er schrieb einen neuen am unteren Rand. 
Nach Ita et totum spatium a terra ad solem wollte er es jetzt so haben : 

diapason ratione coaptatur, medium quippe sol obtinet locum, et a sole ad duodeeim 
sidera, hoc est ad extimum stellarum motum alia diapason coniungitur, ac per hoc rationibus 
armoniae quae dicitur bis diapason intervallum a terra ad spheram constitutum esse arbi- 



J ) Ich bin Herrn Dr. J. Fischer, Vorstand der Kgl. Bibliothek zu Bamberg zu Dank verpflichtet 
für genaue Nachricht, die er mir über fol. 130 v , sowie über die Handschrift H. J. IV 6 brieflich gesandt 
hat. Nach seiner Nachbildung der ersten Zeile des fol. 130 v scheint es möglich, daß die ursprünglichen 
Worte similiier crederetur waren. Er glaubt aber nach den schwachen Schriftspuren und dem etwas 
größeren Raum, daß etwas anderes dortstand. Fischer beschreibt auch zwei nicht in Traubes Photo- 
graphien vorkommende Stellen, die sicherlich von Iohannes verbessert worden sind. Ich zitiere aus 
Fischers Brief: 

„Es stehen H. .1. IV 5 fol. 120 die Worte ut saepe diximus von der insularen Hand am Rande: 
vgl. Floß c. 598 und Nota 14 [d. h. die Galesche Handschrift hatte die Worte nicht]. Fol. 109 T (Floß 
c. 584, vgl. Nota 15) hatte unser Kodex von der Hand des Schreibers ursprünglich auch die Lesart von 
Cod. A [= der Galeschen Handschrift]: de quibus alius disserendi locus est. In unserer Handschrift hat 
der Korrektor (Scotus) die Worte alius disserendi locus est radiert und dafür eingeschrieben nunc dis- 
screre et •<)• und ist am Kande mit dem Auslassungszeichen •&• fortgefahren : loiigum est et superfluum 
quia a multis disputatum* 



tratus est. Er hat dann eine kleine Verbesserung gemacht: da er ac per hoc am Anfang 
des nächsten Satzes des Textes sah, hat er statt dieser auch im neuen Satz benutzten 
Phrase jetzt ideoque über die Zeile geschrieben. Dann hat er den ursprünglichen Satz des 
Textes ausgewischt, den neuen eingefügt, und da dieser zu lang war, den überbleibenden 
Teil — armonie- . . . arhitratus est an den rechten Rand gesetzt. Es blieben nur die unten 
stehenden Marginalien auszuwischen 1 ). 

Aus diesen drei Beispielen läßt es sich beweisen, daß der Bamberger Kodex eine 
zweite oder vielleicht schon dritte Revision des Iohannes darstellt. Die erste Form gibt 
der Reimser 875 : dieser wurde abgeschrieben und vielleicht dann weiter von Iohannes 
verbessert'): dieser Kopie entstammt der später mit neuen Verarbeitungen versehene Bani- 
berger, dessen Abschriften als eine vierte Ausgabe zu betrachten sind. Und es gab, wie 
auch wieder der Bamberger Kodex uns lehrt, noch eine andere. 

Bemerken wir aber zuerst, daß diese höchst wichtige Handschrift einige Randbemer- 
kungen enthält, welche, wie es scheint, nicht weiter abgeschrieben wurden : jedenfalls 
stehen sie nicht in den von Floß benutzten Pariser Handschriften. Fol. 66 v (hier nicht 
wiedergegeben) zeigt am linken Rand in der Schrift des Iohannes eine kurze Notiz, welche 
den Satz bei Floß (M. 122, 525 C) Nam per se ipsam . . . multifonnitotem begleitet: 

eo quod universitas (in) deo considerata infor(m)is est, in creatura vero multiformis. 
Die Notiz scheint eher eine Erklärung als ein Zusatz zu sein, und zu 527 B am 
Rand des Folio 68, neben «»7 ei cointelligitur quod sibi coessentialc non sit, erscheint als 
Glosse {glo) bezeichnet: 

Hoc dictum est propter divinae bonitatis tres coessentiales substantias. Die Glosse 
zeigt die Schrift des Iohannes; er sagt natürlich dictum est, nicht diät. 

Ich füge hier alle solchen Glossen, die sich in Traubes Photographien des Bam- 
berger Kodex finden, hinzu. 

Zu Migne 617 D: Prinäpia (Tafel VII = fol. 135): 

Primordiales causas principia vocat. Dies steht am Rande. Hier braucht er die 
dritte Person vocat; er spricht nämlich nicht von sich selbst, sondern von Dionysius. 

Zu M. 618 A: quaecunque huius: 
Glo(sa) 

Hoc est solius per se essentiae ut ea quae solummodo sunt vel solius per se vitae. 
ut sunt quae solummodo vivunt, quorum essentia vitaest; aut amborum, ut sunt ea quae 
per se essentiam et per se vitam simul participant; aut multorum, ut sunt quae per se 
essentiam et per se vitam et per se sapientiam participant. 



') Die Randbemerkung fol. 215 gegen oben ist vom Abschreiber: er hatte nur die Worte e.r Ins 
duplo coaptatur ausgelassen — sie stehen in der Galeschen Handschrift. Dagegen ist das übergeschriebene 
diapason von Iohannes — die Galesche Handschrift hat es nicht. 

*) Vgl. oben S. 7. 

Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI. 1. Abi). 2 



10 

Zu : si haec participatione esse sunt : 
Glo(sa) 

Hoc dicit quia in quantum principia et principiorum participantia deo appropinquant 
minus esse dicuntur quia minus intellectu comprehenduntur, in quantum autem ab ipso 
elongantur, in tantum esse videntur quia plus intellectibus seu sensibus patefiunt, sicut 
idem Dyonisius in libro de caelesti ierarchiae [sie] docet. Der Fehler ierarchiae zeigt viel- 
leicht, daß diese Notiz ohne Konzept geschrieben und nicht später verbessert wurde. 

Zu 619 C: non tarnen 1 ) coessentiali sibi (fol. 137) 
Glo(sa) 

Hoc dictum est propter filium et spiritum sanetum qui et coessentiales patri sunt et 
principia rerum subsistunt, non tarnen tria sed unum prineipium. Wieder hoc dictum est, 
weil er jetzt von seinem eigenen Texte spricht. 

Außer diesen gibt es noch einige Interlinearglossen und Abschnittstitel, wie de prin- 
cipio omnium, de fme omnium, de bapüsmate, <XN<\K€$<\A€(jl)CIC seeundi libri, die ich 
nicht weiter besprechen werde. Der Schreiber hatte Raum für die Titel der einzelnen 
Bücher gelassen. Zum ersten wurde nachher, ich glaube nicht von Iohannes, hinein- 
geschrieben : 

INCIPIT LIBER PM n6PI$YCHCüN. 

Vor dem zweiten (Tafel IV) hat er 

INcipit seeundus TT6PI <J>YC€GÜN in quo multa dereditu disputantur, 
und vor dem dritten 

INcipit tertius n6PI<i>YCeOJN 
selber hinzugefügt. 

Am interessantesten ist aber eine Reihe von Glossen zu M. 444 B (fol. 2 T = Tafel III), 
wie überhaupt der Text der ganzen Stelle. Die ursprüngliche Form gibt der Bambergensis : 

Affirmatio enim 2 ) hominis negatio est angeli 3 ), negatio vero hominis affirmatio est 
angeli, et vicissim. Eademque regula in omnibus caelestibus essentiis etc. 

Die sich bei Floß findende Parenthese mortalis adhuc dico, und die lange Erklärung 
st enim homo . . . rerum causas fehlen beide. Aber am Rande stehen folgende, teilweise 
abgeschnittene Glossen. Zu Affirmatio enim hominis : 
Glo (sa) 
(No)tandum quod non (de) nomine ante peccatum hoc dictum sit. 

(Glosa> 4 ) 
(Ex>empla sunt haec. 

affirmatio hominis 



l ) Non tarnen steht bei Floß, und das hatte auch Iohannes ursprünglich. Die von Floß gegebene 
Lesart der Handschrift C (= Paris 12964) et non stammt vom Bambergensis. Iohannes hat hier tarnen 
ausradiert und d- non über die Zeile gesetzt. 2 ) Statt quippe. 

3 ) Negatio est angeli: zuerst vom Schreiber übersehen und später am Rande vom selben gesetzt. 

4 ) Nur ein Teil des über das glo gesetzten Striches bleibt. 



11 

(an)inial rationale (nio)rtale homo est 

negatio angeli 
<ani)mal rationale (mo)rtale angelus non est 

neg(atio) ho(min)is 
(ani)mal rationale mortale non est homo 

affir(matio) ang(eli) 
(ani)mal rationale (m)ortale angelus est. 
(b)aec quattuor refle<xim> alia quattuor ef(fici>unt. 

Diese Glossen, die auch etwas, das nicht mehr lesbar ist, ersetzen, kommen nicht in 
den Floßischen Pariser Handschriften vor. Aber Iohannes hat sie doch für spätere Aus- 
gaben benutzt. Der Sinn der ersten erscheint wieder in der Parenthese des Floßischen 
Textes nwrtalis adhuc dico: der zweite wird durch die Stelle si enim homo . . . verum 
causas nur weiter, obwohl entschieden geschickter, ausgebildet. Iohannes beabsichtigte also 
keinen vollständigen Kommentar über sein Werk zu liefern : er schrieb gelegentliche Be- 
merkungen, die er später dem Texte einverleiben wollte. Es gab also zwischen dem 
Bamberger und den Floßischen Codices wenigstens ein Zwischenglied: es gab im ganzen 
etwa fünf Ausgaben oder Revisionen der Divisio Xaturac. 

Die Floßischen Codices sind leicht wieder zu finden. C (Genn. 309) = Paris 12964 
S. IX (nicht S. XI wie bei Floß). Diese sehr wichtige Quelle ist nach dem Bamberger 
geschrieben, da sie die von Iohannes selbst im Bamberger zum II. Buche eingefügte Über- 
schrift in Kapitalbuchstaben hat; vgl. Tafel IX = fol. (35. Wie schon gezeigt, steht noch 
eine Revision zwischen den beiden. E (Germ. 280) = Paris 12255 S. IX (nicht S. XII). 
Die Handschrift ist mit C nahe verwandt, ohne aber eine Abschrift zu sein. F (Germ. 830) 
= Paris 12965 S. IX. Von allen drei hatte Traube Faksimiles verfertigen lassen; von 
der Handschrift D, Paris 1764 S. XII (nach Floß), die nicht so wichtig zu sein scheint, 
finde ich kein Faksimile vor. 

Der zukünftige Herausgeber des Iohannes Scottus wird eine verwickelte, aber inte- 
ressante Aufgabe zu lösen haben. Aus den Pariser Codices sollte er leicht ein ziemlich 
genaues Bild der von Iohannes als endgültig betrachteten Ausgabe rekonstruieren können; 
aus Bamberg H.J. IV 5 und IV 6, Reims 875 und vielleicht anderen noch zu entdeckenden 
Quellen sollte er auch die allmählige Entwicklung des ursprünglichen Planes finden und 
beschreiben können. Der Floßische Text vertritt eine der spätesten, der Galesche, hie und 
da, eine der frühesten Revisionen. Alle sollten jetzt in einer neuen Ausgabe erscheinen. 

Ähnlich verhält es sich auch, wie aus Tafel X klar zu ersehen ist, beim Kommentar 
des Scottus zum Iohannesevangelium. Der Kodex aus Laon enthält mehrere Verbesserungen 
und Zusätze von ihm. Fol. 43 v (M. 122, 340—41) hat er in einigen Fällen vielleicht nur 
seinen Schreiber verbessert, aber die unten stehende Notiz ist sicher als neuer Bestandteil 
des Textes zu betrachten. Sie erläutert, was er eben über quodam ordaeco sagte. Zuerst 
ergänzt er diesen Ausdruck mit pane mixto cum jialea und hat dann einen neuen Satz, 
oder besser Halbsatz, den Floß als Teil des Textes erkannte, hinzugefügt: 

granis si quidem ordaeeis ita naturaliter intimi palearum folliculi adherent ut vix 
ab eorum medulla segregari queant, legalium sacramentorum neenon et praeeeptorum 
difficultatem intelligentiae significantia. 



12 

In seiner Eile vergaß Iohannes, daß er ein männliches, nicht ein sächliches Haupt- 
wort benutzt hatte — daher significantia. Das hat Floß (oder Ravaisson) in siynificantes 
verbessert. Augenscheinlich kam Iohannes gerade beim Lesen auf diesen Gedanken und 
schrieb ihn sofort ohne Weiteres nieder. 

Andere Notizen auf Fol. 47 (M. 122. 346), die ich nicht bespreche, zeigen alle die 
Schrift und die Eigenart des Verfassers. 



Verzeichnis der Tafeln. 

I. Reims 875 S. IX fol. 81: M(igne 122), 523 ff. 
II. , „ fol. 82: M. 525 f. 

III. Bamberg H.J. IV 5 (Philos. 2 im Katalog von Leitschuh und Fischer, I. 2. Abt., 395) S. IX 2 V : M. 444 f. 

IV. „ , fol. 66: M. 523 ff. 
V. , „ fol. 67": M. 526. 

VI. „ , fol. 130: M. 611 f. 

VII. , , fol. 135: M. 617 f. 

VIII. , „ fol. 215: M. 722 f. 

IX. Paris 12964 S. IX, fol. 65: M. 523 ff. 

X. Laon 81 S. IX, fol. 43 T : M. 340 f. 

XI. Bamberg Q VI 32 (Patr. 46 in Leitschuh und Fischer, I, 1. Abt., 408). fol. 41. 

XII. Paris Maz. 561, fol. 219 1 '. 



L. Traube, Palaeogr. Forschungen V 



Taf. I 



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L. Traube, Palaeogr. Forschungen V 



Taf. II 



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Obernetter, München, repr. 



Reims, 875, loh. Scott., ». <p., f. 82 



L. Traube, Palaeogr. Forschungen V 



Taf. III 




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Oberneiter, München, repr. 



Bamberg, H. J. IV, 5, f. 2" 



L. Traube, Palaeogr. Forschungen V Taf. IV 






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Obern otter, München, repr. 

Bamberg, H. J. IV, 5, f. 06 



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L. Traube, Palaeogr. Forschungen V Taf. V 



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dtfftnta> xdtrifinrixyfriumertiaidetur" Uec rjurenerrAjfi 

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ataific ortrur-men^a^finrcur^' A~ • Sxnfaiceum de-j^jo-MltliHf 
e%jfrrio\x>cnx — o crexdaexer»^ • t+^ • Qu«terr>A**(v* trsut; crfv" . 
■cxritm firrmxrwri btnt( 'tnu-num ceeutmburfww >.w*-icy Tik*< 
xdefr rCotxtuA^callecTtif ; / nmA-n^ri^- ccauarta. urtumfurrr am 
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Obernetter, München, repr. 

Bamberg, H. J. IV, 5, f. 67- 



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L. Traube, Palaeogr. Forschungen V Taf. VI 

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Bamberg, H. J. IV, 5, f. 130 



L. Traube, Palaeogr. Forschungen V -paf yjj 

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JmttJUn «ct<mtatem pd»^cipjtta^al>i^t6rrmbu/^cfc0 rumps^ 
tictiatTCr pn> ucn t trxtf capto QJpxfone'. evfupet- fcttenveft nJtl». 
tfTer»r£nr\TMutn cj4»<aUr (ummtuTOTinmm ctfc&er' t (verrnjl&' 

*■;* dualem aime^titr cflerrnjkm ecnxa*ram'^ U*rn ffCtodem utrrpoM» 
• om-nto ' Princtpf ^e>aföc»nuim£»mnw^<t^eri'rp*rnparniA-' »m««»^»«^^ *«« 
CnünrerpnrctpiJUinn^ttpriTn^ftmTr.ctnn^pr^nctpu.fwnr' ' ' 

■ fdtijutflaibruiumnum iXFutxteraxvefn orxncitnxxm atcerf perfc 
; tc'i»nutta.rrt / er/fTniljtrtrr/iw<Itaf»i perfefpjüfn fittnUrueltttenv 

• erulixwvixm ur u nturvum peHV'p<A»nti»ltBltem^etxnTtirJÄC 

rurn immli t>,mmim vcrfeiDfjmor&inxnwetri- ecJÄiorum r^ 

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Bamberg, H. J. IV, 5, fol. 135 




L. Traube, Palaeogr. Forschungen V 



Taf. VIII 




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Bamberg, H. J. IV, 5, fol. 215 



Obern ett er, München, repr. 



L. Traube, Palaeogr. Forschungen V 



Taf. IX 



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pAT*f<M^^^ eUtOTTuxJongrc f CAx xxr x>g-'ix>carn«trnftj:^pArfcrOJ"T7 ; '-~ < y"-Wi 

pATiiCip^mufrvcaxrx. cjrrt'mtpii>txitu.mi*f öimotxemivr iX{Urni*f- m«a-^»ru«tj: 
JfMicAxwr-. ^r«^tuf^ftmxl ÄtfpixU<ÄrpArr-OTTin«J-rru quoJ xnrpfo &c% 
xpfo-c-- pierAfirzxxorLxhtlaxr' Jfeop'dtcxri p uicfl /eJmceiugikilt quxJjLuru 

Jt}«wwf*.~j.iw*n£e»!ä«r TixnirjrJwxßovi? lxnuf {iutAc t uT ~ fTpecx.miff, JSAJvfyc 

opirior- fa&rtuaxca^ aruuCj'ijJ^fnJccur^^uxart {örTrufduufio • ltiex*{ c * L iccF_ 
fbrrtv^ luLfpcncm (i r ixe f ü >'t n jfc-fcjfpctucf «Jureruj.».- r- pnntt.omiujnaafV'juft: 
fuperxctcurine- förrn^de^peciam Aüfce^rynKrü acfpccieru- ■amnuL xnfor-rt^tjfn, 
ctpul <^u£crTxc&rHw*cr&xr-yt\favTntr A u r g pr in tHpux- w^trf c* ^ <jm cttqtmu/" 

Gfrrnim tnfuuaf emniü mftntnteu. (3 ^tinzM^ null* fx>r niA, «oArcicttr: uflli 

yoi~rnJk. • ^^tt^JUxrifOTe" *&£«*»« • *** uer-itifv ncvxxxone Jxdo Axu^uxA pcUcxjrcpof 
(iimuf cfuJbtJpfrr'mjaa.onc^. Q f ccuruL)k.inai^up^crCKc öCcrtxc ■ {ajuxr^Tvera^ 
^u<rc^Axur" ÄTponcrc«:- <ö»inc.<fu-*rc*- qu^nÄccrtxrr n4Cerrarur''-\.ilTa/An« 
<itttifu»n*er < N.Qmi«tur~**<*'f»pofcrx<>rub: p iicc3^^nixurfrfjo-rnxri bretuc- 

"n^prtmp. Jmt^twt urfun <juaJ* diAmca-o \Afanuicc- crvrumc oppafx 

Tp refp«o«nr.- . Crxito£nIur<iutmux^^*jion£r«m/*apf>pnxwr: crtftnrt «SCjip^iJ 

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Acr^HoatTiouAmw cr&uy iy. ft null£pr~rnZAccipartn(eipfa . 12 or»iAr-^ v.:i'M vilP-0 UetTl 



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Paris, lat. 12964, f. 65 



L. Traube, Palaeogr. Forschungen V 



Taf. X 



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^fyyffifiijmrj. iwt ! cn"( fanunt: Aucartaf iJLdrr&p ftctuncr benfAsao 

^^aetuitA^iueTraf-äfu a^rfqt^^xnd^\wc»mAimdf\nfi 

atmbn (ufccumtr miiei {^.Ixi-cuAc Aiec L><^if oAikax Acuo t^uxBprutr' 

-csru' bxlummaxr SaiAlixpwtptxio at^- \lLonvuxnt> tlfnemiufßaen\fi 

> xzCfytrrtaltii refecnom* plenmamevauac V ictcej un^atfupvlaru 
eiuf «wPTttT/rjcwr'/TWö^i/pwn * ifaputruLuftxTMflvc aux juJ>ecauxmi, . 
■astrieforae&ceof &xiua fv\{atuL)f ' betipcc cjutAfiarchtoortni £*<Jrm 

\n GCkXaan\vr\ p Uc t r ^ te -rnumpl^- owmnmiT'x^ewiA- Iuä-uIuTi rV cjm 
u»tt»fulewi reräj«Äartt <x*sc\m«fe?Lai{uptd^\iT&\h&tz: 4**c pueruluT 

CTomt mrM«e«r~aiuuwigi cpucUm buenuufncnlnc0n<p-ue cLctcur^cftoA- 
ip<Al£* aut-p&nv eUi^riemmCa^vet^KcZuifaaf-aeticafp <Jnuf 

, rjfeaJtxc', nicAuZ hoce Wiuean xefatmmno aitamrtaua eLirrTuntff'muC 
y cor Oporzactiniciwnen otrmtna nonrtttfüc- quinibecaumq: bajiCi anregte- 
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Laon 81, loh. Scott, in Ev. loh. 
(Migne 122, 341) 



Obernetter, München, repr. 



Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI, 1. Abh. 



L. Traube, Palaeogr. Forschungen V 



Taf. XI 





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Paris, Maz. 561, f. 219 v 




i'ttor, München, repr. 



Abhandlungen 

der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften 

Philosophisch -philologische und historische Klasse 

XXVI. Band, 2. Abhandlung 



Beiträge 
zur Geschichte der assyrischen Skulptur 



von 



Fr. W. v. Bissing 



Mit 6 Tafeln 



Vorgetragen am 13. Januar 1912 



München 1912 

Verlag der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften 

in Kommission des G. Franz'schen Verlags (.1. Roth) 



Trotz der deutschen Ausgrabungen in Assur und Babylon sind die Reste mesopota- 
mischer Rundskulptur noch immer so spärlich, daß jede Vermehrung des Bestandes freudig 
begrüßt werden darf. Eine solche glaubte ich auf dem Orientalistenkongreß zu Kopen- 
hagen bringen zu können ; meinen damaligen Vortrag habe ich inzwischen erweitert 
und soweit mir möglich, zu einer Zusammenstellung aller erhaltenen assyrischen Rund- 
skulpturen ausgestaltet. 

Aus der Sammlung Borgia verwahrt die ägyptische Abteilung des Neapler Museums 
den auf Taf. I abgebildeten Kopf. Er ist aus Obsidian, völlig unverletzt und stammt von 
einer Statuette. 1 ) Über die Herkunft war nichts zu ermitteln. Ein Beisender oder Pilger 
mag das gefällige Stück vor einigen hundert Jahren nach Italien gebracht haben. 

Das bartlose Gesicht ist glatt: dicke Lippen umrahmen den Mund, über dem die 
Nase mit fülligen Flügeln vorspringt. Trefflich ist die Bildung der Ohren; sie betont, 
wie das in der assyrischen Kunst die Regel ist, die Einziehung in der Mitte der Muschel. 
Die Pupille der schmalen Augen springt vor, beide Lider sind gebildet, das obere setzt 
sich nach außen fort. Die Brauen sind naturwahr angedeutet, wie sich denn das Köpfchen 
von jeder Übertreibung fernhält. Am deutlichsten wird das am Haar, das, über der Stirn 
gescheitelt, in einer gewellten Masse in den Nacken fällt und die Ohren frei läßt. Es 
nur so durch Gravierung zu gliedern erinnert zunächst an Altmesopotamisches und Baby- 
lonisches. Und auch die künstlerische Qualität findet zunächst nur dort, nicht in den uns 
bekannten assyrischen Bildwerken ihre Analogie. 

Dennoch braucht nicht erst ausgeführt zu werden, daß unser Stück mit den Bild- 
werken der sumerischen Zeit oder selbst der Kunst Hammurapis nichts gemein hat. Das 
lehrt ein Blick auf die Tafeln bei de Sarzec-Heuzey oder in E. Meyers Abhandlung. Die 
Feinheit und Weichheit des Stils wie die Haartracht hat ihresgleichen nur in den assyri- 
schen Beliefs, die sog. Eunuchenköpfe sind die nächsten Verwandten. 

Vielleicht gelingt bei genauerem Studium der Überreste assyrischer llundskulptur — 
ganz können wir freilich bei der Spärlichkeit des Materials auf Reliefs nicht verzichten — 
noch eine engere Umgrenzung der Entstehungszeit. 

Das älteste bisher bekannte Denkmal assyrischer Skulptur überhaupt, die Obelisken- 
spitze Tiglatlipilesars I s ) im British Museum, ist zwar in der Ausführung ziemlich roh 



') Die Aufnahmen, die mit vielen Schwierigkeiten verbunden waren, befriedigen insofern nicht 
völlig, als der I'hotograph den Kopf zu sehr in Unteransicht gab. Der Kopf ist etwa 10 cm hoch. In 
den Katalogen wird er nirgends beschrieben. Für die Erlaubnis zur Veröffentlichung bin ich der Museums. 
Verwaltung dankbar. 

2 ) Paterson-Kleinmann , Assyrian sculptures Taf. 03, liudge-King, Guide to the Babylonian 
and Assyrian antiquities 8. 26, 13. Ich konnte dank dem Entgegenkommen Hr. Budges die assyrischen 

1* 



und rechnet offenbar stark auf ergänzende Bemalung, allein der Stil ist schon völlig fertig, 
und zwar ein Stil, der sich durchaus von dem älteren babylonischen scheidet. Er muß 
also, wohl in Assyrien, vor 1100 v. Chr. sich entwickelt haben und ist nicht einfach aus 
dem babylonischen abzuleiten. 1 ) Bemerken darf man, wie die heiligen Zeichen der Sterne 
und himmlischen Körper noch lebendig sind; die geflügelte Sonne (Asur) streckt die eine 
Hand aus, in der anderen hält sie den Bogen: das spätere Bild Asurs mit dem Krieger 
in der Scheibe scheint damals also noch nicht erfunden, das ägyptische Vorbild wird noch 
genauer kopiert. 2 ) 

Vielleicht gehört in eben diese Zeit die einzige „archaische" Statue, die wir besitzen, 
das leider kopflose Steinbild aus Assur. 3 ) Sie ist lebensgroß in grauschwarzem, sorgfältig 
poliertem Basalt ausgeführt. Die Tracht, ein eng anliegender, gefranzter Shawl, der die 
rechte Brust, Schulter und Arm freiläßt, dürfte im wesentlichen, auch der Gürtung, mit 
der Kleidung des Reliefs übereinstimmen. Wenn, wie anscheinend der Fall, die Füße ganz 
unter dem Gewand hervorkamen — sie sind abgeschlagen worden — , so war dieses kürzer 
als bei den sonst vergleichbaren späteren Statuen. Die Arme sind vor der Brust ver- 
schränkt; da wir diese Haltung in der assyrischen Kunst zwar gerade bei Götterstatuen 
finden, Asarhaddon sie aber z. B. auf einer Stele aus Sendjirli einnimmt 4 ) und die ältere 
mesopotamische Kunst ganz allgemein so Sterbliche darstellte, so genügt, wie auch Andrae 
gesehen, sie allein nicht zur Entscheidung, ob hier ein Gott oder ein König gemeint sei. 

Um den Hals liegt eine Perlenkette. 5 ) Höchst merkwürdig ist der ohne absetzende 
Lockenbänder frei herabfließende Bart. Er hat wohl Andrae so sehr an die altmesopota- 
mische Kunst erinnert, daß er Vergleiche nicht nur mit Reliefs Hammurapis, sondern gleich 
mit den Skulpturen Gudeas zog und geneigt war, der Statue ein sehr hohes Alter zuzu- 
schreiben. 6 ) Allein die starke und' sehr eigenartige Muskulatur, wie sie am Rücken und 



Sammlungen des British Museum auf das bequemste vor einigen Jahren studieren und urteile hier, wie 
bei den Denkmälern des Louvre und Berlins durchweg aus eigner Anschauung und nach meinen Notizen. 
Auch den Herrn Heuzey und Pottier sowie Herrn Prof. Delitzsch und seinen Assistenten bin ich zu Dank 
verpflichtet. — Tiglathpilesar I gehört auch das von Eawlinson, Five great monarchies II, p. 79 abge- 
bildete Relief an, das den König im Typus des Asurnazirpal-Monoliths zeigt. Vgl. Maspero, Histoire 
classique II, S. 659. 

') Das älteste Zeugnis des „assyrischen" Stils ist, wie Woermann, Geschichte der Kunst I, 157 
mit Recht bemerkt hat, der Kudurru des British Museum, der bald Nebukadnezar I, mit größerer Wahr- 
scheinlichkeit aber Marduknadinachi zugeschrieben wird. Hier Taf. IV 5. Denn der bekannte Kudurru 
Nebukadnezars I ist von solchen assyrischen Stilelementen noch ganz frei (Guide Taf. XI, N. 96, S. 86). 
Wenn sie 20 Jahre später bei Marduknadinachi bestimmend auftreten, so zeigt das eben, daß sie aus 
einer fremden, also der Kunst des gleichzeitig aufstrebenden Assyrerreichs , übernommen sind. Über 
die Funde von 'Arbän s. den Anhang. 

2 ) Man braucht ja an die engen Beziehungen der mesopotamischen Reiche zu Ägypten in der 
zweiten Hälfte des 2. Jahrtausends nur zu erinnern. Da die geflügelte Scheibe hier dem König den 
Bogen reicht, ist Asur gemeint, nicht Samaä. Vgl. Keilinschr. Bibl. I, 22 und die Ausführungen bei 
Frank, Bilder u. Symbole babyl.-assyr. Götter, S. 16 und 26, der den Obelisken nicht kennt. 

3 ) Mitteilungen der Deutschen Orientgesellschaft N. 29, Abb. 22—23. Hier Taf- II 1, 2. 

4 ) Ausgrabungen in Sendschirli I, Taf. III. 

6 ) Ein ganz ähnliches Halsband trägt Asurnazirpal auf dem Londoner Monolithen Assyrian sculptures 
Taf. 64. S. auch die „Genien" Bezold, Ninive Abb. 75. 76. 

6 ) Überdies ist nur das untere Ende des Barts erhalten, das auch auf dem Kudurru Xebukadnezars I 
bei dem Schützen nicht wesentlich anders aussieht. Marduknadinachi trägt allerdings einen viel kürzeren, 



den Armen gebildet ist, hätte ihn davor bewahren können: von solcher Anatomie lassen 
die Statuen Gudeas höchstens die ersten Ansätze erkennen. Hingegen entspricht sie ihrem 
Wesen nach durchaus der Gewohnheit assyrischer Reliefs und die mächtigen Wülste am 
Oberarm, die wir bei der Statuette Asurnazirpals nur ahnen, treten hier athletenhaft vor. 

Die Statuette Asurnazirpals (885—860 v. Chr.), das nächste und diesmal inschriftlich 
datierte Bildwerk, heute im British Museum, 1 ) stellt den König auf einer hohen, recht- 
eckigen Basis stehend dar, beide Füße nebeneinander gesetzt. Ein langes, franzenbesetztes 
Plaid deckt den Körper bis zu den Zehen, nur der rechte Arm etwas unterhalb der Schulter 
und die auf die Brust geführte linke Hand bleiben frei. Sie hält eine Art Geißel, 2 ) wäh- 
rend der herabhängende rechte Arm mit dem Krummstab bewehrt ist. Um das Hand- 
gelenk liegt ein breites Armband mit einer glatten Platte, auf der natürlich ehemals eine 
Rosette gemalt war. 3 ) Auch sonst setzt z. B. die Darstellung der Tracht offenbar Ergän- 
zung durch Farbe voraus. 

Auf dem säulenartigen Körper, der aber schlanker scheint als die Figur aus Assur, 
sitzt der Kopf, den ein dicker, ungegliederter Hals trägt. Die flache Stirn geht ziemlich 
weich in die Schläfen über. Stark gewölbte, einander berührende Brauen, aufgerissene 
dicke, aber schmale Lider erhöhen den glotzenden Ausdruck der Augen, deren Stern um- 
rissen ist. Die Thränendrüse tritt stark heraus. 4 ) Starr springt die schmale Nase vor 
mit mäßig dicken Flügeln. Ein schmaler Schnurrbart mit aufgerollten Enden bedeckt die 
Oberlippe, das ganze Untergesicht wird vom Bart verhüllt. Er ist in Reihen kleiner 
stilisierter Locken gelegt, nur wo er lang auf die Brust herunterwallt, wechseln senkrecht 
fließende Partien mit Querbändern kleiner Locken zu je 3 Reihen. Das Haar, lockig und 
fein gewellt, fällt in den Nacken, läßt aber die Ohren frei. 

Die Arbeit in dem sebr viel dankbareren Material ist sorgsam, so sind z. B. die 
Nägel am Daumen und den Zehen angegeben, die Finger sonst aber völlig glatt, — an 
manchen Stellen wie an der linken Hand und der Gewandung am linken Arm sind die 
Formen ausreichend verstanden, anatomische Übertreibungen fehlen, die Einziehung an der 
Taille ist richtig beobachtet. Auch ist der Gesamteindruck nicht ohne Würde. Allein 
überwiegend empfindet man den Mangel geistigen Ausdrucks, die Starrheit der Form, die 
Unfreiheit des Ganzen. So verwegen das Manchem klingen mag: das ist keine frische, 

lockigen Bart, aber keinen „assyrisch* eingeteilten. — Ein kopfloser Torso des British Museum, dem die 
Unterarme und die Zehen fehlen, scheint Istar dargestellt zu haben. Perrot-Chipiez II, S. 515 sagen 
darüber „les proportions ne sont pas justes; le buste est lieaueoup trop eourt". Es war eine Statuette 
aus grobem Kalkstein mit der Inschrift Asur-hel-kalis, des Sohnes Tiglathpilesera 1. Guide S. 26, X. :>. 
Hinten stark zerfressen; schwammige Arbeit, die Beine nur durch eine Rinne getrennt, die Inguinal- 
faiten sind scharf ausgeprägt. Die Brüste treten wenig vor, die erhobenen Arme waren sicher nicht 
unter die Brust geführt. 

1 ) Guide Taf. I. N. 5, S. 22. Hier Taf. II 3. 

2 ) Kein Schwert, wie die Wiedergabe bei Perrot-Chipiez, Hist. de l'art 11 S. 537, Abb. 250 
vermuten laut. Gut bei Woermann I S. IG«. Ganz deutlich ist das Szepter auf dem Monolithen Asur- 
nazirpals Kleinmann Taf. 04. Bezold, Ninive und Babylon Abb. 45 und auf der Stele Schamschi- 
Rammans bei Maspero. Histoire classique III, 97. 

3 ) Das beweisen die zahlreichen gleichen Armbänder auf den Reliefs. 

4 I Ihre Wiedergabe, im Gegensatz zur Gepflogenheit der ägyptischen Kunst, ist bemerkenswert. 



das ist eine alternde Kunst, die feste, auf langer Tradition beruhende Gewohnheiten ange- 
nommen hat. 

Erweitern wir den Kreis der Denkmäler des Königs, so bleibt der Eindruck der 
gleiche. Das fast ins Rund ausgearbeitete Hochrelief des sog. Monolithen erwähnten wir 
schon. Die Lamassu-Figuren aus Asurnazirpals Palast stimmen in fast allen Einzelheiten 
mit der Statue überein: nur zeigt der Bart dieser menschenhäuptigen, geflügelten Löwen 
entsprechend dem größeren Maßstab drei Lockenquerbänder, wo die Statuette nur zwei 
aufwies. Auch ist jedes einzelne Band breiter. Mit prachtvoller Strenge sind die Flügel, 
die Klauen des Torwächters stilisiert, der hohe Götterkopfputz macht den Kopf eindrucks- 
voller. Auch die unnatürliche Steigerung der Beinmuskulatur läßt man sich hier gefallen, 
aber die Formen des Tierkörpers sind geradezu nachlässig behandelt. ') 

Vielleicht läßt sich etwas günstiger urteilen über den Löwen des British Museum. 2 ) 
Der Ausdruck der mit weit aufgerissenem Maul brüllenden Katze ist voller Energie, die 
ornamentale Behandlung z. B. der Barthaare frappiert in ihrer Sicherheit und Unbeküm- 
mertheit, auch das Spiel der Mähne ist noch gut aufgefaßt. Aber der Körper ist plump, 
die kurzen Beine mit den unwahren Krallen, dem schweren Schweif nehmen dem Tier die 
Kraft, die wir dem Kopf glauben. Und die abscheuliche assyrische Gewohnheit die 
Inschriften den Menschen und Tieren ins Fleisch zu schneiden, verdirbt vollends Alles. 

Vielleicht gehört in die Zeit Asurnazirpals auch der Terracottakopf eines Gottes aus 
Babylon; 3 ) wahrscheinlicher aber ist er, wie die unter Asurbanipal datierte Terrakotte 
Perrot-Chipiez II 653, nur eine späte Arbeit auf Grund eines alten Typus. Wenigstens 
kehrt das einreihige Lockenquerband gerade in der Spätzeit wieder. 

Über den Kopf eines Alabasterlamassu, der in Assur zu Tage trat und von Andrae 
Asurnazirpal zugewiesen wird, läßt sich noch nicht urteilen. Auffallend sind bei ihm die 
hohlen, auf Einlagen berechneten Augen. Die mächtigen Brauen scheinen sich zu berühren. 4 ) 
Der Zeit nach folgen die Statue Salmanassars III (II) (860 — 824) aus Assur und die des Gottes 
Nebo im British Museum, die, wie ihr Gegenstück, unter Adad-nirari III (812 — 783), 
aufgestellt wurde. 5 ) Auch hier ist der erste Eindruck der einer Säule: das Gewand ist 
bis auf ein paar Falten am Gewandsaum der Oberarme ganz glatt. Nur die Zehen reichen 
daraus hervor. An die Statue aus Assur erinnert auch die starke Betonung der Hüften. 
Teilweise wohl infolge der schlechten Erhaltung der Oberfläche sieht die Arbeit recht roh 
aus. Doch beweist die sorgfältige Behandlung der Nägel und die Angabe der Nagelhaut, 
daß der Bildhauer feinere Details geben wollte. Aber er verfährt, wie namentlich die Augen- 
bildung zeigt, sehr schematisch. Der Augapfel ist gewölbt, die schmalen Lider springen 
etwas vor, schwere, fast an altmesopotamische Werke erinnernde sich berührende Brauen 



1 ) Kleinmann Taf. XXII. Woermann I S. 164. Hier Taf. III 1. Flügel-Stier Asurnazirpals: 
Layard, Mon. I Taf. 4. Hier Taf. V 1. 

2 ) Kl ein mann Taf. XXVI— VII. Guide S. 26, N. 10. Perrot-Chipiez II Taf. VIII. Hier Taf. III 3. 

3 ) Mitt. Deutsch. Orientgesellsch. 9, S.O. Jetzt besser: Koldewey. Tempel Babylons Blatt 6, 
S. 36 „von einem Lamassu. Assyrisch?" Hier Taf. II 8, III 6. 

4 ) Andrae, Der Anu-Adad-Tempel S. 72. Hier Taf. III 5. Zur Technik vgl. Layard, Niniveh und 
Babylon S. 208 (276) [aus 'Arbän]. 

5 ) Kleinmann Taf. XX— XXI. Guide S. 26, N. 14. Hier Taf. II 7. Die Statue Salmanassars: Mitt. 
Deutsch. Orientgesellsch. 21, S. 40/41. Hier Taf. II 4, 5. 



beschatten die glotzenden Augen, das Gesicht versinkt in dem seiner Anlage nach der Statue 
Asurnazirpals ähnlichen Bart. Die Plumpheit der Arme ist unerhört, doch sind die Ellen- 
bogen scharf abgesetzt. Auf dem Kopf trägt das Bild die niedrige Hörnerkrone. Üppiges 
Haar fällt in den Nacken, wellig und senkrecht gestrichelt, in Locken endigend. Auch 
über der Stirn ist es wellig. Am Handgelenk sitzen mit Rosetten geschmückte Armringe, 
unter dem Gewand kommt über dem Ellenbogen ein flacher, ins Fleisch einschneidender 
Streifen heraus, vielleicht ein Armband. 

Andrae hat mit dem Nebo ein von ihm gefundenes, anscheinend unfertiges Bild 
zusammengestellt; 1 ) trotz der über dem Bauch gefalteten Hände könnte es ein König und 
kein Gott sein. Messerschmidt hat mit Grund an die Haar- und Barttracht der Asur- 
näzirpalstatuette erinnert und das Fehlen der Krone betont. In der Gewandung scheint 
sie verwandt der ganz in der Nähe gefundenen Statue Salmanassars III (II) aus Basalt, die 
leider in zwei Teile gebrochen und kopflos ist. Ich bin geneigt mir den Kopf nach der 
sog. Götterstatue zu ergänzen und auch in ihr ein Bild Saimanassars zu sehen. 

Ein neues Motiv bringt eine andere Basaltstatue Salmanassars III (II): der König ist auf 
einem lehnenlosen Throne sitzend dargestellt. 2 ) Das glatte Gewand verhüllt den Körper 
völlig, nur die übrigens aus der Masse wenig gelösten Arme schauen daraus hervor. Die 
Hände liegen auf den Knien. Der Kopf fehlt. Die Figur erinnert in mehr als einer Hin- 
sicht an die milesischen Figuren vom heiligen Weg, ohne anscheinend deren Individualität 
zu erreichen. An den stark betonten Hüften scheint das gegürtete Kleid einige Falten zu 
werfen, unten ist es mit Franzen besetzt. Der breite Bart fällt auf die Brust. 

Daß in stilistischer Beziehung die Statuen der fast unmittelbar aufeinander folgenden 
Könige Asurnazirpal, Salmanassar III und Adad-nirari zusammengehen, kann nicht Wunder 
nehmen. Vielleicht darf man sagen, zumal wenn man die verschiedene Härte der Mate- 
rialien in Betracht zieht, dafj der Stil Salmanassars weicher, zierlicher geworden ist. Docli 
kann der Eindruck der Photographien leicht täuschen. 3 ) 

Dieser älteren Gruppe von Kundskulpturen des IX. Jahrhunderts steht nun eine zweite, 
kleinere gegenüber, die von Sargon bis Asurbanipal reicht, also dem Ende des VIII. und 
dem VII. Jahrhundert angehört. 4 ) 



') Witt. Deutsch. ( »rientgesellsch. 21, S. 27. Hier Taf. II 6. 

2 ) (iuide S. 24, N. 8. Die Zeichnung bei Perrot-Chipiez II 540 läßt nur die allgemeinsten Züge 
erkennen. Eine bessere Veröffentlichung wäre trotz des schlechten Erhaltungszustands erwünscht. Hoffent- 
lich schenken sie uns Dr. Budge oder Mr. King in nicht allzu ferner Zeit. 

3 ) Die weichen Formen des .Götterbildes* aus Assur beruhen auf der Unfertigkeit. Immerhin habe 
ich auch von den Reliefs des schwarzen Obelisken (Kleinmann Taf. XVI ff.) verglichen mit den Dar- 
stellungen Asurnazirpals (Kleinmann Taf. XXVIII ff.) denselben Eindruck größerer Weichheit, liebens- 
würdigerer Erfindung. 

4 ) In gewisser Hinsicht treten die Ausgrabungen von Sendschirli 1 beschriebenen Funde von Gerd- 
schin in die Lücke: von der Statue «les unter Tiglathpilesar IV lebenden l'anarnmu II (a. a. 0. S. 54/Ü5) 
ist allerdings nur soviel erhalten, daß man sieht, sie war säulenförmig, trug Schuhe, aber keine assy- 
rische Gewandung. Hingegen erinnert die Statue, die Panammu 1 dem Gotte Hadad errichtete 
(a. a. 0. Taf. VI, S. 84), im allgemeinen an die Nebostatue, steht aber in der Haar- und Bartbildung der 
sargonischen Kunst näher. Die Augen, vielleicht auch die Brauen, waren eingelegt oder mit bunter 
Paste gefüllt. Der Stil ist gröber, der Gesichtstypus knorriger, die Schulternführung eckiger, als wir 
sie wohl für die assyrischen Vorbilder annehmen dürfen. Leider steht die Datierung nicht fest: die 
Entdecker wollten bis in das IX. Jahrhundert hinaufgehen, neuerdings neigt man viel mehr dem VIII. 



8 

Zur Beurteilung der Kunst Sargons sind zwei Gegenüberstellungen lehrreich: seine 
Flügelstiere vergleichen sich den Flügellöwen und -stieren Asurnazirpals, sein Bronzelöwe 
aus Khorsabad dem Löwen im British Museum. 

Die Silhouette der beiden Lamassufiguren ist die gleiche, 1 ) aber zu den schweren, 
an dieser Stelle einmal nötigen Formen paßt der Stierleib besser als der Löwenleib. Im 
einzelnen ist die Ausführung naturalistischer und reicher; am deutlichsten prägt sich das 
an der verschiedenen Form der Götterkronen aus. Die reichgeschmückte Krone der Sar- 
gonstiere wirkt üppiger, weniger ernst als der dreifache Hörnerturban der Flügellöwen 
und der niedrige Turban der Flügelstiere, und auch das Antlitz der Lamassus Sargons 
dünkt mich wenigstens weicher, üppiger als das der Türwächter des Asurnazirpal. 

Klarer wird uns das Verhältnis wohl noch bei Betrachtung der Löwen: 2 ) gegenüber 
dem plumpen Tier Asurnazirpals wirkt der schlanke Leu Sargons beweglich, kraftvoll, 
trotz aller Kleinheit furchtbar. Das Verständnis des Tierkörpers hat entschieden Fort- 
schritte gemacht, aber die Grundlagen sind die gleichen wie bei Asurnazirpal, und es kann 
kein Zweifel über die Stetigkeit der Entwicklung bestehen. 

Leider ist ein Hauptstück der sargonischen Plastik nur noch in Zeichnung nach 
Photographien erhalten: das Karyatidenpaar von Khorsabad, das im Tigris untergegangen 
ist. 3 ) Sie sind aus Gips gearbeitet und Place meint, aus der Brüchigkeit des Materials 
erkläre sich die säulenartige Grundform. Wir sehen mit mehr Recht darin alte Tradition : 
unter dem langen Franzensaum des an den Hüften gegürteten Gewandes, dessen Umriß 
den Füßen folgt, kommen nur eben die Zehen hervor. In beiden auf die Brust geführten 
Händen hält der Gott — er ist an der gefiederten Hörnerkrone kenntlich — nach Places 
Beschreibung ein Gefäß. Der Kopf ' scheint z. B. auch in der Bildung des Mundes mit 
den vorspringenden Lippen ganz dem der Stiere zu gleichen. Die Nase ist leicht gebogen. 



zu: Sanda, Die Aramaeer S. 12 „Ende des 8. Jahrh.", S. 26 (Anfang des 8. Jahrb.). Vorsichtigerweise 
wird man also den Hadad in die erste Hälfte des VIII. Jahrhunderts, zwischen Adad-nirari III und Asur- 
nirari III (755—745) setzen. Daß die Statuen an Ort und Stelle gearbeitet sind, lehrt die Notiz S. 53 
„völlig gleichartige Bildwerke, z. T. besser erhalten, haben wir in dem Steinbruch südlich von Mer- 
khanly im Kur-Dagh aufgefunden". 

1) Kleinmann Taf. XXII-XXIII, Taf. I — III. Perrot-Chipiez II Taf. IX. Hier Taf. III 1, 2. IV 4. 
Der bei Bezold, Ninive Abb. 12 wiedergegebene Löwenkoloß gehört jedenfalls Asurnazirpal — ist er 
wirklich im Louvre? In Khorsabad sind nach den Tafeln bei Botta und Flandin nur Stierkolosse 
gefunden. Hingegen kennt diese auch bereits Asurnazirpal: Layard, Monuments I Taf. 4. Hier Taf. V 1. 

2 ) Perrot-Chipiez II Taf. XI. Botta-Flandin, Monuments de Ninive II Taf. 151. Hier 
Taf. III 3, 4. 

3 ) In der viereckigen Platte, die über der Krone liegt, war nach Place, Assyrie, Texte S. 125 Taf. 31 bis 
„au centre un trou carre de quatre centimetres de cote et de profondeur. Peut-etre y fixait-on une tige 
metallique supportant une tenture en avant de l'entree, peut-etre y posait-on un candelabre ou un vase 
de fleurs." Letztere Ansichten sind recht unwahrscheinlich. Vielleicht fanden die Ausgräber überhaupt 
das Paar nicht mehr an der ursprünglichen Stelle: „La place occupee par la statue ne parait pas heu- 
reusement choisie: appliquee, comme eile l'etait, contre le mur de briques, eile cachait completement la 
tfite du lion." Sie muß freilich im Altertum an diese Stelle versetzt sein, denn „le de qui la Supporte, 
exactement encadre par les briques de pavages, etait enfonce de plusieurs centimetres dans le sol." Wo 
die 2. Statue gefunden wurde, gibt Botta nicht an. Die Rekonstruktion, die Place Taf. 24 gibt, scheint 
mir darzutun, wie unwahrscheinlich die Annahme ist, daß die eine der Statuen an ihrem ursprünglichen 
Platz gefunden worden ist. Hier Taf. V 2 a — c. 



Ebenso wie dort finden sich, wenn auch in geringerer Anzahl, einreihige Lockenquerbänder 
am Bart. Täuschen die Zeichnungen nicht, so sind die Arme naturwahrer wiedergegeben, 
vor allem die Hände. Die Gesamtforrnen scheinen mächtig, in den Brauen wohl etwas 
übertrieben. 

Genau die gleichen Eigenschaften, die wir an der Rundskulptur fanden, lassen nun 
auch die Reliefs erkennen: ein deutliches Stieben nach Naturwahrheit, dem z. B. in den 
Füßen und Händen überraschend Gutes gelingt, eine Liebe zum Detail und eine gewisse 
Behaglichkeit des Ausdrucks. Aufgegeben ist nun das gefühllose Anbringen der Inschriften 
auf den Körpern. 1 ) Lehrreich ist in dieser Beziehung der Vergleich der Reliefs jener 
adlerköpfigen Dämonen mit Frucht und Tasche. Wir wählen, um zwei gleichgerichtete 
Beispiele zu bringen, ein Relief aus London 8 ) und eines der Vatikanischen Museen. 3 ) Tracht 
und Haltung entsprechen im allgemeinen. Aber Sargons Genius ist ungleich schlanker, 
der gehobene Arm im Ellenbogen stärker gebogen; der Vogelkopf ist ungleich raubtier- 
artiger, die Zunge schwebt frei in der Luft, der Schnabel ist fast papageienartig gebogen. 
Die Franzen am Gewand hängen nicht, wie bei dem Genius Asurnazirpals, wie ein Orna- 
ment herab, sondern sind bewegt, wirken wie Stoff. Gleiche Unterschiede bemerken wir 
am Haar, an den Flügeln: die heraldische Ruhe und Kühle der Gestalten des IX. Jahr- 
hunderts hat wärmerem Leben Platz gemacht. Dabei aber zeigt das Schema der über- 
triebenen Muskulatur, der allgemeine Umriü, der Gröüenunterschied des abwärts und des 
aufwärts gerichteten Fittichs, dali der sargonidische Meister die älteren Vorbilder stets vor 
Augen hatte. Und zwar auch da, wo er nicht überirdische Wesen darstellte, sondern den 
König und seinen Hof. 

Unter diesen Bildern erfreuen sich von je einer besonderen Wertschätzung die Köpfe 
der Eunuchen. 4 ) Es sind unbärtige, aber nach Tracht und Muskulatur sicher männliche 
Personen mit fleischigem Gesicht und lang auf die Schultern fallendem Haar, das in dichten 
Locken endigt. Zum Unterschied aber von dem Haar des Königs ist in vielen Fällen 
wenigstens 5 ) die Oberfläche des Haars zur Bezeichnung der feinen Strähnen mit Wellen- 
linien graviert. 

Die Ähnlichkeit dieser Köpfe mit dem Köpfchen von Neapel wird jedem Beschauer 
auffallen. Ob dieses einen solchen Eunuchen darstellt oder vielmehr eine Frau, sehe ich 
keine Möglichkeit zu entscheiden. Dafi es aber innerhalb der Sargonidenkunst, sei es 

*) Kleinmann Taf. IV ff. Der Gilgamesch und die Flügelh'gur a. a. 0. Taf. XXIII können fast 
noch als Rundskulpturen gelten. 

*) Bezold Abb. 70. Hier Taf. IV 1. 

3 ) Marucchi, Museo Egizio Vaticano S. 342, X. 26. Hier Taf. IV 2. Vgl. Kleinmann Tai'. IX. 
auch Taf. VIII. 

4 ) Kleinmann Taf. 53. Hier Taf. IV 3. V 3. Vgl. übrigens auch die Ausführungen Perrot- 
Chipiez II 628 ff. und 614 ff. 623 f. über den verschiedenen Charakter der Landschaft in den Reliefs 
Asurnazirpals, Salmanassars, Sargons. 

5 ) Ausnahmen z.B. Kleinmann Taf. VI. Sehr deutlich ist die feine Gravierung auf dem Senna- 
cherib-Relief der Kinnahme von Laschisch: Kleinmann Taf. 69. Die Kunst Sennacheribs, die in der 
Komposition einen Schritt vorwärts zu bedeuten scheint, führt stilistisch die Grundsätze der sargonischen 
Zeit einfach weiter. S. die Bemerkungen bei Perrot-Chipiez II 630 ff., die allerdings nicht durchaus 
zutreffen. 

Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI, 2. Aldi. 2 



10 

unter Sargon selbst, sei es unter Sennacherib, seinen Platz finden muß und zwar als eins 
der wertvollsten Denkmäler, scheint mir gewiß. 

Nach zwei Seiten hin glaube ich das Resultat stützen zu können: eine gewisse Ver- 
wandtschaft zu dem Neapler Fragment weist ein ihm freilich keineswegs gleichwertiges 
„babylonisches" Köpfchen in Berlin auf: 1 ) ich weiß nicht, ob es Zufall oder Absicht war, 
wenn Delitzsch dem Berliner Köpfchen gegenüber den Kopf Merodach-baladans II nach 
der Berliner Stele abbildete. 2 ) Jedenfalls dürfte damit auch für das Köpfchen eine unge- 
fähre Zeitangabe gewonnen sein, denn die scharfe Glätte der Arbeit, die Wiedergabe des 
Haares zeigen unleugbare Verwandtschaft. Und wiederum steht die auf 715 v. Chr. datierte 
Stele Merodach-baladans stilistisch, vor allem technisch, dem Neapler Kopf nicht allzu fern. 
So gewinnen wir auch von hier aus einen Anhalt das Obsidianköpfchen an das Ende des 
VIII. Jahrhunderts zu setzen. Daß es freilich in Babylonien entstanden ist, glaube ich 
nicht. Auch das Material spricht eher für Assyrien, das den kleinasiatischen und nord- 
syrischen Ruinenstätten, wo man regelmäßig Obsidiansplitter findet, 3 ) näher liegt als Baby- 
lonien, aus dessen Funden meines Wissens Obsidian bisher nicht bekannt geworden ist. 
Wechselbeziehungen zwischen der assyrischen und der babylonischen Kunst haben wir ja 
schon früher wahrgenommen. Hingewiesen sei hier auf eine sehr merkwürdige, mir zunächst 
nicht erklärliche Tatsache: die große Verwandtschaft einiger aus Laschisch weggeführter 
Gefangener auf dem Relief Tiglathpilesars IV 4 ) mit den Gestalten auf dem Grenzstein 
Marduk-balatsu-iqbis im British Museum, der um über 100 Jahre früher (812 v. Chr.) 
gesetzt scheint. 6 ) Dabei kann es sich nicht um einen bestimmten Rassentypus handeln, 
denn die kanaanäischen Bewohner von Laschisch haben mit den Babyloniern des Kudurrus 
doch nur sehr allgemeine Verwandtschaft. 

Die zweite Bestätigung des Ansatzes für den Kopf des Neapler Museums gibt die 
weitere Geschichte der assyrischen Rundskulptur. Es sind durchweg Stücke aus der Zeit 
Asurbanipals (668 — 626 v. Chr.), die leider z. T. nur in nicht sehr guten Zeichnungen 
vorliegen. Zwei Köpfe aus Kujundschik mögen den Anfang machen, deren einen Layard, 
deren anderen Smith bekannt gemacht haben. 6 ) Beiden gemeinsam sind volle, rundliche 
Formen, plumpe, bei dem Layardschen wenigstens gebogene Nasen, aber schmale Augen 
mit Angabe der Thränendrüse, prononcierte, einander berührende Brauen. Die Haar- 
behandlung des sog. Istarkopfes, der mit seiner breiten Binde auf den ersten Blick an 
das bekannte Bild der Königin beim Gastmahl aus Kujundschik erinnert, 7 ) erscheint in 
Smiths Zeichnung fast malerisch. Es ist ja dieser weiche Naturalismus, der von jeher in 



') Delitzsch, Handel und Wandel in Altbabylonien S. 15. 14. Hier Taf. VI 1, 2. 

2 ) Greßmann, Bilder zum alten Testament S. 10. Bezold, Ninive Fig. 48. Hier Taf. VI 3. 

3 ) Ausgrabungen von Sendschirli I S. 46. 

4 ) Kl ein mann Taf. 56. Hier Taf. VI 8. 

B ) Guide British Museum S. 88, N. 104. Hier Taf. VI 9. 

6 ) Layard, Ninive und Babylon Taf. VII D. Smith, Assyrian discoveries S. 248. Der erstere in 
der Ninive gallery N. 3, aus Kalkstein, ist überlebensgroß. Um die Nasenflügel geht eine starke Falte, 
den kleinen Mund umschließen eine fast gerade Unterlippe und eine geschweifte Oberlippe. Zur Nase 
führt eine flache, breite Furche. Das rundlich vorspringende Doppelkinn zeigt unten eine leise Falte. 
Das schmale untere Lid hat einen deutlichen Rand, das breite obere ist gegen die Haut über dem Auge 
wie aufgeklappt. Die Brauen haben die Gestalt breiter, spitzig auslaufender Bänder. Hier Taf. VI 5, 6. 

7 ) Kleinmann Taf. 61. 



11 

den Reliefs Asurbanipals aufgefallen ist und Brunn dazu veranlaßt hat, in diesen um 
650 v. Chr. entstandenen Bildern nach griechischem Einfluß zu suchen. *) So bestechend 
diese These zuerst sich gibt, so muß doch betont werden, daß gerade die von Brunn ange- 
führten Tierbilder sich zwar in der Tat durch eine staunenswerte Lebendigkeit und Natur- 
wahrheit auszeichnen, aber doch durchaus im Rahmen der assyrischen Kunst bleiben. Es 
ist auch Brunn nicht gelungen , für den blutspeienden Löwen , die von Pfeilen getroffene 
Löwin, die erstaunlich sicher, aber ganz assyrisch stilisierten Hunde Vorbilder unter den 
griechischen Reliefs oder Vasenmalereien des VII. Jahrhunderts zu finden. Das kyprische 
Relief von Golgoi, das, wie Brunn selbst zugibt, durchaus „auf der Grundlage assyrischer 
Anschauung" steht, scheint mir für Brunns These nichts zu beweisen, um so mehr als 
seine Datierung unsicher, die einzigsten Analogien meines Wissens aber unter den phöni- 
kischen Metallschalen zu finden sind. Auch die Ausgrabungen von Hogarth in Ephesus 
haben nichts gebracht, was unsere Frage klären könnte, und ich kann Cecil Smiths Ver- 
such, die Elfenbeine aus Nimrud einfach für ionisch zu erklären, nicht beistimmen. 2 ) So 
müssen wir fürs erste den Stil der Asurbanipalreliefs als ein Ergebnis einer im wesent- 
lichen inner-assyrischen Entwicklung auffassen. Ich glaube, daß auch für die fortge- 
schrittene Kompositionsweise mancher dieser Reliefs sich das allmälige Werden von Asur- 
nazirpal. ja von Tiglathpilesar I an verfolgen läßt. Nichts in den berühmten Kriegs- und 
Jagdszenen aus Kujundschik 3 ) führt ganz neue künstlerische Grundsätze ein. Auffallend 
sind mehr als einmal die Parallelen zu den ägyptischen Schlachtenreliefs des neuen Reichs. 
Allein, so sehr es sich verlohnen würde, diesen Dingen einmal nachzugehen, ich glaube 
nicht, daß wir in den Asurbanipalreliefs mit der — äußerlich durchaus denkbaren — 
Nachahmung ägyptischer Vorbilder zu rechnen haben. 4 ) 

Neben dieser naturalistischen, frisch beobachtenden Kunst steht nun eine andere, die 
ich als die archaistische bezeichnen möchte. Wir haben von ihr aus Kujundschik wenig- 
stens ein mit großer Wahrscheinlichkeit auf Asurbanipal (und nicht Sennacherib) : ') zurück- 

') Griechische Kunstgeschichte I 109 tf. 

*) Um nur eins hervorzuheben: nach Layard, Babylon und Ninive S. :!G2 sind die Köpfe Taf.VIIE 
und XVIY,Z im Paläste Asurnazirpals gefunden worden, gehören also zunächst in das IX. Jahrhundert. 
Taf. VII E ist aus Alabaster, also an Ort und Stelle gearbeitet; er (und einige gleichartige, ebenda gefun- 
dene Köpfe) stimmen nun stilistisch durchaus zu den Elfenbeinköpfen aus Nimrud. die Smith zum ersten 
Mal gut abbildet Kxcavations at Ephesus Taf. XXIX 2. 3, 8. Also müssen auch diese zunächst in Asur- 
nazirpals Zeit gesetzt werden. Dann aber können unmöglich ionische Vorbilder für sie angenommen 
werden, denn bis in die erste Hälfte des IX. Jahrhunderts wird auch Smith die Elfenbeine von Ephesus 
nicht setzen wollen. Also muß, ehe man weiter arbeitet, für die Elfenbeine von Nimrud die gleiche 
Scheidung in alte und jüngere Stücke versucht werden, die für die Metallschalen im wesentlichen richtig 
im Arch. Jahrb. 1898 S. 38 ff. gegeben ist. Das von Smith richtig festgestellte Verhältnis der Kameiros- 
elfenbeine zu den Funden von Ephesus und Naukratis muß dabei berücksichtigt werden. 

s ) Kleinmann Taf. 74 ff. Woermann, Geschichte der Kunst I S. 177 f. Hier auf S. 174 die 
beste Charakteristik der Kunst Asurbanipals im Verhältnis zu der seiner Vorgänger, die mir bekannt ist. 
Vgl. auch Perrot-Chipiez II G47 ff. 

*) Ich suche für beide, d. h. für die assyrischen und ägyptischen Reliefs gemeinsame Vorbilder in 
der mesopotamischen Kunst. S. Bissing-Bruck mann, Denkmäler, zu Taf. 87, vor allem Ann). 25. Den 
Widerspruch \V. M. Müller s Egyptological researches II hätte ich gern ausführlicher begründet gesehen. 

*) Für Skulpturen Sennacheribs, die noch ganz die sargonischen Formen bewahren, vgl. auch noch 
Layard, Monuments II Taf. III. 



12 

zuführendes Relieffragment bei Layard, Monuments I 82, 1. Deutlicher aber wird uns 
diese Richtung an der Rundskulptur: die bekannte Stele des British Museums, die wir 
ihres hohen Reliefs halber hier wohl heranziehen dürfen, zeigt den König selbst einen 
Korb haltend. 1 ) Unter dem anliegenden, den Körper teilweise durchscheinen lassenden 
Franzenshawl kommen die Spitzen der Schuhe vor. Haar und Bart, in alter Weise pein- 
lich gekräuselt mit einreihigen Lockenquerbändern , umrahmen das etwas volle Gesicht. 
Die Lippen sind aufgeworfen, die Augen im Vergleich zu den wirklich altertümlichen 
Figuren schmal. Unbeholfen greifen die Hände nach oben, die Körperformen sind ungleich 
weicher, schwammiger als bei den Werken des IX. Jahrhunderts. Als guter Alter, wie 
im Schlafrock und Pantoffeln, tritt der König vor uns und selbst die hohe, spitze Priester- 
mütze scheint etwas von ihrer alten Steifheit eingebüßt zu haben. 

Die gleichen Züge erkennen wir an der schon früher zitierten Terracotta des British 
Museum. 2 ) Bis in Einzelheiten, z. B. die Falten des Gewandsaums am Oberarm, erinnert 
die Tracht an die Nebostatue. Die Füße werden etwas weiter sichtbar und das Gewand 
legt sich, wie bei den Statuen Sargons, um die Füße herum. Der Kopf mit dem schweren 
Bart und dem reichen, auf dem Scheitel an eine Melonenfrisur gemahnenden Haar sitzt 
ganz auf dem Körper auf, unfreier sogar als bei Asurnazirpal und dem Nebo. 3 ) 

Es kann uns gerade bei der Eigenart Asurbanipals-Sardanapals und seinen antiqua- 
rischen Liebhabereien nicht Wunder nehmen, daß wir unter ihm zwei Richtungen inner- 
halb der Kunst finden, eine lebensvolle, moderne, der die höchsten Leistungen der assyri- 
schen Skulptur überhaupt angehören, und eine archaistische, die als Leistung wenig be- 
deutet. Daß das Neapler Köpfchen mit dieser Richtung nichts zu tun hat, ist wohl ohne 
weiteres einleuchtend. Aber auch mit der „modernen" glaube ich es nicht zusammen- 
bringen zu sollen. Es scheint mir den Eunuchen-Köpfen auf Asurbanipals Reliefs weniger 
verwandt als denen der Sargonidenzeit. 4 ) Doch wird sich ein unbedingtes Urteil erst 
gewinnen lassen, wenn wir mehr datierbare Überreste assyrischer Skulptur aus der Wende 
des VIII. zum VII. Jahrhundert haben. Hoffen wir, daß sie nicht allzu lang auf sich 
warten lassen! 

Die Datierung der Skulpturen von c Arbän. 

Layard hat in 'Arban (Teil Adjabe am Mittellauf des Chabur) die Überreste einer 
Stadt und Skulpturen gefunden, die er folgendermassen charakterisiert: „die Figuren von 
grobem Kalkstein glichen an Gestalt im allgemeinen den bekannten geflügelten Stieren 
aus Nineve, hinsichtlich des Kunststiles aber unterschieden sie sich von diesen bedeutend. 
Umrisse und Ausführung waren kühn und eckig und hatten etwas ganz besonders Alter- 
tümliches. Sie standen zu den sorgsam ausgeführten und reich verzierten Bildwerken zu 



') Guide Taf. XIII N. 147. Lehmann-Haupt, Schamaschumukin Titelbild. Hier Taf. VI 4. 

2 ) Perrot-Chipiez II 653. Hier Taf. VI 7. 

3 ) Die in den Sammlungen verstreuten assyrischen und babylonischen Terrakotten einmal zu sammeln 
und für die Geschichte der mesopotamischen Skulptur nutzbar zu machen, ist eine notwendige Arbeit, 
der ich mich aber augenblicklich nicht unterziehen konnte. Eine Anzahl babylonischer sind jetzt in 
Koldeweys Tempeln S. 7, 12. 19, 23, 31, 33, 36, Blatt 4, 6 veröffentlicht. 

*) Kleinmann Taf. 34 f. 



13 

Nimrud in demselben Verhältnis, wie die ältesten Überreste der griechischen Kunst zu den 
Meisterstücken eines Phidias und Praxiteles. Die menschlichen Gesichter waren leider sehr 
beschädigt, doch war noch genug übrig, um erkennen zu lassen, daß die Züge einen eigen- 
tümlichen und von dem assyrischen Typus verschiedenen Charakter hatten. Die Augen- 
höhlen waren tief, wahrscheinlich weil das Weiße und der Augapfel von Elfenbein oder 
Glas eingesetzt waren. Die Nase war flach und groß und die Lippen dick und aufge- 
worfen, wie die eines Negers. An dem Kopfe waren menschliche Ohren, die Stierohren 
waren an der Mütze mit Hörnern, die niedrig und oben viereckig, entweder hoch und 
verziert wie die zu Khorsabad und Kujundschik, oder rund wie die zu Nimrud war. Das 
Haar war sorgfältig gekräuselt wie bei den rein assyrischen Bildwerken, doch gröber aus- 
gehauen. Die Flügel waren im Verhältnis zur Größe des Körpers klein und nicht so 
majestätisch ausgebreitet wie die der Stiere, welche die Paläste in Nineve schmückten." 
Nach einigen Tagen entdeckte man einen Löwen mit offenem Rachen, der aus demselben 
groben Kalk gehauen und in demselben altertümlichen Stil gearbeitet war wie die Stiere. 
„Er hatte fünf Beine und, wie die Löwen auf den Basreliefs in Nineve, die Klaue am 
Schweife. In einem andern Tunnel wurde eine menschliche Figur in Belief entdeckt. Das 
Gesicht derselben zeigte die volle Vorderseite; die eine Hand faßte ein Schwert oder einen 
Dolch, die andere hielt irgendeinen Gegenstand an die Brust. Haar und Bart Helen lang 
herab und waren, wie auf den assyrischen Basreliefs, mit einer Fülle von Locken verziert. 
Die Kopfbedeckung schien aus einer Art rundem Helm zu bestehen, der oben eine scharfe 
Spitze hatte. Behandlung und Stil zeigten, daß die Figur aus derselben Zeit stammte wie 
die Stiere und der Löwe. — Ob die Skulpturen zu 'Arbän in die Zeit der assyrischen 
Herrschaft gehören, oder einem später bezwungenen Volke, oder ob sie aus derselben Zeit 
sind wie die Basreliefs zu Nimrud oder ob älter, das sind Fragen, die man nicht so leicht 
beurteilen kann. Der altertümliche Charakter der Behandlung und Zeichnung, die eigen- 
tümliche Gestalt der Gesichtszüge, die rohe, obgleich kräftige Zeichnung der Muskeln und 
die Einfachheit der Details machen allerdings den Eindruck eines höheren Alters als das 
anderer bisher im eigentlichen Assyrien entdeckter Altertümer. Ein dein zu 'Arbän ent- 
deckten sehr ähnlicher Löwe, obgleich von kolossaleren Verhältnissen, befindet sich in der 
Nähe von Serug." ') 

Von neueren Forschern sind mir zwei Beschreibungen von 'Arbän bekannt geworden. 
E. A. Wallis Budge besuchte, wie er mir gütigst schreibt, 'Arbän 1890/91: „there was 
little to see, but I thought the town might be as old as Tiglath Pilesar I. Still this is 
only a guess; some of the remains appeared to be of the time of Ashur-nasir-pal, as 
Layard thought." 

Baron Oppenheim besichtigte die Ruinen auf seiner Reise 1893. 2 ) Danach finden 
sich in 'Arbän mehrere Hügel, in deren bedeutendstem, vom Chabur bedrohten, Layard 
röhrenförmige und wagrecht laufende Löcher gegraben hat. 3 ) Der eine, noch an Ort und 

M Layard-Zencker, Ninive und Babylon S. 275 ff. Das liier genannte Serug ist genauer Arslan 
Taseh bei Hadjib im Serudj (Oppenheim, Teil Halaf S. 32). 

2 ) Vom Mittelmeer zum persischen Golf II l'J ff. 

3 ) Oppenheims Feststellung deutlicher Luftziegelmauern erklärt die von Layard berichteten Tat- 
sachen über das Fehlen jedes Maueranschlusses bei den Stieren u. s. w. Wie in Persepolis sind die 



14 

Stelle vorhandene Stier mißt 1,25 m Höhe. Der Stil sei viel roher und plumper als bei 
den Stieren von Ninive. Leider gibt Oppenheim keine Photographie davon und berichtet 
ausführlicher nur von den arabischen Resten der Gegend. An anderer Stelle schreibt 
Oppenheim Folgendes 1 ): „Einige Tagereisen südöstlich vom Teil Halaf am unteren Chabur 
sind in 'Arbän u. a. vier geflügelte Stiere mit Menschenköpfen, ein Löwenorthostat, sowie 
zahlreiche ägyptische Kleingegenstände aus der 18. Dynastie (15. Jahrh. v. Chr.) gefunden 
worden. Die Steinbilder scheinen mir nach ihrer künstlerischen Behandlung eine Mittel- 
stellung zwischen den Orthostaten von Teil Halaf und von Sendschirli einerseits und den 
assyrischen andererseits einzunehmen." Auch er verweist dann auf die Löwen von Arslan 
Tasch-Serudj und Orthostaten, die dort gefunden seien und im Relief einen stehenden 
Mann zeigten, der eine Platte mit erhobenen Armen über dem Kopf trägt. 

Die Stiere trugen Inschriften, aus denen, wie schon Layard andeutet, hervorgeht, daß 
sie von einem Priesterfürsten Muses-Ninip errichtet sind. Winckler meinte: „Man wird die 
Denkmäler nicht als „ altassyrisch ", sondern als „nordmesopotamisch" ansehen müssen. Der 
Priesterfürst, dessen Namen sie tragen, nahm jedenfalls eine ähnliche Stellung im Reich der 
Kissati ein, wie die Patesis im Reiche von Sumer und Akkad, d. h. er war ein in seinem 
Gebiete als Herrscher schaltender Vasall des [assyrischen] Königs. — Wir finden nament- 
lich in den Inschriften Asurnazirpals und Salmanassars II, welche hier die assyrische Ober- 
hoheit wieder herstellten, wenigstens einige Nachrichten darüber." 2 ) 

Nun kehrt der Name Muses-Ninip auf einem Zylinder des British Museum wieder, 
dessen Aufschrift nach Pinches lautet 3 ): „Siegel des Muses-Ninib, des Priesterfürsten (so 
Hommel), des Sohnes des Ninib-Esses, des Priesterfürsten, des Sohnes des Salman-haman- 
ilani, des Priesterfürsten." Das Siegel stammt aus Scherif Khan (Tarbis), müßte also jeden- 
falls in alter oder neuer Zeit verschleppt sein, wenn man die von Smith zuerst aufgestellte 
Gleichsetzung des hier genannten Salman-haman-ilani mit dem unter Asurnazirpal Tribut 
bringenden Herrscher von 'Arbän annimmt. Das Siegel des Muses-Ninib weist den rein 
assyrischen, voll entwickelten Stil auf. Es müßte unter Salmanasar III (früher II) oder 
Samsi-adad IV fallen, d. h. etwa 60 Jahre nach dem Beginn Asurnazirpals. Wollte man 
mit diesem Muses-Ninib den Muses-Ninib von 'Arbän gleichsetzen , dann gehörten die 
Skulpturen von 'Arbän in ebendiese Zeit, d. h. die zweite Hälfte des IX. Jahrhunderts. Ist 
das nach dem Charakter der Denkmäler denkbar? 

E. Meyer hat in der Geschichte des Altertums P S. 597 ihn so gekennzeichnet: 
„Diese Skulpturen sind deutliche Vorstufen der gleichartigen assyrischen Reliefs der spä- 
teren Zeit, ebenso ein kleines Relief eines Herrschers mit Helm und Dolch oder Keule und 
langem Haupthaar, das den auffallenderweise en face gebildeten Kopf zu beiden Seiten 
umrahmt; die überladene Muskulatur und die schematische Stilisierung, welche die assyri- 

Ziegelmauern, zum Teil wohl durch Raubbau, verschwunden. Oppenheims Angabe, daß der eine der 
Stiere heute im British Museum sei, beruht anscheinend auf einem Irrtum. 

») Der Teil Halaf S. 31 f. 

*) Geschichte Babyloniens und Assyriens S. 150 f. In den Altorientalischen Forschungen I S. 385 
iiuf3ert Winckler sich etwas präziser, wir hätten diese Denkmäler nicht als „altassyrisch", sondern als 
„mesopotamisch" (vorassyrisch) anzusehen. Skeptischer a. a. 0. S. 142. 

3 ) Vgl. Hommel, Geschichte S. 558, wo der Zylinder abgebildet und besprochen ist. 



15 

sehe Skulptur charakterisieren, finden sich schon hier, ebenso der Brauch, den Mischwesen, 
Genien, welche das Tor beschirmen, fünf Beine zu geben, so daß sie von vorne stehend. 
in der Seitenansicht schreitend erscheinen. Andrerseits sind diese Skulpturen von 'Arbän 
zweifellos beträchtlich älter als die Asurnazirpals (884—860). Da sich in den Ruinen 
mehrfach Skarabäen des Tuthmoses III und Amenophis III gefunden haben, der Palast 
aber älter zu sein scheint, dürfen wir ihn vielleicht in diese Zeit setzen; allerdings würden 
die Schriftzeichen wohl eher für eine jüngere Epoche, kurz vor oder nach Tiglathpilesar I 
sprechen. Unsere Kenntnis der assyrischen Kunst im zweiten Jahrtausend ist noch zu 
dürftig, als daß von hier aus eine genauere Zeitbestimmung gewonnen werden könnte.' 
Nun wird niemand die Wiege der assyrischen Kunst an den Chabur legen wollen, in den 
Bereich jener Ruinenstätten, wo wir überall die assyrischen Einflüsse mit den hethitischen 
ringen finden. So würden aber die Bildwerke von 'Arbän (und im weiteren die von Teil 
Halaf 1 )) eben das bezeugen, was wir früher voraussetzten, eine ausgebildete assyrische 
Kunst vor Asurnazirpal nicht nur, sondern womöglich vor Tiglathpilesar I, wenn sich 
einer solchen Auffassung nicht doch beträchtliche Bedenken entgegenstellten. 

Die Bildwerke von 'Arbän liegen bisher leider nur in den Skizzen Layards vor, von 
denen Maspero mit Recht sagt „croquis sommaires, qui ne permettent d'apprecier ni la 
technique ni la valeur artistique des niorceaux". 2 ) Immerhin aber darf man einiges her- 
vorheben: auffallend sind bei den Stierbildern von 'Arbän die sehr stilisierte Behandlung 
der Muskulatur und die merkwürdigen Locken, die einzeln an den hinteren drei Beinen 
hervortreten. Diese Locken treten genau so bei den Flügelstieren Asurnazirpals auf 3 ) 
und für die Muskulatur bieten Reliefs desselben Königs die beste Analogie. 4 ) Ein Frag- 
ment aus Assur, das wir oben besprachen, wies gleich den Stieren aus 'Arbän eingelegte 
Augen auf. 

Für die Ausführung und Gestalt der Flügel, die kleiner erscheinen als bei den Stieren 
und Löwen Asurnazirpals und Sargons möchte ich auf das sog. Tiamatrelief Asurnazirpals 
hinweisen, 5 ) für die Anordnung der Locken am Körper des Stiers, die Form der (oben 
offenbar bestossenen) Krone, den Bart, auf die Stiere Sargons mehr vielleicht als auf die 
Asurnazirpals. 6 ) Ist auf die Abbildungen Verlaß — und wir haben keinen Grund zu 
zweifeln — , so ist noch eine Einzelheit den Sargonstieren und den Stieren von 'Arbän 



1 ) Oppenheim, Teil Halaf S. 33 f. möchte die Reliefs dort nach dem Charakter der Schrift um 
900 ansetzen, geht aber aus geschichtlichen Gründen etwas höher hinauf. Während nun die Reliefs von 
Teil Halaf starken hethitischen Charakter mit assyrischem Einschlag zeigen, tragen die verhältnismäßig 
so nahen Reliefs u. s. w. von 'Arbän rein assyrischen Charakter. Es ist nicht wahrscheinlich, daß beide 
Paläste in dieselbe Zeit gehören; soll man annehmen, daß die Ruinen von 'Arbän aus einer von den 
Hethitern und Mitanni noch unbeeinflußten Zeit stammen? Ich meine, es ist kaum möglich mit 'Arbän 
so hoch hinaufzugehen. Auch auf diesem Wege kommen wir also zu einem verhältnismäßig jungen 
Ansatz. 

2 ) Histoire classique III S. 18. a. a. O. S. 17 sind der Stier und die Stele abgebildet nach Layard, 
Babylon und Ninive (übersetzt von Zencker) Taf. 111 D, VA, VI A, B. 

') Layard, Monuments 1 Taf. 4. 

4 ) Kleinmann Taf. 82 Löwenjagd. Ähnlich auch noch die Stiere unter Tiglathpilesar IV a. a. 0. 
Taf. 55. Übrigens lassen sich auch die geflügelten Löwen Asurnazirpals Kleinmann Taf. XXII vergleichen. 

5 ) Kleinmann Taf. 73 ff. 

'') Kleinmann Taf. II. Layard, Monuments I Taf. 4. 



16 

gemeinsam: die kleine aufgerollte Locke oberhalb des Schwanzansatzes. Der Schwanz 
selbst ist merkwürdig naturalistisch behandelt und so zwischen den Beinen durchgeführt, 
wie wir es bei einzelnen „Einhorn "-Stieren Asurnazirpals im Relief finden, von denen der 
geflügelte auch die gleichen kurzen Flügel zeigt. x ) 

Offenbar zeigt der Löwe von 'Arbän stilistisch große Verwandtschaft mit den Flügel- 
stieren und daher auch ein ähnliches Verhältnis zum Löwen Asurnazirpals: Anlage und 
Gesamtauffassung sind die gleiche, aber der Löwe von 'Arbän mit seinem prachtvoll auf- 
gereckten Schweif, dem höher gehobenen Haupt, den aufgerichteten Ohren wirkt selbst 
in Layards Zeichnung noch kühner und wohl auch naturalistischer als das Tier Asurna- 
zirpals. Auch hier scheint die Richtung zur Sargonidenkunst gegeben. Es muß hervor- 
gehoben werden, daß der Löwe von Serug, der wiederholt mit dem von 'Arbän zusammen- 
gestellt worden ist, nach der Skizze bei Chesney gerade die Abweichungen von dem 
Löwen Asurnazirpals nicht teilt, vielmehr wie ein getreuer Bruder des Monuments von 
Ninive aussieht. 2 ) Und die hethitischen Löwen von Marasch und ihre Genossen, so vielerlei 
Eigentümliches sie haben, treten auf die Seite der Statue von Ninive. 3 ) 

Das letzte der Denkmäler von 'Arbän, die Stele mit dem Relief bild de face, stellt 
sich zunächst nach der äußeren Form wie der Art der Darstellung zu der Stele Asur- 
banipals mit dem Korb. 4 ) Da diese aber in die archaistische Reihe gehört und wir, wie 
oben gesagt, unter den Denkmälern von Serudj das gleiche Motiv doch wohl sicher aus 
älterer Zeit fanden, so dürfen wir diese Art der Darstellung schon für die ältere assyrische 
Kunst voraussetzen. Das Motiv selbst ist ja bekanntlich in der Rundskulptur altmesopo- 
tamisch. Immerhin macht die Tatsache, daß die sämtlichen alten Königsstelen und Ku- 
durrus den König nur von der Seite zeigen, es rätlich, die Darstellung de face nicht für 
eine von jeher übliche zu halten. Auch hier wieder kommen wir also zum Schluß, die 
Denkmäler von c Arbän dorthin zu setzen, wohin die epigraphische Kombination sie ursprüng- 
lich setzen wollte, zwischen Asurnazirpal und Sargon. Man müßte sonst nach dem Aus- 
geführten in der Kunst Asurnazirpals nicht nur die völlige Abhängigkeit von älteren Vor- 
bildern, sondern auch einen entschiedenen Rückschritt annehmen. So sehr ich nun betont 
habe, daß die Kunst des Königs keine ursprüngliche, frische ist, so wenig haben wir doch 
einstweilen das Recht, ihr jedes eigne Schaffen abzustreiten. 

Die Altertümlichkeit der Skulpturen von c Arbän und vielleicht auch der dort ver- 
wandten Schrift 5 ) läßt sich aber meiner Ansicht nach auch als provinzielles Ungeschick, 
als Rückständigkeit in der Ausführung der von Assyrien erhaltenen Vorbilder auffassen. 
Und die Skarabäenfunde können allein nicht viel für den Palast beweisen: die Ansiedlung 



!) Layard, Mon. I Tafeln zwischen Taf. 2 und 3, bunte Ziegel aus dem Palast Asurnazirpals. 
Vgl. Perrot-Chipiez II Taf. XIV. 

2 ) Chesney, The expedition for the survey of the rivers Euphrates and Tigris I S. 114. Die 
Skizze wurde vom Leutnant Eden 1836 angefertigt und 1850 veröffentlicht. 

3 ) Garstang, The land of the Hittites Taf. 42, 80— Sl. Das ungeheuer verwickelte Problem der 
hethitischen Kunst will ich hier nicht berühren. — Über den bei King-Hall, Egypt and Western Asia 
S. 161 abgebildeten Löwen von Babylon kann ich leider nach der kleinen Photographie nicht urteilen. 

*) Budge, Guide Taf. XIII. 

5 ) Reichen die spärlichen bisher bekannt gewordenen Inschriften aus 'Arbän wirklich zu einer 
Datierung vor Asurnazirpal aus? 



17 

in 'Arbän war ja unzweifelhaft viel älter, sie wird sicher in die Zeiten der Mitte des 
2. Jahrtausends zurückgehen, wo zwischen diesen Landstrichen und Ägypten eine rege 
Verbindung bestand, die später, und zwar gerade im IX. Jahrhundert unterbrochen war. 
Aus dem Fehlen jüngerer Skarabäen kann also nichts gegen eine jüngere Datierung 
gefolgert werden. 1 ) Ganz unmethodisch aber scheint es mir. auf Grund von Skarabäen, 
deren Königsnamen um 1400 v. Chr. anzusetzen sind, eine Datierung in das XII. oder 
XI. Jahrhundert zu befürworten. 



J ) Außer Tuthmoses III erscheint noch Amenophis III auf den Skarabäen. liudge, The Mummy 
S. 251 f. hält alle Skarabäen für gleichzeitig, macht aber mit Hecht auf die Unzulässigkeit chronologi- 
scher Schlüsse aufmerksam, da „the antiquities found at 'Arbän are of a very miscellaneous character." 



Übersicht der Tafeln. 

I Kopf aus Obsidian. Neapel, ägyptische Abteilung. 

II 1, 2 Archaische Statue aus Assur (nach den Mitt. d. Deutsch. Orientgesellsch.). 

3 Statuette Asurnazirpals. London (nach dem Guide to the Iiabylonian usw. antiquities). 

4, 5 Statue Salmanassars III aus Assur mach den Mitt. d. Deutsch. Orientgesellsch.). 

(> Unvollendete Statue aus Assur (nach den Mitt. d. Deutsch. Orientgesellsch). 

7 Stiltue des Gottes Nebo. London (nach Kleinmann). 

8 Terracottakopf aus Babylon (nach Koldewey. Tempel). 

III 1 Lamassu Asurnazirpals. London (nach Kleinmann). 

2 Lamassu Sargons. Paris (nach Kleinmann). 

3 Löwe Asurnazirpals. London (nach Kleinmann). 

4 Löwe Sargons. Louvre (nach Perrot-Chipiez II). 

5 Kopf eines Lamassu aus Assur (nach Andrae, Anu-Adad-Tempel). 

6 Terracottakopf aus Babylon, Seitenansicht (nach Koldewey. Tempel). 

IV 1 Adlerköpfiger Genius Asurnazirpals. London (nach Kleinmann). 

2 Adlerköpfiger Genius Sargons. Rom, Vatikan (nach Photographie). 

3 Eunuch Sargons. Louvre (nach Kleinmann). 

4 Lamassu Sargons. Vorderansicht. Louvre (nach Kleinmann). 

5 Kudurru Marduknadinaehis. London (nach Photographie). 
V 1 Lamassu (Stier) Asurnazirpals (nach Layard). 

2 a, b, c .Karyatide" Sargons (nach Place). 

3 Wedelträger Sennacheribs (nach Kleinmann). 

VI 1, 2 Spätbabylonisches Köpfchen. Berlin (nach Delitzsch). 

3 Kopf Merodaehbaladans IL Merlin (nach Delitzsch). 

4 Stele Asurbanipals. London (nach dem Guide to the Iiabylonian usw. antiquities] 

5 Kopf aus Kujundschik (nach Layard). 

6 Kopf aus Kujundschik (nach Smith). 

7 Tonstatuette. London (nach Perrot-Chipiez II). 

8 Von einem Relief Tiglathpilesar IV. London (nach Kleinmann). 

9 Kudurru Marduk-balatsu-iqbis. London (nach dem Guide to the Iiabylonian usw. antiquities). 



Abb. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl. XXVI, 2. Abb. 



Fr. W. v. Bissing, Assyrische Skulptur 



Taf. I 





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Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI, 2. Abb. 



Fr. W. v. Bissing, Assyrische Skulptur 



Taf. II 











Altere Periode 



Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI, 2. Abh. 



Fr. W. v. Bissing, Assyrische Skulptur 



Taf. III 









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Vergleich der Kunst Asurnazirpals (1. 3, 5) und Sargons (2, 4) 
Abb. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI, 2. Abb. 



Fr. W. v. Bissing, Assyrische Skulptur 



Taf. IV 










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flsurnazirpal (1) und Sargon (2—4), Marduknadinadii (5) 
Abh. d. pbilos.-philol. u. d. hist Kl. XXVI, 2. Abh. 



Fr. W. v. Bissing, Assyrische Skulptur 



Taf. V 




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Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI, 2. Ahh. 



Fr. W. v. Bissing, Assyrische Skulptur 



Taf. VI 




Jüngere Periode 



Abh. d. philos.-philol. u. d. bist. KI. XXVI, 2. Abh. 



Abhandlungen 

der Königlich Bayerischen Akademie der AVissenschaften 

Philosophisch - philologische und historische Klasse 

XXVI. Band, 3. Abhandlung 



Die gotischen Wandmalereien 

in der 

Kaiser-Pfalz zu Forehheim 

Ein Beitrag- zur Ursprungsfrage der fränkischen Malerei 

von 

Hugo Kehrer 

Mit 10 Tafeln und 61 Textabbildungen 



München 1912 

Verlag der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften 

in Kommission des G. Franz'schen Verlags (J. Roth) 



III 



Inhalts-Übersicht. 



Seite 

Einleitung 1 

Her älteste Stil um 1 :t.>:i <j 

Die Propheten in der Schlolikapelle. Reste eines Zyklus. Uns Wandornament. 
Der mitteleuropäische Stil in der ersten Hälfte des XI V. Jahrhunderts. Sebald Wein- 
achröter. Bischof Leopold III. von Bamberg. Heinrich Haspe von Thüringen. Der 
Basilisk an der Fassade. 

Der böhmische Einfluss s 

Der thronende David -Wenzel im Königssaal des ersten Geschosses. Die Wenzel- 
bibel der Wiener Hofbibliothek als formale Vorlage für Wenzel und den anthropo- 
morphen böhmischen Löwen. Die Ironie des .Spruchbandes. Der getürmte Elefant. 
Der böhmische und französische Kriegselefant. Die Symbolik. Plinius. Konrad von 
Megenberg. Der Andechser Codex von 1457. Die Methode, den Sinn der sogenannten 
Dröleries festzulegen. Wenzel im Spiegel der zeitgenössischen Literatur. Die Satiren 
auf König Wenzel. Der Schnabelkönig auf dem Kamel als Symbol des Zornes. Freidank. 
Die Bilderhandschriften. Johann von Pomuk. Susanna, die Bademagd an der Moldau. 
Wenzel als Troubadour. Humor. Satire und Karikatur. Der Pferdetorso. Das Wappen 
Lamberts von Brunn an der Fassade. Sein Epitaph im Peterschor des Bamberger Domes. 
Die Reichsinsignien. Die Datierung. 

Die Anbetung der Heiligen Drei Könige in der Schlofikapelle. Die Architektur 
stammt aus dem böhmischen Acht-Heiligenbild im Rudolphinum. Innenarchitektur einer 
österreichischen Weltchronik der Wiener Hofbibliothek. Das Porträt Kaiser Karls IV. 
und Wenzels IV. 

Der Stil auf fränkischer Grundlage J:; 

Die Verkündigung Marias. Das italienische Kompositionsschema. 

Das Jüngste Gericht als der späteste Forchheimer Stil. Bischof Graf Albert 
von Wertheim. Der Forchheimer Stil und die Frühkunst des XV. Jahrhunderts in 
Nürnberg. Der Meister der Bestattung Marias im Germanischen Nationalmuseum. 
Die fränkische Optik. 

Die Technik 53 

Grüneisen. Die Fernbachsche Enkaustik. Das wissenschaftliche Gutachten von 
Prof. Dr. A. Eibner in München. Abwesenheit von Leim-, Harz-, Wachs- und Ölfarbe, 
Anwesenheit von Casei'n. Kalkfarbenmanier. 



IV 



Anhang. 

Seite 

Die Wandmalereien in Nürnberg 57 

Die Moritzkapelle. Die Szenen aus dem Leben Kaiser Karls IV. und König Wenzels. 
Das Kaiserporträt. Der Reichsadler. Der Bischof. Die Brautwerbung Karls um Anna 
von Schweidnifcz. Geburt, Taufe und Schulbesuch Wenzels. -Böhmische Einflüsse aus 
der Burg Karlstein. Das Paulus-Fresko im Ostchor der Sebalduskirche. Paulus ist aus 
der Wiener Wenzelbibel kopiert. Die Typen aus dem böhmischen Losbuch des Wiener 
Hofmuseums. Oberitalienische Anklänge. Altichiero und Avanzo. Die reine Horizontale. 
Die Wandmalerei ist vergrößerte Miniaturmalerei. Allgemeines über die oberitalienische 
Optik. Die Datierung um 1386, der zweiten Weihe des Chores durch Bischof Lambert. 
Das König Wenzel-Fresko um 1378. Die Ursula-Legende der Moritzkapelle um 1410. 
Gruppierung und Aufteilung. Die Fresken in der Frauenkirche, die älteste Stilrichtung. 
Die Apostel in Verehrung der Blutreliquie, das Martyrium des Apostels Bartholomäus, 
beide vor 1379. Die Ursula -Legende um 1400. Die Legende der hl. Katharina und 
Agatha um 1430. 

Verzeichnis der Textabbildungen 79 

Register 81 



Einleitung. 

Seit dem Erscheinen von Thodes Buch: „Die Malerschule von Nürnberg im XIV. 
und XV. Jahrhundert" — es sind jetzt über zwanzig Jahre her — ist die Erforschung 
der fränkischen Kunst nicht wesentlich fortgeschritten. Die Nürnberger Ausstellung im 
Jahre 1906 hat diese Behauptung bewiesen. Zwar wurde mancher nützliche Beitrag 
geschrieben, aber die wichtigeren Fragen über den Ursprung des neuen Stils, über Michael 
Wolgemut und die fränkische Plastik sind noch nicht befriedigend gelöst, oder doch kaum 
in Angriff genommen. Als ob man sich der mittelalterlichen Stimmung zuliebe damit 
begnügen wolle, „in dem engen Geflechte der Gassen" Alt-Nürnbergs einherzuwandeln ! 
Auch die jüngste, größere Untersuchung C. Gebhardts über: „Die Anfänge der Tafel- 
malerei in Nürnberg" (Strasburg 1908) ist unter keinem günstigen Sterne geboren und 
hat keine dem angewandten Fleiße entsprechende Anerkennung finden können. 1 ) Wenn man 
nach Thode dieselben Maler noch einmal abfragen will, um alte Resultate zu überbieten. 
muß man mit einer schärferen stilistischen Waffe ausgerüstet sein. Gebhardts Buch ist 
ein schwaches Buch, ohne rechte Kritik und ohne Eindringlichkeit. Gerade über die 
Ursprungsfragen — die Begründer sind allemal wichtiger als die Fortsetzer — wird man 
nicht genügend aufgeklärt, und nach kurzen Bemerkungen ist der Satz aufgestellt: „Die 
Geschichte der Wandmalerei in Nürnberg wird wohl immer ungeschrieben bleiben müssen." 

Die vorliegende Arbeit will diese Lücke füllen helfen und den Erweis bringen, daß 
jener Notschrei nicht so tragisch zu nehmen ist. Gerade die gotischen Wandmalereien 
der ehemaligen Kaiser-Pfalz zu Forchheim bestätigen alte Vermutungen und geben klare 
Antwort auf Fragen, die uns lange am Herzen liegen. 

Die fränkische Malerei des XV. Jahrhunderts kann ohne sie künftighin nicht mehr 
kunsthistorisch begriffen werden. Wie man sich zu lange von Dürer eine falsche Vor- 
stellung über sein „teutsches Herz" gemacht hat, so erst recht von den primitiven Meistern, 
die die Gotik des XIV. Jahrhunderts in das XV. überleiteten. Man wird gerade bei der 
Erforschung der primitiven Kunst nicht zum Ziele kommen, wenn man immer nur an den 
Stil denkt und sich nicht auch die politische Weltlage vergegenwärtigt, die die Lebens- 
basis für das künstlerische Schaffen abgibt. Nürnberg ist im XIV. Jahrhundert mit der 
böhmischen Residenz Kaiser Karls IV. in engstem Zusammenhange gewesen. Diese Tat- 
sache ist zwar nicht neu, aber man hat aus ihr nicht den nötigen Nutzen gezogen. Unter 
Wenzel IV. wurde der Schwerpunkt immer mehr über die Grenzen hinüber nach Böhmen 
hinein verlegt. Das ist aber die Zeit, die für Forchheim bedeutungsvoll werden sollte. 



') In: „Studien zur Deutschen Kunstgeschichte". Heft 103. 
Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI, 3. Abh. 



Der zweite Erbauer des auf den Fundamenten der karolingischen Pfalz sich erhebenden 
Schlosses war Wenzels größter Kanzler, Bischof und Kardinal Lambert von Brunn. 
Man muß den Kirchenfürsten auf seinem Zuge mit Karl IV. nach Avignon zu Papst 
Urban V. begleiten und mit ihm die Lombardei, Padua, Prag, Wien, Paris und Luxem- 
burg aufsuchen. Die kulturgeschichtlichen Voraussetzungen sind dann gegeben, und man 
braucht nicht mehr so lange mit sehnsüchtigem Blicke zu suchen, woher wohl die frän- 
kischen Meister gekommen sind, die das Forchheimer Schloß ausgeschmückt haben. Die 
Freude war nicht gering, als ich aus den bereits veröffentlichten Prager Stadtbüchern 
erkennen konnte, daß vor 1393 Forcbheimer das Prager Bürgerrecht erwarben. 1 ) Mit den 
Forchheimer Wandmalereien müssen die Nürnberger in der Frauenkirche, St. Sebald und 
der Moritzkapelle zusammengesehen werden. Es ergibt sich, daß hier wiederum nicht 
nur unmittelbar böhmische Einflüsse, sondern auch oberitalienische Kunstströmungen vor- 
handen gewesen sind. 

Man findet oft die Meinung ausgesprochen, die Deutschen des XIV. Jahrhunderts 
hätten der Wandmalerei keine sehr freundliche Teilnahme entgegengebracht und ihre 
Herstellung den Händen unbedeutender Künstler überlassen. Diese Meinung bedarf der 
Korrektur. Ob auch die gotische, die Wände auflösende Architektur der Monumental- 
malerei allmählich den Boden entzogen habe, so daß sie sich auf die größeren Flächen 
der Profanbauten, in Schlösser und Burgen zurückgezogen habe, ist eine Frage, die noch 
systematisch beantwortet werden muß. 2 ) Kein Jahr vergeht, ohne daß man unter der 
Tünche neue Malereien findet. Wenn einmal die Aufdeckungsarbeiten weiter gediehen sind 
und man auch die kleinsten Reste nicht als „zu unbedeutend" wieder zudeckt, wird die 
Klarstellung erfolgt sein. Es wird sich dann ergeben, daß die Geschichte der Wand- 
malerei der Geschichte der Miniaturmalerei angegliedert werden muß. Die Mauermalerei 
ist vergrößerte Miniatur. 

Der Forchheimer Zyklus ist ein wertvoller Beitrag, wie man im lieben deutschen 
Vaterlande im Zeitalter der Komantik mit alten Kunstwerken umgegangen ist. Am 21. Juli 
1830 fand der königliche Kämmerer Graf August von Seinsheim zu Pretzfeld .in dem 
dunklen Durchgange, welcher von der Wohnung des Rentbeamten zu den Fruchtböden, 
den ehemaligen großen Schloßsälen" führte, Spuren von Malereien. Man klopfte die 
Tünche an der Wand ab und sah Prophetenfiguren vor sich. Die Nachforschungen führten 
zur Auffindung eines Zyklus biblischer und profaner Szenen. Der Graf interessierte für 
seinen Fund den Hofkammerrat (Brief vom 30. Juli 1830), das Präsidium der Regierung 
des Obermainkreises (14. August 1830) und den großherzigen Beschützer der Kunst König 
Ludwig L, der am 18. November 1830 von Bayreuth aus befiehlt, „man solle die Malereien 
mit aller Sorgfalt erhalten und vor jeder weiteren Beschädigung sicher stellen." 3 ) Am 



') Vaclav Vladivoj Tomek, „Dejepis Mesta Prahy". Prag 1892, Bd. II, pag. 518. 

2 ) Wo .sind die Malereien im Schlosse zu Friedburg, Frankenberg, Osterhofen, Atersee, Dollenstein, 
Scharfeneck, Mainberg, Hartenberg, Barchfeld, Nordheim, Hutsberg, Lengsfeld, Botenlauben geblieben? 
Vgl. G. Brückner: „Hennebergisches Urkundenbuch". Meiningen 1861, Teil IV, pag. 189. 

3 ) C. Theodori, „Über eine Entdeckung alter Wandgemälde im Schlosse zu Forchheim", in: .Archiv 
für Geschichte und Alterthumskunde des Obermainkreises", Bayreuth 1832, Bd. I, Heft 2, pag. 67; Grüneisen, 
„Alte Wandgemälde in dem Schlosse, jetzigem K. Rentamtsgebäude zu Forchheim*, in: „Kunstblatt", 
Stuttgart 1832, Nr. 57, pag. 225; vgl. Akt Rep. 184 II Verz. 2, Nr. 1 im K. Kreisarchiv in Bamberg. 



12. Oktober 1831 werden im Namen Seiner Majestät „die veranschlagten Kosten für die 
baulichen Einrichtungen in dem alten Schlosse zu Forcbheim mit 175 Gulden genehmigt." 
Der Maler, Konservator Fernbach restaurierte im Auftrage der Zentralgalerie, und die 
Urkunde besagt, daß er am 30. März 1832 durch den Münchener Eilwagen einen Vor- 
schuß von 266 Gulden erhielt. Die Fernbachsche Restaurierung war schlecht. Er ver- 
besserte nach seinen Ideen, malte neue Bildarchitektur hinzu und gab den Köpfen der 
Heiligen einen neudeutschen Charakter. 

Seit jenen Tagen blieben die Schloßmalereien ziemlich unbekannt. Zwar erwähnten 
sie einige kunsthistorische Handbücher, aber über Alter und Stil bekam man keine zufrieden- 
stellende Antwort. G. F. Waagen 1 ) datierte sie „nicht später als gegen die Mitte' des 
XIII. Jahrhunders", H. G. Hotho „in die erste Hälfte des XIV. Jahrhunderts", 2 ) H. Janitschek 
„kaum viel vor der Mitte des XIII. Jahrhunderts", 3 ) Thode schwankt zwischen dem 
XIII. und XIV. Saeculum, und K. Woermann denkt „bereits an das XIII. Jahrhundert. " *) 

Hatte schon das Forchheimer Schloß nach der Säkularisation das Schicksal so mancher 
denkwürdiger Bauten geteilt, — für profane Zwecke wurde es ausgenutzt, in dem Saale 
mit den Propheten arbeitete bis 1831 eine Getreidereinigungsmaschine — , so wäre es vor 
fast 10 Jahren dem Abbruche verfallen, wenn nicht nach unermüdlicher Arbeit und nach 
manch hartem Kampfe der erste Vorsitzende des Historischen Vereins zu Forchheim, Land- 
tagsabgeordneter Dr. H. Räbel der Gegenpartei ein energisches Halt zugerufen hätte. 
Seinen Bemühungen ist es zu danken, daß heute noch das Schloß an geweihter Stelle 
steht, wo einst deutsche Könige gewählt und gesalbt wurden, Reichstage und Synoden 
tagten, die Reichskleinodien aufbewahrt lagen. Die erste Königskröuung in deutschen 
Landen fand auf fränkischem Boden in der Forchheimer Pfalz statt. Beschlossen doch 
auch in der alten Stadt an der Regnitz die deutschen Fürsten und die Abgesandten Gregors 
im Jahre 1077 die Absetzung des Canossagängers! Es ist eine höchst dankenswerte Tat 
Dr. Räbels, daß er eingedenk der großen Traditionen auch das Denkmal erhalten wissen 
wollte, das aus der mittelalterlichen Zeit herübergrüßt. 

Nach ihm gebührt aufrichtiger Dank dem Maler Friedrich Pfleiderer in München, 
der mit Hülfe Räbels 1907 neue Malereien von der schützenden Tünche befreite. Er hat 
auf Empfehlung des Generalkonservatoriums im Auftrage des Historischen Vereins zu 
Forchheim mit verständnisvollster und kunstsinniger Hand die Restaurierungsarbeiten 190(1 
bis 1910 vorgenommen. Sein Prinzip war, die Fernbachschen Willkürlichkeiten zu beseitigen. 
Um den Originalzustand wieder herzustellen, wurden keine Ergänzungen vorgenommen, 



') G. F. Waagen. »Kunstwerke und Künstler im Erzgebirge und in Franken". Leipzig 1343, pag. 147. 

*) H. G. Hotho, „Die Malerschule Huberts van Eyck nebst deutschen Vorgängern und Zeitgenossen*. 
Berlin 1855, pag. 20«. 

') H. Janitschek, „Geschichte der deutschen Malerei*. Berlin 1890. pag. 150. Janitschek spricht 
bei der Gelegenheit von den Wandmalereien „in der Kirche des benachbarten Dornstadt*. Vgl. „Ort- 
schaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern*. München 1909, pag. 1528. Gemeint ist Dornstadt in 
Schwaben, Post Ottingen. 1897 wurden sie im Auftrage des Generalkonservatoriuma von Prof. v. Krämer- 
München in Temperafarben neu aufgefrischt. 

4 ) K. Woermann. „Geschichte der Kunst aller Zeiten und Völker*. Leipzig 1905, Bd. H, pag. 258. 
Woermann nennt sie ein zweitesmal auf pag. 335 und sagt statt Forchheim „Lorchheim* ; dazu Mart. 
Gückel, „Der ehemalige Königshof und die fürstbischöfliche Burg in Forehheim*. Forchheim 1906. 

1* 



nicht einmal die Konturen verstärkt. Es ist zu wünschen, daß diese mustergültige 
Methode, die schon manches bayerische Kunstdenkmal vor dem Verfalle rettete, überall zur 
Anwendung komme. 







Abb. 1. Die Forchheimer Pfalz. 
(Nach der Platte im Besitze des Historischen Vereins zu Forchheim.) 



Es zog eine herzliche und wahre Begeisterung am 2. Juli des vergangenen Jahres 
in der aufblühenden, gewerbefleißigen Stadt Forchheim ein, als die Pfalz unter Anwesen- 
heit zahlreicher, aus ganz Bayern herbeigeeilter Gäste zum zweitenmale eingeweiht, das 
Ehrenbürg- und Fränkische Schweiz -Museum der Öffentlichkeit übergeben wurde. Ein 
neues wichtiges Denkmal ist damit der kunsthistorischen Forschung zugeführt, unent- 



behrlich für die Gesamtkunst des süddeutschen Trecento. Forchheim ist das Tor, durch 
das Böhmen seine Kunst in Nürnberg einführte. 

Ursprünglich ist es mein Plan gewesen, ein besonderes Kapitel über „das Wesen des 
fränkischen Kunstwerks* beizugeben, doch habe ich für nützlich gefunden, es in meiner 
demnächst erscheinenden „Systematik der altdeutschen Kunst" unterzubringen. 

Endlich noch ein persönliches Wort. Ich betrachte es als eine besondere Ehre, daß 
die Königlich Bayrische Akademie der Wissenschaften nach einstimmigem Beschlüsse die 
vorliegende Arbeit unter ihre „Abhandlungen" aufgenommen hat. Ich habe der hohen 
Akademie unter dem Präsidium Sr. Exzellenz des Herrn Geheimen Rats Ritters Theodor 
v. Heigel, vor allem aber dem Referenten Herrn Geheimen Rat Ritter Franz v. Reber 
herzlichst zu danken. Herrn Professor Dr. A. Eibner, Vorstand der Versuchsanstalt und 
Auskunftsstelle für Maltechnik an der Technischen Hochschule, der sich bereit erklärte, 
in dem Kapitel über „Die Technik" das entscheidende Wort zu sprechen, sei auch an 
dieser Stelle Dank gesagt, desgleichen der Stadtkämmerei Forchheim und Herrn Kommerzien- 
rat J. Hornschuch in Forchheim für liebenswürdige Unterstützung. 



München, Ostern 1912. 



Dr. Hugo Kehrer, 

Privatdozent der Kunstgeschichte an der Universität München. 



Der älteste Stil um 1353. 

Was zufällig als die erste Äußerung der Forchheimer Schloßmalerei sich erhalten hat, 
sind drei Prophetenfiguren, die auch zuerst durch den Grafen Seinsheim im Jahre 1831 
entdeckt wurden. Sie schmücken die Westwand der sogenannten Schloßkapelle im zweiten 
Geschosse. Zwei Propheten stehen links vom rechteckigen Fenster, einer rechts, die ihm 
zugehörende, vierte Figur ist zugrunde gegangen (Tafel I und II). Es sei gleich gesagt, 
daß Fragmente eines 5. und 6. Propheten an der Nordwand des Saales, da, wo heute die 
Türe neben der zugemauerten, gotischen sich befindet, noch zu sehen sind. Wir haben 
uns also hier die zwölf Propheten zu denken. Es sind lebensgroße, lange, schmale Steh- 
figuren in etwa Dreiviertelprofil, mit gekrümmtem Rücken und steil abfallenden Schultern. 
Die Propheten I und II blicken sich an, und der größere verleiht durch den Gestus der 
hochgenommenen, schmalrückigen Hand mit dem ausgestreckten Zeigefinger 1 ) seiner Rede 
Nachdruck. Der Maler hat offenbar an plastische Figuren in der Nische gedacht und 
gibt daher in die anbetend verhüllten Hände mächtige Spruchbänder, die wie empor- 
geschleudert die Figuren umrahmen. So kann man sie nicht halten, und die Art des Haltens 
ist ungewöhnlich. Sonst bekommen die Heiligen ihre Spruchrollen in beide Hände, oder in 
die eine verhüllte Hand gelegt, so daß das Gleichgewicht annähernd hergestellt ist. Der linke 
Prophet, nennen wir ihn Jesaias, hat einen langen, grünen Rock, der in parallelen Steil- 
falten mit verschieden großen Zwischenräumen auf den nackten Füssen aufliegt. Der 
Mantel ist hellrot, und das lange Haupthaar schmückt eine Judenmütze mit zwei flatternden 
Bändern. Der geteilte, kurze Vollbart ist dunkel, und die stark gekrümmte Nase soll die 
semitische Abkunft bezeichnen. Die Stirne breit und gewölbt, die Augen klein, der 
Mund vorquellend. Die zweite, etwas kürzere Figur ist nicht in Aktion, da die eine Hand 
nicht deutet, sondern in den Mantelsaum greift. 2 ) Ihr Nachbar spricht, und sie hört teil- 
nehmend zu. Dieser Prophet, es ist wohl Jeremias, trägt einen langen, geteilten, schwarzen 
Bart, und schwarz ist auch das Kopfhaar. Der Rock ist rot und der Mantel grün. Die 
starke Betonung des Leibes fällt auf. Im Sinne des Kontrastes entwickelt sich der Mantel- 

') Der Zeigefinger der Reklame gerät stets zu groß, da die Künstler gewohnt sind, ihn allein bei 
besonders wichtigen Stellen am Rande des Textes zu sehen. Die Einzelvovstellung wirkt nach, wenn 
die ganze Hand gezeichnet werden soll. Interessante Beispiele liefert der böhmische Codex 111, 73, 10 
im böhmischen Museum zu Prag fol. 119a, 183 a, 227 a. 

2 ) Vgl. dieses Motiv etwa bei dem Christus in der Auferweckung des Jünglings voh Naim in dem 
aus der Glanzzeit Karls IV. stammenden Kloster Emaus zu Prag; Jos. Neuwirth, „Die Wandgemälde im 
Kreuzgange des Emausklosters in Prag", in: „Forschungen zur Kunstgeschichte Böhmens". Prag 189S, 
Bd. III, Taf. XVIII. 



zipfel an der inneren Silhouette, hier dem des Jeremias antwortend, und im Sinne 
des Rhythmus schwingen die Figuren einander entgegen. Bei der dritten, nach rechts 
blickenden Gestalt jenseits des Fensters sind entscheidende Farbstücke abgefallen, doch 
sind noch der rote Bart, der wie aufgeklebt erscheint, das Haupthaar und die hohe Juden- 
iniitze zu sehen. Die linke Hand hält eine Schriftrolle. Auf dem Grunde rote Doppel- 
ranken mit blauen Kelchblättern und roten Staubgefäßen. 

Es geht nicht an, auf Grund dieser wenigen, manieriert durchgebildeten, gotischen 
Figuren die Provenienz des Stiles genauer festzulegen. Auf fränkischem Gebiete haben sich 
keine älteren Wandmalereien erhalten, und von den Nürnberger Kathausfresken um 1350 
ist auch kein Farbstückchen auf uns gekommen. 1 ) Doch ist kein Zweifel, dats man hier eine 
Stilrichtung beobachtet, die jener entspricht, die sich in der ersten Hälfte des XIV. Jahr- 
hunderts aus Nordfrankreich und England in ganz Mitteleuropa eingebürgert hat. 2 ) Sie 
bildet die eigentliche Grundlage der Forchheimer Kunst. Stilistisch steht nichts im Wege, 
an die Mitte desTrecento zu denken. Doch laut sich die Entstehungszeit genauer bestimmen. 
Im Jahre 1353 baute der Bamberger Bischof Leopold III. die alte Königs-Pfalz, die 
124G vom Gegenkönig Heinrich Raspe von Thüringen teilweise zerstört war, 3 ) um und 
ließ sie mit Graben und Mauern umgeben. Um diese Zeit wird er aller Wahrscheinlich- 
keit nach den Auftrag erteilt haben, die Propheten zu malen. „Vollant von Wisentawe" 
war Schultheiß zu Forchheim. *) 

Wie der Meister hieß, laut sich nicht mehr sagen. Man möchte an einen auf der 
Mitgliederliste der 1348 gestifteten Prager Malerzeche, 5 ) oder an den Nürnberger Sebald 
Weinschröter, 6 ) den Hofmaler Karls IV., denken, dem der Kaiser aus Verehrung für seine 
Kunst am 13. Dezember 1860 einen Zehnten zu Köthenbach an der Sehwarzach bei Niirn- 



') Vgl. H. Thode, a. a. 0., pag. 9. Die 12 Wandbilder des Kreuzganges im Kloster Hebdorf hei 
Eichstütt, jetzt im Nationalmuseum zu München, gehören noch dem Ende des XIII. Jahrhunderts an. 

2 ) Vgl. M. Dvohik, „Die Illuminatoren des Johann von Neumarkt*, in: „Jahrbuch der kunsthisto- 
rischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses*. Wien 1901, Bd. XXII, pag. 58. 

3 ) Heinrich unternahm im Spätsommer 1240 einen Kriegszug nach dem unteren Main und 
Winter 1246/47 nach Süddeutsehland. 15. Dezember 1240 ist er „apud Forchheim in castris"; vgl. 
„Monumenta Boica", Monachii 1834, vol. XXX, pars I. pag. 299; J. F. Böhmer, „Regesta Imperii", heraus- 
gegeben von Jul. Ficker, Innsbruck 1882, Abt. II, pag. 910; Mart. Meyer, „Eine unedierte Urkunde Heinrich 
Raspes*, in: „Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde". Jena 1898, Bd. XV, 
pag. 384; G. H. Pertz, „Monumenta Germaniae historica*. Hannover 18:57, lid. II, pag. 361 ; J. G. Ad. Hübsch. 
„Chronik der Stadt und Vestung Forchheini", Nürnberg 1807, pag. 52; „Monumenta Zollerana", Berlin 1800. 
Bd. VI, pag. 59; Mich. H. Schuberth, „Historischer Versuch über die geistliche und weltliche Staats- und 
Gerichtsverfassung des Hochstiftes Bamberg*. Erlangen 1790. pag. 17. 

*) Jos. Looshorn, „Geschichte des Bistums Bamberg", Bd. III. pag. 700. 

5 ) M. Pangerl, „Das Buch der Malerzeche in Prag", in H. Eitelberger v. Edelberg, „Quellenschriften 
für Kunstgeschichte und Kunsttechnik des Mittelalters und der Renaissance", Wien 1878. lid. XIII, pag. 80: 
dazu Fr. Dörnhöffer, „Beiträge zur Geschichte der älteren Nürnberger Malerei", in: „Repertorium für 
Kunstwissenschaft*. Berlin 1900, Bd. XIX, pag. 446. 

6 ) Alb. Gümbel, „Sebald Weinschröter, ein Nürnberger Hofmaler Karls IV.". in: „Repertorinm für 
Kunstwissenschaft*, Berlin 1904, Bd. XXVII, pag. 13; Alb. Gümbel, „Die Malernamen der Nürnberger 
Meister- und Bürgerbücher 1363 bis 1534 und der Steuerlisten 1392 bis 1440". in: „Repertorium", Bd. XXX 
pag. 27, Bd. XIX, pag. 337; dazu J. I>. Passavant, „Beiträge zur Kenntnis der alten Malerschule in 
Deutschland vom 13. bis 16. Jahrhundert", in: „Kunstblatt", Stuttgart 1841, Nr. 87, pag. 307; Ad. Putera- 
Ferd. Tadra, „Das Buch der Präger Malerzeche 1348—1527*. Prag 1878. 



8 

berg verlieh. Merkwürdig genug, daß er gerade 1350 bis 1357 von Nürnberg abwesend 
war. Daß der Bamberger Bischof Leopold III. ihn nach Forchheim berufen habe, 1 ) ist 
ein Gedanke, der wenigstens ausgesprochen werden darf. 

Es sei die Bemerkung erlaubt, daß sich von der alten, eigentlichen Pfalz nur das 
Steinrelief eines nach rechts ausschreitenden Basilisken erhalten hat, das in die Ostfassade 
eingemauert wurde (Abb. 2). 




MNtr" 



Abb. 2. Der Basilisk. Sandstein-Relief an der Fassade der Kaiser-Pfalz zu Forchheim, um 1200. 

(Nach einer Origina^aufnahme von F. Brnckmann in München.) 

Es ist jenes sagenhafte, aus einem dotterlosen Hahnenei geborene Fabeltier, das durch 
seinen Blick tötet, dessen Zischen schon den Tod bringt, und dessen Gifthauch Kräuter 
und Sträucher versengt, selbst Steine zerstört. Das zweibeinige Tier ist massig und plump. 
Die Art, wie der Körper in die Fläche hineingedrückt ist, spricht für die Zeit um 1200. 
Die Geschmacksrichtung des XIV. Jahrhunderts hätte schlankere Proportionen, keinen so 
dicken Kopf, einen längeren, womöglich zweimal geringelten Schwanz und vor allem mehr 
vogelartig gebildete Flügel mit lang auslaufenden Spitzen verlangt. 



Der böhmische Einfluss. 

Mit dem von Dr. Räbel im Juli 1907 bloßgelegten Fresko im kleineren Saale des 
Erdgeschosses setzt der böhmische Einfluß ein. Der Kenner der fränkischen Kunst wird 
mit ihm zunächst nichts anzufangen wissen. Eine seltsame Komposition! Das Wandbild ist 
gegen die Decke durch rote Einfassungslinien und gegen den Fußboden durch einen gelben 
Streifen begrenzt. (Der Saal wurde gegen das Ende des XV. Jahrhunderts eingewölbt.) 



*) Das Studium des urkundlichen Materials hat keine großen Ergebnisse gezeitigt. Nützlich erwiesen 
sich aus dem K. Kreisarchiv Bamberg die bischöflichen Kopialbücher und der Akt Rep. 18411, Verz. 2, 
Nr. 1; Forchheimer Ortsurkunde vom Jahre 1410, sowie Urkunden des Hochstiftes im Reichsarchiv München; 
aus dem erzbischöflichen Ordinariat Bamberg die Regestenauszüge aus Urkunden Lamberts. Das städ- 
tische Archiv Nürnberg, das K. Kreisarchiv Würzburg und das K. K. Hausarchiv Wien boten nichts. 



Darunter fragmentarische Rauten, wie wir sie beispielsweise unterhalb der „ Kreuzigung 
Christi" in der Johanneskapelle zu Avignon sehen. Auf einfachem Throne ein König 
von überaus schlanker Gestalt, mit übergeschlagenem Beine; der linke Fuß ist auf das 
Suppedaneum gesetzt. Der König in lässiger Haltung blickt nach links, hat das Szepter 
in der einen Hand, und die andere deutet auf ein mächtiges Spruchband, das sich nach dem 
Fenster zu hinzieht, und in dem folgende Worte in gotischen Minuskeln aufgezeichnet sind: 
„ (gerech tig)keit • ist • hie • ein • bort • vn • pringt • vnz ■ ewig • frewde • dort-" 

Der König mit einer für fränkische Verhältnisse ungewöhnlich hohen Kleeblattkrone 
hat rotblondes Haar, breite Stirne, kleine Augen unter flach verlaufenden Brauenbogen, 
eine kräftige, mit der Spitze vorgezogene Nase, mächtigen, nach unten gestrichenen Schnurr- 
bart und einen martialischen, geteilten Vollbart (Tafel III und IV). Er ist im Zeitkostüm 
gekleidet und erscheint etwas gigerlhaft, eine Auffassung, die sich nicht recht mit der 
vollen Würde seines königlichen Amtes verträgt. Er hat einen kurzen, auf Taille gear- 
beiteten, zugeknöpften, roten Rock mit dem ritterlichen Gürtel, dem „Dupsing", 1 ) enge, 
bis auf die Mitte der Hand weit auslaufende Ärmel, anliegende rote Hosen. Wahrscheinlich 
waren die Füße mit Schnabelschuhen bekleidet. Langer Hermelinmantel mit ausgezackter 
Passe und runder, fünfteiliger Agraffe. Das Weiß des Krönungsmantels ist in Grau gebrochen. 
Grau ist auch die Farbe des Grundes. Der Thron in einfacher Profilierung und in starker 
Aufsicht gegeben, ist rot, die Sitzfläche Ocker mit Grau gebrochen. Die Innen- und Außen- 
konturen sind schwarz. 

Links im Bildfelde erscheint ein Löwe auf einem Throne, zu dem Stufen emporgeführt 
haben. Die anthropomorphe Behandlung des grimmig dreinblickenden Kopfes fällt auf. 
Dieser ist rechteckig, hat eine breite, vorgewölbte Stirne, hochstehende, spitze Ohren 
zwischen den wie aus Eisen geschnittenen Haaren. Unter dem geraden Oberlide blicken 
die großen, unheimlichen Augen zu dem Könige herauf. Die kurze, zylindrische Nase, von 
der das Sprichwort sagt, „es regne in sie hinein", ist echt böhmisch. Das Maul sieht wie 
ein flotter, nach oben gestrichener Schnurrbart aus. Gleich einem mächtigen Vollbarte 
entwickelt sich die breitsträhnige Mähne nach unten. Die rechte Vorderpranke wird 
sichtbar, und neben ihr auf der obersten Thronstufe ist ein kleiner Löwe mit offenem Maule 
und stark gekrümmtem Schweife. Ihm gegenüber, etwas mehr nach oben, ein zweiter 
junger Löwe. 1 ) 

Die zweite Tiergestalt, der Elefant, ist höher und dem Thronenden näher. Man 
denkt unwillkürlich an eine Schachfigur. 3 ) Das als Kriegselefant gedachte Tier erscheint 



') Wend. Boeheim, „Das Waffenwesen in seiner historischen Entwickelung". Leipzig 1890, Bd. VII, 
pag. 139. 

*) Wer meint, das Tier sei ein Hund, kennt nicht die zahlreichen Analogien der theologischen 
Handschriften, des Speculums, der Hiblia pauperum, wo die inhaltliche Deutung durch den Text voll- 
kommen klargestellt ist. Nach A. E. Brehm, „Die Säugetiere*. Leipzig 1876, Bd. I, pag. 355 haben die 
jungen Löwen weder eine Mähne noch eine Schwanzquaste, sondern sind mit wolligen, graulichen Haaren 
bedeckt. Die Löwin ähnelt mehr oder weniger dem jüngeren Tiere. 

') Es dürfte bekannt sein, daß der wehrturmbelastete Elefant des indischen Heeres auf unserem 
Schachbrette als wandelnder Turm erscheint. Da die Elefanten die Flügel decken sollten, so steht auch 
die Schachfigur an den äußersten Ecken des Brettes; vgl. H. F. Mahamann, „Geschichte des mittel- 
alterlichen, vorzugsweise des deutschen Schachspieles". Mecklenburg 1839, pag. 37, 38. 40. 
Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI. 3. Abb. 2 



10 

im Profil nach links, hat zwischen den hochgehenden Stoßzähnen einen tubenförmigen 
Rüssel, und die zackigen, aufrecht gestellten Ohrlappen vor dem langen Halse sehen wie 
ein -schützender Panzer aus. Auf seinem Kücken trägt es einen aufgesattelten, hölzernen, 
leeren Zinnenturm, in den man hineinblicken kann. Der Augenpunkt ist also wiederum 
hoch, der Maler hat gleichsam auf die Bühne herabgesehen. Naturbeobachtung ist aus- 
geschlossen. Das Auge ist zu groß, der zu lange Schwanz fast wie bei einer Kuh, und 
auch bei der Behandlung der Beine liegt die Vorstellung eines Zweihufers zugrunde. Ein 
fränkischer Elefant, und nicht der Elephas indicus oder africanus. 1 ) 

Daß die thronende Figur zunächst als B r(ex) Da(vid)" angesprochen werden muß, 
sagt der Text des kleinen Spruchbandes über der Krone. Es ist gerade nicht gewöhnlich, 
daß der König des alten Bundes so stutzerhaft zurecht gemacht wird. Wenn man die 
scharfe Ironie der großen Legende, ihre überlegene satirische Stimmung einmal richtig 
begriffen hat, versteht man die zeitgenössische Anspielung auf den regierenden König 
Wenzel. Scheinbar ernst wird das Gegenteil von dem gesagt, was der Redende, der Maler 
denkt. Wenzel wird als ungerechter Richter gebrandmarkt, und der vom parteiischen 
Urteilsspruch Betroffene wie der Gerechte überhaupt ist auf den Lohn im Himmel ver- 
tröstet. Der Vers hat nicht den Charakter eines Sprichwortes, ist als solches auch nicht 
nachweisbar, sondern ist für den vorliegenden Zweck in bayerisch-böhmischem Dialekte 
gedichtet. 2 ) Dafür sprechen das „p" in „pringt" und das „b" für anlautendes „w" in 
„bort". Was die inhaltliche Betrachtung ergibt, bestätigt die Frage nach der formalen 
Vorlage. Es sei gleich gesagt, daß der Forchheimer Schloßmaler aus der Wenzelbibel 
geschöpft hat. Das sechsbändige Werk ist das wertvollste und wichtigste böhmische Denk- 
mal aus dem letzten Viertel des XIV: Jahrhunderts. (Wiener Hof bibliothek cod. 2759 — 64.) 
1376 wurde Rotlev „magister monetae in montibus Chutnis" das Amt eines Richters über- 
tragen. Zum Danke für die erhaltenen Würden ließ er später die prachtvoll ausgestattete 
Bibel für seinen Gönner König Wenzel anfertigen. „Die Entstehungszeit der Bibel fällt 
in die Zeit 1387 bis 1400", so sagt Ad. Horcicka. 3 ) Wenn aber der Schreiber mit dem 



') Das Motiv des getürmten Elefanten begegnet gerade nicht ofjt; vgl. cod. gall. 16 der Hof- und 
Staatsbibliothek München, fol. 22a; Jakob v. Maerlants .Naturgeschichte in Versen" in der Wiener Hof- 
bibliothek Nr. 13440, fol. 6b, 134b; böhmisches Speculum der Metropolitan-Bibliothek Prag, cod. A. XXXII, 
fol. 27a. und A. XIII, fol. 25a; ferner cod. germ. 145, fol. 59a Münchener Hof- und Staatsbibliothek. Eigen- 
artig, daß im Münchener cod. germ. 1191, fol. 8 b der Elefantenrüssel in eine weibliche Halbfigur ausläuft. 
Ferner getürmte Elefanten im Vereine mit phantastischen Tieren im Meßgewand des Stiftes Goß, um 
1250, jetzt im Osterreichischen Museum für Kunst und Gewerbe zu Wien; Stickerei aus dem Kloster 
Adelhausen in der Städtischen Altertümer-Sammlung zu Freiburg i. Br. ; das Motiv bald auch in Wappen, 
vgl. cod. 8044 der Wiener Hofbibliothek 161b, 162a, 170a im Wappen des Grafen Friedrich v. Helfen- 
stein; aus der Plastik der spätromanische Leuchterelefant im Germanischen Museum, abgebildet bei 
A. Essenwein, „Kulturhistorischer Bilderatlas", Leipzig 1883, Bd. II, pag. 5, Taf. XXXII, No. 7. Der unge- 
türmte Elefant schon im Lothar-Evangeliare der Pariser Nationalbibliothek cod. lat. 266, fol. 73 b und in 
der Bibel Karls des Kahlen cod. lat. 1, fol. 327 b. 

2 ) Bei Freidanks „Bescheidenheit" (um 1220), Heinrich von Meissens „Frauenlob", Garel im blühenden 
Tal und den andern in Frage stehenden mittelhochdeutschen Spruchdichtern ist nichts zu ermitteln; 
vgl. auch „Lieder-Saal, das ist: Sammelung altteutscher Gedichte, aus ungedruckten Quellen", Konstanz 1825, 
Bd. III, pag. 371, 501; W.Grimm, „Freidanks Bescheidenheit". Göttingen 1834. 

3 ) Ad. Horcicka, „Die Sage von Sasanna und König Wenzel", in: „Mitteilungen des Instituts für 
Österreichische Geschichtsforschung", Innsbruck 1880, Bd. I, pag. 110; Jul. v. Schlosser, „Die Bilderhand- 



11 

Illuminator des ersten Bandes identisch ist, so dürfte wie mir scheint nichts im Wege 
stehen, daß das Werk schon ein oder zwei Jahre zuvor begonnen wurde, also etwa zur 
Zeit des »Willehalm von Oranse ", und diese etwas frühere Ansetzung wird noch bei der 
späteren Betrachtung mehr als wahrscheinlich gemacht werden. Ohne Zweifel geht der 
Forchheimer König auf den König Wenzel im Buchstaben „E" der Wiener Wenzel- 
bibel cod. 2759 zurück, wo er als Gefangener der Bademagd Susanna persifliert ist. Es 
stimmen nicht nur die Proportionen des Körpers, die kostümliche Behandlung Oberein, 
sondern auch der Kopf ist außerordentlich ähnlich gebildet. 1 ) Beidemal der geteilte, blonde 
Vollbart, der lange, herabgestrichene Schnurrbart, die starke Unterlippe, die kräftige 
gewöhnliche Nase und die breite Stirne über den böse blickenden Augen. Nur ist die Kari- 
katur in Forchheim übertrieben, was zum Teil durch die künstlerische Absicht, zum Teil 
durch die Vergrößerung des Maßstabes bedingt ist (Abb. 3). 




Abb. 3. König Wenzel und Susanna in der Wenzelbibel der K. K. Hofbibliotliek zu Wien. 

(Nach einer Oriuinilaufiiaumo von S. Schramm in Wien.) 



Schriften König Wenzels I.*, in: „.Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiser- 
hauses", Wien 1S93, Bd. XIV, pag. 293, 303. Nach Jul. v. Schlosser können die Miniaturen der 
Wenzelbibel wohl kaum vor 1388 entstanden sein. 

') Eine ähnliche Kleidermode bringt schon der böhmische Codex 1182 der Wiener Ilofbibliotbek 
fol. la, 55a, 91a; dazu Willehalm von Oranse fol. 192a, 225a, 247a, 1387 für Wenzel vollendet. 



12 

Wegen der Kostümfrage sei noch eine zweite Miniatur aus der Wenzelbibel hier 
abgebildet (Abb. 4). 

Daß der König das Bein übers Knie legt, mag uns wundern, aber es entsprach 
damals der allgemeinen Anschauung über das vornehme Sitzen, nur den Frauen war es 




Abb. 4. König Wenzel in der Wenzelbibel der K. K. Hofbibliothek zu Wien. 
(Nach einer Originalaufnahme von S. Schramm in Wien.) 



13 

nicht erlaubt. 1 ) Das Motiv des iiberschlagenen Beines kommt in der Wenzelbibel wie in 
der Kunst des Trecento so häufig vor, daß es keinen Sinn hat, sich über das Woher 
den Kopf zu zerbrechen. 2 ) Wer sich wundert, daß König David zugleich König Wenzel 
ist, studiere die Wenzelhandschrift in der öffentlichen Studienbibliothek zu Salzburg 
cod. V, 1, B. 20, eine Psalterauslegung des Nicolaus von Lyra. Hier liegt der gleiche Fall 
vor. König David in der Initiale „B" spielt die Harfe, er ist aber gleichsam nur ein Vor- 
wand für die Darstellung des regierenden Königs. Seine Susanna steht rechts unten im 
Rankenwerk und lauscht andächtig auf den Klang der Saiten. Auch der Forchheimer Löwe 
unter dem großen Spruchbande hat sein Vorbild in der Wiener Wenzelbibel, wo der böh- 
mische gekrönte Löwe im Schutze des stehenden Reichsadlers erscheint (Abb. 5). 




Tiocßgn«imt)iT 



Abb. 6. Die Reichs-Insignien in der Wenzelbibel der K. K. Hofbibliothek zu Wien. 

(Nach einer Originalaufnahme von S. Schramm in Wien.) 



') Vgl. K. Bartseh, „Die Formen des geselligen Lebens im Mittelalter*, in: „Gesammelte Vorträge 
und Aufsätze*. Freiburg i. Br. 1883, pag. 220. 

2 ) Als bekanntestes plastisches Beispiel die berühmte Geigerstatue vor dem Musikerhause zu Reims; 



14 

Der Hinweis auf die rechteckige Schädelform, die kurze, typisch-böhmische Nase, 
das Maul und die kleinen, spitzen Ohren genügt zur Bekräftigung der Aussage. 1 ) Für 
die analoge Darstellung der Mähne sei ein zweites Beispiel aus der Wenzelbibel an- 
geführt (Abb. 6). 




Abb. G. Der böhmische Löwe in der Wenzelbibel der K. K. Hofbibliothek zu Wien. 
(Nach einer Originalaut'nahme von S. Schramm in Wien.) 



Andrea Pisano bringt an der Erztüre des Florentiner ßaptisteriums (1830) das Motiv bei Zacharias, als 
er den Namen des Johannes in das Täfelchen einschreibt; vgl. Salzburger Codex V, 1B, 20, fol. 80b; 
Evangeliar des Johannes von Troppau der Wiener Hofbibliothek a. 1368, fol. 49a; aus der .Goldenen 
Bulle" daselbst zahlreiche Belege, fol. 14b, 16a, 47a; ferner Rob. Durrer, „Der mittelalterliche Bilder- 
schmuck der Kapelle zu Waltalingen bei Stammheim*, in: „Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft 
in Zürich". Zürich 1898, Bd. XXIV, Heft 5, Taf. II. 

] ) Das Motiv des Löwen kommt in der Wenzelbibel des Museums Plantin-Moret zu Antwerpen 
a. 1402 dreimal vor, Bd. I, fol. 11, 414 und Bd. II, fol. 26. Die Zeichnung ist weit besser und die natura- 
listische Durchbildung reifer. 



15 

Ich habe anfangs geglaubt, der kleine Löwe auf der obersten Stufe zum Throne sei 
der Bamberger, der mithin im böhmischen Schutze sich befände. Doch widerspricht dieser 
Deutung die Wiederholung des Motivs auf der rechten Seite. Es wäre mehr als naiv, 
bei dieser Aufmachung etwa an die symbolische Darstellung der Auferstehung Christi zu 
denken (Abb. 7): Nach mittelalterlicher Anschauung bringt nämlich die Löwin ihre Jungen 
tot zur Welt, die sie am dritten Tage anbaucht oder anbrüllt, so daß sie lebendig werden. 1 ) 
Wie Abälard sagt: 

„Ut leonis catulus, 
Resurrexit Dominus 
Quem rugitus patrius 

Die tertia 
Suscitat vivin'cus, 

Teste physica." *) 




Abb. 7. Das Symbol iler Auferstehung Christi. 

Miniatur im normannischen Psalterium der Hof- und Staatsbibliothek zu München, 

cod. gall. 16, a. 1323. 

(Nach einer Originaliufuahmc von Kiohn-Tictzc in München.) 

Dem Forchheimer Meister hat inhaltlich und formal eine Komposition der theolo- 
gischen Handschriften vorgeschwebt, wie man sie in fast allen Specula humanae salvationis 
und den Armenbibeln antrifft. 3 ) Da, wo in Forchheim der böhmische Löwe finster dasitzt, 
thront dort König Salomo; auf den von Löwen flankierten Stufen schreitet die Königin 
von Saba herauf. Ein größerer Spott mit Wenzels Weisheit, die mit der Salomos kon- 
frontiert wird,' kann aber kaum in einem mittelalterlichen Bilde dargestellt werden. 



') Vgl. das Motiv in einem Würzburger Votivrelief mit der Kreuzigung Christi, jetzt in St. Burkard 
aufgestellt, bei W. Pinder, .Mittelalterliche Plastik Würzburgs", Würzburg l'Jll, pag. 00, oder in einer 
Kreuzigung der Schongauersehen Werkstatt im Museum Dnterlinden zu Colmar, Nr. 105. 

*) C. Hippeau, „Le bestiaire d'amour par Richard de Fournival". Paris 1800, pag. 103. 

*) Vgl. H. Kehrer, „Die Heiligen Drei Könige in Literatur und Kunst'. Leipzig 1910, Hd. IL 
pag. 211, Abb. 253. 



16 



Es erübrigt noch, über den getürmten Elefanten das Nötige zu sagen. Wo die Figur 
herzuleiten ist, konnte leider nicht festgestellt werden, doch spricht entschieden die Auf- 
fassung des Elefanten als Zweihufers für böhmische Provenienz (Abb. 8 und 9). 




mm 




Abb. 9. Der französische Kriegselefant. 

Miniatur im normannischen Psalterium der Hof- und 
Staatsbibliothek zu München cod. gall. 16. 

(Nach einer Originalaufnahme von Riehn-Tietze in München.) 



Abb. 8. Der böhmische Kriegselefant. 

Eleazar durchbohrt den Elefanten. 

Speculum humanae salvationis im Böhmischen Museum 
zu Prag cod. III, 73, 10. 

(Nach einer Originalaufnaume von Jan Stenc in Prag.) 



Die den Thron flankierenden Figuren müssen in eine inhaltliche Beziehung zueinander 
gesetzt werden. Sie sollen ähnliche Gedanken illustrieren. Die Grundvorstellung, die auf 
der einen Seite ihre künstlerische Form findet, kehrt auch auf der anderen Seite wieder. 
Der Elefant ist als neues Symbol zu werten. 

Sehen wir also zu, was die Vergangenheit über ihn zu berichten weiß. Bei den 
indischen Dichtern ist er Symbol der Weisheit und des Mitgefühles. Plinius rühmt in 
seiner „Historia naturalis" seine Keuschheit, „aus Schamhaftigkeit begatte er sich nur im 
Verborgenen", 1 ) und nach dem Physiologus ist er von Natur das kälteste Tier, dem erst 
das Weibchen die Wurzel Mandragora reichen müsse, um ihn zur Begattung zu reizen. 2 ) 
Die fälschlich Melito, Bischof von Sardes, zugeschriebene „Clavis" nennt ihn einen über- 
mäßiggroßen Sünder, nicht nur weil er von den Riesengeschlechtern des urweltlichen 



') Ph. H. Külb, „Plinius. Historia Naturalis", Stuttgart 1842, Bd. VI, Buch 8, Kap. 5; G. Wissowa, 
„Paulys Real-Enzyklopädie". Stuttgart 1905, Bd. V, pag. 2252. 

2 ) Honorius von Autun sagt: „Elephas, cuius os est ebur, castum est animal et frigidae naturae", 
bei Migne, „Patrologia latina", Bd. CLXXII, pag. 443. 



17 

Tierreiches abstamme, sondern weil Elefanten zum Hofstaat König Salomos 1 ) gehörten. 
Es soll auch nicht verschwiegen werden, daß er als klug, gelehrig, gutmütig 2 ) und geduldig 
galt, als Sinnbild der alles vernichtenden oder beherrschenden Kraft. 3 ) Aber weit häufiger 
tritt er doch im deutschen Mittelalter als Liebhaber berauschender Getränke auf. Wie 
schon Älian berichtet, führte Antiochus gegen die Römer getürmte Elefanten im Kampfe 
mit sich. Es befanden sich auf jedem Turm außer dem Kornak vier bewaffnete Krieger, 
und um die Tiere ungestümer zu machen, wurden sie durch Wein berauscht; auch im Heere 
des Lysias wurde ihnen vor dem Kampfe Wein und Maulbeersaft vorgehalten. 4 ) Der viel- 
gelesene Konrad von Megenberg sagt in seinem »Buche der Natur" das oft zitierte Wort 
„Der elephant trinket von nätür gern wein.' 4 ) Daß es verschiedene, ja widersprechende 
Deutungen gibt, will nichts sagen. Es kommt auf den Zusammenhang an, in den das kultur- 
geschichtliche Kuriosum gebracht ist, ob der Künstler imstande war, inhaltliche Erwägungen 
auszulösen, die von dem Beschauer in nicht mißzuverstehender Weise auf König Wenzel 
bezogen werden mußten. Es ist gar nicht Sache des Künstlers, erst recht nicht des mittel- 
alterlichen, den Inhalt herbeizuschaffen. Er hat nur für die Form zu sorgen. Als ob es 
heute bei den Mitarbeitern unserer Witzblätter anders wäre! Wer den sogenannten „Drö- 
leries" des Mittelalters nur dekorativen Wert beimißt, zeigt, daß er in das Wesen der 
vergangenen Kultur gar nicht eingedrungen ist. Methodisch ist der Weg also der, daß 
man die zeitgenössische Literatur nach den Vorstellungen abfragt, die sie über den böh- 
mischen König gehabt hat. Welches waren seine Laster, die gerügt werden konnten? 
Welches waren die geläufigen symbolischen Formen, deren sich der Künstler bedienen 
mußte, um jene allgemein verständlich zu machen? Klarer als der Fall hier vorliegt, 
kann man sich ihn kaum denken. Wenzel war notorisch ein maßloser Trunkenbold, gab 
sein Laster auch offen zu, entschuldigte sich freilich mit seiner „entzündeten Leber". Ich 
kann mich ruhig auf Wenzels besten Biographen Theodor Lindner berufen. 6 ) Mit zuneh- 
mendem Alter wurde das Übel immer schlimmer, und wer die pikante Episode nach dem 
Einzug in Reims bei dem Besuche Karls VI. erfahren will, kann ausführlich darüber 
belehrt werden. Es mag manchem von uns vielleicht unverständlich erscheinen, daß der 
Kanzler Wenzels in seinem Schlosse solche Satiren auf seinen König duldete. Allein 



') Ed. Kolloff, .Die sagenhafte und symbolische Tiergeschichte des Mittelalters", Fr. von Raumer. 
„Historisches Taschenbuch", Leipzig 1867, pag. 222; dazu B. Eekl, .Die symbolische Zoologie in der 
christlichen Wissenschaft", in: .Organ für christliche Kunst", Köln 1869, Jahrg. XIX, No. 1:2; Fr. Lauchert. 
.Geschichte des Physiologus". Stra&burg 1889, pag. 35. 

J ) Caes. Ripa, „Erneuerte Iconologia oder Bildersprach". Frankfurt a. M. 1669, pag 125. 

8 ) P. Schegg, .Biblische Archaeologie", Freiburg i. Br. 1888, Bd. II, pag. 701; Sev. Luegs, „Biblische 
Realkonkordanz". Regensburg 1900, Bd. I, pag. 353. 

*) Vgl. II. Makkabäer Kapitel 13; I. Makk. 6, 34: dazu Ed. Eug. Riebm, .Handwörterbuch des 
biblischen Altertums", Bielefeld 1884, Bd. I, pag. 362; Ant. van der Linde, .Geschichte und Literatur 
des Schachspiels", Berlin 1874, Bd. I, pag. 35; dazu Isidor von Sevilla, .Etymologiarum libr. XII", bei 
Migne, „Patrologia latina", Bd. LXXXII, pag. 436; endlich Crosnier, „leonographie Chretienne". Paris 1848. 
pag. 290. 

6 ) Herausgegeben von Fr. Pfeiffer, Stuttgart 1862, pag. 136, 17; dazu .1. V. Cartis, .Geschichte der 
Zoologie". München 1872, pag. 248. 

6 ) Th. Lindner, „Geschichte des deutschen Reiches unter König Wenzel*. Braunschweig 1875, 
Bd. I, pag. 174. 

Abb. d. philoa.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI, 3. Abb.. 3 



18 

Lambert v. Brunn war kein Philister, und zur Zeit der Entstehung unserer Fresken war 
Wenzel in Deutschland reichlich verhaßt. Bereits 1386 soll der Bischof mit am Werke 
gewesen sein, den unfähigen König zu entthronen. Endlich war die Zeit für die Satire, 
die neue Form des Witzes, besonders reif. Mit Karl IV., sagt K. Burdach, zog das Ver- 
ständnis für die neue Form des individuellen Spottes und Witzes 1 ) auch in Böhmen und 
Deutschland ein, wie er in Italien im Gefolge des höher entwickelten Selbstgefühls, der 
Autonomie des Individuums und zugleich als Gegengewicht dawider um sich griff und 
durch die 'Klasse des „uomo piacevole", des „buffone", verbreitet wurde. 

Wer noch nicht an die Richtigkeit unserer Deutung glauben sollte, der vertiefe sich 
in die neuen Satiren, die derselbe Meister, es ist der Meister der schwarzen Konturen, am 
verborgenen Plätzchen, am letzten Fenster des oberen Saales neben der Schloßkapelle 
unmittelbar unter einander entstehen ließ. In dem oberen rechteckigen Felde reitet nach 
rechts auf einem Kamel ein gekrönter König. Er hat einen großen geöffneten Elster- 
schnabel, mächtige Ringe an den plumpen Ohren und einen weit auf die Brust herab- 
fallenden, weichhaarigen Bart (Taf. V). 2 ) In der gesenkten Linken hält er eine goldene 
Kette als Zügel, und in der hochgenommenen Rechten ein Szepter. An der engen Taille 
ein schwarzes, indopersisches Schwert. Der Körper ist in einen Kittel gekleidet, der durch 
eine breite Gürtelschnalle zusammengehalten wird. Der König sitzt auf dem für das 
XIV. Jahrhundert typischen Stehsattel, „dem hohen Zeug". 3 ) Ranken mit charakterlosen 
Blättern und Blüten mit vorragendem Kelch füllen den Grund. Die Konturen sind schwarz, 
nur der Schnabel ist rot, eine Farbe, die auch bei den Kelchblättern wiederkehrt. 

Unmittelbar unter diesem Bilde erscheint eine wunderliche Verbindung von Mensch- 
und Tierleib (Taf. VI). Offenbar handelt es sich um dieselbe Person. Dafür spricht die 
Beschaffenheit des Bartes. Nur ist eine andere Situation gewählt. Die Halbfigur trägt 
eine stilisierte Sackmütze. Die Kopfhaare sind in weitem Schwung nach außen gestrichen. 
Der Rock ist gegürtet und endet in lange, schmale Zacken. In der Linken hält die Figur 
eine in einen Drachenkopf endende Fiedel, 4 ) in der Rechten den Bogen. Der Oberkörper 



') K. Burdach, .Vom Mittelalter zur Reformation". Halle 1S93, Heft I, pag. 68. 

2 ) Das Motiv eines Kamelreiters mit der Geißel in der Hand kommt bereits im XII. Jahrhundert 
in einem Relief der Klosterkirche zu Andlau vor. Auf Tieren, Löwen, Leoparden, Nashörnern reitende 
Könige im cod. c. pict. 12 der Hof- und Staatsbibliothek München; die Satire beschrieben, nicht gedeutet 
von Fr. Panzer, „Bayerische Sagen und Bräuche. Beitrag zur Deutschen Mythologie." München 18-48, 
Bd. I, pag. 237. 

3 ) Vgl. Wend. Böheim a. a. 0., pag. 526; das Motiv in der Wenzelbibel, Bd. I, fol. 167a, 176a, 
bei Wilh. v. Oranse fol. 330 a; aus der Zeit sind noch zwei Originalsättel vorhanden im Historischen 
Museum zu Regensburg und Schaffhausen. 

4 ) Das gleiche Motiv in einer italienischen Miniaturhandschrift, einem Lobgedicht auf König Robert 
den Weisen von Neapel (t 1343) im Kunsthistorischen Hofmuseum zu Wien Saal XXIII, Vitr. I. Nr. 10; 
vgl. Jul. v. Schlosser, „Giustos Fresken in Padua und die Vorläufer der Stanza della Segnatura, in: „Jahr- 
buch der kunsthistorischen Sammlungen", Wien 1896, Bd. XVII, pag. 19, Taf. V, 2; dazu Gebetbuch des 
Herzogs von Berry in der Nationalbibliothek zu Paris ms. lat. 919, fol. 86 a. Diese Mischwesen, inhaltlich 
zunächst ein Rätselspiel, sind ziemlich häufig. Es fehlt eine systematische Behandlung des Gegen- 
standes. Interessante Beispiele: der schießende Kentaur auf der Augsburger Domtür; das Kentaur-Kapitell 
im Dom zu Mainz; das Weib mit den drei Fischschwänzen in der Schottenkirche zu Regensburg; der 
Kandelaberfuß im Dom zu Prag: vgl. auch Deckengemälde der Kirche zu Zillis in Graubünden; Chor- 
kapelle der Jakobskirche zu Tramin (Südtirol); Evangeliar im Goslauer Rathaus; dazu die Truhendecke 



19 

läuft in Fischflossen aus, zwischen deren Strahlen Kreise eingezeichnet sind. Auf dem 
grauen Grunde Stengel mit stilisierten Blättern, dazwischen kleeblattartige Muster und 
margueriten-ähnliche Sterne. 

Was wollen diese inhaltlichen Rätselspiele? Oder will mau diese Frage wiederum 
mit dem Einwand abfertigen, es handle sich lediglich um dekorative Zwecke? Tiergestalten 
bilden ein wichtiges Element in der mittelalterlichen Symbolik, und sie sind unzertrennlich 
von den Figuren der Tugenden und Laster. Die Frage läuft, um es gleich zu sagen, darauf 
hinaus, wie der „Zorn" im Mittelalter dargestellt wurde. In der Arenakapelle zu Padua 
malte ihn Giotto als eine weibliche Gestalt, die mit beiden Händen das Gewand über der 
Brust auseinanderreißt, und veronesische Handschriften 1 ) des Trecento lassen die Frau ein 
Stück Tuch mit den Händen zerreißen. In der nordischen Plastik des XIII. Jahrhunderts 
zückt die „Ira" ein Schwert gegen einen Greis oder einen Mönch mit einem Buche, und 
auf einem Kapitell in Vezelay stößt sie sich ein Schwert in den Leib. 2 ) Der Doctor Sera- 
phicus Bonaventura charakterisiert den Zorn durch einen Hund. Weiterhin sieht man in 
der Münchener Handschrift cod. 3249 die Ira mit dem Knüppel in der Hand auf einem 
schäumenden Eber reiten, der nach Konrad von Megenberg „allezeit grimmig und scharf" 
ist. 3 ) Ungewöhnlich ist die Auffassung der böhmischen Bilderbibel im Böhmischen Landes- 
museum aus der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts cod. 370, fol. 155 b. Die „Superbia" 
hält in der Rechten einen gespannten Bogen, der durch die Beischrift als „Ira" bezeichnet 
wird. Ohne Zweifel ist aber im späteren deutschen Mittelalter das Hauptsymbol des Zornes 
das Kamel. Ich darf mich auf den mittelhochdeutschen schwäbischen Dichter Freidank 
berufen (um 1229), der in seiner „Bescheidenheit" sagt: „der groz inaister Basilius spricht 
von dem kämel oder von dem kämlein, daz es des poesen gar ein starch gedaehtnüss hab 
und ainen swaern zorn und halt den lang". 4 ) Eine nützlichere Quelle, da sie der Forch- 
heimer Kunst zeitlich näher steht, sind zwei Bilderhandschriften der Münchener Hof- und 
Staatsbibliothek vom Jahre 1446 und 1457, cod. germ. 3974, cod. germ. 514. In jenem 
reitet die „Ira" mit der Krone auf dem Haupte, in reicher Gewandung auf dem „camelus"; 



in Leinenstickerei im Historischen Museum zu Basel, um 1350: hier ein die Violine spielender Mensch 
mit Tierleib, vgl. Mor. Heyne, „Das deutsche Wohnungswesen von den ältesten germanischen Zeiten 
bis zum XVI. Jahrhundert", Leipzig 1889, pag. 257; M. Baumgärtel, „Die Wartburg'. Berlin 1907. 
pag. 430. 

') Jul. v.Schlosser, „Ein Veronesisches Bilderbuch und die Höfische Kunst des XIV. Jahrhunderts", 
in: „Jahrbuch", Wien 1895, Bd. XVI, pag. 145. In Petrarcas „Trionfi* findet sich die „ha 4 nicht, wohl 
aber Allegorien der Zeit, des Ruhmes, des Todes, der Liebe, der Keuschheit. 

! ) Vgl. Jos. Sauer, „Symbolik des Kirchengebäudes und seiner Ausstattung in der Auffassung des 
Mittelalters", Freiburg i. Br. 1902, pag. 91, 238; dazu Rieh. Stettiner, „Die illustrierten Prudentiushand- 
schriften". Berlin 1895, pag. 5, Taf. 12, 4. 

s ) Fr. von der Leyen-Ad. Spanier, „Die altdeutschen Wandteppische im Regensburger Rathause", 
Regensburg 1910, pag. 38; F.d. Kolloff, „Die sagenhafte und symbolische Tiergeschichte des Mittelalters", 
in: „Historisches Taschenbuch". Leipzig 18G7, IV. Folge, Jahrg. VIII, pag. 202; Ad. Goldschmidt, „Fran- 
zösische Einflüsse in der frühgotischen Skulptur Sachsens", in: „Jahrbuch der K. Preufi. Kunstsamm- 
lungen*, Berlin 1899, Bd. XX, pag. 292; dazu K. Male, „L'art religieux du XIII 1 siecle en France". 
Paris 1898, pag. 172. 

*) Herausgegeben von Wilh. Grimm, Göttingen 1834, pag. LXXXIII; dazu H. Maller -0. Mothes, 
„Illustriertes archeologisches Wörterbuch*. Leipzig 1878, Bd. IL pag. 70. 

3* 



20 

vor ihr steht ein wilder, geharnischter Mann „Mars", auf dem Helm der „nisus" (Seeadler), 
im Schild der „canis" und im Fahnentuch die „forta" 1 ) (Abb. 10). 










Abb. 10. Das Symbol des Zornes in dem Schwäbischen Speculum humanae salvationis 
der Hof- und Staatsbibliothek zu München, cod. germ. 3974, a. 1446. 

(Nach einer Originalaufnahme von Riehn-Tietze in München.) 



Der Text gibt die Erklärung 
(fol. 74 a): „. . . camelo, quod est 
animal deforme, ut dicit Jacobus, 
quod servat longo tempore iram 
et habet rancorem (Grimm) per- 
severantem de malis sibi illatis". 
Der zweite Zeuge, der Andechser 
Codex, sagt auf fol. 145b: „Der 
vierd scheinpot, den der teuffei 
sendt, ist zoren", und „der zoren 
kumpt geritten auff einem kemell, . . . 
das ist ein tier, als iacobus spricht, 
das es seinen zoren lang wehelt 







Abb. II. Das Symbol des Zornes in dem Andechser Codex der 
Hof- und Staatsbibliothek zu München, cod. germ. 514, a. 1457. 

(Nach einer Originalaufnahme von Riehn-Tietze in München.) 



5 ) Die Form „forta" ist eine Nebenform von „foea", zitiert bei Lor. Diefenbach, „Novum Glos- 
sarium Latino-Germanicum mediae et infimae aetatis", Frankfurt a. M. 1867, pag. 178; Konr. v. Megen- 
berg a. a. 0., pag. 237, 6 sagt: „Foca haizt ain merrint, sam der vorscher spricht, daz ist gar ain starkez 



21 

und hat einen weleibleichen hass wer im zur nicht ubels tuet. Also tuent die zornigen 
wo man sy laidigt, so mainen sie sich zu hant zu rechen vnd entzinden sich in zoren" 1 ) 
(Abb. 11). 

Das sind aber entscheidende Beweise für unsere Behauptung, daß das Kamel den 
Zorn symbolisiere. Wir modernen Menschen stehen dieser Auffassung fremd gegenüber. 
Wenn nun gezeigt werden kann, daß König Wenzel auch diesem Laster verfallen war, 
ist der Bildinhalt eindeutig erklärt. Hören wir wiederum den bedeutendsten Biographen 
Wenzels Th. Lindner: „Alle Fehler wurden jedoch an schlimmen Folgen und Wirkungen 
weit überboten durch die maßlose Leidenschaftlichkeit, welche ihm eigen war. War er 
gereizt, so konnte er zum Wüterich werden und die gewalttätigsten Handlungen begehen." 2 ) 
Es sind viele Geschichten über Wenzel im Umlauf gewesen. Historisch ist jedenfalls, daß 
er aus Zorn im Jahre 1393 dem greisen Domdechanten Bohuslaus mit dem Schwertgriffe 
blutige Wunden in den Kopf schlug, und ähnlich verfuhr er wenige Jahre zuvor mit dem 
Bürgermeister von Nürnberg, als er vom Rat der Stadt die Schlüssel zum Vestner Tor 
verlangte.') Man möchte meinen, daß in der Forchheimer Zornsatire König Wenzels leiden- 
schaftliches und grausames Verfahren mit den Häuptern des böhmischen Klerus, vor allem 
mit Johann von Pomuk, der am 20. März 1393 zwar nicht als Märtyrer des Beichtgeheim- 
nisses, aber wegen kirchenpolitischer Meinungsverschiedenheiten in den Fluten der Moldau 
ertränkt wurde, seinen Widerhall gefunden habe. 4 ) 

So ist der Sinn dieser Satire und ihre Datierung klargestellt. Noch ein Wort über 
einige Nebenmotive. Der sogenannte indopersische Dolch rückt seiner Form wegen in 
eine bedenkliche Nähe mit dem Winzermesser, abgesehen von der Parierstange, die freilich 
bei der Arbeit am Weinstock hinderlich gewesen wäre. Vielleicht hat aber der witzige 
Meister durch dieses Motiv Wenzels Kampf mit dem Wein ausdrücken wollen. 5 ) Mehr 
als eine Vermutung wollen wir freilich nicht aussprechen. Der lange Elsterschnabel, der 
dem König einen gravitätisch-possierlichen Anstrich gibt, weist auf seine Geschwätzigkeit 
hin. Die Elster hat seit alters als geschwätzig gegolten. Das stimmt zu dem überlieferten 
Charakterbild Wenzels. 6 ) Und daß er wie die Elster Freude an eitlem, nichtigem Tand 
habe, soll das Motiv der Ohrringe dartun. Es sei bemerkt, daß das Mittelalter tatsäch- 
lich an die Existenz eines mächtigen Volkes mit Kranichhälsen und spitzen, ellenlangen 



tier; . . ez ist gar ain küen tier und gar zornik und doch niht gegen fremden tiern, neur gegen seim 
hausgesind, wan ez vichtet alle zeit mit seiner frawen, unz ez si ertoet." 

*) Klar ist auch der Sinn, wenn der Illuminator des Wappenbuches der Hof- und Staatsbibliothek- 
München, cod. germ. 145, fol. 55 a im Wappen des Königs von Cana einen wilden Mann auf dem Kamel 
bringt. Der Reiter ist stark behaart, hat flatternde Bander im Haare, in der Rechten einen Stock, in 
der Linken einen Zügel. Genannt sei noch der bartlose König auf dem Kamel in einer süddeutschen 
Tapisserie um 1400 im Osterreichischen Museum zu Wien mit dem Thema: .Erstürmung der Minneburg". 

2 ) Th. Lindner, a. a. 0.. Bd. I, pag. 177, 174 

s ) Th. Lindner, Bd. II, pag. 182; Fr. Palacky, .Geschichte von Böhmen", a. a. 0., Bd. III, pag. 00. 

*) Pelzel, a. a. 0., pag. 267, 100; Ant. Frind, .Der geschichtliche heilige Johannes von Nepomuk". 
Eger 1861, pag. 36. 

5 ) Vgl. Fr. Bassermann-Jordan, .Geschichte des Weinbaus unter besonderer Berücksichtigung der 
Bayerischen Rheinpfalz". Frankfurt a. M. 1907, pag. 211, 217, 283. 

B ) Th. Lindner, a. a. 0., Bd. II. pag. 171. 



22 

Schnäbeln auf der Insel „Kypria" glaubte, wie uns die „Gesta Komanorum" ') und „Herzog 
Ernst" belehren. 2 ) 

Das untere Bild bringt die letzte Satire. Wenzel schwimmt durch die Wasser der 
Moldau. Wassergeister sind nach mittelalterlicher Vorstellung musikalisch gedacht. Des- 
halb hat der König in der Linken eine sogenannte Gigue oder Lira, eine Fiedel, die vor 
allem in Böhmen beim Minnegesang sehr beliebt war. Er bringt seiner Liebsten ein 
Ständchen. Daß sie Susanna ist, weiß man, und daß nicht etwa Wenzel und die Bademagd 
eine „Allegorie" der treuen Gattenliebe zwischen dem König und seiner Gemahlin darstellt, 
gibt man nun endlich zu. 3 ) Die pikante Geschichte von der Gefangennahme Wenzels im 
Jahre 1393 und seiner Befreiung durch die Bademagd an der Moldau klingt hier im Bilde 
an, mag sie nun auf Wahrheit beruhen oder nicht. Genug, daß das Volk davon munkelte. 
Also eine Serenade auf den Wassern der Moldau im Anblick des Hradschin und der herr- 
lichen gotischen Kathedrale! 4 ) 

Man vergegenwärtige sich die Zeit, die viel politischen und sozialen Zündstoff ange- 
sammelt hatte. Sie erblickte in ihrem Regenten das sittlich gesunkene Spottbild eines 
Königs, bar jeder Spur politischen Verständnisses, aber ausgezeichnet durch eine Fülle 
von Lastern. 5 ) Mit dem Titel „Augustus" höhnte man ihn bereits 1385. Kein Wunder, 
daß die realistische Literatur des XV. Jahrhunderts unbarmherzig über Wenzel zu Gericht 
saß. Es gibt genug Spottgedichte auf ihn. Sigmund Meisterlin nennt ihn einen „hutzier 
und pirnbratter hindter dem ofen", 6 ) und der Geschichtsschreibung des XVI. Jahrhunderts 
erscheint er als „ein zweiter Nero". Ein deutsches Volkslied aus dem beginnenden 
XV. Jahrhundert singt von ihm: 

„Du schreibest Dich Augustus, 
ich furchte leider es sei umbsus. 
Das* reich bei dir sich deine meret, 
du wurdest denn icht anders geleret." 7 ) 



') Joh. G. Th. Grässe, „Gesta Romanorum, das älteste Märchen- und Legendenbueh des christ- 
lichen Mittelalters". Dresden 1842, Bd. II, pag. 133. 

2 ) Herausgegeben von K. Bartsch, Wien 1869, pag. CXXX1V; dazu C. L. Cholevius, „Geschichte 
der deutschen Poesie nach ihren antiken Elementen". Leipzig 1854, Bd. 1, pag. 96. 

3 ) Eine „Ehrenrettung" kann es nicht geben. Die Königin-Gemahlin stellt man nicht als leicht- 
geschürzte Magd in durchsichtigem Kostüm, in bedenklicher detaillierter Körperbehandlung, in Ausübung 
seltsamster Funktionen dar. Auch der Inhalt des Spruchbandes: „toho pzde toho", eine recht uner- 
quickliche tschechische Zumutung, spricht dagegen. 

4 ) Wer sich einen guten Begriff von den phantastischen Vorstellungen des Mittelalters machen 
will, lese L. Maeterlinck, „Le genre satirique dans la Peinture flamande", Bruxelles 1907, pag. 57; dazu 
Th. Benfey, „Pantschatantra. 5 Bücher indischer Fabeln, Märchen und Erzählungen." Leipzig 1859. 

5 ) 0. Henne am Rhyn, „Kulturgeschichte des deutschen Volkes". Berlin 1886, Bd. I, pag. 236. 

6 ) Sigmund Meisterlins „Chronik der Stadt Nürnberg", in: „Die Chroniken der fränkischen Städte", 
a. a. 0., pag. 169. 

7 ) R.v.Liliencion, „Die historischen Volkslieder der Deutschen vom 13.— 16. Jahrhundert '.Leipzig 1S65. 
Bd. I, pag. 100; A. Primisser, „Peter Suchenwirts Werke aus dem 14. Jahrhundert", Wien 1827, pag. 111; 
Fr. M. Pelze! -Jos. Dobrowsky, „Seriptores rerum bohemicarum", Pragae 1784, tom. II, pag. 392; G. Seyler, 
„Geschichte der Heraldik". Nürnberg 1890, pag. 480. 



23 

So tritt in den Forchheimer Schloßbildern der kecke Humor des ausgehenden XIV. Jahr- 
hunderts in die Erscheinung. Freilich zart war er nicht, und an Deutlichkeit ließ er 
kaum zu wünschen übrig. Die unverblümte Art mag befremden. Die beiden Fresken 
sprechen den Geist und die Stimmung der Wenzelbibel mit ihrer spottenden Schalkhaftigkeit. 
ihrem beißenden Witz und ihren satirischen Angriffen aus. Warum sollte unser fränkischer 
Künstler nicht den Mut gehabt haben, einen solchen König zu persiflieren, der selbst die 
Devise ausgab: 

„Ich pyn wilde vnde czam, 

den guten gut, den posen gram." 

Es muß noch einmal mit allem Nachdruck auf die wichtige Tatsache hingewiesen 
werden, daß die Forchheimer Wandmalereien die bisher nur gehegte Vermutung eines 
böhmischen Einflusses zur Tatsache erheben. Der Meister am Hofe des Fürstbischofs 
hat lebhafte Bereicherungen seines Stiles aus der Wiener Wenzelbibel empfangen und 
dadurch dem fränkischen Stile neue Bahnen gewiesen. Es ist noch das zeitliche Ver- 
hältnis genauer zu umgrenzen. Da König Wenzel im Krönungsornat auf dem Throne 
erscheint, so wäre als äußerster terminus a quo das Jahr 1378 anzusehen. 1 ) Andererseits 
wird man wohl zugeben, daß die letzten Satiren unter dem frischen Eindruck der Prager 
Ereignisse von 1393 entstanden sind. Das wäre dann ein zweiter terminus a quo. Doch 
können festere Daten gegeben werden. 1390 vollendete Lambert von Brunn den von 
Bischof Leopold III. a. 1353 begonnenen Umbau des alten Königshofes. lütter Albert von 
Egloffstein war jetzt Schultheiß. 'Hier im stillen Schlosse wollte Lambert nach den vielen 
Schwierigkeiten und Kämpfen mit der Bamberger Bürgerschaft, die ihn schon einmal 
zur Flucht nach Forchheim gezwungen hatte, seine Tage in Frieden verbringen. 2 ) Am 
13. Januar 1399 genehmigte Papst Bonifaz IX. seinen freiwilligen Rücktritt von dem 
Bistum und wies ihm für die Lebensdauer die Stadt und Veste Forchheim an, wo er am 
1"). Juli 1399, 10 Tage vor dem Fürstentag zu Forchheim, starb. Unmittelbar nach der 
Vollendung des Umbaues, also nach dem Jahre 1390, wird der Maler das große Wenzel- 
Fresko ausgeführt haben. 3 ) Es steht nichts im Wege, die kleinen Satiren des oberen 
Geschosses kurz nach 1393, vielleicht noch in diesem Jahre selbst, anzusetzen. 

Wie es scheint, hat der Meister der Satire den ganzen König Wenzel-Saal ausgemalt. 
Es haben sich noch Beste von Prophetenfiguren erhalten. Neben dem nördlichen Fenster 
der Ostwand ist ein Spruchband mit dem Namen „Arnos" ziemlich deutlich sichtbar; ferner 
Fensterverzierungen in einfachem Maßwerk mit Dreipässen, sowie an der Eingangsseite 
Sockelmalereien in abwechselnd roten, gelben, grünen und schwarzen Kauten. Dieser Fest- 
saal hatte ursprünglich seinen Eingang an der Südseite. Die Türe wurde in der zweiten 
Hälfte des XV. Jahrhunderts zugemauert, als das spätgotische Gewölbe eingesetzt wurde 
(4 Joche auf einen achtseitigen Pfeiler bezogen). Man sieht noch soviel, daß sie in der 



') Jul. Weizsäcker, .Deutsche Reichstagsakten unter König Wenzel*. München 18*57, pag. 153. 

8 ) J. (i. Ad. Hübsch, „Chronik der Stadt und Vestung Forchheim*, Nürnberg 18(i7, pag. 5J; .loh. 
Bapt. Deuher, „Geschichte der Stadt Forchheim*. Forchheim 1807. pag. 36. 

3 ) In diesen Jahren werden in Nürnberg als Maler genannt: „Ulrich; Heim Münchhauser; Nichts 
Pauli; Seifrid Geysenwenger; Hans Vackandey* ; vgl. J. Baader, „Beitrüge zur Kunstgeschichte Nürnbergs*. 
Nördlingen 1860, pag. 2. 



24 

Höhe des Sturzes von den Reichswappen flankiert war. Auffallend bleibt allerdings, daß 
der Meister statt des grauen den weißen Verputz wie bei den Propheten von 1353 gewählt 
hat. Als Maßwerk dienen einfache rote Krabben. Von dem Reichsadler haben sich nur 
noch Teile des Kopfes und des Flügels erhalten. Auf ihn schreitet der gekrönte, doppel- 
geschweifte böhmische Löwe zu 1 ) (Abb. 12). 




Abb. 12. Der böhmische Löwe im König Wenzel- Saal nach seiner Auffindung. 

(Nach einer Originalaufnahme von Ferd. Schmidt in Nürnberg.) 

Sein Kopf ist auffallend stark zurückgenommen, so daß die Krone zu fallen droht. 
Der weitgeöffnete Rachen zeigt die vorgestreckte Zunge und im Oberkiefer vier würfel- 
ai - tige Zähne. Die Brust des mageren Körpers ist stark gewölbt. Die Behandlung des 
Stofflichen ist gut. Die Konturen sind schwarz, der Leib statt silbern weiß, die Krone 
gelb, der Grund mennige. Von den beiden Wappenschilden entwickeln sich kreuzweise 
nach oben zwei Standarten; im Fahnentuche links das Wappen des Herzogtums Franken, 
rechts der schwarze Doppeladler auf gelbem Grunde. Der Doppeladler ist unter Kaiser 
Ludwig IV. zum Reichswappen bestimmt worden und findet sich zum erstenmal an einer 



J ) Dieselbe Gegenüberstellung an der Hauptfassade der Lorenzkirche und an der Ballustrade der 
Frauenkirche zu Nürnberg. 



25 




Abb. 13. Pferde-Torso in der Königs-Pfalz zu Forehheim, um 1H90. 

(Nach einer Originalaufnahme von F. BruckmaDn in München.) 



Abh. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl. XXVI, 3. Abh. 



26 



die Streitigkeiten 



zwischen Stadt und Burg 



Urkunde vom Jahre 1334, durch welche 
Friedberg geschlichtet wurden. 1 ) 

Blicken wir uns im Saale mit den interessanten Satiren auf Wenzels Zorn weiter um, 
so entdecken wir Reste von Apostelköpfen. Auf der östlichen Mauer erscheint noch ein 
Kopf mit stark gewelltem Haupt- und Barthaar. Die Figur trug in der Linken ein Spruch- 
band. Rote fünfblätterige Blumen schmücken den Grund. An der Südwand ein nach 
rechts geschwungenes Spruchband, vereinzelt rote Ranken. Mehr Beachtung verdient der 
Torso eines Pferdes an der Westwand, wo der Wetterseite wegen ursprünglich die Fenster 
fehlten, bis sie vermutlich im XVII. Jahrhundert ausgebrochen wurden. Dabei gingen die 
übrigen Malereien zu Grunde, und das Pferd wurde zerstört. Ein plumper Schimmel steht 
vor einem felsartig gebildeten, mit Farnkräutern geschmückten Hügel. Langer, bis auf den 
Fußboden reichender Schweif. In der Haar- 
behandlung zeigt sich der gleiche Linienduktus 
wie bei dem Barte des Troubadours. Rotes Ge- 
schirr liegt noch auf dem Rücken, wie es gegen 
Ende des Jahrhunderts im Gebrauche war. Klee- 
blattmuster füllen den Grund (Abb. 13). 

Wahrscheinlich war hier die Einzugsszene 
Lamberts in Forchheim dargestellt. Der bischöf- 
liche Schloßherr bestimmte dieses Thema. Die 
„Goldene Bulle" der Wiener Hofbibliothek bringt 
eine reiche Auswahl solcher Szenen mit Kaisern, 
Königen und Bischöfen. 

Alle die bisher behandelten Malereien rühren, 
um es noch einmal zu sagen, von der Hand des 
König Wenzel-Meisters her und müssen zu Be- 
ginn des letzten Dezenniums gemalt sein. 

Nach Beendigung desUmbaues im Jahre 1390 
ließ wohl Lambert von Brunn an der Fassade 
das Steinrelief mit seinem Wappen anbringen 
(Abb. 14). 

Die Fischangel ist das Wappen der Frei- 
herren von Brunn, 2 ) dessen er sich beim Privat- 
oder Sekretsiegel bediente. Der Vollständigkeit 
halber sei hier abgebildet das volle Siegel mit 
dem Bamberger Löwen, der an der Balkenschräge 
erkennbar ist. 3 ) Es stammt von einer Vertrags- 




/" 



Abb. 14. Relief an der Fassade der Königs- 
Pfalz zu Forchheim, um 1390, mit dem Wappen 
Lamberts von Brunn. 

(Nach einer Originalaufnahme von F. Bruckniann 
in München.) 



') Vgl. J. Siebmacher, a. a. 0., Bd. A, pag. 285. Es gebt nicht an, zu sagen, nur der Kaiser führe 
den Doppeladler, der einköpfige Adler aber sei Symbol des Königtums. Vgl. C. Heffner, „Die deutschen 
Kaiser- und Königs-Siegel*, Würzburg 1875, pag. 23; dazu Fr. M. Pelzel, a. a. 0., Bd. I, pag. 11; 0. Posse, 
„Die Siegel der deutschen Kaiser und Könige von 751 — 180G". Dresden 1910, Bd. II, pag. 5. Nr. 3, Taf. 7, 3. 

2 ) Vgl. Ph. Meyer, „Die Münzkunde Bambergs im Mittelalter", in: „Siebenter Bericht über das 
Bestehen und Wirken des historischen Vereins zu Bamberg", Bamberg 1844, pag. 50. 

3 ) Das Hochstift Bamberg führt im goldenen Felde einen aufgerichteten schwarzen Löwen, über 
den ein silberner schmaler Schrägbalken gezogen ist. 



27 

Urkunde zwischen dem Kapitel und den Bürgern von Bamberg vom 9. Oktober 1377 
(Abb. 15). Dies Doppelmotiv findet sich auch am Epitaph des Fürstbischofs im Peterschor 
des Bamberger Domes, um 1460 (Abb. 16). Auf rotem Sandstein die Bronze. In schlechter 
Zeichnung die Halbfigur des Verstorbenen im Ornat mit Kreuz und Bischofsstab, mit den 
Wappen der Bistümer Bamberg, Strasburg, Brixen und Speyer, im Herzschild die Angel. 
Die Legende lautet: „Anno domini milisimo CC.C nonagesima(l) nona idvs ivli obiit r. p. 

r 

dns lampertus olim epvs babenbg hie sepvltvs'. 1 ) 




Abb. 15. Siegel des Bischofs Lambert von Brunn, an einer Vertragsurkunde zwischen dem Kapitel 
und den Bürgern von Bamberg, 9. Oktober 1377, im Reichsarchiv zu München. 

(Nach einer Originalaufnahme von Kiehn-Tietze München. I 

Man möchte gerne den Namen des Satirikers wissen. Die Urkunden schweigen sich 
aus. Ich stelle fest, dali vor dem Jahre 1393 zahlreiche Süddeutsche in die Prager Bürger- 
liste eingetragen wurden, Bürger aus Augsburg, München, Freising, Fürth, Nürnberg. 
Eichstätt, Schweinfurt. Die Prager Stadtbücher 2 ) nennen auch Forchheimer, ohne leider 
ihre Namen anzugeben. Sollte nicht unter ihnen jener Meister gewesen sein, der sicli in 

') Die Platte lag bis 1832 über dein Grabe, wurde dann an ihrer jetzigen Stelle an der Wand auf- 
gestellt. Vor den Stufen des Petrusaltares ist noch im Bodenbelag der Name „Lambert" zu lesen; vgl. 
Mich. Pfister, „Der Dom zu Bamberg", in: „58. Bericht über Bestand und Wirken des historischen 
Vereins zu Bamberg", Bamberg ls97. pag. 27 und M. Landgraf, „Der Dom zu Bamberg", Bamberg 
1830, pag. 18. 

2 ) Vaclav Vladivoj Tomek, „Dejepis Mesta l'rahy". a. a. 0., Bd. II, pag. 518; Ferd. Tadra, „Kulturelle 
Beziehungen Böhmens mit der Fremde bis zu den Hussitenkriegen", Prag 1897; Jos. Teige, „Almanacb 
der Prager Stadtgemeinden", Prag 1902, pag. 36: 1353 Hermanus de Nurmberch, Conradus de Nürn- 
berg, 1308 Ludil de Nuremberg, 1370 Henslinua de Auspurk Pictor, 1381 Otlinus aurifaber de Nuren- 
berg, 1383 Matthias tabernator de Nueraberga, 1388 Conradus Helt de Munichen, diese sind in die ['rager 
Bürgerliste aufgenommen. 

4* 



28 

der ersten deutschen Kunststadt Prag weiterbildete, den der Bamberger Bischof nach 
Forchheim berufen hatte, um ihm einen großen Auftrag für sein Schloß zu erteilen? 
Das ist eine Frage, die nur gestellt, vielleicht später einmal beantwortet werden kann. 
Registrieren wir noch die Tatsache, daß einige Jahre zuvor, 1385, der Prager Bürger 
Reinhart in seiner Vaterstadt ein Altarwerk für die Pfarrkirche zu Mühlhausen am Neckar 
anfertigen ließ. 1 ) 



l ) K. Lange, „Das Altarwerk von Mühlhausen am Neckar in der K. Gemäldegalerie zu Stuttgart", 
Freiburg i. Br. 1906; vgl. auch J. Gramm, „Kaiser Sigismund als Stifter der Wandgemälde in der Augu- 
stinerkirche zu Konstanz", in: „Repertoriuin für Kunstwissenschaft", 1909, Bd. XXXII; L. Leutz, „Die 
Wandgemälde in der Burgkapelle Zwingenberg am Neckar;" in Fr. X. Kraus-A. v. öehelhäuser, „Die 
mittelalterlichen Wandgemälde im Großherzogtum Baden", Darmstadt 1893, Bd. I, Taf. XXIII, pag. 20, 30; 
Fr. F. Leitschuh, „Zur Geschichte der Malerei in Würzburg im XV. und XVI. Jahrhundert", in: „Monats- 
hefte für Kunstwissenschaft". Berlin 1912, Heft 2, pag. 42. 




Abb. 16. Epitaph des Fürstbischofs Lambert von Brunn im Westchor des Domes zu Bamberg, um 1460. 
iNach einer Originalaufnahme von Fr. Stoedtner in Berlin.) 



29 



Die Anbetung der Heiligen Drei Könige in der Schlosskapelle. 

Wir haben die Kunst von zwei Meistern kennen gelernt, die kurz nach der Jahr- 
hundertmitte und im beginnenden letzten Jahrzehnt im Forchheimer Schlosse arbeiteten. 
Der Jüngere von ihnen beansprucht unser größtes Interesse. Er war ein Mann von 
weitem Blick, verstand die Zeichen der Zeit und wußte, daß in der böhmischen Residenz 
fruchtbringende Anregungen zu finden seien. Er war am Hofe Wenzels IV. und in den 
Kreis der Wenzelbibel -Meister eingetreten. Ein Mann fröhlichen, aber auch beißenden 
Humors, der in flottem, schneidigem Strich seinen Gedanken Form verlieh. Seine Gemälde 
sind kolorierte, schwarz konturierte Zeichnungen, auf der Mauer vergrößerte Miniaturen. 
Fdr etwa zwei Jahre tritt nun in der künstlerischen Betätigung Forchheims eine Pause 
ein. Dann aber gilt es, die Hauskapelle 1 ) des Bischofs mit einem besonders großen und 
stimmungsvollen Wandgemälde zu schmücken, mit dem Dreikönigsbilde (Taf. VII). Die 
Komposition ist trotz mancher archaistischer Züge der Ausdruck eines gereifteren Stils. 
Ikonographisch gesprochen, bringt sie den , Französischen Schauspieltypus", der, wie ich 
nachwies, im letzten Viertel des XII. Jahrhunderts in der Provence entstand. 8 ) 

Unter einem breit abfallenden Spitzbogen thront nach rechts gewandt in gerader 
Haltung die jugendliche Maria. Die hohe Krone und der breite Rundnimbus kennzeichnen 
sie als Himmelskönigin. Der Oberkörper ist schmal, und über die Beine mit den aus- 
einanderstehenden Knieen und Füßen fällt ein schwerer Mantel. Ein Breitkopf, der von 
blondem, bis auf die Schultern herabfallendem glattem Haare eingerahmt wird. Die Stirne 
ist stark gewölbt. Geschwungene Brauen über den vorstehenden Augen, ein schmalrückiges 
Naschen, kräftiges, rundes Kinn. Die Madonna trägt einen kobaltblauen Rock und einen 
weißlichen Mantel; die Schuhe sind lederfarben. Die langen Finger der schlanken Hand 
liegen auf der Schulter des Christusknaben, der nackt auf ihrem Schöße sitzt. In der 
hochgehobenen Rechten hält er ein Goldstück, die linke Hand greift nach dem silbernen 
Pokal des greisen knieenden Königs. Die Krone ruht zum Ausdruck der Ergebenheit 
auf dem Suppedaneum des Thrones. Balthasar hat einen kobaltblauen Rock, der Mantel 
ist chromoxydgrün. Kahler Schädel. Die kleinen Augen sitzen in tiefen Höhlen: die 



') Die neuerdings geäußerten Zweifel an der Richtigkeit der Bezeichnung .Kapelle" müssen schwinden ; 
denn laut Urkunde des Bamberger Kreisarchivs (Rep. 184 II, Verz. 2, Nr. 6 und 16) vom 9. August 1608 
hat der Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunnn die .Kapelle abbrechen", d. h. die süd- 
liche Wand abreißen lassen, um einen einzigen Saal daraus zu gewinnen. Später wurde dann die Wand 
wieder aufgemauert, und auf sie kam dann bei der Fernbachschen Restaurierung das Emblem König 
Ludwigs I., das vor kurzem beseitigt wurde. 

2 ) H. Kehrer, „Die Heiligen Drei Könige in Literatur und Kunst", a. a. ()., Bd. II, pag. 129. 



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Abb. 17. Die Reichswappen in der Wenzelbibel der K. K. Hofbibliothek zu Wien. 

(Nach einer Originalaufnahnie von S. Schramm in Wien.) 



gebogene Nase, der stark vortretende Kiefer und der geteilte lange Vollbart erinnern 
lebhaft an den zweiten Propheten Jeremias auf der benachbarten Wand. Hinter ihm steht 
der zweite Magier in grünem Rock und weiblichem Mantel. Er deutet mit dim Zeige- 
finger der rechten Hand auf den sechsstrahligen goldenen Stern. Blondes Haupthaar, 
kurzer, kräftiger Schnurrbart, geteilter Vollbart. Der dritte, kleinäugige König ist kräftig 
gebaut und wird auf das erneute Erscheinen des Sternes aufmerksam gemacht. Er hat in 
der Rechten den Kelchpokal, die Linke greift wie bei dem Propheten Jeremias in den 
Mantelsaum. Ober- und Unterkleid sind kobaltblau. In der Nische zur Rechten der Maria 
hat der greise Joseph Platz genommen. Eine seltsam geschlossene Körpermasse. Er sieht 
stumpfsinnig und teilnahmslos die fremden Könige an. Ein armer Mann aus dem Volke 
mit plumpem Bauernstocke zwischen den Händen. Die Kapuze ist zurückgeschlagen. Der 
Rock ist weißlich, der Mantel kobaltblau. In der bildabschließenden, halbzerstörten Nische 
steht auf dem Fußboden ein aus Bast geflochtenes, mit Broten gefülltes Henkelkörbchen, 
daneben ein ehemals grüner Wasserkrug und auf der Sitzbank ein Tonkrug. Die Weisen 
sind rechts durch die Türe eingetreten, die Türschwelle ist noch sichtbar. Es fehlt der 
Architekturschluß nach den Seiten und nach oben. Durch den breiten unteren Streifen 
wird der Zimmerboden angedeutet. Die Farbe des Grundes ist mennigrot, die ganze Archi- 
tektur chromoxydgrün. Die Konturen sind wie bei den Propheten rot, im Gegensatz zu 
den schwarzen des König AVenzel-Meisters. 

Wenn man zur Vergleichung die malerischen und plastischen Vorbilder am Auge 
vorübergehen läßt, so wird es schwer sein, eine treffende Antwort auf die Frage nach der 



31 



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Abb. 18. König Wenzel und Gemahlin in der Wenzelbibel der K. K. Hofbibliothek zu Wien. 
i.Yu-h einer Originalaufnahmc von S. Schramm in Wien.) 



Herkunft dieses neuen, entwickelteren Stiles zu geben. Man sieht jedenfalls, wie das 
Erschließen der Tiefendimension in diesem Fresko einen Fortschritt gemacht hat. Die Wand 
ist nicht mehr Abschluß, sondern Erweiterung des Raumes. Der Meister ahnt schon in 
seinem Innern etwas von den perspektivischen Gesetzen. Man wird ihm die falsch gestellte 
rechte Wand verzeihen, ebenso manche andere Motive, die hintereinander statt übereinander 
gehören. Die Köpfe sind plastischer geformt. Im Ausdruck der Figuren und in der Art, 
wie sie mit noch nicht klar voneinander abgetrennten Füßen auf dem Boden unsicher 
stehen, klingen archaistische Reminiszenzen nach. Der Oberkörper ist noch nicht mit dem 
Unterkörper zusammengesehen, am deutlichsten bei der Madonna. Solche Widersprüche 
und Verbindungen von altem und neuem Sehen dürfte die Datierung zunächst erschweren. 
Suchen wir uns aber einmal den Gewandstil klarzumachen. Es dominiert die Falte in 
voller Ausrundung,' das geschwungene Gefultel (so bei dem Mantel des zweiten Königs, 
der in kühnem Schwung von der rechten Schulter nach der linken Seite lauft, bei der 
Maria das den rechten Unterarm überschneidende Mantelstück, und bei dem jungen Könige 



32 




Abb. 19. Böhmisches Tafelbild im Rudolphinum zu Prag, um 1380. 
(Nach einer Originalaufnahme von Jan fatenc in Prag.) 



33 

die zwischen den beiden Händen sich entwickelnde Falte). Nächst diesen geschwungenen 
Hauptlinien müssen die schlängelnden Falten und das Flatternde des Mantelendes beachtet 
werden. Bei dem Mantelsaume der Madonna begegnen sich unterhalb des linken Kniees zwei 
Tollen, die sich gleichsam verstärken. Die dritte Form besteht darin, daß die Stoff- 
masse umgeschlagen wird und hakenförmig sich am Boden festzuklammern scheint. Anders 
ausgedrückt, der Saum krümmt sich in stärkerer Schwingung. Das Motiv ist am deut- 
lichsten neben dem rechten Fuße des greisen Königs und über dem rechten vorgesetzten 
Fuße der Madonna, wo das Gefältel sich staut. Es treten ferner in der Binnenzeichnung 
ast- und gabelförmige Falten hinzu, die bei der jüngsten Restaurierung am meisten gelitten 
haben. Das Lineament ist reicher als in den älteren Wandbildern. Der Meister spielt 
mehr mit den Linien. Der Forchheimer Falteustil hat in dieser Synthese auf fränkischem 
Boden keine Parallele und in der böhmischen Kunst nur indirekte Vorbilder, wenn gleich 
liier die Einzelelemente reichlich vertreten sind. Da die Schloßmalereien einzig in ihrer 
Art sind, muß es immerhin schon als ein Gewinn angesehen werden, wenn man über- 
haupt noch in einer Komposition die drei den Forchheimer Faltenstil konstituierenden 
Motive vereint findet. Dies ist der Fall in dem Acht- 
heiligen-Bild des Rudolphinums zu Prag (Nr. 130), das 
aus der Kirche zu Dubecek stammt und um 1380 gemalt 
worden ist (Abb. 19). 

Für die Forchheimer Falte in voller Ausrundung 
mag angezogen werden das Mantelmotiv bei der sechsten 
Figur mit Szepter und Reichsapfel, dem hl. Sigismund, 
dem König von Burgund. Auch trifft man den haken- 
förmig aufliegenden Mantelsaum in diesem Retabel an, 
am deutlichsten bei der böhmischen Herzogin Ludmilla 
(Attribut der Schleier, mit dem sie erdrosselt wurde), 
und die schlängelnden Falten zeigen sich an beiden Enden 
des Schleiers und beim Mantelende des Königs. 

Man kann mithin nur sagen, bei aller Verschieden- 
heit der figürlichen Auffassung weist der Faltenstil des 
Dreikönigbildes auf einen böhmischen Kunstkreis hin, in 
den das Prager Achtheiligen-Bild als eines der wenigen 
noch erhaltenen Denkmäler hinein gehört. Der Prager 
ältere Meister steht auf einer höheren künstlerischen 
Stufe, als der jüngere Forchheimer, dessen Faltenstil 
darum reicher ist. Offenbar haben sich diese Gewand- 
elemente freilich in modifizierter Form bis um 1420 in 
Nürnberg erhalten, 1 ) wie der 1902 aufgedeckte Apostel 
Simon im linken Seitenschiffe der Heiliggeistkirche trotz 
seiner Restaurierung immerhin noch zeigt (Abb. 20). 





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Abb. 20. Der Apostel Simon in der 

Heiliggeistkirche zu Nürnberg, 

um 1420. 

(Nach einer OrigEnalauTnabnie von 
Fenl. Schmidt in Nürnberg.) 



') Fr. T. Schulz, „Die Wiederherstellung der Heiliggeistkirche zu Nürnberg in ihrer Vollendung 
in: .Süddeutsche Bauzeitung". Nürnberg 1905, No. 8, pag. 8 und 13. 

Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI. 3. Abb, 5 



34 



Seltsam genug, daß das Rudolphinumbild noch in einem anderen Punkte wichtige 
Aufschlüsse gibt. Was bedeuten eigentlich die großen, den Raum disponierenden Wände in 
der Anbetung der Drei Könige? Um welche Architektur handelt es sich? Der Gedanke 
liegt nahe, daß der Meister an die Kulissen der Dreikönigsbühne gedacht hat, auf der 
jährlich am 6. Januar das Mysterium stattfand. Vorbildlich war die böhmische Architektur 
in der linken oberen Szene (Abb. 19). Wo der vom Stifter verehrte Heilige und der 
Erzbischof stehen, sind im Forchheimer Fresko die beiden Könige Melchior und Kaspar. 
Es finden sich hier und dort die kahlen Decken und Wände, die rundbogige Türe, die 
vorgezogene Schwelle über dem ansteigenden Fußboden, selbst das Zapfenmotiv, das nur 




Abb. 21. Innenarchitektur aus der österreichischen Weltchronik in der K. K. Hofbibliothek zu Wien 
cod. genn. 2766, um 1450. („Als Isaac den segen gab.") 

(Nach einer Originalaufnahme von S. Schramm in Wien.) 



35 




Abb. 22. Böhmische Madonna im Rudolphinum zu Prag, um 1380. 
(Nach einer Original&ufnahiue von Jan Stenc in Pra^ i 



36 

in Forchheim einfacher ist. 1 ) Es wird ein Schnitt durch ein Zimmer, den Scheitel der 
rundbogigen Türe gegeben. Der zweite König spricht durch die Türe hindurch zum dritten. 
Ich meine, diese formale Übereinstimmung ist geradezu schlagend. Worum es sich handelt, 
wird vollends klar durch einen Blick auf eine Innenarchitektur der österreichischen Welt- 
chronik in der Hofbibliothek zu Wien cod. germ. 2766 (Abb. 21). 2 ) 

Endlich sei noch auf einige Nebendinge aufmerksam gemacht. Die Zusammenhäufung 
der Motive um den Christusknaben des Dreikönigsbildes, das Vielerlei von Händen, Beinen 
und Füßen ist echt fränkisch. Das die Rolle des üblichen Feigenblattes übernehmende 
hochgezogene Christusfüßchen scheint in der böhmischen Kunst besonders beliebt gewesen 
zu sein, wie das Braunschweiger Skizzenbuch nach 1380 lehrt. 3 ) Die Form des Forch- 
heimer Thrones findet sich in böhmischen Handschriften, vor allem in Miniaturen der 
Wenzelbibel (vgl. etwa Bd. II, fol. 33 b), oder des Wiener cod. lat. 2352 vom Jahre 1393, 
(fol. 19 b, 15 a, 94 b). Die Kopfform des auf den Stern deutenden Königs ist gänzlich 
unfränkisch, undeutsch, anthropologisch gesprochen durchaus slavisch-tschechisch. Das ist 



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Abb. 23. Karl IV. und seine dritte Gemahlin Anna von Schweidnitz. Fresko in der Katharinenkapelle 

zu Karlstein, um 1357. 
(Ans Jos. NeuwirtlO 



') Vgl. B. Matejka, „Soupis Pamätek Historickych a Umeleckych v Politikern Okresu Lounskem". 
Prag 1897. 

2 ) Vgl. „Tabulae codicum manuscriptorum*. Vindobonae 1868, vol. II, pag. 129. 

3 ) Jos. Neuwirth, .Das Braunschweiger Skizzenbuch eines mittelalterlichen Malers". Prag 1897, 
Blatt 8. 



37 



vielleicht der Grund, weshalb einige in ihm das Porträt Kaiser Karls IV. erkennen wollen. 
Die vorgewölbte Stirne, die verkümmerte Nase und die kleinen Augen sind, wie mir 
Geh. Rat Job. Ranke- München gütigst mitteilte, die entscheidenden Kriterien. Leider fehlt 
die direkte Vorlage. So unfrän- 
kisch dieser König ist, so fränkisch 
ist der Kopfbau der Maria. Es 
ist der längliche, breite, kräftige 
Typus, wie ihn die Franken bevor- 
zugten. Der Kopf hat auch nicht 
das geringste mit den Madonnen 
der böhmischen Tafelbilder gemein, 
von denen wenigstens ein klassi- 
sches Beispiel hier gebracht sei 1 ) 
(Abb. 22). 

Man hat bei dem zweiten und 
dritten Forchheimer Könige porträt- 
hafte Züge erkennen wollen und an 
ganz bestimmte Persönlichkeiten, an 
Kaiser Karl IV. und seinen Sohn 
Wenzel gedacht. 8 ) 

Doch muß dieser Gedanke 
mit Entschiedenheit zurückgewie- 
sen werden. Es sei kurz versucht, 
die Haltlosigkeit dieser vagen Ver- 
mutung darzutun. Fragt man vor 
allem nach böhmischen Beispielen, 
so kann man in keine Verlegen- 
heit geraten. Wenn das XIV. Jahr- 
hundert auch noch nicht das reine 
Porträt darstellen wollte, so war 
es doch imstande, durch ein paar 
Akzente die Ähnlichkeit aus einem 
Kopfe herauszuholen. Und gar für 

den großen Kaiser hat man ein besonderes Interesse empfunden. Die Fresken der Marien- 
kirche und der Katharinenkapelle auf der Burg Karlsteiu vom Jahre 1856 und 1357 
bringen Bildnisse des Kaisers.') (Karl IV. und seine Gemahlin Bianca; Karl empfängt vom 




Abb. 24. Büste Kaiser Karlä IV. im St. Veitdom zu Fra; 
nach 1379. 

(Nach einer Originalatifiiahmc von Fr. Stoedtner in Berlin.) 



') Vgl. Jos. Jungnitz: .Zwei Tafelbilder aus der böhmischen Malerschule des XIV. Jahrhunderts 
im Breslauer Diözesanmuseum*, in: .Jahrbuch des Sehlesischen Museums für Kunstgewerbe und Alter- 
tümer*. Breslau 1909, Bd. V, pag. 71. 

l ) Will. Scheffler: .Die Porträts der deutschen Kaiser und Könige im späteren Mittelalter", in : 
.Repertorium", a. a. 0., 1910, Bd. XXXIII. pag. 327. 

*•) Jos. Neuwirth: .Mittelalterliche Wandgemälde und Tafelbilder der Burg Karlstein in Böhmen " 
in: .Forschungen zur Kunstgeschichte Böhmens*, Prag 1896, Bd. I, Taf. X, XI und: .Der Bilderzyklus 
des Luxemburger Stammbaumes aus Karlstein*, in: .Forschungen", a. a. 0., Prag 1897. Bd. II, pag. 40 



38 



Dauphin zwei in einem Krystall eingeschlossene Dornen Christi; Karl und seine dritte 
Gemahlin Anna von Schweidnitz (Abb. 23); Karl kniet vor der Madonna mit dem 
Christusknaben). 

Die Übereinstimmung in den 
Hauptpunkten ist folgende: Langes, 
bis auf die Schultern herabfallendes, 
tiefschwarzes Haupthaar. Vorge- 
nommener Kopf, stark gewölbter 
Rücken. Große Augen, betonte 
Backenknochen. Kräftiger, aber 
nicht geteilter Vollbart, mächtiger, 
nach unten gestrichener Schnurr- 
bart. Ziehen wir noch die authen- 
tischen Bildnisse aus der böhmi- 
schen Plastik heran, so steht voran 
die Büste der Triforiumsgalerie des 
Prager Domes, kurz nach 1379 
(Abb. 24), und die Freistatue am 
Altstädter Brückenturm zu Prag, 
um 1390 (Abb. 25, 26). ^ Da sich 
diese an jene anlehnt, — der Kaiser 
ist nur älter und wehmutsvoller 
dargestellt, — soll von jener kurz 
die Rede sein. Es liegt ein fester, 
bestimmter Typus für Karl IV. vor. 
Wiederum ist hinzuweisen auf das 
lange, bis auf die Schultern fal- 
lende Haar mit den einzelnen für 
sich behandelten Strähnen, auf den 
nicht geteilten Vollbart mit zwei 
künstlichen Locken in der Mitte, 
auf die schräggeschnittenen, großen 
Augen mit stark vorquellendem 

Augapfel, auf die kurze, breitflügelige Nase, die betonten Backenknochen und den auf- 
fallend breiten Mund. Über die Haarfarbe gibt das aus Raudnitz stammende Votivbild 
des Erzbischofs Ocko von Vlaschim (1364 — 1380) von Meister Theoderich Auskunft (Abb. 27 
und 28). Es ist tiefschwarz. Auch große Augen, ungeteilter Kinnbart. Die „Goldene Bulle" 
vom Jahre 1400 kommt als glaubwürdige Quelle nicht mehr in Betracht (Abb. 29); denn 




Abb. 25. Der Altstädter Brückenturm in Prag mit den 
Statuen Karl IV. und Wenzel IV., um 1390. 

(Nacli einer Originalautnahme von Fr. Stoedtner in Berlin.) 



mit Nachweis, daß im cod. 8330 der Wiener Hofbibliothek Blatt 60 und 61 Kopien der Bildnisse Karls 
vorhanden sind. 

J ) K. B. Mädl, „Porträtbüsten im Triforium des St. Veitdomes zu Prag'. Prag 1894, Taf. I, IV; 
A. Stix, „Die monumentale Plastik der Prager Dombauhütte um die Wende des XIV. und XV. Jahr- 
hunderts", in: „Kunstgeschichtliches Jahrbuch der K. K. Zentralkommission für Erforschung und Erhaltung 
der Kunst- und Historischen Denkmäler". Wien 1908, Bd. II, pag. 69, Taf. IX, Fig. 33. 



39 

es ist kein getreues Bildnis des Kaisers, der bereits 24 Jahre tot war. Vielmehr gibt ihm 
der Illuminator den Modebart Wenzels, nur einen längeren, da es sich um den Vater 
handelt. Es kämen noch ein paar Siegel hinzu. C. Heffner 1 ) bringt die Hauptproben, doch 
sind seine Reproduktionen mit Vor- 
sicht zu verwerten, da, wie Haber- 
ditzl 2 ) vollkommen überzeugend 
nachwies, einige von verfälschten 
Gipsabdrücken genommen sind. Es 
sei gleich gesagt, daß für Wenzel 
die Dinge nicht viel besser liegen. 
Die Stempel sind vom Majestäts- 
siegel Karls IV. übernommen, und 
in der Legende wurde Karolus durch 
Wenzelaus ersetzt. Echt ist aber 
das Wachssiegel Karls IV. an einer 
Urkunde vom Jahre 1376 im Kreis- 
archiv zu Würzburg. Der Kaiser 
sieht auch hier etwas verwachsen 
aus, hat breites knochiges Gesicht, 
welliges Schulterhaar, kurzen, un- 
geteilten Vollbart und einen nach 
unten gestrichenen Schnurrbart. 3 ) 
Das Porträt Karls IV. ist da- 
mit im wesentlichen klar gestellt. 
Matteo Villani (f 1363 in Florenz), 
der den Kaiser bei seiner Italien- 
fahrt sah, beschreibt ihn folgender- 
maßen: „Er war von mittlerer 
Statur, klein nach deutschen Be- 
griffen, etwas verwachsen, da er, 
wenn auch nicht übermäßig, den 
Hals und den Kopf nach vorn hielt; 
hatte dunkle Hautfarbe, ein breites 

Gesicht, große, dicke Augen. Seine Backen waren dick, sein Bart schwarz, und der 
vordere Teil des Kopfes kahl." 4 ) Aus dieser kurzen Betrachtung erfolgt auch, daß die 




Abb. 2ü. 



Kaiser Karl IV. an dem Altstädter Brückenturm 
in Prag, um 1390. 



(N'ach einor Originalaufnahme von Fr. Stoedtner in Rerlin.l 



') C. Heffner. a. a. 0., Taf. XI. 

*) F. M. Haberditzl, .Über die Siegel der deutschen Herrscher vom Interregnum bis Kaiser Sig- 
mund", in: .Mitteilungen des Instituts für < tsterreiehische Geschichtsforschung", Innsbruck 1908. Hd. XXIX, 
pag. 651, 652, 660. 

*) Vgl. auch Gust. Beckmann, .Ein Porträtwerk für das Mittelalter", in: .Beilage zur Allge- 
meinen Zeitung", München 1903, Nr. 1S'2. 

4 ) Matt. Villani, .Cronica". Firenze 1896, tom. I. pag. 376; H. Friedjung, .Kaiser Karl IV. und sein 
Anteil am geistigen Leben seiner Zeit", Wien 1876. pag. 77; Fr. Palacky, „Geschichte von Böhmen" 
Prag 1842. Bd. II, pag. 411: Fr. Häberlin, .Die allgemeine Welthistorie", Halle 1769, Bd. IV, pag. 98. 



40 

St. Georgstatue des Berliner Museums, seinerzeit noch als Karl IV. angesprochen, sein 
Porträt nicht sein kann. Auch ist sie zu früh datiert. 1 ) 

Dem Vater nicht unähnlich ist Wenzel IV. Doch hat er, es ist besonders wichtig 
für die Bestimmung, rotblondes Haar, eine typisch böhmische, d. h. aufgestülpte Nase und 
kleine Augen. Idealisierung liegt naturgemäß im Widmungsbilde der Wenzelbibel vor 
(Abb. 18). Er trug aber zu allen Zeiten seines Lebens kurzes Haupthaar und schon sehr 
frühzeitig einen geteilten Vollbart. Mit Wenzel und nicht mit Karl IV. kommt recht 
eigentlich die Mode auf, den in zwei Spitzen auslaufenden Kinnbart zu tragen. 2 ) Vom 
Vater hatte er sicher nicht die Statur. Wenzel war groß, schlank, von kräftigem Körperbau. 
Petrarca nennt ihn einen „robustus venator". 3 ) Sein Jugendporträt zeigt gerade nicht 
unangenehme Züge (Abb. 30, 31). Aber bei der allgemeinen Unzufriedenheit mit seiner 
Politik und seiner Lebensführung ist es kein Wunder, daß auch bald die offenkundige 



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Abb. 27. Theoderich von Prag, Madonna mit dem 
Apfel. Votivbild im Itudolphinuni, a. 1372. 



Abb. 28. Kaiser Karl IV. im Jahre 1372. 
(Ausschnitt.) 



(Nach einer Originalaufualinie von Fr. Stoedtner in Berlin.) 



!) W. Bode, „Geschichte der deutsehen Plastik", Berlin 1887, pag. 95; R. Grundmann, „Eine Holz- 
statue des hl. Georg im Germanischen Museum", in: „Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums", 
Nürnberg 1900, pag. 191; W. Vöge, „Die Deutschen Bildwerke und die der anderen cisalpinen Länder", 
Berlin 1910, pag. 25, Nr. 54; vgl. auch Siegfr. Graf Pückler-Limpurg, „Die Nürnberger Bildnerkunst um 
die Wende des 14. und 15. Jahrhunderts", Strafäburg 1904, pag. 28, 83. 

2 ) Der Kopf des zweiten Königs in der „Anbetung" der Basler Münsterkrypta ist nicht porträt- 
mäßig; vgl. dagegen A. Bernoulli, „Die Deckengemälde in der Krypta des Münsters zu Basel", in: „Mit- 
teilungen der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel", Basel 1878, pag. 5, Taf. VI; dazu 
A. Podlaha- Ed. Sittler, „Der Domschatz und die Bibliothek des Metropolitan-Kapitels", in: „Topographie 
der Historischen und Kunstdenkmale im Königreich Böhmen", Prag 1903, pag. 40. 

3 ) Fr. Palacky, a. a. O., Bd. 111, 1, pag. C8. 



41 

Tendenz auftrat, nicht die würdevollen Züge in seinem Porträt herauszuarbeiten, sondern 
das Niedrige, Derbe und Gemeine. Der Wenzelbiograph Th. Lindner sagt: „wild und 
schrecklich anzuschauen blieb er allezeit". 1 ) Zum Zorn geneigt, argwöhnisch und furcht- 
sam, so sieht er in der Miniatur der „Goldenen Bulle" aus (Abb. 29). 




Cuti\-filic W't'ncesla? 



Abb. 29. Kaiser Karl IV. und König Wenzel IV. in der Goldenen Bulle der K. K. Hofbibliothek 

zu Wien, a. 1400. 

(Nach einor Originalaufnanme von S. Schramm in Wien.) 



•) Th. Lindner, a. a. 0., Bd. I, pag. 171. 



Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI, 3. Abb. 




Abb. 30. Büste König Wenzels IV. im St. Veitsdom zu Prag, nach 1379. 

(Nach einer Originalaufnahme von Fr. Stoedtner in Berlin.) 





Abb. 31. Wenzel in der Bergrechthandschrift im Stadtarchiv Abb. 32. König Wenzel IV. an dem Altstädter Brückenturm 

zu Iglau. in Prag, um 1390. 



(Aus H. F. Helmolt.l 



(Nach einer Originalaufnahme von Fr. Stoedtner in Berlin.) 



43 



Der Stil auf fränkischer Grundlage. 

Der böhmische Einfluß ist eine wichtige Episode in der fränkischen Kunstentwicklung. 
Er klingt aus im Dreikönigsbilde, und die eigentlich bodenständige Formensprache dringt 
allmählich wieder durch in dem zuletzt entstandenen Fresko, dem Wand- und Decken- 
gemälde des „Jüngsten Gerichts". Zwischenstufe ist aber die Yerkündigungsszene an der 
Ostwand der Schloßkapelle zu beiden Seiten des Fensters. Die Fensterform nimmt der 
von einfach profilierten Säulenkapitellen ausgehende, mit kräftigen Krabben geschmückte 
grüne Bogen auf 1 ) (Taf. VIII). Der kurze Säulenschaft wird auf der einen Seite durch 
die weiße Lilie, auf der andern durch das Spruchband überschnitten. Die Ankunft des 
Erzengels ist durch die heilige Taube eingeleitet, die auf die Auserwählte herabschießt. 
Die zwei Hauptfiguren sind weit voneinander getrennt. Der Kenner des italienischen 
Trecento weiß, daß der Forchheimer Maler das südländische Kompositionsschema über- 
nommen hat: Der Engel kommt der sitzenden Madonna entgegen geflogen. Klassisches 
Beispiel ist Giotto in der Arenakapelle zu l'adua. um 1306.*) Der mehr strenge Stil 
der Wandmalerei scheint den Typus ausgebildet zu haben. Bringt man das Thema auf 
den Triumphbogen, so entsteht von selbst diese Fassung. Links auf einem schräg in die 
Bildfläche gestellten Sitze erscheint die schlanke Figur der Madonna in blauem Gewände 
mit hochgehendem, nimbiertem Kopfe, der von der glatten ruhigen Welle des Haares 
umrahmt wird. Die linke Hand liegt auf dem Schöße, und die rechte fehlende berührt 
den aufgeschlagenen Codex, dessen Lederriemen an der Wange des mit einem drehbaren 
Buchgestell versehenen Pultes herabhängen. Das Buch hat einen braunen Schnitt. Im 
Jahre 1831, kurz nach der Entdeckung, konnte man noch auf dem linken und rechten 
Blatte die Worte lesen: „Ecce ancilla Domini", und „fiat mihi secundum verbum tuum" 
(Lukas I, 38). 3 ) Der blondhaarige, deutende Gabriel in blauem Rocke und grünem Pluviale 
mit rechteckiger Agraffe, ist im Begriffe niederzuknien. Das Fresko hat stark gelitten. 
Die Farbe ist an entscheidenden Stellen abgebröckelt. Daher läßt sich auch nichts Sicheres 
mehr über den Kopftypus der Maria aussagen. Doch bietet der Verkündigungsengel einiger- 
maßen Ersatz. Er leitet zu dem jüngsten Forchheimer Stil um die Jahrhundertwende 



*) Die korbbogenartige Umrahmung ist lediglich durch die vorgefundene Fensterform bedingt, doch 
mag sein, daß sich die Krabben eine spätere Auffrischung gefallen lassen mußten. 

*) Simone Martini in den Ufficien a. 1338; Taddeo Bartolo in der Akademie zu Siena Nr. 131; 
Ambrogio Lorenzetti im Museum zu Aix; unbekannter Venetianer in der Akademie zu Venedig Nr. 13. 
um 1350; Giovanni da Bologna, ebenda, Nr. 177; dazu Ad. Venturi, „Storni dell' Arte Italiana", Milano L904, 
Bd. III, pag. 306; Bd. IV, pag. 543. G12, 655. 

3 ) So berichtet Prof. A. Martinet in einem .Schreiben an den Hofkammerrat; vgl. K. Kreisarchiv 
Bamberg Rep. 184 11, Verz. 2, Nr. 1. 

6* 



44 

über. Die Figur ist moderner als ihre Vorgänger im Dreikönigsbilde. Es steckt in ihr 
etwas von dem fränkischen Temperament des Quattrocento. Nicht mehr so archaisch sind 
die Auffassung und das Formgefühl. Hoher Schädel mit tiefliegenden Augen, kleine Nase 
mit eingezogener Wurzel, vorgewölbter Mund, rundes Kinn, reiches, die Stirne scharf 
begrenzendes Lockenhaar. Die Hände und Arme sind ähnlich denen im Anbetungsbilde 
(vgl. den linken Arm mit dem linken Arm des greisen, die deutende Hand mit der des 
zweiten Königs). Es steht nichts entgegen, zumal da die Außen- und Innenkonturen mit 
der gleichen roten Farbe wiedergegeben sind, das Fresko auch von dem Dreikönigsmeister 
ausgeführt sein zu lassen, nur muß man es dann etwa zwei Jahre später ansetzen. 

Mir ist das Motiv des aufgesetzten, drehbaren Bücherhalters vor allem in den böh- 
mischen Handschriften begegnet. 1 ) Das sind aber schließlich Nebendinge, und es soll kein 
Wert auf sie gelegt werden. Die pfeilartig herabschießende Taube ist nicht böhmischer 
Provenienz. Dazu ist ihr Leib zu fein gebildet. Böhmische Tauben haben kräftige Körper, 
breite Schwungfedern und schneidige Flügel. 



') So codex 17, A. 6, fol. 36a der Prager Universitätsbibliothek, abgebildet bei C. Zi'brt, „Dejiny 
kroje v Zemich Ceskych", Prag 1892, pag. 414; dazu das Missale des Bischofs von Olmütz, Initiale 
auf fol. 4 b. 



45 



Das jüngste Gericht. 

Den spätesten Forchheimer Stil vertritt das „Jüngste Gericht" der Schloßkapelle auf 
der Decke und den Wangen der östlichen Fensterwand (Taf. IX — XI). Eine symmetrische 
Komposition. Auf dem Scheitel des oberen Itegenbogens sitzt der Weltenrichter in reiner 
Frontalität. Die nackten, mit den Wundmalen bedeckten Füße ruhen auf dem unteren 
Bogen. Die Arme sind seitwärts gehoben, so daß man in die Innenseite der geöffneten 
Hände sehen kann. 1 ) Von dem Munde gehen die zwei Schwerter nach links und rechts aus 
(Lukas 22, 38). Eine zarte, milde Richtergestalt. Das von weichem Haupthaar umflossene 
Gesicht ist schmal, unter den flachen Brauenbogen nach verschiedenen Richtungen blickende, 
ungleiche Augen. Die feine Nase fällt etwas vorn über, und ein kurzer, geteilter Kinn- 
bart schließt das Gesicht nach unten ab. Blaugrüner Rock mit knapp anliegenden Ärmeln, 
roter Mantel. Zu Seiten des „Rex gloriae" auf Wolkenpostamenten die Kniefiguren der 
Fürbitter Maria und Johannes des Täufers, die sogenannte Deesis der byzantinischen 
Kunst. Maria in rotem Rock und grünem Mantel. Der bärtige Johannes in härenem 
gelben Rock und grünem Mantel. Zwei posaunenblasende Engel schieben sich zwischen 
die drei Figuren ein, so daß die Komposition geschlossen ist. Rundliche Köpfe auf schmalem 
Torso, der von stilisierten Wolken begrenzt ist. Es ist das Zeichen primitiver Kunst, 
daß die zarten Engelwesen zu lange Instrumente mit mächtigem Mundstück halten. In 
Wirklichkeit können die kurzen Arme sie gar nicht tragen. Vier Engel mit den Leidens- 
werkzeugen Christi füllen die Bildfläche rechts und links (mit der Geißel = flagella: 
Keule = clava; Kreuz = crux; Dornenkrone = spinea corona; drei Nägel = clavi; 
Lanze — lancea). Es ist ein stilles sanftes Bild, nichts von den Schrecken des jüngsten 
Tages, nur einmal bei dem Engel mit der Dornenkrone wird der leichte Versuch drama- 
tischer Belebung gemacht. Der Grund ist mennigrot. Zarte Rankenornamente beleben 
die Fläche; 3 ) die Instrumente sind grün, gelb, schwarz. 

Im linken und rechten Gewand erscheinen die Sitzfiguren der zwölf Apostel als Bei- 
sitzer, je sechs auf einer Seite, je drei nebeneinander zu einer Gruppe gebildet. Die innere 
Figur blickt in anderer Richtung als die beiden äußeren. Die Zeit war noch nicht für 
das Problem reif, emporsehende, übereinandersitzende Figuren, die ihre innere Teilnahme 



J ) Ich erwähne, daß die Figur Christi vor der Restaurierung a. 1831 durch eine den Bogen in 
zwei Hälften teilende Riegelwand zum Teil verdeckt war, so daß auf der rechten Seite nur die eine 
Hand sichthar war; vgl. Grüneisen, a. a. 0., pag. 225. 

a ) Ks ist schwer, aus der Form des Rankenornamentes über seine Provenienz etwas auszusagen. 
Man begegnet ihm in der Wenzelbibel auf Schritt und Tritt, während es in der „Goldenen Bulle 
allmählich verschwindet, vgl. ähnliche Muster Abb. 33 und 34 pag. 47 und 48. 



46 

an dem Vorgange bekunden sollten, zur Darstellung zu bringen. Dazu mußte man die 
Verkürzung und die Achsengegensätze meisterlich beherrschen (vgl. die Apostel auf dem 
Chorgestühl des Bamberger Westchores). Es sind der Reihe nach dargestellt: Rechts oben 
Petrus (Schlüssel); Jakobus der Altere (Muschel); Jakobus der Jüngere (Keule); darunter 
Johannes der Evangelist (Kelch); Thomas (Lanze); Matthäus (Doppelschwert). Linke Wand 
Paulus (Buch); Bartholomäus (Messer); Andreas (Kreuz); darunter Philippus; Matthias 
(Beil); Simon (Säge). Der Forchheimer Maler bringt seltsame Menschentypen, dürftige, 
schemenhafte Figuren, die nur durch ihre wuchtigen Attribute sagen, was sie sind, und 
was sie wollen. Alle sind von einem gleichmäßig stumpfen Gefühle erfüllt. Schmale, gerade 
Oberkörper mit abfallenden Schultern, die äußeren Figuren in lässigerer Haltung. Die 
Köpfe auf zylindrischem Halse, kleine, nach oben blickende Augen unter auffallend schweren 
Lidern, Nasen mit konkavem Rücken, der böhmischen nicht ganz unähnlich, kleiner, gewöhn- 
licher Mund. Die Apostel tragen blondes ungescheiteltes Haar. Besonders bei dem Apostel 
Thomas ist die Haarbehandlung noch deutlich erkennbar. An der Wurzel breit ansetzende 
Locken mit plötzlich runder Biegung. Bei Matthäus liegt wie bei einer Perücke das 
Haar in Reihen entwickelt auf. Bei diesem Kopfe ist auch auf die scharfe Abgrenzung 
der Stirnecken zu achten. Hin und wieder völlig verkümmerte, zu tief sitzende Ohren. 
Alle Rundnimben mit schwarzen Konturen. Blau, rot, grün sind die Farben der Gewänder. 
Die AVolkenstreifen blau. Das Bild ist toniger als die früheren, die Konturen sind weniger 
scharf gegeben. Die rechte Seite ist besser erhalten und verdient deshalb größere Beachtung. 

Der Stil des „Jüngsten Gerichtes' ist eine Fortbildung des mittleren Forchheimer 
Stiles. Der Engel der Verkündigung leitet über, wie oben nachgewiesen wurde. Die 
Apostel mit ihren großen Köpfen und dem vollen, üppigen Haare verraten eine weitere 
Wendung zum plastischen Geschmacke. Die Plastik wird verstärkt, wenngleich auch das 
mangelhafte Verständnis für organische Gliederung sich noch empfindlich bemerkbar macht. 
Andererseits zeigt sich ein schwächeres Verständnis für die Perspektive, die der Dreikönigs- 
meister wenige Jahre zuvor merkwürdig spontan herauszuarbeiten suchte. Die stilisierten 
gekräuselten Wolken, auf denen die Apostel des „Jüngsten Gerichtes" thronen, sind über- 
einander, statt hintereinander gemalt. 1 ) Trotz der schönen gepflegten Haupt- und Bart- 
haare sind die Menschentypen hart und derb, und bereits Thode hat sie als Prototypen 
der für die Nürnberger Kunst im Anfange des XV. Jahrhunderts charakteristischen Kopf- 
bildungen erkannt. 2 ) Aus Raumgründen sind die den Gräbern entsteigenden Menschen, 
der Schmerz der Verdammten, all die Teufel, die den Strom der verzweifelten Sünder an 
Ketten vorwärts ziehen, und die Engel, die ihresgleichen dem Orte ewiger Glückseligkeit 
zuführen, nicht dargestellt worden. Bei diesen Motiven hätte man den Meister wohl leichter 
fassen können. 

Das allgemein gültige Kompositionsschema des „Jüngsten Gerichtes" ist hier gegeben, 
doch ist eine direkte Vorlage nicht mehr nachweisbar. 3 ) 



*) Die Wolkenform ist typisch für die mitteleuropäische Kunst dieser Zeit, vgl. in der Wenzel- 
bibel Bd. I, fol. Gla, 67 b, Bd. II, fol. 7b. 

2 ) H. Thode, a. a. 0., pag. 11. 

3 ) Verwandte Darstellungen in dem etwa gleichzeitigen Relief des Rathauses zu Rothenburg (Abb. 35). 
Dazu das Westportal der Würzburger Marienkapelle, um 1420; vgl. auch das Tympanon der Lorenz- 
kirche zu Nürnberg, um 1350; das Südportal der Sebalduskirche zu Nürnberg; aus Schwaben das Tyin- 



47 



Zeitlich ist das Fresko gegen Ausgang des Trecento anzusetzen. Es entstand also 
etwa in dem Jahre, als Wenzel seine deutsche Königswürde verlor. Der hochbegabte 
und feingebildete Fürstbischof Lambert von Brunn war, wie wir sahen, am Dienstag 
den 15. Juli 1399 gestorben. Sein Nachfolger wird Bischof Albrecht, Graf von Wert- 




Abb. 33. Das Weib von Thecua vor König David. Miniatur in der Wenzelbibel 

der K. K. Hofbibliothek zu Wien. 

(Nach einer Originalaufnabmo von S. Schramm in Wien.) 



panon des Westportals zu Rottweil bei P. Hartmann, „Die gotische Monumentalplastik in Schwaben", 
München 1910, Taf. III, XIII, XX; P. Clemen, .Die romanischen Wandmalereien der Rheinlande", Düssel- 
dorf 1905, pag. 35; H. Bergner, „Handbuch der kirchlichen Kunstaltertümer in Deutschland', Leipzig 
1905, pag. 523. 



48 

heim (1399 — 1421), der am 16. Februar 1400, wie es scheint zum erstenmal, in Forchheim 
sich aufhält, um das Privileg der Stadt zu erneuern, am 13. Juli desselben Jahres von 
seinem Schlosse aus die Marienkapelle zu Nürnberg bestätigt und die Einsetzung eines 
Vikars und zweier Kanoniker bestimmt, die aus Prag berufen werden sollen. 1 ) In diesem 
Jahre wird der Wunsch des „prachtliebenden und baulustigen" Grafen erwacht sein, gleich 
seinem großen Vorgänger der Kunst zu dienen. In der Hauskapelle gab es nur noch einen 
freien Platz auf der Mauer, eben da, wo man heute das „Jüngste Gericht" sieht, und wo 
unter den Augen des Weltenrichters der zelebrierende Priester mit dem Blicke nach Osten 
stand. Eigentlich hätte dieses Thema altem Brauche entsprechend an der Westwand gemalt 
werden sollen! 

Das „Jüngste Gericht" ist das Finale der Forchheimer Schloßmalereien. Es muß die 
Frage aufgeworfen werden, ob von hier aus eine Brücke hinüberführt zu den Nürnberger 
Tafelbildern des frühen XV. Jahrhunderts, die Henry Thode zum Ausgangspunkte der 
Nürnberger Malerei überhaupt gemacht hat. 2 ) In ihnen direkte böhmische Einflüsse an- 
zunehmen, scheint nicht richtig zu sein. Es sei gleich gesagt, daß die unmittelbare Fort- 
setzung fehlt. Man muß sich damit zufrieden geben, daß ein Zwischenglied wohl ein für 
allemal verloren ist. Immerhin verdient in diesem Zusammenhange die Tatsache Berück- 





Abb. 34. Geburt Esaus und Jakobs. Isaak mit seiner Familie. 
Miniaturen in der Wenzelbibel der K. K. Hofbibliothek zu Wien. 

{Nach einer Originalaufnahme von S. Schramm in Wien.) 



Abb. 35. Das Jüngste Gericht im Rathaus 
zu Rothenburg, um 1400. 



*) Jos. Looshorn, a. a. 0., pag. 517. 
2 ) H. Thode, a. a. O., pag. 43. 



49 

sichtigung, daß wenigstens in der allerfriihesten Nürnberger Probe gewisse Analogien 
nachweisbar sind, und wichtig genug ist, daß gerade das in Frage stehende Tafelbild zeitlich 
fast unmittelbar auf den jüngsten Forchheimer Stil folgt. Gemeint ist die „Bestattung 
Marias" im Germanischen Nationalmuseum (Abb. 36). Vermutlich stand das Gemälde einst 
in engerem stilistischen Zusammenhange mit Forchheim. Heute ist der Erhaltungszustand 
über alle Maßen schlecht, so daß es nicht mehr den reinen Wert einer historischen Urkunde 
besitzt. Wegen der bräunlichen Lasuren, die die grellen gotischen Farben abtönen und 
tiefer stimmen sollten, muß es im XVII. Jahrhundert einer gründlichen Restaurierung 




Abb. 36. Der Meister der liestattung Marias im Germanischen Nationalmuseum zu Nürnberg, um 1 105. 
(Nach einer Originalaufnahme von Ferd. Schmidt in Nürnberg.) 



Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI, 3. Abh. 



50 

unterzogen worden sein. Vermutlich war aber das die zweite Auffrischung; denn das 
Bild soll einer mündlichen Tradition zufolge aus der Lorenzkirche stammen, die 1568 voll- 
kommen erneuert, gesäubert und ausgebessert wurde. Das Thema der „Bestattung Marias" 
ist gerade nicht häufig, 1 ) jedenfalls gebietet in der Regel das ikonographische System, auf 
den Tod der Madonna ihre Krönung im Himmel folgen zu lassen. Der Inhalt der 
Szene sei mit Hilfe der Legenda aurea gegeben. Wie es hier heißt, trugen die zwölf 
Apostel den Sarg und schritten feierlich dahin, indem sie sangen „in exitu Israel". Aber 
die Juden, die erfahren hatten, daß man Maria bestatte, wollten den Zug aufhalten, den 
Leichnam an sich nehmen und ihn verbrennen. Der Hohepriester hatte sogar die Kühnheit, 
den Sarg zu ergreifen, aber seine Hände waren plötzlich vertrocknet. Petrus heilt ihn, 




Abb. 37. Schwäbisches Tympanon an der Nordseite der Sebalduskirche zu Nürnberg, um 1375. 

(Nach einer Ol iginataufnahmo von Ferd. Schmidt in Nürnberg.) 



') Vgl. E. Male- L. Zuckermann, „Die kirchliehe Kunst des XIII. Jahrhunderts in Frankreich*. 
Straßburg i. E. 11)07, pag. 291; Müller-Mothes, a. a. 0., pag. 054. Beispiele aus Frankreich: Glasfenster 
in Angers; Notre-Dame Paris. Deutschland: Sebalduskirche zu Nürnberg um 1375 (Abb. 37), goldene 
Pforte des nördlichen Querschiffs des Magdeburger Doms; vgl. M. Hasak, „Geschichte der deutschen 
Bildhauerkunst im XIII. Jahrhundert", Berlin 1899, Abb. 17; Portal des südlichen Quersehiffs des StraG- 
burger Münsters; Nordportal von St. Moritz in Halle; Südwestportal des Ulmer Münsters. 



51 




Alib. 38. Das Schlüsselwunder des Apostels Petrus. 



52 

nachdem der Jude sich zum Glauben an den wahrhaftigen Sohn Gottes und an Maria, 
die ihn im Schoß getragen, bekannt hatte. All diese legendären Züge hat auch unser 
fränkisches Tafelbild aufgenommen. Mit Forchheim verwandt ist entschieden die Haar- 
behandlung. Der kleinäugige Kopf des Forchheimer Apostels Thomas ist mit dem Nürn- 
berger Apostel, bei dem die vordere Tragstange auf der rechten Schulter ruht, zu ver- 
gleichen. Auch möchte man den Evangelisten Johannes mit der Palme in der Linken 
neben dem Wunder wirkenden Schlüssel des Petrus zu dem Forchheimer Johannes in 
Beziehung bringen. Beide sind in der Auffassung verwandt, die Silhouette der rechten 
Wange ist ähnlich. Das ist eine so ganz andere Johannesfigur, als wir sie auf der Rück- 
seite des Imhofschen Altars im Germanischen Museum sehen, die die jüngere Parallele 
bietet. Auf weitere übereinstimmende Motive sei nicht eingegangen, da sie fast gleich- 
zeitig an mehreren Kunstzentren vorkommen. Sie müssen erst einmal systematisch zu- 
sammengestellt werden. Das energisch entfaltete Spiel der sechs Hände um die Vertikale 
des Schlüssels, die als Hauptstimme aus dem Bilde heraustönt, ist ein typisch fränkisches 
Motiv (Abb. 38), ist Beweis für das Vorhandensein der fränkischen aufgespeicherten Energie- 
menge, die nur eines leisen Auslösungsmomentes bedarf, um ihre volle Wirkung zu äußern. 
Dürer hat 100 Jahre später in seinem Christus unter den Schriftgelehrten (Rom, Galerie 
Barberini) einen ähnlichen Komplex von temperamentvollen Fingern gemalt. Jetzt wird 
auch die Bahn frei für die dramatische Erzählung, die der Franke von jedem guten 
Historienbild verlangt, während die Schwaben und Kölner sie kaum kennen. 

Man wird sagen müssen, daß aus dem jüngsten Forchheimer Stil der Nürnberger 
werden mußte. Das Tafelbild ist eine etwas spätere Form, ein reiferes Entwicklungs- 
stadium. Deshalb muß es auch einige Jahre nachher angesetzt werden. Jedenfalls folgt 
es in geringem Zeitintervall auf das Forchheimer Jüngste Gericht, das vom heutigen 
historischen Standpunkte aus den eigentlichen Nürnberger Stil des frühen XV. Jahr- 
hunderts vorbereiten hilft. Mehr läßt sich bei dem schlechten Zustande der Kompositioa 
nicht sagen. 



53 



Die Technik. 

Grüneisen hat die Wandbilder noch vor der Fernbachschen Restaurierung im Jahre 1831 
einer genauen Prüfung unterzogen 1 ) und die Vermutung ausgesprochen, es sei keine Fresko-, 
sondern Temperamalerei al secco, auf trockenem Gipsgrund, und die Tempera sei mit einer 
Art Enkaustik überdeckt worden. Die Konturen seien nur durch dunkle Farbstriche wieder- 
gegeben, und der Mauerverputz habe sich nirgends mit der bemalten Oberfläche chemisch 
verbunden. Er bestätigt auch, daß die Bilder in früherer Zeit durch Einschlagen mit 
dem Hammer, um einen glatten Grund zu erhalten, beschädigt wurden. Auch Fernbach 
entscheidet sich für die Enkaustik. Er stellte vor der Restaurierung, die ihm im Sep- 
tember 1831 durch königliches Dekret übertragen wurde, einfache chemische Untersuchungen 
an, deren Ergebnisse ich mit seinen Worten hier mitteilen möchte: 3 ) 

1. „Durch das Abwaschen mit warmem Wasser wurden die ursprünglichen Farben 
nicht angegriffen. 

2. Bei der leichten Bestreichung eines kleinen Lötrohrstahles wurden dieselben, auf 
einem Stückchen Mauer haftend, in kleinen Bläschen aufgetrieben und schwärzlich. 

3. Durch die Einwirkungen der Naphtha und des Alkohols wurden die oder das 
Farbenbindemittel aufgelöst, sowie die Anwendung des erwärmten Terpentinöls in gleicher 
Art darauf eingewirkt hat. 

4. Die verschiedenen kleinen blanken Stellen der Mauer, auf welchen die zerstörende 
Gewalt nicht tiefer eingedrungen, waren fett, und das Wasser ist an denselben, wie an 
den ursprünglichen Farben beim Abwaschen derselben zusammengelaufen, welche Stellen 
durch das Aufstreichen des Alkohols klebrig wurden. 

5. Beim längeren Frottieren derselben erhielten sowohl die Farben als die eben 
bezeichneten Stellen einen matten Schimmer, eine Erscheinung, welche mit allem Hecht 
auf eine an diesen Gemälden angebrachte Wachs- und Harzverbindung schließen läßt." 

Die Fernbachsche Restaurierung bestand darin, daß die eingehauenen Vertiefungen 
mit Gips ausgefüllt, die Farben mit Wachs eingebrannt, 3 ) die Heiligenscheine und Kronen 
neu vergoldet wurden. Es ist bekannt, daß Fernbach Begründer einer neuen enkaustischen 
Technik gewesen ist. Bei den Wandgemälden im Xibelungeusaal der Münehener Residenz 
benutzte er statt des Firnisses ein aus Damarharz. Terpentinöl und Wachs zusammen- 
gesetztes Bindemittel. Der Maler Friedrich Pfleiderer in München ist dagegen der festen 

') Grüneisen, a. a. 0., pag. 226; dazu Fr. Waagen, a. a. 0., pag. 148. 

*) Fr. X. Fernbach, „Die enkaustische Mulerei, erfunden und herausgegeben", München 1645, pag. 81. 
85, 281 und „Die Ölmalerei. Lehr- und Handbuch für Künstler und Kunstfreunde*. München 1843, pag. 287. 
3 ) Fr. Waagen, a. a. 0., pag. 148. 



54 

Überzeugung, daß es sich um al secco- Malerei mit Ol als Bindemittel handle. Diese 
Annahme zur Tatsache geworden, wäre allerdings mehr als überraschend; denn in dem 
Schlosse zu Forchheim hätten somit unbekannte Franken fast vierzig Jahre vor den Brüdern 
van Eyck sich in der modernen Technik geübt. Pfleiderer begründet seine Annahme 
dadurch, daß bei der Verkündigungsszene die auf die grünen Krabben mit bleiweißer 
Farbe aufgesetzten Lichter stückweise oxydiert, d. h. schwarz geworden seien; diese 
Erscheinung sei aber beim Fresko unmöglich, da zum Weiß stets Kalk verwendet werde. 
Auch sei der Farbkörper nicht in den Grund eingedrungen, sondern sitze auf der Fläche 
auf. Endlich sei die Oberfläche des neu entdeckten, also 1831 nicht aufgefundenen böh- 
mischen Wappens im König Wenzelsaal so fett gewesen, daß der mit Wasser getränkte 
Pinsel „nichts schluckte". 1 ) 

Im Interesse des Gegenstandes gab ich Farbreste, vor allem vom böhmischen Wappen 
zur Untersuchung an Prof. Dr. A. Eibner, Vorstand der Versuchsanstalt und Auskunfts- 
stelle für Maltechnik an der Technischen Hochschule in München. Er hat sich in liebens- 
würdigster Weise bereit erklärt, seine Ergebnisse hier zu veröffentlichen: 

„Für die mir von Herrn Privatdozenten Dr. H. Kehrer zur Untersuchung übergebenen 
Proben der Malschichte von den Wandgemälden im Schlosse zu Forchheim war zunächst 
die Originalität, d. h. Unberührtheit, soweit als möglich nachzuweisen, da diese Gemälde 
bekanntlich Restaurierungen erfahren haben. Nach Mitteilungen des Herrn Dr. Kehrer 
sind diese Proben einer Stelle entnommen, die zur Zeit der enkaustischen Restaurierung 
dieser Gemälde durch Frz. X. Fernbach im Jahre 1831 übertüncht war und erst bei den 
vor wenigen Jahren vorgenommenen Restaurierungsarbeiten aufgedeckt wurde. Obwohl 
die Zeit der Übertünchung dieser Bildstellen nicht bekannt und über die vor der erst- 
maligen Vollendung der Gemälde bis zur Übertünchung etwa vorgenommenen Verände- 
rungen der Bildoberfläche keine Nachrichten vorhanden sind, so ist sicher, daß die Stellen, 
von welchen die mir übergebenen Proben stammen, keine Wachs- und Harzbestandteile. 
wie sie Fernbach verwendete, aufgenommen haben konnten. Wenn also solche in den 
Proben nicht aufgefunden wurden, so war damit bewiesen, daß die Annahme Fernbachs, 
die Forchheimer Gemälde seien in enkaustischer Manier hergestellt, unzutreffend ist. 
Andererseits war auf die Annahme des Kunstmalers Pfleiderer Rücksicht zu nehmen, 
wonach diese Malereien in Ol ausgeführt sein sollen. 

Die mir übergebenen Proben sind Teile des böhmischen Wappens. Sie wurden mir 
in einer Schachtel, bzw. in einem Gläschen, zugestellt. Da beide Materialien gleiche 
qualitative Reaktionen zeigten, so unterscheide ich bei der folgenden Beschreibung des 
Untersuchungsganges nicht zwischen beiden. Die makroskopische und mikroskopische 
Untersuchung ergab das Vorhandensein einer relativ dünnen Farbschichte auf Kalkunterlage. 
Die erstere machte nicht den Eindruck einer Ölfarbenschichte. Die für letztere charak- 
teristische Spahnbildung abgeschabter Teile fehlt. Auch ist der optische Eindruck- nicht 
der von Ölfarbe. Daß die Oberfläche einiger Stücke relativ glatt ist und Wasser nicht 
begierig einsaugt, ist kein Beweis für das Vorhandensein von Ölfarbe. Bekanntlich wurden 
Fresken noch im ausgehenden Mittelalter durch Walzen geglättet. 



J ) Pfleiderer hat die Wandmalereien mit Terpentinöl abgewaschen, um die entstellenden Fern- 
bachschen Übermalungen endgültig zu beseitigen. 



55 




Abb. 39. Die Anbetung der Heil. Drei Könige in der Schloßkapelle zu Forchheim, nach der Restaurierung 

durch Fernbach im Jahre 1831. 
iN'aoh einer Originalaufnalime von Ferd. Schmidt in Nürnberg.) 




Abb. 40. Die Anbetung der Heil. Drei Könige in der Suhlofikapelle zu Forehheim, nach Beseitigung 

der Fernbachschen Restaurierung. 
iSach einer Originahturnabme von G. Luthardt in Cnn-lilicim.) 



56 

Chemische Untersuchung. Beide Materialien entwickelten beim Erhitzen im Rohr 
deutlichen Geruch nach stickstoffhaltiger Substanz; später trat Ammoniak auf. Fette. 
Wachs oder Harzgeruch wurden nicht wahrgenommen. Der Auszug mit Ammonkarbonat 
ergab auf Zusatz von Salzsäure schwache weiße Fällung, die sich im Überschuß der Säure 
teilweise löste. Nach diesen Reaktionen war auf die Anwesenheit von Case'in zu schließen. 
Beim Ansäuern trat außerdem ein milchartiger Geruch auf. 

Kochen der Proben mit alkoholischem Kali lieferte einen kaum gefärbten Extrakt, 
der nach Entfernung des Alkohols auf Zusatz von Salzsäure nur einen schwachen flockigen 
und weißen Niederschlag ergab; dieser war in überschüssiger Säure größtenteils löslich. 
Es waren also keine Fettsäuren ausgezogen worden, d. h. die Proben enthalten kein fettes Ol. 
Der wässerige Auszug der Proben lieferte nach dem Verdunsten einen minimalen Rück- 
stand, der keine Klebewirkung besaß. Die Proben auf Leim mit Gerbsäure nach Kiliani 
und Millon versagten. Es ist also auch kein Leim vorhanden. Mit Alkohol ergaben die 
Proben u. d. V. schwache Efflorescenz. Der alkoholische Auszug hinterließ einen mini- 
malen Rückstand, der nicht hart wurde, sondern verwischbar blieb. Es ist also auch kein 
.spritlösliches Harz vorhanden. Außerdem ergab auch die Geruchsprobe dessen Abwesenheit. 
Der rote Farbstoff auf den Proben ist Mennige. 

Die Untersuchung ergab demnach folgendes Resultat: Abwesenheit von Leim-, Harz-, 
Wachs- und Ölfarbe; Anwesenheit von Case'in. 

Da auch das Case'in nur in sehr geringer Menge gefunden wurde, und außerdem die 
Malereien nicht an Ort und Stelle besichtigt werden konnten, kann nicht behauptet 
werden, daß die betreffenden Bildstellen in Case'intechnik ausgeführt wurden. Es konnte, 
wie dies frühzeitig vorkommt, dem -Kalke Milch zugesetzt worden und die Malerei dem- 
nach im wesentlichen in Kalkfarbenmanier ausgeführt sein, was die wahrscheinlichste 
Annahme ist. 

Die Beobachtung Pfleiderers, daß mit Weiß aufgesetzte Lichter schwarz geworden 
sind, ist kein Beweis für die Annahme von Ölmalerei, da bekanntlich fleckenweises Schwarz- 
werden von weißen Stellen auf Freskogemälden eine der typischen Alterserscheinungen bei 
in dieser Technik ausgeführten Bildern ist. Das von Pfleiderer beobachtete Nichtannehmen 
des Wassers an dem böhmischen Wappen wurde schon erklärt. Auf die Beweise Fern- 
bachs zur Erhärtung der Annahme der ursprünglichen Ausführung der Forchheimer Gemälde 
in Enkaustik einzugehen, erübrigt sich nach den Resultaten dieser Untersuchung." 



57 



Die Wandmalereien in Nürnberg. 

Mehrere Jahre, bevor der König Wenzel-Meister des Forchheimer Schlosses sein 
politisches Glaubensbekenntnis ablegte, war in der einschiffigen Moritzkapelle zu Nürnberg 
ein Wandgemälde entstanden, das 1902 von Prof. J. Schmitz freigelegt wurde und jetzt 
ein unentbehrlicher Zeuge dafür ist, wie sich östliche und südländische Einflüsse in der 
Spätzeit des XIV. Jahrhunderts in Nürnberg gekreuzt haben. Der Stoff ist seltsam und 
war bis vor kurzem unerklärt, 1 ) sicher verstand ihn aber damals jedes Nürnberger Kind. 2 ) 
Im oberen Bilde erscheint nach links gewandt in einer parkartigen Anlage eine weibliche 
stehende Gestalt. In der Linken hält sie ein geflochtenes Körbchen, während die Rechte 
ein versiegeltes Pergament von einem knieenden Boten in Empfang nimmt. Dieser trägt 
einen kurzen, eng anliegenden roten Rock mit Dupsing und Schnabelschuhe. Das Weib 
hat einen pelzverbrämten blauen Rock mit knapp anliegenden Armein und goldenem ver- 
schlungenem Gürtel. Über ihr schwebt ein Adler mit mächtig ausgebreiteten Schwingen. 
Links neben der geöffneten Gartentüre erscheint das Fragment eines Pferdes in reiner 
Breitansicht, Kopf und Hals sind noch sichtbar. Dahinter zwei Köpfe, einer in Profil und 
einer en face mit Krone auf dem Haupte und Vollbart. Der König steigt eben vom Pferd. 
Südländische Flora, wahrscheinlich Orangenbäume; windschiefe Torarchitektur. Den König 
sehen wir noch dreimal, den Pagen noch zweimal im Zyklus, und auch die weibliche 
Gestalt kehrt in der dritten Szene wieder. Zunächst eine Innenarchitektur mit flacher 
kassettierter Holzdecke. Es handelt sich um eine Geburtsszene. Von der Lagerstätte der 
Kindbetterin ist noch das Fuliende mit grüner- Decke sichtbar, und unter dem Bogen der 
Wochenstube steht der Vater, der den neugeborenen Knaben zum Zeichen seiner Aner- 
kennung mit beiden Armen hochhält. Der König ist von mittlerer Statur, etwas ver- 
wachsen, hält den Kopf und Hals nach vorn, trägt langes, bis auf die Schultern herab- 
fallendes Haar, kräftigen Schnurrbart und Vollbart. Betonte Backenknochen, kurze kräftige 
Nase, große Augen (Abb. 11). 

In dem dritten Bilde eine Taufkapelle; das Gewölbe tragen gewundene Säulen, auf 
den Konsolen in Freiplastik die Verkündigung Marias. Es ist die Taufe des Knaben dar- 
gestellt 3 ) (Abb. 42). Links vom Taufbecken der König, auf dessen linkem Unterarme der 



') Vgl. H. Kehrer, „Daa König Wenzel-Fresko in der Moritzkapelle zu Nürnberg", in: .Monats- 
hefte für Kunstwissenschaft", a. a. 0., Februar 1912, pag. 05. 

2 ) P. Gebhardt, a. a. O., pag. 15 weiß den Inhalt .nicht mit Bestimmtheit" zu deuten; er datiert 
in das letzte Viertel des XIV. Jahrhunderts. 

3 ) Ikonographiseh kommen für die Taufszene in Betracht cod. 207o der Wiener Hofbibliothek 
f'ol. 53b, 102b, 311b; Wilh. v. Oranse fol. 220a; Pontilicale des Albert v. Sternberg a. 1370 in der 
Klosterbibliothek zu Strahow I). G. I. 19, fol. 50a. 

Abh. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl. XXVI, 3. Abh. S 



58 




Abb. 41. Szenen aus dem Leben Kaiser Karls IV. und Wenzels IV. Fresko in der Moritzkapelle 

zu Nürnberg, um 1378. 



(Nach einer Originalaufnabiue von Chr. Müller in Nürnberg.) 



59 

kräftige Täufling sitzt, während ihm gegenüber der Erzbischof das Kind mit beiden 
Händen hoch' hält. Im ganzen zehn Personen. 1 ) 

In der Szene nebenan ist der Knabe herangewachsen. Er geht zur Schule, in der 
ihn der König besucht. Ein Schulzimmer, in das der Vater eben eingetreten ist. 2 ) Seine 
linke Hand ist im Gestus der Be- 
grüßung erhoben. Vor dem sitzen- 
den Schullehrer mit einem Barett 
auf dem Kopfe sitzt der Prinz mit 
vier Kameraden und nimmt die 
ersten Leseübungen vor. 

Drei Motive ermöglichen die 
Deutung: König, Adler und Pal- 
lium. Daß der König mit Karl IV. 
identifiziert werden muß, habe ich 
an anderer Stelle ausführlich be- 
wiesen. Was bedeutet aber das 
Motiv des Adlers ? Schon bei den 
Griechen galt er als König der 
Vögel, und gleich Zeus war er ein 
Spender von Licht, Fruchtbarkeit 
und Glück. 3 ) Er war vor allem 
das Sinnbild der irdischen Macht. 
Der Adler erscheint auf Münzen 
und Gemmen der römischen Kaiser 
als Bekrönung des Szepters, zum 
Zeichen der von Zeus empfangenen 
Weltherrschaft. 4 ) AlsSinnbild irdi- 
scher Macht und weltlicher Herr- 
schaft nimmt er seinen Einzug in 
die christliche Symbolik. Schon 
Karl der Große soll nach seiner 
Krönung in Rom den Adler zum 

Symbol seines Reiches erhoben haben. Der fliegende Adler mit ausgebreiteten Schwingen 
zeigt sich auf einer Münze, die Konrad III. der Stadt Genua im Jahre 1138 verliehen hat. 
Interessant ist auch die Initiale „A* mit einer Gerichtsszene in dem Hildesheimer Albani- 




Abb. 42. Die Taufe Wenzels in der Sebalduskirche zu Nürnberg. 
Fresko in der Moritzkapelle zu Nürnberg. (Ausschnitt.) 



l ) Der Restaurator identifizierte die Szene mit der .Darstellung Christi* und malte deshalb den 
Heiligenschein. Wann? weiü ich nicht. Für die etwaige Annahme, der Nimbus solle nur eine Art Ver- 
herrlichung des jungen Wenzel sein, ist keine einzige Analogie vorhanden. 

*) Solehe Schulszenen sind selten; vgl. fol. 46a der .Goldenen Bulle": ,Hic doeentur filii electorum 
diversa ydyomata". 

*) K. Sittel, .Der Adler und die Weltkugel als Attribute des Zeus in der griechischen und römischen 
Kunst*, in: .Jahrbücher für Klassische Philologie", Leipzig 1884, Bd. XIV, pag. 1. 

*) E. Michael, .Kulturzustände des deutschen Volkes während des XIII. Jahrhunderts", Freiburg i. Br. 
1897, Bd. I, pag. 279; E. Gritzner, .Symbole und Wappen*, Leipzig 1902, pag. 13, 22. 

8* 



60 

psalter (1119 — 1146). *) Es ist eine Gerichtsverhandlung dargestellt, in der der Adler 
als Symbol der Reichsgewalt und des Gesetzes erscheint. Als Zeichen der Herrschaft 
erscheint er auf Siegel und Münzen der deutschen Könige, Fürsten und Länder, 2 ) und 
mit sichtlichem Behagen rühmt man ihm treffliche Eigenschaften, Verjüngungskraft, Frei- 
gebigkeit und Mut nach. 3 ) Der alte Kaiseraar breitet im Bilde der Moritzkapelle seine 
schirmenden Fittiche über die weibliche Gestalt aus, die damit als Königin charakterisiert 
werden soll. 

Das dritte Motiv ist das Pallium, der etwa zwei Finger breite, mit Kreuzchen ver- 
zierte Schulterstreifen, das Abzeichen der erzbischöflichen Würde. 

So hat man alle Elemente gefunden, um nunmehr die endgültige Deutung auszu- 
sprechen. Der Gedanke liegt nahe, daß durch den Pinsel Ereignisse festgehalten sind, 
denen lokale Bedeutung zukommt, die sich in Nürnberg abgespielt haben. Erinnern wir 
uns noch an die Tatsache, daß Wenzel IV. in Nürnberg geboren wurde. Ich sage also, 
die obere Szene bringt die Werbung Karls IV. um die Hand Annas, Tochter Herzog 
Heinrichs II. von Schweidnitz- Jauer, mit der er sich am 27. Mai 1353 vermählte. Sie 
war seine dritte Gemahlin und starb am 11. Juli 1362. Der Neu- und Erstgeborene des 
zweiten Bildes ist Wenzel, der am 26. Februar 1361, am St. Gertrudentag in Nürnberg 
auf der Burg geboren wurde. 4 ) Die Taufe im dritten Bilde fand am 11. April, dem 
zweiten Sonntag nach Ostern, in Gegenwart des Mainzer Erzbischofs Gerlach von Nassau 
und des Erzbischofs von Köln, von sechs Bischöfen und fünf Abten statt. Der Prager 
Erzbischof Ernst von Pardubitz 5 ) spendete die Taufe. Karl IV. sah sich frühzeitig nach 
einem Erzieher um und hatte Petrarca berufen wollen, der aber ablehnte. Der Kanzler 
Böhmens, Burghard, Probst zum W.ischehrad wurde gewählt. Er erscheint im vierten Bilde. 

Wer die zeitgenössische Geschichte und Literatur kennt, weiß, welch ein Jubel bei 
der Geburt des Kaisersohnes in Nürnberg herrschte. 6 ) Wird doch überliefert, daß die 
Gefangenen freigelassen wurden, der Kaiser Steuernachlaß bewilligte, Klerus und Volk 
veranstalteten feierliche Prozessionen, Wallfahrten wurden gelobt. Zum Tauftage hatte 
Karl IV. einen Reichstag nach Nürnberg berufen, wohin er auch die Reichskleinodien aus 
Prag kommen ließ, um sie dem Volke zu zeigen. Dij Kurfürsten und mehr als fünfzig 
geborene Fürsten waren zugegen. Endlich hatte der Papst einen Ablaß erteilt. 

Die Frage nach dem Alter und der Provenienz des Stiles soll zurückgestellt werden, 
bis das zweite tonangebende Nürnberger Fresko analysiert ist, das einzige, das aus dem 
Jahrhundert noch ernstlich in Betracht kommt, und bei dem weit mehr der Versuch 
gemacht wurde, auf Monumentalität, auf größere Flächen und weniger Fülle im einzelnen 



') Ad. Goldschmidt, „Der Albanipsalter in Hildesheim*, Berlin 1895, pag. 109, Nr. 82, Fig. 30. 

2 ) B. J. Römer -Büchner, „Der deutsche Adler nach Siegeln geschichtlich erläutert", Frankfurt a. M. 
1858, pag. 21. 

3 ) Vgl. die Adlergeschichte im cod. lat. 2352 der Wiener Hofbibliothek, fol. 18 a. 

4 ) Joh. Looshorn, a. a. 0., Bd. III, pag. 288: Karl IV. meldete dem Papste das Erscheinen eines 
„kräftigen und wohlgestalteten Jünglings;" vgl. Th. Lindner, a. a. 0., Bd. I, pag. 17; dazu Fr. Palacky, 
a. a. 0., Bd. II, pag. 3G1. 

5 ) Dieser Krxbischof kniet mit Karl IV. vor dem Auferstandenen im Pontifieale des Albert v. Stern- 
berg, Bischofs von Leitomichl, a. 1376 in der Klosterbibliothek zu Strahow, fol. 430 b. 

6) Th. Lindner, "a. a. 0.. pag. 18; Fr. M. Pelzel, a. a. 0., Bd. I, pag. 2. 



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auszugehen. Es handelt sich um das 1905 aufgefundene Wandbild der Sebalduskirche zu 
Nürnberg, das jetzt im Chorumgang mit Nr. 24 vor die Wand gestellt ist (VI. Feld des 
Chorschlusses). Das Fresko war, wie das lichte Rechteck der Abbildung noch aussagt, 
ursprünglich um einen an der Wand anstoßenden Altar herum gemalt. Als dann das 
spätgotische, jetzt noch an Ort und Stelle stehende Retabel aufgestellt wurde, vernichtete 
man die vorstehenden und seitlichen Figuren 1 ) (Abb. 43). 

Es sind ungewöhnliche Vorgänge, die hier wiedergegeben werden, und denen man 
in einer Sammlung zeitgenössischer Bilder nur selten begegnen dürfte. Doch ist der Sach- 
inhalt klar. Es muß sich um Szenen aus dem Leben des Apostels Paulus handeln. Bei 
unbekannten Motiven lohnt es sich, auf die Legenda aurea als Hauptquelle aller mittel- 
alterlichen Heiligenlegenden zurückzugreifen. Jacob us a Voragine führt den Leser nach 
Rom, wo der von Zauberern beherrschte Nero regiert. Vor ihn muß der Apostelfürst 
hintreten. Der Kaiser befiehlt ihm, sich mit Simon Magus zu messen, der sich rühmte, 
eherne Schlangen beleben zu können und Bronzestatuen lachen zu machen. Wie Paulus 
vor den Kaiser zitiert und nach kurzen Worten gefangen genommen wird, zeigt die linke 
Bildhälfte (Abb. 44), wo alles dramatisch belebt ist und sich die größte Tiefe im Hilde 
findet, während auf der Gegenseite die Entwicklung in die Breite geht und mehr Ruhe 
herrscht. Der Kaiser sitzt auf hohem Throne mit Baldachin, auf der nischenartigen Rück- 
wand ein faltenreicher Gobelin. Er hat langen, roten Mantel über blauem Rock und 
blaue Hosen, an den Füßen Schnabelschuhe. Als ob er zum Schlage gegen den vor ihm 
stehenden, stark erregten Apostel aushole, der eben auf kaiserlichen Befehl hin von der 
Umgebung ergriffen wird! Wie unter der reinen Horizontale des linken Armes die deu- 
tenden und hinweisenden, abwehrenden und festnehmenden Hände, spätgotischen Ranken- 
verschlingungen vergleichbar, verworren zusammenstehen, ist ein Sympton rein fränkischer, 
energievoller Auffassung, die die Spannung liebt. Eine Unmöglichkeit für die schwäbische 
oder kölnische Optik. Was Florenz für Italien, bedeutet Nürnberg für Deutschland. Die 
Franken sind die dramatischsten Künstler Deutschlands. Der Apostel im Profil, mit zurück- 
genommenem Kopfe, auf linkem Stariclbeine; das rechte Beugeknie ist deutlich gegeben. 
Es ist augenfällig, wie die ihn umgebende Judengruppe mit ihrer Lebendigkeit innerer 
Erregung über alles Südländische hinausgeht. Eine seltsam zusammengewürfelte Menschen- 
gruppe, phantastische Mützen, flatternde Streifen, Kronen mit Zacken wie Hörner, glocken- 
förmige, ausgezackte Gewänder. Vermutlich war nebenan dargestellt, — es haben sich 
nur noch die rechten Figuren erhalten, — wie Paulus den Mundschenk Neros vom Tode 
erweckt; 2 ) die sich bückende fragmentarische Gestalt wäre dann der Apostel selbst. Die 
rechte Szene bringt Paulus' Disputation mit den Juden vor Agrippa. Eine vielfigürige 
Komposition. Ganz vorne sitzt Agrippa mit dem aufgestemmten Schwerte in der Linken. 
Vor ihm auf dem Podium haben wir uns Paulus zu denken. Rassige Judentypen, wie 
in der Synagoge zusammensitzend. Kurze, an der Spitze stark einwärts gebogene Nasen, 

') Das Abnehmen des Freskos und Auftragen auf ein Rabitznetz erfolgte durch den Vergolder und 
Faßmaler J. Wiedel in Nürnberg, die Restaurierung durch Kunstmaler Pfleiderer in München. 

2 ) E. Male, a. a. , pag. 310; H. Detzel, .Christliche Ikonographie", Freiburg i. Hr. 1896, IM. II. 
pag. 122; Joh. Stadler, .Vollständiges Heiligenlexikon'', Augsburg 1875, Bd. IV, pag. 7:! ( J; Ed. Hennecke. 
.Handbuch zu den Neutestamentlieben Apokryphen", Tübingen 1904, pag. 358. 



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oder kräftigere mit breiter Kuppe und hochgehenden Flügeln. Leichte Differenzierungen 
in Stellung und Haltung der Figuren. Besonders charakteristisch ist die Handbehandlung. 
Einzelne, stark ausgezogene Zeigefinger, dann von kurzem Daumen, in starkem "Winkel 
abgestreckte Zeigefinger (vgl. die linke flankierende Figur). Die neben ihm macht mit 
den Fingern klar, daß der Apostel Unsinn rede; ein Dritter hat seine Hände über die 
Kniee gekreuzt, daß der Stab nicht rutsche. Auffallend lange, gewellte Schnurrbarte, von 
der Masse des Vollbartes aufgenommen. Die phantastische Architektur (ob Holz-') ist dem 
Charakter nach völlig undeutsch. Deutsche Architektur ist geschmeidiger. Pfeiler mit 
ungewöhnlichem Füllungszierrat, mit reichen Aus- und Einbiegungen tragen die rot- 
kassettierte Decke. Das Motiv des baldachinartigen Vorbaues im ersten Geschosse wieder- 
holt sich im zweiten, wo sich drei groß gedachte Fenster mit einem wie aus zarten Fäden 
gesponnenen Maßwerk zeigen. Horizontales Dach. 

Wo sind die formalen Quellen des Freskos? Für die Hauptfigur des Apostels läßt 
sich das Vorbild ermitteln. Er ist nachgebildet dem Balach der Wiener Wenzelbibel (Bd. I, 
fol. 160 a), ist ein auf der Mauer vergrößerter böhmischer Balach (Abb. 45, 46). Es ver- 
lohnt sich, das Verhältnis des Nürnberger Meisters zu der Vorlage genauer anzusehen. Fast 
identisch ist der Gewandstil. Wie der Saum des Mantels schräg nach dem Knie verläuft, 
plötzlich nicht unnatürlich umbiegt, um dann nach oben in einer Kurve weiterzugehen, 
wie die Silhouette des Mantels gleichsam stufenartig sich entwickelt, der lange auf dem 
Erdboden aufliegende Rock den Fuß mit den kurzen, fast gleichlangen Zehen zudeckt, so 
daß der Stoff an den Reihen eingeknickt aufliegt, darauf muß geachtet werden. Auch 
die Physiognomie ist böhmisch. Der dicke Schädel mit der gewölbten Stirne, die hoch- 
gezogenen Schultern, die starr blickenden Augen, die derbe Nase über dem auffallend 
lang herabreichenden Schnurrbart, der große Vollbart! Das Motiv der Glatze will nichts 
dagegen sagen; denn das ikonographische System verlangt es von Paulus. Weiterhin noch 
ein vergleichender Blick auf die gezierte Fingerhaltung bei Balaam. Auch die disputie- 
renden Juden sind böhmischen Vorbildern unverkennbar nachgebildet, die ich in einem 
Losbuch aus dem Kreise der Wiener Wenzelbibel um 1390 erblicken möchte (Abb. 47, 48, 49). 
Es ist etwa „Josabal", einer der Haupttypen mit der Frontalfigur links vom Pfeiler zu 
vergleichen (auch die Form der Judenmütze). Das ist nicht nur außerordentlich verwandte 
Typenbildung, sondern auch die gleiche Empfindung liegt vor. Beide Male tritt uns der 
wie aus Flachs gedrehte Schnurrbart entgegen. *) 

Ein doppelter böhmischer Einfluß ist für das Paulusfresko der Sebalduskirche zu 
Nürnberg auf stilkritischem Wege erwiesen worden. Es sind aber noch Hinweise auf 
Italien nötig, so daß wie in einem Kaleidoskop die von Hause aus fremden Elemente zum 
Bilde zusammengemischt werden. Zwar lassen sich keine direkten stilistischen Argumente 
aus der italienischen Kunst beibringen, aber man muß doch sagen, und das gilt auch für 
die Fresken der Nürnberger Moritzkapelle, vor allem für die Taufe Wenzels, daß die 
figurenreichen und verhältnismäßig klar in der Bildarchitektur geordneten Gruppen, die 
architektonische Perspektive von der oberitalienischen Optik im ganzen und großen abhängig 



') Der Codex ist im Saal XXIII, Vitrine I, Nr. 6 des Kunsthistorischen Hofrauseums zu Wien; 
vgl. H. Modern, „Die Zimrnernschen Handschriften der K. K. Hofbibliothek", in: „Jahrbuch der kunst- 
historischen Sammlungen", a. a. 0., 1899, Bd. XX, pag. 153. 



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Abb. 45. Balach und Balaam in der Wenzelbibel der K. K. Hofbibliothek zu Wien. 

(Nach einer Originalanfnahme von 8. Schramm in Wien.) 




Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI, 3. Abb. 



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Abb. 46. Paulus vor Kaiser Nero. 
(Ausschnitt.) 





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Abb. 47. Böhmisches Losbuch im Kunsthistorischen Abb. 48. Böhmisches Losbuch im Kunsthistorischen 

Hofmuseum zu Wien cod. lat. 4985, um 1380. Hofmuseum zu Wien cod. lat. 4985, um 1380. 

(Nach einer (IriginaUufnahme des Museums.|']iotoi;n»|>uen.) 




Abi). 49. Ausschnitt aus dem Böhmischen Losbuch. 



68 

sind. Für das Motiv der von unten gesehenen, stark abfallenden, kurzen, kassettierten 
Decke gibt es vor allem in Verona und Padua zahlreiche Berührungspunkte, und es genügt, 
auf die Fresken der Cappella S. Feiice in S. Antonio zu Padua (1376 — 77) und in S. Giorgio 
(1377 — 79) hinzuweisen, die von der Hand Altichieros und seines Mitarbeiters Avanzo 
stammen, 1 ) und ein vergleichender Blick mag noch auf die Fresken von S. Anastasia und 
S. Maria della Scala zu Verona gerichtet werden. Schon Gebhardt 2 ) hat an Altichiero 
gedacht, aber man staunt, wenn man liest, daß der „ Landpfleger auf der einen Gerichts- 
szene der Pauluslegende (gemeint ist Nero) dem zu Rate sitzenden König Ramiro an der 
Ostwand der Santo-Kapelle unmittelbar nachgebildet erscheint" (Abb. 50). Daß auch nicht, 
wie Gebhardt meint, „die Typen im Sebaldusfresko durchweg an die Altichieros und 
Avanzos erinnern", braucht kaum gesagt zu werden. Es ist für die nordisch-fränkische 
Kunst ungewöhnlich, daß über dem Nimbus des Paulus bei dem bärtigen Manne mit der 
phantastischen Krone der linke Arm in einer Horizontale, der „reinen" Linie der Italiener, 
als formal wichtiges Motiv nach dem Throne des Nero sich entwickelt. Man möchte 
meinen, daß italienische Erinnerungen hier vorliegen. Vielleicht muß Altichieros Fresko 
in S. Giorgio mit der Legende der hl. Lucia verantwortlich gemacht werden, wo die 
Horizontalen der Arme von Schergen und Treibern wie Gesimse sprechen, und auf die 
Grundprobleme des klassischen Stiles hinweisen (Abb. 51). Dem Giottokreise sehr nahe 
steht auch der über der Horizontale nach links blickende gekrönte Profilkopf, bei dem die 
gerade wie gemeißelte Nase und die breit ausgezogenen Augenlider besonders auffallen. 

Höchst wahrscheinlich ist das Paulusfresko der Sebalduskirche bei der zweiten Weihe 
des neuen Chores durch Lambert von Brunn am 20. August 1386 vollendet gewesen. Die 
erste Weihe fand am 28. August 1379 statt. Damit wird man aber auch zugestehen, daß 
die Anfänge der Wenzelbibel etwa zwei Jahre vor dem angenommenen Zeitpunkte zurück- 
liegen. Die Tatsache verdient besondere Beachtung, daß etwa für die gleiche Zeit in 
Nürnberg und in dem nahe gelegenen Forchheim direkte böhmische Einflüsse auf stil- 
kritischem Wege nachgewiesen werden können. Es ist die Epoche, da im Norden Deutsch- 
lands die bisher noch rätselhafte Erscheinung des Meisters Bertram yon sich reden machte. 
War er in der böhmischen Residenz? Die Frage ist zu bejahen. Es ist das östliche 
Deutschland, Böhmen, wo der Quell seines neuen Stiles hervorbricht. 

Eine ältere Stilstufe vertritt das König Wenzelfresko der Moritzkapelle, das man aber 
nicht ohne weiteres mit den Malereien der Burg Karlstein in Beziehung setzen darf. 3 ) 
Die Gesamtähnlichkeit ist nur eine sehr ungefähre, wenn gleich man auch zugeben wird, 
daß der Nürnberger Meister für seine Kaiserfigur irgend eine Nachzeichnung benutzt habe. 
Die Einstellung des Kopfes in das Profil nach rechts, der Ausdruck im Auge und das 
harte, derbe Nasendreieck über den bärtigen Lippen und dem Vollbart, den ein Restau- 
rator nur in der rechten Szene des Schulbesuches richtig, d. h. ungeteilt, gegeben hat, 
verdient besondere Beachtung. Die von Gebhardt behauptete Beziehung zu dem Fresko 
mit Karl IV. in der Katharinenkapelle der Burg Karlstein wird man nicht ohne weiteres 
abweisen können (Abb. 23). 



J ) P. Schubring, „Altichiero und seine Schule", Leipzig 1898, pag. 78. 
-) C. Gebhardt, a. a. 0., pag. 20. 
3 ) C. Gebhardt, a. a. 0., pag. 19. 



69 

Um 1386 ist also das Fresko der Sebalduskirche anzusetzen. Alter muß der Wenzel- 
zyklus sein. Am 29. Dezember 1378 starb in Prag der römisch-deutsche Kaiser Karl IV., 
der Stifter der ersten deutschen Universität, der Herrscher, der Nürnbergs Kunst förderte. 
Es ist mehr als wahrscheinlich, data man unmittelbar nach seinem Tode Ereignisse aus 
seinem Leben im Bilde dargestellt wissen wollte, die sich auf ihn, wie auf den nunmehr 
auf den Thron gelangten Wenzel IV. bezogen. 

Das dritte Fresko in der Moritzkapelle zu Nürnberg mit dem Ursulamartyrium 
bereitet eine Enttäuschung (Abb. 52). Wie oft mag es restauriert worden sein? Wer hat 
die sinnlose Zerstörung auf dem Gewissen? Stilkritische Bekenntnisse dürften daher zu 
gewagt erscheinen. Nur auf Grund einiger Motive kann man ungefähr die Datierung 
geben und auch sagen, was als unfränkisch angesprochen werden muß. Ich setze den 
Sachgehalt als bekannt voraus. 1 ) In der oberen Bildhälfte mutet neben der Stadtarchi- 
tektur die Landschaft mit den scharfkantigen Hügeln und den schlanken, zartbeblätterten 
Bäumen (waren es Lorbeerbäume?) italienisch an. Für die untere Hälfte, wo der schwere, 
vollbesetzte Rheinkahn mit den stehenden, Gottes Hilfe anrufenden Jungfrauen die ganze 
Breite einnimmt, gilt das, was eben erst über Gruppierung und Aufteilung gesagt wurde. 
In der eigentlichen Decapitationsszene findet sich ein merkwürdiges Gemisch von frän- 
kischer und oberitalienischer Auffassung. Die großen Köpfe mit den derben Gesichts- 
zügen und den plumpen Nasen sind in der Charakteristik so übertrieben, wie es der 
Italiener nicht kennt, und auch die Geberden sind zu drastisch, um südländische zu sein. 
Die Typen verraten bereits eine starke Fortbildung ins Deutsch-Fränkische. Diese häß- 
lichen untersetzten vier Schergen mit Schwert und Armbrust, die auf dem blumen- 
bestandenen Ufer mit einer Wucht sondergleichen auf Priester und Nonnen losfahren, 
sind vom Scheitel bis zur Zehe fränkisch, und fränkisch ist auch die Art, wie die drei 
Leichen im Rheinstrom mit gefalteten Händen dahintreiben. Die Legenda aurea erzählt : 
»Bei ihrem Anblick stürzten sich die Barbaren auf sie mit gewaltigem Geschrei und 
metzelten sie insgesamt nieder, wie Wölfe in einer Schafheerde wütend." Die Lust zur 
Roheit verschafft sich hier Luft, die dem »Meister des betlehemitischen Kindermords" 
im Germanischen Museum eigentümlich ist, und für die sich zahlreiche Parallelen im Jahr- 
hundertstile bieten. Der Franke gibt die Akzente um einige Grade stärker. Andererseits 
begegnet man zarten, blondhaarigen Frauengestalten, unter denen namentlich die ruhigen 
Figuren mit dem hochgeschobenen Kopfe und den anbetend gefalteten Händen neben der 
Siegesfahne von ungewöhnlichem Nachdrucke sind. Man muß sich bei dem jetzigen 



') Die Moritzkapelle ist einer gut beglaubigten Tradition zufolge 1313 von Eberhard Mendel, der 
auch hier begraben liegt, erbaut, d. h. von ihrem früheren Platze »in vieo Judaeorum" an ihren jetzigen 
Standort übertragen worden. 1G25 wurde sie an der Außenseite, im XIX. Jahrhundert durch Heidelott' 
restauriert. Vorübergehend diente sie als Weinlager, von 1829 ab als Gemäldegalerie. Zur Zeit von 
Christoph v. Murr waren die Malereien durch große vieltigurige Wandteppiche zugedeckt; vgl. Ch. Gott- 
lieb v. Murr: »Beschreibung der vornehmsten Merkwürdigkeiten in Nürnberg", Nürnberg 1778, pag. 50. 
Die Moritzkapelle war den 11000 Jungfrauen und 10000 Märtyrern geweiht, die eine Menge von Gläubigen 
zuführten. Urban VI. erteilte am 29. März 1380 den liesuehern der Kirche einen Ablaß von 140 Tagen, 
laut Urkunde im Reichsarchiv München: .Nürnberg Reichsstadt, Fase. 107": vgl. des Gegensatzes halber 
den gleichen Zyklus aus Sta. Margherita in Treviso bei Jul. v. Schlosser, »Toinmaso da Modena und die 
ältere Malerei in Treviso", in: .Jahrbuch', a. a. 0., IM. XIX. Taf. XXVIII. 



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Abb. 52. Martyrium der heil. Ursula. Fresko in der Moritzkapelle zu Nürnberg, um 1410. 
(Nach einer Originalaufnahme von Ferd. Schmidt in Nürnberg.) 



73 

Zustand mit diesen Feststellungen bescheiden. Greifbare Übereinstimmungen im einzelnen 
mit der Kunst des heiteren Verona, des ernsten und gelehrten Padua, oder des einfachen 
Treviso ist nicht mehr möglich. Gerade jugendliche Köpfe verlieren am leichtesten ihr 
typisches Gepräge. Es sei noch gesagt, daß in der linken unteren Ecke das Poemersche, 
in der rechten das Waldstromersche Wappen gemalt ist. Ich setze das Fresko um 1410 an. 
Es ist ein unersetzlicher Verlust, daß die fast immer schlecht beleuchteten, dazu 
noch falsch restaurierten Wandmalereien in der 1355 durch Karl IV. gestifteten, 1361 
vollendeten Frauenkirche zu Nürnberg für stilkritische Zwecke kaum noch in Betracht 
kommen. Die Kirche wurde 1590, 1835 durch Heideloff und 1879 durch Essenwein 
renoviert, die Fresken restaurierte unter Anwendung von Eitempera der jetzt in Stuttgart 
lebende Maler J. G. Loosen in den Jahren 1878 bis 1881. Andr. Würfel 1 ) konnte sie 
1761 nicht erwähnen, da sie, wie der beigegebene Stich von C. M. Roth beweist (Abb. 53), 
zugedeckt waren. Die Emporen wurden 1682 errichtet. Es läßt sich nur noch soviel 
sagen, daß die Fresken auf der Nordwand des linken Seitenschiffes, die heute teilweise durch 
das Peringsdörfersche Epitaph und einen Beichtstuhl verdeckt sind, nicht lange vor dem 
historischen Zyklus der Moritzkapelle entstanden sind. 8 ) Die Komposition sei wenigstens 
inhaltlich bestimmt (Abb. 54). Ohne Zweifel ist dargestellt, wie Apostel die zur Anbetung 
ausgestellte Blutreliquie, von der geheimnisvolle Strahlen ausgehen, verehren. Hinter den 
Fensterchen des Reliquiars hat man sich das heilige Blut unter einem Krystallglas ver- 
schlossen zu denken. Man sieht vier Figuren von links hintereinander herantreten, die 
vorderste hat die Rechte erhoben, in der Linken hält sie das geschlossene Evangelienbuch. 
Hinter dem dritten Apostel, der die Hände erregt hoch hält, zieht sich ein leeres Spruch- 
band nach der kassettierten Decke. Während die Heiligen das Blut des Verstorbenen 
grüßen, erscheint neben dem Reliquienbehälter der auferstandene Christus mit der Sieges- 
krone und flatternden Bändern, zunächst noch unerkannt von den Seinen, und wir erraten, 
daß er zu der Begleitfigur das Wort spricht: »Das ist mein Blut.* 3 ) Der Gestus der 
linken deutenden Hand sagt es. Das Stifterpaar kniet anbetend in einem kastenartigen 
Kirchenstuhl, auf dessen Gesims ein stilisierter Hirschkopf ist, das Wappen der Hirsch- 
vogel, und ein auf einem Helm sitzender Adler, das Wappen der Kastner. Zu Füßen der 
Stifter noch zwei leere Wappenschilde. Im Fresko rechts wird der Apostel Bartholomäus 
von dem König Astarges mit Ruten gestrichen, bis die Haut abgeschunden ist (Abb. 55). 
Sechs Figuren unter dem Rundbogen. Als aber die Marter erfolglos bleibt, greift der 
König zu dem sicheren Mittel der Enthauptung. 4 ) Der König steht hinter der Kniehgur 

l ) Andr. Würfel, .Diptycha Capellae B. Mariae", Nürnberg 17ül. pag. i; Ch. Gottl. v. Murr, a. a. ()., 
pag. 135; A. Essenwein, .Der Bildschmuck der Liebfrauenkirche zu Nürnberg", Nürnberg 1881, pag. 12. 

J ) Laut Regesten des erzbischöflichen Ordinariats Hainberg, die im Reichsarchiv mir zur Verfügung 
standen, bestätigte am 11. Januar 13C2 Bischof Leopold die neue, zu Ehren der Jungfrau Maria auf 
dem Markte erbaute und dotierte Kapelle als „beneticium sine cura*. Die Notiz scheint nicht bekannt 
zu sein. 

3 ) Reliquien des auf Golgatha geflossenen heiligen Blutes werden auch in Rom. Mantua, Wein- 
garten, Weissenau, auf der Reichenau, zu Stams in Tyrol, Brügge etc. verehrt. 

*) Th. Schermann, .Propheten- und Apostellegenden", in Ad. Harnacks „Texte und Untersuchungen", 
Leipzig 1907, Bd. 31, Heft 3, pag. 271: .Das lateinisch-griechische Martyrium läßt ihn auch zuerst mit 
Ruten gestrichen, so daß die Haut abgeschunden wird, und dann enthauptet werden/ 

Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI, 3. Abb. 10 



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Abb. 54. Die Apostel verehren die Blutreliquie. Fresko in der Frauenkirche zu Nürnberg, um 1379. 
(Nach einer Originalaufnahme von Feni. Schmidt in Nürnberg.) 




Abb. 55. Die Marter und Enthauptung des Apostels Bartholomäus. Fresko in der Frauenkirche zu Nürnberg, um 1H7! 

(Nach einer Originalaufnahme von Fcnl. Schmidt in Nürnberg] 



76 

und durchbohrt sie mit dem Schwert, während der Henker die Hände des Heiligen 
zusammenhält und im Begriffe ist, mit der hochgenommenen Waffe in der Rechten das 
Haupt vom Rumpfe zu trennen. Wiederum schließt ein Stifterpaar die Szene nach rechts 
hin ab. Die Helmzierate links bezeichnen Niitzel, rechts Grundherr, 1 ) und ein gleiches 
sagen die Wappenschilde rechts unten. Diese Wappen könnten sich wohl auf Berthold 
Nützel, der 1398 starb, und auf Margaretha Grundherrin, eine Tochter des 1379 ver- 
storbenen Jakob Grundherr beziehen. Der Vorgang scheint sich in einem Chorumgang 
abzuspielen. Kassettierte, stark abfallende Decken, Gewölbe, in den Zwickeln der breit- 
gespannten Rundbogen altanartige Vorbauten, zinnengekrönte Schlußmauer. Der Zyklus 
wird wenige Jahre vor dem Tode des Jakob Grundherr gemalt sein. 

Reifer ist der Stil der Ursulalegende an der Ostwand des rechten Seitenschiffes der 
Frauenkirche, um 1400 (Abb. 56 und 57). Stark übermalt, dazu in schlechtem Zustande 
ist auch dieses Fresko für eine vergleichende Analyse unbrauchbar. Es ist wie die folgenden 
Bilder in den Jahren 1897 — 1899 von dem Maler Stärk restauriert worden. Die Ursula- 
legende, offenbar ein Lieblingsmotiv der Nürnberger Meister, ist ausführlich dargestellt. 
Man erfährt die Ankunft der Königstochter in Rom, ihre freundliche Begrüßung durch 
den Papst und ihre Ausweisung aus der ewigen Stadt. Diese drei Szenen sind neben 




Abb. 56. Die Legende der hl. Ursula. Fresko in der Frauenkirche zu Nürnberg, um 1379. 



J ) Joh. Gottfr. Biedermann, „Geschlechtsregister des hochadelichen Patriciats zu Nürnberg bis zum 
Jahre 178S fortgesetzt", Nürnberg 1788, pag. 37. Einige Hinweise verdanke ich der Freundlichkeit von 
Fr. T. Schulz -Nürnberg. 



77 




Abb. 57. Die Legende der hl. Ursula. Fresko in der Frauenkirche zu Nürnberg, um 140(1. 
(Nach einer Originalaufnahme von Ferd. Schmidt in Nürnberg 1 




Abb. 68, 59. Vermählung und Martyrium der hl. Katharina. Fresko in der Frauenkirche zu Nürnber 

um 1430. 
(Nach einer Originalaufnabnie von Fercl. Schmidt in Nürnberg. i 



78 

einander entwickelt. In dem unteren Streifen sieht man die Abfahrt von Basel, den Über- 
fall der Schiffe bei Köln und das Martyrium im Zeltlager der Hunnen. Der Vollständig- 
keit halber bringe ich trotz mancher Bedenken die übrigen Fresken der Frauenkirche auf 
der Südwand, Szenen aus dem Leben der hl. Katharina und hl. Agatha, die wohl um 
1430 anzusetzen sind 1 ) (Abb. 58 — 61). 




Abb. 60, 61. Der Statthalter Quintian martert und enthauptet die hl. Agatha. Fresko in der Frauenkirche 

zu Nürnberg, um 1430. 

(Nach einer Originalaufnahme von Ferd. Schmidt in Nürnberg.) 

Die Katharinenszene ist inhaltlich bekannt. In dem Agathafresko erkennt man, wie 
der Statthalter Quintian der halbnackten Heiligen die linke Brust abschneidet. Links 
schwebt der Legende entsprechend Petrus heran, durch dessen wunderbare Erscheinung 
die Heilige geheilt wird. Der Restaurator hat aber das Kelchmotiv mißverstanden. Die 
Scheibe auf dem eucharistischen Kelche darf nicht die Hostie sein, sondern die abge- 
schnittene Brust. Aber auch hier hat wiederum die erste Marter nicht den erwünschten 
Erfolg gehabt, deshalb geht der Statthalter zur Enthauptung in der zweiten Szene über. 
Nach der Legende ist der Schauplatz die Stadt Catania auf Sizilien. 



: ) Nur A. Essenwein, a. a. 0., pag. 12 erwähnt sie ganz kurz. 



79 



Verzeichnis der Textabbildungen. 

Seite 

1. Die Forchheimer Pfalz 4 

2. Der Basilisk. Sandstein-Relief an der Fassade der Kaiser-Pfalz zu Forchheim, um 1200 . 8 

3. König Wenzel und Susanna in der Wenzelbibel der K. K. Hofbibliothek zu Wien . . .11 

4. König Wenzel in der Wenzelbibel 12 

5. Die Reichs-Insignien in der Wenzelbibel 13 

6. Der böhmische Löwe in der Wenzelbibel 14 

7. Das Symbol der Auferstehung Christi. Miniatur im normannischen Psalterium der Hof- und 

Staatsbibliothek zu München ............ 15 

8. Der böhmische Kriegselefant. Aus dem Speculum humanae salvationis im Museum zu Prag . 16 

9. Der französische Kriegselefant. Miniatur im normannischen Psalterium der Hof- und Staats- 

bibliothek zu München 16 

10. Das Symbol des Zornes im schwäbischen Speculum humanae salvationis der Hof- und Staats- 

bibliothek zu München 20 

11. Das Symbol des Zornes in dem Andechser Codex der Hof- und Staatsbibliothek zu München 20 

12. Der böhmische Löwe im König-Wenzelsaal nach seiner Auffindung ...... 24 

13. Pferde-Torso in der Königs-Pfalz zu Forchheim 25 

14. Relief an der Fassade der Königs-Pfalz zu Forchheim mit dem Wappen Lamberts von Brunn 26 

15. Siegel des Bischofs Lambert von Brunn an einer Vertragsurkunde zwischen dem Kapitel und 

den Bürgern von Bamberg 27 

16. Epitaph des Fürstbischofs Lambert von Brunn im Westchor des Domes zu Bamberg . 28 

17. Die Reichswappen in der Wenzelbibel der K. K. Hofbibliothek zu Wien 80 

18. König Wenzel und Sophie von Bayern in der Wenzelbibel . . . . .31 

19. Böhmisches Tafelbild im Rudolphinum zu Prag, um 1380 32 

20. Der Apostel Simon in der Heiliggeistkirche zu Nürnberg, um 1420 33 

21. Innenarchitektur aus der österreichischen Weltchronik in der K. K. Hofbibliothek zu Wien . 34 

22. Böhmische Madonna im Rudolphinum zu Prag, um 1380 35 

23. Karl IV. und seine dritte Gemahlin Anna von Schweidnitz. Fresko in der Katharinenkapelle 

zu Karlstein 36 

24. Büste Karls IV. im St. Veitsdom zu Prag, nach 1379 37 

25. Der Altstädter Brückenturm in Prag mit den Statuen Karls IV. und Wenzels IV'., um lb'JO . 38 

26. Karl IV. an dem Altstädter Brückenturm zu Prag 39 

27. Theoderich von Prag, Madonna mit dem Apfel. Votivbild im Rudolphinum, a. 1372 40 

28. Karl IV. im Jahre 1372 (Ausschnitt aus Abbildung Nr. 27) 40 

29. Karl IV. und Wenzel IV. in der Goldenen Bulle der K. K. Hofbibliothek zu Wien, a. 1400 . 11 

30. Büste Wenzels IV. im St. Veitsdom zu Prag, nach 1379 42 

31. Wenzel in der Bergrechtshandschrift im Stadtarchiv zu Iglau 42 

32. Wenzel an dem Altstädter Brückenturm in Prag, um 1390 42 

33. Das Weib von Thecua vor König David. Miniatur in der Wenzelbibel der K. K. Hofbibliothek 

zu Wien ................. 47 



80 

Seite 

34. Geburt Esaus und Jakobs, Isaak mit seiner Familie in der Wenzelbibel 48 

35. Das jüngste Gericht im Rathaus zu Rothenburg, um 1400 ........ 48 

3G. Der Meister der Bestattung Marias im Germanischen Nationalmuseum zu Nürnberg, um 1405 49 

37. Schwäbisches Tympanon an der Nordseite der Sebalduskirche zu Nürnberg, um 1375 . . 50 

38. Das Schlüsselwunder des Apostels Petrus. (Ausschnitt aus Abbildung Nr. 36) .... 51 

39. Die Anbetung der hl. drei Könige in der Schloßkapelle zu Forchheim, nach der Restaurierung 

durch Fernbach im Jahre 1831 55 

40. Die Anbetung der hl. drei Könige in der Schloßkapelle zu Forchheim, nach Beseitigung der 

Fernbachschen Restaurierung ............ 55 

41. Szenen aus dem Leben Kaiser Karls IV. und Wenzels IV. Fresko in der Moritzkapelle zu 

Nürnberg, um 1378 58 

42. Die Taufe Wenzels in der Sebalduskirche zu Nürnberg. Fresko in der Moritzkapelle zu Nürn- 

berg. (Ausschnitt) ............... 59 

43. Paulus vor Kaiser Nero und seine Disputation mit den Juden. Fresko in der Sebalduskirche 

zu Nürnberg, um 1366. (Zustand nach der Auffindung) ....... 62 

44. Nach Abnahme von der Wand und Übertragung auf das Rabitznetz ...... 63 

45. Balach und Balaam in der Wenzelbibel der K. K. Hofbibliothek zu Wien .... 65 

46. Paulus vor Kaiser Nero 66 

47 — 49. Böhmisches Losbuch im Kunsthistorischen Hofmuseum zu Wien ...... 67 

50. König Ramiros Traum und Rats- Sitzung. Fresko Altichieros in der Cappella S. Feiice zu 

Padua, um 1376 70 

51. Das Wunder der hl. Lucia. Fresko Altichieros in der Cappella S. Giorgio zu Padua, um 1379 71 

52. Martyrium der hl. Ursula. Fresko in der Moritzkapelle zu Nürnberg, um 1410 ... 72 

53. Das Innere der Frauenkirche zu Nürnberg, um 1682, nach einem Stiche von C. M. Roth . 74 

54. Die Apostel verehren die Blutreliquie. Fresko in der Frauenkirche zu Nürnberg, um 1379 . 75 

55. Die Marter und Enthauptung des Apostels Bartholomäus. Fresko in der Frauenkirche zu Nürn- 

berg, um 1379 ..." 75 

56 u. 57. Die Legende der hl. Ursula. Fresko in der Frauenkirche zu Nürnberg, um 1400 . 76, 77 
58 u. 59. Vermählung und Martyrium der hl. Katharina. Fresko in der Frauenkirche zu Nürn- 
berg, um 1430 77 

60 u. 61. Der Statthalter Quintian martert und enthauptet die hl. Agatha. Fresko in der Frauen- 
kirche zu Nürnberg, um 1430 78 



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81 



Abiilard 15. 

Adler, Symbol 59. 

Agatha -Martyrium 78. 

Agrippa 61. 

Altichiero 63. 

Aposteltiguren 26, 33, 45, 52, 73. 

Auferstehung Christi, Symbol der 

— 15. 

Augsburg. Henslinus v. — 27. 

Avanzo 68. 

Avignon 2; Johanneskapelle 9. 

Ilalach und Balaam 61. 

Bartholomäus, Martyrium des 
73. 

Hasel. Dreikönigsbild in der Mün- 
sterkrypta 40. 

Basilisk 8. 

Hein, Motiv des Übergeschlagenen 

- 12, 13. 

Berlin, St. Georgstatue 40. 

Bertram, Meister — 68. 

Bestattung Marias im Germani- 
schen Nationalmuseum 49. 50. 

Bianca, Gemahlin Karls IV. 37. 

Blutreliquie 73. 

Böhmen. KunsteinfluS — 8 ff., 13. 

Bobuslaus 21. 

Brunn, Lambert v. 2. 18, 23, 26. 
68; sein Wappen 26; sein 
Epitaph 27. 

Casei'n 56. 

Dornstadt 3. 

Dreikönigsbild im Forchbeimer 
Schlosse 28, 29, 34-37. 

Dröleries 17. 



Dupsing 9, 57. 

Eber, Symbol des Zornes 19. 

Egloffstein, Albert v. 23. 

Eibner, A. 54. 

Elefant, Symbol 9. 10, 16-17. 

Essen wein 73. 

Feinbach (Restaurator) 3. 53. 

Fiedel 18. 

Grüneisen .">;;. 

Grundherr, Jakob 76; Margareta 
76. 

Heideloff 73. 

Helt, Konrad 27. 

Hildesheim, Albanipsalter 60. 

Hirschvogel, Wappen der — 73. 

Hund, Symbol des Zornes 19. 

Jüngstes Gericht 45. 

Josabal 64. 

Kamel, Symbol des Zornes 18. 19. 

Kamelreiter 21. 

Karl IV.. Porträt 37 39, 59, 60. 

Konrad III. 59. 

Kästner, Wappen der - 7 .'>. 

Katbarina. hl. 78. 

Leopold III.. Bischof von Bam- 
berg 7 ff., 23. 7:;. 

Löwe. Symbol 9, 13, 14. 15. 

Löwe, böhmischer 24. 
Loosen 73. 

Losbuch, böhmisches 64, 67. 
Lucia, hl. 68, 71. 
Ludmilla, hl. 31. 
Meerrind (forta) 20. 
Mischwesen 18. 
Nero. Kaiser 61. 



Abb. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl. XXVI, 3. Ab 



Nürnberg. Frauenkirche 73; Hei- 

liggeistkirche 33; Moritz- 

kapelle69,73; Sebalduskirche 

60. 61. 
Nürnberg, Conrad v., Hermann v., 

Ludil v.. Mathias v., Otlinus 

v. 27. 
Nütze], Bertold 76. 
Optik, fränkische 61; oberitalie- 

nische 64. 
Padua, S. Feiice 68: 8. Giorgio 68. 
Pallium 59. 

Pardubitz. Ernst v. 60. 
Peringsdörfer 73. 
Petrarca 60. 

Pfleiderer, Friedr. 3. 53. 
Physiologus 16. 
I'isano. Andrea 14. 

Po er, Wappen der Familie 73. 

Pomuk. Johann von 21. 

Prag. Dom 38: Malerzeche 7: 

Rudolphinum — 31. 33, 38; 

Theoderich von ■ 38. 
Prophetenbilder 6 IV.. 23. 
Räbel, H. 3, 8. 

Haspe. Heinrich, von Thüringen 7. 
Raudnitz 38. 
Reichsadler 21. 
Reims, Geigerstatue zu 13. 
Heinbart, Bürger zu ['rag 28. 
Rotlev 10. 

Saba, Königin von - 1">. 
Salomo, König 15, 17. 
Satiren 17, 18. 
Schauspieltypus, französischer 2'.'. 

11 



82 



Schweidnitz, Anna v., Gemahlin 

Karls IV. 38. 
Seinsheim, August, Graf v. 2. 
Sigismund, hl. 31. 
Simon Magus 61. 
Speculum humanae salvationis 16. 
Stärk 76. 
Susanna 11, 22. 
Technik der Bilder 53 ff. 
Treviso 73. 
Troppau. Johannes von 14. 



Ursulalegende 69, 72, 76. 

Verkündigung Mariens 43, 57. 

Verona, Sta. Anastasia und Sta. 
Maria della Scala 68. 

Vlaschim, Erzbischof Ocko von 38. 

Waldstromer, Wappen der Fa- 
milie 73. 

Weinschröter, Sebald 7. 

Weltchronik, österreichische 34. 

Wenzel, deutscher König 10, 15, 
17, 21, 22; seine Geburt 60; 



Taufe und Erziehung 60; sein 
Porträt 40. 

Wenzelbibel zu Wien 10, 36, 64, 
65, 68; zu Antwerpen 14. 

Wertheim, Albrecht von — , Bi- 
schof von Bamberg 47. 

Wiedel 7, 61. 

Willehalm von Oranse 11. 

Wisentau, Vollant von — 7. 

Zorn, Motiv des — 19. 








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Taf. IV. 




Taf. V. 




Satire auf König Wenzels Zorn, um 1393. 



Taf. VI. 




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König Wenzel als Troubadour, um 1393. 



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Die Apostel des Jüngsten Gerichtes (linke Wand). 



Taf. XI. 




Die Apostel des Jüngsten Gerichtes (rechte Wand). 



Abhandlungen 

der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften 

Philosophisch - philologische und historische Klasse 

XXVI. Band, 4. Abhandlung 



Akten 

zur Geschichte des bairischen Bauernaufstandes 

1705/06 

herausgegeben 
von 

Sigmund Riezler und Karl v. Wallmenich 
I. Teil: 

Akten des Jahres 1705 

Vorgetragen am 3. Februar 1912 



München 1912 

Verlag der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften 

in Kommission des G. Franz'schen Verlags (.1. Roth) 



Vor w ort. 

Herr Oberst a. D. Karl v. Wallmenich, der 1906 das Buch: Der Oberländer Auf- 
stand 1705 und die Sendlinger Schlacht veröffentlichte, trug sich anfangs mit dem Ge- 
danken, auch den niederbairischen und oberpfälzischen Aufstand zu bearbeiten und dehnte 
seine umfassende Sammlung der Quellen auch auf diesen Teil der Volksbewegung aus. 
Er hat aber dann den Plan einer eigenen Darstellung des niederbairischen Aufstands auf- 
gegeben und hat mir, da ich um diese Zeit die Erzählung des Aufstands im 7. Bande 
meiner Geschichte Baierns in Angriff nahm, seine sorgsamen Abschriften in liebenswür- 
digster Weise zur Verfügung gestellt. Bald darauf hatte ich Gelegenheit, die Akten des 
Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs über die Kaiserliche Administration in Baiern 
aus den Jahren 1705 und 1706 durchzuarbeiten. Aus diesen kopirte oder regestirte ich 
alles, was sich auf den bairischen Aufstand bezog. Für den gleichen Zweck wurden von 
mir die Mandatensammlung der Münchener Hof- und Staatsbibliothek (Bavar. 960 in fol.), 
sowie die verschiedenen Generaliensammlungen des Miinchener Reichsarchivs ausgebeutet, 
wobei mir der von Herrn Dr. Böhmländer im Auftrage der historischen Klasse unserer 
Akademie gefertigte Zettelkatalog über die Mandate ersprießliche Dienste leistete. Der Ge- 
danke unsere beiden so entstandenen Sammlungen zu vereinigen lag nahe und fand . als 
ich ihn Herrn Oberst v. Wallmenich aussprach, dessen bereitwillige Zustimmung. 

Sind auch bisher schon manche archivalische Quellen zur Geschichte des Aufstands 
veröffentlicht worden,') so stand doch das Mali der Quellenpublikation bisher nicht in 
richtigem Verhältnis zu der Bedeutung und Beliebtheit des historischen Stoffes. Unsere 
Sammlung dürfte geeignet sein, der künftigen Forschung über diese Frage eine feste Basis 
zu gewähren und der hier so üppig wuchernden Legendenbildung und Schönfärberei 
wenigstens in der Literatur, die als wissenschaftlich gelten will und kann, ein Ende zu 
machen. Was im Wortlaut oder in genügendem Auszug schon veröffentlicht war, blieb 
von unserer Edition, abgesehen von wenigen Ausnahmen, ausgeschlossen, wurde jedoch in 
der chronologischen Reihe verzeichnet. Stücke von nicht amtlichem Charakter sind in so 
geringer Anzahl vertreten, daß durch sie die Berechtigung des Titels als Aktensammlung 
nicht gefährdet erscheinen kann. Wenigstens bis zu einer gewissen Zeitgränze (nicht vor 
dem Jahre 1705) schien es zweckmäßig auch die Vorgeschichte des Aufstands zu beleuchten. 
Daher wurden auch Instruktionen für die Mitglieder der Kaiserlichen Administration in Baiern 
sowie Mandate, die sich auf die Belastung des Volkes und Verwandtes beziehen, aufgenommen. 

1 ) Vgl. die im folgenden, 8. XVII flgd., zusammengestellte Literaturübersieht. 



IV 

Einer Aktenedition aus dieser Zeit werden durch die Sprache besondere Schwierig- 
keiten bereitet. Die deutsche Sprache hat in dieser Periode und gerade im Stil der Be- 
hörden, nicht nur der hier so oft zu Wort kommenden Lokalbehörden den Tiefstand ihrer 
Verwilderung erreicht. Gehäufte Verstöße gegen die Grammatik, Unbeholfenheit im Aus- 
druck, das beliebte Ineinanderschachteln von Nebensätzen, der maßlose Gebrauch von 
Fremdwörtern — alles das bewirkt, daß größere Aktenmassen aus dieser Zeit nur mit 
Unbehagen, ja Widerwillen gelesen werden können. Sowohl aus diesem Grunde als aus 
Rücksicht auf den Raum empfahl es sich die meisten Aktenstücke in etwas gekürzter und 
modernisirter Fassung zu bringen. Wo aber der Wortlaut sachlich oder sprachlich, auch 
durch mundartliche Färbung, Wichtigkeit beanspruchen darf, ist er beibehalten. Ebenso, 
wo Kürzungen das Verständnis beeinträchtigt hätten. Bei aller Verwilderung der Sprache 
fehlt doch auch diesen Akten nicht ein gewisser Duft und Reiz des Lokal- und Zeit- 
charakters, der durch unsere Auszüge nicht zerstört werden sollte. Bei manchen Stücken 
aber schien eine kurze, rein sachliche Inhaltsangabe ausreichend. Ganz Unbedeutendes 
wurde ausgeschieden, ebenso Berichte, die sich sachlich nur als Wiederholungen anderer 
erweisen. Die entsetzliche Orthographie der Zeit ist fast durchweg modernisirt. 

Die im Laufe der Zeit und sogar bei einzelnen Autoren wechselnde Auffassung des 
Aufstands bildet selbst ein lehrreiches Stück Geschichte. Daß der Stoff in hohem Maße 
volkstümlich geworden ist — man wird sagen dürfen: volkstümlicher als irgend eine Be- 
gebenheit der vaterländischen Geschichte — kann nicht überraschen, da in Tausenden 
von Familien des Landes die Erinnerung an ein Opfer des Aufstandes fortlebte, da Auf- 
lehnung gegen Mißhandlung immer der Sympathie der Massen sicher ist und da die Be- 
gebenheit durch poetische und dramatische Züge die Phantasie anregt. Von der Volks- 
tümlichkeit eines historischen Stoffes scheint aber schönfärbende Legendenbildung unzer- 
trennlich. Bei unserem Gegenstande ist merkwürdig, daß die Legende erst so spät sich 
in voller Blüte entfaltete und daß sie auch die als wissenschaftlich geltende Literatur so 
lange beherrscht hat. 

In der Literatur des 18. Jahrhunderts begegnen wir — mit einer Ausnahme — noch 
keinen anderen Urteilen über die Bewegung als nüchternen und abfälligen. 1 ) In diesem 
Sinne haben — allerdings nicht immer gleichmäßig — die zwei bedeutendsten bairischen 
Historiker des 18. Jahrhunderts, beide Geistliche, geurteilt. Der ältere von ihnen, Meichel- 
beck, beansprucht besonderes Gewicht, da er noch Zeitgenosse, ja teilweise Augenzeuge 
der Vorgänge war, denn die Grundholden seines Klosters, Benediktbeuern, gehörten zu 
den Bauernschaften, die sich an dem Zuge nach München beteiligten, 2 ) und Meichel- 
beck hat in seinen Diarien sofoi-t Aufzeichnungen über die täglichen Vorfälle gemacht. 3 ) 
Schon vor dem Aufstand gegen die österreichische Herrschaft hatte er die Unbotmäßig- 

1 ) Für die auch von Sepp gebrachte Behauptung, der Kurfürst Karl Theodor habe mit Österreich 
einen Staatsvertrag geschlossen, wonach über den Aufstand nichts veröffentlicht werden sollte, konnte 
v. Wallmenich als Beleg nur Münieh, Gesch. d. Entw. d. bayer. Armee finden. Im Geh. Staatsarchiv ist 
kein solcher Vertrag vorhanden. 

2 ) Wenn auch ein großer Teil der Leute, wie es scheint, zur Besetzung der Gränze gegen Tirol 
zurückgeblieben war. Der Verlust der Klosterleute vor München betrug nach Meichelbeck. Chron. 
Ben. I, 361 nur acht Mann. 

3 ) Meichelbeckiana 18, T. II, f. 39 flgd. (Münchener Hof- u. St.-Bibl.). 



keit der Bauern in anderer Richtung, gegenüber ihrem geistlichen Grundherrn, kenuen 
gelernt und neben der Haltung des ihm so nahestehenden Bischofs von Freising mag 
diese Erfahrung auf sein Urteil nicht ohne Einfluß geblieben sein. Besonderen bairischen 
Patriotismus darf man von ihm schon darum nicht erwarten, da er als bischöflich augs- 
burgischer Untertan (in Oberdorf a. d. Wertach) geboren war. Überdies hatte ihn ein 
persönliches Erlebnis, ein „leidiger und entsetzlicher casus" aufs höchste eingeschüchtert. 
Dies war die schwere Ahndung, welche die Kaiserliche Administration über sein Kloster 
verhängte, weil dessen Prior die Flucht des Gerichtsschreibers Wolfgang Schmidt von 
Abensberg unterstützt hatte, und die noch schwereren Drohungen, die ihm als Gesandten 
des Klosters in dieser Angelegenheit in den Ohren geklungen hatten. Seinen kläglichen 
Bericht über diese Vorgänge (s. Nr. 267) schließt er mit Worten, aus denen seine politische 
Gesinnung gegenüber dem Aufstande am deutlichsten erhellt: „Lernet Vorsicht, ihr Mönche. 
und daß man sich dem, was Gott über die Verteilung der Länder anordnet, nicht wider- 
setzen, sondern mit Furcht und Zittern seine Gerichte anbeten soll!" 

Hält man die beiden, übrigens nur summarischen und — wie es dem Gegenstand 
beider Werke entspricht — fast nur auf den oberländiscben Aufstand beschränkten Dar- 
stellungen Meichelbecks nebeneinander — in der Historia Frisingensis II, 432, erschienen 
1728, und in dem fast gleichzeitigen Chronicon Benedictoburanum I, 360, verfaßt ca. 1727 
bis 1729 — so verrät sich schon hier ein etwas schwankendes Urteil. In der Freisinger 
Geschichte werden nicht nur die Bedrückungen des Volks weit mehr betont, sondern außer 
diesen als Triebfeder der Bewegung auch Treue gegen den Kurfürsten und die gemeinsame 
Vaterlandsliebe angegeben, aber auch nicht verschwiegen, daß die ruhiger Gesinnten durch 
die schärfsten Drohungen von Plünderung und Brand zum Anschluß gezwungen wurden. 
Überwiegend ist in dieser Darstellung das Mitgefühl mit den Ärmsten. In beiden Werken 
wird betont, daß es den oberläudischen Bauern fast gänzlich an Waffen, daß es ihnen an 
Proviant, Geld, einem Haupte und Rat fehlte. In der Benediktbeurer Chronik aber behält 
die Verurteilung des Aufstands das letzte Wort durch die am Schlüsse an den Leser ge- 
richtete Frage: Was denkst du, daß die Aufrührer angefangen hätten, wenn sie nicht 
niedergeworfen worden wären? Zweifellos erwartet der Autor die Antwort: Plünderungen 
und Ausschreitungen. Und in der Tat: ohne diese dürfte es im Falle eines Erfolgs nicht 
abgegangen sein. Daß in den führerlosen Bauernhaufen meist ein hoher Grad von Zucht- 
losigkeit herrschte, ist eine nahezu selbstverständliche Tatsache. Unsere Akten bieten 
dafür eine Fülle unwiderleglicher und zum Teil drastischer Zeugnisse. Daneben stehen 
freilich einige überraschend günstig lautende. Immerhin wird man sagen dürfen: wenn 
die Vertreter der Landschaft und die Mehrzahl der Beamten, die Mitglieder der Burg- 
hausener Regierung und des Braunauer Kongresses so oft verächtlich von dem „Bauern- 
gesindel" sprechen, erklärt sich das nicht allein aus der gähnenden Kluft, die sich längst 
zwischen höheren und niederen Ständen aufgetan hatte, sondern zum guten Teil auch aus 
dem Gebahren und den Leistungen der Aufständischen. Übrigens war damals Plünderung 
des Feindes auch für die regulären Truppen nichts Ungewöhnliches. Die Bauern aber, 
ohne Geldmittel und ausreichenden Proviant, waren geradezu darauf angewiesen, wenn sie 
längere Zeit im Felde ausharren sollten. 

Ein noch ungünstigeres, aber wiederum ein schwankendes Urteil begegnet uns gegen 
Ende des Jahrhunderts bei Westenrieder, der doch gleich Meichelbeck ein Mann aus dem 



VI 

Volke war. Er nennt 1784 in seiner Beschreibung des Würmsees (S. 5) den Aufstand 
„ teils bemitleidungswürdige, teils sträfliche Raserei" und findet die Anführer „meist 
lächerlich." Dagegen schreibt er schon im folgenden Jahre in seiner Geschichte von 
Baiern für Jugend und Volk (S. 633): „Die man anderswo als Retter des Vaterlandes 
rühmt, wurden hier Verräter des Vaterlandes, Aufrührer und Mordbrenner genannt und 
gleich solchen behandelt." Die Zwiespältigkeit des Urteils ist in der Doppelseitigkeit des 
Aufstands, in der Mischung rühmlicher und unrühmlicher Elemente wohlbegrüudet; in 
seinen Triebfedern überwiegen die ersteren, in der Art der Ausführung die letzteren. 
Bemängeln läßt sich nur, daß Westenrieder das verdammende und das rühmende Urteil 
nicht vereinigt hat. In der zweiten Auflage der Schrift: Der Wurm- oder Starnbergersee 
1811 ist (wohl nicht ohne Einwirkung der mittlerweile erschienenen, sogleich zu nennenden 
Schrift von Rastlos) das verdammende Urteil über den Aufstand getilgt und nur bemerkt, 
der Aufstand sei eine Folge der Verzweiflung gewesen, den Aufständischen habe es nicht 
an Mut, aber an Waffen, bewährten Führern und anderem gefehlt. 

Nach dem ersten Anlauf bei Westenrieder setzt die eigentliche Verherrlichung des Auf- 
stands in der historischen Literatur im Jahre 1805 ein und wurzelt nun in einer aktuellen 
politischen Tendenz:. 1805 standen ja zum erstenmale seit zwei Generationen die Baiern wieder 
gegen Österreich im Felde, dessen Truppen in der letzten Zeit als Verbündete der Baiern 
gekämpft hatten; dem Volksgemüt sollte die große politische Schwenkung dieses Jahres 
durch die Erinnerung an die Kämpfe von 1705/06 willkommen gemacht, gegen Oesterreich 
sollte Haß gesät werden. Der Zusammenhang mit der Säkularfeier der Bewegung ist 
zufällig. In Ulm, wo Mack kapitulierte, erschien das Schriftchen von Joh. Rastlos: Die 
Oestreicher in Baiern zu Anfang des 18. Jahrhunderts, worin zum erstenmale Dokumente 
zur Geschichte der Erhebung von 1705 und zwar ausdrücklich „für den bairischeu Bürger 
und Landmann" gesammelt und veröffentlicht wurden. Als der Verfasser gilt — wohl 
mit Recht ■ — der bekannte Franzosenfreund Johann Christoph v. Aretin, Direktor der 
Münchener Zentralbibliothek. l ) 

Wie in der Schrift von Rastlos der Zusammenhang mit einer politischen Tendenz 
der Zeit, so liegt der Ursprung aus der allgemeinen geistigen Strömung, der Begeisterung 
für Freiheitskämpfe und dem neu erwachten Sinne für das Volkstum klar zutage, wenn 
1818 der bedeutendste wissenschaftliche Vertreter der Volkskunde, den Baiern hervor- 
gebracht, wenn Andreas Schmeller in der Zeitschrift Eos, Nr. 53 und 54, den Aufstand 
feiert, Westenrieders Urteil (ohne ihn zu nennen) beklagt und zur Errichtung eines Denk- 
mals für die bei Sendung Gefallenen auf dem Münchener Friedhofe auffordert. 2 ) 



') Mannert, Gesch. Bayerns (182G). II, 294 und ebenso eine Bleistiftnotiz in dem Exemplar der 
Hof- und Staatsbibliothek bezeichnen zwar als Verfasser den Hofgerichtsadvokaten Jos. Ger. Faßmann 
in München; dies dürfte jedoch nur auf irriger Folgerung aus der Tatsache beruhen, daß dieser 1790 
die bei Rastlos abgedruckte Denkschrift Plingansers beglaubigt hat. 

2 ) Daß dieses Denkmal erst 18:51 errichtet wurde, lag nicht an Spärlichkeit der eingelaufenen Bei- 
trüge. Im „Kunst- und Literaturblatt aus Baiern. Eine Beilage zur Eos" 1821, Nr. 5 — ich verdanke die 
folgenden Hinweise Hrn. v. Wallmenich — heißt es: ... „Die Beiträge, die zu diesem Denkmal einge- 
gangen sind, sind nicht unbedeutend und betragen die Summe von beiläufig 6000 fl. . . . Übrigens 
erwarten diese Gelder ihre Bestimmung und einen neuen Impuls, um diesen Gegenstand vorwärts zu 
bringen, der nun schon lange ruht." Im „Münchener Conversations-Blatt. Mitgabe zum Baier'schen 
Beobachter" vom 6. Sept. 1830, Nr. 249 liest man: . . . „Patriotische Beiträge vom ganzen Land gingen 



VII 

Nachdem schon Heinrich Zschokke (Der Baierischen Geschichten fünftes Buch, 1816 
und 1821 2 , III, 511 — 532) eine ohne jede Einschränkung verherrlichende, Konrad Mannert 
(Die Geschichte Bayerns, 1826, II, 288 f.) eine besonnene, nach dem damaligen Stande 
der Quellenkenntnis vortreffliche Darstellung geboten, haben im Beginne der Dreißiger 
Jahre der Germanist und Förderer der Turnkunst Hans Ferdinand Maßmann (1830), der 
Maler Lindenschmit (1831) und der Literat Ferdinand Josef Gruber (1832) durch Schriften 
und Vorträge, Lindenschmit noch mehr durch sein Gemälde in Sendung (enthüllt 9. Oktober 
1831) die Begeisterung für die Kämpfer von 1705 erst voll angefacht. Der heldenhafte 
Schmied Balthes von Kochel, in Lindenschmits anonymer Broschüre noch sagenhafte 
Gestalt, von Maßmann wenigstens nicht ohne ein kritisches Bedenken als historisch ge- 
nannt, wird von Gruber als gesicherte geschichtliche Persönlichkeit gefeiert und durch die 
Abhandlung v. Hormayrs, Die Mordweihnachten von Sendung (in seinem Taschenbuche 
1835), die übrigens einen erheblichen Fortschritt in der Quellenkunde bezeichnet, auch in 
die wissenschaftliche Literatur eingeführt. Näheres darüber findet man bei A. Dreyer, 
Die Sendlinger Mordweihnacht in Geschichte, Sage und Dichtung, 1906. 

Auch die Regierung hatte sich damals schon um die Pflege dieser geschichtlichen 
Erinnerung angenommen. Am 14. Oktober 1830 erging vom Staatsministeriuni des Innern 
an das Präsidium der Regierung des Isarkreises der Auftrag, in Sachen des bairischen 
Volksaufstandes wider die Oesterreicher 1705 und insonderheit des Sendlinger Blutbades 
„den noch übrigen redenden Denkmälern, Gemälden, Inschriften, Jahrtagen. Prozessionen 
und an einzelnen Orten den bei einzelnen Familien noch vorhandenen ungedruckten Rela- 
tionen nachzuforschen" und darüber zu berichten. 1 ) Als die dabei zu beachtenden Haupt- 
plätze wurden bezeichnet: Sendung, Anzing, Starnberg. Tölz (die Tafel der Umgekom- 
menen von Egern und Tegernsee sei erst jüngst im „Inland" wieder gedruckt worden), 
Burghausen, Straubing, Eggenfelden, Pfarrkirchen (der Geburtsort Plingansers), Stadt- 
amhof, Kelheim, Cham, Aidenbach, Vilshofen. Wie ein Reskript desselben Ministeriums 
an die nämliche Regierung vom 11. Januar 1832 rühmt, hat auch deren Präsidium 
durch die von ihm veranlaßten Nachforschungen 2 ) , viele angenehme und unerwartete 
Denkmale und geschichtliche Spuren ans Licht gebracht, die der nationalen Bildung und 
der tragischen Erinnerung des Volkes und einzelner Geschlechter des Bürger- und Bauern- 
standes in so mancher teueren Weise angehören." 3 ) 



zu diesem schönen, seit einem Jahrhundert unterbliebenen Unternehmen ein. Allein verschiedene, ganz 
vorzüglich politische Hindernisse wurden demselben auch jetzt immer in den Weg gestellt. Indessen die 
allgemeine Stimme des Vaterlandes verstummte nicht in dieser Angelegenheit und der , Baier. Volks- 
freund* trat als geeignetes Organ in unzähligen Aufsätzen und Erinnerungen seit lb27 wiederholt und 
mutig auf, feierlich gelobend, nicht eher ruhen zu wollen, als bis das Ziel erreicht sei. Und daß die 
Sache nicht erschlafe, ist sein Werk." 

') Kreisarchiv München, Regierungsakten Fasz. 1146/4. 

2 ) Unter dem 16. Oktober 1830 war der entsprechende Auftrag der Regierung an sämtliche Distrikts- 
polizeibehörden des Isarkreises ergangen. A. a. O. 

3 ) In dem Akte des Kreisarchiva finden sich jedoch fast ausschließlich Fehlberiehte, diese in großer 
Zahl. Erwähnt werden nur Aufschlüsse des Pfarrers Hirner in Frieding und des Pfarrers Weninger in 
Oilching, über die ein Schreiben des Patrimonialgerichtes Seefeld berichtete. Pfarrer Hirner hatte, wie 
man aus einem Ministerialreskript vom 15. August 1831 erfährt, berichtet, daß die Stiftung des Hirner'scben 
Familienbenefiziums in Anzing die Folge eines Gelübdes des I'osthalters Franz Kaspar Hirner, „eines der 



VIII 

Von dieser Zeit an lebte der Zug der Oberländer als die populärste Begebenheit der 
bairischen Geschichte und lebte der ganze Aufstand von 1705/06 in einer so reichlichen 
Durchtränkung mit unbeglaubigten und sagenhaften Zügen fort, wie man sie sonst nur 
bei Vorgängen aus grauer Vorzeit trifft. Als den Höhepunkt einer unkritischen, traditions- 
gläubigen, patriotisch tendenziösen Richtung muß man trotz mancher Verdienste um die 
Stoffsammlung das Buch von Joh. N. Sepp, Der bayerische Bauernkrieg mit den Schlachten 
von Sendung und Aidenbach (1884) bezeichnen, worin fast alle Zeugnisse, die ein ungün- 
stiges Licht auf den Aufstand werfen, ignoriert werden. 

Und doch hatte damals ein kritischer Rückschlag schon eingesetzt: 1880 in dem 
Buche von Schäffler, Die oberbayerische Landeserhebung im Jahre 1705, wo aber der 
Ausdruck: Landeserhebung doch wieder ein falsches Bild der Vorgänge hervorrufen mußte 
und wo die angebliche Erfindung des Schmiedbalthes von Kochel durch den Münchener 
Literaten Gruber im Grunde auf eine falsche Angabe Grubers über dessen Heimat zusammen- 
schrumpfen dürfte; bald darauf, 1881, 1882 in einer amtlichen österreichischen Publikation, 
im 7. und 8. Bande der Feldzüge des Prinzen Eugen (herausgegeben von der Abteilung 
für Kriegsgeschichte des K. K. Kriegsarchivs), wo Rechberger v. Rechkron, Freiherr Mayer- 
hofer v. Grünbühl und Freiherr Komers v. Lindenbach die Kämpfe des bairischen Bauern- 
aufstands nach den Akten behandelten. Durch die überraschend geringen Verlustziffern 
der Kaiserlichen in diesen Kämpfen (bei München und Sendung an 40 Tote und Ver- 
wundete, bei Aidenbach mit Einschluß der Verwundeten 8 Mann) wurde hier zum ersten- 
male ein Licht auf die geringe Wehrkraft der Aufständischen geworfen, die durch den 
Hinweis auf ihre mangelhafte Bewaffnung doch nur zum Teil erklärt werden kann, denn 
die Oberländer hatten 500 Schützen unter sich, während die Niederbaiern wenigstens seit 
der Einnahme fester Plätze, besonders Braunaus und Burghausens, über viele Gewehre, 
auch über Geschütze verfügten. 

Mit den Fortschritten der Quellenedition und der Quellenforschung, die hier nicht 
weiter im einzelnen verfolgt werden sollen, ist der Nimbus, in dem man den Aufstand so 
lange gesehen hatte, etwas verblaßt. Das Buch des Obersten v. Wallmenich, der Ober- 
länder Aufstand 1705 und die Sendlinger Schlacht (1906) 1 ) bezeichnet den Höhepunkt des 
kritischen Rückschlags gegen die Legendenbildung. Daneben erklingt freilich in zahl- 
reichen populären Darstellungen, auch auf Inschriften von Denkmälern immer noch die 
alte Tonart. Dichter vollends machen nur von ihrem guten Rechte Gebrauch, wenn sie 
sich nicht an die historische Wahrheit binden. 

Fassen wir die Hauptergebnisse der bisherigen Kritik mit einigen neuen zusammen. 



glühendsten Patrioten", gewesen und daß in der Anzinger Pfarrkirche sowie im dortigen Wirtshause, 
dem ehemaligen Posthause, Hirners Leistungen und Gefahren auf Votivgemälden dargestellt seien. Die 
Stiftungsurkunde des H.'schen Familienbenefiziums von 1722 führt, wie v. Wallmenich, D. Oberländer 
Aufstand, S. 36 festgestellt hat, nur Lokalverhältnisse und die Frömmigkeit des Posthalters als Gründe 
der Stiftung auf. Doch dürfte dadurch die Familientradition nicht widerlegt werden. 

') Als Nachtrag dazu erscheint desselben Verfassers Schrift: Das Sendlinger Bauerndenkmal von 
1911 und die Auer Zimmerleute von 1705 (1911), wo die Erzählung von den 34 bei Sendung gefallenen 
Zimmerleuten der Vorstadt Au und von ihrem Führer Jakob Gelb endgiltig als Fabel, als Urheber ihrer 
Verbreitung und Ausschmücker der zuerst von Lindenschmit 1831 erwähnten Tradition ein pensionirter 
Feldwebel Alois Schmid (1832) nachgewiesen wird. 



IX 

die sich aus unseren Akten ergeben, so gewinnen wir ein Bild, dessen Züge sich vielfach 
von dem von der volkstümlichen Tradition festgehaltenen entfernen. 

Vor allem hält vor den Tatsachen und der Forschung kein Versuch stand, einen 
Helden der Bewegung auf den Schild zu erheben. Plinganser, der sich immerhin als einer 
der tüchtigsten Leiter des Aufstandes behaupten dürfte, hat sich doch durch seine kläg- 
liche Bittschrift an den Kaiser jedes Anspruchs auf Heldentum beraubt. Von seinem 
Genossen Meindl wird nur das eine sicher bezeugt, daß er als Student ein Erzraufbold war. 
Der Schmied von Kochel ist sagenhaft, der historische Schmiedbalthes doch eine Persön- 
lichkeit ohne historische Bedeutung. *) Der Jägerwirt hat sich weder vor dem Feinde noch 
vor den Richtern so verhalten, wie es seiner schweren Verantwortlichkeit angemessen 
gewesen wäre. Von dem Metzger Mathias Krauß von Kelheim verlautet, daß er wie 
Jäger stark verschuldet und daß er ein Säufer war. Der Kürassierwachtmeister Hoffmann 
trat nach der Niederwerfung des Aufstandes in kaiserliche Kriegsdienste. Der Eroberer 
von Cham, Pfarrer Miller von Altammertal wird als ein liederlicher Geistlicher geschildert, 
der sich in seinem ganzen Leben so aufgeführt habe, daß seine eigenen Brüder und Ver- 
wandten „ein großes Mißbelieben an seiner Conduite getragen." Der Mangel au hervor- 



') v. Hormayr hat in seinem Historischen Taschenbuch 1835 Verzeichnisse der bei Sendung (Ge- 
fallenen mitgeteilt, darunter (S. 179) aus der Pfarrei Neukirchen (nahe Vallei und dem Kloster Weiarn, 
damals Pflegamt Aibling, jetzt B.-A. Miesbach): Balthasar Riesenberger von Bach. Fastlinger hat in 
der Augsburger Postzeitung 1899, Beilage Nr. 39, und im Bayerland 1904, S. 26 die Richtigkeit dieser 
Angabe aus der Neukirchener Totenmatrikel bestätigt, hat (wie schon v. Gumppenberg 1841 im 4. Bd. 
des Oberbayer. Archivs mitteilte) erinnert, daß Balthasar Riesenberger als Schmied in Bach hauste. 
und hat ihn als geschichtlichen .Schmiedbalthes" in Anspruch genommen. Dies hatte auch schon Sepp 
getan, der aber dieselbe Ehre einer Reihe anderer Balthasare erwies (Der bayerische Bauernkrieg 1884, 
8. 368 flgd.: Die sieben gleichzeitigen Balthasar Mayer und der Schmiedbalthes Riesenberger von Bach). 
Balthasar Riesenberger hat, wie v. Wallmenich nachwies, nicht auf eine in Bach schon bestehende 
Schmiede mit dem Hausnamen Maier geheiratet, sondern 1697 eine Schmiede auf seinem Anwesen in 
Bach erst begründet, v. Wallmenich verdanke ich die folgenden Auszüge aus den Stift- und Salbüchern 
des Klosters Weiarn. 

1. Stift- u. Salbuch begonnen 1680: 

Pach: Ain Lechen beym Lechner. Späterer Zusatz: beym Marx. 

2. Stift- u. Salbuch begonnen 1688: 

Pach: beym Trumpfen oder Lechner oder Märzen, so ein Lechen ist. Dieses Guett liegt in 
Neükhürchner Pfarr u. in Ayblinger landt Gericht u. ist auch unvogtbar, besitzt solliches der Zeit .Marx 
Lechner, wellicher selbiges auf ableiben seines Vatters Wolffen Mayrs oder Lechners in Anno 1604 
an sich gebracht hat. 

3. Stift- u. Salbuch begonnen 1694: 

Pach: beym Marxen oder Drumpfen. Marx Lechner besitzt ein Lechen. Nachgetragen: Aniezt 
sein Tochterman Balthasar Risenberger, der den 22. 7ber anno 1697 aufgestüfftet, auch ihme u. Anna 
seinem Weib Leibgeding verliehen u. zugleich ein Schmidtrecht erteilt worden. 

4. Stift- u. Salbuch begonnen 1702: 

Pach: beym Drumpfen. Balthasar Risenberger besitzt ain Lechen. Nachgetragen: aniezt hanns 
Reyserer, so die Risenberger Wittib geheyrattet, deme Leibgeding verliehen wordten den 8. April 1706. 
In den älteren Salbüchern findet sich kein Name des Hofes. 

Dem gefeierten Schmiedbalthes wird der Familienname Maier zugeschrieben. Wenn nun auch 
dieser Name, wie obiges zeigt, in der Zeit Riesenbergers nicht Hausname seines Anwesens war, so hieß 
doch der Vater des Man Lechner, dessen Tochter Balthasar Riesenberger heiratete, 1664 noch Wolf 

Abh. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl. XXVI. 4. Abh. II 



ragenden Führern, die Tatsache, daß von den Leitern, Schürern und namhaften Männern 
des Aufstands kein einziger im Kampfe das Leben verlor oder Wunden davontrug; die 
geringe Zahl zugleich tüchtiger und ehrenwerter Männer, die unter den Aufständischen 
hervortreten; der von den Landesverteidigern in großer Ausdehnung vor allem gegen ihre 
Standesgenossen, aber auch gegen Beamte und Grundherren geübte Terrorismus; einzelne 
anarchistische Auswüchse; der Nachweis, daß die Oberländer in den meisten Bezirken erst 
auf den Ruf ihrer Beamten sich erhoben; die Schwäche der Wehrkraft — bei Wasserburg 
wird von einem glaubwürdigen Berichterstatter die Zeit, die zwischen dem Erscheinen des 
Feindes und dem vollständigen Verschwinden der Bauern von der Bildfläche verfloß, nur 
nach Vaterunsern gezählt — ; der Mangel an nachhaltiger Stärke und Ausdauer der Be- 
wegung; die zuchtlose, ungeordnete und unbehilfliche Masse, als welche sich die soge- 
nannte „Gemeine", die Volksgemeinde der Bauernhaufen meist darstellt; die fast durchweg 
sichtliche Kopflosigkeit der Leitung, durch die es u. a. wahrscheinlich verschuldet wurde, 
daß die Niederbaiern und die gegen München rückenden Oberländer keine Fühlung ge- 
wannen 1 ) — alles dies kann auf den kritischen Betrachter seine Wirkung nicht verfehlen. 

Mayr oder Lechner und Riesenbergers Schwiegervater selbst wird 1697 noch Marx Mayr genannt (s. das 
aktenmäßige Zeugnis bei ßrunhuber in der unten zitirten Schrift, S. 123). Der Name Mayer erscheint 
also immerhin in naher Beziehung zu Riesenberger. Daß Riesenberger eine Fahne der Oberländer trug, 
läßt sich nicht bestimmt nachweisen, hat nur insofern eine gewisse Wahrscheinlichkeit für sich, als dieser 
Zug erklären würde, warum die Tradition unter den vielen bei Sendung Gefallenen gerade ihn festge- 
halten und herausgehoben hat. Eine bedeutendere Rolle kann er aber unter den Landesverteidigern nicht 
gespielt haben, da alle Akten und gleichzeitigen Berichte, auch der aus dem Bauernlager stammende 
des Pflegers Alram von Vallei, von ihm. schweigen. Nach der Neukirchener Pfarrmatrikel fiel bei Send- 
ung auch ein zwanzigjähriger Balthasar Kogler von Kogl, einer Einöde der Pfarrei Neukirchen. Ob dessen 
Name die Übertragung nach Kochel veranlaßt hat, muß dahingestellt bleiben. 

Wie mir scheint, ist durch die angeführten Nachweise ein bei Sendung gefallener Schmiedbalthes 
als historischer Kern der Sage festgestellt. Daß die Sage etwas erfunden hätte, was zufällig mit der 
beglaubigten historischen Überlieferung übereinstimmt, daß sie ihre Wurzeln nicht in den Tatsachen 
hätte, auf denen diese Überlieferung beruht, wäre absurd anzunehmen. Die Wahrscheinlichkeit der 
Identität des Schmiedes Balthasar Riesenberger mit dem Schmiedbalthes der Sage wird so lange be- 
stehen, bis ein zweiter bei Sendung gefallener Schmied namens Balthasar nachgewiesen wird. 

Über die Persönlichkeit Balthasar Riesenbergers hat Josef Brunhuber, Lehrer in Föching, in 
seinem Buche „Zur Geschichte der ehemaligen Hofmark Holzolling (1910), S. 117 flgd. weiter festgestellt, 
daß er einem altangesessenen Holzollinger Schmiedgeschlechte entstammte und nach 1661 als zweiter 
oder dritter Sohn des Georg und der Ursula Riesenberger in Holzolling geboren war. 1694 war ihm 
wegen „Rauffets" in der Tafern zu Holzolling eine Geldstrafe diktirt worden. Im übrigen sei auf die 
Abhandlungen v. Wallmenichs und Fastlingers „Zur Geschichte des Oberländer Aufstandes 1705/06" im 
14. Band der Forschungen zur Geschichte Bayerns verwiesen. 

v. Wallmenich vermutet, wie er mir schreibt, daß der bekannte phantasiereiche Lehrer Franz Xav. 
Bacherl, Dichter der „Cherusker in Rom", die „Riesenbergerlegende" in Gang gebracht habe. Bacherl 
war 1808 geboren, also zu einer Zeit aufgewachsen, in der die Sendlinger Sagenbildung in voller Blüte 
stand. Er mag, meint v. Wallmenich, bei Hormayr und v. Gumppenberg die Namen der Gefallenen aus 
der Pfarrei Neukirchen gelesen haben. 1841, als er Lehrer in Holzolling, 1 km nördlich von Bach, 
wurde, forschte er den Gefallenen nach; er werde es auch gewesen sein, der den Schulkindern von 
Riesenberger erzählte. Daß vor ihm eine Tradition bestanden habe, ist nicht nachweisbar. Vgl. über 
Bacherl Brunhuber a. a. 0., S. 150 f. 

J ) Aus unseren Akten ergibt sich, daß Tausende der niederbairischen Landesverteidiger am 25. De- 
zember schon in Zorneding lagerten, während die Oberländer am Vorabend dieses Tages vor München 



XI 

Schon scheint eher die Gefahr zu drohen, daß nach der anderen Seite, in Geringschätzung 
und Verdammung des Aufstands, zu weit gegangen wird. Wenn unsere Akten geeignet 
sind, der übertriebenen Verherrlichung des Aufstands ein Ende zu bereiten, setzen sie uns 
doch zugleich in den Stand, Verirrungen nach der entgegengesetzten Seite zu bekämpfen. 
Daß der Aufruhr von manchen Gewalttätigkeiten und Ausschreitungen begleitet war, liegt 
in der Natur der Sache und wird durch unsere Zeugnisse erwiesen. Es wäre aber unbillig, 
darüber einige durchaus unanfechtbare Berichte zu übersehen, die in überraschender Weise 
von bescheidenem und gesittetem Verhalten aufständischer Scharen künden. So besonders 
den Bericht der amtlichen Kommission aus Oberviechtach vom 11. November über die 
Aufständischen in Kulz bei Winklarn (Nr. 85), sowie den Bericht des Pflegskommissärs 
von Wasserburg vom 20. November (Nr. 141) über die große Masse der niederbairischen 
Landesverteidiger, wonach diese niemanden ein Leid tun, aller Orten zahlen — sogar die 
Bespannung für ihre geringe Bagage — , gute Ordnung halten, still und einig leben. 
Ebenso unbillig wäre es, wollte man nicht im Auge behalten, daß in stürmischen Be- 
wegungen wie dieser, gerechtfertigten Gegenstößen gegen unerträgliche Mißhandlung, bei 
anderen Nationen sonst durch die wütenden Volksmassen Ströme von Blut vergossen wurden. 
während in dem Aufstand von 1705 fast ohne Ausnahme erst seine Bekämpfung zu Blut- 
vergießen führte, auch die Plünderungen und Mißhandlungen von Beamten sich fast durch- 
weg auf solche beschränkten, die durch grausame Härte in Ausführung der Zwangsrekru- 
tierung oder Steuerbeitreibung sich verhaßt gemacht hatten. In der Regel waren dies 
Amtmänner, d. h. Schergen. Beachtet man diese unleugbaren Tatsachen, so wird man 
auch in dem Verlaufe des Aufstands ein Zeugnis für die Gutmütigkeit des bairischen 
Volkscharakters nicht verkennen. 

Eine gerecht abwägende Würdigung dieser tragischen Episode unserer vaterländischen 
Geschichte ist auch gegenüber der Fülle von Quellen, wie sie nach dem Abschlüsse unserer 
Aktenedition veröffentlicht vorliegen wird, eine keineswegs leichte Aufgabe. An dieser 
Stelle seien nur die folgenden Ausführungen, die einige Hauptfragen des Problems berühren. 
den Akten vorausgeschickt. 

Eine falsche Einschätzung des Aufstands verraten schon einige Bezeichnungen des- 
selben. Im Munde der Kaiserlichen Behörden hieß er eine Zeit lang: der Aufstand der 
ledigen Bauernburschen im Rentamt Burghausen. Wie diese geringschätzige Bezeichnung 
örtlich und sachlich viel zu eingeschränkt war 1 ) und bald durch die Fortschritte der Be- 
stunden, nur etwa fünf Stunden entfernt. Nichts deutet darauf hin, daß Boten von einem Haufen zum 
andern abgingen. Bei der Fülle unserer Berichte könnte es auch in dem Falle, daß solche vom Feinde 
abgefangen wurden, kaum an einer Nachricht darüber fehlen, v. Wallmenich hält, wie er mir mitteilt. 
nicht für wahrscheinlich, daß der Kriegskommissär Fuchs am 24. Dezember wegritt, um die Verbindung 
mit den Unterländern herzustellen; Fuchs hätte sich, wenn er dies beabsichtigte, nicht nach Südosten. 
nach Rosenheim, sondern nach Nordosten, etwa gegen Grafing und Ebersberg gewendet, wo er sicher 
war, auf die Unterländer zu stoßen, v. Wallmenich vermutet, daß er die Sache der Oberländer für ver- 
loren ansah, nachdem von Anzing die Nachricht gekommen war, daß die Unterländer nicht vor München 
erscheinen würden. Kr wollte sich wohl nach Burghausen begeben. Daß er am 25. in Rosenheim ein- 
traf, sagte der dortige Pflegskommissär Greschbeck au». Erat am 2G. stieß er in Kdling bei Wasserburg 
auf die Unterländer. S. v. Wallmenich, S. 135 flgd. 

') Ein Gegenstück liefert der Kanzler v. Unertl in seinen Denkwürdigkeiten (v. Freyberg, Samm- 
lung 11,11): Die Zeiten der Administration seien für Baiern leidlich gewesen „außer des ersten Jahrs, 

11» 



XII 

wegung augenscheinlich widerlegt wurde, so besagt der durch Schäfflers Buch in die 
Literatur eingeführte Name: Landeserhebung viel zu viel, wenn sich auch die Aufstän- 
dischen selbst, anknüpfend an eine bestehende gesetzliche Einrichtung, als Landesdefension 
und Landesverteidiger benannten. Wie kann man von einer Landeserhebung sprechen, 
wenn die Landschaftsverordneten und Kommissäre, die gesetzlichen Vertreter der Land- 
stände, den Aufstand verurteilten, wenn ihr Vertreter als Delegierter zugleich der Land- 
schaft und der Kaiserlichen Administration dem Kaiserlichen Hauptquartier ins Feld folgte, 
bei dem entscheidenden Zusammenstoße von Aidenbach im Lager der Kaiserlichen weilte 
und deren Sieg freudig begrüßte! Es läßt sich nicht verkennen, daß die Landschafts- 
verordneten, die ihrer legitimen Stellung entsprechend, in der Regel nur die ständischen 
Interessen verfochten, gerade in dieser Krisis wie auch sonst in den Nöten dieser von 
verhängnisvollem dynastischen Ehrgeiz beherrschten Regierung sich als Vertreter des 
Landes nicht nur fühlten, sondern auch benahmen. Sie haben in ihrer Bittschrift an den 
Kaiser die Klagen und Beschwerden des Volkes zu den ihrigen gemacht, haben aber, als 
der Aufstand ausbrach, fort und fort von dem Unternehmen, das ihnen als Wahnsinn 
erschien, abgemahnt, haben nach Kräften zu vermitteln gesucht, haben durch immer 
wiederholte, ergreifende Klagen und Bitten beim Kaiser und seinen Behörden immerhin 
einiges erzielt. 

Wenn die Burghausener Regierung und die adeligen Herren des Braunauer Kon- 
gresses sich für kurze Zeit zu den aufständischen Bauern schlugen, geschah dies teils in- 
folge von Zwang — General d' Ocfort trag die Spuren der Mißhandlungen, die er von den 
Bauern erfahren hatte, im Gesicht — , teils in der Hoffnung, den Aufruhr zu meistern und 
seinen schlimmsten Auswüchsen zu steuern. Beamte und Grundherren, „die Parucken- 
hanseln", wie die Bauern höhnten, ließen sich hier von der Flut tragen, erst als diese so 
stark geworden war, daß sie jeden Versuch dagegen zu schwimmen ausschloß. Abgesehen 
davon, haben die zwei Stände des Adels und des Klerus sich vom Aufstande ferngehalten 
und vom Kaiser Lob für ihr Wohlverhalten geerntet. Vom Klerus sind ja einige wenige 
— der Oberviechtacher Pfarrer Florian Miller von Altammertal und der Valleier Pfarrvikar 
Haspieder, Augustiner des Klosters Weiarn — sogar als Führer und Agitatoren der Em- 
pörung hervorgetreten, andere wie die Tölzer Franziskaner scheinen wenigstens damit 
sympathisirt zu haben. Im ganzen waren dies doch nur Ausnahmen, wenn auch die 
stillen Wünsche und Hoffnungen vieler niederen Geistlichen bei dem Stande gewesen sein 
dürften, der ihre Wiege beherbergt hatte. In den bisherigen Darstellungen wird die 
wichtige Tatsache nicht erwähnt oder doch nicht genügend gewürdigt, daß sämmtliche 
Bischöfe des Baierlandes als Reichsfürsten Verbündete des Kaisers im Kriege gegen Max 
Emanuel waren. Deren Gesinnung und Haltung mußte auf ihren untergebenen, dem Volke 
näherstehenden Klerus zurückwirken und für dessen Verhalten in der Öffentlichkeit im 
großen und ganzen entscheidend sein. Von den Bischöfen von Freising, Regensburg, 
Augsburg, Eichstätt wissen wir, daß sie die Seelsorger ihrer Sprengel geradezu aufforderten, 
gegen den Aufstand zu predigen, vom Bischof von Passau, daß er seine Fürbitte zur Ab- 
hilfe der Bauernbeschwerden verweigerte. 



wo das Gericht Tölz (!) auf böses einiger hinterbliebenen Offiziere Anstiften in eine offene Rebellion 
und Aufstand sich verfallen". 



XIII 

In den Bürgerschaften der Städte und Märkte fanden die bäuerlichen , Landesvertei- 
diger " wohl viele Gesinnungsgenossen, aber nur zum Teil, wie in Tölz, Wolfratshausen, 
Miesbach, Aibling begeisterte und tatbereite Anhänger, die sich dem Unternehmen an- 
schlössen. An einigen Orten, wo dies geschah, wie in Burghausen, hat sichtlich die Angst 
vor den gewalttätigen Bauern stark mitgespielt. In Braunau erzwangen die Bürger die 
Übergabe ihrer Stadt an die Bauern vornehmlich deshalb, weil sie ihre Einäscherung be- 
fürchteten. Traunstein lehnte den Zuzug ab, ebenso verweigerte der Magistrat in Rosen- 
heim die Beteiligung der Bürgerschaft. Die Schärdinger sprechen von dem unerträglichen 
Joch der Bauern, das ihnen nur durch Gewalt aufgezwungen worden sei. Was München 
betrifft, ist freilich eine die kritischen Dezembertage von 1705 behandelnde Schrift unter 
dem Titel: „Münchener Bürgertreue" erschienen, aber in dem vom Autor gemeinten Sinne 
kann von Bürgertreue nur beim Jägerwirt und seinen wenigen Mitverschworenen die Rede 
sein. Die Münchener Bürger, d. h. ihre ungeheure Mehrheit wahrte die Treue nicht dem 
Kurfürsten, sondern dem dem Kaiser geschworenen Eide und erhielt von der Kaiserlichen 
Administration ein Lob wegen ihrer in dieser Krisis beobachteten „guten Conduite". 

Der Aufstand war also fast ausschließlich eine Sache der Bauern. Und wenn wir 
erwägen, wie sehr diese, die zum großen, vielleicht größeren Teil ohne jeden Schulunter- 
richt aufwuchsen, damals noch von den höheren Ständen mißachtet waren, 1 ) wird uns von 
vornherein die Schwierigkeit klar, ein von Bauern getragenes Unternehmen auf die höheren 
Stände fortzuleiten. Waren doch die „Landesverteidiger" von 1705 derselbe Volksschlag, 
dessen gänzliche Unerzogenheit im späteren 18. Jahrhundert allen einsichtsvollen Patrioten, 
die sich mit Fragen des Gemeinwohls beschäftigten: einem Ickstatt und Heinrich Braun, 
einem Kohlbrenner und Hoppenbichel, einem Westenrieder, Schrank und Grafen Anton 
v. Törring-Seefeld den sehnsüchtigen Ruf nach Volkserziehung als dem dringendsten Be- 
dürfnis und dem höchsten Ziele wahrer innerer Staatskunst erpreßte! 

Auch unter den Bauern aber blieb der Aufstand in Oberbaiern — wo sich das ganze 
Drama in fünf Tagen abspielte — auf höchstens ein Drittel des Landes beschränkt. All- 
gemein war er auch in den Rentämtern Landshut und Straubing nicht, noch weniger in 
der Oberpfalz. Nur das Rentamt Burghausen, das heute österreichische Innviertel wie die 
noch bairischen Landstriche um Inn und Salzach waren ganz von der Empörung ergriffen 
und werden mit Recht als das Zentrum des Aufstands bezeichnet. 

Mit allem dem soll nicht bestritten werden, daß der Aufstand Keime zu einer wahren 
Landeserhebung in sich trug, daß auch in den höheren Ständen viel Unzufriedenheit, ja 
Erbitterung gegen die Kaiserliche Regierung herrschte. Um aber diese Keime zur Ent- 
faltung zu bringen, hätte es nachhaltiger Erfolge der Bauern und einer glücklicheren 
Konjunktur der allgemeinen politischen Lage bedurft. 

Wiewohl ein Bauernaufstand, trug die Bewegung doch keinen agrarischen Charakter, 



') Einen besonders beredten Beleg dafür bietet das Urteil des Juristen Anton Wilhelm Ertl (1682), 
eines bei aller juristischen Gelehrsamkeit beschränkten Geistes freilich, der aber als Hofmarksrichter des 
Klosters Rottenbuch seine Leute kannte. Es ist so schroff, daß Ertl selbst angemessen findet, es nur 
lateinisch auszusprechen. „Das rauhe Bauernvolk pflegt nicht auf die Landtag zitirt zu werden — nee 
immerito, rustici enim sunt animalia media inter brutum et hominem, plus rationis expertes quam ca- 
paces, quod norunt illi, qui malo genio acti cum iis conversantur. Ertl, Praxis aurea . . . von Anschlag 
der hochgültigen Landgüter 1682, C. 1. 



XIV 

war nicht wie der große Bauernkrieg 1525 gegen die Grundherrschaften gerichtet, gegen 
die nur ausnahmsweise Angriffe oder Ausschreitungen erfolgten. Auch mit dem großen 
Aufstande der stammverwandten oberösterreichischen Bauern im Jahre 1626, in dem so 
viel mehr nachhaltige Kraft zutage trat, läßt sich unsere Empörung nicht vergleichen. 
Dort handelte es sich vor allem um Abwehr des Glaubenszwanges, erst in zweiter Reihe 
um wirtschaftliche Bedrückung und dort finden wir die alte Wahrheit bestätigt, daß der 
Kampf für die religiöse Überzeugung eine Widerstandskraft einflößt wie kein anderer. 
Eher erinnert die Bewegung an den Aufstand, durch den im Winter 1633/34 die Bauern 
zwischen Isar und Inn und östlich vom Inn die dort im Quartier liegende, das Volk 
mißhandelnde bairisch-spanische Soldateska verjagen wollten. Damals aber galt der Kampf 
nicht einer Fremdherrschaft und fehlte ihm jede patriotische Tendenz. 

In aller Kürze kann man den Aufstand auch heute nicht besser zeichnen, als in der 
an den Kaiser gerichteten Klage- und Bittschrift der Landschaftsverordneten vom 2. März 
1706 geschah: Der bedrängte Landmann ist in Verzweiflung verfallen, hat endlich die 
Geduld verloren und ist in den allerdings einer Raserei gleichenden Aufruhr verfallen. 
Viele Legenden sind darüber verbreitet; wer aber diese gehäuften Leiden als „Passions- 
legende" abtun zu dürfen glaubt, kennt die Tatsachen nicht. Der Aufstand war in der 
Tat und vor allem der Rückschlag gegen Jahre lang fortgesetzte, empörende und zuletzt 
unerträgliche Mißhandlung seitens der Staatsgewalt, die einen großen Teil des Volkes an den 
Bettelstab brachte und dem Rest mit dem gleichen Schicksal drohte, gegen harte Kriegs- 
steuern — die im September 1704 vom Kaiser den drei Rentämtern außer München auf- 
erlegte Kontribution betrug allein 3,150,000 fl. — , gegen drückende Einquartierung und 
Truppenexzesse, dazu gegen die' brutale Zwangsrekrutierung, die das Volk zu Sklaven 
herabwürdigte. Und dies alles, wie die Landschaft dem Kaiser mit Bitterkeit klagte: 
nachdem 5000 tapfere bairische Soldaten (in den Türken- und Franzosenkriegen) ihr Leben 
für den Kaiser gelassen und das Baierland für seine Hilfe viele Millionen aufgewendet 
hatte. Die volle Ausdehnung und den Höhepunkt erreichte diese Mißhandlung erst, als 
die Staatsgewalt eine feindliche geworden war; um so größer war nun der Haß gegen 
sie. Aber man darf nicht übersehen, daß reichliche Keime der Unzufriedenheit schon von 
der Regierung Max Emanuels gesät, daß schon zur Durchführung der langwierigen Türken- 
und Franzosenkriege, dann vollends in den ersten vier Jahren des spanischen Erbfolge- 
krieges das Volk durch Steuern und Lasten aller Art über Gebühr bedrückt worden war. 
Schon 1701 sprachen die Landstände — zunächst angesichts der langjährigen Abwesenheit 
des Kurfürsten — von der ziemlich eingebüßten Liebe des Volks und von drohendem Un- 
heil, ja im Spätherbst 1704, noch ehe der Druck der Kaiserlichen voll auf dem Lande 
lastete, betonten sie, ein geringer Anlaß könne Rebellion zum Ausbruch bringen. Die 
landschaftlichen Gravamina vom März 1701, welche der Geheimrat dem Kurfürsten nach 
Brüssel übermittelte (Geh. Staatsarchiv), schildern mit ergreifenden Zügen, welchen Grad 
die Not im Lande infolge der dauernden Quartierlasten, Steuern, Anlagen, Truppendurch- 
züge und da seit Beginn der Kriege im Jahre 1683 so viele Millionen an Geld aus Baiern 
in die Fremde gewandert seien, schon damals erreicht habe. Wenn auch manches in diesem 
Gemälde nach einer bei der Landschaft fast stehenden Gepflogenheit übertrieben sein mag 
— die Untertanen auf dem platten Lande, heißt es z. B., genießen eine Kost, die kein 
Hund anders als im Heißhunger annehmen würde — , unanfechtbar steht doch die Tatsache 



XV 

fest, daß das Volk schon unter der Regierung Max Emanuels durch die Ansprüche seiner 
kriegerischen Politik aufs stärkste belastet und wirtschaftlich entkräftet war. Und dieses 
bereits verarmte Volk trafen nun zuerst die Verheerungszüge der Kaiserlichen nach der 
Zurückweisung des Angriffs auf Tirol und vor und nach ihrem Siege bei Höchstädt 
— diesen noch weit mehr als der Niederwerfung des Aufstands sind die 8000 einge- 
äscherten Firste im Lande zum Opfer gefallen, deren die landständische Klageschrift vom 
März 1706 erwähnt — trafen weiter die enormen neuen Steuerforderungen und Quartierlasten. 

In der Abwehr ungerechter Mißhandlung liegt der Kern der bairischen Bewegung 
von 1705 und mag auch die Volkstradition gerade legendarische Züge mit Vorliebe hegen 
und pflegen, sie ist im Grunde doch der Hauptträger ihrer volkstümlichen Beliebtheit. 
Darum braucht man nicht zu befürchten, daß der kostbare Schatz dieser Popularität durch 
die Zerstörungen einer gefühllosen historischen Kritik geschädigt werde, denn diese treffen 
nur ausschmückende Züge, nicht das Wesen der Sache. 

Weit mehr, als bisher geschehen, muß betont werden, daß zwischen dem nieder- 
bairischen und dem Oberländer Aufstande bedeutsame Unterschiede bestanden. Dem Rentamt 
München war die furchtbare Kontribution vom Dezember 1704, waren die schweren Leiden 
der Winters- und Frühjahrseinquartierung erspart geblieben; nur die Zwangsrekrutierung und 
die Folgen der österreichischen Verwüstungszüge wurden hier ebenso drückend empfunden 
wie in Niederbaiern. Dagegen macht es sich im Münchener Landesteil geltend, daß er 
der Sitz der kurfürstlichen Familie und des Hofes ist. Das Gerücht von der bevorstehenden 
Entführung der Prinzen erscheint hier fast als das wirksamste Motiv des Aufruhrs und die 
dynastische Seite der Bewegung tritt hier stärker hervor als in Niederbaiern. Auf diese 
Unterschiede ist es wohl vornehmlich zurückzuführen, daß die Bewegung in Oberbaiern 
durch Agitatoren, meist aus Beamtenkreisen, und durch künstliche Mittel erst geschürt 
werden muß, während sie in Niederbaiern gleich vulkanischem Feuer mit elementarer Ge- 
walt aus der Volksmasse herausbricht. Ein anderer Unterschied erhellt auf den ersten 
Blick: in Niederbaiern brannte das Feuer der Empörung ein Vierteljahr lang in hellen 
Flammen, im Oberlande spielte sich das ganze Drama in fünf Tagen ab. 

Es ist klar, daß die Münchener Verschworenen, der Posthalter Hirner von Anzing 
und die Münchener Wirte und Brauer: Jäger, Küttler, Hallmayer, daß ebenso die Beamten, 
die im Oberlande den Aufstand schürten, und auch die Hauptagitatoren in Niederbaiern. 
Plinganser und Meindl, nicht unter dem Drucke einer verzweifelten wirtschaftlichen Lage 
handelten, sondern daß bei ihnen patriotische Antriebe obenan standen, wenn auch bei dem 
einen und andern, besonders bei dem tief verschuldeten und als ehrgeizig geschilderten 
Jägerwirt Hoffnung auf persönliche Vorteile mitgewirkt haben mag. Diese Männer glaubten 
im Interesse des Kurfürsten, zum Teil auf dessen Befehl zu handeln. Im Oberlande ent- 
schied die rührige Agitation von Beamten wie Fuchs, Alram, Dänkel, des Jägeradams über 
den Ausbruch des Aufstands. Man begreift, daß die Landstände unter dem frischen Ein- 
druck der Sendlinger Katastrophe die gegen die Hauptstadt gezogenen Oberländer „ teils 
verhetzt, teils gezwungen* nennen. Immerhin bedarf dieses Urteil einiger Einschränkung 
und dürfen wir die Selbständigkeit im Entschlüsse der Bauern nicht allzu tief einschätzen. 
Ins Feld zu rücken für Ziele, die ihnen nicht am Herzen lagen, dazu hätten auch die an- 
gesehensten Beamten ihre Bauern nie vermocht. Aber bei dem tief im Stammescharakter 
wurzelnden und durch die Erziehung so wirksam geförderten Mangel an Initiative bedurfte 



XVI 

es der Agitation und Organisation durch Beamte, um den Aufstand ins Leben zu rufen 
und über die große Masse zu verbreiten. Gilt dies für die meisten Bezirke, so doch nicht 
für alle. In den zwei größten klösterlichen Grundherrschaften des oberbairischen Auf- 
standsgebietes, in Benediktbeuren und Tegernsee, wo die Äbte Eliland und Quirin jede Auf- 
lehnung gegen die kaiserliche Autorität verabscheuten, haben sich die Grundholden ohne Zutun 
der Hofmarksbeamten, die wohl wußten, daß der Aufruhr den Wünschen und Interessen 
ihrer geistlichen Dienstherren widersprach, dem Zuge gegen München angeschlossen. Von 
dem einen Beamten, Wendenschlegel, wird hier berichtet, daß er von den Bauern gezwungen 
worden sei. Wenn in den Gelöbnissen glücklich aus der Niederlage Entronnener aus der 
Pfarrei Egern Ausdrücke stehend sind, wie: mußte wider seinen Willen, mußte ganz un- 
schuldig mitziehen, mußte auch als ein unschuldiger Fechter mit der Birsch in das Feld 
— so darf man nicht übersehen, daß dieses Buch mit den Gelöbnissen, das bei festlichen 
Gelegenheiten von der Kanzel verlesen wurde, zur Zeit der kaiserlichen Herrschaft verfaßt 
wurde — man wollte die Heimgekehrten nicht vor den kaiserlichen Behörden bloßstellen. 

Im übrigen verweise ich auf die Darstellung des Aufstands in dem demnächst er- 
scheinenden siebenten Bande meiner Geschichte Baierns. Nur eine Frage sei noch berührt: 
Haben die Landesverteidiger durch ihre Erhebung irgend etwas erreicht? — Es ist nicht 
berechtigt, dies, wie gewöhnlich geschieht, schlechtweg zu verneinen. Vor allem wird 
sich schwerlich bestreiten lassen, daß ohne die massive Warnung des Aufruhrs die Be- 
handlung Baierns unter der kaiserlichen Administration, die Aussaugung des Landes zu- 
gunsten des kaiserlichen Ärars, sich noch empfindlicher gestaltet haben würde. Strategisch 
darf man die Fernhaltung kaiserlicher und Reichstruppen von den Kriegsschauplätzen, wo 
für den Kaiser die Entscheidung -lag, nicht unterschätzen. Was die Forderungen der Auf- 
ständischen betrifft, erweisen unsere Akten, daß die dringendste, Aufhebung der Zwangs- 
rekrutierung, zunächst von General Kriechbaum zugesichert, dann durch kaiserliche Erlasse 
vom 16. und 20. Februar 1706 bestätigt wurde. Auch eine Entschädigung für die Exzesse 
der Truppen wurde in gewissen Schranken durchgesetzt (was nicht ausschloß, daß fort und 
fort Klagen über neue ertönten). Doch hatte man diese beiden Erfolge wohl mehr den 
Bitten der Landstände und der Intervention des Erzbischofs von Salzburg als dem Auf- 
stande zu danken. Und was die Entschädigung betrifft, ist fraglich, ob sie je vollständig 
ausbezahlt wurde; wenigstens erwähnt ein Mandat Max Emanuels vom 12. Juli 1719, das 
sich auf die von den Beamten noch nicht verrechneten Hibernalien unter der Kaiserlichen 
Administration bezieht, die Geld- und Natural-Exzesse wie auch anderes sei von einigen 
Beamten den Untertanen in unverantwortlicher Weise noch nicht vergütet, sondern ungerecht 
zurückbehalten (Mandatensammlung; St. Bibl. Bavar. 960 in folio). 

Im ganzen entsprach doch das, was erzielt wurde, nicht entfernt den gebrachten 
Opfern. Auch für diese Bewegung gelten die Worte des Menenius in Shakespeare's Coriolan: 

Ach, durch das Elend wurdet ihr verlockt 
Dahin, wo größ'res Elend euch umfangt. 

S. Riezler. 



XVII 



Verzeichnis der benutzten Archive und Bibliotheken. 



Bamberg, Kreisarchiv gekürzt zitiert als: 

Kelheim, Stadt. Archiv „ „ „ 

Landshut, Kreisarchiv „ „ „ 

München, Hof- u. Staatsbibliothek: Mandatensammlung, 

Bavar. 960 in folio, VII . „ 

München, Kreisarchiv „ „ 

München, Kriegsarchiv „ „ „ 

München. Reichsarchiv (die große Masse der Akten, 

die hier unter „Span. Sukzessionskrieg" lag, ist 

1906 in das Kriegsarchiv überführt worden) „ „ „ 

München, Geh. Staatsarchiv „ „ „ 

München, Geh. Hausarchiv „ „ „ 

Nürnberg, Kreisarchiv „ „ r 

Paris, Archives historiques du Ministere de la guerre „ „ „ 

Wien, Haus-, Hof- u. Staatsarchiv „ . „ 

Wien, Kriegsarchiv „ 



Bamberg Kr. A. 
Kelheim St. A. 
Landshut Kr. A. 

München St. B. 
München Kr. A. 
München Kriegs A. 



München R. A. 

München St. A. 

München II. A. 

Nürnberg Kr. A. 

Paris 

Wien H. H. St. A. 

Wien Kriegs A. 



Literaturverzeichnis. 

(Schriften und Aufsätze, die nur Kompilationen sind, ebenso die Geschichten Baierns von Fulckenstein, 
Feßmaier, Milbiller, Schreiber, Schwann usw. sind nicht aufgenommen.) 



Der neubestellte Agent von Haus aus, mit allerhand curieusen Missiven, Brieffen, Memorialien, Statteten 
Correspondencen u. Commissionen nach Erforderung der heutigen Staats- u. gelehrten Welt. 
1., 2. Fonction. Freyburg 1704 — 6, bey Joh. Gg. Wahrmund. 

A xtel maier Stan. Reinh., Schaubühne der Rebellionen, Augsb. 1706 wird von Hofmann, Rusticus sedi- 
tiosus als eine seiner Quellen bezeichnet. Nach Sepp, Bauernkrieg, S. 344 verschollen. In der 
Hof- u. Staatsbibl., sowie in der Univ.-Bibl. befindet es sich nicht. 

Baur Samuel, Gemähide der merkwürdigsten Revolutionen, Empörungen. Verschwörungen usw.. 10. Bd. 
Ulm 1818. 

Der durch die Kayserlichen Waffen jiingsthin glücklich gedämpffte Bayerische Baute n -Krieg, Be- 
stehende In unterschiedlichen curiösen Briefen, welche ein Kayserlicher Officier aus München an 
einen vornehmen Hoff- Bedienten nach Sachsen geschicket u. darinnen den unveimutheten Anfang, 
verwirrten Fortgang u. plötzlichen Ausgang dieser auffrührischen Händel umständlich beschrieben 
hat. Freystadt, bey Benjamin Wahrmund, Anno 1706. 

Beer Joh. Christoph, Neue Trauerbühne. 4 Bde. Nürnberg 1709 — 31. 

Aussfuehrlicher Bericht Über die In der Heyl. Christ-Nacht 1705 von den Rebellischen Bauern-Volck 
vorgenommene Belagerung der Statt München u. darauf! erfolgten harten Niderlag in dem Dort!' 
Sendungen, o. O. u. J. Abgedruckt bei v. Hormayr, S. 174. 

Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI, 4. Abh. 1 1 1 



XVIII 

Brunhuber Jos., Anteil der Urpfarrei Neukirchen an der Erhebung 1705. Miesbach 1907. 

Brunner Jos., Die Volkserhebung in der Oberpfalz während des spanischen Erbfolgekrieges. Sammler, 
Beilage zur Augsburger Abendzeitung, 1906. 

Buchner Andr., Geschichte von Bayern, 9. Buch. München 1853. 

v. Destouches Ernst, Münchener Bürgertreue. München 1880. 

Döberl Mich., Entwickelungsgeschichte Bayerns, 2. Bd. München 1912. 

Dreyer A., Die Sendlinger Mordweihnacht in Geschichte, Sage u. Dichtung. München 1906. 

Kid Ludw., Aus Alt-Rosenheim. Rosenheim 1906. S.-A. hieraus: Der Oberländer Aufstand im Mangfall- 
Gebiet. Rosenheim 1906. 

Eisenmann Jos. Ant., Kriegsgeschichte von Baiern von den ältesten Zeiten bis auf die gegenwärtigen 
Zeiten. 2. Teil. München 1813. 

Die Europäische Fama, welche den gegenwärtigen Zustand der vornehmsten Höfe entdecket, Tom. IV, 
42., 45., 47. Teil. 

Fastlinger Dr. Max, Balthasar Riesenberger, genannt „Schmied von Kochel" (Das Bayerland, 15. Jahr- 
gang, 1904, Nr. 26). 

— — ■ Zur Geschichte des Oberländer Bauernaufstandes 1705/06 (Forschungen zur Geschichte Bayerns XIV, 

201 ff.). 

— — Zur Geschichte des Oberländer Bauernaufstandes 1705/06 (a. a. 0., S. 318 ff.). Hier auch Namen- 

listen von Oberländern, die bei Sendung gefallen. 
Feldzüge des Prinzen Eugen. Herausgegeben von der Abteilung für Kriegsgeschichte des K. K. Kriegs- 
archivs, 7, 8. Bd. Wien 1881 — 82. 
v. Finsterwald H., Germania Princeps, 4. Abt. Frankfurt u. Leipzig 1749. 
Föringer, Ein Aktenstück zur Geschichte der Sendl. Schlacht (Bericht des Pflegers Alram v. Vallei). 

Oberbayer. Arch., 17. Bd. 
Gaisberger Jos., Der Aufstand des baier. Landvolkes gegen die Kaiserlichen im Fahre 1705, insoweit 

das Land ob der Enns dessen Schauplatz ward. Ztschr. des Museum Francisco-Carolinum. Linz 1843. 
Grassinger Jos., Geschichte der Pfarrei u. des Marktes Aibling. Oberbayer. Arch., 18. Bd. 
Gross Jak., Chronik von Simbach am Inn u. Umgebung. Verh. des hist. Vereins für Niederbayern, 

10. Bd. S.-A. Landshut 1864. 
Gruber F. J., Der starke Schmiedbalthes zu Kochel. Eine bayer. Volkslegende. München 1832. 2. Aufl. 

Augsburg 1849. 
v. Gumppenberg auf Wallenburg Wilh. Frhr., Die in der Sendlinger Schlacht am Christtag 1705 

gefallenen Bauern aus dem Landgerichtsbezirk Miesbach. Oberbayer. Arch., 4. Bd. 
Hartmann Aug., Hist. Gedichte aus der Zeit der bayer. Landeserhebung u. der Rückkehr Max Emanuels 

nach Bayern. Altbayer. Monatschrift 1899. 

— — Zwei Gedächtnisbilder aus der Zeit der bayer. Volkserhebung. Ebenda 1905. 
v. Heigel Karl Theod., Plingansev. Allgemeine deutsche Biographie, 26. Bd. 

— — Die Korrespondenz des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern mit seiner zweiten Gemahlin Therese 

Kunigunde u. ihren Eltern. Quellen u. Abhandl. zur neueren Geschichte Bayerns. München 1884. 

Die Gefangenschaft der Söhne des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, 1705—1714. Quellen 

u. Abhandlungen zur neueren Geschichte Bayerns. N. F. München 1890. 

Her. Urkundl. Beiträge zur Spezialgeschichte Bayerns. Verhalten des Klosters Ettal beim Bauern- 
aufstand im Dezember 1705. Oberbayer. Arch.. S. Bd. 

Hofmann Gg. Melch., Rusticus seditiosus. Dissertation. Giessen 1707. 

v. Hormayr Jos. Frhr., Die Mordweihnachten von Sendung (25. Dez. 1705). Taschenbuch für die vater- 
ländische Geschichte. N. F., 6. Jahrg. Braunschweig 1835. 

— — Die goldene Chronik von Hohenschwangau. München 1842. 

Huber Joh. Gg. Bonif., Geschichte der Stadt Burghausen in Oberbayern. Burghausen 1862. 
Imhof Andr. Laz., Neueröffneter Hist. Bilder-Saal, 8. Bd. Nürnberg 1712. 

Kisslinger Joh. Nep., Die Beteiligung der Pfarreien Egern und Tegernsee an der Sendlinger Schlacht 
im Jahre 1705 und das Votivbild in der Pfarrkirche zu Egern. Altbayer. Monatschrift 1899. 

— — Die Gelöbnisse der Teilnehmer an dem Treffen bei Sendung (1705) aus der Pfarrei Egern. Ebenda 1905. 

— — Chronik der Pfarrei Egern am Tegernsee. Oberbayer. Arch., 52. Bd. 



XIX 

Krämer G. C, Glänzende Züge au8 der bayer. Geschichte. Landau 1826. 

Lamprecht Joh. Ev., Beschreibung der k. k. oberösterr. Grenzstadt Schärding am Inn u. ihrer Um- 
gebungen. Wels 1860. 

(v. Lang Karl Heinr.), Alte Liebe rostet nicht. Betrachtungen aus altbaier. Geschichten von einem 
Neubaiern. Nürnberg 1832. 

ILindenschmit Wilh.), Geschichte der Sendlinger Schlacht, o. 0. u. J. München 1831. 

— — Des Historienmalers Wilh. Lindenschmit des Aelteren Jugend u. Bildungszeit bis zur Darstellung 

der Sendl. Bauernschlacht an der St. Margarethenkirche zu Untersendling. Altbayer. Monatschrift 

1906 u. 1907. 
Lukas Jos., Geschichte der Stadt u. Pfarrei Cham. Landshut 1862. 

Maier Mark., Denkwürdige Kriegsereignisse im k. b. Landgericht Eggenfelden. München 1820. 
Mannert Konr., Die Geschichte Bayerns aus den Quellen u. andern vorzüglichen Hilfsmitteln bearbeitet. 

2. Teil. Leipzig 1826. 
Massmann Hans Ferd., Der Heldentod der bayer. Landesverteidiger bei Sendungen, 1 Stunde von 

München, in der Christnacht des Jahres 1705. München 1831. 
Mayer Jos. Mar., Münchener Stadtbuch. München 1868. 
Meichelbeck Carol., Chronicon Benedictoburanum. Mon. 1751. 

Historia Frisingensis. Tom. 1, 2. Aug. Vind. 1724-29. 

Meindl Konr., Geschichte der passauischen Reichsherrschaft, des Marktes u. der Pfarrei Obernberg am 

Inn. Linz 1875. 

— — Geschichte der Stadt Braunau. Braunau 1882. 

— — Schützenobrist Joh. Gg. Meindl, der Student aus Altheim, u. der bayer. Bauernaufstand im Rent- 

amte Burghausen. Verh. des bist. Vereins für Niederbayern, 24. u. 25. Bd. 
Topor-Morawitzky Max Graf, Uebersicht der von dem Kloster Benediktbeuern für das allgemeine 
Landes-Defensionswesen im spanischen Erbfolgekriege aufgebotenen Untertanen usw. Oberbayer. 
Arch., 16. Bd. 

— — Beiträge zur Geschichte des Volksaufstandes in Niederbayern in den Jahren 1705 u. 1706. Verh. 

des higt. Vereins für Niederbayern, 8. Bd. 

Neckermann Georg, F. S. M. Miller, Pfarrer von Oberviechtach u. der Bauernkrieg in der südöstlichen 
Oberpfalz 1705 u. 17i)6. Bayerland 1906. 

-- — Ein Held im Priesterkleide. Ebenda 1907. 

Obermayr Jos., Die Pfarrei Gmünd am Tegernsee u. die Reiffenstuel. Freising 1868. 

Pamler Jos., Die Schlacht bei Aidenbach am 8. Januar 1706. Passau 1859. Bearbeitet von Gustav 
Ziegler. Passau 190>. 

Rastlos Johannes (Joh. Christoph Frhr. v. Aretin), Die Oestreicher in Baiern zu Anfang des 18. Jahr- 
hunderts. Ulm 1805. 

Reithofer Franz, Kurz gefasste Geschichte der k. b. Stadt Wasserburg, a. 0. 1814. 

Begründete Relation Ueber die bey dem Markht Aidenbach Freytag den 8. Jänner 1706 vorgangem' 
Niederlag der rebellischen Underthanen in Bayern, o. 0. u. J. Auch unter dem Titel: Ausführ- 
licher u. gründlicher Bericht von der bey der Marck Altenbach den 8. Januar 1706 vorgegangenen 
Niederlage der Rebellischen Bauren. o. 0. u. J. Abgedruckt bei v. Morawitzky, Nr. 7 und v. Hor- 
mayr, S. 190. 

Rieger Georg, Der Aufstand in Kelheim unter Math. Kraus. Bayerland 1906. 

Riezler Sigm., Geschichte Baierns, 7. Bd. Gotha 1913. 

Russy F. S., Die Helden der Schlacht bei Sendung 1705. Tölzer Amts- u. Wochenblatt 1863. 

J. S., Beiträge zur Geschichte der bayer. Volkserhebung im Jahre 1705. Das Aufkirchener Votivbild. 
Altbayer. Monatschrift 1900. 

Schäffler Aug., Zur Geschichte der oberbayer. Landeserhebung im Jahre 1705. Bist. Zeitschrift, 6. Bd. 

— — Die oberbayer. Landeserhebung im Jahre 1705. Würzburg 1880. 

Schels Alois, Des Georg Seb. Plingansers Bericht an den Churfürsten Maximilian Emanuel über den 
Aufstand des bayer. Volkes gegen die Oesterreicher in den Jahren 1705 u. 1706. Verh. des hist 
Vereins für Niederbayern, 8. Bd. 



XX 

Schels Otto, Zur Geschichte über Georg Seb. Plinganser. Verh. des hist. Vereins für Niederbayern, 

20. Bd. 
Schmid Alois, Geschichte des Bruderbundes der Zimmerleute in der Vorstadt Au, dessen heldenmütiger 

Kampf in der Schlacht bei Sendling für Fürst und Vaterland und daraus entsprungener Pilgergang 

nach dem Berg Andechs. München 1832. 
Schmidt Mich. Ign., Neuere Geschichte der Deutschen. Fortgesetzt von Jos. Milbiller, 10. Bd. 

Ulm u. Wien 1801. 
Schwäbl Joh. N., Georg Seb. Plinganser. Ein Beitrag zur Geschichte des spanischen Erbfolgekrieges 

in Bayern. Verh. des hist. Vereins für Niederbayern, 22. Bd. 
Sepp Joh. Nep., Die Kriegstaten der Isarwinkler. München 1874. 2. Aufl. Ebenda 1895. 

— — Der bayer. Bauernkrieg mit den Schlachten bei Sendling u. Aidenbach. München 1884. 

— — Zur Geschichte der bayer. Landeserhebung im Jahre 1705. Oberbayer. Arch., 42. Bd. 

— — Schmiedbalthes. Gelegentlich der Errichtung s. Monumentes. München-Regensburg 1900. 

— — Festschrift zur zweiten Jahrhundertwende der Schlacht bei Sendling. München 1905. 

v. Spruner Karl, Die Wandbilder des bayer. Nationalmuseums historisch erläutert. München 1868. 

Europaeisches Staatsarchiv, vorstellend die merkwürdigsten darinn vorgefallene Begebenheiten und 
Veränderungen in Kriegs- und Regiments-Sachen nebst dazu gehörigen Urkunden, BriefscbafTten 
und kurzen Anmerkungen. Frankfurt 1700. 

Monatlicher Staatsspiegel, 19. Bd., o. O., 1711. 

Stigloher Marcellus, Zur Geschichte der Sendlinger Bauernschlacht 1705. Beiträge zur Geschichte, 
Topographie u. Statistik des Erzbistums. N. F., 2. Bd. München u. Freising 1903. 

Theatrum Europaeum, Bd. 17, o. 0. u. J. (Frankfurt 1718.) 

Topor s. Morawitzky. 

Träger Joh. Andr., Hist.-topogr.-statistische Beschreibung von dem Markt- und Pfarrdistrikt Rotthal- 
münster. Passau 1830. 

Kurtz gefasster Curieuser Verlauf und Umständlicher Bericht Von der entsetzlichen Revolte und Re- 
bellion im Churfürstenthum Baje,rn, deren schieinigen Anfang, verwegenen Fortgang u. blutigen 
Ausgang betreffend. So geschehen Anno 1705 u. vollendet Anno 1706. Keiserstreu, Bey Peter 
Wohlgemuten. 

Gründliche Vorstellung, dass der wider Die Römische Kayserl. Majestät u. Dero höchstlöbliche Ad- 
ministration der Chur-Bayerischen Lande von den Unterthanen darinnen vorgenommene Aufstand 
unrechtmässig, Gewissen -loss u. hochstraffbahr sey, Zu Allerhöchstermeldter Kayserl. Majestät 
glorwürdigster Actionen Rechtfertigung; Dero unbillichen Feinde Widerlegung; Der Aufhetzer 
zu solcher Empörung Schande u. Confusion Und endlich zu gedachter Unterthanen heilsamen Ge- 
müths-Artzney Ans Tagelicht gegeben Anno 1706, o. 0. 

Das Votivbild in Hohenburg. Altbayer. Monatschrift 1905. 

v. Wallmenich Karl, Der Oberländer Aufstand 1705 u. die Sendlinger Schlacht. München 1906. 

— — Zur Geschichte des Oberländer Bauernaufstandes 1705/06. Forsch, zur Gesch. Bayerns, 14. Bd. 

— — Das Sendlinger Bauerndenkmal von 1911 u. die Auer Zimmerleute von 1705. München 1911. 
Westenrieder Lor., Beschreibung des Wurm- oder Starenbergersees. München 1784. 

— — Geschichte von Baiern für die Jugend u. das Volk. Herausgegeben von der bair. Akademie der 

Wissenschaften. München 1785. 
Westermayer Georg, Chronik der Burg und des Marktes Tölz. 2. verm. Aufl. Tölz 1891—93. 
Wolf Jos. Heinr., Bajer. Geschichte, 3. Bd. München 1832. 

Ziegler Heinr. Ans., Continuirter Hist. Schauplatz und Labyrinth der Zeit. Leipzig 1718. 
Zschokke Heinr., Baier. Geschichten, 3. Bd. Aarau 1816. 



1705, Jan. 5. Landshut. 

1. Johann Franz Ignati Freiherr v. Alt- und Neuen -Fraunhofen etc., kurfürstl. bair. 
Kämmerer, und Joseph Franz Xaveri Reichsgraf von und zu Freyenseyboltstorf etc., kurfürstl. 
bair. Kämmerer, Regimentsrat zu Landshut, Pfleger zu Mospurg und der Herrschaft Isareck, 
als der Landschaft in Baiern verordnete Rittersteurer Rentamts Landshut geben bekannt: Wie 
die unvermeidliche Notdurft erfordert, den vom Kaiser auf dieses Rentamt repartirten großen 
Quartierslast auch nach der in vielen tausend Gulden beschehenen Anlehensaufnahme nicht 
weniger mittels einiger Belegung der Stände zu bestreiten, um so mehr als neben den Städten 
und Märkten auch bereits der arme, ohnedies dermalen sehr bedrängte Untertan und der Welt- 
klerus hiebei proportionaliter beigezogen worden, damit die vom kais. Generalkriegscommissariat 
in Landshut von Zeit zu Zeit streng geforderten, fast unerschwinglichen Praestationes zur Ent- 
richtung des angesetzten Hybernalis 1 ) aufgebracht werden können, will man anders der von 
diesem Commissariat angedrohten unbeliebigen militärischen Exekution entübrigt sein, zur Ver- 
hütung welcher Extremität und allgemeinen von Gott verhängten Extraordinari Landsnot sich 
niemand, weder befreite Stände noch unbefreite Personen, entziehen soll noch kann, da auch 
diese täglich wachsenden Auslagen den schleunigsten Beitrag gleichsam ohne Verlierung einiger 
Minuten erfordern — demnach, wiewohl dieser Stand schon dadurch gravirt worden, daß die 
Grundherrschaft inzwischen für den collektirten unvermöglichen Untertan die Vorschießung tun 
mußte, wird nach Ordonanz des genannten Commissariats vom 28. Dez. kraft kaiserlichen Befehls 
auch der Stand der Ritterschaft und des Adels zu solcher Conkurrenz und zwar jeder mit dem 
nach dem Fuß von 1691 angesetzten Extraordinari ganzen Kriegs- oder Conditions-Steuerquantum, 
nämlich ein dem Grafenstand zugetaner mit 100, dem Herrenstand mit 75. dem Adel mit 50 fl. 
gezogen, welche Summen binnen 8 Tagen einzuliefern sind, widrigenfalls sie durch die Soldatesca 
executive eingetrieben werden. 

Druck. H.A. Generaliensammlung 1/11, f. 177. 

1705, Jan. 13. 

2. Mandat der Regierung Landshut (unterschrieben: Adam Caspar Freiherr v. Freyberg 
v. Hohenaschau etc., Kämmerer und Vizedom, dann Kanzler, auch andere Anwälte und Räte 
der Regierung allda). 

Im Dezember ist bereits eine Kriegsanlage von 15 fl von jedem ganzen Hof und dem 
Verhältnis nach von den übrigen Gütern, sogar die leeren Häusler eingeschlossen, auch ein 
bestimmtes Quantum von den Städten und Märkten und nicht weniger vom Weltklerus ausge- 

') Unter dem 15. Dez. 1704 war der Landschaft ein Vortrag des Reichs-General-Kriegscommissariats 
mitgeteilt worden folgenden Inhalts: Wiewohl der Kaiser befugt wäre seine Satisfaktion für die Kosten 
und Schäden des Kriegs in den drei bayerischen Rentämtern zu suchen, wolle er doch die Clemenz vor- 
walten lassen und beschränke sein Begehren dahin, daß zur Unterhaltung der diesem Landesteil zuzu- 
weisenden kaiserlichen und Auxiliartruppen in allem 70000 Portionen für Mannschaft und Pferde auf 
sechs Wintermonate, jede Portion zu 5 Thaler, von den Rentämtern abgeführt weiden sollen. Von dieser 
(3 150,000 fl betragenden) Contribution seien binnen sechs Tagen 100 000 tl ä conto zu erlegen, v. Frey- 
berg, Pragmatische Geschichte der bayerischen Gesetzgebung und Staatsverwaltung I, 278. 

Abh. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl XXVI, 4. Abb. 1 



schrieben, hierin auch bereits einige Abschlags-Erlag bekommen worden. Da aber sowohl diese 
Anlage als die seither auf den Prälatenstand, Ritterschaft und Adel ausgeschriebene Kriegs- und 
respective Oonditionssteuer zur Abrichtung der erforderlichen Portionen, „die eine unerschwing- 
liche große Geldsumme auswerfen", bei weitem nicht erklecklich sind, man auch von Seite der 
Landschaft in Bayern mit einem auswärtigen Anlehen, womit man die bedrängten Städte und 
Untertanen in etwas zu subleviren vermeint, bis dato noch nicht aufkommen konnte, hingegen 
das Generalkriegscommissariat sehr scharf und bei Vermeidung militärischer Exekution auf als- 
baldige Abrichtung der restirenden Portionen für November und Dezember dringt, ist man wider 
Belieben genötigt, eine weitere Steuer oder Kriegsanlage auszuschreiben. Regierung und Land- 
schaft haben sich durch Conferenzen dahin verglichen, daß über die vorigen 15 noch 28, also 
zusammen 43 fl von jedem Hof und proportionsweise von den anderen Gütern sowohl der 
Gerichts- als llofmarksuntertanen ohne jeden Zeitverlust eingebracht werden sollen. Es bleibt 
bei voriger Meinung, daß der Grundherr eines znr Zahlung unvermögenden Untertanen pro 
interim dessen Kriegsanlage herzuschießen hat. Die Städte und Märkte werden zu Höfen an- 
geschlagen und haben gleichfalls von jedem für sie taxirten Hofe 43 fl zu erlegen. Die baye- 
rische Münze wird nur bis zum letzten Januar für voll angenommen, dann reduzirt. Über 
Pressuren der Truppen sind genaue Berichte zu erstatten. Die drei privilegirten Stände und 
der Weltklerus werden mit einer ganzen Conditions- oder Standsteuer belegt, nach dem bis- 
herigen Fuß, wie es 1691 zuerst und dann öfters ausgeschrieben worden, bei Vermeidung 
militärischer Exekution durch jede Ortsobrigkeit einzubringen. Die Sache ist so pressant, daß 
sie keinen Aufschub erleidet. 

Druck. München, St.Bibl. 

1705, März 11. München. 

3. An die Gerichte Dachau, Aichach, Rhain, Schrobenhausen, Pfaffenhofen. Demnach vor- 
kommen, daß die kaiserlichen Husaren in dem Heraufmarsch hin und wieder auf den Dörfern 
und abgelegenen Orten auf Collekten herumstreifen und unzulässige Exactiönes und Exorbitantion 
verüben, sind diese streifenden schädlichen Parteien auf Betreten gleich handfest machen zu 
lassen und darüber Bericht zu erstatten, damit wir die Sache an die kais. Generalität selbst 
gelangen lassen können. 

R.A. Gen.-Sammlg. Nr. 9, f. 342 v. 

1705, März 21. Landshut. 

4. Die zur Untersuchung der von der Miliz beschehenen Excesse verordneten Commissarien 
(ungenannt) veröffentlichen Informationspunkte zur Conscribirung der militärischen Excesse im 
Marsch und in Quartieren vom 1. Nov. 1704 — ult. Aprilis 1705, da die Conscriptiones dieser 
Excesse so unrichtig, uuklar, confus und unzeitig einlaufen, daß nicht möglich daraus zu 
kommen ist. 

Druck. R.A. Gen.-Sammlung 1/11, f. 196. 

1705, April 4. 

5. Instruktion für Maximilian Karl Grafen v. Löwenstein als kais. Administrator in Baiern. 
in den Rentämtern Landshut, Straubing, Burghausen. 

Er hat seine Station in Landshut zu nehmen, die Huldigung in Landshut persönlich, an 
den anderen Orten durch Bevollmächtigte vorzunehmen. Die Landstände und Untertanen sollen 
„bei gutem Wesen conservirt", die Cameraleinkünfte wohl verwaltet, die Contributionen ordentlich 
verteilt und eingebracht, im Lande gute Ordnung gehalten, Excesse des Kriegsvolks eingestellt 
werden. Es werden ihm einige taugliche und erfahrene Subjekte aus dem Hofkriegsrat wie aus 
der Hofkammer und dem Kriegscommissariat beigeordnet. Da die Regierung und Kammer in 



diesen Ämtern wohl eingerichtet und instruirt ist, soll es zur Zeit dabei sein Bewenden haben; 
wo er aber verdächtige und untaugliche Beamte findet, soll er darüber berichten. Es dürfen 
keine im Dienste geduldet werden, die zugleich dem Kurfürsten oder der Kurfürstin von Baiern 
Diener sind und bleiben wollen. Ein Rekurs der Parteien nach München kann nicht mehr 
geschehen. Er soll sich überlegen, wie ein besonderes Appellationsgericht bestellt werden kann, 
falls so viele Sachen vorkommen. Sowohl hiezu als wegen sonstiger Ratstellen, Pfleger und 
anderer vornehmer Ämter, die erledigt werden, hat er Vorschläge zu machen. Die böhmischen 
Lehen im Lande sind im Einvernehmen mit der königl. böhmischen Appellation zu Prag zu 
rekognosziren. Nach dem Vertrage 1 ) soll viel Pulver, Proviant und anderes aus den Magazinen 
und Zeughäusern veräußert oder verborgen worden sein. Diesen Dingen ist nachzuspüren. Die 
aus Tirol entführten Sachen 2 ) sind unverzüglich zurückzustellen. Die Kriegscontributionen sind 
ohne allzugroße Bedrückung des Landes den Sommer hindurch einzubringen, damit sie für den 
Krieg in Italien verwendet werden können. Damit die Sicherheit und Ruhe des Landes bewahrt 
werden, hat der Administrator von den Ständen und Einwohnern des Rentamts München einen 
Eid nach beigelegtem Muster 3 ) abzufordern und zu verordnen, daß das Land entwaffnet und 
die Waffen an sichere Orte gebracht werden. Die freie Correspondenz nach Frankreich und 
den Niederlanden ist zu verbieten. Räte und andere Beamte dürfen nicht ohne besondere Er- 
laubnis nach München ab- und zureisen. Untertanen, die aus den drei Rentämtern entwichen. 
haben sich bei Strafe der Confiskation ihrer Güter wieder bei Haus und Hof einzufinden. Alle 
im Rentamt München sich noch aufhaltenden Offiziere und Soldaten von fremden Nationen sind 
auszuschaffen , die einheimischen aber zu verpflichten, daß sie nicht mehr gegen den Kaiser 
Kriegsdienste nehmen. Die Posthalter oder Postillone, die hin und wieder vom Kurfürsten, in 
Sonderheit auf anderer Fürsten und Stände territorio in der gewöhnlichen Reichspostroute ange- 
stellt wurden, sind abzustellen und an deren Stelle von Unserem üeneralreichspostmeister andere. 
Uns verpflichtete einzusetzen. Der Administrator soll dann und wann unter anderem Vorwand 
eine vertraute Person nach München schicken, um dort das Verhalten des Hofs und der Beamten 
zu beobachten. 

Wien, H. H. St. A. Administration in Haiern. 



1705. April 8. Wien. 

6. Der kais. Hofkriegsrat an die Statthalterei in Innsbruck. 

Leopold etc. Uns ist von Unserem hiesigen Hofkriegsrat hiuterbracht worden, wasmassen 
bei jüngstem Durchmarsch Unseres württembergischen Regiments z. F. sehr viel bairische neu- 
geworbene Rekruten durchgegangen wären, wozu auch selben Unsere Untertanen in Tirol allen 
Unterschleif gegeben hätten. Wann Uns derlei strafmäßiges Beginnen zu verstatten keineswegs 
gemeint, ist hiemit Unser ernstlicher Befehl, daß Ihr Unseren Landsuntertanen solch sträfliche 
Unternehmungen fürdersamst ab- & einstellen, die Delinquenten aber auf ihre Betretung zur 
verdienten Strafe ziehen lassen sollet. 

Wien, Kriegsarchiv, V. A. 1705. 

') Vertrag von llbesheim, 170t, Nov. 7. 

a ) Bei dem Einfall in Tirol 1703 hatte Max Emamiel einen Teil der berühmten Kirnst- und Alter- 
tiimersammlung des Schlosses Amras (das beste war geflüchtet worden) und Kunstwerke aus Innsbruck 
erbeutet und nach Baiern schaffen lassen. Vgl. Riezler, Gesch. Baierns VII. 

3 ) Der Huldigungseid, der beiliegt, ist überschrieben: für die bairischen Landstände und Unter- 
tanen in den drei Rentämtern Landshut, Straubing, Burghausen. 



1* 



1705, April 20. Wien. 

7. Instruktion für den Kämmerer, Kammerrat und Administrator der landesfürstlichen 
Kameralien in Oesterreich ob der Ennß, Johann Friedrich Reichsgrafen und Herrn v. Seeau 
zu Milleuthen, Freiherrn anf Würting, Lizlberg und Moß. 

Er wird dem Grafen von Löwenstein, dem Haupte der Administration im Herzogtum 
Baiern, zur Respicirung und Dirigirung des dortigen Kameralwesens beigeordnet und in Er- 
wägung seiner guten condotta, Experienz und jedesmal zur Beförderung des kaiserl. Dienstes 
erwiesenen besonderen Eifers zum Commissarius cameralis ernannt und deputirt. Die in der 
Beilage begriffenen Hofkammerofficianten werden ihm mit- und untergegeben, um sich ihrer in 
concipiendo et expediendo, wie auch in Buchhalterei- und Kanzleiverrichtungen gebrauchen zu 
können. Sogleich nach Empfang dieses hat er sich nach Landshut zu begeben und dem Grafen 
v. Löwenstein, an den er mit geziemendem Respekt und Folgeleistung angewiesen ist, seine 
Instruktion zu communiciren, allen von Administrations wegen angesagten Beratungen seinem 
gebührenden Rang nach beizuwohnen, des Kaisers Dienst und Interesse in allweg zu beobachten, 
Sachen maioris momenti bei der Administration vorzubringen und darüber, wenn nötig, gemeinsam 
mit dem Administrator in einer Hauptrelation zu berichten. Über das bayerische Kameralwesen 
soll er umständige und verläßliche Nachricht einziehen, alles nach Ordnung beschreiben und 
angeben, wie in dem einen oder anderen Punkt nützliche Verbesserungen einzuführen seien. 
Da in Baiern bei den Gericht- und Pflegämtern „nobilitirte Personen ex specialibus motivis et 
meritis" aufgestellt gewesen, denen der Genuß dieser Amter mehr auf dem Gnadenwege als zu 
einer nötigen Besoldung vergünstigt worden, soll er erwägen, ob darin nicht eine Änderung 
getroffen werden soll. 3. soll er eine ausführliche Beschreibung, wie das Kamerale in Baiern 
unter dem Kurfürsten in allen Rent-, Pfleg- und Landämtern geführt worden, der kais. Hof- 
kammer, sammt der Instruktion sowohl der Münchener Hauptkammer, „wan solche zu über- 
kommen", als den Partikularinstruktionen der übrigen Beamten so bald als möglich einschicken. 
4. von allen Ober- und Unterbeamten über Taug- und Untauglichkeit „und welche zu besserer 
Ersparung reformirt oder in Diensten behalten werden könnten, auch was eines jeden Besoldung 
austrägt", verläßliche Nachricht einziehen, die behaltenen nötigen Offizianten in des Kaisers 
Pflicht nehmen, suspekte und dem kaiserlichen Dienst nicht allzu wohlgesinnte oder solche, die 
sonst die erforderliche Capacität und Integrität nicht haben, zeitlich anzeigen und das remedium 
vorschlagen. Wegen Ersetzung neuer oder künftig vakant werdender Kameraldienststellen ist 
des Kaisers Meinung, daß die officia leviora zwar ohne weitere Anfrage zum Besten seines 
Dienstes ersetzt, also jedesmal taugliche subjecta vorgeschlagen und des Kaisers Approbation 
durch seine Hofkammer eingeholt werde. Alle Kameralbeamten und Offizianten werden, wie 
sich von selbst versteht, mit dem Gehorsam an ihn und den Administrator gewiesen, alle Ver- 
ordnungen und Dekrete an sie haben von und durch ihn zu ergehen, doch mit vorhergehender 
Kommunikation und Gutbefinden des Administrators, auch, wo nötig und in wichtigeren Sachen, 
mit dessen Unterschrift. 5. soll er fleißige Nachricht einziehen, wie die kurfürstl. Soldatesca 
in Kriegs- und Friedenszeiten, in Feld, Besatzungen und Quartieren verpflegt worden und wie 
der Kurfürst seine Landmiliz aufgerichtet und erhalten habe. Item wie die Disziplin geführt 
worden und was die Bezahlung von beiden ausgetragen. Und weil vorkommt, daß die im 
Lande vorhandenen verschiedenen fabriquen dem Kurfürsten einen guten Nutzen abgeworfen, 
soll er sich 6. darüber gründlich erkundigen und Gutachten erstatten, ob nicht dergleichen 
auch in kaiserlichen Ländern mit Nutzen zu praktiziren wären. 

7. soll er sich informiren und berichten über das Rechnungswesen und „dessen jedesmal 
berühmt geweste gute Ordnung und Richtigkeit." 8. sind alle Rechnungen seit dem mit der 
Kurfürstin geschlossenen Traktat sogleich abzufordern und daraus ein Summari Extrakt für di& 
kais. Hofkammer abzufassen. 9. ist besonders notwendig zu sehen, was für ein methodus in 
der Landeskontribution und quanto militari in der kurfürstl. Zeit gehalten, zu welchen Terminen 
und wie viel jährlich eingebracht worden. Einesteils soll des Kaisers aerarium bellicum dies- 
falls nicht zu kurz kommen, andernteils aber „möge auch das Land in Prästirung derselben 



continuiren." Die gleiche Beschaffenheit hat es mit den Extraordinari-Prästationen, die unter 
dem Kurfürsten ziemlich ergiebig gewesen sein sollen. 10. ist zu untersuchen, was bei und 
nach Abschluß des Traktats hin und wieder an baarem Geld, Materialien, Wirtschaftseffekten, 
Kriegsrequisiten u. dergl. sich gefunden, wohin ein und anderes gekommen, auch ist in den 
Zeughäusern genaue Visitation und Inventur vornehmen zu lassen. Vor allem muß über das, 
was vom Traktat an bis jetzt von militärischen Kontributionen oder Kameralrenteu gezogen und 
für die kais. Miliz verwendet oder auch sonst per expressus erpreßt worden, eine exakte Er- 
forschung und ordentliche Berechnung mit dem Land gepflogen, alles wohl eruirt und die Ver- 
wendung stricte beobachtet werden, damit man nicht allein der kais. Miliz, was sie debite 
genossen, anrechnen, sondern auch respectu der Excesse das kais. aerarium bellicum indemnisiren 
könne. Alles soll durch die droben bestellte kais. Kriegskasse laufen, außer der keine andere 
Kasse sei. 11. ist bekannt, daß das negotium et commercium salis von der größten Wichtig- 
keit sei; hat auch die meiste Connexion mit den kais. Erbländern, „welche man künftighin 
mit Unserem eigenen kais. Salz und gänzlicher Exkludirung des bairischen, vordrist gegen 
Böhmen versehen, ja dessen Verschleiß in Baiern selbst, inmaßen bereits mit Straubing besehenen, 
so viel und so weit es immer möglich, extendiren, auch sehen muß, ob und auf was Weis sich 
etwa auch des Bertholdgadischen und Schellenbergischen Salzes zu prävaliren wäre." Beige- 
schlossen erhält er eine Nachricht über die des Salzhandels halber zwischen Bayern, Salzburg 
und Regensburg vorhin aufgerichteten Verträge. Die Einrichtung des völligen Salzhandels ist 
mit besonderer Attention zu traktiren. U. a. ist zu sehen, wie. auch wohin der Kurfürst vor- 
mals Transport und Verführung des Salzes habe bestreiten lassen. 

12. ist nicht weniger bekannt, daß in Baiern die Bräuhäuser jedesmal von den 
größten Einkünften gewesen; diese sind daher zu spezifiziren und genau zu beschreiben, 
auch anzugeben, ob und wie diese Gefälle zu melioriren sein möchten. Gutachtlich ist an 
die Hand zu geben, ob nicht dem Baron Poysl, als welcher in diesen Sachen wohl erfahren, 
auch gegen den Kaiser alle wahre Devotion haben soll, die Inspektion anvertraut werden 
könnte. 13. ist zu berichten über den Tabakaufschlag und sein Erträgnis und ob nicht 
noch andere dergleichen Aufschläge, „wie der bereits practicirende Waiz accis," ohne Schwierig- 
keit einzuführen seien. 1-1. ist anstatt des kurfürstl. allweg der kais. Papierstempel einzuführen. 
15. zu berichten, welchergestalt Kurbaiern die Kriegsgerätschaften, als Bomben, Granaten, eiserne 
Stück, Eisenwerk, Schanzzeug, auch wo und zu welchem Preis erzeugt habe, inmassen vorkommt, 
daß solches aus dem bekannten Fichtlberg mit sonderlichem Nutzen geschehen sei. IG. Aus dem 
Anschluß hat er des Kaisers Resolution über verschiedene bairische Münzsorten zu ersehen 
und weil ganz billig, alle weitere Ausmünzung zu München abzustellen, scheint nötig jemand 
eigenen im Namen des Kaisers aufzustellen, von dem alles Gold und Silber eingelöst und zur 
Vermünzung befördert werde. 17. Weil vorkommt, daß einige aus den Rentämtern Landshut, 
Straubing, Burghausen, in denen sie sonst ansäßig, entwichen und zu nicht geringem Abbruch 
der dem Kaiser zustehenden Kontributionen sich in das Münchener Rentamt zogen, ist diesen 
zu gebieten, sich unter Vermeidung schwerer Strafe sogleich wieder bei Haus und Hof einzu- 
finden. Widrigenfalls sind alle ihre Habschaften und Güter zu konfisziren. 18. Nach glaub- 
würdigen Nachrichten werden bairischerseits nach dem Traktat viel Pulver, Saliter, Proviant 
und andere zu den Magazinen und Zeughäusern gehörige Sachen veräußert, verborgen und sonst 
entwendet. Dem ist mit möglichstem Fleiß nachzuforschen und auf die Restitution zu dringen. 
19. Da das Rentamt München zu der bair. Kreisverfassung sein Kontingent nach dem vom 
Kaiser approbirton Reichsgutachten vom 17. Nov. 1702 und 11. März 1701 beizutragen hat. 
solches aber in Volk nicht geschehen kann, ist der Beitrag in Geld, nicht allein respectu der 
Aufwerbung, nach der Matrikularanlage 40 fl für einen Mann z. P. und 90 Taler für einen 
Reiter, sondern auch respectu des Unterhalts und der Verpflegung suo loco zu urgiren. 20. dir 
Kommissar hat zu verhüten, daß von niemand, wer es auch sei, ein Eingriff in das Kamerale 
geschehe. 21. was die verschwiegenen und nicht rekognoszirten oder sonst von Bayern unbefugt 
usurpirten Lehen, wegen welcher des Kaisers Königl. Böhmischer Fiskus suo modo interessirt 
ist, betrifft, sind die darüber vorhandenen documenta und Lehenbriefe genau durchzugehen und 
zu examiniren und in der Folge dem Kaiser das fernere an Hand zu lassen. 22. Die beiliegende 



6 

Spezifikation zeigt, was dem Kaiser von Seiten Baierns an Juwelen und anderen pretiosis 
unwidersprechlich zu restituiren, als worauf oder deren Ersetzung in aequivalenti in allweg zu 
dringen ist. 23. Er wird zu erwägen haben, ob nicht von jedem Beamten, nebst seinem etwa 
ohnedies haftenden Amtsdarlehen, jetzt gleich und zu Behuf der gegenwärtigen ungemeinen 
Necessitäten eine gutwillige, nach eines jeden Condition und Vermögenheit proportionirte Antici- 
pation gegen Versicherung der Wicderbezahlung „aus ihren respective verwaltenden Cameral- 
gefällen" zu beheben sein möchte. 

Das übrige wird seiner guten Dexterität, Erfahrenheit und Eifer remittirt, im Vertrauen, 
daß er seinen bekannten Eifer, Prudenz und Integrität auch ferner erweisen werde, insonderheit 
damit weder unnötige Besoldungen gereicht oder vermehrt, geschweige neue Salaria ohne 
Notwendigkeit eingefühlt, und mit einem "Wort: alles so „wirtschaftlich und gesparsam" 
als immer möglich angetragen werde. Übrigens hat der Kaiser bewilligt: 1. dem Admini- 
strator pro ordinario zur monatlichen Subsistenz oder Lifergeld 1000 fl nebst monatlichen 500 fl 
extra ord.. weil er doch seinem Charakter nach und sonst verschiedene Spesen zu machen haben 
wird; 2. dem Grafen v. Seeau 500 fl; 3. dem Kommissions Secretario Schmickl 200 fl; 4. dem 
n. ö. Buchhalterei Rechnungsrat Höller 180 fl, dem Buchhalterei Accessisten Rosenberger 90 fl 
und den zwei von Seeau „zum Abschreiben mitnehmenden Bedienten" 90 fl oder jedem täglich 
1 H 30 Kr. aus deroben eingehenden Gefällen reichen zu lassen. Wien, den 20. April 1705. 

Wien, H. H. St. A. Nach einer von Dr. Franz Feldmeier freundlichst mitgeteilten Abschrift. 

1705, Mai 25. München. 

8. Kaiserliches Steuermandat. 

Unsere in den bayerischen Quartieren stehenden Regimenter konnten in Ermangelung der 
bisher nicht zugänglich erhobenen Geldmittel weder mit den ihnen auf die 6 Wintermonate 
assignirten Portionen noch der ihnen höchst nötigen Montur versehen werden. Da jede Minute 
prätios ist, um den concertirten Operationen einen fruchtbaren Anfang zu geben und unsere 
alliirten Truppen allerseits schon in Bewegung sind, hätten wir alle Ursache, die rückständigen 
Prästationes in den drei Rentämtern mit allem Rigor eintreiben zu lassen, wenn wir nicht jeder- 
zeit auf die Conservation unserer Stände und Untertanen, so viel nur immer möglich, mitleidigste 
Rücksicht nehmen würden. Es wurde daher auf ein anderes Mittel angetragen und mit Ein- 
verständnis unserer lieben, getreuen Landschafts -Verordneten, Commissarien und Rechnungs- 
aufnehmer resolvirt, daß von allen geistlichen und weltlichen Ständen wie den gesammten Unter- 
tanen in den drei Rentämtern eine durchgehende Extraordinari Kriegssteuer und zwar unfehlbar 
innerhalb 8 Tagen eingebracht und zu unserer Landschaft Steuerämtern geliefert werde, wozu 
man sich um so leichter vorstehen wird, als dadurch die bisherige Quartierslast und was dem 
sonst Beschwerliches anhängt, von den Achseln gehoben und Zeit und Gelegenheit zur Respi- 
ration gegeben wird. Einige Entschuldigung, „samb einer sein völlige Portionen erlegt und gut 
gemacht hätte", können wir dermalen nit annehmen, sondern jeder ohne einzige Ausnahme 
hat diese Anlage zu entrichten, jedoch sich zu vertrösten, daß, wenn sich auf vorgenommene 
Abrechnung ergibt, daß dieser oder jener sein Quantum (schon vorher) erlegt, ihm dieses bei 
etwaigen künftigen Anlagen abzuziehen sei. Bei der Bezahlung dieser Steuer sollen sich die 
Untertanen nicht auf ihrer bisher vermerkten, ja fast in eine Gewohnheit gezogenen strafwür- 
digen Langsamkeit, Nachläßigkeit, ja wohl gar untergeschlichener Eigennützigkeit betreten lassen. 
Gegen die Übertreter ist mit militärischer Exekution zu verfahren. Damit den Untertanen kein 
Unrecht geschieht, sind ihnen ohne Entgelt die gedruckten Steuerzettel zu erteilen. 

Einblattdruck. München, St. B. 



1705, Juni •">. München. 

9. Josephus etc. Allen Rentmeistern, Pflegern, Pflegsverwaltern, Hofmarchsrichtern und 
allen Beamten wie nicht weniger denen von gemeiner Landschaft und allen Ständen, auch allen 
Untertanen insgemein im Rentamt München, dann denen, so anderer Orten seßhaft, aber in 
diesem Rentamt Renten, Güten und Einkünfte haben. Die Lande zu Baiern sind inhalts der 
Reichsmatrikel zu ihrem Reichs- resp. Kreis -Contingent eine gewisse Anzahl Mannschaft z. Pf. 
u. z. F. zu stellen schuldig. Da man noch nicht gefaßt wäre, diese herbeizuschaffen und zur 
Reichsarmee abzuführen, ist der Kaiser gemeint, diesen Abgang durch seine eigenen Truppen 
zu ersetzen. Zur Bestreitung dieser Ausgaben werden für alle geistlichen und weltlichen Stände 
und Untertanen im Rentamt München 1 l l% Extraordinari-Kriegssteuern ausgeschrieben, die bis 
auf St. Veits Tag ') unfehlbar eingebracht und zu den Landschaftssteuerämtern geliefert werden 
sollen. Allerdings ist bei der letzten vor Weihnachten ausgeschriebenen Anticipationssteuer den 
Ständen und Untertanen versprochen worden, diese ihnen an den heurigen Steuer- Reichnißen 
abziehen zu lassen, aber die Zeit und die höchst pressante Ausgabe leidet keineswegs dies 
dermalen zu verstatten. Den Übertretern wird militärische Exekution gedroht. 

Druck mit dem aufgedrückten kais. Secret-Insiegel. II. A. Gen -Sammig. Xr. 4, Bd. 6. f. 70. 

1705, Juni 14. München. 

10. Josephus etc. Da zur Herbeiführung des hocherwünschten Friedens unumgänglich er- 
forderlich ist, Unsere auf den Beinen stehende Kavallerie noch zu augmentiren und vor allem 
die unberittene Mannschaft beritten zu machen, soll in den vier bairischen Rentämtern durch 
eigens verordnete Commissarien unter Zuziehung jedes Ortsbeamten eine Anzahl Keiler- und 
Dragonerpferde, „so viel als immer sein kann", aufgesucht und den Regimentern übergeben werden. 

Den Klöstern. Hofmarksinhabern, deren und allen andern Unsern Untertanen, nicht weniger 
Pfarrern und Bürgern wird daher befohlen, zu der von den Commissarien benannten Zeit und 
Ort ihre tauglichen Pferde vorzuführen. 

Für ein Reitpferd werden 40, für ein Dragonerpferd 35 Reichstaler bewilligt. Die Stellung»- 
pflicht bezieht sich aber nur auf die Untertanen Unserer Klöster und Hofmarksinhaber, nicht 
auf deren eigene Pferde. 2 ) 

Unterschrieben: Max Carl Graf Löwenstein. 

R. A. Gen.-Saminlg. l/ll, f. 209. 210. 

1705, Juni IG. München. 

11. Mandat der kais. Administration, Rekrutirung betr. 

Josephus etc. 3 ) Welche Ungelegenheiten die Werbungen im Lande verursachen und wie 
hart der Landmann durch die fast nie zu verhütenden Exzesse hergenommen wird, ist Euch 
bekannt und geben die täglich einlaufenden Berichte zu erkennen. Wiewohl Wir auf Ein- 
führung des Ruhestands selbst bedacht sind, erfordert doch die unvermeidliche Notdurft bei 
gegenwärtiger Conjunktur „annoch wohl etlich 1000 Mann uneinstellig ins Feld zu stellen". 
Daher soll sogleich von je 4 Höfen dieser Lande ein tauglicher, jedoch nur blosser Mann, ohne 
Montur, gestellt und angeworben werden, wodurch die Rekrutierung einiger 1 < < 00 Mann nicht 
so difficil kommen wird. Nach der Stellung der Rekruten sollen dafür die Werbeplütze auf- 
gehoben werden. Für jedes Gericht ist eine zuverlässige Repartition zu machen und binnen 



') Juni 15. 

2 ) Unter dem 17. Juni wurde dieser Erlaß von der kais. Regierung Landshut .ex commissione 
f'aesareae Administrationis* für das Rentamt Landshut kundgegeben. Druck. A. a. O. f. 2l:i. 

') Auch alle folgenden Mandate der kaiserlichen Administration in Baiern tragen am Kopfe Namen 
und Titel des Kaisers, am Schlüsse: Ex commissione administrationis caesareae. 



8 

(! Wochen die völlige Mannschaft zu stellen. Jenen, die ihre Rekruten binnen 14 Tagen stellen, 
■werden für jeden tauglichen Mann 4 fl., binnen 4 Wochen 2 und im letzten Termin 1 fl. zu- 
gesagt. Auch werden denen, die einst aus dem Krieg mit einem Abschied zurückkommen, 
gewisse Privilegien erteilt: wenn ein aufgedingter Handwerks-Kerl seine Lehrjahre nicht völlig 
erstreckt hätte, daß ihm der Lehrbrief gleichwohl für die volle Zeit erteilt werde. Die Mann- 
schaft soll ohne jeden Zeitverlust „mit guter Manier und ohne Gewalt" aufgebracht werden. 
Wenn 10 Mann beisammen sind, sind diese abzuschicken. 

Einblattdruck. R. A. Generalien-Sammlung 1/11, f. 211. 

1705, Juni 22. 

12. Dem kais. llofrat in Baiern wird die von der Administration unter dem 9. huius 
erfolgte Signatur abschriftlich bekannt gegeben, kraft welcher alle Habe und Güter derjenigen 
hohen und niederen Offiziere, welche in Feindeslanden sich befinden, aus den drei Regierungen 
Landshut, Straubing, Burghausen dem kais. Fiskus angefallen sind und gegen sie nunmehr mit 
der wirklichen Confiskation verfahren werden soll. Zu dem Ende, damit er das weitere an die 
Regierungen ungesäumt ausfertigen lasse. Falls er aber vorher deßwegen eine Conferenz für 
notwendig befindet, ist man der Benennung einer beliebigen Zeit gewärtig. 

Signatum in consilio Camerae Caesareae. 

R. A. Generaliensammlung Bd. 9, f. 343. 

1705, Juli 3. 

13. "Von der kais. in Baiern angeordneten Administration wegen an alle hohen und 
niederen Offiziere. 

Die vor einiger Zeit ausgeschriebene Steuer ist ohne weitere Verzögerung schleunigst ein- 
zubringen und gegen die Renitenten „oder Morosen" mit der militärischen Exekution zu ver- 
fahren. Auf Vorweisung dieses offenen Patents und Requisition der Regierungen und Gerichte 
haben sie mit der nötigen militärischen Exekution durch Anordnung eines Corporals oder Ge- 
freiten mit 6 Mann oder nach Verhältnis mehr oder weniger beizuspringen. Der commandirte 
Gemeine hat 15 Kreuzer nebst der gewöhnlichen Naturalverpflegung von Bier, Brod und Fleisch, 
der Corporal oder Gefreite aber nach ihren Portionen so viel in Geld und zu ihrer Subsistenz 
den Naturalunterhalt ohne ihren Entgelt des Ordinari laufenden Solds anzusprechen. Aller 
übrigen Exzesse und unbefugter Forderungen, Vorspann oder anderer, haben sie sich zu enthalten. 

Druck. München, St. B. 

1705, Juli 8. München. 

14. Josephus etc. Lieber Getreuer! Wir hätten uns nichts anderes versehen, als daß 
du den wiederholten Befehlen pflichtschuldigsten Gehorsam leisten, mithin die vor geraumer 
Zeit ausgeschriebene ganze Steuer mit militärischer Exekution einbringen würdest. Weil wir 
aber die dem ganzen Reich so hoch angelegene Operation mit Movirung der noch wegen Geld- 
mangels zurückgehaltenen Mannschaft nicht machen, den so strafbaren Saumsal aber in diesem 
höchst importanten Werk „mit verweilter Steuer- Einheischung" nimmermehr gestatten können. 
ist der ernstliche und zugleich letzte Befehl, daß du die bereits eingebrachten Gelder angesichts 
dessen zu dem Landsteueramt einschicken und gegen die Restanten, sowohl landgerichtliche als 
hofmarchische Untertanen, ohne einigen Respekt mit der militärischen Exekution verfahren sollst. 
Wofern binnen der nächsten vier Tage die Sache nicht völlig richtig gemacht ist, wird für 
den Rest der landgerichtlichen Untertanen durch einen von Unserer Regierung abgeordneten 
'Commissär gegen deine eigene Person und dein Vermögen verfahren werden. Die Rückstände 
<ler hofmarchischen Untertanen hast du auf weitere Befehle von Unseren Regierungen gleich 



bei den Herrschaften selbst executive einzubringen, wobei jedem offen steht, sich des Erlegten 
wieder beim Schuldner zahlhaft zu machen oder es durch militärische Exekution bei ihm selber 
zu erholen. Zu diesem Ende ist den Hofmarchsherren. welche die Miliz zur Exekution ver- 
langen, diese sogleich ausfolgen zu lassen. 
Druck. München St. Bibl. 

1705, Juli 24. München. 

15. Mandat der kais. Administration, Rekrutirung betr. 

Auf des Kaisers Verordnung, zur Verstärkung seiner Truppen von 8 Höfen oder, wenn 
diese bei den vorgewesten Feindseligkeiten ruinirt wären, von 12 Höfen nur einen Mann zu 
stellen ist die Repartition der Gerichte nach dem Anschluß verfaßt worden, damit jedes Gericht 
wissen möge, wohin es die da und dort aufgebrachte Mannschaft außer seiner weiteren Gefahr 
in die nächstgelegene Postirung an den daselbst kommandirenden Offizier zu übergeben habe. 
Was sich auch von jenen versteht, die lieber der Werbung überhoben werden und bei der 
Unmöglichkeit mit der Mannschaft in natura aufzukommen, anstatt der Handgelder und Liefe- 
rungskosten dem in jedem Gericht bestellten Pflegskommissar oder Verwalter die deßwegen 
verglichenen 16 fl. gegen seine Quittung erlegen wollen. Nachdem aber für diese Zahlung 
und die Lieferung der Mannschaft, um desto eher die Kommandirten aller Orten aus dem Land 
zu bringen, der letzte Termin auf den 10. August angesetzt ist, sollst du verfügen, daß in dem 
dir anvertrauten Gericht müßige und außer Dienst stehende Leute hervorgesucht oder durch 
das Loos von den 8 Höfen eine ledige und taugliche Person für einen Soldaten dem Kaiser 
zu dienen erwählt und dadurch der angesetzte Numerus ohnnachlässig geliefert werde. Die 
Quittungen der Offiziere über die gestellte Mannschaft sind an den im Rentamt subsistirenden 
kais. Kriegskommissar oder diese und die statt der Mannschaft eingegangenen Geldmittel gegen 
den 10. August hierher zur kais. Administration einzuschicken. 

Druck. R. A. Generalien-Sammlung 1/11, f. 217. 

1705, Aug. 1. München. 

16. Josephus etc. Die im Land regierenden Burschen und verdächtige abgedankte Miliz 
bedrängen die Untertanen mit Gelderpressung und Gewalttätigkeiten. Es ist schon dahin ge- 
kommen, daß sie sich in Haufen zusammen rotten, bei Tag in Wäldern aufhalten, nächtlicher- 
weile aber auf die Einöden und Dörfer einfallen und von den Untertanen unter Bedrohungen, 
auch wirklicher Gewalt Geld erpressen. Niemand darf diesen Leuten Unterschlupf geben, sie 
sind vielmehr bei Gericht anzusagen und von dort unter Zuziehung der auf das Land gelegten 
Miliz aufzuheben und in verschlossene Orte zu liefern. Gegen Zuwiderhandelnde soll mit 
exemplarischen Strafen, wohl gar Landesverweisung eingeschritten werden. Ex commissione 
administrationis caesareae. 

Druck. R. A. Generaliensammlung, Nr. 1, ISd. 11, fol. 221. 

1705, Aug. 4. 

17. Josephus etc. Über das Anlangen des Ritterstands die Quartierlast betr. wurde Uns referirt. 
Gleichwie es niemals eine andere Meinung gehabt, als daß die bisherige Quartierstragung dem 
gesammten Ritterstande in seinen hergebrachten Privilegien nicht schädlich sein soll, so haben 
Wir auch bei dem jetzt bevorstehenden Wechsel der Garnison die Verordnung getan, „daß 
die Quartierstragung von dem Adel, auch anderen Hofbefreiten abgetan werde und deren Häuser 
und Wohnungen wie bisher auch künftighin befreit seien", inmassen Wir allergnädigst ver- 
sichern, daß Wir vielmehr einen gesammten Adelstand bei den hergebrachten und ihnen von 
Uns confirmirten Privilegien und Gewohnheiten manuteniren als ihm ein Widriges zufügen und 
ihn diesfalls bekränken zu lassen gedenken. 

R. A. Abschrift in Generalien 14, Bd. 1. f. 362. 
Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI, 4. Abh. 2 



10 



1705, Aug. 4. München. 



18. Mandat der kais. Administration. Erinnert an das Mandat vom 24. Juli. 1 ) Weil 
nun seither weder das Geld erlegt noch die Mannschaft gestellt worden, wird diese Resolution 
mit dem Anhang wiederholt, daß, wenn von Dir & den bürgerlichen Obrigkeiten, Hofmarks- 
inhabern oder deren Verwaltern die Mannschaft vorgeschriebenermaßen nicht an die ausgezeich- 
neten Orte geliefert oder das Geld dafür an die Administration erlegt wird, wir nach dem am 
10. d. M. zu End laufenden Termin mit der Exekution wirklich verfahren lassen werden. 

München, Kriegsarchiv. 

1705, Aug. 26. Wien. 

19. Der Hofkriegsrat an die Administration. 

Zufolge unseres letzthin wegen der Rekrutirung abgelassenen Gutbefindens hat man 
I. K. Maj. heute die Sachen bei gewöhnlicher Hofdeputation vorgetragen, worauf dann der 
Schluß erfolgte, daß man keineswegs das Land Baiern glimpflicher als die kais. Erbländer 
halten, mithin von der Naturalsteilung der Rekruten, bevorderst auf den ersten Termin abweichen, 
sondern solche quovis modo bewirken solle, wobei man aber den Offizieren mitzugeben hat, daß 
sie den werbenden Ständen beistehen sollen. Wenn aber wegen der Montirung einige Schwierig- 
keit sich ereignete, so stehen den bair. Ständen die böhmischen Länder offen, von woher die 
Montirungssorten weit wohlfeiler als zu Augsburg zu erzeigen, zu dem daß die Administration 
hiebei auch zu erwägen hat, daß hiedurch das Geld in die Erbländer gebracht werde. 

Wie aber die Montirung, das Seitengewehr aus einem Bajonett oder sonst neben der 
Patrontasche bestehen soll, werden der Regimenter kommandirte Offiziere an die Hand zu geben 
wissen, wobei es auch neben den zwei Antizipat-Monaten, wie solche die kais. Erbländer leisten 
müssen, sein Verbleiben hat u. keine Consideration zu machen ist, daß der Vater seinen Sohn 
oder Knecht nicht abgeben wolle, indem dergleichen Reflexion in den Erblanden wenig oder 
gar nicht, keinesfalls aber auf die, herrenlosen Bursche getragen wird, zumal solche mit Zwang 
der Offiziere leicht werden zum Gehorsam gebracht & darin erhalten werden können. 

Demnach wolle die Administration in allweg bedacht sein, daß I. K. Maj. Wille & des 
gemeinen Wesens Anliegenheit ohne weitere Consideration vollzogen werde, in Anbetracht daß 
gar zu viel daran gelegen, hiegegen auf Baiern keine andere Reflexion zu machen, als selbiges 
in so weit genießen zu können, daß es hinkünftig dem Kurfürsten unnutz sein solle, wobei 
auch wohl dahin zu gedenken, wie die kais. Erblande über allen anderen Praestationen u. Con- 
tributionen, auch ausgestandenen feindlichen Einfällen dennoch neben den Rekruten auch 
6000 Remonten in natura oder Geld geben müssen, ob nicht ein gleiches nach der Proportion 
auf Baiern in Barschaft angelegt werden könnte u. sollte. Dies alles wird der Administration 
zur Erwägung überlassen, wobei die hohe Not, die gemeinsame Anliegenheit I. K. Maj. Interesse 
u. Dienst zu beherzigen, da mit allen Mitteln dahin zu trachten ist, das man vor allem in 
Italien die Superiorität der Waffen erhalte. 

Wien, H. H. St. A. 

1705, Sept. 2. München. 

20. Mandat der kais. Administration. Die Erfahrung zeigt, daß bei der in den bairi- 
schen Landen auf den Beinen stehenden Miliz, wiewohl sie Quartier, Servis und andere Ver- 
pflegungen richtig genießt, die einen und andern trotz des abgelegten Eids ausgerissen und 
durchgegangen sind. Gegen solche und alle, die ihnen behilflich sind, ist mit scharfen Strafen 
zu verfahren, an den Gränzen und sonst fleißige Aufsicht zu halten, daß sie entdeckt und ver- 
haftet werden mögen. Jedem, der einen ausgerissenen Soldaten oder Unterschleipfgeber auftreibt 
und anzeigt, soll 10 fl Rekompens erhalten. 

R. A. Generaliensammlung I, Bd. 11, f. 228. 



*) S. oben Nr. 7. 



11 

1705. Sept. 4. München. 

21. Mandat der k. Adin. Es kömmt uns vielfältig vor. daß auf dem Land fast von 
jedem Quartier begehrt und dadurch die Untertanen nicht wenig bedrängt werden. Keinem 
darf ohne eine vom kais. Commissariat verfaßte und vorzuweisende Marschroute ein Quartier. 
noch weniger aber ein Vorspann, wenn es nicht solcher Marsch- und Etappenzettel ausdrücklich 
weist, verstauet werden. 

R. A. Generaliensammlung I, Bd. 11. f. 229. 

1705, Sept. 7. München. 

22. Mandat der k. Adm. Der Kaiser sieht sich bei den ihm und dem Römischen Reicli 
obliegenden dispendiosen Kriegsverfassungen, die er fortzusetzen gezwungen worden, bemüssigt. 
zu Behuf seiner gerechten Waffen und Bestreitung der unerschwinglichen Kriegsausgaben den 
Getreide-Accis, der in den an ihn gekommenen bairischen Landen schon vorher eingeführt 
war, 1 ) „zu intendierend anderweitigen Sublevierung des Lands", ohn -1 irgendwelche Ausnahme 
oder Unterschied, nach Anweisung der Patente von 1702, Okt. 26. und 1703, März 26. und 
Okt. 20. weiters einfordern zu lassen. Versieht sich also von den drei gehorsamsten Ständen 
und jedermann, daß jeder, der Getreide verkauft, verhandelt oder vertauscht, geistlichen wie 
weltlichen Stands, ohne einzige Ausnahme zu dieser, dem gemeinen Wesen zu gutem, auch zu 
anderweitiger Sublevierung des Lands angesehener Oblag das Gebührende getreulich beitrage, 
widrigenfalls empfindliche Bestrafung erfolgen soll. Ilofrat und Regiertingen wird befohlen, ob 
diesem Mandat mit allem Nachdruck zu halten. 

R. A. Generaliensaramlung I, Bd. 11, f. 232. 

1705, Sept. 16. 

23. Von d. Kaiser (Reichskanzlei) an d. Administration. 

Der Kaiser hat auf den ihm beschehenen Vortrag resolvirt, mit dem vorhin in bairischen 
Diensten gestandenen Obristleutn. Johann Heinrich v. Bärthels eine Capitulation aufrichten zu 
lassen, daß derselbe zu seinem Dienste ein Regiment z. Pf. von 12 Compagn. und zugehöriger 
Prima Plana anwerben und innerhalb 2 — 3 Monaten stellen, die Aufwerbungskosten aber 
„blosserdingen durch ein an handt gegebenes Extra Mittel solle bestritten werden " Die in 
allen 4 Rentämtern in Baiern befindlichen weltlichen Pfarrer sollen nämlich die Pferde oder 
das Geld dafür verschaffen, die übrige Notdurft aber die daroben befindlichen 70 Prälatenklöster 
entrichten. Wie dieser Extrafundus zu stabiliren, wie hoch dessen Betrag sein und was etwa 
über die Aufwerbungskosten und zu weiterer Disposition daran überbleiben möchte, sollen sie 
berichten. 

Wien, H. H. St. A. 



') Durch ein Mandat vom 9. Dez. 1704, das den Namen des Kurfürsten Max Kmanuel an der Stirn 
trägt, war er jedoch abgeschafft worden, .weil die Sach mit dem Landesdefensionswesen und mithin auch 
dem dazu alleinig destinirt gewesten Getreideaccis" durch das mit dem Kaiser nunmehr getroffene Ac- 
commodement von selbst in einen andern Stand gekommen. A. a. O. f. 170. 

Unter diesem „ Accommodemenf ist der am 7. Nov. 1704 zwischen der Kurfürstin und K. Joseph 
zu Ilbesheira geschlossene Vertrag zu verstehen, als Aussteller des Mandats nicht der Kurfürst, sondern 
die in seinem Namen handelnde Regentin, Kurfürstin Therese Kunigunde. Der Erlali galt selbstverständ- 
lich nur für das Rentamt München, das allein der Kurfürstin belassen worden war. 



12 

1705, Sept. 16. Wien. 

24. Vom Kaiser (Reichskanzlei) an die Administration. 

Aus den Berichten über das Quartierswesen in Baiern hat sich ergeben, welch große 
Confusion und Schädlichkeiten sich dabei finden, was meistens daher entspringt, daß anfangs 
über dieses Quartierswesen kein rechtes Systema gemacht, die vielfaltigen Verordnungen nicht 
beobachtet und den Excessen nicht gesteuert wurde. Vom Lande soll eine exakte Liquidation 
beigebracht werden, aus der zu ersehen, was das Land in Geld und natura prästiren sollte, 
was es wirklich abgeführt und von in Geld oder Naturalien über die Gebühr per excessus 
genossen hat. Die billigen Prästationen des Landes dürfen nicht verkürzt, noch weniger aber 
der Miliz mehr gestattet werden, als ihre ordonnanzmäßige Gebühr mit sich bringt. Die Excesse 
sind genau zu inquiriren und ihr realer Betrag zu spczifiziren, um so schleuniger als ein Teil 
der Truppen wie die Auxiliares außer Unserer Verpflegung kömmt, überdies viele Veränderungen 
durch Promotionen, Tod und anderes sich ereignen. 

Wien, H.H. St. A. 

1705, Sept. 22. 

25. Josephus etc. Die Gelder, so von den Höfen wegen Stellung der Mannschaft bereits 
eingebracht worden und bei den Gerichten noch vorhanden sind, sollen den Untertanen, die sie 
erlegt haben, zurückerstattet werden. Was noch nicht erlegt, ist auch nicht mehr zu fordern. 
Sonst aber hat Unsere liebe und getreue Landschaft die bereits erlegten und übersandten Gelder 
wirklich übernommen, welche sie den Untertanen und jedem besonders an der bevorstehenden 
Michaeli-Steuer wiederum abgehen lassen, auch darüber sowohl Unsere als ihre Beamten in- 
struiren wird. Die Beamten haben demnach Unserer Landschaft eine ordentliche Spezifikation 
einzusenden. Diese Verordnung geschieht in der Zuversicht, man werde sich bei dieser Be- 
schaffenheit um so eifriger zur Stellung der begehrten Mannschaft bequemen, da es ohnedies 
nur das Drittel von jeder Landfahnens-Hauptmannschaft anbetrifft und man widrigenfalls mit 
aller militärischen Schärfe hieran kommen würde. 

Ex commissione Administrationis Caesareae. 

Druck. R. A. Mandatensammlunc; 1/11, f. 233. 

1705. Sept. 26. München. 

26. Die Administration an den Pfleger zu Wasserburg und mutatis mutandis an alle anderen 
Landfahnens Hauptmannschaften Oberlands und Unterlands. 

Josephus etc. Lieber Getreuer! Dir ist bewusst, was wir an Dich unterm 9. diss wegen 
Stellung 198 Mann als das Drittel, so vormals aus dem Dir anvertrauten Landfahnen gestellt 
worden, für einen Befehl ergehen lassen; gleichwie aber Wir dermalen wohl Ursach hätten, 
das Ausbleiben der Mannschaft anders zu nehmen und einesteils deinem hierin nit genugsam 
erzeigten Eifer anders aber hierin gebrauchter Unbescheidenheit zu imputiren, so wollen Wir 
doch dermalen noch Unsere Güte gebrauchen und den vormals ausgeworfenen Termin noch auf 
den 8. künftigen Monats Octobris verlängert haben, doch solchergestalt, dass auf selben Tag 
an den Dir vorgeschriebenen Sammlungs-Platz die begehrte Mannschaft richtig und unfehlbar 
durch Dich gestellt werden, dagegen Wir keine Ausred annehmen, die Unterlassung deinem 
Saumsal oder anderer Uns zugegenführender Intention imputiren und via facti bei dem Amt 
eine andere Anstalt machen werden, inmassen Wir Uns precise an Dich zu halten gedenken. 
Indem aber an dem erfolgten Ungehorsam der Untertanen, wie teils eingelangte Berichte geben, 
Ursach sein mag, dass die anbefohlene Zusammenstellung der in den Gerichtern befindlichen 
Bursch änderst eingenommen, auch durch teils Beamte die Sach so unbescheiden angriffen worden, 
als ob es den Schein gehabt, dass alle ledigen Leut zu Kriegsdiensten genommen und abgeführt 
werden sollen, so freilich den Untertan irr machen und zum Weglaufen bewegen können, da 



13 

doch die Intention allein dahin geht, daß dermalen das Drittel von der vormals gestellten Mann- 
schaft, mithin aus deinem Landfänl allein die vorgeschriebenen 198 Mann hergestellt werden 
sollen, wozu ja nit nötig ist, dass der ganze Gerichts-Auf bot geschehe, als wird die Sach an 
ihm selbsten viel mehrers facilitiert und dem Untertan beigebracht werden können, wann Du 
dich der treffenden Repartition nach an die Dörfer und Gemeinden, Stadt, Markt, Klöster und 
Hofmarchen solchergestalten haltest, dass Du von jedem den treffenden Antheil zu stellen be- 
gehrst und sodann den gestellten Mann mit seiner erforderlichen Behutsamkeit abführst, inmassen 
Wir Dir auch hiezu Unsere Hand bieten, jene Klöster und Hofmarchen, so ihr treffendes Con- 
tingent nit gebürend liefern, darzu zu ihrer spaten Reue zwingen werden, da sodann Du die 
Auswahl leichterdingen aus denen Gerichts Dörfern nehmen und selbe distinctim dazu anhalten 
kannst. Auf diese Weis zweifeln Wir nit, es werde dem Untertan die ungleiche Impression 
leichtlich zu nehmen und selber um so mehr dahin verstanden sein, als gewiss ist, dass sehr viel 
abgedankte Bursch und andere unnutze Leut sich im Lande befinden, so dem nit wenig be- 
schwerlich, zu Kriegsdiensten aber annoch tauglich und den Untertanen, wo sie stecken, vorderist 
bekannt seind. Wann nun auf diese abgedankte, aber unnutze müssige Bursch von den Ge- 
meinden ein Fingerzeig gegeben wird, kann Dir nit schwer fallen, durch Gerichtsmittel mit 
ersagter Gemeinden Beistand selbe zu Händen zubringen und falls bei ihnen periculum fugae 
Vorscheinen sollte, diese auch geschlossen auf Wagen an den Sammelplatz liefern zu lassen. 
Da aber auf allen Fall so viel unnutze Leut von jeder Gemein nit zuhaben, davon doch die 
immer einlaufenden Berichte der Beschwerden voll seind, kann endlich auch durch das Loos 
da» Contingent, welches ohne dem nur bei den Dörfern etliche wenige oder nur einen und 
andern Mann trifft, herbei gestellt werden, anerwogen hierunter nit alle Bursch zur Stellung 
kommen und Wir gar wohl wissen, dass die Dörfer von selbsten nit also ausgeödet seind, dass 
darin nit soviel in Bauers Diensten vorhanden sein sollen. Bei den Hofmarchen wissen Wir den 
Inhaber schon zu finden, welchem diese Stellung um so weniger difficil fallen kann, als selbe 
ohne dem gar ein leidentliches trifft. 

Und weil Wir von dieser Unser Resolution keineswegs mehr abweichen und hieran keine 
Entschuldigung annehmen werden, als repetiren Wir an Dich annoch, Du sollest in diesem Werk 
dich solchergestalt aufführen, als es Unsere Dienste, deine abgelegte Pflicht und Treue erfordert. 
Du kannst aber auch den Untertanen, wann die bescheidene Vorstellung keinen Verfang nehmen 
soll, in Unserm Namen bedeuten, dass Wir sie auf den Weigerungsfall als Ungehorsame hiezu 
durch solche Zwangsmittel bringen werden, dass ihnen die Reue zu spat ankommen dürfte 
Inge^talten Wir dir hiemit dieses Unser gedrucktes Patent zu dem Ende beischliessen , damit 
du dich zu aller Begebenheit Unserer im Land und deiner Gegend befindlichen Soldatesca 
gebrauchen mögest. 

Sonsten aber wirst Du Unser gedrucktes Generale bereits empfangen und daraus ersehen 
haben, was es mit den gelieferten Stellungs-Geldern für eine Beschaffenheit, dabei dir unver- 
halten bleibt, dass Wir jedem Mann das versprochene Handgeld auf dem Sammlungsplatz 
richtig und baar auf die Hand geben werden, bis dahin du ihn bei der Abführung (mit welcher 
du sonderlich zu dem Nachtquartier auf geschlossene Ort anzutragen) etappenmässig mit einem 
Pfund Fleisch, zwei Pfund Brot und einer Mass Bier gegen Schein verpflegen zu lassen hast. 
Im übrigen allen bleibt es bei Unserem vorigen Befehl und versehen Wir Uns zugeschechen 
allergdst und seind dir anbei mit Gnaden gewogen. München den 26. 7bris anno 1705. 

Ex Commissione Administrationis Caesareae. 

Postscriptum. Auch, lieber Getreuer. Wir legen Dir hiemit bei die Repartition der jedem 
Gericht und Hofmarch zustellen treffenden Mannschaft, damit Du derentwillen keine Ausred 
nehmen, sondern auf selbe stricte halten könnest. Wie dann auch Unser in dem Befehl ex- 
primierte Intention nit allein auf Dich von Haubtmannschafts wegen, sondern alle Gerichtsbeamte, 
welche die Stellung unter deinem Fänl zu tuen haben, gemeint ist, dabei Dir zur Nachricht dient, 
dass Wir keinem, wer der auch sei, an dem ausgeworfenen Stellungsquanto einen Nachlass tun 
werden. Seind Dir anbei nochmal mit Gnaden gewogen. Actum ut in litteris. 

Ex Commissione etc. 
Wien, H. H. St. A. 



14 

1705, Sept. 29. München. 

27. Die Administration an die Reichskanzlei. 

Den sämmtlichen Gerichten ist aufgetragen worden, um die befohlene Stellung der 
:)000 Rekruten durchzuführen, nach dem Fuss des vormaligen kurfürstlichen Landfahnens sich 
die vagirenden u. die ledigen Burschen vorstellen zu lassen u. aus ihnen das repartierte 
Quantum, das ein Drittel des völligen Landfahnens ausmacht, in kriegsdiensttauglicher Mann- 
schaft herauszunehmen u. am 24. Sept. zur Musterung an die bestimmten Plätze zu überliefern. 
Man hoffte um so eher einen guten Erfolg, als man um 1000 Mann mehr gefordert hatte. 
Nach den einhelligen Berichten der Gerichtsbeamten aber, unter denen doch manche sind, die 
grossen Eifer und Applikation für Euer K. Maj. Dienst tragen u. bei denen keine Malice und 
andere Erdichtung anzunehmen ist, hat sich fast kein Mann gestellt, sondern die Burschen haben 
sich in das Gebirg, nach Schwaben und in das Neuburgische Territorium verlaufen, weil sie 
geglaubt, dass alle, die aufgeboten worden, zu Kriegsdiensten abgeführt werden sollten; andere 
haben sich damit entschuldigt, dass durch die vom Kurfürsten ununterbrochen vorgenommene 
Rekrutirung für die Landfahnen u. den daraus formirten Ausschuss, die fast bei allen vor- 
gegangenen Okkasionen zu leiden gekommen, so sehr zusammengegangen sei (sie), dass die Stel- 
lung der 3000 Rekruten dem Land fast unmöglich fiele; die meiste Sorge bestand aber darin, nach 
Italien u. ausser Land geführt zu werden, was auch diejenigen abgehalten hat, die sonst 
einen guten Willen zu Kriegsdiensten gehabt hätten. 

Man hat nun die benachbarten Fürsten u. Stände des Reiches ersucht, die flüchtigen 
Burschen aufzugreifen u. auszuliefern; ferner hat man die Stellung der Rekruten auf 8. Okt. 
aufs neue begehrt, die Beamten unter Bedrohung mit der Absetzung zu grösserem Eifer ange- 
frischt u. ihnen aufgetragen, von jeder Hofmark u. Dorfgemeinde ein bestimmtes Quantum zu 
fordern; für den Notfall ist ihnen militärische Hilfe zugesagt worden. 

Sollte aber der Landmann in seinem Ungehorsam beharren, so erwartet man eilfertigsten 
kais. Befehl, ob die Stellung durch die Truppen erzwungen u. wie weit der militärische Rigor 
angewendet werden soll. 

Wien, H. H. St. A. 

1705 (c. Anfang Oktober). 

Bittschrift der bairischen Landschaft an den Kaiser. 1 ) 

Im Auszug Theatr. Europ. XVII, 117. 

1705, Okt. 1. 

28. Die Administration an den Hofkriegsrat. 

Ratione der neuen Landrekrutierung scheint es, dass ohne Ankehrung einer militärischen 
scharfen Exekution ein schlechter oder gar kein Effekt zu hoffen ist. Ob aber auf dergleichen 
militärischen Rigor anzukehren dermalen ratsam oder tunlich, will man dem kais. Hof anheim- 
gestellt sein lassen; die Administration hat bisher alle hier obwaltenden Umstände zur Genüge 
remonstriert, sie wird aber jederzeit beeifert sein, die kais. Befehle, so viel menschenmöglich 
u. tunlich ist, zu vollziehen u. die dabei besorgliche Gefahr nach besten Kräften verhindern. 

Wien, Kriegsarchiv. 



!) Für die Datirung kommt in Betracht, daß sich die Delegirten der oberländischen Landschafts- 
deputation am 10. und 13. Oktober bereits in Wien befanden. S. unten und R A. 16/102. 



15 

1705, Okt. 2. 

29. Die Administration an Prinz Eugen. 

„Gleichwie man sich nicht mehrers als die Auf bring- und Herstellung der neuen Recrou- 
tirung gegenwärtig haltet, so hat man jedannoch ungeacht alles angewendten Fleiß und Appli- 
cation noch dato zu keinem Effect kommen können." Aus der beigeschlossenen Abschrift mag 
E. Durchl. zu ersehen geruhen, was die kais. Administration unterm 29. ersthin an Ihro Kais. 
Maj. in hac materia berichtet, 1 ) und wie man solchem nach den verträglichsten modum, diese 
Leute zu überkommen fürgesonnen, sodann den Termin der Herstellung ersagter Recrouten 
bis den 8. currentis extendirt habe; ob aber viel oder wenig an dem Postulat aufgebracht 
werden möchte, das steht zu erwarten; doch ist mehr der schlechte als bessere Fortgang zu 
präsumiren, wonach es alsdan auf die Execution des militar. rigor erwindete. Ob aber solcher 
bei dermaligen Umständen ratsam sei oder nicht, wird dem kais. Hof zur expressen weiteren 
Verordnung anheim gestellt * 

Wien, Kriegsarchiv. 

1705, Okt. 8. München. 

30. Die Administration an den Hofkriegsrat. 

Betreffend die neue Rekrutirung, so ist zwar der prolongirte Termin des 8. nunmehr 
eingetroffen, bis dato haben aber die Gerichte u. Hofmarken eine gar geringe Zahl der auf- 
erlegten Mannschaft zusammengebracht. Aus den eingelaufenen Berichten erhellt, daß die 
ledigen Burschen an verschiedenen Orten sich zu versammeln, mit Gewehr zu armiren u. der 
ankehrenden militärischen Gewalt mit Handbietung eines Gerichtes des anderen sich entgegen- 
zusetzen gedenken, worüber man bis dato noch dissimulirt, in Hoffnung, dass dieses Gesindel 
wieder auseinander gehen werde, damit man alsdann vielleicht noch zu dem Ziel gelangen 
möchte, derowegen man auch den Gerichten, die wegen militärischer Assistenz angefragt u. 
solche begehrt, noch die Realverfahrung in suspenso gehalten, auf dass man die etwa weiter 
einreissenden gefährlichen Folgen dadurch von selbst erlöschen machen möge. Anderen Ge- 
richten u. Hofmarken aber, die freiwillig die Miliz zu Händen gezogen u. nicht angefragt, tut 
man conniviren, um zu sehen, wie die Sache auf dem einen oder andern Weg sich 
anlassen wird. 

Wien, Kriegsarchiv'. 

1705. Okt. 8. Eggenfelden. 

31. Job. Philipp v. Menz, kais. Obrist Bärtls Regiments unter der Compagnie des Rittmeisters 
Richter bestellter Cornet berichtet und attestirt, daß er auf das kais. Mandat heute mit zwei 
Gerichtsamtleuten in ihre Amter hinausgereist und allda so viel gefunden, daß in den Bauern- 
höfen nicht ein einziger Knecht mehr anzutreffen, auch die Bauern selbst ganz verzweifelt und 
wie das wilde Vieh gewesen, zugleich auch bei dem sogenannten Edthofer ein ganzer Stadel 
voll und in dem Wirtshaus Hebertafeiden dergleichen zusammengerottete Burschen angetroffen, 
worunter ihm gleich 5 Mann beherzt unter das Angesicht gestanden und gefragt, was er ver- 
lange, und da er anfänglich sie ganz bescheiden angeredet, darauf aber mit einer Schärfe gedroht, 
sie gleich ungescheut mit Gegenwehr sich widersetzt. Ferner habe er vernommen, daß 
2 — 300 Mann beisammen stehen und sich noch immer vermehren, auch ein Schänzl aufge- 
worfen, dazu sich schon etliche abgedankte Soldaten und Vaganten geschlagen und unter 
ihnen wirklich einen übel genannten commandirenden Officier aufgeworfen haben sollen. 

München, Kriegsarchiv. 
') .S. oben Nr. 27. 



16 

1705, Okt. 8. 

32. Der Pfleger Jos. Wilh. Graf v. Königsfeld in Eggenfelden an die Regierung in Landshut. 

Bereits am 24. Sept. u. am 5. Okt. habe ich berichtet, daß die zur Landfahnen-Aus- 
musterung der 186 Mann beschriebenen Burschen sich ungehorsam gezeigt haben. Der hier liegende 
Cornet der Compagnie des Rittmeisters Richter vom Kürassier Rgt. Bartels hat sich erboten, 
mit seinen Leuten die Burschen in den Ortschaften aufzusuchen u. wegzuführen. Es hat sich 
aber von der Soldateska weder gestern noch vorgestern einer gebrauchen lassen, weil sie weder 
mit Montur noch mit Gewehr versehen seien; die Bürgerschaft, die ich aufgefordert, solches 
herzugeben, hat nichts gebracht. Es hat sich daher der Cornet entschlossen, mit 2 Amtleuten 
hinauszugehen. (Es folgt der Bericht des Cornets v. Menz, s. Nr. 31.) 

Diese zusammengerotteten Leute bedrohen den hiesigen Markt u. die Hofmarken Schönau 
u. Gern sehr stark. Die Ob- u. Amtleute sagen aus, daß die Burschen, als sie ihnen zum 
Erscheinen einsagten, durchgehends die Antwort gaben, dass sie sich lieber im Land massakrieren 
lassen und sterben wollten, als dass sie sich ausser Lands brauchen Hessen. Die ganze Bauern- 
schaft ist derart verwildert u. in Confusion, dass niemand mehr etwas anbauen und arbeiten 
oder das mindeste an Ausständen oder Steuern leisten will. Die Urbarsuntertanen haben mir 
ins Gesicht gesagt, dass sie weder Stift noch Getreidegilt zahlen können, da ihnen die Knechte 
u. Söhne davon gelaufen seien u. niemand mehr zur Arbeit vorhanden wäre. Wenn Ew. Maj. 
u. andere von ihnen etwas fordern wollen, so müssten sie selbst ausdreschen lassen, um sich 
bezahlt zu machen. Die Bauern haben sich auch schon unterstanden, die Amtleute u. besonders 
den Amtmann in Wurmannsquick zu warnen, daß er sich der Eintreibung der Abgaben oder 
Wegnahme der Burschen nicht mehr anmassen oder sich in einer Herberge sehen lassen sollte, 
wenn er nicht geschädigt oder gar massakriert werden wollte. Dem hiesigen Amtmann wurde 
von einem Bauern, von dem er die Stellung des Vorspannes forderte, gedroht, er solle sehen, 
wenn er wieder in seinen Hof komme, wie er alsdann hinauskommen werde. 

Bei den Bauern u. Bürgern ist jetzt alles so verwirrt, dass Beamte und Amtleute ihres 
Lebens nicht mehr sicher sind; die -Untertanen leisten nicht im mindesten mehr Gehorsam; es 
ist nicht ein Heller gütlich oder mit gerichtlicher Exekution einzubringen; als zur Bezahlung 
der ausständigen Steuern ein Tag ausgeschrieben wurde, ist niemand erschienen; sie haben 
vielmehr ganz frei den Amt- und Obleuten zur Antwort gegeben, sie seien ganz verarmt & 
ausgesaugt, sie könnten u. möchten nichts geben, man solle ihnen nur das Leben nehmen, das 
sei ihnen lieber, als so gepresst zu werden. Dass niemand mehr gehorchen will, zeigt, dass 
sogar die hiesigen Kornmesser, sogenannte Bürgerdiener, sich weigern den Eid wegen des neuen 
Getreideakzises abzulegen; sie sagen, sie wollten lieber als Tagwerker oder Bettler gehen als 
des Akzises halber schwören; es findet sich auch niemand, der ihren Dienst übernehmen will. 

Aus Furcht u. Verwilderung traut sich fast niemand mehr vor den Markt hinauszugehen. 
Ich höre, dass die gleiche Confusion im Gericht Neumarkt, das zum hiesigen Landfahnen gehört, 
herrscht. Wenn keine militärische Exekution angeordnet wird, kann sich kein Beamter oder 
Amtmann mehr gebrauchen lassen. 

Kriegsarchiv München. Gedruckt in Verhandlungen d. Hist. Vereins f. Niederbayern IX, 1863. 

1705, Okt. 10. Landshut. 

33. Von der gemeinen Landschaft in Baiern Unterlands an die Regierung in Landshut. 

Auf die Nachricht von den Vorgängen in Eggenfelden wurde die Landschaft von der 
Regierung aufgefordert, Vorschläge zur Vorkehrung solchen Uebels zu machen. Die Landschaft 
bittet die Regierung bei der Administration zu beantragen, dass für diesmal die Ausmusterung 
eingestellt werde, da, wenn mit Exekution und Gegengewalt verfahren werden würde, dem 
rasenden Bauers- u. Bürgersvolk nur Anlass gegeben würde, in noch weitere Verwildung zu 
verfallen u. eine Generalrevolte zu besorgen wäre. Sollte aber mit der Musterung fortgefahren 
werden, so würde es den Untertanen unmöglich fallen, wenn sie es auch gerne tun wollten, 



17 

die Ausstände u. andere Gelder herzugeben, da alle Knechte u. Söhne von den Häusern ent- 
laufen sind u. sich in den "Wäldern oder bei den Rottirungen aufhalten, so dass der allein 
hinterbliebene Hausvater untüchtig gemacht wird, das Getreide auszudreschen u. das Schuldige 
zu geben. 

München. R. A. Beilage C zu Nr. 34. 

1705, Okt. 10. Landshut. 

34-, Verordnete und Commissäre Unterlands gemeiner Landschaft in Baiern an die Verord- 
neten der Landschaft des Oberlandes. 

Welche gefährliche und weit aussehende Sach vom Pfieggericht Eggenfelden sowohl an 
die hiesige Regierung als an uns und das hiesige Rentamt durch eigenen Boten heute über- 
schrieben und von dem dortigen Offizier bezeugt worden, ist aus den Beischlüssen A und B 1 ) 
zu ersehen. Aus Anlaß der vorhabenden Musterung hat sich das Landvolk actualiter opponirt, 
in ansehnlicher Zahl zusammen rottirt. sich um Gewehre beworben, zu ihrem Vortl ein Schänzl 
aufgeworfen, „einen Anführer und Offizier" bestellt und unter größter Bedrohung erklärt, weder 
der Musterung noch den Geldprästationen pariren zu wollen. Die Regierung hat sogleich mit 
uns conferirt und unsere (sub litera C 1 ) beifolgende) Meinung verlangt, sodann durch eigenen 
Boten die Sach an die Administration gelangen lassen. Wir ersuchen nun Euch, nicht weniger 
von Landschaft wegen bei der Administration vorstellig zu werden, da vielleicht auch bei Euch 
im Oberland dergleichen zu befahren sein möchte, und Resolution zu erbitten, wie diesem großen 
Uebel vorzukommen sei, auch ohne Verzug diese importante Sach an die Landschaftsdelegirten 
nach Wien gelangen zu lassen. Bei dieser unverhofften Beschaffenheit der Sach lassen wir 
Euch erachten, wie die Einholung der so eifrig verlangten Gelder fortan geschehen könne. 
Wir waren und werden immer eifrigst beflissen sein, das möglichste beizutragen, aber in dieser 
Verwirrung kann uns nicht verdacht werden, wenn wir nicht sukkurriren können. Nach dem 
Verhältnis „des durch das Hybernale ruinirten und auch zu helfen fast unmöglichen" Rentamts 
Burghausen möget Ihr die Abmessung und Richtschnur unserer zwei desolirten Rentämter nehmen. 

München, Kriegsarchiv. 

1705, Okt. 13. München. 

35. Die Verordnung Oberlands an die Verordnung Unterlands. 

Eurem Verlangen und eigenem Gutfinden gemäß haben wir des gefährlichen Aufruhrs 
halber gestern sogleich bei der hiesigen Administration die Sach mündlich vorgestellt und dabei 
den unvorgreiflichen Vorschlag dahin machen lassen, es möchte belieben, einen Commissarium, 
so der Uofkammer Rat Rißner sein könnte, nach Eggenfeldten zu senden und diesen zu instruiren, 
den Untertanen in aller Güte vorzustellen, daß die Stellung der Mannschaft nit alle ledigen 
Bauernsöhne und Knechte, sondern in der Zahl das Gericht Eggenfeldten nur so und so viel 
betreffe, item daß dieser Soldatendienst nit für beständig, sondern nur etwa auf ein oder höchstens 
2 Jahre angesehen sei, sodann sie wieder entlassen und indessen mit Montur und anderem richtig 
verpflegt werden sollen. 

Worauf uns die Administration bedeutet, daß man die Notdurft auf solche Weise verfügt, 
daß man davon die Hoffnung, mit vorkehrenden Douceur die Untertanen und deren Söhne und 
Knechte von Ungehorsam abzuhalten. 

Welchemnach dann der weitere Erfolg zu erwarten steht. Den widerwärtigen Handel 
an unsere Delegirten nach Wien zu berichten hat uns darum noch nicht tunlich bedünkt, 

') Beilage A ist das Schreiben des Pfleggerichtes Eggenfelden an die Regierung in Landshut, 
8. Okt. 1705, B das Atteet des Corneta v. Menz, Eggenfelden 8. Okt. 1705 (oben Nr. 32 und 31), C das 
Schreiben der Verordneten der Landschaft Unterlands an die Regierung in Landshut, 10. Okt. 170") 
(oben Nr. 33). 

Abh. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl XXVI, 4. Abb. 3 



18 

weil dadurch vor der Zeit daselbst Lärm entstehen und während sie beflissen sind, das Natural- 
Winterquartier von uns zu schieben, sie auf solche Weis ihr negotium sich selbst schwer, wo nit 
gar verderblich und mithin machen konnten, daß wir gar bald mittels Detachirung von der 
kais. Armee am Rhein Truppen ins Quartier herein und deren in längerer Zeit nit mehr los 
kommen dürften. 

Zum andern wißt Ihr schon durch unsere vorgangene, wie wir Eure bei gegenwärtigen 
Zeiten unaufschiebliche Geld-Secundance haben sollen und müssen, und nachdem wir nit im 
Stand, von dem bloßen, gewiß soviel als keines größtenteils mit Brand und Plünderung (von den 
beständig vorgehenden march- und remarchen nichts zu melden) ruinirten Rentamt München 
die ganze Kriegsmaschin zu souteniren, daneben auch die schon öfters gewiß mit Nachdruck 
gemachte Vorstellung wegen der Landsarmut und Geldmangels am allerhöchsten Ort de facto 
weniges Gehör gefunden, sondern nur verderbliche Exekutions- und andere Uebel und Unge- 
legenheiten nach sich gezogen hat, so wünschen wir wohl herzlich, daß Eure an uns abgelassene 
Entschuldigung, warum Ihr weder mit Ausschreiben der Anlehen noch Eintreibung der alten 
und künftigen Steuern nit fortkommen noch uns der Bedürftigkeit nach seeundiren könnet, bei 
der Administration solchergestalt allergnädigst aufgenommen werde, daß es sowohl Euch als 
allen Ständen u. Untertanen zum Nutzen gereichen und alle schädlichen Consequenzen unter- 
bleiben möchten. 

Drittens sind wir dermalen hier im Werk begriffen, zuhanden zu bringen, was unsere 
geist- und weltliehen Mitständ an Brandschatzungen und Contributionen , während des Kriegs 
und solang die Hostilitäten angehalten, den Kaiserlichen erlegen müssen, um solches unsern 
Delegirten ehestens schicken zu können. Wenn Ihr nun dergleichen Euren Orts noch nit im 
Wissen, wolle Euch belieben, ebenfalls zu dem Ende die Verfügung zu machen und uns solches 
zu communiciren. 

Viertens erseht Ihr aus beiliegendem, wieder zurück gewärtigen Schreiben, daß unsere 
Delegirten in Wien anbelangt, denen wir bereits die verlangte Beschreibung der Exzesse vom 
Rentamt München und Burghausen zu Händen lassen. 

Fünftens habt Ihr hiebei Abschrift des Conferenz-Protokolls wegen der bei einem Teil 
der Gerichte noch ausständigen, zum Teil eingenommenen, aber anderwärtig und zu Kriegs- 
ausgaben verschossenen Steuergefällen, zu Eurer Nachricht zu empfangen. 

München, Kriegsarchiv. 

1705, Okt. 15, 4 Uhr nachm. Tölz. 

36. Oberst de Wendt an die kais. Administration. 

Euer Exzellenz Befehlschreiben vom gestrigen habe ich gestern Nacht erhalten u. ist diese 
Nacht auch das Detachement von der Cavallerie unter dem Oberstleutnant von den Husaren 
in Tölz angekommen. Nachdem nun die Bauern gestern auseinander gewesen u. sich wieder 
in ihre Häuser begeben haben, haben sich die Schelmen auf Vernehmen, dass einige Truppen 
hieher gekommen seind, in der Nacht wieder gesammelt u. sich bei Hohenburg zusammengezogen. 
Heute früh, bevor ich angekommen, hat der Obristleutnant einen Wachtmeister mit 20 Mann 
gegen Hohenburg zum Rekognosziren ausgeschickt; dieser ist nun so weit gegangen, bis er 
auf die Bauern gestossen. Wie die Bauern den Wachtmeister gesehen, haben sie geglaubt, er 
sei gekommen, sie zu attakiren u. seind auch einige von diesen Reitern und Husaren in die 
Häuser gegangen u. haben, wie die Bauern vermeint, angefangen, aufzuklauben. Darüber haben 
die Bauern angefangen, Feuer auf sie zu geben u. den Wachtmeister genötigt, sich zurückzu- 
ziehen, haben auch einen Reiter blessirt. Der Wachtmeister hat gleich nach Tölz geschickt 
und mich advisirt. Weil aber die Infanterie noch nicht hier ist, habe ich die anwesende 
Cavallerie genommen u. bin, um den Augenschein einzunehmen, selbst bis an das Gebirg 
marschirt. Weil ich wegen Enge des Passes mich mit der Cavallerie allein zwischen das 
Gebirg zu begeben für ungut erachtet, so habe ich mich in der Pläne herwärts des 
Gebirges gesetzt u. mir die Sachen von dem Wachtmeister rapportiren lassen, der mir dann 



19 

gesagt: nachdem er an ein langes Dorf unter dem Schloss Hohenburg liegend 1 ) gekommen sei, 
haben ihn die Bauern gefragt, was er wolle, worauf er geantwortet, er sei hieher geschickt, um 
zu sehen, was ihre Intention u. Vorhaben sei, worüber ihm die Bauern geantwortet, sie wollten 
Ihro Kais. Maj. treu dienen u. treu bleiben, auch nach ihren Häusern gehen, wenn man sie nur 
nicht außer Lands führen wolle. Kurze Zeit darauf waren die Bauern etliche hundert Mann 
stark geworden; sie sprangen von allen Seiten von dem Gebirg herunter u. gaben auf den 
Wachtmeister u. seinen Trupp Feuer, so dass er gezwungen war sich zu retiriren. 

Als nun der Wachtmeister seinen Rapport völlig abgelegt, haben die Bauern einige 
Deputirte zu mir geschickt u. sich der Gnade Ihro Majestät zu Füssen geworfen, mit dem Ver- 
melden, sie wüssten, dass sie unrecht getan hätten, dass sie auf die Reiter Feuer gegeben hätten; 
allein die Reiter hätten angefangen in ihren Häusern zu plündern, welchem zwar die Reiter 
widersprochen. Sie erboten sich, das Gewehr niederzulegen u. zu ihren Häusern zu gehen. 
Ich habe dies acceptirt, weil ich mit der (.'avallerie allein heute nichts vornehmen könnte, mit 
der Bedingung, dass sie morgen mit anbrechendem Tag einige Bevollmächtigte hieher schicken 
sollten. Inzwischen sollten die Bauern nach Haus gehen. Damit ich aber sicher sei, dass dieses 
geschehe, habe ich den Commissär Steurer mit dem Secretär des Grafen v. Herwarth nach 
Hohenburg geschickt, der auf das Tun u. Lassen dieser Bösewichte Achtung geben soll. Sollten 
sie sich wider Verhoffen zu keiner Räson geben wollen, so hoffe ich sie mit Gewalt zur Räson 
zu bringen. Wäre meines Erachtens nicht schlimm, wenn man das Schloss zu Hohenburg mit 
einem Lieutenant u. 30 oder -10 Mann ständig besetzen täte. Die Infanterie wird diesen Abend 
unfehlbar hier eintreffen. 

München, Kriegsarchiv. 

1705, Okt. 15. Roding. 

37. Pflegscommissär Runipel in Roding an die Administration. 

„lieber das, was ich letzthin Ewr. Hochgräfl. als auch an die Regierung nacher Aniberg 
wegen des Aufstandes im hiesigen Land gehorsamst berichtet, tue ferners untertänigste Erinnerung, 
daß das Feuer noch allezeit glümert, bis es mit Zeit und Gelegenheit zur Flammen kommen 
wird, wie dann darunter so viel abnehme, daß eingeschlichene Leute seind, welche dis ganz 
Werk dirigiren, allermassen sie nunmehro auch mein Pflegamt. welches bisher durch viele Mühe 
getreu erhalten, von allen Seiten angegriffen und unter Bedrohung von Feuer u. Schwert zum 
Aufstand animiren. Daher höchst erforderlich wäre, daß wenigstens ad interim 3 — 400 Pferd 
hier im Land stunden, als durch fleißiges Patroliren und Streifen diesem Uebel vorbauten Was 
ich am meisten darunter besorge, so mutmasse, es sei eine feindliche finesse etwa mit diesem 
zusammen rottirten Volk einen Verbuch in Böhmen zu tun u. selbe sämtliche Lands Einwohner 
zum Aufstand zu bringen, denn diese Rebellen haben allweilen Neuburg.-) Waldmünchen. Röz, 
Cham u. alle die Gerichter u. Acmter von der Grunz Böhamb an bis gegen der Donau, wo 
nicht zu dato alle zum Aufstand, wenigstens aber dem Ansahen nach projektirt, dahin zu ver- 
mögen, welches sodann, wenn es ihnen gelingen würde, vor die in Mähren stehenden Rebellen 
eine wohlgeratene, vor das kais. Interesse! aber eine höeh>t gefährliche Such wäre. Ew. Hochgräfl. 
Excell. werden zwar von selbst dieses Werk zu überlegen wissen, meinem Schreiben aber um 
so weniger ungnädig sein, als ich ein getreuer Diener Ihro Kais. Maj. zu leben u. sterben 
verlange. Ich habe in meinem Pflegamt ein Patent unter dem Adel, Geistlichen u. Weltlichen 
herumgeschickt des Inhalts, ob hätte Befehl erhalten, wie daß zu Ausrottung dieses aufgestan- 
denen rebellischen Volks bereits 300 Husaren nebst einigem regulirten Volk in Anmarsch begriffen 
wären, dahero jeder gewarnt sein soll, diese Rotten zu meiden. Ueberdieß habe ich einen 
vertrauten Mann bis Neuburg u. Waldmünchen geschickt an selbe Oerter Beamte und insgeheim 
fragen lassen, sie sollen mir Nachricht geben, wo diese Rebellen sich aufhielten, indem 

') Länggries. 

s ) Neimlpur'' vor dem Wald. 



20 

300 Husaren über Regensburg kämen u. ich Befehl hätte, selbe anzuführen u. die Rebellen 
aufzusuchen. Es scheint doch, als ob es etwas geholfen hätte, allein wenn, wie gemeldet, nicht 
bald 3 — 400 Mann Cavallerie ins Land kommen, dürfte dies Feuer größer werden. Es ist noch 
übler, daß die Regierung in Amberg in Militaria ganz keine Autorität hat. Es liegt hie bei 
Cham ein Rittmeister vom Hanoverischen Regiment mit etlichen u. 40 Mann, es stehen die 
Dalbonischen Werber auch im Land, wie andere kleine Truppen von verschiedenen Regtern. 
mehrers, von allen denen ist einer an den andern nicht verwiesen, weniger und da was vorfiele, 
daß ein Haupt oder Parition wäre, sondern soll alles erst nacher Ingolstatt an H. General Bagni 
gehen. Bis dorthin kann alles zugrund gehen. Ewr Hochgr. Excell. haben die Gnad u. lassen 
sich dis Werk recommendirt sein, damit ohne Anstand 300 Pferd über Regensburg anhero ins 
Land kommen, sie können den Marsch über Nittenau in das Prucker Pfiegamt nehmen, welches 
eines von den rebellischen ist. P. Rumpl. 

P.S. Wie mir meine Kundschafter u. Einwohner berichten, so seind zerschidene wohl- 
gemachte Leute unter diesem Haufen, die alle Französisch reden." 

München, Kriegsarchiv. 

1705, Okt. 16. München. 

38. Die kais. Administration an die Reichskanzlei. 

Nach Mitteilung über den Aufstand in Tölz, nach dem Bericht de Wendts vom 15. 
folgt: Um zu sehen, ob die Canaillen mit der Güte zur Räson zu bringen, hat man den Grafen 
v. Hörwarth zu de Wendt geschickt, der proprietarius des Schlosses Hohenburg u. sonst ein 
accreditirter, auch Euer Kais. Majestät devoter Cavalier ist, um bei dem Landvolk alle bewegliche 
Vorstellung, auch von Seite des Landes zu tun. Inmittelst aber soll de Wendt sehen, wenn 
die Bauern nicht gleich die kais. Gnade amplectiren, ihnen einen Streich zu versetzen, da sonst 
das Feuer vergrössert u. um sich greifen wird. Es ist nun freilich nicht zu zweifeln, dass 
durch manchen Beamten der eine u. andere Fehler mit unterlaufen ist, obwohl man in der 
getanen Ausschreibung den Beamten zu ihrer Direction alles wohl exprimirt hat. Weil aber 
dies eine causa communis ist, so ist nicht zu supponiren, dass nur ein oder anderer Beamter 
aus seiner Ignoranz solchen Text der Ausschreibung nicht wohl eingenommen hätte, da aus den 
Rentämtern Landshut und Burghausen nicht ein Mann aufgebracht, aus Straubing aber nur 19 
gestellt worden, unter dem Vorwand, dass sich alle jungen Burschen in die Wälder u. Gebüsch 
verlaufen haben. Man glaubt, dass die Nachricht von der Heranziehung der Miliz das lose 
Gesindel zum Gehorsam bringen wird; um so mehr, da man auch verbreiten ließ, dass die auf 
dem Marsch nach Italien begriffenen Castellischen, Baireuthischen u. Hildesheimischen Regimenter 
zur Execution herangezogen würden. Aber damit ist der Zweck der Rekrutenstellung noch 
nicht erreicht u. aus dem gegenwärtigen Casus ist abzunehmen, dass in der Güte wenig oder 
gar nichts zu hoffen, die forza aber nicht vorhanden ist, so dass man, wenn dergleichen Auf- 
stand noch an mehreren Orten ausbrechen sollte, man dem Uebel nicht, wie es die Not erfordert, 
abhelfen könnte. 

Wien, H. H. St. A. 

1705, Okt. 17. Innsbruck. 

39. Die Tiroler Regierung an den Kaiser. 

Die Stände haben „wegen der von der durchmarschierenden Soldatesca immerhin ver- 
übenden starken Excesse sich abermals wehmütigst beschwert, indem nämlich teils Officirs, ohne 
Respectirung des publicirten Marschreglements und anderer Verordnungen, anstatt der Natural- 
etappen und zwar an einsamen Orten, drei und vierfach das bare Geld, nicht weniger über- 
flüssige Pferdsportionen und Vorspann erpressen, die Marschroute nicht beobachten, sondern 
nach ihrem eigenen Belieben hierunter Anstalt und Rasttag machen, samt was dabei ferners 



21 

für Excesso und Inconvenientien zu ohnerträglichen Beschwerde des vorhin äußerst bedrängten 
armen Untertanen sich ergeben, mit angehängter allergehorsamsten Bitte, Ewr. Kais. Maj. diese 
und dergleichen geklagte, schädliche Unordnungen mittelst Emanirung geschärfter Mandate u. 
exemplarische Bestrafung der Contravenienten verfänglich abstellen zu lassen geruhen möchten." 
Die Aufrechthaltung dieser treugehorsamsten Erbprovinz liegt in Ewer Kais. Maj. selbsteigenem 
Interesse. Bei Fortsetzung derlei ohnerträglicher Militär-Excesse ist nichts anders als der völlige 
Ruin und Untergang derselben zu gewarten. 

Wien, Kriegsarchiv. 

1705. Okt. 18. Wien. 

40. Der Kaiser an die Administration. 

Lieber Graf von Löwenstein! Mein Dienst erfordert, daß aus dem bairischen Archiv die 
in beiliegenden Verzeichnißen enthaltenen Schriften so bald möglich anhero übersandt werden. 
Damit aber solches desto füglicher ohne großes Aufsehen geschehen möge, ist Mein gnädigster 
Wille, daß ihr dieselben nach u. nach, wie ihr es am besten erachten werdet, gleichsam zu 
eurer Ersehung in der Stille in euer Haus bringen und auf gleiche Weis zu Meiner hiesigen 
Geheimen Hofkanzlei sicher einschickt. Mich auch über den Erfolg samt beischließendem Ver- 
zeichnis der eingesandten Arten berichtet. Ich verlaße Mich hierunter auf eure gewöhnliche 
Sorgfalt u. Vorsichtigkeit u. verbleibe euch mit Kaiserlichen Gnaden wohlgewogen. 

Josephus mp. 

München, R. A. Die zu Verlust gegangenen Regiminal-Akten während der österreichischen Occu- 
pation 1705 — 14. 

1705, Okt. 22. Wien. 

41. Von der Reichskanzlei an die Administration. 

Die gegen den Tölzer Aufstand getroffenen Massregeln werden gebilligt. Wenn aber solches 
nicht verfangen will, wird unumgänglich nötig sein, mit allem Ernst in die Rottirten zu dringen, 
um das Uebel in seiner Geburt zu unterdrücken, wobei dann die, so von den Bauernbur.schen 
ergriffen werden, mit Gutem oder Gewalt sogleich den zu Uebernehmung der Rekruten in Baiern 
befindlichen Offizieren zu übergeben, die Abgedankten u. Vagabunden aber als Rädelsführer mit 
Bestrafung des Stranges u. Schwertes anderen zum Beispiel anzusehen wären. Sollte sich bei 
der Untersuchung zeigen, dass die Beamten, deren Trauen und Glauben die Aufbringung der 
Rekruten aufgetragen worden, sich übel aufgeführt, einige Untreu verübt oder mit gesuchter 
Schärfe oder widriger Ausdeutung der Befehle den Hass auf Uns, folglich das ganze Wesen in 
Verwirrung zu bringen getrachtet haben, so ist gegen diese mit all äusserstem Rigor zu ver- 
fahren; nicht weniger sollen alle Orte, die sich wider die Beamten tätlich vergriffen u. sie in 
ihrer Verrichtung gehindert, mit gleicher Schärfe belegt werden. 

Sollten aber diese Anstalten unzulänglich sein, so wird die Administration ermächtigt, die 
drei auf dem Marsch nach Italien begriffenen Regimenter vorübergehend zu verwenden. Uebrigens 
glaubt man, dass die in Baiern befindlichen 5000 Mann, zu denen noch 2000 nach Italien u. 
anderwärts gehörige Mann stossen werden, genügen, um das Land im Zaum zu halten, da, wenn 
auch 2000 Mann fortmarschiren, nach Italien bestimmte Rekruten durch Baiern kommen werden. 
Nächstdem sind die benachbarten Fürsten und Stände, besonders Freising wegen Mittenwald zu 
ersuchen, keine Unterstützung der rottirten Bauern zu gestatten. 

Unser Dienst lässt nicht zu, dass wir das Land wegen bezeigter Widersessigkeit u. ver- 
übten Aufruhrs von der Rekrutenstellung befreien, da eine grosse Anzahl an dem Rekruten- 
quantum fehlt u. solches den benachbarten Erbländern Anlass geben dürfte, um sich mit gleich- 
massigem Ungehorsam des Vollzuges unserer Befehle zu entschlagen. 

Da ihr euch beklagt, dass ihr von den Guberniis der Rentämter u. den übrigen Beamten 
schlecht unterstützt werdet, so könnte gegen den einen oder anderen mit Absetzung oder harter 



22 

Ahndung vorfahren werden. Zur Förderung des Rekrutenwerkes sollt ihr euch mit der Land- 
schaft benehmen, ihr Gutachten einziehen u. ihr eine grössere Gewalt, als sie bisher gehabt, 
zulegen, da sie in die vorgefallenen Feindseligkeiten niemals gewilligt u. ihr daher mehr als 
den Beamten zu trauen sein wird. 

Es verlautet, dass nicht geringes Nachdenken und Irrung bei dem Volk dadurch hervor- 
gerufen worden ist, dass ihr für einen Rekruten 16 fl vom Land erhoben habt u. nun das Geld 
in anderen Anlagen compensirt, jetzt aber die Rekruten in natura, also gleichsam doppelt ein- 
getrieben werden sollen; so wollt ihr dieses Geld wieder realiter zurückstellen; ihr könnt dabei 
anfügen, dass, wenn das erste Quantum abgeführt sein wird, man im übrigen alle mögliche 
Reflexion tragen wird. 

Wien, H. H. St. A. 

1705, Okt. 22. Innsbruck. 

42. Die Tiroler Regierung an den Kaiser. 

Aus Schwaben ist der Bericht eingelaufen, welchergestalt die gegen Wälschland im Marsch 
begriffenen Bareit- u. Ilildosheimbische Regmter. ohne alle Disciplin u. Ordre leben u. sowohl 
Offiziere als Gemeine unerträgliche Prcssuren verüben, wie denn der unter dem Hildesheimbischen 
Hauptmann Baron v. Elz stehende Leutnant den Wirt zu Altorf, der ihm die geforderten Dis- 
cretionsgelder nicht alsogleich bezahlen wollen oder können, samt allen den seinigen aus dem Haus 
gejagt und das Haus in Brand stecken wollen. Der an Strassen wohnende arme Untertan wird 
hiedurch von Haus und Hof zu weichen gezwungen und kann diese Drangsale unmöglich au6- 
dauern. Sie bitten um die jüngsthin auf Ansuchen der Landstände gebetene Wendung und zwar 
um die Verfügung, daß alle durch dieses Land passirenden Truppen an den Confinen entweder 
genugsam Caution einstellen oder aber einige Offiziere als Geiseln hinterlassen sollen, an welchen 
man sich der über die ordonanzmässige Verpflegung im Land verübten Excesse erholen und selbe 
solang nicht erlassen solle, bis die .Mannschaft außer Lands gerückt und der gehaltenen guten 
Disziplin beglaubigte Urkund beigebracht sein wird. 

Wien, Kriegsavchiv. 

1705, Okt. 23. München. 

43. Die Administration an Prinz Eugen. 

Obrist de Wendt und Graf Hörwart haben durch erteiltes offenes Patent die Schwierigkeiten 
in der Gegend Tölz zwar noch mit Güte beiseit gesetzt, allein in der obern Pfalz und in der 
Gegend Traunstoin nächst Burghausen haben dergleichen Aufrührigkeiten sich wiederum geäußert, 
das ganze Land murrt und lehnt sich auf wegen der Stellung der Rekruten, also daß das 
intendirtc Quantum dieser Rekruten nicht zu hoffen, es sei denn daß ein ernstlicher Gewalt 
obhanden genommen werde, welcher aber dermalen nicht gegenwärtig noch von Seiten der 
kais. Administration, wie es die Not erfordert, beizubringen, bekannt ist. Man erwartet daher 

die weitere Verordnung hierüber vom kais. Hof Schließlich ist der Obrist und Com- 

mandant zu Braunau Graf v. Kuffstein vor drei Tagen in der Nacht durch einen unversehenen 
Zufall in seinem eigenen Blut erstickt (was man auch dem Hofkriegsrat hinterbracht hat). In- 
mittelst aber hat der commandirende General Graf Bagni für gut befunden, daß der General- 
Wachtmeister Graf Tättcnbach, so sich hier im Land wegen Werbung seiner G Compagnien 
befindet, indessen bis zu E. D. ferneren Disposition sich dahin begeben solle. 

Entwurf. Wien, Kriegsarchiv. 



23 

1705, Okt. 23. München. 

44. Von der Administration an den geheimen Rat in Tirol. 

Die aufrührischen Burschen bei Lenggries haben, nachdem sie den Ernst gesehen, auf 
Zureden des von München zu ihnen abgeschickten Hofrates Grafen von Hörwarth es für ratsamer 
gefunden, das von dem Schlosse Hohenburg weggenommene Gewehr wieder zurückzugeben u. 
sich wieder auseinander u. nacli Hause zu begeben; 1 ) es will aber noch immer verlauten, dass 
sich bei ihnen auch einige Tiroler Untertanen befunden haben. 

Wien, H. H. St. A. 

1705, Okt. 24. 

45. Die Regierung in Burghausen an die Herrschaft Hohenaschau. 

Es ist dringend nötig, ohne Zeitverlust und möglichst gründlich zu wissen, was von 1702 
— 1704 von unsern u. unserer Alliirten Völkern, deren Commandanten u. Kriegscommissarien 
in den bair. Landen für Brandschatzungen eingefordert, nit weniger dabei an Plünderungen 
vorgenommen, sodann an Mund- und Pferdportionen herausgezogen worden. Sie schickt ein 
Formular, das zu solcher Aufzeichnung benützt werden soll. Das ganze Werk soll inner 11 Tagen 
beisammen sein. Durch eine Verlängerung schadest du dir selbsten. zumalen es hiemit das 
Hauptabsehen dahin hat, mittels solcher Anzeig zu effectuiren, daß intuitu solcher Schäden dieses 
Land mit den bevorstehenden Winterportionen u. anderen Anlagen gnädigst angesehen u. sub- 
levirt werde. Da die Wohlfahrt des ganzen Lands hauptsächlich davon dependirt. ist keine 
Minute fruchtlos verstreichen zu lassen. 2 ) 

Kais. Regierung Burghausen. J. Hagen. 

München, R. A. Hohenascbauer Archiv. 

1705, Okt. 25. München. 

46. Der Administrator Graf v. Löwenstein an den Fürsten v. Salm in Wien. 

Diejenigen sind übel informirt. die der Administration beimessen wollen, sie habe nicht 
zeitlich genug oder nicht mit genügsamem Eifer die Rekrutirung angegriffen, da sie auf den 
ersten Befehl des Hofkriegsrates remonstrirt u. das. was nachgehends erfolgt, vorhergesagt hat. 
Nachdem der vom Kaiser unterschriebene Befehl ergangen, hat man keinen Tag versäumt, die 
nötigen Veranstaltungen vorzukehren; es wäre wohl nicht zum äussersten gekommen, wenn man 
nicht so eifrig auf die Ausführung gedrungen wäre. Es ist ein Glück, dass dieses Werk nicht 
früher, im Sommer ergriffen worden, da es sonst einen solchen Aufstand hätte erwecken können, 
dass die Campagne an dem einen oder andern Ort hätte Hindernisse erfahren können. 

Obwohl nun aber der Aufstand wieder etwas gestillt, geht die Stellung der Mannschaft gar 
schlecht von statten u. selbst im Rentamt München, wo ich täglich auf der Haube sitze, sind 



') Dasselbe berichtet unter dem 2ü. Okt. die Regierung in Innsbruck an Oberst v. (icllhorn in 
Kufstein. Wien, Kriegsarchiv. 

J ) Am 7. N'ov. 17u5 gibt Georg Parukher, Verwalter in Hohenaschau folgende Schäden an: Von der 
Herrschaft selbst ist keine Brandschatzung erfordert worden. 

I>i.: Plünderungen, ohne d. wirkl. Brandschaden, bei d. Herrschaft Hohenaschau 190G9 II 

Contributionen u. Brandscbatzungen wurden v. d. Untertanen begehrt: 
v. d. Grenad. Hptm. u. Commdten. in St. Johann in Tirol, Baron v. Geroldin 
i. J. !703 auf 4 versch. mal: llOOfl. — v. d. Oberlt., der in der Schanz zu 
Wildpichl in Tirol stand, 1703: 187 fl. - v. 2 Korporalen dieses Oblts. 11 tl. — 
v. d. Commdten. im Schloß H., Hptm. Funk: 1145 rl. — v. 3 Officieren des 
Gen. Guttensteinischen corpo, das in Aschau stand: 250 tl. — 1). Obristwacht- 

meister Wagner v. diesem corpo 5.03 tl [v. d. Untertanen | 32S1 II 

An Plünderungen, erzwungenen Mund- u. Pferdeportionen d. Untertanen . . . 90321 II 

Summe: 112071 II 



24 

nur etliche hundert Mann, meist mit Gewalt zusammengebracht worden. Es ist auch keine 
Hoffnung, mit Güte den Zweck zu erreichen, obschon einige bis zu 120 fl für einen Mann ohne 
Montur bezahlt haben. Ich bin daher von Herzen begierig, vom Hof den gemessenen Befehl 
zu empfangen, wie weit die Schärfe zu gebrauchen ist; ich bin selbst der Meinung, dass sich 
zu Winterszeiten eher in Schärfe verfahren lasse. Mich schmerzt nicht wenig, dass, obwohl ich 
hier Tag u. Nacht arbeite u. mehr die Bezeigung der Zufriedenheit als unglückliche Beschul- 
digungen verdient zu haben vermeine, gleichwohl hören muss, dass ein u. andern Ortes zu Wien 
allerhand Ausstellungen über mein Tun u. Lassen gemacht werden. 

Wien, H.H. St. A. 

1705, Okt. 25. 

47. Josephus etc. Zur Bestreitung der täglichen schweren Kriegsausgaben ist von allen 
geistlichen wie weltlichen Ständen, wie auch den gesammten Landesuntertanen in den vier Rent- 
ämtern durchgehends die schon lange Jahre gewohnte Michaeli-Ordinari-Steuer und zwar, da 
der Termin schon verstrichen, binnen acht Tagen nach der Einlieferung dieses Mandats unfehlbar 
einzubringen und an die landschaftlichen Steuerämter zu liefern. Die Regierungen sind bereits 
angewiesen, an säumige Beamte auf Anrufen der Steuerämter Hand anzulegen, diese mit Arrest 
zu belegen und das Ausständige von ihren eigenen Mitteln zu exequiren. 

Druck. R.A. Mandatensammlung 1/11, f. 234. 

1705, Okt. 27. 

48. Patent des Landfahnenhauptmanns Mosera in Friedburg. 

Uebersendet den ernstlichsten Befehl der Regierung Burghausen, die aus hiesigem Land- 
fahnen vorhin zu stellen begehrten 112 Mann betr. Es darf von der anbegehrten Mannsstellung 
keineswegs, es gehe, wie es immer, wolle, abgewichen werden. Auf Pfinztag den 5. November 
ist die Mannschaft gewiß u. unfehlbar anhero nacher Frydtburg zu stellen u. liefern, im Gegen- 
fall wird man sich „des schärpfist angedrohten unbeliebigen Verfahrens unterwürfig machen." 
Act. Frytburg den 27. october 1705. 1 ) 

Rom. Keiserl. Maj. Pflegs Commissarius, Hauptmann u. Kastner allda, 
dann Bayrischer Rat Franz Albrecht Mosera mp. 
An Landgericht Mauerkirchen; Märkte Mauerkirchen u. Althamb; Hofmark Aurolzminster; 
Pflegger. Mattigkoven; Markt Mattigkoven; Hofmark Aspach; Klöster Reichersperg und 
Ranshoven; Hofmarken Käznberg, Neurating, Mämbling, Wildenau; Sitz Erb; Hofmarken 
Mihlhamb, Vorstern, Neuhaus; Baron Schrenckisch einschichtige Güter auf Villsessing; 
Sitz Hueb; llofmarken Pogenhoven u. Diepolting. 

Wien, Kriegsarchiv. 

1705, Okt. 28. 

49. Relation der Administration an den Kaiser. 

Aus dem gestern eingehändigten kaiserl. Befehl vom 22. hat die Administration die höchste 
Intention verstanden, „so in zwei Teilen, nämlich die ausgebrochene Unruhe gleich zu dämpfen, 
und die Stellung der Rekruten in natura weiter fortzusetzen, gefasst worden". Da der Haupt- 
zweck darauf beruht, daß der Kaiser auf der Stellung der Rekruten beharrt, werden sie vor- 
kehren, was die Möglichkeit zuläßt, zu solchem Ende auch alle tunliche media, sie mögen in 
der Güte oder Schärfe bestehen, ergreifen. 



!) Unter dem 31. Okt. gibt Mosera bekannt, daß die Hegiemng in Burghausen die Stellung der 
Rekruten bis längstens den 4. November verlange, daß er es aber bei dem festgesetzten Termin, 5., be- 
lasse. A. a. 0. 



25 

Die Stellung der ersten 3000 Mann wird durch keinen andern Weg als durch Vor- 
kehrung einer ziemlichen Gewalt zu erzwingen sein, indem einhellig von den Untertanen ohne 
Scheu aus Desperation gesprochen wird, dass sie eher ihr Leben aufgeben als sich zu Kriegs- 
diensten ausser Land treiben lassen wollen. Es wäre vielleicht der Aufruhr schon weiter aus- 
gebrochen, wenn man nicht dem tollsinnigen Bauernvolk einige Tage dissimulirt hätte; inzwischen 
ist es jedoch gelungen für das Regiment Bagni, das den Sammelplatz in Schongau hat, über 300, 
für das Regiment Harrach in Wasserburg gegen 200 Mann, beide aus dein Rentamt München, 
u. für das Regiment Wallis in Deggendorf 250 Mann aus der (Ober-) Pfalz zusammenzubringen, 
inehrerenteils mit Gewalt; auch die Untertanen haben verschiedene mit 50, ja sogar 100 fl für 
den Mann ohne die Montirung angeworben. Die Mannschaft für die ersten beiden Regimenter 
wird in 4 — 5 Tagen nach Italien abrücken. 

Wollte -man die Rokrutenaushebung beschleunigen, so müsste aller Orten die Gewalt zur 
Exekution gegenwärtig sein; diese ist aber nicht vorhanden, da das Baireuthische Regiment 
am 8. d. M. zu Füssen in Tirol eingerückt u. wohl schon bei der Armada in Italien ein- 
getroffen, das Castellische Regiment ihm vor einigen Tagen gefolgt ist, während das Hildes- 
heimische Regiment über Ober- u. Vorderösterreich nach Italien abmarschirt ist. Die übrige 
Miliz aber, die im Land liegt, hat die Garnisonen zu versehen u. die noch vorhandenen 2000 
Mann, die nach Italien u. anderwärts gehörig, sind zu Kriegsdiensten nicht im Stand; die von 
den Regimentern Cusani, Hannover, Darmstadt, Gronsfeld u. Hohenzollern zur Landesdefension 
commandirte Reiterei ist bis auf hundert zu Fuss u. übel beritten; man ist zwar mit grossem 
Eifer bemüht, sie beritten zu machen, es fehlen aber die Mittel. 

Wien, H. H. St. A. 

1705. Okt. 29. München. 

50. Die Administration an die Regierung in Amberg. 

Oberst d'Arnan ist mit einem Commando beordert, zur Beilegung des da u. dort wegen 
der Mannsstellung vorgegangenen Aufstandes in die Pfalz 1 ) zu marschiren; er ist angewiesen, 
sich mit der Regierung ins Benehmen zu setzen. Es gebührt ihm. so lange er im Marsch ist. 
die etappenmäßige Verpflegung. Die Regierung soll trachten, daß die Empörung, so viel es 
immer sein mag, in Güte beigelegt werde. 

München, Krierjsarehiv. 

1705, Okt. 30. 

51. Die o. ö. geheimen Räte zu Händen der o. ö. Regierung und Hofkammer in Innsbruck. 

Es ist die Nachricht eingelangt, dass die Tumultuanten in Baiern von den Bischöflich 
Freisingischen in Mittenwald u. sogar von der Tiroler Bauernschaft Hilfe u. Beistand u. auch 
Waffen u. Gewehr erhalten haben. Es soll darüber genaue Nachricht eingezogen werden u. für 
die Zukunft solche Unterstützung im Einverständnis mit den Mittenwaldischen Beamten ver- 
hindert werden. 

Wien, Kriegsarchiv. 

1705, Okt. 30. München. 

52. Franz Sigmund Graf v. Lamberg an Prinz Eugen. 

Vom Hofkriegsrat ist die Repartition auf andere 3000 Mann unterm G. eingelangt u. unter 
andern für die -1 dänischen Regimenter auf 1200 Mann angetragen, lliebei ist zu erinnern, 
dass, wenn man solches dem Land kund tun u. die Sammelplätze dazu anweisen würde, rationc 



>) Oberpfalz 
Abh. d. philo,. -philo!, u. d. bist. KI. XXVI. 4. Abb. 



26 

religioais eine solche Schwierigkeit zweifellos sich ergeben dürfte, die noch weit schädlicher als 
die jetzige ausbrechen möchte. Von Seite der Administration kann man versichern, dass ein 
ungemeines Abscheuen der decatholicorum in diesem Land obwaltet, wie man denn pro exemplo 
das lutherische exercitium bei den hier in Garnison liegenden Franken in so weit anziehen kann, 
dass, ob man zwar in privato den alliirten Regimentern nicht zu verwehren vermag, dennoch 
der ganze Clerus u. hiesige Bürgerschaft gräulich darüber 6ich allarmirt gezeigt, also dass man 
zur Besänftigung der Gemüter bewogen worden, in loco quodam separato, nämlich im hiesigen 
Zeughaus, worin diesen Sommer hindurch per modum einer Kaserne etliche hundert Mann 
gestanden, zur Satisfaction des exercitii religionis der fränkischen Regimenter zu überweisen, 
geschweige also, wenn das Land seine im Glauben so eifrig erzogenen katholischen Kinder in 
so großer Zahl zu den dänischen Truppen, die, wie sonst in den Kreisregimentern üblich, nicht 
mit katholischen Priestern versehen sind, hinlassen sollte. 

Wien, Kriegsarchiv. 

1705, Okt. 30. Fontanella. 

Prinz Eugen an die Administration. 

Feldzüge, VII, Corr. S. 468. 

1705, Okt. 30.— Nov. 10. 
53a-s. Berichte von Lokalbehörden über die Rekruten-Aushebung, besonders deren Mißerfolg. 

a. Okt. 30. Uttendorf. Der Pfleger in Uttendorf Maxim. Eman. Graf v. Aham an das 
Pfleggericht in Braunau. Obwohl er den Amtleuten bei Entsetzung ihres Dienstes u. wirk- 
licher Landesverweisung aufgetragen, alle im Gerichtsdistrikt zu Kriegsdiensten taugliche u. 
vorhin schon beschriebene, aber bisher sich widerspänstig zeigende ledigen Leute mit möglichstem 
Fleiss u. so viel tunlich auch mit Anwendung wirklicher Gewalt auf heute vor ihn zu stellen, 
damit sie auf morgen nach Braunau als dem von der Hauptmannschaft daselbst angesetzten 
Musterungstag überliefert u. die begehrte Zahl der 7 Mann ausgesucht werden könne, sind doch 
die Amtleute ohne einen Mann vor ihm mit der Entschuldigung erschienen, dass sie möglichsten 
Fleiss angewendet u. von Haus zu Haus die ledigen Burschen gesucht, aber wo sie hingekommen, 
niemand mehr zu Haus gefunden, daher sie unerachtet der angedrohten Ungnade nicht einen 
Mann stellen könnten. 

b. Okt. 30. Uttendorf. Kammerer u. Rat in Uttendorf an das Pfleggericht Braunau. 
Wir haben den hiesigen Bürgers- u. Inwohnerssöhnen aufgetragen, morgen nach Braunau zu 
kommen u. vorher um 5 Uhr früh bei mir, Amtskammerer, zu erscheinen. Es wurde ihnen 
auch vorgehalten, dass keineswegs alle zu Kriegsdiensten genommen, sondern nur zwei davon 
ausgesucht werden sollten. Sie haben auch versprochen, zu erscheinen; wir haben aber seither 
vernehmen müssen, dass, weil vom hiesigen Gericht aus keiner hineinkommen will, sie auch 
dergleichen zu tun gedenken. 

c. Okt. 31. Neuötting. Bürgermeister u. Rat in Neuötting an die Regierung in Burg- 
hausen. 1 ) Nach dem Patent der Hauptmannsehaft des hiesigen Landfahnens soll die Stadt am 
4. Nov. 5 Rekruten stellen. Da aber keine ledigen Burschen vorhanden, kann man dem Befehl 
keine Folge leisten; man hat jedoch nichts desto weniger das nach den Höfen festgesetzte Geld 
zum Kriegszahlamt nach München erlegt. 

d. Okt. 30. Thann. Kammerer u. Rat in Thann an das Pfleggericht in Neuötting. Nach 
dem Patent des Gerichtes sollen am 3. Nov. drei Mann nach Neuötting verschafft werden. Da 
man aber früher vom Markt in den Landfahnen nur sieben Mann stellen mußte, wird man nur 
zwei ledige Burschen schicken. 



l ) Ebenso an das Pfles?£rerickt in Neuötting. 



27 

e. Nov. 1. Wildshut. Der Pfleger Casp. Albr. Frhr. v. Lerchenfeld in Wildshut an den 
Kastner v. Prielmayr in Burghausen. Hat zwar 25 ledige Burschen des Gerichtes 1 ) auf 3. d. AI. durch 
die Amtleute nach Burghausen beordert, damit 15 Mann ausgesucht würden; es haben aber die 
Burschen erklärt, dass keiner Willens sei zu erscheinen, weil sie nicht die ersten sein wollten. 

f. Nov. 1. Alattighofen. Der Pfleger Franz Jos. Notthafft Frhr. v. Weissenstein in Alattig- 
hofen an die Regierung in Burghausen. Die auf 4. Nov. anberaumte Musterung in Friedburg 
wird voraussichtlich ohne Ergebnis sein, weil die Söhne und Knechte, sobald ihnen nur das 
geringste von einer Auswahl zu Ohren kommt, allem Zureden ungehindert, vor der Zeit aus dem 
Dienst abweichen. Von Vaganten kommt nichts vor als meistens Blessirte, die zu Kriegsdiensten 
nicht mehr tauglich sind, u. Müllerhandwerksburschen, unter ihnen besonders viele Alühljungen 
und Bäcker; es könnte wohl sein, dass sich darunter manche befinden, die des Handwerks gar 
nicht kundig sind; mit deren genauer Durchsuchung u. Aufhebung könnte vielleicht das vor- 
geschriebene Quantum aufgebracht werden. 

g. Nov. 2. Alörmoosen. Der Pfleger David Kreitmayr in Alörmoosen an die Regierung in 
Burghausen. Die Gemein will sich der Aufbringung der Vaganten befieissigen, aber die ledigen 
Burschen nicht zur Alusterung am 3. Nov. nach Burghausen schicken; sie wollen die Gewalt 
erwarten u. sich nach anderen Gerichten reguliren. 

h. Nov. 2. Kraiburg. Kammerer u. Rat in Kraiburg an den Kastner v. Prielmayr in 
Burghausen. Zu den 110 Mann, die von dem Burghauser Landfahnen gestellt werden müssen, 
sollen vier Mann au» Kraiburg gesandt werden. Ausser den Studenten sind aber keine ledigen, 
zu Kriegsdiensten tauglichen Bürgerssöhne zu Hause, da sie sich in der Fremde befinden. Vier 
Alann sind für den Alarkt zu viel, da der Alarkt Trostberg, der um 30 — 40 Mann stärker ist. 
gleichfalls vier Alann stellen soll; es wird daher gebeten, zwei Alann auf Trostberg und das 
Gericht Kraiburg zu verteilen; zwei Alann will dann der Markt Kraiburg zu einem gewissen 
Termin anwerben oder das Geld dafür erlegen. 

i. Nov. 3. Kraiburg. Der Pftegscommissär Joh. Caspar Koller in Kraiburg an den Kästner 
v. Prielmayr in Burghausen. Auf den Befehl, dass die Bauernsöhne. Knechte und andere zu Kriegs- 
diensten taugliche ledige Burschen vor Gericht erscheinen sollen, ist niemand gekommen. Ks 
wurden nun sämtliche Untertanen zu Gericht begehrt und ihnen vorgestellt, daß die Intention nicht 
auf die Ausüdigung der Mannschaft eingerichtet sei, da von dem Gericht nur acht Mann gefordert 
würden, die wohl aufgebracht werden könnten. Alan hat aber nichts ausgerichtet; sie haben 
sich dahin entschuldigt, dass die Söhne u. Knechte sich in der Flucht aufhallen u. zu einer 
Arbeit nicht mehr zu bringen sind. Sie glauben aber doch, dass, wenn die Gerichte Trostberg 
u. Mörmoosen mit der Stellung sich acconnnodiren würden, auch die hiesigen nachfolgen möchten. 
Nun habe ich zwar wohl vermeint, die Burschen durch den Amtmann aufsuchen u gefänglich 
einziehen zu lassen. Weil aber nur ein Amtmann vorhanden, der mit seinem Buben nur wenig 
ausgerichtet u. auch niemanden angetroffen hätte, so habe ich dieses, weil es bei anderen Ge- 
richten auch nicht geschehen, unterlassen. 

k. Nov. 3. Ering. Phil. Richard Lengfelder. Verwalter der Gräfl. Paumgartischen Herr- 
schaft Ering, an das PHeggericht in Braunau. Die ledigen Burschen können weder gütlich 
noch mit Gewalt zusammengeführt werden, da sie sich den Amtleuten bedrohlich widersetzen 
oder flüchtig sind. 

I. Nov. 3. Tüssling. Dominikus Forster. Holzschreiber der Hofmark Tüssling. an das Pfleg- 
gericht Neuötting. Die Bauernsöhne u. Knechte waren beordert, sich heute zu stellen, um die 
der Hofmark auferlegten fünf Mann herausnehmen zu können. Es ist aber, weiss nicht aus 
was Ursachen, niemand erschienen. 



Ihr namentliches Verzeichnis liegt bei. 



28 

m. Nov. 3. Stein. Blasius Heldenberger, Verwalter der Hofmark Stein, an den Kastner 
v. Prielmayr in Burghausen. Die ledigen Bauernsöhne und Knechte gehen über die Grenze; 
Vaganten sind keine vorhanden; es können daher die auferlegten fünf Mann nicht gestellt werden. 

n. Nov. 4. Kämmerer u. Rat in Altheim an das Pfleggericht in Friedburg. Da die 
nach dem Gerichtspatent zu stellende Mannschaft sich jederzeit versteckt hielt, hat man zwei 
derselben wirklich in Eisen geschlagen u. in bürgerlichen Verhaft gebracht; der dritte hat die 
Flucht genommen. Der hier wohnende Mauerkircherische Gerichtsamtmann hat ebenfalls einige 
dergleichen verhaftet. Als dies kundbar wurde, haben sich mehr als 100 Mann, vermutlich 
ledige Bauernburschen, zusammen rottirt, den Amtmann nachts 11 Uhr überfallen, die in Verhaft 
gewesenen Knechte mit Zerschlagung der Eisen entledigt, das Amthaus spolirt und völlig aus- 
geplündert; der Amtmann hat sich mit dem Leben kümmerlich salviren können. Das gleiche 
haben die Burschen beim Markt zu tun vorgehabt, daher wir die zwei Mann wieder entlassen 
müssen. 

o. Nov. 4. F. Paris Steinhauser, Verwalter der Hofmark Mühlheim des Grafen v. Sanfre. 
Die auferlegten vier Mann können nicht gestellt werden, da sich von den Knechten keiner mehr 
sehen lässt; mutmasslich haben sie sich zu den rebellischen Burschen im Gericht Mauerkirchen 

geschlagen. 

p. Nov. 4. Braunau. Pflegsverwalter J. Rettinger an die Regierung in Burghausen. Die 
zur Hauptmannschaft des Landfahnens beorderten ledigen Burschen weigern sich trotz allen 
Zuredens zu erscheinen u. erklären, sich zu Kriegsdiensten nicht gebrauchen zu lassen; die 
Amtleute sind viel zu schwach, um sie zum Gehorsam zu bringen. 

q. Nov. 5. Burghausen. Der Kastner F. B. v. Prielmayr an die Regierung in Burghausen. 
Die auf 3. Nov. angesetzte Einberufung der Mannschaft des Burghausischen Landfähnls ist ohne 
Erfolg geblieben; die Gerichte, Märkte u. Hofmarken berichten, dass sie von den jungen Burschen 
nicht die geringste Parition mehr haben. 

a — q. München, Kriegsarchiv. 

r. Nov. 8. Franz Adam Niderhuber, Verwalter der Hofmark Zangberg, an das Pfleg- 
gericht in Vilsbiburg. Zweifelt, dass sein Herr morgen auf Neuenfraunhofen kommen wird und 
er sich bei diesem Rats erholen kann wegen Stellung der Mannschafft. Kann nit sehen, wie 
„ohne Brauchung Ambtsgwalt, welcher aber bishero noch nit anbefohlen worden", mit der 
Stellung auszulangen ist, hingegen aber auch S. Exe. sein gdiger. Herr die gdigste. Rom. Kais. 
Majestät Intention wollen strictissime observirt haben, Ersucht daher ihm die nachbarliche Höf- 
lichkeit zu erweisen, ihm durch diesen eigens laufenden Boten die begründete Nachricht zu- 
kommen lassen, wie es derselbe in seinem Gericht vorzunehmen resolvirt sei, auf welchen Fuß 
er es sodann auch angreifen wollte. „Alleinig bitte nochmalen: wann Sie auf die heimliche 
Hinwegnehmung incliniren, mir eben auch selben Tag, da es beschechen solte, zu vernach- 
richten, so wollte ichs auch eben also anstellen, dann ansonsten, da es ruchbar wurde, derften 
die llofbauernknecht, wie jetzo beschechen, sich aus den Staub machen." 

Kreisarchiv Landshut. 

s. Nov. 10. Gerichtsschreiber Joh. Adam Paur in Vilshofen an die Regierung in Lands- 
hut. Mein Oberbeamter hat den Obleuten des Gerichtes den kais. Befehl wegen Stellung der 
Rekruten bekannt gegeben u. sie darauf hingewiesen, was für Gefahr u. Ungelegenheiten auf 
den Weigerungsfall zu erwarten wären; sie sollten die Bauern bereden, ihre Söhne u. Knechte 
zur Stellung zu bewegen, zumal da auf das ganze Gericht nur 18 Mann träfen. Auf den 
9. Nov. waren die Burschen zur Auswahl der 18 Mann zu Gericht zitirt; sie kamen, postirten 
sich ausserhalb des Ortes u. sandten vier von ihnen herein zu Gericht, um die Intention an- 
zuhören. Nachdem man ihnen mit aller Bescheidenheit vorgestellt hatte, dass sie sich der 
Stellung nicht widersetzen sollten, antworteten sie, weder sie noch ihre Kameraden hätten 
Lust zum Soldatenleben, u. kehrten zu diesen zurück. Alsdann kamen sie alle zusammen mit 



29 

Juh- u. Huigeschrei zum Tor hereingelaufen, zogen vor das Pfleghaus u. warfen mit Steinen 
u. Scheitern die Fenster ein. Sie drohten, meinem Oberbeamten, wenn sie ihn erwischen 
würden, den Hals zu brechen, so dass er sich, ich weiss nicht wohin, mit der Flucht salvirt 
hat. Nach einer halben Stunde zogen die Burschen wieder ab; die meisten sollen nach Hause 
gegangen sein. Kein Amtmann oder Gerichtsdiener darf sich zur Erhebung der Steuer oder 
anderer Ansagen sehen lassen, da die Burschen auf die Beamten aufs äusserste erbittert sind, 
wie sie denn auch dem Amtmann in Liessing alle Mobilien ruinirten. 

Wien, H. H. St. A. 

1705, Nov. 3. Wien. 

54. Vom Kaiser (Reichskanzlei) an die Administration. 

Nachdem Uns aus deinen zu End verwichenen Monats Augusti erstatteten Berichten unter 
andern vorgetragen worden, was es mit dem zuletzt unter der kurf. Regierung gewesenen 
Kanzler zu München Luger für eine Bewandtnuss habe u. was du dahero wegen des Franz 
Ferdinand v. Strohmern ohnmassgeblich vorschlägst, lassen wir uns gefallen, dass der erste seines 
Cancellariats entlassen u. an dessen Statt v. Strohmern zum Kanzlern zu München mit Vor- 
behalt des Landshuetischen Cancellariats aufgenommen, desselben functiones zu Landshuet aber 
von einem der dortigen ältesten u. dazu tauglichsten Regierungsräte verwaltet werden. Gleichwie 
wir aber auch bewilligt, dass dem Luger aus den von dir angeführten motivis 300 tl jährlich 
gelassen u. demjenigen, so das Cancellariat zu Landshuet versehen wird, eine Zugabe von etwa 
200 fl gereicht werde, also u. damit den dortigen Kammern keine neue Beschwerung zuwachse, 
können die 300 fl für den Luger von des Münchnerischen u. die 200 fl für den alten Rgts.-Rat 
zu Landshuet von des Landshuetischen Cancellariats Besoldung genommen u. also dem v. Stroh- 
mern in allem 1400 fl neben den sonst zu München gewöhnlichen emolumentis gelassen werden. 

Damit übrigens so wohl das Universal-Administrations-Protocoll ordentlich geführt, als 
auch du nicht minder als unsere dir aus dem Hofkriegsrat u. Hofkammer adjungirte Räte jemand 
bei der Hand habest, der die expeditiones. so dir insbesonder obligen u. wozu nicht allemal bair. 
Räte gebraucht werden können, befördere u. aussfertige, haben wir resolvirt, deinen Kanzlei- 
Director Johann Ignatium Hess zu dem Ende aufzunehmen u. um zwischen ihm u. andern unsern 
Secretarien des Vorsitzes oder Ordnung halber allen Streit aufzuheben, ihm das Praedicat u. 
Würde unsers Hofrats in Bairn oder Administrations-Kanzlei-Directoris in Gnaden zuzulegen, 
doch dass er sich mit der Besoldung befriedige, welche denen aus dem Hofkriegsrat u. andern 
Stellen mitgegebenen Secretariis ausgeworfen worden. 

Wien, H.H. St A. 

1705. Nov. •'!. Braunau. 

55. Oberst de Wendt an die Administration in München. 

Zweifelt nicht, daß seine vorigen Berichte alle richtig eingelaufen sind. Berichtet, daß 
der Minirer Obristleutnant bis dato nicht fertig mit seinen Minen zur Probe. Sehätzt, daß 
durch die Prolongation nur die Zeit verloren u. größere Unkosten verursacht werden. „Also 
werde ich alles, was ich finde, erstlich viel üble getriebene Wirtschaften reformiren u. dem 
Münür Obristleutnant zeigen, wie er viel geschwinder u. mit weniger Unkosten seine Minen 
verfertigen kann, sodan solches dem Herrn General Datenbach alles schriftlich hinterlassen, daß 
sie nur ins Buch sehen dürfen, so wird alles gemacht. Hoffe also Ihro Excellenz künftig. 
Donnerstag oder Freitag längst zu München untertänigst aufzuwarten u. alles mündlich zu 
relationiren". J. de Wentt eigenhändig. 

München, Kriegsarchiv. 



30 

1705, Nov. 6. München. 

56. Oberst de Wendt an Prinz Eugen. 

Was das Rekrutenwesen betrifft, so wird wohl das beste sein, dass man so viel als möglich 
Leute in natura zu bekommen sucht, an den Orten aber, wo keine Leute zu bekommen sind, 
das Geld dafür nimmt u. es den Offizieren gibt, damit sie die Anstalten zur Werbung unver- 
züglich hier im Land u. in den umliegenden Reichsstädten machen können. 

Wien, Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 6. München. 

57. Graf Löwenstein an den Kaiser (Reichskanzlei). 

Nach E. K. M. Befehl von 6. 8bris habe Ich die Reformation bei hiesigem Hof dergestalt 
vollzogen, daß Ich den Baron v. Guidabon als Obristhofmeister u. Obristkammerer vorgestellt, 
wie auch den Grafen v. Thürheimb als Kämmerer u. Guardi-Hauptmann, den Grafen v. Fugger 
als Kammerer und Obristkuchelmeister, sodann den v. Henneberg u. den Freiherrn v. Lösch 
zu Kammerherrn resp. deklarirt u. produzirt. Der Churprinz hat bei dieser Vorstellung mir 
geantwortet, daß alles, was E. K. M. disponirten, ganz wohl getan sei, nur bittend, Ihren Grafen 
v. Therring Ihnen zu lassen. Alldieweilen aber E. K. M. in dero Befehlschreiben von diesem 
in Specie keine Meldung getan, so habe auch Ich dieses des Prinzen Begehren gleichsam non 
audiendo dissimulirt, dem Grafen Joseph v. Therring aber schon vorher zu verstehen geben, 
daß Ich zwar seines Bleibens oder Abkommens wegen keinen positiven Befehl habe, er möge 
sich aber nur dahin befleißen, die Prinzen zu disponiren, daß sie die vorseiende Reformation 
ohne Contristation begreifen, das übrige wegen seiner Person werde sich demnächst schon 
schicken, welches dann auch so viel gefruchtet, daß, weil zu eben gleicher Zeit des Präceptors 
Wilhelm Promotion zur Probstei Mattighofen concurriret u. Ich auch diesem bei der Conferirung 
gar nachdrücklich eingebunden habe, daß er gleichmäßig die Prinzen die dermalige Uofbestellung 
fassen machen, sich selbst aber nun'mehro auch gut Kaiserlich bezeigen möge, alles ohne sonder- 
bare Alteration wohl abgangen ist. Ob aber E. K. M. auf dieses der Prinzen Verlangen einige 
Reflexion zu nehmen u. ged. Grafen Therring vor den 5. Kammerherrn bei ihnen zu lassen 
geruhen wollen, das stehet zwar bei dero disposition, dabei jedoch meines Orts dieses zu er- 
innern finde, ob nicht diesem Menschen, im Fall er seines Verbleibens gesichert wäre, eben 
dadurch die Animosität wachsen dürfte, sich anders als bishero, da er inter sperrt et metum 
gelebt, aufzuführen u. den Prinzen gegen den aufgestellten Obristhofmeister Baron v. Guidabon 
oder sonst unter der Hand widrige Principia beizubringen. 

Der Freifrau v. Weichß habe Ich gleicher gestalt. daß Sie nunmehro die Oberhofmeisterin 
bei den kleinen Prinzen u. der Prinzessin sein, die v. Ovalise u. Rechberg aber als älteste vom 
Rang auch Hof-Dames bleiben sollen, intimiren lassen. Mit Aenderung der Kammerdiener u. 
sonderlich des Du Lac aber habe um derentwillen noch in etwas zurück gehalten, damit nit 
alle Bediente auf einmal von den Prinzen abgezogen werden. Weil jedoch die übrige Refor- 
mation der Bedienten ohne Zweifel auch bald einlangen wird, so werde alsdann auch mit den 
Kammerdienern das nötige vornehmen, wie dann gleichfalls wegen Aenderung des Beichtvaters 
die vorgeschriebene Verfügung nächstens vollzogen werden wird. 

Max Carl Graf Löwenstein. 

Wien, H. H. St. A. 

1705, Nov. 7. Griesbach. 

58. Der Pflegscommissär Job. Dietr. Reindl in Griesbach an die Regierung in Landshut. 

Die Beamten in Pfarrkirchen werden schon gemeldet haben, wie übel die ledigen Bauern- 
burschen dort gehaust haben. Eben diesen Augenblick vernehme ich, dass sie schon wieder 
auf der sogenannten Kindbetter Au beisammen u. gesinnt sind, den Markt Kösslarn, nachmals 
Rotthalmünster u. dann Griesbach heimzusuchen. Weil ich vergewissert bin, dass sie gegen 



31 

1000 Mann sind u. an verschiedenen Orten Gewehr aufgebracht haben, so weiss ich in diesem 
gar gefährlichen Aussehen nicht, wie ich mir helfen soll, da die Burschen von Stund zu Stund 
anwachsen u. mutwilliger werden. Dem Commandanten in Braunau habe ich durch einen Husaren 
schleunigst Nachricht gegeben. 

München, Kriegsarchiv. 

1705. Nov. 7. Kling. 

59. Der Pflegscommissär J. M. v. Hofmihlen in Kling an die Regierung in Burghausen. 

Als gestern die Nachricht eingelaufen, dass einige Untertanen im Amt Eggstätt zur Rebellion 
gegriffen, den Amtmann geplündert u. gedroht, auch uns Pflegbeamte zu überfallen, hat man 
von hier zwei Leute zur Einholung von Kundschaft nach Höslwang geschickt. Diese sagen aus, 
dass den 6. Nov. in der Früh zwischen 3 u. 4 Uhr der Amtmann Melchior Friepeiss in Eggstätt 
von 300 Bauern, worunter 15 Ledige waren, überfallen, ihm 400 fl geraubt, alle Mobilien u. 
das Haus dermassen zu schänden gerichtet, dass es nicht zu bewohnen ist; der Amtmann musste 
mit seinem Eheweib im Hemd entspringen u. flüchtig gehen. Es verlautet auch, dass 700 Feuer- 
schützen aus Tirol u. 300 andere Mann zu ihnen stossen werden; sie wollen dann Kling über- 
fallen u. uns Beamte spoliren, wie es den Verwaltern in Hohenaschau u. Prien geschehen ist, 
die sich bereits salviren mussten. Wir Beamte sind bei solcher Bewandtnis genötigt, das Amt 
zu verlassen u. nach Wasserburg zu gehen. 

Vor Schluss des Schreibens kommen beide hiesige Gerichts-Amtleute von Eggstätt u. Obing 
u. melden, dass die Bauern nächstens von Eggstätt über Höslwang nach Obing u. Schnaitsoe 
gehen, alle Bauern „abwegnehmen", dann über uns Beamte u. dann ins Grienthal u. auf Wasser- 
burg gehen wollen, selbes Ort zu belagern. Absonderlich ist der Obinger Amtmann gewarnt 
worden nicht zu trauen, 6ie wollten nächstens auf ihn losgehen, von ihm alle Steuer- u. An- 
lagsausstände abfordern u. ihn erschlagen. 

München, Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 7. Reichenberg. 

60. Der Pflegscommissär Ign. Hormayr in Reichenberg an die Regierung in Landshut. 

Nachdem die erste Rekrutenmusterung ohne Erfolg gewesen, setzte ich für gestern einen 
weiteren Musterungstag an, zu dem die ledigen Burschen der Märkte, Ilofmarken u. des Ge- 
richtes erscheinen sollten. Sie kamen nun gliederweise angestellt, mit Büchsen, Seitengewehren. 
Hellebarten, Ländlerkolben, Schweinsspiessen, Hacken und grossen Stecken bewaffnet zu mir. 
Gleich beim Einmarsch in den Markt fiel der Eisenamtmann in ihre Hände; sie versetzten ihm 
einen Stockstreich u. dann einen Schuss in das Genick, dass er nach kurzer Zeit starb. Sie 
leerten seine Taschen aus und nahmen das Geld weg. Alsdann setzten sie den Marsch fort 
u. erschienen vor mir. Sie forderten mit allem Ungestüm das Geld für die Fourage u. die 
Mannschaftsstellungsanlage, die nach ihrer Ansicht 6000 tt ausmache, so wie die ausständige 
Landfahnensgage. Ich sagte ihnen, dass dermalen kein Geld beim Amt sei und dass ihnen 
die Mannschaftsanlage an der Michaelisteuer angerechnet werden würde; sie gaben mir aber 
zur Antwort, dass sie weder diese Steuer noch eine andere Anlage mehr bezahlen wollten. 
Ich sprach ihnen auf alle erdenkliche Weise zu; sie haben aber mein Haus, das mit starken 
eisernen Gittern wohl versehen, erbrochen und allerlei Gewalttätigkeiten verübt. Um mehrere« 
zu verhindern, aus der Lebensgefahr zu kommen u. die Kasse zu retten, gab ich ihnen 439 tl 
28 kr in Dukaten und Goldgulden; sie waren jedoch damit nicht zufrieden, sondern verlangten 
noch die Monatsgelder, wofür sie 234 fl erhielten. Sic sagten nun, sie wüssten, dass bei mir 
Gewehr sei; ich sollte es ihnen geben oder sie wollten es selbst suchen; sie warfen in mein 
Wohnzimmer u. auf mein Bett, dessen ich mich leider eine Zeit her bedienen muss, so viel 
Steine, dass sie mich unfehlbar erworfen hätten, wenn mich nicht mein Sohn zu rechter Zeit 
hinweggebracht hätte. Sie rissen die Fensterbalken aus, zerschlugen die eisernen Gitter; einer 
drang in das Zimmer, erbrach eine kleine Truhe u. nahm 125 tl von den Bartlischen Anlags- 



32 

geldern. Nun forderten sie unter Drohungen mit dem Tod das im Schloss Reichenberg liegende 
Gewehr und die Montur des Landfahnens; ich musste ihnen diese überlassen, das Gewehr aber 
war schon nach Braunau geliefert worden. Ausser anderen Sachen nahmen sie mir noch mein 
bestes Pferd. 

Die hier liegende Mannschaft vom Bartelschen Kürassierregiment ist vorbeigeritten, ohne 
etwas zu tun; auch die Bürgerschaft hat mich ohne Hilfe gelassen, sie hat nicht einmal, wie 
ich verlangt, die Tore des Marktes geschlossen; ich musste vielmehr von ihnen noch die emp- 
findlichsten Reden hören. 

Es ist nun die Amtskasse in höchster Gefahr, da die Burschen gedroht haben, sie würden 
bald wieder kommen u. dann anders als diesmal hausen u. da auch die Bauern zu ihnen halten. 
Bei solcher Bewandtnis kann ich unmöglich mehr amtiren u. mich ohne grosse Leib- und Lebens- 
gefahr nicht mehr sehen lassen. 1 ) 

München, Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 7. Mauerkirchen. 

61. Landgerichtsschreiber Casp. Dobler in Mauerkirchen an die Regierung in Burghausen. 

Vier Obleute des Gerichtes berichten, dass gestern Nacht etwa 30 zusammenrottirte ledige 
Burschen zu ihnen gekommen u. ihnen aufgetragen haben, den Bauernsöhnen u. Knechten anzu- 
sagen, dass sie sich heute unausbleiblich im Wirtshaus zu St. Georgen einfinden sollen. Es 
verlautet, dass die Burschen sich nicht nur der Märkte Mattighofen u. Uttendorf, sondern sogar 
der Stadt Braunau bemächtigen wollen. Vorher aber wollen sie sich hieher begeben, um ihre 
Händel mit den Dragonern auszutragen; diese sind dadurch entstanden, dass ihnen, als sie gestern 
über 100 Mann stark, mit Gewehr versehen durch den Markt zogen, der hier liegende Corporal 
Merz mit seinen Dragonern bis an das Kirchhölzl nachgesetzt ist, wo sich die Burschen postirten; 
beide haben auf einander gefeuert. Sie haben auch gedroht, mich auszuplündern u. mitzunehmen. 
damit ich u. die Amtleute ihnen in allem pariren müssen. Den Obleuten haben sie bei Ver- 
meidung des Abbrennens aufgetragen, keine Steuer mehr anzusagen oder einzubringen; ebenso 
haben sie verboten, dass noch Leute zu den Demolirungsarbeiten nach Braunau u. Schärding gehen. 

München, Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 7. Braunau. 

62. Generalwachtmeister Graf Tattenbach in Braunau an die Administration. 

Ueberschickt S. Excell. einen Bericht des Husaren-Rittmeisters. Hat sogleich Ordre ge- 
geben, der Rittmeister möchte sich mit seiner Mannschaft bis an das nächste Dorf bei Braunau 
ziehen, damit er von ihm, T., desto besser secundirt werden könne. Als nun solche Ordre durch 
das Tor aus per posto gangen, begegnete der Cornet sammt dem Wachtmeister u. etlichen Mann 
spornstreich solcher mit Erinnerung, daß die obgedachten Rotalmünster überfallen u. zu drei 
Seiten angegriffen. Wie es den dortigen berittenen und unberittenen Husaren geschehen, konnte 
er keine Relation haben. T. hat von solchem Feuer u. Allarm weder vom Pfleger noch einem 
andern Nachricht erhalten. Der Cornet aber werde mündlich mehr berichten können. Von 
hiesiger Garnison kann man dermalen nicht weit etwas hinaus commandiren, da man nicht wissen 
kann, wo was vorfällt, denn Hr. Obristwachtmeister zu Scharting erstattet gleichen Bericht, den 
ich beischicke, 2 ) wodurch zu ersehen, daß an mehreren Orten dergleichen Aufrührigkeiten 
sich finden. 

München, Kriegsarchiv. 



') Eine beigeschlossene Speciükation berechnet als Summe des angerichteten Schadens SOG fl 2S kr. 
2 ) Die bezeichneten Beilagen fehlen. 



33 

1705, Nov. 7. Wien. 

63. Vom Kaiser Joseph an? l ) 

Euer Liebden ist ausser Zweifel schon bekannt, weichergestalten unter dem Landvolk in 
Baiern u. der obern Pfalz sich ohnlängst einige Empörung ereignet habe. Weil nun solches 
Uebel, wofern demselben nicht bei Zeiten gesteuert wird, den innerlichen Ruhestand im Land 
gar leicht zerstören, ja in die benachbarten Kreise sich ausbreiten dürfte u. wir dann nötig 
finden, daß dagegen heilsame Verordnung vorgekehrt werde, gesinnen Wir an Ew. L. freund- 
gnädiglich. daß Sie auch Ihres Orts Obsorge tragen u. von Kreisamts wegen bei ihren Kreis- 
Mitständen die Erinnerung tun wollen, damit von den ihrigen dergleichen aufrühr. Leuten kein 
Unterschleif, Hilf u. Vorschub geleistet, vielmehr alles zur Erhaltung eines höchst nötigen Ruhe- 
stands beigetragen werden möge. E. Liebden erweisen dadurch dem Vaterland einen besonderen 
Dienst u. Uns angenehmes Gefallen. 

München Kriegsarchiv. Copie. 

1705, Nov. 8. 

64. Adam Caspar Freiherr v. Freyberg Vicedomb. dann Kanzler u. s. w. der kais. Regierung 
Landshut an die Administration. 

Sie melden, was die Pflegscommissäre von Reichenberg, Kling, Griesbach unter dem 7. Nov. 
der Regierung berichtet haben (oben Nr. 58 — 60) u. daß die in 1000 Mann starken Burschen 
den Markt Kösslarn, Rottalmünster u. sodann Griespach, absonderlich das Schloß heimsuchen 
wollen. Es ist um so glaublicher, daß sie diese kleinen Märktl angreifen werden, weil sie sich 
in dem Markt Pfarrkirchen, als welcher im Land einer aus den vier Uauptmärkten ist, solche 
Gewalttätigkeiten zu verüben sich vermessen durften, u. ist wohl zu besorgen, es werde sich 
dieses Feuer weiters extendiren, da allem Vernehmen nach auch an andern noch pacificirten 
Orten ein starkes Murmeln wegen so häufiger Anlagen herumgeht, daß sogar die Bauern u. 
Bürgerschaft selbst inficirt werden dürften, sonderbar aber darum gar schwierig sind, daß wegen 
der Hybernale keine Excesse passirt werden wollen, da doch sowohl von Iro Dhl. dem Prinzen 
Eugenio von Savoyen als dem Generalfeldmarschall v. Gronsfeld u. dem General-Proviantcommissario 
v. Vorstern, auch dem sämmtlichen Commissariat u. dann vorderist von der hochlöbl. Admini- 
stration sowohl durch gedruckte mandata als sonst iteratis vicibus sancte versprochen worden, 
die Excesse die Untertanen wieder genießen zu lassen. Man stand in Hoffnung, es würden ihnen 
diese wenigstens zur Hälfte decourtirt werden, da doch jetzt alles völlig ausgelöscht sein u. noch 
dazu der Rückstand der Wintermonatportionen ohne einige Abrechnung eingebracht werden sollte, 
wodurch der Bauer u. die Bürgerschaft in Verzweiflung u. Verbitterung geraten u. dadurch 
das große Elend zu besorgen, indem einmal die Mittel bei ihnen nit mehr vorhanden sind. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 8. München. 

65. Von der Administration an den General v. Bagni in Ingolstadt. 

Diesen Augenblick kommt ein Husarenfähnrich sammt einem Wachtmeister mit der Nach- 
richt hier an, daß verschiedene in starker Anzahl zusammen rottirte Bauern die zu Griesbach 
u. Eggenfelden gelegenen Husaren überfallen, wovon beide obbenannte Officiere ihnen noch ent- 
ronnen, wie imgleichen Gr. v. Tattenbach berichtet u. sich über den Verhalt befragt. Wenn 
dawider nicht eilfertigst die hinlänglichen Anstalten vorgekehrt werden, ist um so mehr zu 
besorgen, es werde dieses Uebel in dem ohnedies ganz schwierigen u. zu Aufruhr geneigten 
Land um sich greifen, als auch eben eine Staffetta von Wasserburg von dergleichen gefährlicher 
Zusammenrottirung der Bauern u. bereits wider die Beamten verübten attentatis eingelaufen. 



') Wohl an den Herzog von Württemberg. 
Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl XXVI, 4. Abb. 



34 

Der Herr General-Feldmarschallleutnant wolle sich aufs eilfertigste hieher begeben u. ohne die 
geringste Verweilung hinlängliche Mittel veranstalten, womit dieser neue Aufruhr in Zeiten u. 
kräftigst gedämpft u. die Bauern von einander getrieben werden können. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 8. Mattighofen. 

66. Johann Jäner, Pfleggerichtschreiber in Mattighofen, an die Regierung in Burghausen. 

Meldet in Abwesenheit des Pflegers, der letzten Pfinztag eilfertig nach Landshuet zur 
Landschaft verreisen mußte: heut abends sind die Bürger u. Bauern des Pfleggerichts mit dem 
zuverlässigen Bedeuten zu ihm ins Haus gekommen, sie können, so gern sie auch wollten, weder 
die Michaeli-Steuer noch andere mindeste Anlag, ja sogar für die hier im Quartier stehende 
Miliz die Brot- u. Pferd-portiones nit mehr erlegen, man tue ihnen gleich, wie man wolle. Sie 
leben der Hoffnung, E. K. M. werden nit begehren, daß sie, ganz ausgesaugte Untertanen von 
Haus u. Hof gehen u. den Bettelstab an die Hand nehmen, sintemalen sie sich bereits in solcher 
Armut befinden, daß man bald um jede schlichteste Anlag mit der Exekution verfahren muß. 
Obschon dies gar wahr ist, hat er ihnen doch ernstlich aufgetragen, das Geforderte zu leisten. 
Da nur zu gewiß die Bauern weder Steuer, Mund- oder Pferdportion nit erlegen werden, er 
hingegen Mannschaft u. Pferde nit zu verpflegen weiß, erwartet er die weitere Verordnung. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 8. Eggenfelden. 

67. Leutnant Sigm. Pachner des Kürassier Regiments Bartels an den Obristwachtmeister 
Stracka in Landshut. 

Die zusammenrottirten Burschen haben in der vergangenen Nacht den Cornet in seinem 
Quartier vollständig ausgeplündert; dieser kam erst heute früh zu ihm, da ihn die Burschen 
eine Zeit lang festgehalten hatten. Heute Mittag kam der in Trifftern gelegene Corporal gelaufen 
u. meldete, dass er heute Nacht überfallen und ausgeplündert worden sei; die Burschen wollten 
auch ihn heute Nacht überfallen u. die Pferde, die er bei sich hat, holen. Er ist deßhalb mit 
den Pferden von Pfarrkirchen nach Eggenfelden marschirt u. hat einen Corporal mit den Un- 
berittenen nachfolgen lassen. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 8. München. 

67 a. Die Administration an Generalwachtmeister Graf Tattenbach in Braunau. 

Heute morgen ist einer der beiden Husarenoffiziere, die in Griesbach u. Eggenfelden von 
den Bauern überfallen worden sind, hier angekommen. Wir sind wider diesen Aufruhr die 
Veranstaltung zu verfügen begriffen. Es ist uns aber zu wissen nötig, wie sich seithero das 
Werk angelassen hat; wir haben es deshalb für dienlich erachtet, einen Offizier zu dem Herrn 
Generalwachtmeister expresse abzuschicken, dem volles Vertrauen geschenkt werden kann. Sollten 
jedoch keine weiteren sicheren Nachrichten über den Aufruhr eiugetroffen sein, so wären von 
den berittenen Husaren einige da u. dorthin auf Partei auszuschicken u. wenn sie etwas ver- 
lässliches erfahren, dies hieher zu berichten. Zur Direction fügen wir an, dass morgen auf der 
Strasse nach Haag zu auch einige Mannschaft von hier aus commandirt werden soll. 

Wien H. H. St. A. 



35 

1705, Nov. 9. Rottalmünster. 

68. Kammerer u. Rat von Rottalmünster an den Commandanten von Braunau, General- 
wachtmeister Graf Tattenbach. 

Am 7. Nov. sind die Husaren von Griesbaeh hieher gekommen, da der Pflegscommissär 
dem Cornet sagte, sie würden dort von den Burschen erschlagen werden; der Pflegscommissiir 
riet auch dem in unserem Markt liegenden Rittmeister sich zu retiriren, da die Burschen gewiss 
am 7. oder 8. Nov. nach R. Münster kommen würden. Wir hatten kaum die Quartierbillete 
für die Husaren verteilt, als gegen 1000 Burschen aus den Gerichten Reichenberg und Gries- 
baeh in den Markt einrückten u. drohten, alle, die nicht ihren Willen tun würden, totzuschlagen; 
sie plünderten den Marktschreiber, raubten das Amtshaus aus, zerschlugen alles und nahmen 
aus dem Rathaus die Monturen der gemusterten Bürger weg. 

Wenn der Rittmeister Euer Excellenz berichtet hat, es seien sieben Husaren tot auf dem 
Platz geblieben, wir hätten zu dem Tumult geholfen u. auf dem Kirchturm anschlagen lassen, 
so wird sich dies in Wahrheit nicht also befinden, sondern man hat der alten Gewohnheit nach 
um zwei Uhr abends, als eben der Einfall der Burschen geschehen, als am Samstag Feierabend 
zur Vesper geläutet, was ein altes Herkommen ist; der Rittmeister hat sich selbst die Schuld 
zuzumessen, weil er so lange verweilt ist u. auf die gute Ermahnung des Pflegcommissärs nicht 
geachtet hat; es ist auch kein Husar tot geblieben, sondern nur zwei blessirt worden u. dem 
einen von diesen wäre vielleicht nichts geschehen, wenn er nicht bei seinem Zurücksprengen 
in den Markt die zwei Pistolen auf die Burschen losgebrannt hätte. Im übrigen haben wir 
dem Rittmeister täglich 1 fl 30 kr. u. etwas an Bier u. Brot gegeben, damit er über seine 
Untergebene gutes Commando halten sollte. Der Bürgersmann hat den Husaren die Haus- 
mannskost, so gut er sie genossen, ja mancher mehr neben dem Trunk Bier verreicht. Dessen 
ungeachtet aber haben sie in den Quartieren, in die sie meist erst um Mitternacht oder gegen 
Tag voll u. toll heimgekommen sind, allerhand Insolentien verübt. Euer Excellenz belieben nur 
die Husarenfrauen zu vernehmen, die bezeugen werden, dass sie von unserer Bürgerschaft alles 
Gute empfangen haben, wie dann beide blessirte Husaren gebührend verpflegt u. flüchtige in 
den Häusern heimlich behalten worden sind. Wir haben sogar die Tigerhaut, die der blessirte 
Kammerdiener gehabt u. die von den Burschen weggenommen worden ist, dem Rittmeister zu 
Ehren um 30 fl aus der Gemeindekasse ausgelöst u. dem Kammerer in Verwahr gegeben. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 9. Vilshofen. 

69. Der Pflegscommissär von Griesbaeh Joh. Dietr. Reindl an die Regierung in Landshut. 

Die Gewalt der Burschen ist unversehens so stark angewachsen, dass wir nicht anders 
gekonnt als uns mit der Flucht zu salviren. Sie haben nämlich verlauten lassen, uns wirklich 
totzuschlagen, was um so füglicher hätte geschehen können, als wir aller Hilfsmittel beraubt 
sind. Diese Rebellion wird sich nicht leicht dämpfen lassen, da sich schon über 1600 Mann 
zusammengerottet haben, die durch Ausraubung der Schlösser u der Geistlichen schon ziemlich 
mit Gewehr versehen sind. Sie zwingen alle ledigen Burschen, ja sogar die Handwerks- u. 
Bürgersleute in den Märkten u. wo sie sonst hinkommen, mit Ausnahme der Wirte, Bäcker, 
Metzger u. Müller, mitzugehen. Den Husarencornet in Griesbaeh habe ich rechtzeitig gewarnt. 
so dass er noch nach Münster kommen konnte. Der Rittmeister dortselbst hat sich aber so 
lange aufgehalten, bis die Burschen davon Kundschaft erhielten u. ganz unbemerkt den Markt 
umringen konnten; sie haben dem Vernehmen nach einige von den Husaren totgeschlagen. 
einige verwundet oder versprengt, die übrigen aber, bei 16 Mann u. 8 Mann der dort 
gestandenen Felsischen Dragoner gefangen genommen. Nachdem sie die Amtleute in Weng, 
Karpfham u. Münster all ihrer Sachen beraubt, sind sie gestern nach Griesbaeh gekommen, 
nachdem ich schon fort war. Sie verlangten 6000 fl. Als ihnen der Kastner sagte, dass 
niemand mehr von den Gerichtsbeamten anwesend wäre, setzten sie heute ihren Marsch gegen 
Schärding fort, nachdem sie gedroht hatten, wenn sie wieder kämen, mein Eigentum zu ver- 



36 

wüsten. Vermutlich werden sie die übrigen Burschen unter ihre Gewalt zu bringen suchen, 
was um so leichter geschehen kann, als sich niemand wider sie auflehnen darf, wenn er anders 
sein Leben oder seine Gesundheit erhalten will. 

Bei der heute hier vorgenommenen Musterung hat die Sache ein sehr übles Aussehen 
bekommen; ich habe selbst gesehen, dass die Burschen ebenso meisterlos als an anderen Orten 
gewesen sind; sie haben dem Pflegsverwalter die Fenster mit Holzscheitern gänzlich eingeworfen; 
er selbst konnte sich kümmerlich vor ihnen salviren; endlich sind sie mit grossem Jubel abge- 
zogen. Es verlautet, sie wollten sich mit den anderen zusammengerotteten Rebellen vereinigen. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 9. Landshut. 

70. Pflegscommissär Adam Jos. Kolbinger in (Vils-) Biburg an die Regierung in Landshut. 

Nachdem heute die Kundschaft eingelaufen war, dass sich bei Binabiburg u. St. Margareth 
sehr viele Burschen sehen Hessen, die die zu Kriegsdiensten Bestimmten zu befreien gedächten, 
sind um zwölf Uhr mittags ganz unverhofft gegen 120 Mann in den Markt einmarschirt. 50 von 
ihnen stellten sich bei dem Tor in schöner Ordnung mit geladenem u. gespanntem Gewehr auf 
und drohten, jeden, der sich widersetzen würde, totzuschiessen; die übrigen zogen an das Amts- 
haus u. nahmen die zwölf dort Verwahrten, zu Kriegsdiensten gestellten heraus, taten aber 
niemanden etwas zu leide. Da sie sich vernehmen Hessen, sie wollten mich heute noch aus- 
plündern, habe ich mich hieher begeben. Um 1 Uhr vor meiner Abreise hielten sich die 
Burschen nur einen Büchsenschuss vom Markt entfernt bei dem Leprosenhaus auf; über die 
Wiesen u. aus den Gehölzen sind ihnen noch viele zugelaufen, so dass sie 3 — 400 Mann stark 
sein werden. Es sollen sich unter ihnen abgedankte Offiziere u. Soldaten, sowie solche Burschen 
befinden, die früher dem engeren Ausschuss u. dem Landfahnen angehört haben. Ich habe 
von der Bürgerschaft begehrt, vor die Tore gehörige Wacht zu stellen, von ihnen aber nur 
harte Injurien zu hören bekommen, 'so dass, wenn ich nicht mehrere Behutsamkeit gebraucht 
hätte, ich ein grosses Uebel auf dem Hals gehabt hätte. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 9. Landshut. 

71. Die Regierung in Landshut an die Administration. 

Die Regierung legt den Bericht des Pflegscommissär von (Vils-) Biburg vor. Um Vorsorge 
gegen solche Gewalt zu treffen, haben wir den Kriegscommissär Philippi u. den Oberst v. Bartels 
zur Conferenz gezogen und durch diesen das Gewehr der Bürgerschaft auf der Trausnitz ver- 
wahren lassen. Da die Burschen dem Vernehmen nach von dem Marsch der 615 Starnbergisehen 
Rekruten von Straubing nach Wasserburg Kenntnis haben u. zu besorgen ist, sie möchten die 
Rekruten anfallen oder diese möchten sich unter die Burschen begeben, so haben wir den 
commandirenden Offizier aufgefordert, mit seiner Mannschaft bis auf weiteren Befehl in Straubing 
zu bleiben. Oberst v. Bartels hat General v. Bagni davon in Kenntnis gesetzt; er hat auch 
den Rittmeistern seines Regiments, die im Rentamt im Quartier liegen, befohlen, mit ihren 
Leuten hieher zu kommen. Es ist aber fraglich, ob sie noch alle hereinzubringen sind, da ein 
heute früh ausgeschickter Bote aufgefangen worden ist. Wir haben nun zur Kundschaft einen 
revierigen Metzger ausgeschickt. 

Wien H. H. St. A. 



37 

1705, Nov. 10. 

72. Die Regierung Burghausen an die Administration. 

Gestern abend sind zum Baron v. Paumgarten in Ering etwa 100 Burschen gekommen 
u. haben von ihm Gewehr, Pulver u. Blei begehrt; sie verlangten auch, dass die Ueberfuhr 
über den Inn beibehalten werde, sonst würden sie seine Güter abbrennen u. sich seiner Person 
bemächtigen. 

"Wir wollten diesen Bericht mit eigenem Tag u. Nacht laufenden Boten senden; es hat 
sich aber niemand dazu bequemen wollen, weil die Husaren auf der Strasse nach München alles 
ausplündern. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 10. Neumarkt a. d. Rott. 

73. Gerichtsschreiber Jobst Balth. Estendorfer an den Verwalter des Deutschen Hauses in 
Gangkofen Rosser. 

Die Rebellanten, die die Husaren in Münster überfallen haben, werden von einem Mann 
aus der Nähe von Griesbach, der Frau u. Kinder hat, Namens Weber commandirt; er reitet 
jetzt das von einem Offizier in (Rottal-) Münster erbeutete schöne Pferd. Sie sollen wenigstens 
1000 Mann stark sein u. in Pfarrkirchen alles Landfahnengewehr u. die Montur bekommen 
haben. Sie sollen jetzt auf Schärding gehen, wo ein Offizier mit ihnen heimlich in Verbindung 
stehen soll, um den Ort zu plündern oder zu besetzen; dann wollen sie wieder Eggenfclden 
heimsuchen. Dabei sagt man, dass der mehrste Teil von ihnen fest sei, so dass sie ohne 
Schaden auf einander schiessen. In unserem Gericht kriechen dergleichen Schnecken auch schon 
hervor u. es ist zu besorgen, dass, wenn die Rebellanten von Schärding nach Eggenfelden gehen, 
sie in allen Gerichten grossen Zulauf bekommen. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 10. Haag. 

74. Oberst de Wendt an die Administration. 

Ich bin mit den Truppen um 6 Uhr abends hier angelangt. Da ich vernehme, dass um 
Wasserburg alles von den Bauern still ist, so werde ich morgen gegen Tag nach Neuötting 
marschiren u. mich weiter informiren. Wenn sie sich auseinander teilen, so werde ich möglichst 
trachten, einige Rädelsführer zu ertappen u. sie aufhängen lassen; wenn ich sie aber beisammen 
erwische, ist es mir desto lieber. 



München Kriegsarchiv. 



1705, Nov. 10. Gangkofen. 



75. Der Verwalter des Deutschen Hauses Rosser an den Gerichtsschreiber Jobst Balth. 
Estendorfer in Neumarkt an der Rott. 

Am 8. Nov. nachts ist der Pfleger von Eggenfelden Graf v. Königsfeld in das Kloster 
Seemannshausen gekommen u. hat mit weinenden Augen erzählt, dass die rebellischen Bauern 
aus den Gerichten Pfarrkirchen u. Griesbach am 5. Nov. unter Führung abgedankter Soldaten 
u. Offiziere 300 Mann stark nach Pfarrkirchen gekommen, den Amtmannssohn totgeschossen. 
die Häuser des Pflegcommissärs u. des Amtmanns geplündert, dann den Markt Altheim über- 
rumpelt, das Schloss Neudeck besetzt u. sich vernehmen lassen, daBs sie um Ortenburg noch 
mehr Kameraden hätten, die sie an sich ziehen und morgen nach Eggenfelden kommen würden, 
um die genötigten Leute, so nennen sie die Mannsstellung, zu befreien. Der Graf hat infolge 
dessen die für morgen angesetzte Musterung durch die Amtleute absagen lassen. Am !). sind 
die Bauern in der Nacht in Eggenfelden eingefallen, haben die dortigen Husaren verjagt, 13 



38 

davon niedergeschossen u. sieben gefangen, das Pfleghaus ausgeplündert, einen Amtsknecht tot- 
geschossen, die gefangene Mannschaft befreit, die Montur und das Gewehr des Landfahnens 
zu sich genommen; sie sind schon 3000 Mann stark u. sollen die Absicht haben, nach Schärding 
u. Braunau zu gehen, um diese Orte zu besetzen. 1000 Mann sollen nach Teisbach beordert 
sein, um die Gefangenen zu befreien. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 10. München. 

76. Die Administration an den Hofkriegsrat in Wien. 

Die Administration hat mit aller Sorgfalt gesucht, die Excesse von Seite der kais. u. 
alliirten Miliz abzustellen, aber mit geringem Erfolg, so dass, wenn nicht höheren Orts einge- 
griffen wird, zu befürchten ist, es möge in diesem "Winter die Kriegsdisciplin völlig zerfallen 
u. das Land zu ferneren Leistungen unfähig werden. Man bittet daher, dass einige geschärfte 
Disciplinspatente mit der Unterschrift des Kaisers erlassen werden, worin auf folgende drei 
Punkte Rücksicht zu nehmen wäre. 

1. Der Soldat muss sich an die eommissarische Marschroute u. den darin festgesetzten 
Vorspann halten; er soll den Kriegs- u. Landescommissären den schuldigen Gehorsam leisten; 
in dem Marschquartier ist der Etappenzettel vorzuweisen u. der Offizier hat mit seiner Unter- 
schrift das Empfangene zu bescheinigen. Bisher haben die Offiziere nach Belieben die Portionen 
u. den Vorspann gefordert u. weder die Marschroute vorgezeigt, noch Quittung ausgestellt oder 
wenn sie es taten, einen erdichteten Namen unterschrieben; auch haben sie ihren Zug nach 
Belieben in die Quere oder Länge verändert. 

2. Die Verteilung der Truppen auf dem Land soll nur nach Anordnung der Administration 
u. des Generalkriegscommissariats geschehen, wobei die Gerichte benannt werden. Niemand 
darf seine Station ohne Anweisung der Administration verändern. Bei der Verpflegung ist 
ebenfalls die eommissarische Anweisung zu befolgen. 

3. In den Garnisonen haben die Commandanten bisher zu grossem Schaden der Cameral- 
einkünfte u. des Handels u. Wandels die Kegalien, Mauttaxen u. dgl. gefordert. Auch dies 
soll mit aller Strenge abgestellt werden. Auf die Klagen hierüber, so wie über die Excesse u. 
Gelderpressungen ist weder eine Abstellung noch eine Bestrafung erfolgt; es sollte daher in den 
Patenten eine Vollmacht für die Administration vorgesehen werden, wonach sie die Täter ohne 
Rücksicht auf die Person oder auf die Privilegien der Regimenter gleich beim Kopf nehmen. 
Kriegsrecht halten u. Exempel statuiren könne. Bei den marschirenden Truppen befindet sich oft 
nur ein Hauptmann oder ein anderer Offizier, der sich, wenn man ihn wegen der Excesse in 
Arrest setzen will, darauf steift, dass alsdann der Marsch nicht fortgesetzt werden könne; es 
soll daher die Administration in Zukunft befugt sein, einem anderen Offizier das Commando zu 
übergeben. 

Wenn man die bisherigen, unablässig geübten Excesse nicht abstellen u. den zaumlosen 
Soldaten zum gebührenden Gehorsam bringen will, so wird es in kurzem um dieses Land getan 
sein. Will man aber keine Exempla statuiren u. auf die Befolgung der Befehle bedacht sein, 
so ist es besser, mit diesen in sich zu halten u. alles bunt über Eck gehen zu lassen, damit 
man wenigstens die angewandte Vorsorge nicht zu eigener Prostitution noch ansehen müsste. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 10. München. 

76 a. Die Administration an den Generalwachtmeister Graf Tattenbach. 

Demnach Ihrer Majestät Dienst erfordert, dass die im Land sich erhobene Bauernempörung 
in der Gegend von Griesbach, Reichenberg u. Eggenfelden mit Anziehung einiger Miliz gedämpft 
werde, u. hierüber das Commando dem Obersten de Wendt aufgetragen worden ist, haben wir 
solches dem Herrn Generalwachtmeister erinnern u. anfügen wollen, dass er in allem, was 



39 

gedachter Oberst an Munition, Mannschaft oder anderem Kriegszeug verlangen wird, die Aus- 
folgung alsogleich gestatte, im übrigen aber bei diesen Troublen auch in Braunau auf guter 
Hut mit aller Sorgfältigkeit das notwendige vorkehren u. ein gleiches nach Schärding notifi- 
ziren möge. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 11, 11 Uhr nachts. Neuötting. 

77. Oberst de Wendt an die Administration. 

Ich bin glücklich hier angekommen; die Truppen von Braunau sind mit vier Stücken 
eingetroffen. "Wie ich vernehme, haben die Bösewichte den Markt Eggenfelden überfallen u. 
ausgeplündert, den dort liegenden Rittmeister des Bartelschen Regimentes mit seinen Leuten 
gefangen genommen. Ich werde daher morgen meinen Marsch gegen Eggenfelden u. Pfarr- 
kirchen antreten u. suchen, ihnen einen Streich anzuhängen. Sie sollen über 2000 Mann stark 
sein. Wenn Oberst v. Bartels von meinem Marsch benachrichtigt würde, so wäre dies nicht 
übel; ich fürchte, ein Brief von hier nach Landshut möchte verloren gehen. Ich werde mich 
aus der Gegend Pfarrkirchen. Eggenfelden, Griesbach u. Biburg nicht entfernen, bis alles 
gestillt ist. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 11. Vilsbiburg. 

78. Gerichtsschreiber Tobias Pader in Vilsbiburg an die Regierung in Landshut. 

Die in Gangkofen u. Velden gelegenen Kürassiere der Compagnie des Rittmeisters Stainer 
haben sich hieher gezogen u. wollten ihren Marsch nach Landshut fortsetzen. Eine halbe Stunde 
von hier wurden sie von den zusammengerotteten Burschen überfallen u. ein Teil von ihnen 
gefangen. Sie sind dann vor den Markt gekommen u. haben zwei Mann hereingeschickt, worauf 
ein Offizier, der mit seinen Leuten von Neumarkt gekommen war u. ebenfalls nach Landshut 
gehen wollte, sich zu den Burschen begab, um sich zu erkundigen, was dies bedeute, worauf 
einige von ihnen zur Antwort gaben, sie wollten nichts als Sicherheit haben; sie seien zu dieser 
Unruhe gezwungen, weil man sie mit Gewalt zu Kriegsdiensten zwingen wollte, so dass sich 
keiner mehr von ihnen habe sehen lassen u. seiner Arbeit nicht mehr habe nachgehen können. 
Obwohl der Offizier ganz bescheidentlich entgegnete, sie würden ihm, der eben von Neumarkt 
komme u. von all dem nichts wisse, dies nicht entgelten, sondern ihn ungehindert passiren 
lassen, so haben sie ihm dennoch die Waffen abgenommen u. ihm bedeutet, er solle nur wieder 
zurückreiten. Hierauf kamen die Burschen in den Markt, stellten sich auf dem Platz ordentlich 
in Glieder auf u. begehrten den Rittmeister Stainer mit seiner Mannschaft, die ihnen bei ihrem 
Angriff entkommen waren. Als nun der Rittmeister sich bei den Burschen gestellt, haben sie 
ihm das Gewehr abgefordert; er hat sich aber mit seinen Leuten, die ausserhalb der Brücke 
zu Pferd gehalten haben, mit der Flucht salvirt. Es folgten zwar einigt? von den Burschen 
nach, sie bekamen aber nur des Rittmeisters zwei Bediente. Wie man vernimmt, wollen die 
Burschen heute Nacht hier bleiben u. bei der Bürgerschaft mit einem Trunk Bier u. Brot 
vorlieb nehmen. 

Bei ihrem Angriff haben die Burschen dem Fahnensattler das Pferd unter dem Leib 
erschossen u. als er sich dann noch zur Wehr gesetzt, ihm einen tötlichen Schuss u. einen 
Hieb über den Kopf versetzt. Die Bagage des Rittmeisters u. seiner Mannschaft haben sie zu 
sich genommen, in den Markt geführt u. unter einander verteilt, wobei sie aber in Uneinigkeil 
gerieten, so dass einer von ihnen durch etliche Hieb. Stich u. Schuss getötet wurde. 

Die Burschen sind gegen 200 Mann stark, die wenigsten sind mit Obergewehr versehen, 
sind aber sonst starke junge Leute. 

Landshut Kreisarchiv. 



40 

1705, Nov. 11. Mauerkirchen. 

79. Kammerer u. Rat des kais. Marktes Mauerkirchen an die Regierung in Burghausen. 

Gestern um 10 Uhr nachts sind gegen 400 Burschen mit Spiessen, Stangen, Pickeln u. 
Büchsen in den Markt gekommen; sie haben die Behausung des Gerichtschreibers mit Gewalt 
geöffnet u. dessen Fahrnis ruinirt, dann bei dem Wildmeister u. dem Dechant die Gewehre 
mit Gewalt geholt. Heute haben sie uns bedeuten lassen, wir sollten alle ledigen Mannspersonen 
zusammenrufen u. ihnen zuschicken, widrigenfalls sie uns ausplündern würden. Wir waren so 
gegen unseren Willen gezwungen, dies zu tun. Heute um 1 Uhr abends sind sie gegen Weng 
abmarschirt. 

Wien H.H. St. A. 

1705, Nov. 11. Neumarkt a. d. R. 

80. Aus der Amts Anzeig von Amtleuten. 

Die zwei Neumarktischen Gerichts Amtleut von Ampfing u. Mettenham bringen die Nach- 
richt, daß eine Anzahl zusammengerottete Bauern u. abgedankte Soldaten den Rittmeister Stainer, 
so zu (Vils-) Biburg, u. den Rittmeister Ruml, so zu Neumarkt im Quartier gelegen u. ihrer 
Ordre gemäß nacher Landshut marschiren wollten, den erstem außerhalb des Markts Biburg, 
den andern mitten in selbigem Markt angefallen u. gezwungen, ihr Gewehr von sich zu geben- 
ihnen aber weiters keinen Affront angetan, auch ihre Rekruten, 60 beritten waren, unangefochten 
gelassen, die unberittenen aber gezwungen, ihre Dienst anzunehmen, darauf sich in des Ritt. 
meister Stainer Quartier begeben, selbigem alles Gewehr, das sie gefunden, abgenommen, imgleichen 
bei dem Pflegscommissär u. Gerichtschreiber dergleichen Insolentien verübt, hernach sich haufen- 
weis in die Bräuhäuser eingezogen u. darinnen allegro gewesen, wie ihnen dann die Bürgerschaft 
lachend zugesehen, folgends ohne daß sie jemand anderm ein Leid zugefügt, wieder abgezogen. 
Vermutlich wirds auf Frontenhausen u. Teyspach losgehen, mehr Gewehr an sich zu bringen. 
An der vilsbiburg. Revoltirung soll hauptsächlich, wie die Revoltanten reden, Pflegscommissarius 
zu Biburg u. sein Eisenscherg schuldig sein, welche mehr Leut als sie berechtigt waren, u. mit 
großer Unbescheidenheit in der Arbeit mit Gewalt hinweggenommen, ja sich hernach verlauten 
lassen, die Bauern können hernach ihre Söhn schon wieder lösen. Der Eisenscherg soll von den 
Bauern viel Geld erpreßt u. sogar, da einer kein Geld gehabt, denen die Brustfleck ausgezogen 
haben, was dann noch mehr Verbitterung gemacht hat. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 11. Eggenfelden. 

81. Kämmerer u. Rat des Marktes Eggenfelden an die Regierung in Landshut. 

Die hier im Quartier gelegenen Husaren u. Reiter sind gestern früh zwischen 3 u. 4 Uhr 
nach Braunau abmarschirt, mit Ausnahme des abwesenden Rittmeisters Richter, der erst am 
Abend hier ankam. Um 11 Uhr nachts kamen ganz unverhofft die aus dem Gericht zusainmen- 
rottirten Burschen vor das Rottertor u. verlangten die Auslieferung des Rittmeisters, den sie 
nach Pfarrkirchen führen u. so lange verwahren wollten, bis ihre vier Kameraden, die von den 
Husaren mitgenommen worden waren, freigelassen würden; wenn man sie nicht einlasse, würden 
sie Gewalt brauchen. Da wir ohne Gewehr keinen Widerstand leisten konnten, haben wir im 
Einverständnis mit dem Rittmeister 100 Bursche in den Markt gelassen, um den Rittmeister 
in seinem Quartier zu bewachen. Wir bitten um Befehle. 

Wien H. H. St. A. 



41 

1705, Nov. 11. Uttendorf. 

82. Der Pfleger Max Eman. v. Aham in Uttendorf an die Regierung in Burghausen. 

Eben haben die zusammenrottirten Burschen einen Boten an ihn geschickt u. begehrt, dass 
er im ganzen Gericht alles, was Spiess u. Waffen tragen kann, aufbieten lasse, im widrigen 
Fall würden sie die Untertanen u. den hiesigen Markt plündern u. alles mit Gewalt wegnehmen. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 11. München. 

83. Die Administration an die Reichskanzlei. 

Mitteilung der von den Gerichten eingelaufenen Nachrichten über den Aufstand. 

Man hat nun den Oberst de Wendt mit den hiesigen Grenadieren, etlichen hundert Füsilieren 
u. 100 Pferden sogleich nach Neuötting abmarschiren lassen, um diesem vermessenen Bauernvolk 
in den Rücken zu gehen. Dem Oberst v. Bartels hat man befohlen, dass er seine Compagnien 
in Landshut zusammenziehe u. so viel als möglich trachte, sie beritten u. bewehrt zu machen. 
Nach Landshut hat man auch von hier einen Leutnant mit 20 Mann zu Fuss u. etwas Munition 
auf einem Floss geschickt, um den dort stehenden Hauptmann Balthausen vom Jung Daunischen 
Regiment zu unterstützen. Ferner hat man angeordnet, dass die 015 Rekruten von Guido 
Stahremberg sich nach Straubing werfen u. dort mit Obergewehr versehen werden sollen. 

Wenn man die Stellung der Rekruten auch mit äusserster Gewalt u. Heranziehung mehrerer 
Truppen erzwingen u. die Leute in Eisen u. Banden wegführen würde, so zeigen die Berichte 
der Offiziere, dass dieses lose Gesindel wieder desertirt. u. aus verlässlichen Briefen aus Brüssel 
hat man ersehen, dass von den geworbenen bairischen Rekruten bereits etliche hundert dort 
angekommen sind, wodurch dem Aerar ein empfindlicher Schaden entsteht, indem die Werb- 
gelder, die Montirung u. das Gewehr zu Verlust gehen. Da die Bauern sich verlauten lassen. 
weder Steuern, Scharwerkgelder noch andere Abgaben mehr zu liefern, so wird man mit dem 
projectirten llybernalquantum nicht zulangen. 

Dem Feldmarschallleutnant Graf v. Bagni hat man nach Ingolstadt von allem Nachricht 
gegeben u. begehrt, dass er sich hieher verfüge; einstweilen aber hat man die oben angeführten 
Anordnungen getroffen. 

Wien H. II. 6t. A. 

1705, Nov. 11. Burghausen. 

84. Protokoll, aufgenommen bei der Regierung Rurghausen und von dieser an die Admini- 
stration geschickt. 

Job. Jos. Franz Frhr. v. Paumgarten gibt zu Protokoll: Am 7. Nov. kam der Prälat von 
Asbach nach Ering u. erzählte, er habe von dem Gerichtsschreiber in Griesbach, der zugleich 
Klosterrichter in Asbach ist, erfahren, wie die Hauern in Griesbach gehaust hätten; er habe 
sich deshalb mit dem Gerichtsschreiber nach Ering salvirt. Ich habe nun meine vornehmsten 
Bauern zu mir berufen u. ihnen vorgestellt, in welche Gefahr sie sich einliessen, wenn sie oder 
ihre Söhne sich in dieses gefährliche Werk einmischen würden; ich verbot ihnen, auch nur 
einen Mann zu stellen oder sonst hilfreiche Hand zu bieten. Als ich erfuhr, dass in Münchham 
im Wirtshaus, das zu meiner Herrschaft gehört, sich einige zusammengerottete Burschen befänden, 
von denen ich glaubte, dass sie zu meinen Untertanen gehörten, liess ich sie auf mein Schloss 
nach Ering berufen. Sie waren aber aus dem Rentamt Landshut, meist aus dein Gericht 
Griesbach; sie stellten sich vor dem Schloss u. dem Schergenhaus auf, aus dem sie gleich alles 
Gewehr wegnahmen u. dem Amtmann ziemliche Streich gaben. Hierauf kamen zwei von ihnen 
— der eine war der Messner von Kösslarn. der sagte, er sei, obwohl er zwei Kinder habe, durch 
Drohung mit dem Abbrennen gezwungen worden mitzugehen — zu mir ins Zimmer, verlangten 
alles Gewehr u. die Stellung aller jungen Buben. Ich sagte ihnen, sie sollten sich diese selbst 

Abh. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl. XXVI. 4. Abh. 



42 

zusammensuchen, gab ihnen aber zur Abwendung weiteren Unheils einiges schlechtes Gewehr. 
Sie zogen dann nach Malching und nahmen dort Quartier. Nachts um 12 Uhr kam einer von 
der sogenannten jungen Burschenarmee, die in Ruhstorf gestanden sein soll, zu mir u. brachte 
mir einen Zettel, in dem ich aufgefordert wurde, zu ihnen zu kommen u. das Commando zu 
übernehmen. Ich entschuldigte mich mit meinem Alter u. meiner Krankheit, versprach aber, 
ihnen so viel möglich von Bring aus mit Rat u. Einschlag an die Hand zu gehen; ich 
habe dies nur getan, um mich mit guter Manier von diesen Leuten frei zu machen. General 
v. Tattenbach habe ich sogleich von allem Kenntnis gegeben; er riet mir, damit meine Güter 
nicht abgebrannt würden, noch einige Tage in Ering zu bleiben, bis Oberst de Wendt mit einem 
Succurs ankomme. Ich habe mich aber entschlossen, in der grössten Geheim u. mit der List, 
dass ich den Burschen etliche Eimer Bier zu vertrinken gegeben, mich nach Burghausen zu 
begeben. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 11. Oberviechtach. 

85. Die von der Regierung in Amberg entsandte Commission, Regierungsräte Servatius 
v. Hartenstein u. F. J. II. v. Heldenberg, an die Regierung. 

Wir sind am 8. Nov. von Neunburg wieder abgereist u. haben weder auf dem Weg noch 
in den Wäldern, die von den Kürassieren und Husaren abgesucht wurden, etwas von dem 
zusammenrottirten Gesindel bemerkt. In Kulz, 1 ) wo die Burschen sich tags vorher eingefunden, 
haben wir uns eine Stunde aufgehalten u. erfahren, dass sie 50 — 60 Mann stark u. nur mit 
Stangen oder Wolfspiessen bewaffnet waren; nur 6 — 8 von ihnen, die blaue Röcke mit gelben 
Aufschlägen trugen u. vermutlich abgedankte Soldaten waren, hatten Seitengewehre. Sie haben 
frei gezehrt, aber wenig, wegen Mangels an Geld, da einige nur eine oder zwei Landmünzen 
hatten. Sie fügten niemanden ein Ungemach zu, sondern begehrten nur, dass man mit ihnen 
halten u. sich keiner zu Kriegsdiensten hinwegnehmen lassen solle. Dasselbe haben wir hier 
vernommen; wir haben aber keinen Von ihnen bekommen, weil sie sich vermutlich wieder zerstreut 
haben. Gestern haben wir die Viertelmeister u. Dorfhauptleute des Amtes Murach mündlich 
u. schriftlich ermahnt, das ihnen zugewiesene Quantum an Mannschaft durch Aufsuchen der 
müssigen u. schlimmen Leute in acht Tagen zu stellen, wozu sie sich ganz willig gezeigt. Man 
hat sie auch über den Aufstand examinirt; sie sagten einhellig, dass sie nur wüssten, dass sich 
einige junge Burschen, um sich der Auswahl zu entziehen, zusammengetan hätten; deren Namen 
seien ihnen unbekannt, weil sie von anderen Orten hergekommen. Wir haben mit Oberst 
d'Arnan gesprochen, er möchte zur Durchführung der Auswahl einige Infanterie hier lassen; er 
bestimmte einen Leutnant mit 40 Mann hiezu; der Hauptmann wird mit G0 Mann nach Neun- 
burg beordert. Der Oberst ist mit der gesammten Cavallerie nach Brück 2 ) marschirt, von wo 
er nach Amberg gehen will, während der Rittmeister vom hannoverischen Kürassierregiment 
über Nittenau u. Regensburg nach Pfaffenhofen bei Ingolstadt rückt. Morgen werden wir nach 
Neunburg gehen, wohin wir das völlige Amt zusammenberufen haben, um ihm einen Vortrag 
zu tun. Dann werden wir uns wieder nach Amberg begeben, da das Unwesen nicht so stark 
gewesen, als das Gerücht fürchten liess; der Aufstand ist gedämpft u. das Quantum der beiden 
Aemter wird in Bälde gestellt sein. 

Wir können nicht verschweigen, dass der Landmann mehr, als man bisher glaubte, arm 
u. mittellos ist; der hannoverische Rittmeister äusserte aus freien Stücken, er hätte nicht 
geglaubt, wenn er es nicht selbst gesehen hätte, dass der Landmann so schlecht stünde u. so 
von seinen Kräften gekommen sei. 

München Kriecrsarchiv. 



') 3 km südlich von Winklara. 
-i G km nördlich von Nittenau. 



43 

1705, Nov. 11. Oberviechtaeh. 

86. Patent der von der Regierung in Amberg abgesandten Commission an die Yiertelmeister 
von Oberviechtaeh. 

Bei der Auswahl der zu Kriegsdiensten tauglichen jungen Leute hat sich in einigen 
Gerichten u. Dorfschaften eine ganz öffentliche Rebellion erhoben, indem einige Untertanen die 
jungen Leute veranlasst haben, von Haus u. Hof, ja sogar ausser Landes zu gehen oder indem 
sie die schon Ausgewählten, die nach Amberg gebracht werden sollten, den Beamten mit bewaff- 
neter Hand auf öffentlichen Strassen entrissen haben; sie haben auch andere zur Rebellion ver- 
leiten wollen, indem sie von Dorf zu Dorf unter Bedrohung des Brandes ansagen Hessen, man 
müsse sich zu ihnen schlagen. Obwohl man Ursache gehabt hätte, gegen derlei Leute mit 
aller Schärfe zu verfahren, so hat man doch, um nicht die Unschuldigen mitleiden zu lassen, 
Milde walten lassen u. die Untertanen durch die Viertelmeister u. die Dorfhauptleute ermahnt, 
sich von dem liederlichen Gesindel fernzuhalten, widrigenfalls sie in Leib- u. Lebensstrafe ver- 
fallen u. sich schwere Winterquartiere auf den Hals ziehen würden. 

Es hat nun diese Ermahnung nicht überall verfangen, da sich, wie ganz gewiss verlautet. 
bei dem treulosen rebellischen Gesindel auch einige Gerichtsuntertanen befinden. Auf Befehl 
des Kaisers ist eine Commission gekommen, um den Stand der Dinge zu untersuchen u. zu 
sehen, wie abzuhelfen u. die Ruhe wieder herzustellen sei. Die Viertelmeister haben die Unter- 
tanen nochmals zur Ruhe zu ermahnen u. zur Stellung der begehrten Mannschaft innerhalb 
acht Tagen anzuhalten, bei Vermeidung der militärischen Execution durch die im Gericht 
liegende Miliz u. die in der Nähe stehenden vier Regimenter. Die Untertanen sollen hieher 
kommen u. der Commission ihre Beschwerden, die sie gegen das Amt oder sonst haben sollten, 
ohne Furcht vorbringen. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 12. München. 

87. Von der Landschaftsverordnung Oberlands in München an die Administration. 

E. K. M. werden Bericht erhalten haben, welche Schwierigkeiten in den Pfleggerichten 
Reichenberg und Griesbach sich ergeben. Wir besorgen, es möchte dieses schädliche Feuer 
noch weiter um sich greifen u. gar zu einem Universalaufstand ausbrechen, umsomehr, da der 
gemeine Bürger u. Bauersmann durch den schon etlich Jahre anhaltenden verderblichen Krieg. 
Brand, Plünderung u. dergleichen armselig zugerichtet, durch das aufgebürdete, weit über die 
Proportion der Landskräfte gereichte Winter- u. sodann beschwerlich angehaltene Sommerquartier, 
beständig mit allerlei schädlichen Excessen verbundene Märsche, benebens gleichwohl ohne einige 
Respiration der so äusserst bedrängten Untertanen nit ausgebliebene Steuer-, Fourage- u. andere 
Anlagen, deren immer eine der andern auf dem Fuß gefolgt, der größte Teil gar fertig in voll- 
kommenen Ruin u. dergestaltigen mühseligen u. erbarmswürdigen Stand gesetzt worden, daß er 
nun zu seiner u. der Seinigen notwendigen Alimentirung bereits den wirklichen Mangel spürt. 
benebens sich das vor der Tür stehende, mehrmalige, schon genugsam erfahrene Winterquartier 
u. der Soldaten angewöhnte ungemeine Excesse mit dem Anhang vor Augen stellt, daß diese 
ihnen vorm Jahr an ihren Schuldigkeiten zu geniessen u. abziehen zu lassen, Ihro Drchl. Prinz 
Eugeni u. das General Kriegscommissariat zwar ganz kräftigst versprochen, sodann aber man 
keineswegs ihnen solche bei der Abrechnung passirt, sondern um die aus Unmöglichkeit restirend 
verbliebenen portiones sie de novo als Schuldner angesetzt u. von ihnen es annoch zu erholen 
angedroht hat. Wenn nun der auf so vielerlei Weis schmerzlichst gravirte Landmann erkennt, 
daß er auf die nach abgelegter Huldigungspflicht ihm so heilig verheissene allergnädigste Con- 
servation u. Protection bis auf dato ganz vergebens gewartet u. geseufzet, mithin nur immer 
tiefer sich ins Elend verfallen habe, so ist bei solcher Bewandtnis, da dem armen Tropf von 
seinem sauren Schweiß nit einmal zu leben übrig bleibt, um so leichter zu ermessen, daß die Ab- 
werfung seines Gehorsams u. Ergreifung desperater Resolution mehrestens seine Gedanken regiert. 



44 

Wir bitten daher, daß den armen Untertanen ihr so saures Joch mit einem Allergnädigsten 
Douceur abgehoben, die Stellung der Mannschaft u. Hinwegnehmung der Söhn u. Knecht nach- 
gegeben u. im übrigen der heurigen Winterprästationen halber die Belegung auf ein leident- 
liches Maß verfügt werde. 

München Kriegsarchiv. „ 

1705, Nov. 12. Mauerkirchen. 

88. Der Oberschreiber Joh. Georg Züegler in Mauerkirchen an die Regierung in Burghausen. 

Wie spöttlich die Wohnung des Gerichtschreibers von den Burschen ruinirt u. geplündert 
worden ist, ist nicht genugsam zu beschreiben. Es sind nicht nur alle Fenster mit den Stöcken, 
alle Türen, Kästen, Bänke, Stühle, Truhen, Bettstätten u. andere Hausfahrnis gänzlich zer- 
trümmert, sondern auch die Registratur verwüstet u. zerrissen. Der Gerichtschreiber musste 
fliehen, weil sie drohten, ihn totzuschlagen. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 12, 10 Uhr nachts. Eggenfelden. 

89. Oberst de Wendt an Feldmarschallleutnant Graf v. Bagni in München. 

Die ausgeschickten Kundschafter sind gestern Nacht wieder zurückgekommen u. brachten 
die Nachricht, dass sie rebellirte Bauern in der Gegend von Neumarkt u. Biburg angetroffen 
u. dass sich auch solche in Eggenfelden, Pfarrkirchen u. Griesbach befänden; von General 
v. Tattenbach erhielt ich die Nachricht, dass auch jenseits des Innes einige beisammen wären. 
Ich habe daher heute mit anbrechendem Tag den Marsch in die Mitte dieses Sehelmenpackes 
auf Eggenfelden angetreten; drei Stunden vor diesem Markt kam mir der von den Bauern 
gefangene Rittmeister entgegen, den sie freigelassen hatten, u. erzählte mir, dass sich noch 
etwa 500 Bauern dort befänden. Ich eilte nun mit der Cavallerie so rasch als möglich voraus 
und liess die Infanterie unter dem Oberstleutnant nachfolgen. Als ich nach Eggenfelden kam, 
waren die Rebellanten schon weg; da sie aber noch nicht weit waren, so folgte ich so stark 
als möglich nach u. liess sie durch die Husaren angreifen. Mit dem göttlichen Beistand wurden 
die Schelmen völlig über den Haufen geworfen, so dass über 50 auf dem Platz blieben und 
elf gefangen wurden; die übrigen wurden in die Wälder versprengt. Weil es aber schon spät 
u. die Pferde sehr matt waren, so ging ich nach Eggenfelden zurück, wo auch die Infanterie 
glücklich ankam. Ich habe nach Pfarrkirchen u. Biburg auf Kundschaft ausgeschickt u. werde 
morgen dahin marschiren, wo es am nötigsten ist. Inzwischen habe ich das beiliegende Patent 1 ) 
ausgeschickt. Von diesen Schelmen haben wir viel Gewehr, nämlich Flinten, gezogene Rohre 
u. Schweinsspiesse, ferner blaue bairische Monturen erbeutet. Die Bösewichte haben alle das 
französische Feldzeichen, ein weisses Papier auf dem Hut gehabt. Sie sind in grosser Anzahl 
im Land. Weil es heute schon zu spät, werde ich morgen vor dem Abmarsch einige auf- 
hängen lassen. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 12. Eggenfelden. 

90. Patent, von einem Ort zum andern unverzüglich herumzuschicken. 

Da Ihro Kais. Majestät Dienst erfordert, dass die rebellischen Bauern u. anderes lose 
Gesindel gestillt u. auseinander getrieben werden, bin ich hiezu mit einigen Truppen beordert 
worden. Ich werde dieses lose Gesindel aufsuchen, da es Ihro Kais. Majestät Willen auf keine 
Weise ist, dass das Land durch dieses Gesindel verderbt werden soll. Es wird hiemit allen 



') S. die folgende Nr. 



45 

Städten, Märkten, Bürgern u. Inwohnern oder Bauern bei Feuer u. Schwert ernstlich erinnert, 
dass sie sich nicht allein von diesem Gesindel fernhalten, sondern auch keinen davon aufnehmen, 
vielmehr wenn einige von dem Gesindel sich in eine Stadt, Markt oder Schloss verfügen, sie 
solche gefangen setzen u. mir es sogleich mitteilen; ich werde in dieser Gegend allzeit anzu- 
treffen sein. Den getreuen Bürgern u. Bauern wird man die vollzogene kais. Intention bei den 
Winterquartieren u. mit anderen Gnaden erkennen. Wer aber wider dieses Patent handelt, dem 
wird die hierin angedrohte Strafe mit aller Schärfe erfolgen. 

Der Rom. Kais. Maj. bestellter Obrister über ein Regiment zu Fuss 
u. Commandant in München 
' De Wendt. 
München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 12. Vilsbiburg. 

91. Der Gerichtsschreiber Tobias Pader an die Regierung in Landshut. 

Der Pflegscommissär hat sich gestern ungefähr um 9 Uhr früh vor der Ankunft der Bauern- 
burschen, wovon er Nachricht gehabt haben wird, von hier wegbegeben u. ist bis jetzt nicht 
zurückgekehrt. Auch seine Frau u. die Kinder sind fort u. sie haben ihr Haus ganz ausgeräumt 
hinterlassen, so dass die Burschen dort nichts mehr fanden. Sie haben nur die am Haus ange- 
brachte Mauttafel heruntergerissen u. sind mit den Füssen darauf gesprungen. Dann gingen sie 
in das Amtshaus und haben dort alles verwüstet, zerschlagen u. zerrissen, die Betten u. Kleider 
zerhaut u. zwei Pferde mitgenommen. Einen Schweinedieb u. einen wegen böser Taten Ver- 
hafteten Hessen sie frei. Ungefähr 20 Kerle haben mich in meiner Behausung überfallen u. 
die Amtsgelder verlangt. Als ich ihnen der Wahrheit gemäss sagte, dass ich keinen Kreuzer 
in Händen hätte, durchsuchten sie das ganze Haus u. nahmen eine Flinte mit. 

Landshut Kreisarchiv. 

1705. Nov. 13. Eggenfelden. 

91a. Oberst de Wendt an Generalwachtmeister Graf Tattcnbach in Braunau. 

Weil in der Gegend von Landshut alles aufgestanden, nehme ich meinen Marsch nach 
Biburg; wenn über dem Inn einige Gefahr ist, bitte ich mir dies durch den Ueberbringer gleich 
wissen zu lassen; ich werde dann von Biburg nach Neumarkt u. von dort nach Braunau mar- 
schiren. Da die Schelmen auf Landshut losgehen u. das ganze Land auf einmal aufheben 
wollen, muss sich der Herr Bruder recht wohl informiren. damit ich nicht mit den Truppen so 
weit umsonst gehe; die Aufrührer würden sonst so viel Zeit gewinnen, dass sie eine patente 
Macht zusammenbringen möchten, die wir nicht machen könnten. 

Wien H.H. St. A. 

1705. Nov. 13. München. 

92. Die Administration an Prinz Eugen. 

Nachrichten über die bisherigen Ereignisse. Man ist auch begriffen, die längs des Tiroler 
Gebirges gestandene Cavallerie hieher zu ziehen u. sie so viel als möglich beritten u. bewehrt 
zu machen, damit man, wenn der Aufstand in der Gegend von Mauerkirchen fortdauern sollte. 
dorthin Succurs schicken kann. In der oberen Pfalz ist Oberst d'Arnan mit einem kleinen 
Corpeto von etlichen hundert Mann im Marsch, um die zusammenrotteten Bauern auseinander 
zu treiben. Sollte die Sache in ein paar Tagen ein gefährlicheres Aussehen gewinnen, so wird 
man gezwungen sein, von dem Castellischen Dragoner-Regiment ein paar hundert Pferde hieher 
zu ziehen, um Luft zu machen, so dass die in Straubing befindlichen Rekruten von Guido 
Stahremberg u. Herberstein den Marsch nach Italien fortsetzen können. Diese Rebellion ist 
zwar von keiner solchen Bedeutung, dass man sich nicht bald wird wieder zum Meister machen 



46 

können; doch ist gewiss, dass, wenn man von der Stellung der Rekruten nicht absteht, diese 
Canaillen in die äusserste Desperation geraten werden. Auch wird, wenn das Land nicht bald 
zur Kühe gebracht wird, das projectirte Eybernale nicht aufgebracht werden können. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 13. München. 

93. F. Jos. Unertl an den Hofrat. 

Nachdem bei dem jetzigen Aufstand einiger Gerichte die ledigen Burschen die landadeligen 
Wohnungen überfallen u. das Gewehr an sich nehmen, so hat der Hofrat an die adeligen Land- 
sassen dieses Rentamts die Ausschreibung zu tun, dass sie all ihr Gewehr in das Zeughaus 
bringen sollen, wo man ihnen einen gesonderten Ort anweisen u. einem von ihnen den Schlüssel 
dazu übergeben wird. 1 ) 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 13. München. 

94. Die Administration an die Regierung in Burghausen. 

Durch die Zersprengung der Bauern bei Eggenfelden wird die Sache gar bald ein anderes 
Aussehen gewinnen u. der Untertan zu dem schuldigen Gehorsam gebracht werden. Wir wundern 
uns aber nicht wenig, dass man diesen Burschen in den Märkten u. anderen geschlossenen Orten 
sogleich Tür u. Tor geöffnet u. ihnen nach ihrem Willen getan hat, ohne dass man ihnen die 
Schwere der Sache vorgestellt u. sie an den schuldigen Gehorsam erinnert hätte. Kammerer 
u. Rat in Mauerkirchen haben sich sogar so weit verloren, dass sie auf Anbegehren der rebel- 
lirenden Gesellen ihnen die ledigen Mannspersonen u. Schützen gestellt haben, so ein Unter- 
nehmen ist, von dem wir andere Gedanken fassen müssen. Wir werden uns seiner Zeit näher 
darüber auslassen, inzwischen habt, ihr ihnen zu bedeuten, dass, wenn sie nicht sogleich ihre 
jungen Gesellen und Schützen zurückfordern, wir an ihnen ein solches Exeinpel statuiren würden, 
dass das ganze Land sich darin spiegeln könne. Ihr könnt auch den im Land begüterten 
Edelleuten hinterbringen, dass sie ihr Gewehr vor den rebellirenden Gesellen in geschlossenen 
Orten aufbewahren sollen. 2 ) 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 13. Vilshofen. 

95. Der Gerichtsschreiber Joh. Adam Paur an die Regierung in Landshut. 

Gestern Abend sind sechs Burschen aus dem Gericht Griesbach in die hiesige Stadt 
gekommen; zwei von ihnen kamen zu mir in die Gerichtschreiberei u. verlangten, dass bei 
entsetzlicher Strafe von den Bräu- u. Pflegamtsgefällen nichts mehr an die Regierung über- 
schickt werde. Heute früh zogen gegen 200 Mann aus dem hiesigen u. dem Griesbacher Gericht 
in die Stadt ein, die eine Hälfte mit Flinten, die andere mit Zaunstecken, alle aber mit Seiten- 
gewehren versehen. 15 Mann davon kamen zu mir heraus in die Gerichtschreiberei u. ver- 
langten die Freilassung des wegen Mordes verhafteten Hollers. Als ich sagte, dass ich keinen 
Befehl hiezu hätte, nahmen sie ihn mit Gewalt aus der Frohnfeste. Kurz darauf kam ein 
anderes Commando u. führte mich mit Gewalt zu dem in der Stadt liegenden Pfleghaus, wo ich 
ihnen das eingelieferte Gewehr, das meist unbrauchbar war, u. drei alte Landfahnenröcke über- 
lassen musste. Nun forderten sie von dem geflohenen Pflegscommissär 1600 fl, die ich aber 



1 ) Ebenso unter dem 14. Nov. die Administration in München an das kais. Landgericht Dachau. 
München R. A. Generaliensammlung Nr. 4, Bd. G, f. 84. 

2 ) Der letztere Befehl ergeht am gleichen Tage an die Regierung in Landshut. 



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auf 300 herunterbrachte u. die ich ihnen, um grösseren Schaden zu verhüten, aus den Bräuamts- 
gefällen bezahlen musste. Um 12 Uhr sind sie wieder abgezogen; ein Teil sagte, sie wollten 
über den Inn gehen u. das jenseitige Land in Unruhe setzen, der andere wollte nach Oster- 
hofen, um das dortige Gewehr abzuholen. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 13. München. 

96. Die Administration an den Geheimen Rat in Innsbruck. 

Nach einem Bericht des Prlegscommissärs erwarten die aufrührerischen Bauern in der 
Gegend um Wasserburg die Ankunft von 700 Tiroler Schützen. Man will hievon Nachricht 
geben. 

Wien H. H. St. A. 

1705. Nov. 14. Landshut. 

97. Protokoll, aufgenommen mit Christoph Stroberger, Amtmann der Baron Lerchenfeldischen 
Hofmark Aham bei Frontenhausen. 

Stroberger sagt aus, dass er am 13. Nov. abends 7 Uhr von dem zusammen rottirten 
Bauerngesindel völlig ausgeraubt worden ist. Die Rädelsführer hiebei waren die beiden Wirts- 
söhne von Johannesbrunn, das zur Hofmark des Barons v. Vieregg gehört. Die meisten Burschen 
haben sich wegen des angerückten starken Commandos u. der geschehenen Niederhauung wieder 
nach Hause begeben, die Hauptrebellen aber haben sich nach Griesbach gewendet, wohin auch 
die bei Eggenfelden Versprengten gegangen sind. Die meisten von den Hauptrebellen haben 
sich in Johannesbrunn befunden u. haben sich dort zusammenrottirt; Baron v. Vieregg hat davon 
gute Wissenschaft gehabt u. ihnen in seiner Herrschaft Unterschlupf gewährt; er hat ihnen 
auch sein eigenes Gewehr gegeben, hat sich aber bei dem Anrücken des starken Corps nach 
Landshut retirirt. Der eigene Jäger des Barons hat sich bei den Rebellen befunden u. der 
Plünderung des Amtmanns persönlich beigewohnt. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 11. In der Hauptstadt Landshuet. 

98. Josephus etc. Die kaiserliche Regierung zu Landshuet an die kais. Pfleger, Pflegsver- 
walter, Richter, auch Städte, Märkte u. Hochmarchen. Der Kaiser hat seinen Commandanten 
zu München, den Obristen de Womit, mit gewissen Regimentern z. Pf. u. z. F. commandirt, 
das im Lande Bayern hin und wieder zusanunengerottirle Bauern- und anderes lose Gesindel 
aus einander zu treiben, mithin dem Bürger und Landinwohner die vorige Ruhe zu schaffen. 
Also werden alle Städte, Märkte, Dorfschaften u. einschichtige Bauernschaften durch dieses offene 
Patent ermahnt, daß sie nicht allein ihre Söhne und Knechte nach Haus und Hof berufen u. 
daß alle Bauern nebst ihren Söhnen bei ihrem Haus u. Hof bleiben, sondern in aller Devotion 
u. mit aller Treue dem Kaiser u. ihren vorgesetzten Beamten sich gehorsam erweisen sollen. 
De Wendt ist angewiesen, die Zuwiderhandelnden mit Feuer und Schwert aufs schärfste zu 
verfolgen. Jeder soll erachten, daß man dem leichtfertigen Gesindel seinen Mutwillen nit also 
gestatten wird. Bürger- u. Bauerschaft also von selbst darauf dringen und trachten, diese leicht- 
fertigen Gesellen, die nichts anderes suchen als den gänzlichen Ruin und Untergang des armen 
Bürgers u. Bauern im ganzen Lande, aufzufangen u. aus einander zu jagen. Niemand soll sich 
unter irgend einem Vorwand von Haus u. Hof wegbegeben, denn von der marschirenden Soldateska 
ist nicht im geringsten zu befürchten, daß denen, die daheim bleiben, nur das geringste weg- 
genommen oder Leid zugefügt werde. 

Druck. München U.A. Generaliensammlung 1/11, f. 23G. 



48 

1705, Nov. 14. Vilshofen. 

99. Kämmerer u. Rat in Vilshofen an die Regierung in Landshut. 

Gestern vormittag sind gegen 200 Bauernsöhne u. Knechte, die aus dem hiesigen u. dem 
Griesbacher Gerieht waren, mit Trommelschlag u. Papier auf den Hüten ganz unversehens in 
zwei Parteien durch das obere u. das untere Tor eingezogen. Etliche waren mit alten Ge- 
wehren, die übrigen mit grossen Stecken, alle aber mit Degen u. Säbeln versehen. Obwohl 
unter den beiden Toren sich eine Wache von der Bürgerschaft befand, so hat man sich doch 
nicht zu widersetzen getraut, weil sie sagten, sie hätten einen grossen Hinterhalt, was um so 
glaubwürdiger schien, da der Pflegscommissär von Griesbach bei seinem Hiersein erzählt hatte, 
dass sich in Griesbach 1400 Mann befänden. Hätte man sie nicht eingelassen, so wären die 
Vorstädte u. das weisse Bräuhaus in Gefahr gestanden, da die Bürgerschaft ohne Warfen ist 
u. erst kürzlich die Palisaden, die um die Stadt u. die Vorstädte gestanden, entfernt worden 
sind. Die Leute haben von der Stadt weiter nichts als für den Mann um 1 kr Brot u. von 
dem Bräuhaus etwas Bier begehrt; von dem Pfleggericht forderten sie 300 fl Werbegelder, das 
Gewehr u. die Munition; einen wegen Mordes verhafteten Malefikanten haben sie mit Gewalt 
aus dem Eisenamthaus herausgenommen. Sie verlangten, dass man sie bei der Bürgerschaft 
einquartiren oder ihnen Holz zum Campiren auf dem Platz beischaffen solle. Man hat sie aber 
doch zum Ausmarschiren beredet; wo sie hingegangen, ist nicht bekannt. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 14. Landshut. 

100. Die Regierung Landshut an das Gericht Vilsbiburg. 

Oberst de Wendt hat Order bekommen, wenn sich die Burschen noch beisammen rottirt 
halten, weiter in sie zu dringen u. was mit Gewehr betreten wird, zu massakriren, auch von 
den Gefangenen einige aufhängen zu lassen. Wenn sie sich aber submittiren wollen u. die 
Rädelsführer ausliefern, so soll er von fernerer Niederhauung absehen. Dies hast Du unter 
das Bauernvolk zu bringen, damit sie sehen, dass es ihre eigene Schuld sei, wenn mehr Leute 
umkommen. 

Landshut Kreisarchiv. 

1705, Nov. 14. Landshut. 

101. Oberst v. Bartels an Generalfeldmarschallleutnant Graf v. Bagni in München. 

Euer Excellenz Schreiben vom 12. Nov., wonach ich den Rittmeister Weiss vom Dragoner- 
Regiment Hohenzollern heranziehen soll, habe ich gestern nachts erhalten u. ihn heute beordert. 
Wäre er zwei Tage früher bei mir gewesen, so hätte ich den Bauern um (Vils-)Biburg artlich 
ausgezahlt. Gestern Nacht bin ich mit 110 Mann, wovon 40 beritten waren, nach Biburg 
marschirt, wo ich Oberst de Wendt traf, der die Bauern schon auseinander gejagt u. gegen 
30 niedergehaut hatte. Morgen geht er nach Brunn. Ich werde sehen, ob sich um Landshut 
etwas Neues hervortut. Die zwei Kompagnien von Abensberg u. Mainburg habe ich hieher 
beordert. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 14. Burghausen. 

102. Artikel, so der kais. Kriegscommissär v. Dietrich einer gesammten Bürgerschaft der 
Hauptstadt Burghausen wegen der gegenwärtigen gefährlichen Trubeln vorgelegt u. treulich zu 
halten verspricht. 

Es besteht die Gefahr, dass die rebellischen Bauernburschen auch die Stadt mit Plün- 
derung, Feuer u. Schwert heimsuchen wollen. Es niuss deshalb die kais. Besatzung zur Ver- 
teidigung der Stadt zusammenstehen. Die Bürgerschaft wird sich also durch einen leiblichen 



49 

Eid verbinden, Stadt u. Schloss bis auf den letzten Blutstropfen zu verteidigen, zu welchem 
Ende man ihr aus dem Zeughaus Ober- u. Untergewehr nebst Kraut u. Lot abgeben, die Posten 
zur Hälfte mit Soldaten u. Bürgern besetzen u. an den Toren eine gleiche Sperre halten wird, 
so dass der eine Schlüssel der Bürgerschaft oder einem der Bürgermeister, der andere der 
Miliz anvertraut wird. 

Obwohl man ohnedies dem aufrührerischen Bauerngesindel gewachsen ist, verspricht der 
Kriegscommi6sär noch weitere regulirte Truppen heranzuziehen; er wird auch die Bürgerschaft 
der kais. Gnade empfehlen, so dass sie an den Winterquartieren u. Portionen eine Erleichterung 
erfährt. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 14. Burghausen. 

103. Punkte, die der Magistrat heute bei der Regierung vorgebracht hat. 

1. Die drei Müller bei St. Johannes haben von den Bauern Befehl bekommen, sich zur 
Verteidigung der Stadt bei Vermeidung des Brandes nicht gebrauchen zu lassen. "Wenn diese, 
wie zu erwarten ist, folgen, so ist die Stadt ohne Mehl u. ohne Malz, hat also kein Brot u. 
kein Bier. 

2. Die Bauern drohen, der Stadt das Wasser zu nehmen, die 8tädel jenseits der Salzach 
anzuzünden; sie wollen nur den günstigen Wind abwarten, damit die Stadt u. das Schloss in 
Brand gerate. 

3. Das Gewehr, das man an die Bürgerschaft verteilt hat, ist unbrauchbar; man kann 
fast keinen Schuss damit abgeben. 

4. Die Soldaten stellen zu wenig Leute für die Wachen. 

5. Die Bürger werden mit den unbrauchbaren Gewehren auf die äusseren Wachen ge- 
schickt, während die Soldaten auf den inneren bleiben; es sollte umgekehrt sein, da die bren- 
nenden Lunten, die die Bürger haben müssen, weithin sichtbar sind. 

6. Die Soldaten haben sich vernehmen lassen, sie wollten die Stadt anzünden, wenn sie 
sie nicht mehr halten könnten u. sich in das Schloss zurückziehen. 

7. So wie die Bürgerschaft der Soldatesca den Eid abgelegt hat, so soll auch diese der 
Bürgerschaft einen Eid leisten. 

8. Die versprochene halbe Sperre ist noch nicht durchgeführt. 

9. Viele Bürger verlangen die Entlassung der hier in Gefangenschaft sitzenden Bauern. 

10. Die Bauern sind gestern im Begriff gewesen, die Brücken zu Höhenwart u. Marktl 
abzubrennen, damit Oberst de Wendt keinen Übergang finde. Heute aber sind einige tausend 
Bauern jenseits u. 1000 Schützen diesseits aufgeboten, um die Stadt anzugreifen. 

11. Viele Personen wollen ihre Sachen aus der Stadt in Sicherheit bringen; es soll ihnen 
dies erlaubt werden. 

(Von Sekretär Hagen geschrieben.) 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 15. Passau. 

10-t. Bericht eines Rittmeisters des Kürassier-Regiments Bartels an den Hof des Fürstbischofs 
von Passau über den Aufstand im Vilstal und die Gefangennahme des Oberstleutnants Grafen 
Franz Anton v. Lainberg. v. Hormayr, S. 137. 



Abb. (1. philos.-philol. u. d. bist. Kl XXVI, 4. Abb. 



50 

1705, Nov. 15. "Vilsbiburg. 

105. Der Gerichtschreiber Tobias Pader an die Regierung in Landshut. 

Am 13. Nov. sind ganz unverhofft bei 1000 Mann kais. Völker zu Fuss u. zu Pferd von 
Eggenfelden hieher gekommen u. haben die Burschen, die sich inner- u. ausserhalb des Markte» 
aufgehalten, dergestalt auseinander gesprengt, dass die einen da-, die anderen dorthin gelaufen 
sind; es wurden viele zu Tod gehaut u. geschossen, so wie viele, darunter der Rädelsführer, 
der Sohn des Ernsthofer Bauern, gefangen. Gestern hat man einige von diesen da und dort 
um Biburg aufhängen wollen, es ist aber, ich weiss nicht warum, nicht geschehen. Heute 
wurden sie von den Truppen, die gegen Neumarkt marschiren, fortgeführt. Die Toten liegen 
noch auf der Strasse u. den Feldern herum, die meisten bis aufs Hemd ausgezogen. Es ist 
niemand da, der sich um sie annehmen will; ich frage wegen der Unkosten an, was mit ihnen 
geschehen soll. 

Landshut Kreisarchiv. 

1705, Nov. 15. Dingolfing. 

106. Der Pflegscommissär Max Sterlegger an die Regierung in Landshut. 

Obwohl am 13. Nov. etwa 400 Burschen in Frontenhausen im Quartier gelegen sind u. 
den dortigen Amtmann wie auch den zu Ahamb ausgeplündert haben, ist in meinem Gericht 
keine Ungelegenheit vorgekommen; es hat sich niemand von den Untertanen oder deren Söhnen 
oder Knechten zu ihnen begeben. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 15. Mühldorf. 

107. Albr. Sigmund v. Riembnoven, Herr der Hofmark Wurmsham, an die Regierung in 
Landshut. 

Am 12. Nov. nachts haben mich etwa 200 der im Gericht Biburg nicht wenig bekannten 
BauernkDechte in meinem Schlosse überfallen u. 4000 fl von mir begehrt, widrigenfalls sie mich 
ausplündern würden. Ich habe ihnen einiges Geld gegeben, habe aber an dem weggenommenen 
Gewehr, Gewand und zerschlagenen Mobilien noch einen Schaden von etlich hundert Gulden 
erlitten. Da ihnen das Geld nicht genug war, drohten sie ein andermal wieder zu kommen; 
ich habe mich deshalb zu meiner Sicherheit hieher retirirt. 



Wien H. H. St. A. 



1705, Nov. 15. Landau a. d. Isar. 



108. Der Pfleger Phil. Ant. v. Grossschedel in Landau an der Isar an die Regierung in 
Landshut. 

Die zusammengerotteten Burschen aus den Gerichten Pfarrkirchen u. Eggenfelden haben 
sich nach Malgersdorf, Eichendorf, Dornach, Pizling, Unterpöring u. Ramsdorf begeben u. dort 
Geld, Gewehr u. Montur begehrt; sie sollen vorhaben, auch nach Landau zu kommen, um das 
Gewehr u. die Montur zu holen; an Gewehr ist aber hier nichts vorhanden und die Montur 
ist an das Kastenamt in Landshut abgeliefert worden. Ich bitte nun um Befehl, wie ich mich 
zu verhalten habe. Die Amtleute diesseits der Isar mussten wegen scharfer Bedrohung flüchtig 
gehen; der Hofmarksamtmann in Enzerswies, 1 / 2 Stunde von Eichendorf, ist ausgeplündert worden. 
Ich kann weder eine Steuer einfordern, noch sonst eine Amtirung vornehmen. 

P. S. Eben erfahre ich, dass gestern ein Trupp von 140 Mann in Osterhofen gewesen ist, 
von denen 15 nach Oberpöring commandirt wurden, um in dem Schloss u. bei dem Verwalter 
das Gewehr u. einiges Geld zu holen; man sagt, sie hätten sich dann in den Forst Hart begeben. 



51 

Ein anderer Trupp von 200 Mann ist gestern nach Gergweis u. Göttersdorf gekommen u. hat 
das Gewehr abgeholt; dann sind sie nach Pettendorf bei Haidenburg gegangen. Sie sollen den 
Beamten sehr drohen. 



Wien H. H. St. A. 



1703, Nov. 15, nachts 12 Uhr. 



Bei Kelheim. 



109. Der Pfleger Hans Georg Wolf Frhr. v. Leoprechting an die Regierung in Straubing. 

Ich befinde mich über Nacht bei Baron v. Notthafft in Affecking. Um 1 j l 12 Uhr kam 
mein Reitknecht u. meldete, dass in Kelheim alles rebellisch sei; gleich darauf kommt ein 
Metzger aus Kelheim namens Kraus ziemlich bezecht in das Schloss geritten u. sagt, dass er 
sich mit noch 15 Mann in Affecking befinde, um die Leute in den Dörfern aufzubringen. Ich 
ermahnte ihn, solches doch nicht zu tun, da es nichts gutes nach sich ziehen werde; ich wolle 
sogleich in die Stadt u. den Aufruhr in Güte stillen. Er riet mir, dies zu unterlassen, da die 
meisten in Kelheim voll wären u. mir ein grosses Unglück geschehen dürfte. 

P. S. Eben vernehme ich, dass die Tore in Kelheim gesperrt sind u. niemand aus- u. 
eingelassen wird. Die Aufrührer sollen den Hauptmann Wexner 1 ) geplündert haben. Ich werde 
morgen in aller Frühe suchen, den Aufstand beizulegen, der ganz unvermutet ausgebrochen ist. 

Wien H.H. St. A. 



1705, Nov. 16. 



110. Capitulation von Burghausen. 



Burghausen. 



Accord, 
den die in Burghausen liegende kais. Garnison 
mit der sämmtlichen Bauernschaft, die dies- u. 
jenseits liegt u. die Stadt investirt hat-, ge- 
troffen hat. 
1. Da es nicht in der Befugnis der von der 
Regierung u. dem Magistrat Abgeordneten steht, 
darüber zu verhandeln, so wird man diesen 
berichten. 



2. Die Garnison u. was zu ihr gehört, soll 
ohne Obergewehr, aber mit Sack u. Pack aus- 
ziehen, jedoch sollen die Officiere, die vier 
Feldwebel, der Fouricr u. der Musterschreiber 
ihre Flinten behalten. Sie soll ausser Land 
bis an einen sicheren Ort begleitet werden, 
die Bürger u. die Bauern stellen je die Hälfte 
der Begleitung. 



Accordsproject 

u. zwar das von der sämmtlichen Bauernschaft, 

die dies- u. jenseits der Stadt u. Festung liegt, 

gestellte Begehren. 

1. Es wird verlangt, dass der Landmann 
bei seinen alten Privilegien verbleibe, dass man 
von ihm nicht mehr fordere als unter dem Kur- 
fürsten geschehen, damit die Bauern bei häus- 
lichen Ehren verbleiben u. ihre schuldigen Ab- 
gaben entrichten können; alle Bauernsöhne u. 
Knechte sollen zu Hause verbleiben u. allein 
zur Verteidigung des Landes dienen; sie ver- 
sprechen dann, sich im Land wider jede aus- 
wärtige Gewalt bis auf den letzten Blutstropfen 
zu verteidigen u. sie verlangen, dass jeder nach 
Belieben das zur Verteidigung nötige Gewehr 
haben möge. 

2. Die Garnison mit den Officieren soll 
ohne Ober- u. Seitengewehr ausziehen. 



') Nach Nr. 118: Meixner. 



52 

Zar Fortschaffung der den Soldaten u. dem 
Kriegscommissär gehörigen Sachen werden die 
nötigen Fuhren verschafft werden. 

Die Garnison soll heute noch das Gewehr 
ablegen, da die Bürger u. Bauern noch heute 
das Schloss, die Stadt u. die Tore besetzen 
werden. Von dem Gewehr der Garnison sollen 
die Bürger u. die Bauern je die Hälfte erhalten. 
Jeder, der ein Gewehr bekommt, hat seinen 
Namen u. sein Gericht anzugeben. 

Die Garnison soll durch 100 Bürger u. 
200 Schützen u. einen Commissär der Regie- 
rung ausser Landes geführt u. dort auf freien 
Fuss gesetzt werden. 

Die Gewalthaber, die zu diesem Accord beordert worden, sind 
1. Hans Jägerstätter; 2. Georg Prandstätter; 3. Caspar Lindner zu Hochburg; 4. Franz Nagel- 
stätter; 5. Peter Ganser; 6. Wolf Schönberger; 7. Georg Nöckhammer; 8. Paulus Hinterhofer, 
sämmtlich Braunauer Gerichts; 9. Philipp Schwaiger aus der Herrschaft Katzenberg; 10. Jakob 
Limmer, Gerichts Neuötting; 11. Philipp Obermayer, Schmied zu Höhenwarth, obigen Gerichts; 

12. Martin Guglreiter desselben Gerichts. 

München Kreisarchiv. 

1705. Nov. 16. Vilshofen. 

111. Kammerer u. Rat in Vilshofen an die Regierung in Landshut. 

Am 14. Nov. spät abends sind von dem aufrührerischen Volk fünf wohlberittene Kerle, 
von denen zwei rote Dragoneruniform trugen, mit 200 Knechten, von denen die wenigsten mit 
Gewehr, sondern mit großen Stecken versehen waren, vor die Stadt gekommen u. haben Quartier 
verlangt. Es wurden aber die Tore zugesperrt u. ihnen gesagt, sie würden wohl nicht ver- 
langen, dass die Stadt, die durch den Krieg aufs äusserste erschöpft sei, ihrethalben in Ungnade 
kommen sollte. Sie Hessen sich damit abspeisen u. Hessen die Knechte abmarschiren; die fünf 
berittenen Kerle aber haben sich in der unteren Vorstadt selbst einquartirt, sind aber des andern 
Tags in der Früh ohne die mindeste Ungelegenheit weggeritten. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 16. Landshut. 

112. Oberst v. Bartels an die Administration. 

Ich habe heute Nacht von Oberst de Wendt aus Frontenhausen ein Schreiben erhalten, 
dass ich Herrn v. Vieregg von Gerzen in das hiesige Schloss setzen lassen soll; ich habe ihn 
heute früh um 6 Uhr hinaufgeführt. Er lamentirt schrecklich u. will in allem unschuldig sein; 
doch hat er bekannt, dass er den Bauern fünf Flinten habe geben müssen. Eben bekomme 
ich die Nachricht, dass sich bei 200 Bauern zwischen Gangkofen u. Neumarkt zusammengerottet 
haben. Nachdem Rittmeister Weiss heute mit 55 Pferden hier eintrifft, werde ich von den 
ineinigen eben so viel dazu nehmen u. sie aufsuchen. Die hiesige Garnison besteht im ganzen 
aus etwa 500 Mann, von denen aber 200 ohne Gewehr sind. Oberst de Wendt schreibt mir, 
dass 600 Stahrembergische hier ankommen werden; ich weiss nicht, ob sie hier liegen bleiben 
sollen. 

München Kriegaarchiv. 



53 



1705, Nov. IG. Mühldorf. 

113. Joh. Ign. Paucr, Hauptmann im Dragoner Regiment Graf Sinzendorf an den Magistrat 
in Neuötting. 

Der in hiesiger Gegend stehende Oberst de Wendt hat mir den Befehl gegeben, dem 
Magistrat zu bedeuten, dass er sich bei Vermeidung von Feuer u. Schwert in diesen rebellischen 
Aufstand nicht einlasse u. dem leichtfertigen Gesindel keinen Unterschlupf gebe, ferner dass an 
der hölzernen Innbrücke daselbst nicht ein Baum, geschweige ein mehreres verletzt werde. 
Oberst de Wendt wird sich in kurzem mit einer starken Macht in der Gegend von Burghausen 
u. das Castellische Dragoner Regiment in der Stärke von 1000 Mann in hiesiger Gegend einfinden. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 16. Innsbruck. 

114-. Der Geheime Rat in Innsbruck an die Administration in München. 

Erwiderung auf das Schreiben vom 13. Nov. Obwohl wir nicht glauben, dass die hier- 
ländischen Untertanen, die den feindlichen Einbruch aus Baiern u. den ihnen dadurch zugefügten 
Schaden noch nicht vergessen haben, mit den aufständischen Bauernburschen in Baiern in so 
gutem Verständnis stehen, dass sie ihnen mit Gewehr oder Mannschaft succurriren sollten, haben 
wir doch verordnet, dass jede Unterstützung derselben mit Mannschaft oder Gewehr oder auf 
andere Weise verhindert werde. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 10. München. 

115. Die Administration an die Reichskanzlei. 

Oberst de Wendt hat am 12. Nov. 500 Bauern bei Eggenfelden zersprengt. Am 13. 
rückte er gegen (Vils-) Biburg, da er von Kundschaftern die Nachricht erhalten hatte, dass dort 
eine Bande des empörten Bauernvolkes stehe. Er liess die Husaren über die Vils setzen, während 
die übrige Cavallerie auf der Strasse vorging. Als die Bauern den Anmarsch bemerkten, ver- 
liessen sie Biburg und suchten das freie Feld. Die Husaren trafen auf sie u. hielten sie mit 
Scharmütziren so lange auf, bis die Cavallerie nachkam, die die Bauern angriff u. auseinander 
sprengte. In den beiden Begebenheiten sind über 100 Bauern getötet u. 30 gefangen worden. 
Heute meldet de Wendt, dass er sich nach Frontenhausen gewendet u. dort die Behausungen 
zweier Rädelsführer habe plündern u. verwüsten lassen; auch habe er an jeder der drei Haupt- 
strassen einen Bauern zum Beispiel aufhängen lassen. Es ist wahrscheinlich. d;i*s die Bauern 
sich dies zur Warnung dienen lassen u. auseinander gehen werden. Es kommt aber von Alten- 
ötting die Nachricht, dass im Rentamt Burghausen um Ried u. Mauerkirchen bis in die Gegend 
von Altenötting die Empörung ausgebrochen ist; die Canaillen haben die Brücke bei Marktl 
abgeworfen, die letzte Wiener Post aufgefangen u. Truppen, die Transporte von Montirung usw. 
begleitet, angefallen, etliche Soldaten erschlagen u. ihnen die Waren abgenommen. 

Von den Gefangenen hat man erfahren, dass sie zu dem Aufruhr durch die Erzwingung 
der Rekruten, durch die Excesse der Miliz, die nicht abgestellt wurden u. durch die über- 
mässigen Contributionen veranlasst worden seien. Der Baron v. Closen in Gern habe sie dazu 
animirt u. habe ihnen Gewehr gegeben; solches habe auch der Baron v. Vieregg getan. Man 
hat nun sogleich einen Closen verhaftet; es war aber nicht der rechte; dieser befindet sich in 
Altenötting; der dorthin gesandte Leutnant musste unverrichteter Dinge umkehren, da das Dorf 
voll von Bauern war. Vieregg sitzt in der Haft in Landshut. 

Die VerphYgsstärke der in Baiern befindlichen kais. Truppen beträgt allerdings gegen 
7000 Mann; rechnet man aber die Garnisonen von München. Ingolstadt. Schärding u. Braunau 
so wie die übrigen Posten in Straubing, Landshut. Friedberg, Landsberg, Wasserburg u. Burg- 



54 

hausen ab, so bleibt für Commandos wenig übrig. Die obere Pfalz mit Amberg u. Cham darf 
auch nicht ausser Acht gelassen werden; von Oberst d'Arnan hat Bagni heute von dort einen 
Brief erhalten, wonach sich die Unruhen allgemach legen. 

An Cavallerie bleiben nur etliche hundert Pferde zum Dienst verfügbar, die man teils dem 
Oberst de Wendt zugeteilt hat u. die teils erst auszurüsten sind. Man sucht die hier befind- 
lichen unberittenen Reiter zu remontiren; die meisten haben aber kein Gewehr, keine Montirung, 
keinen Sattel u. Zeug, da die im Sommer von hier abgerückten Truppen in guten Stand gesetzt 
werden mussten. Die Hälfte ist überdies als marode zu rechnen. Es werden noch wenigstens 
14 Tage vergehen, bis sie verwendbar sein werden. Wir haben auch die für die Regimenter 
in Piemont bestimmten Reiter u. Rekruten hieher gezogen u. wenn man die beste Mannschaft 
von ihnen zu Pferd setzt, könnte man 300 Mann zum Dienst bringen. Das neu errichtete 
Kürassierregiment Bartels hat jetzt über 300 Pferde; allein es fehlt an Gewehr, Montirung, 
Sattel u. Zeug. Die Bauern haben 2 — 3 Compagnien des Regimentes überfallen u. hofften die 
Leute für sich zu gewinnen. Diese haben aber Mittel u. Wege gefunden, sich frei zu machen 
u. sind wieder zu ihrem Regiment nach Landshut gekommen, ein Beweis, dass man diese Leute 
wird gebrauchen können, zumal da lauter tüchtige Officiere bei dem Regiment angestellt 
worden sind. 

Obwohl nun alles dieses mobil gemacht wird, hat man es doch für nötig gefunden, 200 Mann 
des Castellischen Dragoner Regimentes zurückzurufen; allein der Curier kehrte unverrichteter 
Dinge zurück, da das Regiment schon bis Trient gekommen war. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. IG. Altenötting. 

116. Propsteiverwalter Franz Nik. Stadler an die Administration. 1 ) 

Der hiesige Posthalter Seb. Ehrenwirth meldet mir, dass ihm am 14. Nov. das Postfelleisen 
auf der Post in Marktl von den Bauern weggenommen worden sei; eine Bauernpartei habe eine 
Stafette des Obersten de Wendt in Höhenwart aufgefangen. Die Bauern haben die Brücken 
bei Marktl u. Höhenwart besetzt, so dass nichts hinüber kann. Sie drohen sogar die Brücken 
in Neuötting u. Mühldorf abzuwerfen. Gestern haben diese verwegenen Gesellen den hiesigen 
Bauern unter Bedrohung mit Feuer u. Schwert ansagen lassen, bei Höhenwart zu erscheinen. 
Es hat aber gestern nach der grossen Procession der Dechant u. ich das Volk, das in vielen 
Tausenden das wundervolle Gnadenbild begleitete, von dieser unsinnigen Grausamkeit öffentlich 
abgemahnt, so dass sich gottlob in dieser Revier von diesen Uebeltätern niemand schrecken lässt. 

Wien H.H. St, A. 

1705, Nov. 16. Braunau. 

117. Eine gesammte Gemein u. Bürgerschaft an den Magistrat. 

Gleichwie wir, eine gesammte Bürgerschaft, neben dem Magistrat Ihrer Majestät einen Eid 
der Treue geschworen haben, als sind wir noch so willig als pflichtschuldig, solchen zu halten; 
wir bitten aber dabei, uns vor dem jetzigen unverhofften Anfall zu defendiren u. zu beschützen. 
Es zeigt sich aber ganz klar, dass die längere Defension ganz unmöglich ist, indem erstlich die 
Hälfte der Bürgerschaft keine Lebensmittel mehr hat. da manchem die getragenen Quartiere 
u. Anlagen 8 — 900 fl gekostet haben. Zweitens ist in der ganzen Stadt weder Weiss- noch 
Braunbier ums Geld zu haben u. ob man sich schon mit Wasser behelfen wollte, ist drittens 
solches auch gänzlich benommen, so dass manchmal kein reiner Trunk zu haben ist. Viertens 
ist an Fleisch u. Brot, geschweigens an Schmalz u. Salz der grösste Abgang u. Mangel, indem 
wegen des benommenen Wassers nicht das wenigste mehr gemahlen werden kann, die Metzger 



*) Von dieser am 17. nach Wien geschickt, 



55 

aber infolge des unverhofften Anfalles sich nicht versehen konnten, so dass man in wenigen 
Tagen weder Fleisch noch Brot um das Geld bekommen wird, wodurch die ganze Bürgerschaft 
samt den durch die continuirlichen Wachten abgematteten Soldaten bei längerer Belagerung die 
grosse Hungersnot wird leiden müssen. Man kann auch fünftens nicht sehen, wie diese schon 
demolirte Festung länger erhalten u. beschützt werden kann, indem die ganze Garnison schon 
solchergestalten abgemattet ist. dass bei einem Sturm wenig mit ihnen zu richten; beinebens ist 
auf gar keinen Succurs mehr zu hoffen, massen ihnen der Pass durch diesen allgemeinen Aufstand 
völlig benommen ist. Sofern die Festung mit Werfung des Feuers, das sonderbar u. heute zu 
nacht zu befürchten ist, in Not gebracht werden sollte, könnte wegen des benommenen Wassers 
nicht das geringste gelöscht werden, also dass man die Stadt in Flammen aufgehen u. sich am 
Bettelstab sehen müsste. Schliesslich u. hauptsächlich werden Seine Excellenz als hochvernünftig 
selbst ermessen, dass mit der so wenigen Garnison die Schanzenwerke oder Posten keineswegs 
besetzt oder defendirt werden können, welches einen löblichen Magistrat eine ganze Gemein u. 
Bürgerschaft hiemit erinnern u. bitten will, bei dieser bevorstehenden Gefahr u. Ruin obrigkeit- 
liche Hand zu bieten u. diese Motiva dem Herrn Commandanten zu übergeben u. dahin zu 
vermehren, dass, weil sich Burghausen auch beizeiten ergeben, er diesen Platz mit Accord auch 
übergeben u. abtreten wolle. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 17, früh 9 Uhr. Abensberg. 

It8. Rittmeister Raimund Hoffmann des Kürassier- Regiments Bartels an Generalfeldmarschall- 
leutnant v. Bagni. 

Durch ausgeschickte Leute habe ich erfahren, dass Hauptmann Meixner 1 ) des Tolettisehen 
Regiments zu Fuss, der in Kelheim auf Werbung gestanden, durch einige frühere bairische 
Büchsenmeister u. Bürger ausgeplündert u. ihm die Pferde u. die Bagage abgenommen worden 
sind. Diese Büchsenmeister haben sich mit etwa 20 Mann, unter denen sich ein Metzger 
befindet, heute Nacht über die Donau begeben, um weiteren Anhang zu suchen. Der in Neustadt 
liegende Cornet von der Compagnie des Oberstleutnant Grafen v. Lamberg hat mir heute Nacht 
hinterbracht, dass die Bürger erzählt, es werde bald besser werden, sie wollten alle, die bei 
ihnen im Quartier seien, massakriren. Da ich die hiesige Stadt bisher treu gefunden, so habe 
ich die Oberstleutnantscompagnie hieher gezogen. Nun ist aber keine Compagnie mit Gewehr 
versehen. Ich habe nur das, was ich gelegentlich an Pistolen, Flinten, Sattel u. Zeug zusammen- 
bringen konnte, um Leute zum Recognosciren ausschicken zu können. Ich bitte deshalb um 
einige Infanterie aus Ingolstadt u. um Anweisung an das dortige Commissariat, Geld u. Fourage 
zu liefern, da sonst das Gericht ruinirt würde. Ich habe die Leute aus meinen Mitteln des Tags 
mit 9 kr verpflegt, so dass die Bürgerschaft ihnen nur das Quartier zu geben hat. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 17. Kelheim. 

119. Gerichtsschreiber Lor. Mödlhamer an die Regierung in Straubing. 

Specification derjenigen Bürger u. Bürgerssöhne, die am Sonntag den 15. Nov. zwischen 
8 u. 9 Uhr unter einem grossen Tumult mit Schiessen. Einschlagen der Haustüren dem Haupt- 
mann Wexner vom Tolettisehen Regiment zu Fuss Mobilien u. Pferde weggenommen u. ge- 
plündert, wider Ihre Kais. Majestät rebellirt u. dabei gesucht, die Bürger der Stadt u. die Bauern 
auf dem Land hiezu zu animiren, weil sie sich als Landbeschützer aufgeworfen. 

1. Peter Merz, Bürger u. Metzger. 2. Mathias Kraus. Bürger u. Metzger. Diese reiten 
mit fünf oder sechs ihrer Anhänger auf dem Land umher u. ermahnen die Bauern, bewaffnet 
nach Kelheim zu kommen u. den Bürgern beizuspringen; die Widersässigen drqhen sie zu plündern. 

') Nach Nr. 109 u. 119: Wexner. 



56 

3. Der Sohn des Metzgers Pixl, der sich einen Landbeschiitzer nennt. Als ihm der Gericht- 
schreiber die Trommel verweigerte, versetzte er ihm mit der Flinte einen starken Stoss auf die 
Brust. Er sagte auch: der Kurfürst hat das Land verspielt, die Landschaft hat es vergeben, 
jetzt müssen sie es wieder gewinnen. 4. Philipp, der bairischer Constabler gewesen; er hat 
bei Verweigerung der Trommel gesagt: jetzt kann man sehen, wer recht kaiserlich ist u. weil 
man an anderen Orten die kais. Officiere nicht mehr dulde, so wollten sie auch den Hauptmann 
Wexner nicht mehr in der Stadt leiden. 5. Andreas Born, Schreiner. 6. Phil. Elsinger, Tabak- 
überreiter; beide sind bairische Constabler gewesen. 7. Der Bruder des Schreiners Born, ein 
Knabe von 10 Jahren, der die Trommel geschlagen. 8. Des Elsingers Sohn, 12 — 14 Jahre alt. 
9. Des Stadtzimmermeisters Tochtermann; war bairischer Soldat. 10. Krieger, ein verdorbener 
Wirt; diente im Wolframdorfischen Reiterregiment. 11. Ein Sohn des Riemer. 12. Ein Sohn 
des Wirtes Hans Panrizer. 

Alle diese haben zwei wegen Mordes Verhafteten die Bande losgemacht u. sie, weil sie 
versprachen, zu ihnen zu halten, mitgenommen; sie sind aber trotz des Versprechens den 
andern Tag heimlich durchgegangen. 

13. Ein ehemaliger bairischer Fähnrich, der sich in Gronsdorf aufhält, hat sich am andern 
Tag zu ihnen geschlagen. 14. u. 15. Zwei Bürgerssöhne, die bairische Soldaten waren; ich 
glaube, der eine gehört dem Wagner, der andere dem Weinzierl. 16. Ein Sohn des Schuh- 
machers Widtmann; behauptet, er sei mit Gewalt zu ihnen gezwungen u. am andern Tag in 
der Früh bei den Haaren aus dem Bett gezogen worden. 17. Mich. Westermeyer, ein ver- 
dorbener Ziegler. 18. Der sogenannte Kriegelmann, ein Bürger. Wer die übrigen Aufrührer 
u. wer die Urheber gewesen sind, kann ich nicht angeben. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 17. München. 

120. Die Administration an die Regierung in Straubing. 

Die gewalttätige Wegnahme der Ochsen bei Aussernzell scheint mehr eine Privatsache 
zu sein, indem die Burschen dem Schönauer aus einer alten Rache Hand angelegt haben, als 
dass sie zum Aufstand geneigt wären. 

Dass die Schiffe in Sicherheit gebracht u. das Schloss Hilgartsberg besetzt wurde, war recht. 

Wir halten uns der Treue der Stadt Straubing versichert u. vertrauen ihnen die Stadt- 
schlüssel an. 

Wien II. H. St. A. 

1705, Nov. 17. Passau. 

121. Pflegscommissär Joh. Dietr. Reindl von Griesbach an die Regierung in Landshut. 

Es wird mir berichtet, dass gestern von den Rebellen vor Braunau ein Bursch nach Gries- 
bach gekommen ist u. verlangt hat, man solle sogleich das auf dem kais. Kasten befindliche 
Getreide mahlen, aus dem Mehl Brot backen u. 16 000 % Brot an die vor Braunau stehenden 
Rebellen liefern; dies sollte 8 Tage lang fortgesetzt werden. Sie fordern auch die längst an 
die Administration eingeschickten Anlagsgelder, die zur Anwerbung der Rekruten zu 8, u. von 
<len besseren Höfen zu 16 fl eingebracht worden sind. Sie behaupten ferner, ich trage die 
Schuld, dass die verjagten Husaren in das Gericht gekommen seien u. drohen, mir auf Erwischen 
den Garaus zu machen. Vor Braunau sollen gegen 15 000 Mann, darunter viele alte Bauern, 
stehen; nähere Nachrichten fehlen, da sie alle Boten auffangen u. genau durchsuchen. Sie 
wollen auch die hier in der Fronfeste wegen verschiedener Uebeltaten in Haft sitzenden zwölf 
Personen frei lassen; bisher haben dies einige ehrliche Bürger verhindert. Die angesessenen 
Bauern des Gerichtes haben sich noch nicht den rebellischen Burschen angeschlossen; wenn aber 
nicht baldigst Succurs kommt, wird sich das Feuer immer heftiger entzünden u. nicht mehr zu 



57 

dämpfen sein. Von den Beamten u. Amtleuten darf sich keiner blicken lassen; dem Eisen- 
amtmann in Griesbach haben sie vorgestern all sein Vieh, Haus- u. Baumannsfahrnis u. das 
Getreide geraubt, so dass er die erwähnten Gefangenen nicht mehr ernähren kann. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 17. Burghausen. 

122. Specification, was von Dero Rom. Kais. Maj. Generalfeldwachtmeister Baron zum 
Jungischen Regiment zu Fuss bei dem rebellischen Einfall in Burghausen durch die Bürgerschaft 
u. andere verloren gegangen ist. 

3 Stück Iglauer Tuch, 2 rote u. 1 weisses 79 fl 

268 völlige Monturen, jede zu 25 fl 6700 H 

200 Feldhäckel ä 18 kr 60 fl 

122 Flinten, die die Mannschaft ablegen musste, in natura . 

3 Feldwebel-, 11 Corporalkurzgewehre ä 2 fl 30 kr . . 35 fl 

2 Spiele Hfl 

1 Hauptmann \ ^ , ,. , 

. „ . > tot geblieben. 

4 Gemeine ) ° 

10 Verwundete 

3 Corporate 

3 Tamboure die Dienst unter den Rebellen genommen, 

3 Fourierschützen weil ihnen die Bürgerschaft zugeredet 
1 Gefreiter u. sie voll gemacht hat. 

12 Gemeine 
~227für diese 22 Köpfe ä 36 fl Handgeld gerechnet ... 792 fl 

Summa 7677 fl 

J. Lor. Sommer, Hauptmann. 

1705, Nov. 17. Burghausen. 

123. Wir die sämmtlichen Burger der Hauptstadt Burghausen, dann eine ganze Bauerschaft 
aus verschiedenen Pfleggerichten im Rentamt allda bekennen, dass wir von der in der Haupt- 
stadt allhie zu Burghausen in der Garnison gelegenen zum Jungischen Mannschaft, so dem 
getroffenen Accord gemäß von diesem Ort ausmarschiren müssen, ihr gehabtes Obergewehr. Stuck 
u. andere Munition zu unsern Händen übernommen u. empfangen haben, selbe auch nur mit dein 
Untergewehr ausgezogen seind u. alles hinterlassen haben. Wird hiemit in Kraft dieses attestirt. 

Franz Dan. (?) Crarer (?), verptlichter Maximilian Augustin Wilhelmb, verpflichter 

Prokurator im Namen der Bauernschaft. Prokurator im Namen der Burgerschaft. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 17. Braunau. 

124. Specification der kais. Officiere, die um Braunau gefangen worden. 

Von dem Graubündischen Bataillon unter Oberst Bruell: Oberstwachtmeister Graf Valair. 

Vom General Graf Tattenbachischen Regiment: Kapitänleutnant Joh. Andr. König; wurde 
mit 4 Gemeinen nach Friedburg geführt. 

Vom General zum Jungischen Regiment: Leutnante Joh. Franz Deimer; Clem. Casalis; 
Friedr. Eichholz. 

Abb. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl. XXVI, 4. Abb. 8 



58 

Vom Oberst Lehozkischen Husaren Regiment: Cornet Joh. Georg Werle mit 3 Gemeinen. 

Vom General Viscontischen Regiment: Cornet Gothart v. Almstein. 

Vom General Roccavionischen Regiment: Fourier Joh. Friedr. Sartori mit 1 Gemeinen. 

Joh. Mich. Hofer, 
Cameralbedienter, Zeug- u. Materialverwalter 
München Kriegsarchiv. aus Braunau. 

1705, Nov. 17. Burghausen. 

125. Die Regierung Burghausen an die Administration. 

Burghausen wurde seit einigen Tagen von etlichen tausend ledigen u. verheirateten Bauern 
belagert. Am 13. Nov. nachts gegen 8 Uhr sind einige hundert von ihnen nach Niedermachung 
der ersten "Wache in die Stadt eingedrungen. Durch die tapfere Gegenwehr der kais. Garnison 
wurde zwar ein Teil der Bauern wieder vertrieben; es ist aber nicht ohne Verlust abgegangen, 
indem einige Soldaten tot geblieben sind u. der Commandant. Hauptmann Kirchstetter, durch 
eine Kugel in den Kopf erschossen wurde. Etwa vierthalbhundert Bauern hatten sich in die 
Klöster u. die Pfarrkirche geflüchtet; die Bauern ausserhalb der Stadt drohten mit Feuer, Mord 
u. Plünderung, wenn die kais. Garnison den Platz nicht räumen u. in Güte abziehen würde. 
Man hat nun mit dem kais. Kriegscommissär Dietrich u. den zwei Fähnrichen, die nach dem 
Tod des Commandanten u. nachdem die anderen Officiere bei dem ersten Angriff davongegangen 
waren, das Commando führten, reiflich alles überlegt. Es hat sich gezeigt, dass eine längere 
Verteidigung unmöglich sei. da die mit Holz u. anderem feuergefährlichen Material angefüllten 
Stadel nächst der Stadt von den Bauern hätten angezündet werden können, ohne dass es hätte 
verhindert worden können, wodurch dann die Stadt u. das Schloss ebenfalls in Brand geraten 
wären; ein Löschen wäre nicht möglich gewesen, weil die Bauern die Wasserleitung unter- 
brochen hatten. Die Garnison bestand nur mehr aus 60 — 70 Mann, an die Bürgerschaft, die 
zwar zur Verteidigung der Stadt entschlossen war, waren jedoch nur 100 Musketen ausgeteilt 
worden, von denen die wenigsten brauchbar waren; die Einfuhr von Lebensmitteln war abge- 
schnitten, die drei Mühlen nächst der Stadt von den Bauern besetzt; ein Entsatz war nicht zu 
erwarten, man konnte auch keinen Bericht absenden, da alle Verbindungen von den Bauern 
gesperrt waren. Es blieb somit, um die Stadt vor Brand, Plünderung u. Massacre zu bewahren, 
nichts übrig, als dass die beiden Offiziere mit den Bauern eine Capitulation abschlössen. Sie 
haben aber alles getan, was einem ehrlichen u. rechtschaffenen Offizier zukömmt. 

Entwurf, von Reg. -Sekretär Hagen geschrieben; mit einzelnen Zusätzen von Mitgliedern 
der Regierung. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 17. Neuötting. 

126. Der Oberschreiber des Pfleggerichtes Neuötting Franz Egid. Knodt an die Gerichte in 
Kling u. Kraiburg. 

Die gestern abends durch die Stadt marschirten u. am Inn lagernden wehrhaften Landes- 
untertanen sind heute mit Tagesanbruch vor die Gerichtschreiberei gekommen u. haben mich, 
da sich alle Beamten entfernt haben, unter Bedrohungen gezwungen, die benachbarten Gerichte 
zu benachrichtigen, dass sie sofort ihre sämmtlichen Untertanen aufbieten u. in das hiesige 
Lager, bestens mit Gewehr versehen, schicken sollen. Sollten sich die Untertanen weigern, so 
wird der commandirende Offizier mit einem Trupp Feuerschützen kommen, die Bauern u. Burschen 
mit Gewalt wegnehmen u. sie mit Feuer u. Plünderung heimsuchen. 

In Abwesenheit vorgedachter Herren Beamten ist die Unterschreib- u. Fertigung auf An- 
halten u. gewalttätiges Begehren besehenen, durch Fr. Eg. Knodt. dermalig anwesenden Ober- 
schreiber. 

München Kriearsarchiv. 



59 

1705, Nov. 17. Braunau. 

126a. Bürgermeister u. Rat an Generalwachtmeister Graf Tattenbacb. 

Euer Excellenz erstatten wir biemit Dank, dass sie uns das von denen vor der Stadt 
Liegenden eingelaufene Aufforderungssebreiben haben communiciren lassen. Es haben sich nun 
heute die von der sämmtlichen Bürgerschaft abgeordneten Zünfte dahin wehmütig beschwert, 
dass es ihnen unmöglich sei, den Soldaten die Portionen weiter zu verreichen, indem der mehrere 
Teil von den vorigen ausgestandenen allzu harten u. gegen andere Orte unproportionirten Winter- 
u. Sommerquartieren ohnedem schon dergestalten ruinirt ist, dass er bei gegenwärtiger Blocada 
u. von allen Seiten eingeschlossener Stadt selbst nichts mehr zu leben bat. Der Quartierstand 
fällt vor allem andern auch deshalb so schwer, weil den von den anderwärtshin commandirten 
Ober- u. Unteroffizieren hier hinterlassenen Bagagen u. Weibern der Unterhalt verschafft u. die 
Portionen verreicht werden sollen. Wir bitten daher, dass dieser Excess abgeschafft u. die 
Garnison, wie es bei anderen Belagerungen observirt wird, auf das Commisbrot angewiesen, 
dass zur Verhütung ansteckender Krankheit die Casarma bevorab mit den Husaren u. den 
Bartelschen Reitern besetzt u. dass für diese das noch vorhandene alte Commismehl hervor- 
gegeben werde, indem aus Mangel des Malters bei den sämmtlichen Becken so viel Mehl nicht 
mehr vorhanden ist, dass die Bürgerschaft selbst, ja sogar die armen Kranken im Spital, von 
Fleisch, Bier u. anderen Victualien zu schweigen, die Notdurft an Brot nicht mehr haben können. 

Wien H.H. St. A. 

1705. Nov. 17. Simbach. 

127. Georg Christoph Seppenhofer. 1 ) commandirender Offizier, an den Amtsschreiber Thoni. 
Walschieb in Obernberg. 

Ich habe weitläufig Kundschaft, dass Euer gestrenger Herr nach Passau verreist ist. Der 
Herr wird sich zu erinnern wissen, was für ein Contract wegen meines Ilafers geschlossen 
worden ist. Es kann mir der Herr mein Geld auf den nächsten Mittwoch richtig machen: ich 
werde es selbst abholen. Wenn ich aufgezogen werde, so werde ich mit dieser Sache in der 
Schiefe verfahren, denn ich habe schon lange genug gebeten. Sie haben mich angegriffen. 
nicht ich sie. Erwarte eine Antwort. 

München Reichsarchiv. 

1705. Nov. 17. Straubing. 

128. Die Regierung an den Postmeister in Regensburg. 

Bei den jetzigen gefährlichen Conjuncturen u. dem weit aussehenden Aufruhr der zusammen- 
rotteten Burschen hat der Vicedom Graf v. Aufsess von der Administration die geheime Order u. 
Privatinstruction erhalten, sowohl auf alle Passagiere zu Wasser u. zu Land genaue Obsicht zu 
tragen, hauptsächlich aber die Untersuchung der Correspondenz vorzunehmen, um auf den Grund 
des Werkes zu kommen. Es ist daher die Verordnung geschehen, dass von dem hiesigen Postamt 
jederzeit das Plattlinger Paket angesagt u. allenfalls geöffnet u. genau examinirt werde. Dem 
Postmeister wird dies mitgeteilt, damit er gehöriger Orten gleichmässige gute Veranstaltung 
treffe u. allerseits auf der Hut stehe. -j 

München Reichsarchiv. 



') Bierbrauer in Kösslarn. 

-) Die Regierung macht bievon auch dein fürstl. Hofrat in Hassan Mitteilung „nicht massgebend, 
was der Enden für Anstalten u. benötigte Piaeeautiones u. Vigilanz dieselbe vorzukehren belieben wolle." 
Der Hof kammerdirektor liess am 19. Nov. den Passauer Postmeister rufen u. gab ihm eine Abschrift des 
obigen zu seiner Direction. 



60 



1705, Nov. 18. Burghausen. 



129. Sitzungsprotokoll der Regierung Burghausen. Coramissäre: Reg.-Räte v. Hagenau u. 
v. Sattelbogen. 

Der amtirende Bürgermeister Geibinger bringt vor, dass die Bürgerschaft sich über zu 
starkes Quartier beschwere u. dass die Bauern mit der Verpflegung nicht zufrieden seien; sie 
verlangten täglich 1 % Fleisch, für 2 kr Brot u. ein Viertel Bier. Da die Bürgerschaft dies 
nicht leisten kann, bittet man um eine Verordnung der Regierung, da es den Anschein hat, als 
wolle ein Teil der Bauern eine weit grössere Potenz gebrauchen als die Soldaten. Von Seite 
der Regierung wurde entschieden, dass ausser der Bürgerschaft auch alle Befreiten in Schloss 
u. Stadt Quartier geben müssen, jedoch sollen die wirklichen Räte u. die von der Kanzlei nicht 
zu sehr überlegt werden. Der einquartirte Mann darf täglich nicht mehr als 2 % Commissbrot 
fordern, wozu das Mehl vom Schloss geliefert wird. 

München Kriegsarohiv. 

1705, Nov. 18. Burghausen. 

130. Protocoll über die bei der Regierung Burghausen gehaltene Sitzung; anwesend: Kastner 
v. Prielmayr, die Regicrungsräte v. Sattelbogen u. v. Hagenau. 

Eine ganze Gemein der Kurlande Baiern u. besonders des Rentamtes Burghausen erscheint 
durch ihre Abgeordnete vor der Regierung mit der Bitte, ihnen in den folgenden Punkten will- 
fährig zu sein, damit die Gemein nicht Ursache nehme, diese Punkte auf eine unbeliebige Weise 
zu begehren, was bei einer bereits schwierigen Gemein, der von den Kaiserlichen niemals einige 
Parole gehalten worden, unmittelbar erfolgen würde. 

Sie begehren: 1. dass das kais. Petschaft zurückgenommen; 2. der Accis aufgehoben; 
3. die sämmtlichen Untertanen von allen Ausgaben befreit werden; 4. dass das „Wäxlpapier" 
ungiltig sei u. 5. dass für die Besatzung das Commissgetreide von dem Kasten abgegeben werde. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 18, 10 Uhr vorm. Neuötting. 

131. Bürgermeister u. Rat von Neuötting an die Regierung in Burghausen. 

Gestern ist ein Trupp von 1000 Mann unter Führung des Metzgers von Hohenwart hier 
angelangt; sie haben sich sogleich der Innbrücke bemächtigt u. lassen niemanden passiren; die 
Stadt musste ihnen 1000 Viertel Bier u. um 2000 kr Brot liefern. Der Metzger hat die Stadt- 
schlüssel an sich genommen u. verlangt, dass von der Bürgerschaft 20 Schützen zu ihnen 
stossen. Heute sollen noch 5000 Weilharter zu ihnen kommen. Wenn wir nicht tuen, was sie 
haben wollen, möchten sie uns unmittelbar ausplündern. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 18. Burghausen. 

132. Die Regierung Burghausen an die Administration. 

Als der hier gestandene Kriegscommissär Dietrich uns u. dem Magistrat mitteilte, dass in 
drei Tagen 600 Mann kais. Truppen in die Stadt kommen würden u. verpflegt werden müssten, 
haben wir die Administration gebeten, uns ihre Hilfe auf eine andere Weise angedeihen zu 
lassen, da die Bauern die Zufuhr von Lebensmitteln verhinderten u. kein Magazin vorhanden 
sei, aus dem die Soldaten verpflegt werden könnten. Während man nun zwischen der von den 
Bauern drohenden Gefahr u. zwischen der Gefahr einer Hungersnot stand, haben die ersteren 
das Prävenire gespielt u. sind am 13. Nov. nachts 8 Uhr unvermutet mehrere hundert Mann 
stark bei dem Griestörl in die Stadt gedrungen, nachdem sie von der Wache zwei Mann massacrirt, 
die übrigen mit einem Fähnrich gefangen genommen. Mit grösster Wut u. unter grossem 



61 

Geschrei eilten sie die Grieben hinauf dem Platz zu, wo gerade die Garnison vor der Wohnung 
des Hauptmanns u. Commandanten Kirchstetter aufgestellt war. Diese setzte sich sogleich zur 
Wehr u. nach einem langen, starken Feuer wurden die Bauern, von denen die meisten mit 
Gabeln u. Spiessen u. nur wenige mit Feuergewehren versehen waren, zum Teil aus der Stadt 
getrieben, etwa vierthalbhundert von ihnen zogen sich in die Klöster u. in die Pfarrkirche 
zurück. Beiderseits waren einige, jedoch mehr Bauern als Soldaten, totgeblieben oder verwundet 
worden; unter den Toten befand sich Hauptmann Kirchstetter, der dem Vernehmen nach von 
seinen eigenen Leuten in der Verwirrung durch den Kopf geschossen wurde. 

Die in dem Schloss gestandene Mannschaft kam vor das Haus des im Schloss wohnenden 
Kaplans u. verlangte, er sollte sich sogleich in die Stadt zum Regierungskanzler begeben — - 
der Vicedom war abwesend — u. die sofortige Räumung der Stadt durch die Bauern bewirken, 
widrigenfalls sie die Pulversäcke u. Handgranaten aus dem Zeughaus nehmen, in die Stadt 
hinunterwerfen u. diese in Brand stecken würden. Nur mit grosser Mühe gelang es dem Kaplan. 
die Soldaten von ihrem Vorhaben abzubringen, indem er ihnen vorstellte, dass jetzt in der 
Nacht niemand sich aus den Häusern hervorwagen könne; morgen, bei anbrechendem Tag werde 
die Regierung u. die Bürgerschaft den Tumult stillen. Am andern Tag. den 14., hat man bei 
der Regierung mit dem Kriegscommissär u. den beiden Fähnrichen (die anderen Offiziere hatten 
sich entfernt) eine Conferenz gehalten, die Bürgerschaft durch einen Eid verbunden, mit der 
Garnison einen Mann zu stehen, wenn sie von dem Kriegscommissär das nötige Gewehr erhalten 
würde. Da sich aber die Bauern vor der Stadt aufs neue versammelten u. mit Mord. Brand 
u. Plünderung drohten, wenn die Garnison nicht abziehe, so hat der Kriegscommissär den 1'. 
Guardian der Kapuziner am nächsten Tag ersucht, in das Lager der Bauern zu gehen, um sie 
von dem Brand abzubringen. 

Am IG. nachmittags hat man auf dem Schloss in der Wohnung des Kastners v. Prielmavr, 
zu dem sich der Kriegscommissär aus der Stadt retirirt hatte, eine Beratung abgehalten u. die 
Unmöglichkeit des weiteren Widerstandes festgestellt, da die in Brandsteckung der nächst der 
Stadt gelegenen u. mit Brennholz u. anderem feuerfangenden Material gelegenen Stadel, beson- 
ders während der Nacht nicht verhindert werden könne, so dass Stadt u. Schloss unfehlbar in 
die Asche gelegt würden; da die Garnison nur mehr 60 — 70 Mann stark war u. von dem der 
Bürgerschaft übergebenen Gewehr kaum 100 Musketen brauchbar waren; da die Bauern alle 
Wege besetzt hielten, so dass man um keinen Succurs bitten konnte; da keine Lebensmittel 
mehr in die Stadt eingelassen wurden u. die Bauern den drei Müllern nächst der Stadt mit 
Abbrennen u. Totschlagen gedroht hatten, wenn sie das mindeste hereinlassen würden. 

Im Einverständnis mit der ganzen Garnison begab sich demnach am IG. ein Feldwebel 
in Begleitung des Kastners v. Prielmayr, der vom Kriegscommissär inständig darum gebeten 
worden war, des Kirchherrn Dr. Mayr, eines Bürgermeisters u. einiger Ratsverwandten in das 
Bauernlager, um die Capitulation abzuschliessen, wobei sich die Mitglieder der Regierung nicht 
einmischten. 

Am 17. nachmittags zog die Garnison aus der Stadt, die den Bauern eingeräumt wurde; 
die Bauern u. die Bürgerschaft besetzten gemeinsam die Posten u. Tore. 

Es gereicht uns zu nicht geringer, empfindlichster Gemütsbeschmerzung, dass es unmöglich 
war. diesem unverhofften Zufall zu steuern; wir trösten uns damit, dass wir nicht das mindeste 
zugelassen haben, was die Euer Kais. Majestät geschworene Treue beleidigen könnte, in der wir 
auch in Zukunft nach äussersten Kräften verharren werden. 

München Kreisarehiv. 

1705. Nov. 18. München. 

133. Die Administration an den Erzbisehof von Mainz. 

Ew. kurfürstl. Gnaden ist ausser Zweifel schon anderswoher bekannt u. wird es auch 
der kais. geheime Rat Graf v. Schönborn referirt haben, was gestalt auf wiederholten Befehl 
von Hof man zwar die Stellung der diesem Land aufgetragenen Rekruten in die Gerichte 



62 

repartirt u. den Beamten zu bewirken anbefohlen, anbei jedoch die daraus besorgenden üblen 
Consequentien zum öftern, auch oceasione der neulich in diesem Münchner Rentamt im Gericht 
Tölz sich ereigneten Bauern Aufruhr wiederholt zu remonstriren nicht ermangelt, auf sotane 
Stellung der Rekruten aber aufs kräftigist, jedoch aufs glimpflichste zu dringen, gleichwohl die 
vormaligen remonstrationes bei Hof zu erneuern sich nicht entbrechen können, nachdem von 
dannen ein weiterer kais. sotanes Rekrutenwerk betreffend in voriger resolution inhaerirender 
Befehl hier angekommen. 

Was man von Seiten hiesiger Administration besorgt u. so oft u. deutlich vorgesagt, ist 
endlich dieser Tage ausgebrochen, indem die Bauern der Gegend Griesbach, Pfarrkirchen. Eggen- 
felden, Vilsbiburg usw. sich nicht allein in verschiedenen Truppen, zu viele hundert Mann stark, 
zusammen rottirt u. die von den Beamten zusammengebrachte Mannschaft wieder mit Gewalt 
losgemacht, sondern auch einige da u. dort einlogirte Husaren u. Reiterei überfallen, der Gerichts- 
beamten Häuser ausgeplündert, sie u. ihre Leute hart u. teils bis zum Tod tractirt, die Amts- 
kassen beraubt, sonst Gelder erpresst u. viele dergleichen Tätlichkeiten mehr verübt haben, u. 
weil man diese Sach gleich anfangs um so gefährlicher angesehen, als bekannt, dass das ganze 
Land schon seither viele Zeit sich mürrisch u. unwillig erzeigt u. sotane neu aufrührische Bauern 
sich bedrohend verlauten lassen, dass sie nur noch mehrere von ihren Nachbarn erwarteten, um 
ihre weiteren landverderblichen Anschläge ins Werk zu richten. Anbei von diesen u. andern 
Orten mehr von sotaner Aufruhr die Confirmation u. Berichte von der gefährlichen Weiterung 
eingeloffen, so hat man alsogleich alles, was nur aus den Garnisonen u. besetzten Posten zu 
entbehren, zusammengezogen u. in die gefährlichste Gegend unter dem Obristen de Wendt abge- 
schickt, der dann auch an obbenannten Orten die zusammenrottirten Bauern durch seine Reiterei 
angreifen lassen, mit Verlust von 150 Toten u. einigen Gefangenen zersprengt u. gezwungen, 
sich in die Wälder zu verlaufen oder wieder nach Haus zu gehen. Nachdem aber von ihm heut 
die expresse Nachricht eingeloffen, dass die Bauern, wie sie selbst vorgeben, in 10 bis 15000 Mann, 
wie er, Obrister, sichere Kundschaft habe, in wenigstens 6 bis 7000 Mann stark den festen 
Ort Brauuau, mit dessen Demolirung man eben den Anfang gemacht, belagert u. zum Uebersteigen 
viele Sturmleitern fertig zur Hand hätten, er hingegen wegen Abgangs genügsamer Mannschaft 
sie anzugreifen um so mehrers Bedenken hätte, als wenn er gegen sie anmarschiren u. wider 
Verhoffen nicht glücklich sein würde, die Bauern der vorbenannten Orte, so nur darauf lauerten, 
sich wieder rottiren, ihm die Communication mit München abschneiden, mithin selbe mehr 
encouragirt, folglich ein generaler Aufstand zu besorgen sein u. nur das Uebel ärger werden 
würde; wie dann auch die rebellischen Bauern in Vilshofen mit einigen hundert Mann sich 
sehen lassen, daselbst das von dem Pflegscommissario in Kraft der ihnen anbefohlenen Des- 
armirung verwahrte Gewehr hinweggenommen u. einige hundert Gulden an Geld erpresst, ja 
was mehr ist, auch in die Stadt Burghausen eingedrungen, zum Glück aber von dem dort com- 
mandirenden kais. Hauptmann, so dabei geblieben u. sehr bedauert wird, mit Zurücklassung von 
100 Gefangenen wieder abgewiesen worden sein sollen, so ist man über alles dieses die weitere 
Nachricht gewärtig u. hat von dem im Welschland marschirenden Castell-Regiment 200 Pferd 
zurück, auch das dahin ingleichen gehende Osnabrück. Regiment, hereinberufen. Weil man 
jedoch nicht wissen kann, wie es mit diesem gefährlich aussehenden Werke noch ergehen möge, 
gebe ich Ew. Churf. Gnaden hievon Communication, hauptsächlich aber bitte ich, Sie geruhen 
bei dem zu Nürnberg versammelten löbl. Kreis dero hohes Vermögen anzuwenden, dero höchsten 
Orts die dispositiones vorzukehren, auch sonst dero hohes Vermögen dahin anzuwenden, auf dass 
man damit auf erfordernden unverhofften Fall der Garnison der Festung Ingolstadt, an deren 
Conservation einem löbl. Kreis selbst merklich gelegen, behörig verstärken, mithin dieses Orts 
wegen nicht allein sicher stehen, sondern auch auf die obere Pfalz damit, wie anitzo mit 
Detachirung einiger commandirten Mannschaft wider die ober Pfalz revoltirten Bauern beschieht, 
ein wachsames Auge halten könne. 

München Kriesrsarchiv. 



63 

1705. Nov. 18. Kelheim. 

134. Der Pfleger Hans Georg Wolf Frhr. v. Leoprechting an die Regierung in Straubing. 

Am Sonntag, 15. Nov., nachts zwischen 8 u. 9 Uhr haben etwa 38 bewaffnete Personen. 
unter denen einige Bürgerssöhne waren, einen Aufruhr gemacht. Sie begaben sich an die 
Wohnung des Hauptmanns Wexner vom Tolettischen Regiment, der aber abwesend war, sprengten 
die Türen auf, nahmen Kleider, Lebensmittel, Flinten u. fünf Pferde weg u. misshandelten dessen 
Frau u. Diener. Dann zogen sie vor die Wohnung des Gerichtsschreibers u. zwangen ihn eine 
Trommel herauszugeben; nun begaben sie sich an das Amtshaus u. nötigten den Amtmann zwei 
wegen Mordes im Gefängnis Sitzende freizulassen. Von hier zogen sie zum Bräuamt, wo man 
ihnen weisses Bier geben musste, das sie in die Altmühlgasse brachten, wo sie bei einem Feuer 
zechten. Der Stadtkämmerer musste ihnen die Torschlüssel aushändigen. Noch in der Nacht 
sind sieben von ihnen auf den Pferden des Hauptmanns Wexner in die Dörfer geritten u. forderten 
die Bauern auf. bewaffnet zu ihrer Unterstützung nach Kelheim zu kommen. Allein die Bauern 
glaubten ihnen nicht u. nur einige kamen, aber unbewaffnet, um zu sehen, was es gebe; auf 
mein Zureden gingen sie wieder nach Hause. Am Montag früh begab ich mich auf das Rat- 
haus u. stellte den versammelten Bürgern die schlimmen Folgen eines solchen Unternehmens 
vor; sie erklärten hierauf, dass sie diesen Aufruhr nicht gebilligt hätten u. bereit wären sich 
gegen die Aufrührer gebrauchen zu lassen. Ich begab mich nun mit den Beamten, Kämmerer 
u. Rat u. vielen Bürgern an die Tore, wo ich durch Zureden die Aufrührer dazu brachte, sie 
zu verlassen; sie wurden sogleich von Bürgern besetzt. Es fehlt hier aber an Waffen u. Munition. 
Die Rädelsführer haben sich heimlich aus der Stadt gemacht; die dem Hauptmann Wexner 
abgenommenen Pferde haben sie zurückgeschickt. 1 ) 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 19. Hauptquartier Haselbaeh. 3 » 

13i. Die sämmtlichen commandirenden Offiziere an die Regierung in Burghausen. 

Weil man dem Commandanten von Braunau mehr Ernst zeigen will, sind die in der 
Specification aufgeführten Stücke nötig; sie sollen sogleich hieher geliefert werden. Nach dieser 
Specification soll Andr. Prindl abholen: alle Viertelcartaunen, 2 Feldstücke. 2 Falconetts, 
sämmtliche mit der Munition; alle vorhandenen Musketen; 150 Monturröcke u. Kamisols, um 
die Unteroffiziere damit zu versehen; 2 Trommeln; 2 Feuerwerker. Der kurf. Kasten soll 
Getreide abgeben, aus dem die Bäcker täglich 10 00O Portionen zu -1 JE backen sollen. 

Die Commission der Regierung, bestehend aus dem Kastner v. Prielmayr, den Räten 
v. Ilagenau u. Sattelbogen, erklärte den Abgesandten, dass von all dem Verlangten nichts in 
ihren Händen sei, worauf die Abgesandten erwiderten, sie würden sich an den Feldwebel des 
Zeughauses wenden; das Getreide würden sie vom Kasten nehmen u. es an die Bäcker verteilen; 
sie würden auch von den Schergen den Vorspann für die Stücke begehren u. würden ihnen, 
wenn er nicht gestellt würde, die Köpfe spalten. 

MO nch en Kriegsarchiv. 

1705. Nov. 19. llauptlager Haselbach. 

135 a. Puncta. welche die vor Braunau u. an anderen Orten versammelte Mannschaft gegen 
ihnen gehalten zu werden verlangen. 

1. Begehren die ledigen Burschen ohne Anstoss bei Haus zu verbleiben u. wollen sich 
keineswegs zu Kriegsdiensten gebrauchen lassen. 2. Will die haussässige Mannschaft auf ein 

') Aehnlich berichten am gleichen Taue Kämmerer und Räte von Kelheim an die Administration. 
Für dermalen Bei einige Gefahr nit vorhanden, besonders weil die ganze Bürgerschaft gegen die Böse- 
wichte «ganz mißfällig u. respective aufriihrig geworden i-t." A. a. 0. 

2 ) l'.Jkm östlich von Braunau. 



64 

ganzes Jahr, um sich wieder in etwas erholen zu können, aller Anlagen frei sein. 3. Verlangen 
selbige durchgebends, dass alle im Land einquartirte Soldatesea, sowohl in Festungen als in 
anderen Orten, ohne Obergewehr ab- u. ausser Land marschiren soll. 4. Wollen sie, dass, wenn 
sich einige Mannschaft nach geschlossenem Accord der Grenze nähern sollte, sie die Macht 
haben sollen, wiederum ihr Gewehr zu ergreifen. 5. Begehren sie freien Pass, sich während 
der Zeit, als man die Sache zur Administration überschickt, mit allen Eentämtern ihres Vater- 
landes der Correspondirung willen versammeln zu können. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 19. Hauptquartier Haselbach. 

136. Die sämmtlichen commandirenden Oberoffiziere an Bürgermeister u. Rat in Obernberg. 

Bei den im Hauptquartier Haselbach stehenden Oberoffizieren u. der ganzen Versammlung 
ist für gewiss vorkommen, dass sie von Obernberg sich gegen uns feindlich zu zeigen, willens 
gewesen, zu dem Ende auch nach Passau geschickt u. um grobes Geschütz sollicitirt haben, 
worüber das Volk so erbittert gewesen ist, dass es kaum abzuhalten war, sie mit gewaffneter 
Hand zu überfallen u. alldort sogar das Kind im Mutterleib nicht zu verschonen. Durch unser 
stetes Zusprechen sind die Leute hievon abgehalten worden; man hat ihnen auch versprochen, 
die Herren zu einer guten Nachbarschaft zu vermögen. Man lebt daher der getrösteten Zuver- 
sicht, sie werden sich dahin bequemen u. uns die Freundschaft zuerkennen, uns mit dem einen 
u. andern an die Hand gehen, wogegen wir uns erbieten, ihnen auf den Notfall alle hilfliche 
Hand zu leisten, wenn nur kein kais. Unterschlupf gegeben wird, in Consideration, dass wir 
jetzt die Festung Burghausen überstiegen u. mit unserer Mannschaft besetzt haben. 

München Keichsarchiv. 

1705, Nov. 19. Rathmannsdorf. 1 ) 

137. Der Verwalter Wolf Bernhard Mayr an die Hofkammer in Passau. 

Die Vilshofer sind aufs neue offendirt, weil die Kaiserlichen die Zillen von Vilshofen nach 
Passau u. was sich oberhalb Vilshofen an Zillen vorfindet, nach Deggendorf bringen lassen 
wollen. Es ist den Vilshofern dadurch eine gute Brille auf die Nase gesetzt worden, denn sie 
wollten äusserlich kaiserlich sein. In der Hofmark Flintsbach, 1 j i Stunde von Winzer, haben 
sich 200 bair. Landesdefensores aufgehalten u. von dem dortigen Pfleger 200 fl u. von dem 
Pfleger in Hilgartsberg Gewehr u. Munition begehrt. Diese haben sich aber entschlossen, um 
kais. Soldaten zu schreiben; inzwischen redete sich der Pfleger in Winzer aus, er hätte das 
Geld noch nicht alles in Händen, müsste es erst eintreiben lassen; und liess indess ein Fass 
Bier bringen, dass sie sich bei diesem noch einige Zeit verweilten. Nun sind die Kaiserlichen 
angerückt; man sagt, sie hätten vier Burschen bekommen, einen haben sie aber gewiss erhascht, 
dem die Kaiserlichen das Maul auf beiden Seiten auseinander geschnitten haben sollen. Der 
Offizier der Burschen war ein Müllerssohn, den sie Leutnant titulirten; er soll der erste beim 
Entspringen gewesen sein u. sich oberhalb der Fähre über die Donau setzen lassen, um wieder 
zum grossen Haufen zu kommen. Die Versprengten sollen sich wieder zusammenrotten wollen 
u. willens sein, die Pfarrhöfe u. Kirchen auszurauben. Winzer u. Hilgartsberg sind nunmehr von 
den Kaiserlichen besetzt. 

München Reichsarchiv. 



') 6 km nordöstlich von Vilshofen. 



65 

1705, Nor. 19. Viechtenstein. 1 ) 

138. Der Verwalter Jak. Hempöck an die Statthalterei in Passau. 

Gestern Nacht entstand im Schloss einiger Allarm, weil man jemanden Verdächtigen hart 
um u. um das Schloss vermerkt hatte; die Schildwachen haben ihn angeschrieen, aber keine 
andere Antwort erhalten, als dass die Wache zu einem nicht schuldigen Scharwerk eingeladen 
wurde, worauf von der Hauptwache zweimal u. von der Schildwache einmal Feuer gegeben 
wurde, ohne dass aber bei der stockfinsteren Nacht etwas getroffen wurde. Die tägliche Kund- 
schaft ergibt, dass man auf hiesiges Schloss u. besonders auf meine Person ein feindliches Ab- 
sehen hat; von diesen Leuten mögen die hiesigen Grunduntertanen nicht die wenigsten sein, 
wie sie auch öffentlich verlauten lassen, um dadurch vielleicht die ihnen allezeit erwiesenen 
Guttaten mit derlei Dank zu vergelten. Es ist gewiss, dass die gestrigen Schelmen nur gar zu 
gutes Wissen über das Schloss haben, weil sie gar so geschwind über alle umliegenden Bühel 
u. Berge kommen konnten. Ich habe bei dem Pfleger in Obernzell durch meinen Schreiber 
um Verstärkung durch die Gemusterten ersuchen lassen; allein da die Mannschaft noch nicht 
von Passau entlassen ist, wird er mir wenig helfen können; mit den Untertanen aber ist wenig 
zu schaffen; da ist alles auf das Davonlaufen gerichtet. Die gestrigen Rebellen waren auch mit 
Feuergewehr versehen, da einer von ihnen bei endlich genommener Flucht einen Schuss ab- 
gegeben hat. Wenn die Gefahr weiter anwachsen sollte, bitte ich um die Erlaubnis, mein Vieh 
u. meine Effecten aus dem Maierhof in das Schloss flüchten zu dürfen. 

München Reichsarelnv. 

1705, Nov. 20. llauptlager vor Haselbach. 

139. Patent der sämmtlichen commandirenden Offiziere allda. 

Es soll sich keiner, wer es auch sei, gelüsten lassen, Herrn Vicedom von Burghausen bei 
seiner Reise von Passau die geringste Hinderung zu tun, widrigenfalls würde man gegen ihn 
mit Schärfe verfahren u. ihn wohl gar nach Gestalt des Verbrechens mit der Lebensstrafe ansehen. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 20. Burghausen. 

140. Die ganze Gemein des Rentamtes Burghausen an die Regierung. 

Die Regierung wird aufgefordert, da zu ihren Mitgliedern der Landhauptmann gehört, 
einen Commandanten aufzustellen. Sollte dies nicht sogleich geschehen, so wird man mit einer 
grossen Mannschaft Gewalt brauchen. Auch sollen Ober- u. Unteroffiziere angestellt u. angegeben 
werden, wie stark die Garnison der Stadt sein soll. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 20. Wasserburg. 

141. Der Pflegscommissär von Kling Jos. Judas v. Hofmihlen an die Administration. 

Auf Befehl der Administration wollte ich mich gestern mit dem Curier Grass nach Burg- 
hausen begeben, um Kundschaft einzuziehen. Es ist uns aber unterwegs mein ausgeschickter 
Spion, ein altes Weib aus Kraiburg, begegnet u. hat berichtet, dass der Feind im Anmarsch 
sei; im Rentamt Burghausen sei das allgemeine Aufgebot ergangen: die Bauern wollten den 
Inn besetzen; gestern wären 3000 von ihnen in Kraiburg eingerückt; heute wollten sie hieher 
kommen; sie hätten dazu die Untertanen von Kling aufgeboten, von denen dem Weib ganze 
Trupps begegnet sind. Da das Gericht aus lauter kleinen Gütlern besteht, so können mit 

') 15 km südöstlich von Passau an der Donau. 
Abb. d. philos.-philol. u. d. hist. KL XXVI, 4. Abb. ü 



66 

Einschluss der Hofmarken gegen 5000 Mann zusammenkommen. Das Lager bei Oetting soll 
sich von der Osterwiese bis Tüssling erstrecken u. soll wohl eingerichtet sein. Braunau soll 
heute übergeben werden; seit gestern um 4 Uhr hat man nicht mehr schiessen gehört. Die 
Pflege in Oetting haben sie vollständig ruinirt, so dass die Beamten geflohen sind. Sonst tuen 
sie niemanden ein Leid, zahlen aller Orten fleissig aus, sogar die Bespannung für ihre geringe 
Bagage; sie halten gute Ordnung u. leben still u. einig. Ich habe mich gestern in Kling 
umgesehen u. meine Kinder hieher gebracht. Da der Pflegscommissär in Kraiburg im Amt 
geblieben ist u. die Regierung in Burghausen zu amtiren fortfährt, werde ich mich wieder nach 
Kling zur Erhaltung des sehr schön gebauten Schlosses begeben. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 20. München. 

142. Patent der Administration an den Magistrat von Wasserburg. 

Es ist wohl abzusehen, was für ein Ende das Unternehmen der rebellischen Bauernburschen 
nehmen wird u. dass es auf den völligen Ruin des Landmanns ausgehen wird. Da wir „allen- 
falls im Stand sind, diese Gesellen in Bälde gänzlich übern Haufen zu werfen", sie aber viel- 
leicht auch unsere Bürgerschaft in Wasserburg an sich zu ziehen trachten werden, so erinnern 
wir sie an die uns geschworene Treue u. hoffen, dass sie nötigenfalls unserer Soldatesca bei- 
stehen u. zur Verteidigung der Stadt die Waffen ergreifen wird. Wir werden dann ihre Treue 
mit Gnaden ansehen u. es ihr in anderen Wegen zu gute kommen lassen; im widrigen Fall 
aber würden wir, weil dieser Aufstand, wie sich jeder leicht einbilden mag, nit lang dauern 
kann, die Stadt, andern zum Exempel, mit Feuer u. Schwert verheeren. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 20. Passau. 

143. Der Pflegscommissär Ign. Hormayr von Reichenberg an die Administration. 

Obwohl er, wie er bereits am 7. Nov. gemeldet, dem ganz rabiaten Pöbel eine ergiebige 
Summe Geldes gegeben, haben sie dennoch durch drei bis viermalige Plünderung seiner Be- 
hausung in Pfarrkirchen u. des Pflegschlosses in Reichenberg ihm alles genommen u. sein Gross- 
u. Kleinvieh weggetrieben; sie drohten auch, wenn sie ihn erwischen würden, ihn nicht mehr 
lebendig aus der Hand zu lassen. Bittet also, da er in des Kaisers Interesse bereits Leben 
und Blut daran gesetzt hat, seiner nicht zu vergessen u. ihm soweit an die Hand zu gehen, 
dass er sowohl Sicherheit für sich u. seine Kinder habe als des Verlorenen wieder habhaft werde. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 20. München. 

144. Die Administration an den Pflegscommissär von Kling Jos. Judas v. Hofmihlen in 
Wasserburg. 

Er hat sich unverzüglich wieder zum Amt zu begeben u. den Untertanen vorzustellen, in 
was für Elend sie sich stürzen, wenn sie den treulosen Gesellen anhängen; wenn sie ihren 
Pflichten treu bleiben u. sich der gewissenlosen u. landsverderblichen Rotte widersetzen, wird 
die A. durch Nachsehung vieler Landesbürden ihrer mit Gnaden gedenken. Dass Burghausen 
an die Rebellen übergegangen sei, kann sie nicht glauben, da der Ort selbst einem regulirten 
Feind Widerstand leisten kann. Er hat sogleich einige Vertraute über Tittmoning dahin auf 
Kundschaft zu schicken u. der A. durch eigene Staffete zu berichten. 

Wien H. H. St. A. 



67 

1705, Nov. 20. München. 

145. Der Geheimsecretär Franz Jos. v. Unertl an die Prälaten von Baumburg, Trostberg. 
Attel u. Seeon. 

Der Administrator Graf v. Löwenstein lässt ersuchen, die Untertanen von einer Beteiligung 
an dem Aufstand abzumahnen. 

Wien H.H. StA. 

1705, Nov. 21. Burghausen. 

146. Sitzungsprotocoll der Regierung Burghausen; Commissäre: Regierungsräte v. Ilagenau 
u. v. Sattelbogen. 

Bürgermeister u. Rat bringen vor, dass die Bürgerschaft sich beklage, weil dem gefassten 
Beschluss zuwider die wirklichen Räte von der Einquartierung frei bleiben wollten; die Bürger 
müssten so das Quartier allein tragen u. zugleich Wachen verrichten; sie wollten in dem Lager 
zu Braunau Schutz suchen. Dies dürfte eine besorgliche Confusion verursachen. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 21. Burghausen. 

147. Sitzungsprotocoll; Commissäre: Regierungsräte v. Ilagenau u. v. Sattelbogen. 

Ein Ausschuss der Untertanen von Kühbach, Gilgenberg, Wildshut und dem Forstgericht 
bringt wegen der Aufstellung eines Commandanten vor, dass sie von den bei Braunau Befind- 
lichen getrennt seien u. mit der Bürgerschaft allein die Wachen versehen müssten. Damit dies 
mit Ordnung geschehe u. ein jeder wisse, wem er zu gehorchen habe, solle die Regierung den 
Kastner v. Prielmayr als Commandanten aufstellen, der im Land angesessen, eine Zeit lang 
im Krieg gewesen sei u. hier gute Erfahrung bekommen habe. 

Es wurde ihnen von der Commission bedeutet, dass sie den in der Stadt befindlichen 
Fähnrich von der Mannschaft des Generals Bonifacio, der viele Jahre in bairischen Kriegs- 
diensten gestanden sei, zum Commandanten nehmen sollten; sie beharrten jedoch auf ihrem 
Begehren, da sie auf den Fähnrich, da er nicht im Land angesessen sei, kein vollständiges 
Vertrauen haben könnten. Es wurde ihnen weiter vorgehalten, dass man nicht wisse, ob die 
Aufstellung eines Commandanten denen im braunauischen Lager recht sei; sie sollten sich deshalb 
erst darüber erkundigen. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 21. München. 

148. Die Administration an den Oberst des Osnabrückischen Regiments zu Fuss v. Latermann. 

Die Nachricht, dass die Bauern Burghausen eingenommen, ist heute bestätigt worden: 
man erwartet sie morgen vor Wasserburg; wie es mit Braunau gehen wird, ist ungewiss; man 
fürchtet sogar, dass sie vor hiesige Stadt kommen, da die Garnison durch die nach Wasserburg 
u. nach anderen Orten entsendete Mannschaft sehr geschwächt ist. Der Oberst soll daher seinen 
Marsch hieher Tag u. Nacht auf alle mögliche Weise beschleunigen u. wenigstens einen Teil 
der Leute auf Wagen befördern. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 21. Mühl.lorf. 

149. Oberst de Wendt an die Administration. 

Ich habe mich heute der Brücke von Mühldorf u. des Bauernlagers bemächtigt, habe die 
Brücke wieder herstellen lassen u. eine Partei nach Kraiburg geschickt, die die dortigen Rebellen 
auseinander gejagt hat. Da ich vernommen, dass der grüsste Teil der Rebellen heute nach 

9* 



68 

Wasserburg marschirt ist, werde ich morgen dorthin rücken, um sie auseinander zu treiben. 
Ich hoffe, dass man es nicht ungnädig aufnehmen wird, dass ich gegen den Befehl wieder über 
den Inn gegangen bin; allein die Verhältnisse sind hier ganz anders, als man sich in München 
vorstellt. Ich bitte um Gottes willen, dass mir noch einige hundert Pferde zugeschickt werden; 
mit den Leuten, die ich jetzt habe, werde ich nicht viel ausrichten können. „Dependirt also 
das ganze Werk an dem, dass man mich mit einiger Cavallerie verstärke." Ich kann die 
Umstände der Sachen nicht weitläufig schreiben aus Mangel an Zeit; es bleibt mir kaum so 
viel übrig, dass ich einen Bissen essen kann, indem ich keinen Menschen habe, der mir an die 
Hand geht. Ich tue, so viel mir möglich u. menschlich ist. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 21. Wasserburg. 

150. Der Pflegscommissär von Kling Jos. Judas v. llofmihlen an die Administration. 

Ich wollte mich wieder an meinen Amtssitz nach Kling begeben, habe aber die Nachricht 
bekommen, dass ein Trupp Bauern meinen ältesten Sohn, den ich zurückgelassen hatte, u. einen 
Knecht mit sich fortgeschleppt u. dass sie gesagt haben, sie würden mich, wenn sie mich an- 
träfen, auch mitnehmen. Ich habe mich daher nicht getraut, mich in die Gefahr zu stürzen, 
entweder nach ihrer Pfeife zu tanzen oder mein Leben zu verlieren. Trotzdem hätte ich den 
Befehl vom gestrigen vollzogen, allein der hiesige Commandant hat die Tore gesperrt u. lässt 
niemanden aus oder ein; auch mein Gesuch, einen Tambour hinauszuschicken u. für mich 
sicheres Geleit zu verlangen, damit ich den Untertanen den Auftrag der Administration eröffnen 
könne, hat er abgeschlagen. Ich habe aber verschiedenen Untertanen nachdrückliche Vorstellung 
gemacht u. mehrere benachbarte Prälaten u. Pfarrer ersucht, von der Kanzel die Untertanen 
vom Aufstand abzumahnen. 

Die Nachricht von der Capitulation von Burghausen ist leider wahr. Ich habe den Klinger 
Gerichtsboten dorthin geschickt; «r hat gesehen, wie die Bürger u. Bauern an den Toren Wach 
hielten u. wie der Kastner v. Prielmayr mit 300 Schützen u. Bauern die ausmarschirende 
Garnison begleitet hat. Eben erfahre ich noch, dass die Untertanen von Kling zum grössten 
Teil noch unschlüssig sind, welcher Partei sie sich anschliessen sollen; die von Prütting. Hösl- 
wang u. Eggstädt haben keinen Mann vor hiesige Stadt gestellt. 

Wien H.H. StA. 

1705. Nov. 21. Wasserburg. 

151. Der Gerichtschreiber Joh. Veit Korntheur an den Pfleger Joh. Albr. Frhr. v. Pienzenau 
in München. 

Der Feind ist heute früh jenseits des Inns truppweise vor die Stadt gekommen; die Stadt 
ist deshalb versperrt u. kann uns kein Schaden geschehen, wenn er auf dieser Seite verbleibt. 
W T enn er aber über den Inn käme, wäre die Stadt in wenigen Tagen verloren, da die Garnison 
schwach ist u. keine Stücke mehr im Zeughaus vorhanden sind; auch ist keine Mühle in der 
Stadt, so dass man in wenigen Tagen keine Lebensmittel mehr haben würde. Im Gericht Kling 
soll der Feind von Haus zu Haus die Mannschaft haben aufbieten lassen; im hiesigen Gericht 
sind die Untertanen bis zur Stunde in vollem Gehorsam, wenn auch kein Kreuzer Steuer zu 
haben ist. Wenn der Feind über den Inn kommen sollte, so werden auch sie mithalten müssen. 
Wie stark der Feind ist, weiss man nicht sicher; einige sagen, er wäre 18 — 20000, andere er 
wäre 8 — 10000 Mann stark. 

Wien H. H. St. A. 



69 

1705, Nov. 21. München. 

152. Die Administration an den Kaiser. 

Obwohl man hoffte, es werde das empörte Bauernvolk, nachdem es bei Eggenfelden u. 
Biburg empfindliehe Schläge bekommen u. einige mit dem Strang hingerichtet worden sind, sich 
zur Ruhe begeben, so hat es ein schlechtes Aussehen dazu. Jenseits des Inns, im Rentamt 
Burghausen sind die Poststrassen u. aller Verkehr unterbrochen; es wird berichtet, dass Braunau 
von etlichen tausend Bauern blokirt u. Burghausen von ihnen eingenommen ist. Der dortige 
Commandant Hauptmann Kirchstädter hatte Befehl gegeben, dass bei Nacht alles angerufen werde: 
wer keine Antwort gebe, auf den sollte geschossen werden; er hatte sich bei dem Rückzug aus 
der Stadt in das Schloss etwas verweilt u. konnte, weil er bei dem Hinauflaufen auf den Bers 
den Atem verloren hatte, keine Antwort geben, so dass er von den eigenen Leuten erschossen 
wurde. Die Garnison hat alsdann capitulirt u. soll in das Salzburgische nach Tittmoning abge- 
führt worden sein. Von all dem hat uns aber weder die Regierung noch die ausgezogene 
Garnison noch Oberst de Wendt Nachricht gegeben. 

Nach verlässlichen Nachrichten ist ein etliche tausend Mann starker Schwann nach Kraiburg 
gerückt, um Wasserburg anzugreifen. Sie schicken Patente in den umliegenden Gerichten 
herum, in denen unter Bedrohung mit Plünderung u. Feuer u. Schwert die Feuerschützen u. 
die gesammte Bauernschaft aufgeboten werden. Oberst de Wendt hat ein paar Tage bei Neu- 
markt Rast gehalten; er verlangt Succurs; man hat ihm vor ein paar Tagen 70 Pferde geschickt 
u. er wird bis längstens 25. Nov. noch etwas verstärkt werden. General Graf v. Bagni hat 
Oberst de Wendt angewiesen, er solle sich auf dem linken Innufer Braunau nähern u. dem 
losen Gesindel wieder einen Streich zu versetzen suchen; er solle sich wegen der Waldungen 
wohl vorsehen, dass ihm nichts Widriges zustosse. Wenn ihm ein Unglück zustiesse, so könnte 
dies Folgen haben, die sobald nicht wieder gut zu machen wären. Sollten die Bauern bei der 
Annäherung de Wendts auseinander gehen, so solle er sich Inn aufwärts ziehen, so dass das 
untere Land um Neumarkt gedeckt wird; er solle, um nicht von München abgeschnitten zu 
werden u. bei Wasserburg zur Hand zu sein, zwischen Mühldorf u. Haag, bei Ampfing Stellung 
nehmen; sollte Wasserburg verloren gehen, so würde das Gesindel den oberen Teil Baierns längs 
des Gebirges gewinnen u. auch die Gerichte diesseits des Inns sich empören; sie stossen jetzt 
schon verdächtige Reden aus u. murren über alles. Zur Verstärkung der Garnison sind heute 
Nacht 150 Füsiliere mit Munition nach Wasserburg abgegangen. 

Diesem Unwesen kann nur mit sattsamer Gewalt gesteuert werden; man hat daher dem 
bei Memmingen stehenden Osnabrückischen Regiment den Befehl geschickt, so rasch als möglich 
hieher zu kommen, damit man die aus Böhmen kommenden Rekruten nach Italien schicken u. 
de Wendt verstärken kann; er kann dann diesen Canaillen, wenn sie etwas Schädliches gegen 
das Land ob der Enns planen oder die dortigen Untertanen zu Unruhen anfeuern wollten, auf 
den Hals gehen. 

In Landshut fährt man fort, einige Truppen zu Pferd u. zu Fuss auszurüsten, um sie 
unter Oberst v. Bartels operiren lassen zu können. Oberstleutnant Graf v. Wallis vom Königs- 
eckischen Regiment ist heute aus Italien angekommen u. hat gemeldet, dass die unberittene 
preussische Cavallerie im Marsch über Innsbruck nach Baiern begriffen sei. Es ist von ihr kein 
Dienst zu hoffen, wohl aber zu glauben, dass sie mit aller Zaumlosigkeit die Landeseinwohner 
plagen wird; man wird die Quartiere u. die Verpflegung mit dem Degen in der Hand suchen 
u. behaupten müssen. Von Steuern u. Abgaben geht seit geraumer Zeit kein Kreuzer mehr 
ein; die Landstände wissen auch keine Mittel zu beschaffen; würde man nun die noch in Ruhe 
stehenden Berichte mit übermässigen Ausschreibungen belegen, so wäre zu erwarten, dass auch 
diese sich empören würden. 

Wir haben den gegenwärtigen Zustand als unvermeidliche Folge der Rekrutenstellung vor- 
hergesagt u. bitten den Aufstand für kein leichtes Ding zu nehmen; die Verbitterung der Bauern 
ist so gross, dass auch nach Aufhebung der Rekrutenstellung. wenn der Bauer keine Linderung 
in den Contributionen u. keinen Schutz gegen die Excessc der Soldaten wahrnimmt, das AVinter- 
i|Uartier nur mit dem Degen in der Hand behauptet werden kann. 

Wien Kriegsarchiv. 



70 

1705, Nov. 21. Wien. 

153. Von der Reichskanzlei an die Administration. 

Mit Eueren Vorkehrungen, die Ihr am 11. Nov. gemeldet, sind wir einverstanden. Wir 
werden auch, wenn es nötig werden sollte, noch mehr Mannschaft nach Baiern schicken. Es 
soll aber die gütliche u. gelinde Mitte nicht auf die Seite gesetzt werden u. die Zusammen- 
rottirten durch bewegliche Vorstellung, auch durch die Ausstreuung, dass etliche tausend Mann 
gegen sie im Anrücken wären, zum Auseinandergehen gebracht werden. Da aber nach den 
von ihnen verübten Excessen abzunehmen ist, dass Sanftmut allein dem Uebel nicht abhelfen 
wird, so ist gegen die Rädelsführer u. besonders gegen die abgedankten Soldaten mit Schärfe 
zu verfahren. Da unter diesen Umständen von der Rekrutenstellung nichts zu erwarten ist, wir 
die Leute aber höchst nötig haben, so habt Ihr mit den Landständen zu überlegen, auf welche 
Weise die Rekruten am bequemsten zu beschaffen wären, ob nicht anstatt der Mannschaft ein 
zulängliches Werbegeld gereicht u. den Offizieren die Werbung von Freiwilligen überlassen werde. 

Wien H.H. St. A. 

1705, Nov. 21. Straubing. 

154. Von der Regierung Straubing an die Administration. 

Die Verpflegung der hier liegenden Rekruten vom Regiment Guido Stahremberg, sowie 
der Truppen des Obersten d'Arnan u. der auf dem Sammelplatz in Deggendorf befindlichen Mann- 
schaft stösst auf die grössten Schwierigkeiten, da von den Bauern fast nichts mehr einzubringen 
u. auch die hiesige Bürgerschaft nichts mehr herzugeben im Stand ist. 

Wien H.H. St. A. 

1705, Nov. 21. Burghausen. 

155. Rundschreiben des Regierungskanzlers v. Scherer an die Regierungsräte u. deren Voten. 

Eben als ich abends um 3 Uhr auf dem Weg zur Litanei der verlobten Novena begriffen 
war, überreichten mir etliche Untertanen ein Memorial mit dem mündlichen Anbringen, die 
Räte möchten ihnen noch heute ihre Entschliessung mitteilen u. einen Commandanten benennen. 
Als ich ihnen erwiderte, die Zeit sei viel zu kurz, um heute noch alle Räte zusammen zu rufen, 
haben sie u. besonders der Nagelstätter mit aller Bescheidenheit nachgegeben u. nur bemerkt, 
wenn man ihrer nötig hätte, würden sie augenblicklich erscheinen; sie erwarteten jedoch eine 
bestimmte Entschliessung. Ich bin nun der Ansicht, dass man den Nagelstätter u. seine Con- 
sorten zur Commission rufen u. ihnen vortragen lasse, dass, weil dieses Werk von den Unter- 
tanen allein, ohne Zutun u. Wissen der Regierung unternommen worden, die Regierung ihnen 
mit Aufstellung eines Commandanten nicht an die Hand gehen könne; dagegen würden ihre 
Offiziere, von denen sie bisher ihre Befehle erhalten, ihrem Verlangen Folge leisten. 

Rentmeister Frhr. v. Widmann hält den Vorschlag für sehr gut, weil sich keiner gern 
wird gebrauchen lassen; doch sei vorher zu sehen, dass keine Entschuldigung verfangen wird. 

Forstmeister v. Imhof hält die Sache von grösster Wichtigkeit u. glaubt, dass man im 
besetzten Rat einen Beschluss wird fassen müssen. Sollten die Untertanen nicht zuwarten 
wollen, müsste mau heute noch zusammenkommen. 

Rat v. Hagenau: Die Sache ist von grosser Wichtigkeit; er glaubt, man werde sie im 
grösseren Rat austragen können, weil sie so lange verziehen werden, bis man zusammen- 
gekommen ist. 

Rat v. Mägerle: Stimmt dem Kanzler bei; findet die Zusammenberufung des Rates nicht 
für nötig, da sich in dieser delicaten Sache doch niemand wird gebrauchen lassen, noch mit 
weiterer Eröffnung seiner Gemütsmeinung hervorgehen wird. Sollten aber die Commissäre noch 
etwas zur Sprache bringen wollen oder sollten die Bauern sich mit dem Bescheid nicht beruhigen, 
so könnte darüber im Plenum beraten werden. 



71 

Rat u. Kastner v. Prielmayr: Man will der Regierung vorschreiben, wider ihre geschworene 
Pflicht zu handeln; es ist der erste Schritt, um die Regierung zur Teilnahme an diesem Feuer 
zu bringen. Er hält die Zusammenberufung der Regierung für notwendig, damit man das 
Gute oder Ueble erwähle; nach dem Memorial dürfte man keine freie Wahl mehr haben. 

Rat Leitner: Die Abhaltung einer ordentlichen Sitzung zur Beratung ist unumgänglich; 
doch wird kein Umschweif u. keine Entschuldigung mehr helfen, da man uns miteinvermengt 
sehen will. Die vorgeschlagene Remonstration soll unverzüglich geschehen u. da es vermutlich nicht 
dabei beruhen wird, soll man indessen alle Räte zusammenrufen, damit dem weiteren Begehren 
vorgebeugt oder nachgegeben werde. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 21. Strass. 1 ) 

156. Der Bauernhauptmann J. A. Prindl an den Pflegscommissär von Trostberg. Job. Franz 
Aicher v. Langquid. 

Nachdem die Untertanen von Kling, Rosenheim u. Prion angekommen sind, soll ich auf 
Befehl meines Generals, der sich in Braunau befindet, die Untertanen des Gerichtes Trostberg 
zusammenbringen. Es ist daher alsogleich eine ordentliche Specification zu verfassen u. die 
Untertanen durch die Amtleute hieher stellen zu lassen u. zwar wo in einem Haus vier sind, 
drei u. wo drei sind. zwei. Im widrigen Fall wird man gegen das Gericht u. den Pflegs- 
commissär mit Feuer, Schwert u. Plünderung verfahren. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 21. Aign.-') 

157. Der Pflegsverwalter Wolfg. Stöckl an die Hofkammer in Passau. 

Infolge des Befehles vom 16. Nov., wonach der Heimschwanger Hafer zu bezahlen sei, 
war der Verwalter gestern in Obernberg u. hat den Schreiber beauftragt, dem Heimschwanger 
115 fl 3 ) zu bezahlen, so dass man nichts mehr zu leiden habe. In diesen Tagen sind stets bair. 
Burschen zu vier, acht u. mehr, hier ab- u. zugegangen; bisher haben sie der Herrschaft keine 
Ungelegenheit gemacht, ausser dass täglich gedroht wird, sie wollten diesem Ort, besonders dem 
Dechanthof, dem Pfleg- u. Amthaus noch mitfahren, daher die Leute in steter Furcht u. Sorge 
leben, geplündert zu werden. Er, der Verwalter, darf sich nur wenig sehen lassen; er ist 
bisher in der Stille beim Tag im PHeghaus, bei der Nacht aber in der Taferne geblieben, damit 
er nicht überfallen werde u. leichter entspringen könne. Im Fall kais. Völker in dieses Revier 
kommen sollten, bittet er, dass die Herrschaft von der Quartierlast befreit bleibe. Er wird es 
an nichts fehlen lassen, um die Untertanen zu Hause zu halten; er will deshalb so lange bei 
der Pflege bleiben, bis er von einer Anrückung etwas hört u. zu entspringen gezwungen ist. 
Bei Tag hat er eine stete Wacht auf den Kirchturm gestellt, die auf allen Fall ein Zeichen 
geben soll, damit er bei Zeiten weichen kann. Wie stark die bair. Burschen bei Braunau sind, 
kann man nicht sagen, da täglich Leute weggehen u. andere ankommen. Es sind wenig Bauern 
zu Haus, weil alles fort muss, wer nur zu gebrauchen ist. Wie die meisten sagen, sollen nächst 
Ranshofen bei 3000 u. bei Simbach 6000 Mann stehen; sie lassen seit 15. Nov. nichts mehr 
aus der oder in die Stadt Braunau; sie halten bis Ering scharfe Wachten u. nehmen um Braunau 
zu ihrem Unterhalt Vieh u. andere Sachen ihren eigenen Leuten weg; sie machen viele Leitern 
u. sollen vorhaben, die Stadt mit Sturm anzulaufen; andere sagen, sie wollten sie mit Hunger 
zwingen, weil sie wenig versehen wäre; in den letzten Tagen hat man starkes Feuer mit Stücken 
aus der Stadt gehört, gestern u. heute aber nicht mehr; wie man vernimmt, wären die Burschen 



') 2 km östlich von Wasserburg. 

2 ) 6 km südwestlich von Obernberg. 3 ) S. Nr. 127. 



n 

zurückgewichen, so dass die Stücke sie nicht mehr erreichen könnten; man weiss also noch 
nicht, wie diese Belagerung ablaufen wird oder wohin ihr Vorhaben abzielt. 

München Reichsarchiv. 

1705, Nov. 21. Hauptquartier Haselbach. 

158. Patent. 

Hernach folgenden Gerichten u. den incorporirten Hofmarken wird hiemit allen Ernstes 
erinnert, den Untertanen den Auftrag tun zu lassen, dass von jedem Gericht die vorhandene 
Mannschaft auf die Quantität, die durch die allher abgeordneten Amtleute zugekommen sein 
wird, verpflegt werden soll. An die Gerichte u. Hofmarken geschieht daher hiemit der Befehl, 
alle Veranstaltung zu machen. Dass dieses Patent vorgewiesen worden, ist jeden Orts zu unter- 
schreiben, 1 ) wie man sich keines "Widrigen vertröstet, sondern sonst unmittelbar die Gewalt 
anlegen müsste. 

Sämmtliche commandirenden Offiziere allda. 
■ München Reichsarchiv. 

1705, Nov. 21. Haselbach. 

159. Die sämmtlichen commandirenden Offiziere an den Markt Obernberg. 

Auf den vom Markt erhaltenen Brief, in dem enthalten, dass sie alle Freundschaft gegen 
uns erzeigen wollen, wird ihnen in Vertröstung so viel nachrichtlich mitgeteilt, dass, wenn wider 
Verhoffen sich einige Mannschaft sie zu beängstigen unterfangen sollte, sie darob sein sollen, 
solchen Uebeltäter, wenn sie ihn nicht gefänglich haben könnten, doch seinem Namen nach 
festzustellen, dem dann seinem Verbrechen gemäss die gebührende Strafe dictirt werden soll. 
Womit wir alles in den Schutz des Allerhöchsten empfehlen. 

München Reichsarchiv. 

1705, Nov. 21. Passau. 

160. Protocoll, aufgenommen bei der Kriegsdeputation der fürstl. Hofkammer. 

Hans Mich. Vieräser, Diener des Vicedoms von Burghausen Frhr. v. Weichs, sagt aus, 
dass die bair. Bauernbuben am 14. Nov. beim Capuzinertörl in die Stadt Burghausen einge- 
drungen, von den 150 Mann starken Soldaten aber mit einem Verlust von beiläufig 20 Mann 
wieder über die Mauern hinausgetrieben worden seien. Am 17. hätten sie wieder angesetzt u. 
Stadt u. Festung emportirt. Zu Anfang des Allarms sei der Commandant bei der Frau Kugler 
in Gesellschaft gewesen; er sei gleich dem Schloss zugelaufen u. sei, weil er auf Anrufen der 
Schildwache keine Antwort gegeben, von dieser tot geschossen worden. Dadurch sei unter den 
im Schloss befindlichen 50 Soldaten eine Confusion entstanden u. drei Offiziere seien flüchtig 
gegangen; diese seien aber von den Rebellen ertappt u. in Mauerkirchen arretirt worden. Die 
Garnison sei sodann ausser sechs Mann, die den Buben zugefallen, nach Tittmoning geführt 
worden. Die Buben hätten dann das Schloss gleich besetzt u. ihre Schildwachen ordentlich 
ausgeteilt. Er habe nun vorgegeben, es sei ihm von seiner Herrschaft erlaubt worden, nach 
Mariahilf bei Passau kirchfahrten zu gehen; sein Herr, der sich in Neuburg am Inn befunden, 
habe ihn aber wieder nach Burghausen geschickt. Auf dem Weg sei er mit einer Flinte auf 
der Achsel u. dem Feldzeichen auf dem Hut durch das ganze Lager gegangen; die Buben hätten 
ihn für einen der Ihrigen u. für einen Offizier gehalten, so dass ihn etliche begleiteten. Er 
habe auch gesehen, dass sie zu Haselbach ihre Feldkanzlei in einem Weberhaus hätten, wo 
neben einem Webstuhl ein Tisch gestanden, an dem vier von ihnen continuirlich schrieben. 



J ) Von dem Gericht Ried wurde das Patent an die folgenden Hofmarken gesandt, die den Vorweis 
bestätigten: St. Martin; Eberschwang; Mörschwang; Wegleiten; Rameding; Ranshofen; Mühlheim: Raab: 
Mamling; Aurolzmünster; Pramet; Gurten; Ellrecbing; Voitshofen; Reichersberg; Aapach; Neuhaus; Schrenk. 



73 

Am 18. hätten sie schon einige Stücke Ton Burghausen nach Braunau geführt; sie wären nun 
mit der Aufwerfung einiger Batterien beschäftigt. Die Zahl der Bauern vor Braunau zu beiden 
Seiten des Inns schätze er auf 10 — 12000 Mann. 

München Reichsarchiv. 

1705, Nov. 22. Simbach. 

161. Mandat der Kurbair. Landesdefension; unterzeichnet: J. H. Wormbs. Rastlos S. 134. 

1705, Nov. 22. Hauptlager Haselbach. 

162. An Herrn Marktrichter in Haag. 1 ) 

Es ist glaubwürdig vorgekommen, dass die in Ried gelegene kais. Mannschaft sich jetzt 
in Haag aufhält u. unseren in selbigem Revier gelegenen Untertanen allerhand Ungelegenheit 
macht. Da wir nun gegen die Herren u. ausserhalb unseres Landes nicht im geringsten etwas 
Feindliches vorzunehmen gedenken, so hoffen wir. dieselben werden die Veranstaltung tun, dass 
sich diese Mannschaft aus selbigem Revier wegziehe u. unsere Leute unbedrängt lasse. Widrigen- 
falls sind wir wider unseren "Willen gezwungen, ein wohl ergiebiges Commando wider diese 
Mannschaft auszusenden, wobei es uns alsdann nicht möglich wäre, alles, was ihnen zum Schaden 
gereichen möchte, zu verhüten. Uebrigens haben sie sich zu vertrösten, dass wir jederzeit gegen 
sie eine gute Nachbarschaft haben werden. Womit Gott alles empfohlen. 

Sämmtliche commandirenden Offiziere allda. 

München Reichsarchiv. 

1705, Nov. 22. Obernberg. 

163. Der Amtsschreiber Thom. Walschleb in Obernberg an die Kriegsdeputation der Hof- 
kammer in Passau. 

Er übersendet das nach Obernberg gerichtete Schreiben aus Haselbach vom 21. Nov. 2 ) 
Trotzdem kann man nicht versichert leben, ob sich nicht ein oder andere zusammenziehen u. 
den Markt ausplündern, wie denn erst gestern Abend drei Bauernsöhne hieher gekommen sind 
u. gesagt haben, es würden 500 Mann hier das Nachtquartier nehmen u. dann nach Schärding 
gehen. Der hiesige Bürger, der das Schreiben aus dem Feldlager von Ilaselbach hieher gebracht 
hat, berichtete aber, dass aus dem Lager diese 500 Mann zur Besetzung von Burghausen abge- 
gangen wären. Braunau soll schon im Capituliren stehen, da die Belagerten Mangel an Lebens- 
mitteln u. Munition haben sollen. Die Söhne u. Knechte der Untertanen des hiesigen Pflegs- 
gerichts, auch Bauern selbst sind schon abgeholt u. in das Lager berufen worden. 

München Reichsarchiv. 

1705, Nov. 22. Kraiburg. 

164. Oberst de Wendt an die Administration. 

Ich bin heute hier eingetroffen und habe die Brücke wieder in Stand setzen lassen. Die 
Bauern vor Wasserburg sollen wieder auseinander gegangen sein; ich habe einen Expressen 
dorthin geschickt u. werde gegen Abend auch eine Partei Husaren hinschicken. Wenn es nicht 
durchaus nötig ist, möchte ich nicht nach Wasserburg gehen, da ich in der Gegend von Mühl- 
dorf oder Neuötting sehr notwendig bin, indem keine andere Stellung als die bei Neuötting 
das ganze Land besser deckt. Wenn ich noch 2 — 300 Pferde und eben so viel Infanterie 
bekäme, würde ich versuchen, Burghausen wieder zu nehmen u. Braunau zu befreien. Sollte 

') 12 km östlich von Ried in Oberösterreich. ') S. Nr. 159. 

Abb. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl. XXVI, 4. Abb. 10 



74 

dies aber nicht möglich sein, so würde ich mich an der Brücke von Neuötting festsetzen u. so 
verhindern, dass das Land auf beiden Ufern des Inns nicht weiter aufstünde u. dass ich die 
Ankunft frischer Truppen in Baiern erwarten könnte. Wenn wir nur Zeit gewinnen, wird uns 
das Werk nicht viel schaden; es wird sich dann die Sache von selbst geben, wenn das übrige 
Land ein genügendes Truppencorps sieht. Es ist also nach meiner Meinung die Hauptsache, 
dass man das übrige Land erhalte. Es ist auch notwendig, dass ich Bäcker u. was zur Errich- 
tung eines Magazines gehört, bekomme, damit ich backen lassen kann; das übrige nimmt man, 
wo man es findet. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 22, 1 Uhr nachm. Wasserburg. 

164 a. Der Gerichtsschreiber Joh. Veit an den Pfleger Job. Albr. Frhr. v. Pienzenau, z. Z. in 
München. 

Die Bauern lassen sich heute noch stärker als gestern auf den Bergen jenseits des Inns 
sehen; sie haben sich sogar schon an den Gärten beim Capuzinerkloster u. in der Nähe der 
Innbrücke postirt. Die Garnison hat einige Schüsse aus Doppelhacken auf sie abgegeben, aber 
ohne Erfolg. Gott gebe, dass sie nicht auch die Passage am andern Ufer sperren; denn sonst 
ist es wegen Mangels an Lebensmitteln um die Stadt geschehen. Die Verpflegung der Garnison 
lasse ich mir nach Kräften angelegen sein; leider bin ich nicht im Stand, die Geldgage zu 
bezahlen, da ich unter den jetzigen Verhältnissen gar keinen Credit habe. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 22. Burghausen. 

165. Sitzungsprotocoll der Regierung Burghausen ; Commissäre : Räte v. Ilagenau u. 
v. Sattelbogen. 

Die Gemein bringt vor, dass ein Director aufgestellt werde, der sich der bair. Lande im 
Namen des Kurfürsten annehme; dass alle kais. Accis aufgehoben u. die eingegangenen Accis- 
gelder der Gemein zur Bezahlung verschiedener Ausgaben überlassen werden u. dass ein Director 
für das Magazin aufgestellt werde. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 22. Burghausen. 

166. Von der Regierung an den Landsteuerer Bürgermeister Hagen. 

Zur Vermeidung grossen Unheils ist es notwendig, dass der hier liegenden Bauernschaft 
die Verpflegung gereicht werde; sie begnügt sich damit, dass der Mann neben dem Kommissbrot 
täglich einen Batzen auf die Hand bekommt. Damit morgen hiemit begonnen werden kann, 
hast du von der Steuerkassa unserem Kanzleiverwandten Mart. Pizl 400 fl gegen Schein zu 
übergeben. 



München Kriegsarchiv. 



1705, Nov. 22. Hauptquartier Haselbach. 



167. Die sämmtlichen eommandirenden Offiziere allda an Generalwachtmeister Graf Tatten- 
bach in Braunau. 

Wir haben zwar der ganzen Versammlung unserer getanen Parola gemäss den Vortrag getan, 
ihre Gravamina uns zu entdecken, auch solche, wie man gesehen haben wird, erhalten 1 ) u. sind' 



') S. Nr. 135a. 



75 

gänzlich Willens gewesen, solche nach München zu übersenden. Es hat aber die um Mühldorf 
postirte, aus etlich tausend Köpfen bestehende Mannschaft ihre Ordre zurückgehen lassen, dass 
die Gemeinde, so man anders mit ihnen Freundschaft pflegen will, solche beschehene Abtretung 
aus erheblichen Ursachen nicht zu passiren gedenkt, aus welchen Ursachen dann die Abtretung 
sich zerschlagen wird, so wir auch nicht wenden können. Der abgeordnete u. nach Burghausen 
gelieferte Offizier, 1 ) dem gewiss nichts widriges widerfahren wird u. der mit allem Respect an- 
gesehen worden ist, soll nicht abgefolgt werden, bis das vorhabende Dessein der Gemeinde, 
welches, wenn es nicht schon geschehen, ihnen entdeckt werden soll, vollzogen sein wird. 
Uebrigens kann der Herr Commandant nach Belieben heraus feuern u. niemanden verschonen 
lassen. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 22. München. 

168. Feldmarschallleutnant Scipione Graf v. Bagni an Prinz Eugen. 

Der Aufstand greift immer weiter um sich; de Wendt ist mit seiner Mannschaft nicht im 
Stand, sie zur Unterwerfung zu bringen. Man hat deshalb beschlossen, die sämmtliche im Land 
stehende Cavallerie mit den 400 für die italienischen Regimenter bestimmten Pferden beritten 
zu machen. Ferner will man die vom Rhein durch Baiern nach Italien marschirenden Regi- 
menter verwenden u. hat bereits das Osnabrückische Regiment hieher berufen. Von den aus 
Böhmen nach Italien rückenden Rekruten hat man die Guido Stahrembergischen u. die Max 
Stahrembergischen nach Landshut u. die Herbersteinischen hieher dirigirt; im Notfall kann man 
sie in der Garnison gebrauchen. 

Wien Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 22. München. 

169. Die Administration an Prinz Eugen. 

Der Verlust Burghausens wurde dadurch herbeigeführt, dass die Bürgerschaft die Bauern 
durch die Türen u. Fenster in den Ringmauern an der Salzach einliess u. dass der Commandant 
der Garnison, Hauptmann Kirchstätter, beim ersten Auflauf erschossen wurde, die drei Leutnante 
aber, bevor sie zu ihren Leuten kommen konnten, überwältigt wurden; was aus diesen geworden. 
ist bis jetzt unbekannt. Zwei Feldwebel aber, da die beiden Fähnriche auch schon gefangen 
waren, setzten sich, der eine mit 13, der andere mit etlichen 40 Mann zur Wehr u. fielen die 
Bauern mit aller Tapferkeit an; sie erlegten eine Menge von ihnen u. machten 300 gefangen. 
Nachdem so der Auflauf gestillt u. auch die beiden Fähnriche sich losgemacht, wollten sie sich 
im Schloss weiter verteidigen. Allein die Regierung u. die Bürgerschaft wollte die Miliz in 
keiner Weise mehr unterstützen u. hat sie an der Gegenwehr gehindert, so dass sie abziehen 
musste. Kriegscommissär Dietrich hat erst heute von Salzburg diesen Bericht gesandt. 

Wenn man auch den Hauptmann Kirchstätter bedauert, so muss man ihm doch vorwerfen, 
dass er den Angriff in der Stadt nicht hätte abwarten, sondern sich rechtzeitig in das Schloss 
hätte zurückziehen sollen. Dagegen verdienen die beiden Feldwebel wegen ihrer Tapferkeit eine 
Belohnung u. werden hiemit bestens empfohlen. 2 ) 

In einigen Tagen erwarten wir das Osnabrückische Regiment; man wird alsdann de Wendt 
verstärken u. auch sonst bessere Veranstaltung im Land machen können. Die Rekruten, die 
nach u. nach aus Böhmen eintreffen, wird man den Marsch nach Italien fortsetzen lassen, wohin 
auch das Osnabrückische Regiment, wenn die Gefahr gestillt, folgen soll. Aus dem Reich werden 
demnächst drei preuss. Bataillone ankommen u. zur Erholung drei Wochen im Land bleiben. 

Wien Krie<rsarchiv. 

') Oberst Wachtmeister de Valair. 

2 ) Im Jahre 1706 bedanken sich bei der Administration die Fähnriche Sim. Thomas u. Christian 
Schwedt für ihre Beförderung vom Feldwebel zum Fähnrich, die wegen ihres 1 Verhaltens in Burghausen 
erfolgt war. — Wien H. H. St. A. 

10* 



76 

1705, Nov. 23. Simbach. 

170. Patent des Bauernobersten Joh. Hofmann. 
Feldzüge VII, 529. 

1705, Nov. 23, 5 Uhr früh. Kraiburg. 

171. Oberst de Wendt an die Administration. 

Der ausgeschickte Husarenrittmeister ist heute Nacht wieder zurückgekommen; er brachte 
einen Gefangenen mit, der aussagte, dass der Feind auf dieser Seite stark vor Wasserburg 
stehe. Eben kommt auch der nach Wasserburg gesandte Bote zurück mit einem Brief des 
Hauptmanns v. Olnhausen von meinem Regiment, der dies bestätigt. Ich werde daher jetzt 
gleich nach Wasserburg marschiren u. hoffe, dem Feind einen Streich anzuhängen. Ich bitte 
nochmals um Verstärkung, besonders an Cavallerie. 



München Kriegsarchiv. 



1705, Nov. 23. Hauptquartier Neuötting. 



172. Der commandirende Offizier, Bauernhauptmann J. A. Prindl au den Pflegscommissär 
von Trostberg Jos. Franz Aicher v. Langquaid. 

Von dem commandirenden Offizier der in starker Anzahl in hiesiger Stadt u. neben dem 
Inn campirenden Landesuntertanen-Miliz wird dem Gericht bedeutet, dass, weil man im Werk 
begriffen ist, die unter dem hiesigen Commando stehenden Compagnien in einen wirklichen Stand 
zusammen zu bringen, die Notdurft erfordert, von dem Gericht die Inwohner des Marktes Trost- 
berg, von Altenmarkt, des Klosters Baumburg u. der Hofmark Stain sogleich aufzubieten u. die 
sämmtlichen Schützen u. Spiessler, wenn sie zusammengestossen sind, sofort unter einem aufge- 
worfenen Offizier nach Wasserburg auf den Magdalenenberg zu schicken, wo sie von 3000 Mann 
aus dem Gericht Kling erwartet werden. Im widrigen Fall werden die Leute durch ein starkes 
Commando abgeholt werden u. wird man gegen Ungehorsame mit wirklich erlaubter Plünderung 
u. dem höchst schmerzlich auszustehenden Brand verfahren. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 23. Straubing. 

173. Der Vicedom Joh. Friedr. Graf v. Aufsess an die Administration. 

Hauptmann Graf v. Worazizki meldet mir soeben, dass der von hier nach Winzer gesandte 
Leutnant auf einige Rebellen getroffen sei, die über hundert Mann stark bei Vilshofen über die 
Donau gekommen, um die jungen Burschen zusammen zu suchen; der Leutnant habe sie sogleich 
angegriffen; da aber seine Leute allzu begierig u. zu geschwind mit dem Feuern gewesen, so 
seien nur zwei davon erschossen u. einer verwundet u. gefangen worden, die übrigen hätten die 
Flucht ergriffen. Man muss daher überall auf der Hut sein u. besonders auf die Verwehrung 
des Ueberganges über die Donau u. die Isar bedacht sein. Man hat deshalb bei Plattling eine 
Schanze angelegt; zur Behauptung der Donau werden die Garnisonen in Winzer, Hilgartsberg 
u. Deggendorf verbleiben müssen. Die hier stehenden zwei Graf Tattenbachischen Compagnien 
reichen nicht aus, zumal da sie nur je 100 Mann stark sind u. aus lauter Baiern bestehen, auf 
die man sich nicht verlassen kann. Man wird daher, wenn die Stahrembergischen Rekruten 
abmarschiren sollten, die aus lauter guten Leuten bestehen, auch im hiesigen Rentamt mit einer 
Revolte rechnen müssen. Im hiesigen Zeughaus sind gegen 60 Geschütze vorhanden, so dass 
die Stadt gehalten werden kann. 

Wien H. H. St. A. 



77 

1705, Nov. 23. Kloster Gars. 

174. Patent der kurbair. Landesdefension an die Beamten der Grafschaft Haag. 

Den Beamten wird hiemit allen Ernstes u. zuverlässig befohlen, sogleich ihren Untertanen 
kund zu machen, dass sie von jedem Hof zwei Mann mit Gewehr oder Hacken u. Schaufeln 
stellen sollen, widrigenfalls man sie mit Feuer u. Schwert tractiren wird. 

Kurbair. löbl. Landesdefension sämmtliche commandirende Oberoffiziere 
und gesammte Gemein. 
München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 23, 3 Uhr nachm. Wasserburg. 

175. Oberst J. B. de Wendt an die Administration. 

Als ich heute vor Wasserburg kam, habe ich 2 — 3000 Bauern getroffen, bin mit gött- 
lichem Beistand auf sie los u. habe sie über den Haufen geworfen also, dass einige hundert 
von ihnen tot geblieben u. so viele gefangen sind. Ich denke, sie werden einen Spiegel daran 
haben u. die andern sich zur Ruhe begeben. Da meine Leute sehr matt sind, werde ich morgen 
einen Rasttag machen oder einen kleinen Marsch gegen Mühldorf tun, wo ich den Succurs erwarten 
mu83. Vor dessen Eintreffen kann ich gegen Braunau u. Burghausen schwerlich etwas unter- 
nehmen. An mir soll's nicht fehlen, wenn ich nur hätt', was dazu gehört, agiren u. travagliren 
wollte ich gern. Bitte um Leut', so bald als möglich, so wird, hoff' ich zu Gott, der Krieg 
bald ein End haben. 

München Kriegsarehiv. 

1705, Nov. 23. Landshut. 

176. Die Regierung Landshut an die Administration. 

Der z. Z. flüchtig in Passau befindliche PHegscoinmissär von Griesbach berichtet, dass in 
diesem Markt ein Commandirter von den Bauernburschen aus Braunau gekommen sei. der ver- 
langt habe, dass alles auf dem Urbarskasten vorhandene Korn gemahlen u. drei Tage lang 
16000 ff, Brot nach Braunau geliefert werden sollen. Von de Wendt haben wir keine Nach- 
richt. Die Regierung von Straubing hat einen Offizier mit einem Patent abgeschickt, dass alle 
Brücken über die Isar abgetragen u. alle Fahrzeuge in Sicherheit zu bringen seien. 

Adam Caspar Freiherr v. Freyberg, Vicedom. dann Kanzler, auch andere 
Anwälte u. Räte der Regierung Landshut. 

München Kriegsarchiv. 

1705. Nov. 23. Landshut. 

177. Oberst v. Bartels an die Administration. 

Hat das bei hiesiger Stadt zurückgehaltene Stückel (Geschütz) auf sein ernstliches Zu- 
sprechen erhalten u. auf das Schloss bringen lassen. Ob es der Stadt gehört oder erst vom 
Bürgermeister Kray hieher gebracht worden ist, muss erst festgestellt werden. Dieser soll auch 
in seinem Haus eine grosse Menge Gewehr haben, die er nicht angezeigt hat; Kriegscomiiiissiir 
Philippi wird nachsehen u. sie in unseren Besitz bringen. Der Bürgermeister Kray, der bei der 
Bürgerschaft u. besonders bei dem übler gesinnten Teil viel vermag, hat sich dadurch u. durch sein 
sonstiges Benehmen verdächtig gemacht. Es gehen verschiedene Gerüchte über seine plötzliche, 
heimliche Abreise nach München; es wird gut sein, ihn dort überwachen zu lassen. 

München KricL'sarchiv. 



78 

1705, Nov. 23. München. 

178. Patent der Administration an die von Kelheim. 

Josephus usw. Es gereicht uns zu gnädigstem Gefallen, dass ihr bei dem jüngst von den 
jungen Burschen unternommenen Aufstand in unserer Treue verblieben seid u. dabei das getan, 
was euch als uns mit Pflicht zugetanen Bürgern zugestanden. Wie wir nun im Stand sind, 
die in den Bentämtern Landshut u. Burghausen sich befindenden Gesellen über den Haufen zu 
werfen, also gedenken wir auch jene, die uns bei diesem so unverhofft ausgebrochenen Feuer 
ihre Devotion gezeigt, mit besonderen Gnaden anzusehen. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 23. Landshut. 

179. Ferd. Jos. Frhr. v. Vieregg zu Gerzen an die Administration. 1 ) 

Befindet sich noch immer im Arrest, obwohl er unschuldig ist. Er wurde von etwa 
150 Burschen überfallen u. durch Bedrohung mit Brand u. anderem gezwungen, ihnen sein 
Gewehr zu überlassen ; Widerstand war unmöglich, wie sich ja auch in Griesbacb, Pfarrkirchen 
u. Biburg gezeigt hat. Mehrere seines gleichen sind zu demselben genötigt worden. Bei den 
rasenden ledigen Burschen hat einige vernünftige Widerred u. Gegenremonstration gar nichts 
verfangen. Er kann vor Gott beteuern, dass er niemals einen Gedanken gehabt, gegen Seine 
Majestät das geringste zu unternehmen u. den rebellischen Burschen mit Rat oder Tat an die 
Hand zu gehen. 2 ) 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 23. München. 

180. Die Verordneten u. Commissäre der Landschaft in Baiern an das Landsteueramt in 
Burghausen. 

Wir haben die Nachricht erhalten, dass die aufgestandenen ledigen Bauernburschen sich 
der Stadt Burghausen bemeistert haben. Es ist euch bekannt, dass wir bei der Administration 
in München u. durch drei Abgeordnete in Wien bestrebt sind, das Land von weiteren schweren 
Auflagen u. von der Rekrutenstellung zu bewahren; dazu ist uns auch schon gute Hoffnung 
gemacht worden. Wir sind aber nun aufs neue in Sorge geraten, es dürfte dieser Aufstand 
uns das Spiel verderben u. verursachen, dass das Kriegsfeuer aufs neue entzündet u. dem Land 
grosser Schaden zugefügt, werde u. zwar um so bälder, als schon einige kais. Regimenter im 
Anmarsch begriffen sind. Da wir nichts anderes wünschen u. Tag u. Nacht darauf hinarbeiten, 
als dass alles Unheil u. aller Notstand von unserem Vaterland abgewendet werde, so habt ihr 
umständlich zu berichten, wie sich die Besetzung Burghausens zugetragen, was die Bauern dazu 
bewogen hat, worin deren Beschwerden bestehen u. welche Mittel zur gütlichen Beilegung 
gebraucht werden könnten. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 23. Burghausen. 

181. Sitzungsprotocoll der Regierungscommission ; Kastner v. Prielmayr u. Regierungsrat 
v. Sattelbogen. 

Am 23. Nov. früh zwischen 7 u. 8 Uhr liess die Gemein der Bauern u. der Bürgerschaft 
zu Burghausen die Brigata schlagen; sie stellten sich mit Ober- u. Untergewehr mitten auf dem 

') Vgl. Nr. 112. 

2 ) Am 25. Nov. ordnet die Administration an . dass Vieregg aus dem Schlossarrest entlassen u. in 
Hausarrest gesetzt werde; am 21. Dez. wurde er, gegen eine sattsame Kaution, auch aus diesem entlassen. 
Kreisarchiv Landshut. 



79 

Platz nächst der Kanzlei auf, erkühnten sich sogar auf die Regierung selbst anzudringen, mit 
dem Vermelden, sie hätten etwas notwendiges vorzubringen, worauf man von der Regierung 
einige als Commissäre in das Nebenzimmer zu ihnen schickte. Als man ihr Anbringen zu wissen 
verlangte, haben sie alle zugleich mit erbitterter Stimme, besonders aber die Bauern, die noch 
schwieriger als die Bürger sind u. unter denen sich etliche abgedankte Soldaten befanden, ganz 
rasend u. tobend aufgeschrieen, dass sie einen Commandanten begehrten; sollte der Commandant 
von der Regierung verweigert werden, so wollten sie Gewalt brauchen, 30 000 Mann hieher 
ziehen u. selbst einen Commandanten aufstellen, die Regierungsräte als Paruckenhänsl aus der 
Regierung u. der Ratsstube herausreissen, ihnen die Muskete anf die Achsel geben u. wenn sie 
nicht gerne gingen, ihnen die Köpfe entzwei hauen; sie setzten noch bei. dass von der Bauern- 
schaft zwei, von der Bürgerschaft u. der Regierung je ein Commandant aufgestellt werden sollte; 
die Regierung müsste mit ihrer Aufstellung der Bürgerschaft u. der Bauernschaft vorgehen, 
damit sie nicht einstmals, wie der im Namen der Bürger u. Bauern sprechende Procurator 
Sallinger beifügte, sich aushalftere oder den Kopf aus der Schlinge ziehe. Um der vor Augen 
stehenden Todesgefahr in tempore vorzubiegen, hat man nun die Sache der Regierung vorge- 
tragen; der ganz erwildete Bauer war aber nicht zu besänftigen u. hörte nicht auf die Einwände. 
dass die militärischen Angelegenheiten allezeit von dem Kriegsrat in München u. nicht von der 
Regierung geregelt worden seien, dass es daher nicht in der Macht der Regierung stehe, einen 
Commandanten aufzustellen und hiezu jemanden aus der Regierung zu bestimmen, dass auch 
kein Rat vorhanden sei, der dieser Function vorstehen könnte. Die Bauern verharrten auf 
ihrem Verlangen; als man sie fragte, wen sie denn als Commandanten verlangen u vorschlagen 
würden, schlugen sie einhellig den Kastner v. Prielmayr vor, weil dieser sich etliche Jahre im 
Feld aufgehalten habe u. Hauptmann des Landfahnens gewesen sei. 

Sowohl Herr v. Prielmayr aber als die Regierung trugen Bedenken an seiner Aufstellung 
mit dem Titel eines Commandanten. Als nun die Bauern mit Gewalttätigkeiten drohten, man 
die Todesgefahr vor Augen hatte, sonach Gewalt vor Recht ging, schlug man vor, den v. Priel- 
mayr Kriegscommissär zu nennen; er sollte jedoch alles, was einem Commandanten obliege, 
vertreten; die Hauptsache sollte durch die Regierung regiert werden, die dem v. Prielmayr in 
allem an die Hand gehen werde, was die anwesende Gemein endlich geschehen Hess. 

München Kriegsarchiv. 

1705. Nov. 23. Burghau.sen. 

182. Sitzungsprotocoll der Regierung. 

Die ganze Gemein bringt an, sie bitte, es sollen zur Erhaltung u. Verteidigung des Rent- 
amtes Burghausen folgende Punkte beobachtet werden: 

1. Vor allem soll eine rechte Versicherung mit den gefangenen Offizieren gemacht werden, 
da der gestern hieher gebrachte Oberst Wachtmeister 18 Klafter Strick kaufen Hess, um zu 
entfliehen. 2. Beim Landgericht Mauerkirchen sollen in Verwahr des Oberschreibers etliche 
tausend Gulden vorhanden sein; dieser soll sogleich mit dem Geld hieher berufen werden. Die 
Gemein will die Begleitmannschaft hiezu geben. 3. Für die Wachen soll Holz u. Licht ver- 
schafft werden. 4. Glatte u. rauhe Fourage ist beizuschaffen. 5. Bei der Regierung ist die 
Verpflichtung der neu angenommenen Leute vorzunehmen. 6. Der Post, den Lehnrösslern u. 
den in der Stadt vorhandenen Boten ist bei Leib- u. Lebensstrafe zu verbieten, ohne Vorwissen 
der Regierung Briefe abzuschicken oder auszuteilen. 7. Die von den Häusern gegen das Wasser 
hinausführenden Türen sind sogleich zu vermauern. 8. Alle landesfürstlichen u. landschaftlichen 
Gefälle sind an die Commissionskasse zu liefern. '.). Zur Bestreitung u. Fortsetzung der Werbung 
ist an ein namhaftes Anlehen bei den Klöstern n. anderen zu denken. 10. Der Löffler, der 
vormals Proviantcommissär gewesen, ist als solcher wieder anzustellen. 11. Alle Palisaden, 
zuvorderst beim Apothekergarten, sind sogleich in Stand zu setzen oder neu einzusetzen. 

Entschliessung der Regierung: 

1. Mit Zuziehung der Stallt soll eine Gelegenheit gesucht werden. 2. Das Rentamt wird 
die Citation ausfertigen. 3. Das Holz nimmt man im Holzfeld u. im Weilhart; die Lichter für 



80 

die Wachen bei der Stadt sind von der Stadt zu fordern, für die übrigen Wachen müssen sie 
aus den Extrakriegsgefällen beschafft werden. 4. Ist Sache der Gemein. 5. Der von der 
Regierung aufgestellte Kriegscommissär kann die Mannschaft für das Land verpflichten. 6. Hat 
die Obrigkeit jeden Ortes die Veranstaltung zu machen. 7. Eine Visitation wird zeigen, welche 
Türen zu vermauern sind. 8. Steht nicht in der Gewalt der Regierung, da sie niemals über 
die Gelder zu verfügen gehabt. 9. Ist ein Fingerzeig zu geben, auf wessen Credit die Bezahlung 
zu leisten wäre u. wer für die Rückzahlung gut steht. 10. Kann geschehen wie bei dem fünften 
Punkt. 11. Kann geschehen. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 23. Hauptquartier Haeelbach. 

183. Patent der sämmtlichen commandirenden Offiziere. 

Es beschieht hiemit unser ernstliches Begehren, dass alle zu Hause befindlichen Unter- 
tanen, absonderlich die Schützen, unverzüglich in dem Hauptlager Haselbach erscheinen, auf dass 
unser angefangenes Dessein zu dem erwünschten Ende gebracht werden könne. Im widrigen 
Fall mögen sie versichert sein, dass sie nicht nur mit grosser Macht gesucht, sondern gar 
geplündert u. gefänglich eingezogen werden sollen. Auch wollen wir, dass sie sich auf vier 
Tage verproviantiren. 

München Reichsarchiv. 

1705, Nov. 23. Hauptquartier Simbach. 

184. Patent, unterzeichnet: Kurbair. Landsdefensions-Kriegscommissär G. S. P(linganser). 

Nachdem durch die Gnade Gottes die Waffen dergestalt glücklich ergriffen worden sind, 
dass die im Land einquartirten kais. Truppen meist vertrieben, Burghausen eingenommen u. 
Braunau mit solchem Erfolg belagejt wird, dass es noch in dieser Woche übergehen wird, hat 
man im Sinn, die jetzt schon 16 000 Mann starken Landesdefensoren noch mit grosser Anzahl 
zu verstärken. Es wäre nun zu wünschen, dass man das auf den kurbair. Kästen befindliche 
Getreide unberührt lassen u. die Verpflegung aus den feindlichen Magazinen beschaffen könnte; 
allein solche Magazine sind nirgends im Land vorhanden. Wir haben deshalb beschlossen, die 
Truppen von dem Kastengetreide zu verpflegen. Den Kastenbeamten wird durch gegenwärtiges 
ernstlich befohlen, so schleunig als möglich die Hälfte des vorhandenen Getreides gegen eine 
billige Maut in den Mühlen mahlen zu lassen, so dass das von acht zu acht Tagen abgemahlene 
Quantum an unser Magazinsamt abgeführt werde. Ferner haben die Beamten eine Anzeige über 
das auf den Kästen vorhandene Getreide in Münchener Maas einzusenden. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 23. Nachtquartier Neuötting. 

185. Die sämmtlichen commandirenden Offiziere an die Beamten in Traunstein. 1 ) 

Den Beamten wird bedeutet, dass sie, wenn sie sich vor Schaden behüten wollen, sogleich 
die Schützen u. die ganze Gemein aufbieten u. hieher schicken sollen, wo schon bei 3000 Mann 
stehen; welches Ziel man hat, wird den Leuten mitgeteilt werden. 

Wien H. H. St. A. 



!) Das Siegel des Schreibens zeigt einen nach rechts gekehrten stehenden Löwen; neben der Helm- 
zier die Buchstaben: G — F. 



81 

1705. Nov. 23. Simbach. 

185a. Mandat der kurbair. Landesdefcnsion. 

Bei den so grossen, immer währenden u. dem Landesuntertanen unerschwinglichen Kriegs- 
anlagen, Portionsgeldern, Steuern, Contributionen, Winter- u. Sommerquartieren, vielfältigen 
Durchmärschen, Gelderpressungen, die nicht ersetzt wurden, war an kein Ende zu denken, dass 
das völlig verarmte Vaterland in diesen unerhörten u. in keinem kais. Land jemals practicirten 
Prästationen in etwas sublevirt u. verschont werden möchte. Es wurden vielmehr im Gegenspiel 
die alten Bedrängnisse mit neuen Mühseligkeiten gehäuft u. die kais. Intention dahin gerichtet. 
die bis auf das Mark ausgesaugten u. an Mitteln gänzlich erschöpften Untertanen durch eine 
ungerechtsame Musterung ihrer zur Bestreitung der Feld- u. Hausarbeit höchst nötigen Söhne 
u. Knechte des noch übrigen Trostes zu berauben, so dass der arme Bauersmann, da anstatt 
der auszumusternden Mannschaft schon vorher eine ergiebige Geldanlage begehrt worden war, 
mit zweifachen Ruten gestrichen werden sollte. Zur Ab- u. Hintanwerfung dieses unerträglichen 
Joches ist kein anderes Mittel übrig verblieben, als dass das gesammte Vaterland sich einhellig 
entschliesst, die landschützenden Waffen zu ergreifen, mit vereinten Kräften auf die Feinde los- 
zugehen, sie aus dem Land völlig zu vertreiben, nächstdem die alte kurbair. Libertät empor- 
zuheben u. so den erwünschten Ruhestand, dessen Mittel der Krieg ist. herbeizuschaffen. Durch 
die Gnade Gottes sind die Kriegsoperationen schon in so weit angefangen worden, dass der feste 
Ort Burghausen mit der darin vorhandenen Munition nach weniger Gegenwehr wirklich in unsere 
Hände gefallen ist u. auch die Festung Braunau in den letzten Zügen liegt, so dass an weiteren 
glückseligen Progressen um so weniger der geringste Zweifel zu tragen ist. als der gemeinsame 
Landschutz jedermänniglich bekannt ist u. Gottes Beistand die löbliche Intention unzweifelhaft 
bestens secundiren wird. Es ergeht demnach an die Städte. Märkte, Hofmarken u. alle u. jede 
getreue, bestgesinntc kurbair. Untertanen, denen dieses offene Mandat zu lesen vorkommt oder 
die auf anderen Wegen hievon Wissenschaft erhalten, unser gnädiger, zugleich ernstlicher u. 
geschärfter Befehl, dass sie sich, ausser dem Adel u. denen, die mit Weib u. Kindern versehen 
sind, die Schützen jedoch ausgenommen, die keineswegs befreit sein sollen, also gleich u. nach 
Notifikation dieses mit ihrer Wehr zu der diesseits des Inns von uns commandirten landschützenden 
Armee gewiss u. unfehlbar verfügen. Im widrigen, nicht erhofften Fall haben die in dem Land 
herumschweifenden Commandos Befehl, gegen die Renitenten oder jene, die auf allerhand Wegen 
unser Mandat nicht eilfertigst vollziehen wollen oder auf irgend eine Weise ein Hindernis erzeigen, 
auf das schärfste mit Feuer u. Sehwert zu verfahren. Man hat sich auch keine Hoffnung zu 
machen, dass man von dieser Bedrohung u. einhellig gefassten Resolution abstehen werde: es 
wird sich in effectu durch statuirte Exempel bald zeigen, welchergestalt sich andere vor Schaden 
zu hüten haben. 

Actum Hauptquartier Simbach den 23. Nov. 1705. 

Kurbair. Landesdefcnsion. 

München Reichsarchiv. 

1705, Nov. 23. Passau. 

186. Statthalter u. Räte an den beim Reichsconvent in Regensburg befindlichen Bischof von 
Passau. Cardinal Joh. Philipp Grafen v. Lamberg. 

Von allen Orten kommt die Nachricht, dass Burghausen am 17. Nov. an die rebellischen 
Burschen übergegangen sei; über die näheren Umstände hat man, ausser durch die Aussage des 
Dieners des Vicedoms von Burghausen 1 ) keine Kenntnis; die Schildwachen sind auf allen Strassen 
aufgestellt u. lassen niemanden, weder zu Wasser noch zu Land auf der Innseite passiren. Nach 
der erwähnten Aussage sollen die Bauernburschen Stücke von Burghausen nach Braunau geführt 
haben; es ist aber nicht zu begreifen, dass sie diese werden gebrauchen können. Ob es bei 

') S. Nr. 100. 
Abb. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl XXVI, 4. Abb. 1 1 



82 

der Eroberung mit rechten Dingen hergegangen, weiss man nicht. Von einigen Unverständigen 
wird sogar schon von der Capitulation Braunaus gesprochen. Es hat jedoch gestern ein Obern- 
berger Bürger berichtet, er habe von einem sicheren Ort erzählen hören, dass die Rebellen 
einen Tambour in die Stadt geschickt u. den Commandanten General Graf Tattenbach zur 
Uebergabe aufgefordert hätten; er habe ihnen aber entbieten lassen, er gebe die ihm anvertraute 
Festung keinen solchen Steckenknechten u. wenn er des unschuldigen Tambours Jugend nicht 
schonen würde, so wollte er ihn lebendig braten lassen u. ihn also zurückschicken, was er auch 
auf weiteres solches Anmassen zu tun gedenke. Inzwischen fürchtet sich nicht nur Obernberg 
u. andere Orte in der Nähe, sondern auch Schärding nicht wenig, da dort fast kein kais. Volk 
vorhanden u. von einem Anmarsch nichts zu hören ist; solange dieser nicht geschieht, spielen 
freilich diese den Meister u. verüben nicht geringe Excesse. Was die Obernberger auf die 
zweimaligen Schreiben der Rebellen 1 ) für eine Antwort gegeben, weiss man noch nicht, da sie 
vorher hier nicht angefragt haben. Es kann wohl sein, dass der Markt so lang verschont bleibt, 
bis bei den rebellischen Burschen mehrere Not einreisst, wenn anders ihre Auseinanderstaubung 
sich noch einige Zeit verweilen sollte. Der dortige Pfleger mit all den Seinigen, so wie der 
Marktrichter Carusa befinden sich hier in der Flucht; auch viele andere haben ihre besten 
Sachen bereits hieher geflüchtet. Carusa hat von den Burschen bereits einige Spolirung erlitten; 
die von dem Bräu zu Kösslarn Seppenhofer wegen eines strittigen Hafers begehrten 115 fl. 2 ) 
werden bezahlt werden müssen, da er in seinem vermessenen Schreiben die Schärfe androht; 
da aus zwei Uebeln das bessere zu wählen ist, so hat man zu Conservirung der fürstlichen 
Herrschaften befohlen, das Geld zu erlegen, zumal da dieser lose Geselle schon vor 14 Tagen 
gegen 400 Bauernbuben durch die Herrschaft Riedenburg geführt u. gedroht hat, das Pfleghaus 
u. anderes zu ruiniren. Hier u. auf dem Land continuirt man mit den Wachten, wie es der 
Commandant angeordnet hat. 

München Reichsarchiv. 

1705, Nov. 24, 3 Uhr nachm. Traunstein. 

187. Die sämmtlichen Beamten u. der Magistrat an die commandirenden Offiziere in Neu- 
ötting. 

Auf den von Neuötting hieher geschickten Zettel 3 ) erwidert man, dass der Pflegsverwalter 
vor den wider ihn aufgestandenen Bauern geflohen, der Gerichtsschreiber gestorben ist, das 
Salzmaieramt aber keine Jurisdiction hat u. daher bei den Untertanen keinen Gehorsam finden 
würde. Ausserdem u. dies ist die Hauptsache, ist in Tirol schon alles auf, um, wenn sich die 
Gerichte Traunstein u. Marquartstein erheben würden, mit Sengen u. Brennen einzufallen, wie 
dies die heute hiehergekommenen Holzmeister aus dem Reiterwinkel beteuert, so wie berichtet 
haben, dass in Wessen schon das Vieh weggenommen worden sei. Die commandirenden Offiziere 
werden es daher wohl für gut finden, dass man hierorts auf den Schutz der Grenzen u. der 
Stadt mit dem Salzwerk, dessen Zerstörung dem ganzen Land Schaden bringen würde, bedacht ist. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 24. Amberg. 

188. Die Regierung (Vicestatthalter, Vicekanzler u. Räte) in Amberg an die Administration. 

Wir haben in Vollzug des Befehles vom 29. Okt., wonach wir den in der Oberpfalz wegen 
der Rekrutenstellung ausgekrochenen Aufstand in Güte beizulegen suchen sollen, für zweckmässig 
gehalten, den unter Oberst d'Arnan ausgerückten Truppen zwei Commissäre beizugeben, die 
durch Zusammenberufung der Viertelmeister u. der Dorfhauptleute den Untertanen ihr Unrecht 
vorhalten u. sie zur schuldigen Treue u. Stellung der Mannschaft anhalten sollten; die Commission 

') S. Nr. 159. a ) S. Nr. 127. 3 ) S. Nr. 185. 



83 

sollte ferner feststellen, woher der Aufstand seinen Ursprung genommen u. wer die Rädelsführer 
der zusammenrotteten Bauernsöhne u. Knechte im Pflegamt Murach u. im Landgericht Neun- 
burg waren, die die ausgewählte Mannschaft befreit u. von den Wagen genommen haben. 

Bericht der Commission aus Oberviechtach (s. Nr. 85). 

Es ist aber von den Orten, wo der Aufstand sich gezeigt, die geforderte Mannschaft bis 
auf wenige Köpfe gestellt und mit den übrigen 116 Mann gestern nach Donaustauf fortgebracht 
worden, so dass nach Abzug von 131 Mann, die wegen zu später Eintretung der Offiziere fort- 
liefen, 318 Mann für das Regiment Wallis gestellt sind. Wir hoffen, dass der anfangs so 
gefährlich erschienene Aufstand, der aber niemals über 200 Mann angewachsen ist u. bei dem 
ausser der Wegnehmung der Rekruten keine Gewalttätigkeiten verübt worden sind, nun wieder 
vollständig gestillt sei, zumal da die Hauptursache, die Aushebung, weggefallen ist. 

Ueber den Ursprung des Aufstandes hat man durch Vernehmung von 121 Personen in 
Erfahrung gebracht, dass von den Bauernsöhnen im Amt Murach die erste Aufforderung zur 
Wegnahme der ausgewählten Mannschaft unter Bedrohung mit Brand ergangen ist. denen sich 
auch einige Väter u. Brüder der Ausgewählten angeschlossen haben. Die von der Commission 
nach Neunburg citirten Rädelsführer sind aber nicht erschienen, sondern flüchtig gegangen; man 
hat daher ihre Väter in Neunburg in Arrest gesetzt. Nach zehn Tagen hat man sie auf ihr 
flehentliches Bitten einstweilen wieder frei gelassen, um keine neuen Unruhen hervorzurufen, 
sie jedoch verpflichtet innerhalb vierzehn Tagen ihre Söhne unfehlbar zur Stelle zu bringen. 

Wir erwarten nun Befehl, ob die Untersuchung fortgeführt werden soll oder ob durch 
offenes Patent allen, mit Ausnahme der Frevler u. Ungehorsamen, die Strafe nachgesehen wird. 
Nach unserer Meinung haben die Burschen mehr aus Furcht u. Verleitung durch andere als 
aus innerer Bosheit sich zu dem Haufen geschlagen oder dem Ansagen der Dorfhauptleute Folge 
geleistet. Man könnte daher als Strafe ihnen die Bezahlung der durch die Entsendung der 
Miliz u. der Commission entstandenen, gegen 1000 Reichstaler betragenden Kosten auferlegen. 
da den treu gebliebenen Städten u. Märkten, wo die Soldatesca gelegen, diese Bezahlung nicht 
aufgebürdet werden kann. 

Wir haben auch durch offenes Patent die Ablieferung aller Waffen an die Aemter befohlen. 

München Kriegsarchiv. 

1705. Nov. 24. München. 

189. Die Administration an die Reichskanzlei. 

Gestern ist spät abends ein Offizier von de Wendt eingetroffen u. hat gemeldet, dass dieser 
gestern früh den Marsch auf Wasserburg am rechten Innufer angetreten hat u. auf etwa 3000 
rebellische Bauern gestossen ist. Während des Marsches hatte er dem in Wasserburg cominan- 
direnden Hauptmann den Befehl geschickt, bei seiner Ankunft einen Ausfall aus der Stadt über 
die Innbrücke zu machen* Dies ist auch geschehen u. so wohl gelungen, dass de Wendt den 
Schwärm über den Haufen geworfen hat; 400 dieser Bösewichte wurden auf dem Platz zerhaut 
u. erlegt, darunter ihr Commandant, ein Wirt, u. ebensoviele wurden gefangen genommen; unter 
diesen befanden sich einige kaiserliche Deserteure u. einige bairische abgedankte Soldaten u. 
Schützen, die sich meist in das Capuzinerkloster flüchteten, wo sie durch die Grenadiere auf- 
gesucht u. herausgezogen wurden. Man hat de Wendt angewiesen, von diesen drei Sorten die 
nötigen Exempel mit dem Strang statuiren zu lassen. Ein Teil der gefangenen Bauern hat sich 
wehmütig entschuldigt, dass sie zu solcher Empörung u. Uebeltat gezwungen worden wären, so 
dass de Wendt einen guten Teil der Gefangenen zur Ersparung der Wache laufen liess. Man 
hat ihm dies verwiesen, da er die zu Kriegsdiensten Tauglichen hätte aussuchen sollen; es wäre 
genug für sie gewesen, wenn man ihnen das Leben geschenkt hätte. 

Heute Abends rückt ein Osnabrückisches Bataillon hier ein; es wird dann das hier stehende 
Bataillon des Regiments de Wendt mit etwas Cavallerie de Wendt zugesandt. Da der letzte 
Streich den Bauern Furcht eingejagt haben wird, hat man, so viel in der Eile möglich, in 

11* 



84 

Wasserburg u. Miihldorf Magazine angelegt; de Wendt soll sich nun gegen Braunau wenden, 
dort die Bauern verjagen u. dann Burghausen wieder nehmen. 

Prinz Eugen hat angeordnet, dass die übel oder gar nicht berittenen 120 Mann des 
Castellischen Regiments aus Tirol nach Baiern gehen u. hier bis auf weiteres bleiben; man wird 
sie soweit möglich zu Kriegsdiensten gebrauchen, wie man alle Mittel anwendet, um die Miliz 
in solchen Zustand zu setzen, dass man diesen Canaillen gewachsen sein wird; es ist aber fast 
zu glauben, dass man jederzeit nur mit dem Degen in der Hand sich zum Meister dieses Landes 
u. der bevorstehenden "Winterquartiere wird machen können. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 24. Hauptquartier Simbach nächst Braunau. 

190. Der Commandant Joh. Hoffmann an die neu erwählten Commandanten in Burghausen. 

Es soll Geld u. Proviant von Burghausen geschickt werden; Kastner v. Prielmayr soll 
dabei an die Hand gehen. Ein Hauptmann u. ein Feuerwerker sollen Haubitzenmunition u. 
anderes zur Fortsetzung der Belagerung von Braunau abholen, da die erhitzten Landesdefen- 
sionirer bis zur Eroberung des Platzes, es mag kosten, was es wolle, nicht von dannen weichen 
wollen. Bisher ist alles glücklich abgegangen, sie sind deshalb zur ferneren Fortpflanzung dieses 
Werkes in grösster Begierde, um für ihr Vaterland zu streiten. 

Es ist die Nachricht eingelaufen, dass unsere commandirte grosse Partei von etlichen 
tausend Mann mit de Wendt zusammengestossen ist; sie haben ihm 6 Mann niedergeschossen u. 
19 gefangen, während von den Unserigen kein Mann geblieben ist. De Wendt wurde dadurch 
veranlasst, auf Kraiburg zu gehen, wobei ihm die Unserigen „best beständig streitenden Fusses 
nachfolgen u. in ein vortlhaftiges Ort zu stellen gesinnt sind." 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 24. Wasserburg. 

191. Oberst de Wendt an Prinz Eugen. 

Euer Durchlaucht werden mir mein so langes Schweigen hoffentlich nicht ungnädig auf- 
nehmen, indem ich berichte, dass, nachdem die Bauern im Land rebellirt, ich am 10. Nov. aus 
München mit 100 Husaren, meiner Grenadiercompagnie, 100 Reitern, nebst 300 Rekruten zu 
Fuss u. 4 Regimentsstücken commandirt worden. Ich bin gerade auf den Feind los, der am 
stärksten zu Eggenfelden war u. habe ihn dort am 12. angegriffen. Die "Vils konnte ich ohne 
die Brücke, die besetzt war, nicht passiren; der Feind gewann, bis ich die Brücke occupirt 
hatte, Zeit, sich an den Wald zu ziehen; dort habe ich bei 100 Mann niederhauen lassen u. 
30 gefangen bekommen, von denen ich einige hängen Hess; die Häuser der Rädelsführer aber 
Hess ich ausplündern u. bis zum Grund abreisen; mit Brennen wollte ich nicht verfahren, weil 
es die unschuldigen Häuser mitbetroffen hätte. Nun bin ich auf Vilsbiburg gegangen, da dort 
ein anderer Haufe von Rebellen war, die Landshut überfallen wollten. Am 14. habe ich sie 
angetroffen u. durch die göttliche Gnade über den Haufen geworfen; eine Menge ist tot geblieben 
u. 40 gefangen worden. Um mir den Rücken frei zu machen u. das untere Land zur Ruhe 
zu bringen, habe ich den Marsch bis Arnstorf genommen u. dadurch das ganze Land an selbigen 
Enden in Furcht gesetzt, so dass alles wieder auseinander gelaufen u. dieses Land erhalten 
geblieben ist, widrigenfalls ganz Baiern dies- u. jenseits des Inns in Flammen gestanden wäre. 
Von Arnstorf habe ich mich gegen Braunau gewendet u. den Marsch über die Berge u. durch 
grosse Waldungen bis Wurmannsquick fortgesetzt. Meine Absicht war, weil es nur vier Stunden 
von Braunau war, den Feind diesseits des Inns anzugreifen; weil aber das Terrain aus lauter 
Bergen, Defilees und Wäldern bestand, habe ich alle Wege durch die Cavallerie in Augenschein 
nehmen lassen u. gefunden, dass alle Strassen u. Wälder verhaut u. die Verhaue mit Rebellen 
besetzt waren. Nachdem ich mit den Offizieren hierüber beraten, hielt ich es nicht für ratsam, 
den Marsch dorthin fortzusetzen, sondern habe mich mit meinem Corpeto gewendet u. den Marsch 
auf Mühldorf genommen. Obwohl ich von General Graf v. Bagni den Befehl hatte, nicht über 



85 

den Inn zu gehen, habe ich doch, als ich Kundschaft erhalten, dass der Feind die Brücke bei 
Mühldorf mit 800 Mann besetzt habe, beschlossen, da das Land dort herum ganz flach ist, 
mitbin keine Gefahr zu besorgen war, den Versuch zu machen, die Brücke zu nehmen. Um 
meine Absicht zu verbergen u. da ich wusste, dass bei Neuötting jenseits des Inns an der 
Brücke ein grosses feindliches Corpo stehe, habe ich den Oberstleutnant vom Lehozkischen 
Husarenregiment während meines Marsches nach Neuötting abgeschickt, um den dortigen Feind 
im Schach zu halten. Unterdessen habe ich die Brücke bei Mühldorf angegriffen u. durch die 
göttliche Gnade genommen, so dass der Feind in grösster Verwirrung in den jenseitigen Wald 
geflohen u. auseinander gegangen ist. Ich habe dann die Brücke passirt u. mich gelagert. Am 
Abend kamen die Husaren zurück mit einigen Gefangenen; sie meldeten, dass der Feind bei 
Neuötting mit Geschützen auf sie gefeuert habe u. dass er mit grosser Macht dort stehe. In- 
zwischen erhielt ich auch die Nachricht, dass der Feind mit etlichen tausend Mann Wasserburg 
blockire; ich habe nun. mit Beiziehung der Offiziere, für nötig gehalten, dorthin zu marschiren, 
um den Bauern am Gebirg nicht Zeit zu geben, sich in grosser Menge zu rottiren. das Münchener 
Rentamt zum Aufstand zu bringen u. mir die Verbindung mit München zu nehmen. Ich habe 
also am 22. den Marsch mit aller Vorsicht angetreten u. bin an diesem Tag bis Kraiburg ge- 
gangen, wo ich an der Brücke lagerte. Hier erhielt ich die gewisse Nachricht, dass der Feind 
3 — 4000 Mann stark bei Wasserburg stehe; in der Nacht schickte ich an ihn ein offenes Patent. 
in dem ich sie der kaiserlichen Gnade versicherte, wenn sie die Waffen niederlegen u. sich 
unterwerfen wollten. Am 23. trat ich mit anbrechendem Tag den Marsch an; als ich eine 
Stunde vor Wasserburg an den Wald kam, stiessen die Vortruppen auf die feindliche Wache, 
die sogleich auf sie Feuer gab u. sich dann in den Verhau zurückzog. Ich sah also, dass mein 
Patent nichts gefruchtet, u. entschloss mich, nachdem ich selbst den Augenschein des verhackten 
Waldes eingenommen hatte, den Feind anzugreifen. Der Streich i.-t mir gelungen; als ich auf 
der Höhe im Wald den Angriff begann, liess der Commandant von Wasserburg. Hauptmann 
v. Olnhausen von meinem Regiment, durch Hauptmann Juliani vom Jlarrachischen Regiment einen 
Ausfall tun, der dem Feind in den Rücken ging. Der Feind wurde geschlagen und durch alle 
seine Verhaue getrieben; 300 Mann von ihm sind tot auf dem Platz geblieben und 300 gefangen 
worden, die übrigen haben sich mit harter Not in die Wälder gerettet, mit Hinterlassung des 
Gewehres u. der Lebensmittel. Ich hoffe, dass dieser Streich dem schelmischen Gesindel die 
Augen öffnen wird. Obwohl die Garnison von Burghausen durch die Bürgerschaft genötigt 
worden ist auszuziehen — glücklicherweise haben sie an Munition u. Stücken nichts darin ge- 
funden als vier kleine Regimentsstücke — ■ u. obwohl Braunau jetzt von etlichen tausend solcher 
Schelmen blokirt ist, so ist meines Erachtens dennoch genug geschehen, dass wir inzwischen 
das übrige Land von dem Aufstand abhalten, mithin Zeit gewinnen, dass unsere Truppen /.um 
Succurs anmarschiren. Von der Administration u. General Graf v. Bagni ist mir einiger Succurs 
versprochen worden. Ich mache hier einen Rasttag, weil die Truppen von den Märschen sehr 
matt sind; ich werde suchen, hier Schiffe zu bekommen, um die Infanterie aufs Wasser zu 
setzen. Morgen werde ich wieder nach Mühldorf marschiren, vorher aber alle Vorkehrungen 
treffen, da das ganze Land einen Schelmen im Herzen hat; ich habe abermals hier sieben ver- 
steckte Stücke u. einige Munition gefunden. In Mühldorf werde ich mich jenseits des Inns mit 
dem Rücken an die Brücke postiren u. hier die Verstärkungen erwarten, unterdessen aber nicht 
unterlassen, dem Feind, so viel möglich, Abbruch zu tun. Sobald ich den Succurs habe, werde 
ich den Feind aller Orten angreifen u. sowohl Braunau entsetzen als Burghausen wieder unter- 
werfen. Es ist aber vom Hof aus auf alle Weise zu trachten, dass die Tiroler u. das Land 
ob der Enns sich nicht einmische, widrigenfalls die Sache ein weiteres Aussehen bekommen 
möchte. Dieses hoffe ich durch die Gnade Gottes, wenn ich einen Succurs bekomme, schon 
zu stillen. 

Wien Kriegsarchiv. 



86 

1705, Nov. 24. Wasserburg. 

192. Job. Veit Korntheur (Gerichtschreiber) an den Pfleger Job. Albr. Frhrn. v. Pienzenau. 

Die bäuerische Blokade hat ein völliges Ende genommen. Heute zwischen 11 u. 12 Uhr 
ist Oberst de Wendt ganz unvermutet von Kraiburg auf das Bauernlager marschirt u. den 
Rebellen in den Rücken gefallen. Die Bauern wurden von den Husaren völlig zerstreut, wenig- 
stens 200 von ihnen elendiglich massacrirt u. 3 — 400 gefangen hier eingebracht. Ich habe 
mich nach dem Scharmützel in das Lager begeben u. auf der Walstatt ein solches Miserere 
gefunden, dass es einem christlichen Herzen unmöglich gewesen, sich der Vergiessung der Tränen 
zu enthalten, indem die massacrirten Tropfen recht wie das wilde Vieh zerfetzt u. zerhaut 
worden; bald lag einer da ohne Hand oder Arm, dem andern war der Kopf zerspalten, wieder 
einem andern der Hals oder Bauch dermassen entzwei gehaut, dass die Gedärme klafterweise 
heraushingen; einigen war die Hirnschale zerschossen, während das Gehirn neben dem Kopf 
ellenweit davon lag, mit einem Wort, die abscheuliche Tötung u. Zerschmetterung dieser toten 
Körper ist leider dem ganzen Land ein Spectakel zu nennen. Morgen wird man die Toten 
begraben. Oberst de Wendt hat den Scharfrichter von Burghausen mit hieher gebracht u. ich 
fürchte, dass unter den Gefangenen noch ein u. andere abscheuliche Execution vorgenommen 
werde. O Jammer u. Elend des armen Vaterlands! 

Nach vieler Bemühung habe ich endlich von einem Freund 692 fl zur Bezahlung des 
Monatsgeldes für die hier stehende Falkensteinische Mannschaft u. die Harrachsche Werbung 
geliehen erhalten; ich bitte mir in Bälde wieder zu diesem Geld zu verhelfen. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 24. Burghausen. 

193. Die in Burghausen gefangen sitzenden kaiserlichen Offiziere u. Gemeinen (unterzeichnet: 
J. F. Theumer, Leutnant) an Oberst de Wendt. 

Das scharfe Vorgehen mit Schwert u. Strang wird die ohnedies erhitzte Bauernschaft noch 
mehr verbittern u. das Feuer weiter verbreiten. Für die von den Bauern Gefangenen besteht 
in Folge dessen Gefahr für Leib u. Leben, wie ihnen schon angedroht worden ist. Sie bitten 
daher, mit dem scharfen Vorgehen zurückzuhalten. 

München Kriegearchiv. 

1705, Nov. 24. Frontenhausen. 

191. Kämmerer u. Rat an die Landschaft in Baiern Unterlands in Landshut. 

Am 13. Nov. Abends l / a 5 Uhr sind über 200 zusammengerottete Bauernburschen u. 
anderes Gesindel durch die zwei Tore in den Markt eingefallen u. auf das Quartier u. die 
Bagage des Oberstwachtmeisters Straka losgegangen. Da aber dessen Pferde durch seine Knechte 
schon weggebracht waren, haben sie ausser einigem Pferdegeschirr nichts bekommen. Sie sind 
dann die Nacht über im Markt geblieben. Am 15. ist Oberst de Wendt hier eingetroffen u. 
hat hier die Nacht zugebracht. Dieses Quartier hat der Bürgerschaft 2217 fl gekostet, da man 
den Leuten an Speise u. Trank alles im Ueberfluss aufgesetzt hat u. ihnen zur Verhütung an- 
gedrohten Uebels 1 bis 4 u. mehr Gulden geben musste. Da der Markt durch die vielfältigen 
Portions- u. Contributionsgelder schon ganz ausgesaugt war, so hausen die Bürger in grösster 
Not u. fast die Hälfte muss sich mit Bettel erhalten. Nun ist der Markt dem Oberstwacht- 
meister Straka mit 25 Mann wieder als Quartier angewiesen worden, während andere Orte, wie 
Dingolfing, das dreimal grösser ist, gar kein Quartier haben. Man bittet deshalb u. da auch 
erst vor einem Jahr ein guter Teil der Häuser abgebrannt ist, um Befreiung von dem Quartier. 

München Kriegsarchiv. 



87 

1705. Nov. 24. Ried. 

195. Pflegsverwalter Joh. Podensteiner an die cominandirenden Oberoffiziere im Hauptlager 
zu Haselbach. 

Die vom hiesigen Markt nach Haag Abgeordneten werden mündlich erläutern, warum die 
hier im Arrest befindlichen zwei kais. Reiter u. drei ländlerischen Bauern nicht übersandt werden 
können. Da die von Haag sich zu aller nachbarlichen Freundschaft erboten haben, so wird es 
unnötig sein, hier eine Postirung anzuordnen; sie könnte den Untertanen des Landes ob der Enns 
vielleicht bedenklich erscheinen. 



München Krie< r s;irrliiv. 



196. Patent der Administration. 



1705. Nov. 21. München. 



Der Pfleger v. Pienzenau in Wasserburg hat den Auftrag erhalten, in Wasserburg ein 
Magazin für die Truppen anzulegen; hiezu sollen die rebellirenden Gerichte 1000 Zentner Mehl, 
400 Schäffel Hafer, 2000 Zentner Heu u. 2000 Bund Stroh liefern. Die Beamten, denen dieses 
Patent von Wasserburg zugeht, haben von den Untertanen das Nötige zu fordern u. nach Wasser- 
burg zu liefern. Sollten sich die Untertanen weigern, ist dies nach Wasserburg zu berichten, 
von wo aus man dann den Beamten mit militärischer Execution an die Hand gehen wird. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 24. Vichtenstein. 

197. Der fürstl. passauische Verwalter Jak. Herrnpöck an die Kriegsdeputation der llof- 
kammer in Passau. 

Der Unterleutnant Dübler ist gestern hier eingetroffen; von den übrigen vier Mann i>t 
nur einer erschienen, der aber unverweilt wieder davongegangen ist. Die befohlene Ablösung 
der hier stehenden Gemusterten von Obernzeil aus ist noch nicht erfolgt , obwohl es den Ge- 
musterten der Herrschaft Vichtenstein gar hart fallen will, hier die Wachen allein zu halten. 
Sie sind aber dessen doch nicht entgegen, bitten dagegen, sie in Zukunft mit Zug u. Wachen 
so lang zu verschonen, bis andere Gemusterte der Herrschaft der Proportion nach eben so lang 
aufgezogen sind. Vorgestern haben sich wieder einige Bauernbuben in der Pfarr Taufkirchen 
eingefunden, die bis hart an die Pfarr Münzkirchen, 2 1 / ; Stunden von hier, gekommen sind u. 
einige Bauernsöhne u. Knechte abgeholt haben. Es ist nicht zu zweifeln, dass sie dergleichen 
auch auf die Pfarr Münzkirchen u. Esternberg extendiren werden, wenn diesem Uebel nicht 
unterdessen gesteuert wird. Gestern hat man den ganzen Tag Schiessen aus Stücken gehört. 
was mutmasslich bei Braunau war. Wenn hier Gottesdienst gehalten wird, wird möglichste 
Obsicht getragen, damit niemand Verdächtiger herein passirt. Allein es ist allbekannt, dass fast 
dem besten bair. Bauern nimmermehr zu trauen ist u. es ist unmöglich, jemanden ins Herz zu 
sehen. Es wird aber nicht tunlich sein, den Gottesdienst einzustellen, weil die hiesigen Imediat- 
untertanen auf ihn angewiesen sind. 

München Reichsavehiv. 

1705, Nov. 25, morgens 9 Uhr. Schärding. 

198. Oberstwachtmeister J. A. Büttner an den Statthalter des Bischofs in Passau. 

Braunau steht noch nicht in der Gefahr, zur Uebergabe gezwungen zu werden. Vor- 
gestern haben die Braunauer den Rebellen die Batterie zusammengeschossen, so dass sie vor- 
mittags ihre Stücke nicht brauchen konnten, bis die Batterie reparirt war; nachmittags um 2 Uhr 
haben sie sich wieder hören lassen. Ich erwarte heute einen Succurs; alsdann werde ich rleis- 
siger auf das Land hinaus schicken können u. den einen oder andern auf dem Weg zum oder 



88 

vom Lager hereinbringen lassen, um etwas Wahres zu erfahren. Es wird hier des Tags über 
viel geredet, aber das zehnte Wort ist nicht wahr; es redet jeder, wie er es gerne haben möchte. 
Die Herrn Schärdinger haben mir versichert, bei mir zu leben u. zu sterben; allein ich höre 
wohl, dass sie anfangen, die Köpfe zusammenzustossen ; der eine ist willens, sich zu wehren, 
der andere nicht; es ist sich also auf solche neugeborene Christen nicht viel zu verlassen. Wenn 
etwa mein Succurs nach Passau gelangen möchte, bitte ich ihm zu bedeuten, dass er keine 
Stunde verliere; sie möchten sonst verraten u. von den Kebellanten abgeschnitten werden. 
Gestern sind die hier herum liegenden Burschen wieder in das Lager vor Braunau abgeholt 
worden. Sobald ein Succurs hier ankommt, werde ich drei Stücke lösen; man soll sich also 
nicht einbilden, dass hier Lärmen sein möchte. 

München Reichsarchiv. 

1705, Nov. 25. Hauptquartier .... 

199. Der commandirende Offizier Hauptmann Joh. Andr. Prindl an das Gericht Trostberg. 

Das Gericht Trostberg hat auf die in dem Patent vom 23. Nov. begehrte Sendung der 
Schützen u. Spiessler auf den Magdalenenberg bei Wasserburg die Bedrohung durch die Salz- 
burgischen Grenzuntertanen u. die von Burghausen ausgezogene kais. Garnison, die sich im Salz- 
burger Land befindet, angeführt. Man hat dies nun überlegt; es scheint, dass das Gericht wegen 
der bei Wasserburg vorgegangenen Action in Schrecken gefallen ist; die Notdurft erfordert aber, 
die unter meinem Commando stehenden 2000 Spiessler u. 8 — 900 guten Feuerschützen durch 
taugsame Leute zu verstärken, um den im Land zu dessen grössten Schaden herumziehenden 
Feind desto leichter u. beherzter aufzusuchen, ein tapferes u. heldenmütiges Treffen wagen u. 
den Feind aus dem Land treiben zu können. Es haben daher die säinmtlichen Offiziere be- 
schlossen, dass das Gericht Trostberg mit seinen Märkten u. Herrschaften morgen bis längstens 
Mittag 20 der besten, mit guten Zielrohren versehenen Schützen hieher in das Hauptquartier 
abordnen soll, welche wenige Mannschaft leicht zu entbehren ist. Sollte dies nicht geschehen. 
so müsste man die Schützen u. weJirhaften Leute von Gericht zu Gericht durch eine starke 
Mannschaft abholen lassen; die unerschwinglichen Kosten hiefür müssten dem Gericht aufgebürdet 
u. durch unmittelbare Execution erholt werden, worunter der Unschuldige mit dem Schuldigen 
leiden, wo nicht gar Brand u. Plünderung ausstehen müsste. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 25. Obernberg. 

200. Der Amtsschreiber Thom. Walschleb an die Kriegsdeputation der Hofkammer in Passau. 

Uebersendet das Patent aus dem Lager bei Haselbach vom 21. Nov. 1 ) Das Gericht Ried 
hat das Patent nur abschriftsweise, ohne weiteren Amtszusatz herumgesandt; aus dem Patent 
zwar nicht, aber sonst ist insgemein abzunehmen, dass von jedem Hof in das Lager nach Hasel- 
bach 2 fi zur höchst notwendigen Verpflegung überschickt werden sollen. Da von anderen 
benachbarten Beamten, wie auch dem hiesigen Marktschreiber, der mehrere Untertanen zu ver- 
walten hat. den Amtleuten bereits der Auftrag gegeben worden ist, so hat Walschleb nichts 
anderes tun können als dem Amtmann in Mörschwang 2 ) dasselbe aufzutragen; es ist nicht zu 
zweifeln, dass die Untertanen etwas dahin übermachen werden. 

München Reichsarchiv. 



') S. Nr. 158. 2 ) 3 km südöstlich von Obernberg. 



89 

1705. Nov. 25. Passau. 

201. Protocoll, aufgenommen bei der Kriegsdeputation der fiirstl. Hofkammer. 

Franz Freidenberger, des Rats u. Weingastgeb zum Goldenen Hirschen in Passau, sagt 
aus, dass am 21. Nov. der Vicedom von Burghausen, Frhr. v. Weichs, der sich etliche Tage 
bei Graf Hamilton in Neuhaus aufgehalten, zu ihm geschickt u. eine Fuhr über Land nach 
Burghausen begehrt habe, mit der ausdrücklichen Versicherung, dass. wenn Pferden u. Wagen 
etwas geschehen sollte, er für den Schaden gut sein wolle. Er habe dann am 22. den Vicedom 
mit drei Pferden nach Burghausen abführen lassen. Ueber die Reise selbst könne sein Knecht 
nähere Auskunft geben. 

Jak. Vogl. Knecht des Freidenberger, sagt aus. er sei mit dem Vicedom von Passau über 
Schärding. Obernberg, Altheim nach Mauerkirchen ohne den geringsten Anstoss gefahren u. habe 
bis dorthin von den Bauernbuben nichts gesehen. In Mauerkirchen, wo sie im Wirtshaus über- 
nachtet, habe der Vicedom sich erkundigt, ob er nicht einen Convoi, um sicher nach Burghausen 
zu kommen, erhalten könne. Am andern Tag früh, während der Vicedom noch die Messe in 
der Kirche hörte, erschienen bei dem Wirtshaus drei bair. Dragoner mit ihren Pferden, die sich 
bei der Zurückkunft des Vicedoms erboten, ihn bis Burghausen zu begleiten; er nahm aber nur 
einen an. Mit diesem setzten sie die Reise bis Neukirchen fort, wo der Dragoner, weil bis 
Burghausen keine Wache mehr war, den Vicedom verliess. Sie seien darauf nach Burghausen 
gefahren u. dort glücklich angelangt; die Bauernbuben seien beim Eingang in die Stadt nächst 
der Brücke ungefähr zu zwanzig im Gewehr gestanden u. hätten sie ohne das geringste Hindernis 
iu die Stadt gelassen, wo der Vicedom gleich recta in das Schloss zu seiner Wohnung gefahren 
sei; sie hätten hiebei noch drei bis vier Schildwachen passiren müssen. Es dünke ihm, dass 
das Volk den Vicedom mit Freuden angesehen habe. Er habe noch vernommen, dass die Bauern- 
buben, unter denen sich, wie er selbst gesehen, viele eisgraue Männer befänden, sobald sie in 
die Stadt eingedrungen, sogleich der Regierung zugelaufen seien u. dort mit grossem Tumult 
u. Schlagen auf die Ratstische ganz ungestüm begehrt hätten, man sollte ihnen einen Comman- 
danten stellen; als man sie gefragt habe, wen sie denn dazu haben wollten, hätten sie den 
dortigen Kastner begehrt, der ihnen auch zugesagt worden. Im Schloss u. in der Stadt seien 
160 Kaiserliche gelegen, wovon etliche 90 nach Tittmoning convoyirt worden, die übrigen aber 
mutmasslich zu den Bauernburschen übergegangen seien. Von Braunau wisse er nichts, auch 
nicht, aus welcher Intention der Vicedom nach Burghausen gegangen sei. Er u. sein Herr 
seien froh, dass er wieder glücklich nach Haus gelangt sei. 1 ) 

München Reichsarchiv. 

1705, Nov. 25. München. 

202. Die Administration an Oberst de Wendt. 

Nachdem man für nötig gefunden, dem Obersten de Wendt jemanden beizugeben, der 
über des Landes Situation u. Beschaffenheit unterrichtet ist u. der nötigenfalls mit den auf- 
gestandenen Bauern unterhandeln könnte, hat man hiezu den Hofkammerrat Frhrn. v. Gemmel 3 ) 
abgeschickt. 

München Kriegsarchiv. 

') Der Vicedom stellte dem Fuhrmann einen Pass aus: Vorweiser dieses, mein von Passau nach 
Burghuusen gebrauchter Fuhrmann, hat mich heute recht hieher gebracht u. ist nun willens, seinen 
Zurückweg wieder nach Passau zu nehmen; daher wird männiglich liiemit ersucht, ihn an allen Orten 
ungehindert u. frei repassiren zu lassen. Hurghausen 23. Nov. 17n5. 

*) In d,en Acten wechseln die Schreibweisen: Gemmel u. Gembel. 



Abh. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl. XXVI. 4. Abb. 



90 

1705, Nov. 25. Mühldorf. 

203. Der fiirstl. Salzburg. Pflegscommissär Gottfr. Griennagl an die Regierung in Landshut. 

Am 19. Nov. sind 2000 Rebellen vor die Stadt gerückt; am 20. sind sie bis auf 300 
gegen Wasserburg gezogen. Als diese am 21. Oberst de Wendt von ferne anmarschiren sahen, 
sind sie sämmtlich, ehe man fünf Vaterunser hat beten können, von ihrer Postirung an der 
Innbrücke eiligst mit Hinterlassung vieler "Waffen weggelaufen. Heute sollen 3000 Rebellen 
gegen Kraiburg marschiren. 

P. S. vom 25. Nov. Die Rebellen sind in der Nacht zurück nach Tüssling marschirt; 
heute wollen sie nach Neuötting gehen. Ein Mühldorfer Bürger hat in Tüssling gesehen, wie 
sich gegen 400 Mann von den Rebellen wegbegaben; sie sagten, sie gingen nach Hause, da 
ihr Oberster, der ein Goldschmied aus Braunau ist, sie nur auf die Fleischbank führe, wie dies 
ihre Nachbarn bei Wasserburg erfahren hätten; sie hätten auch an Proviant grossen Mangel u. 
bekämen keine Bezahlung. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 25. Seeon. 

204. Der Abt des Klosters Seeon an den Hofkammerrat Franz Jos. Unertl. 

Das unterm 20. huius an ihn abgelassene Schreiben ist heute an ihn gekommen, worüber 
er nit ermangelt, sogleich alle seine Untertanen zusammenrufen zu lassen und ihnen die große 
Gefahr, in der jetzt bei der Bauern Unruhe das liebe Vaterland schwebt, vor Augen zu legen, 
mithin sie auch nachdrücklichst zu ermahnen, daß sie sich keineswegs gelüsten lassen, zu den 
aufwieglerischen u. rebellirenden Bauern überzugehen. Er glaubt also nit, daß „ainicher" dazu 
stoßen werde. Bittet dies Ihrer Excellenz Herrn Grafen v. Löwenstein zu überbringen. 

Besiegeltes, aber nicht unterschriebenes Original. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 25. Wildenwart. 

205. Joh. Gebrach, Gerichtsverwalter der Herrschaft Wildenwart an die Administration. 

Dass die ledigen Burschen der Herrschaft, zu denen sich etliche zwanzig der Herrschaft 
Hohenaschau gesellt hatten, die elf als Rekruten Ausgehobenen gewalttätig weggenommen haben, 
ist schon vor einiger Zeit berichtet worden. Auf 22. Nov. war von Herrschafts wegen ein Tag 
zur Pacification dieser Leute angesetzt; sie drangen mit schrecklicher Furie in das herrschaft- 
liche Haus ein u. wollten die Amtleute u. Rechtsitzer totschlagen, wie sie zuvor schon öfter 
geäussert, die "Weissagung der Sibylle müsste erfüllt u. alle Herrschaft u. Obrigkeit totgeschlagen 
werden. Obwohl sich die Herrschaft aufs eifrigste bemühte, die Leute zu besänftigen, haben 
sie mich wie rasende Bestien angefallen, mir die Kleider vom Leib gerissen, mich mit Tremmeln 
über den Kopf u. in anderweg unmenschlich geschlagen, mich mit Steinen geworfen u. im Kot 
herumgezogen. Wenn jemand dagegen wehren oder bitten wollte, drohten sie ihn gleichfalls 
niederzuschlagen, wie denn die Herrschaft selbst unterschiedliche Schläge u. Steinwürfe bekommen 
hat. Sie wollten mich mit fortschleppen, indem sie sagten, sie müssten Geld haben, man müsse 
ihnen noch eine Steuer herausgeben usw. Als man ihnen die kais. Befehle u. die Quittungen 
vorzeigte, hat auch dies nichts geholfen; sie wollten sie vielmehr zerreissen. Sie forderten die 
Rückzahlung der Rekrutenanlage, der Werbegelder u. der grossen Anlage, die zur Bestreitung 
der vorigen Winterportionen gleich anfangs eingebracht u. ordentlich verrechnet worden; u. diese 
musste ihnen wirklich hinausgegeben werden. 

Wenn nun auch diese unsinnigen Leute trotz des zweimal an sie ergangenen Aufgebotes 
sich nicht zu den rebellischen Bauern aus dem Gericht Kling gesellt haben, sondern wegen der 
Niederlage der Bauern bei Wasserburg in ziemliche Furcht geraten sind u. sich nun damit 
entschuldigen wollen, dass sie gegen den Kaiser nichts unternehmen wollten, so ist doch die 



91 

Sache wegen einiger bekannter Aufwiegler nicht ohne Gefährlichkeit. Man bittet nun. die Ad- 
ministration wolle den Untertanen auftragen, das abgenommene Geld nebst Kosten u. Schaden- 
ersatz innerhalb drei Tagen zu vergüten u. Frieden u. Sicherheit zu halten, widrigenfalls sie 
für wirkliche Rebellen gehalten u. als solche behandelt werden sollen. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 26. München. 

206. Die Administration an den llofkammerrat "Wolf Heinr. Frhr. v. Gemmel. 

Zur Dämpfung des Aufstandes, den, wie wir glauben, meistenteils die abgedankten bairi- 
schen Offiziere u. Soldaten verursacht haben, sind von allen Seiten her Truppen im Anmarsch. 
Es wird aber dadurch das Land vollständig ruinirt werden. Obwohl man Anlass hätte mit 
Schärfe zu verfahren, will man die Bauern doch vorher auf die Folgen ihres üblen Unter- 
nehmens hinweisen. Gemmel, als ein in kais. Pflichten stehender Landsasse, soll sich sogleich 
nach Mühldorf zu de Wendt begeben u. Gelegenheit suchen, mit den rebellischen Burschen zu 
reden zu kommen; er soll ihnen vorstellen, dass durch ihr Unternehmen ihr Vaterland zu Grund 
gerichtet werde u. ihre Häuser u. Dörfer der völligen Verheerung anheimfallen würden; er soll 
ihnen weiter versichern, dass das bevorstehende Winterquartier u. die Winterpraestationen nicht 
so schwer sein würden als im vorigen Jahr. Gemmel hat sich diesem Geschäft unweigerlich 
zu unterziehen; im Fall er auf seiner Entschuldigung beharren würde, soll gegen ihn als einen 
Ungehorsamen mit kais. Ungnade u. wirklicher Confiscation seiner Güter verfahren werden. 

P. S. Eben kommt die Nachricht, dass die brandenburgischen Truppen in wenigen Tagen 
über Landsberg in Baiern einrücken werden; der schwäbische Kreis hat nicht nur die Kreis- 
regimenter, sondern auch den Landausschuss zur Untersützung angeboten, die neben den fränki- 
schen wohl in die 6000 Mann ausmachen werden. Das Land wird durch die Winterquartiere 
der vielen Truppen „in den nunmehr selbst verlangten elenden Stand gesetzt werden." Gemmel 
soll dies den aufgestandenen Burschen nachdrücklich vorstellen. 1 ) 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 26. Passau. 

207. Statthalter u. Räte an den Oberstwachtmeister J. A. Büttner in Schärding. 

In Abwesenheit des Commandanten hat man das Schreiben vom gestrigen erbrochen. 
Da eine ziemliche Quantität kais. Pulver u. Blei hier vorhanden ist, hat man Bedenken getragen, 
da Schärding ein bereits rasirter u. auf die Länge vor andringender Gewalt nicht haltbarer Ort 
ist, alles dem hieher geschickten kais. Commissär Job. Wendelin Plumberg zu übergeben, son- 
dern nur einen Teil, da, wenn der Platz, was man nicht hofft, sich ergeben müsste, die Munition 
nur dem Feind zuteil würde. Man bittet um zuverlässige Kundschaft über das rebellische Bauern- 
gesindel. Da der Commandant in Regensburg ist. soll Büttner an den Statthalter adressiren. 

München Reichsarchiv. 

1705. Nov. 26. Eggenfelden. 

208. Kämmerer u. Rat des Marktes Eggenfelden an die Regierung in Landshut. 

Am 24. Nov. nachts ist Georg Seb. Plinganser, der beim Gericht Pfarrkirchen Schreiber 
gewesen u. jetzt bestellter Kriegscommissär bei der vor Braunau stehenden sogenannten kur- 
bairischen Landdefensions-Mannschaft ist, mit drei bewaffneten Bauernknechten hieher gekommen, 



') Gemmel fragt vor seiner Abreise an, ob er den Untertanen den Naehlass der Rekrutenstellung 
versprechen dürfe; die Antwort lautet: absolut nicht; doch wären sie im allgemeinen aller kais. Gnade 
zu versichern. 

12* 



92 

hat das Patent des Obersten Hoffmann vom 23. Nov. vorgewiesen u. unter scharfer Bedrohung 
eine Kriegsanlage von 100 fl verlangt. Gestern Abend ist von Plinganser aus Pfarrkirchen ein 
Schreiben eingelangt, wonach von den hiesigen Brauern noch heute 16 Eimer Bier in das Bauern- 
lager bei Simbach geschickt werden sollen, weil dort an diesem Getränk ein ziemlicher Abgang 
zu besorgen sei. Da gedroht worden war, dass 2 — 300 Mann hieher commandirt u. dem Markt 
grosser Schaden zugefügt werden würde, hat man von den begehrten 100 fl 60 bezahlt; die 
übrigen 40 fl sollen in den nächsten Tagen erlegt werden. Die Brauer haben sich bereit erklärt, 
das Bier herzugeben, wollen es aber nicht in das Lager fahren, weil dies ganz unsicher sei. 
Auf das Patent der Bauern, wonach alle wehrhaften Leute mit Gewehr versehen zu ihrer Armee 
geschickt werden sollen, 1 ) hat man geantwortet, dass die jungen Burschen von hier meist weg- 
gegangen u. sich daher niemand Tauglicher hier befinde. 

Wien H.H. St. A. 

1705, Nov. 26. Kelheim. 

209. Der Pfleger Job. Georg Wolfg. Frhr. v. Leoprechting an die Administration. 

Die Administration hat den Pfleger am 23. Nov. beauftragt, die Rädelsführer des Auf- 
standes den nach Kelheim geschickten Reitern zum Transport nach München zu übergeben. Diese 
Rädelsführer, etliche liederliche Bürger u. Bürgerssöhne, gehören aber nicht zur Jurisdiction des 
Pflegers, sondern der Stadt; Kämmerer u. Rat haben zwar einige Verbürgerte in den Turm 
gelegt, jedoch nicht wegen ihrer Teilnahme an dem Aufruhr, sondern weil sie um die dem 
Hauptmann Wexner abgenommenen Sachen gewusst haben. Der Pfleger hat die Reiter unter- 
wegs anhalten u. in ihre Quartiere zurückgehen lassen. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 26. Burghausen. 

210. Protocoll einer bei der- Regierung gehaltenen Verhandlung; Commissär: Kastner 
v. Prielmayr. 

Auf das von der gesammten Gemein an die Regierung gestellte Verlangen, eine Vor- 
stellung an den Erzbischof von Salzburg zu richten, dass er keine kais. Truppen durch sein 
Land marschiren lasse, erwidert die Regierung, dass sie dagegen nichts einzuwenden habe, doch 
sei die Ausfertigung des Schreibens schwierig, da der Erzbischof nur ein mit dem kais. Signet 
versehenes Schreiben annehmen, die Gemein aber den Gebrauch dieses nicht gestatten werde. 
Auf diesen Vorhalt hat sich die gesammte Gemein entschlossen, einen Gewalthaber mit zweien 
aus ihrer Mitte mit dem Memorial nach Salzburg zu schicken. 

München Kriegsarchiv. 

1705. Nov. 26. München. 

211. Die Landschaftsverordnung an den Ilofkammerrat Frhrn. v. Gemmel. 

Durch den im Rentamt Burghausen entstandenen Aufruhr wird nicht nur das ganze Land 
ins Unglück gestürzt, sondern es werden auch die von den nach Wien geschickten Abgeordneten 
geführten Unterhandlungen wegen Nachlasses der Rekrutenstellung u. Ermässigung der Kriegs- 
anlagen über den Haufen geworfen. Da man nun vernommen, dass Gemmel nach seinen Gütern 
zu reisen gedenke, so wird er von der Landschaft, die zu ihm als einem Landstand ein beson- 
deres Vertrauen hat, ersucht, sich in das Hauptquartier der Aufständigen zu begeben, ihnen 
die Meinung der Landschaft mit allen Umständen zu eröffnen u. ihnen in Aussicht zu stellen, 
dass, wenn sie auseinander gehen u. sich unterwerfen, zu hoffen sei, es werde in der Mann- 



i) S. Nr. 185 a. 



93 

Schaftsstellung u. in den Kriegsanlagen eine Ermässigung auf das Bitten der Landschaft bei 
der Administration u. bei dem kais. Hof in Wien eintreten. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 26. München. 

212. Die Landschaftsverordnung Oberlands an die des Unterlands in Landshut. 

Der Administrator hat gestern von der Landschaft verlangt, den zur gütlichen Beilegung 
der im Rentamt Burghausen entstandenen Unruhe abgeschickten Frhrn. v. Gemmel zu instruiren, 
was er im Namen der Landschaft den zusammengerotteten Untertanen bedeuten u. auf welche 
Weise er sie zu begütigen suchen soll. Die Landschaft hat diesen nun accredirt u. instruirt, 1 ) 
will aber nicht verhalten, dass sie ihrerseits anfangs für diese Mission ihren Mitverordneten 
Frhrn. v. Notthafft ausersehen, da dieser den Untertanen des Gerichtes Mattighofen bei dem 
letzten feindlichen Einfall ratione der ihnen auferlegten Contributionen viel Gutes erwiesen hat. 
also ohne Zweifel bei ihnen noch beliebt ist. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 26. Traunstein. 

213. Der Salzmaier Joh. Zach. Mezger v. Meggenhofeti an die Administration. 

Der hiesige Pflegsverwalter Franz Ign. Loichinger hat sich angelegen sein lassen, die 
ausgeschriebenen Steuern von den Untertanen einzutreiben u. zu der befohlenen Mannschafts- 
stellung einige ledige müssige Kerle in Verhaft zu nehmen. Besonders das letztere hat fast 
die gesammte Bauernschaft so sehr alterirt, dass wenig fehlte, dass sie den Pflegverwalter tot- 
geschlagen hätten. Es ist nicht zu beschreiben, mit was für Drohungen, Schmäh- u. Schelt- 
worten sie ihn nach dem rauhen Trieb der ihnen beiwohnenden Unart in seinem Hause fast 
täglich geängstigt u. gequält haben, bis er sich endlich, da die einmal entbrannte Tollheit der 
Untertanen mehr u. mehr zuzunehmen schien, am 24. Nov. von hier wegbegeben hat. so dass 
nun, da die Gerichtschreiberstelle unbesetzt ist. kein Beamter bei dem Pfleggericht vorhanden ist. 

Am 24. haben zwei unbekannte Bauernkerle in blauer ganz neuer Livree mit roten Auf- 
schlägen u. dem kurbair. weissen Feldzeichen auf dem Hut, mit Säbel u. Pistolen bewaffnet, 
zu Pferd von Neuötting einen Zettel überbracht, der von unbekannter Hand geschrieben u. mit 
unbekanntem Petschaft gesiegelt war. 2 ) Die sämmtlichen hiesigen Beamten u. der Magistrat sind 
zusammengetreten u. haben überlegt, wie man der drohenden Gefahr entgehen möge. Endlich 
beschloss man, es sei zur Gewinnung von Zeit nichts besseres zu tun. als wenn man den Bauern 
einerseits flattire u. sie anderseits erschrecke. Man hat deshalb den Abgesandten eine solche 
Antwort 1 ) mitgegeben u. seither keine Anfechtung mehr gehabt u. zwar um so weniger, als das 
erhitzte widersinnige Bauernblut durch Obrist de Wendt um Wasserburg herum zum Teil ab- 
gezapft, zum Teil auch von ihnen. Beamten, mit Dissuasionen, Droh- u. guten Worten alles 
vorgekehrt worden, was nur immer den tollen Bauersmann zu reduciren von Nöten, so dass die 
Traunsteiner Untertanen sich eines ferneren Unfuges enthalten werden. 

Wien H. H. St. A. 

1705. Nov. 26. Vilsbiburg. 

214. Vom Pfleggericht in Vilsbiburg 4 ) an den Magistrat daselbst. 

Sie werden sich der Pflicht erinnern, welche der Rat u. die ganze Bürgerschaft Ihro Kais. 
Maj. jüngst geschworen haben, auch wissen, dass er diesem Ort von dero Oberbeamten u. 

M S. Nr. 211. 2 I S. Nr. 185. 3 ) S. Nr. 187. 

*) Wie aus der Antwort des Magistrats vom '2,1. Nov.. unten Nr. 22ü zu ersehen: Pflegscommissär 
n. Mautner Adam Joseph Kolbinger. 



94 

Gerichtsobrigkeit vorgesetzt ist, gestalten er sich zur Zeit seiner Amtirung gegen die Bürger- 
schaft dergestalten bewiesen, dass man irgend eine rechtmässige Beschwer nit haben wird. In 
Ansehung dessen hätte er auch verhofft, es würde die sämmtliche Bürgerschaft ihm in allweg 
den schuldigen Bespect erzeigen u. in allem beispringen, was I. K. M. zu Nutzen gereichen 
würde. Dem zugegen aber hat er bei jüngster Widersässigkeit der Bauernburschen im Werk 
erfahren, dass man bei Hinwegnahme der im Amtshaus zu Kriegsdiensten angesehenen Rekruten 
nit nur die geringste Hand angelegt, wohl aber alle Anwesenden hieran Gefallen gehabt u. 
darüber gespöttelt haben. Er ist sogar, nachdem er alle Vorsorg anwenden wollte, von einem 
Teil der Bürger ganz unverschuldet mit höchst strafbaren Injuriworten angefahren, mithin durch 
solche Wankelmütigkeit gezwungen worden, beim Anrücken der Bauernburschen zu Conservirung 
seines Lebens sich wegzubegeben u. dadurch nit wenig Unkosten aufzuwenden. Welches alles 
zwar dermalen ein geschehene Sach ist u. sich mitler Zeit das mehrere schon äussern, indessen 
aber der Markt bereits erfahren haben wird, was sie dadurch für Nutzen geschafft haben u. 
was derenthalben noch erfolgen möchte, worüber er seine vielgeliebten Herren noch weiters 
deliberiren lässt. Dermalen verlangt er in Antwort zu wissen, weilen er wiederum in loco u. 
der jetzige Status sehr veränderlich ist, ob er sich auf alle fernere Begebenheit auf der ganzen 
Bürgerschaft Hilf u. Beistand gemäss ihren Pflichten verlassen darf oder nit, damit er darnach 
seine erforderlichen Mesuren nehmen kann. Sollte er sich darauf eine kräftige Hoffnung machen 
dürfen, so versichert er hingegen all möglichstes zu contribuiren; wo nit, wird er gleichwohl 
tun, was seinen Pflichten obliegt u. er sich gegen seine gnädigste Herrschaft zu verantworten 
getraut. Gott ob Uns. 

Landshut Kreisarchiv. 

1705. Nov. 27. St. Marienkirchen. 

215. An das Kloster Reichersberg. 

Von einer löblichen Landesdefension wird hiemit dem löblichen Kloster Reichersberg bei 
militärischer Execution aufgetragen, dass es sich von morgen Samstag den 28. dies alltäglich 
für die ankommende Armee mit 6000 Portionen Brot, jede zu 3 % gebacken u. des Tags mit 
3 Zentner Fleisch u. zwar auf drei Tage lang versehen soll, um es sodann durch ihr eigenes 
Gefährt nach Kloster Suben Samstag Abend abführen zu lassen, wo ein hiezu gehöriger Com- 
missarius für die Uebernahme vorhanden sein wird, widrigenfalls u. auf Widersetzung dessen 
das Obangedrohte ohne Difficultät mit merklicher Mannschaft zum Effect gezogen wird. 

Actum Quartier St. Marienkirchen den 27. Nov. 1705. 

Kurbair. Landesdefension. Commandirende Offiziere allda. 
(L. S.) J. Wolf Heumann. 

P. S. Es ist mir auch ein Reitpferd, welches ich auf etliche Tage zu gebrauchen ver- 
lange, aber ein gutes, mitzuschicken, sammt Sattel u. Zeug. 



München Reichsarchiv. 



1705, Nov. 27. Linz. 



216. Die Verordneten der Landschaft des Erzherzogtums ob derEnns an den fürstl. passauischen 
Pfleger Jos. Schmidtpaur in Stahremberg. 

Auf das Gesuch des Pflegers 1 ) hat die Landschaft beschlossen: er soll in Ermanglung eines 
wirklichen Commandanten selbst alles, was ihm die natürliche Vernunft Erspriessliches an die 
Hand gibt, unerschrocken vorkehren; er soll den früheren Grenzleutnant Schickmayr unter seinem 

') S. Nr. 243. 



95 

Commando zu sich in das Schloss nehmen; er soll 20 — 30 verlässige, getreue u. taugliche 
Schützen bestellen, die täglich je 12 kr, der Leutnant aber 1 rl bekommen sollen; er soll, wenn 
der Feind wirklich anrücken würde, Sturm läuten lassen, damit das Volk, das sich nach seiner 
Art aufs beste bewaffnen soll, den Feind von einem Angriff auf das Schloss abhalte oder ihn 
wieder abtreibe u. den Ort entsetze; er soll ausser den erwähnten Schützen auch noch die 
übrigen Schützen bei Bezahlung der täglichen Löhnung an sich ziehen u. in best möglichen 
Defensionsstand setzen u. durch den Leutnant u. andere taugliche Leute die Bürgerschaft von 
Haag u. die umliegende Bauerngemeinde zur tapferen Gegenwehr u. allmöglichen Abbruch des 
feindlichen Vorhabens ermahnen lassen; er soll, wenn Mangel an Geschütz oder Munition bestehe, 
dies dem Landesanwalt melden; er soll die Defensionsveranstaltung ganz still u. behutsam vor- 
nehmen, damit der Feind keine ombrage nehme. Schliesslich wird ihm zugesichert, dass, wenn 
ihm in dieser aus patriotischem, dienstbegierigem Gemüt zu leistenden Defension etwas wider- 
fahren würde, die Stände ersucht werden, ihm den Schaden zu ersetzen u. dass er dem Kaiser 
zu einer Gnadenzuwendung empfohlen würde. 



München Reichsarchiv. 

217. Capitulation von Braunau. 
Feldzüge VII, 530. 



1705. Nov. 27. Braunau. 



1705. Nov. 27. Viechtenstein. 



218. J. Azenbcrger an den Pfleger in Obernzell. 

Berichtet in höchster Eile, dass Schärding von einer grossen Anzahl Kerle belagert sei, 
die ihre Excursionen bis nach Viechtenstein erstrecken dürften. Bittet dies dem dortigen Pfleger 
baldigst wissen zu machen. 

Der Pfleger Christian Graf in Obernzell an den Pfleger Jak. Herrnpöck in Viechtenstein. 

Teilt den obigen Zettel mit. Da die Gemusterten am 20. Nov. nach Passau müssen, wäre 
in Passau um Verstärkung zu bitten. 

Pfleger Jak. Herrnpöck in Viechtenstein an die Kriegsdeputation der fürstl. Hofkamnier 
in Passau. 

Uebersendet die beiden Schreiben, wonach die Gefahr hier anwachsen dürfte. Bittet um 
Verstärkung, da die Garnison einschliesslich des Unterleutnants Deubler nur 10 Mann stark ist. 

München Reichsarchiv. 

1705, Nov. 27. München. 

219. Die Administration an den Landrichter von Haag Grafen Franz Ferd. v. üaimhausen. 

Die zwei in Haag befindlichen ehemaligen bair. Kegimentstrompeter sollen, wie berichtet 
wird, die Untertanen auffordern, das Gewehr zu ergreifen u. zu den Aufständischen im Rentamt 
Burghausen zu halten. Sollte dies richtig sein, sind sie sogleich zu verhaften: wenn nicht, ist 
ihnen zu bedeuten, dass sie sich gleichwohl hüten sollen, solchen Verdacht auf sich zu laden. 

Wien H. H. 8t. A. 



96 



1705, Nov. 27. Linz. 



220. Die Landsanwaltschaft im Erzherzogtum Oesterreich ob der Enns an die Administration 
in München. 

Sobald man von den Unruhen in Baiern Kenntnis erhielt, hat man den Obrigkeiten befohlen, 
auf ihre Untertanen genaue Aufsicht zu halten, sie in der Treue u. im Gehorsam zu erhalten, 
allen Verkehr mit den Aufständischen abzuschneiden u. wenn sich etwas Verdächtiges zeige, es 
ungesäumt zu berichten. Alle Berichte sagen aber, dass an der ganzen Grenze nicht die 
geringste Neigung zur Unterstützung der Aufrührer vorhanden sei. Am 21. Nov. sind 319 Re- 
kruten des Regimentes Kriechbaum auf dem Marsch nach Italien hier eingetroffen; sie sind. zur 
Verstärkung der Garnison von Schärding vorgestern mit sechs Büchsenmeistern, die von der 
hiesigen Bürgerschaft aufgebracht worden sind, dort eingetroffen, so dass dieser Platz mit der 
Innbrücke gehalten werden kann. 

Mönchen Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 27. Hohenaschau. 

221. Joh. Georg Parucker, Verwalter der gräflich Preysingischen Herrschaft Hohenaschau. 
an Maximilian Joh. Franz Grafen v. Preysing in München. 

Den am 22. Nov. durch den Marquartsteiner Boten überbrachten Befehl des Grafen, das 
im Schloss vorhandene Pulver u. Gewehr nach Rosenheim zu schicken, hat er nicht vollzogen, 
weil die sichere Nachricht eingetroffen ist, dass die Innbrücke bei Rosenheim abgebrochen u. 
dass eine grosse Anzahl Bauern aus dem Klinger Gericht bei Wasserburg versammelt steht, die 
an einigen aus Italien heraus marschirenden kais. Offizieren u. Soldaten schon verschiedene 
Tätlichkeiten verübt haben. Sie haben ihr Aufgebot bis nach Wildenwart geschickt; die Wilden- 
warter sind ihm nicht gefolgt, haben aber unter sich vielfältige Zusammenkünfte gehalten u. 
gegen ihre Herrschaft nicht geringen Mutwillen verübt. Es war auch zu besorgen, dass die 
hiesigen Untertanen das Wegbringen verhindern würden. Er hat deshalb, wie es in dem Schreiben 
des Grafen angedeutet war, das Pulver, das sich in fünf Fässchen befand, unbrauchbar gemacht 
u. die 70 vorhandenen Musketen, die meist ganz verrostet sind, so gut als möglich versteckt. 
Es sind nun noch 60 vierpfündige Bomben u. gegen 1000 Handgranaten vorhanden, die mit 
Pulver gefüllt sind u. zu brauchen wären. Ihr Transport würde viele Fuhren u. einen Sach- 
verständigen erfordern, der mit dem Auf- u. Abladen umgehen könnte; es wäre das beste, einen 
Büchsenmeister hieher zu schicken, der die Bomben u. Granaten ausleeren u. das Pulver 
unbrauchbar machen würde, so dass diese so wie die vorhandenen schlechten kleinen eisernen 
Stücke u. Doppelhacken ohne Pulver nicht zu gebrauchen wären. Inzwischen sind diese Sachen 
im hintersten Gewölb, wo sie niemand suchen wird, aufbewahrt. 



Wien H. H. St. A. 



1705, Nov. 27. Hohenaschau. 



222. Joh. Georg Parucker, Verwalter der gräflich Preysingischen Herrschaft Hohenaschau, 
an Maximilian Joh. Franz Grafen v. Preysing in München. 

Infolge der ausgebrochenen Unruhen fängt man in Tirol an, feindselige Massregeln gegen 
uns zu nehmen; alle Grenzwachen sind stark besetzt u. lassen niemanden nach Tirol passiren; 
an mehreren Orten, besonders im Gericht Marquartstein, ist von den Tiroler Schützen mit Weg- 
treibung u. Niederschiessung des Viehes bereits mit den Feindseligkeiten begonnen worden. Es 
hat deshalb die hiesige Gerichtsgemein eine Abordnung nach Kufstein gesandt mit der Erklärung, 
dass man an dem Aufstand keinen Anteil habe u. die bisher gehaltene Treue nicht brechen 
wolle, sondern in guter Nachbarschaft zu leben gedenke; man möge sie also als Freunde behandeln 
u. freien Handel u. Wandel wie zuvor gestatten. Die Abordnung ist sehr wohl aufgenommen 
worden; die Tiroler Grenzwachen haben den Befehl erhalten, die hiesigen Untertanen unge- 
hindert passiren zu lassen, doch müssen sie mit einem Pass des Verwalters versehen sein. Bei 



dem heutigen Wochenmarkte haben sich auch wieder viele Tiroler eingefunden. Der Commandant 
von Kufstein hat sich der Abordnung gegenüber auch erboten, die Durchmärsche der Truppen 
so viel als möglich von hier abzulenken. 

In der Herrschaft Wildenwart geht es übel zu, da die dortigen Untertanen in ihrer mut- 
willigen Bosheit sich so weit vergessen haben, dass sie nicht nur den Verwalter recht mörderisch 
tfactirt u. halb umgebracht, sondern auch ihrem eigenen Herrn, Frhrn. v. Schurff, ein u. den 
anderen Streich versetzt u. wie die Bestien getobt haben, so dass der Frhr. v. Schurff, um ihre 
Unsinnigkeit etwas zu stillen, ihnen 1700 fl bar bezahlen musste. Er wollte mit seiner Familie 
nach München reisen; sie haben ihn aber gezwungen, bei ihnen zubleiben u. nach ihrem bösen 
Willen zu tun. Der gute Herr weiss sich nicht zu raten u. zu helfen, da er diesem Uebel 
weder mit Güte noch mit Schärfe abhelfen kann. Diese Wildenwarter sind in Wahrheit meisterlos 
u. recht böse Leute, die ihr Gift auch in die Nachbarschaft ausgestreut u. die Gerichte Traun- 
stein u. Marquartstein bereits angesteckt haben. Der Pflegsverwalter in Traunstein ist durch 
seine Untertanen verjagt worden; der von Marquartstein, der wegen Unbässlichkeit nicht reisen 
kann, muss alles nach ihren mutwilligen Köpfen tun u. hergeben, was er hat, wenn er sich 
vom Totschlagen retten will. In der hiesigen Herrschaft aber haben sie bis jetzt nichts auszu- 
richten vermocht; es ist auch nicht zu befürchten, dass sich die hiesigen Untertanen verführen 
lassen, zumal wenn sie vernehmen, dass die Rebellanten an verschiedenen Orten gezüchtigt 
worden sind, wie am 23. Nov. bei Wasserburg. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 27. Wasserburg. 

223. Der Gerichtsschreiber Joh. Veit Korntheur an die Administration. 

Der Pfleger hat von der Administration am 24. Nov. den Befehl erhalten, in Wasserburg 
ein Magazin für die Truppen anzulegen. Von dem Gerichtsschreiber in Kling hat man nun 
erfahren, dass auch die Untertanen der Gerichte Kraiburg, Mörmosen u. Trostberg so wie der 
Herrschaft Wildenwart aufgestanden sind. Man fragt desshalb an, ob auch diese zur Lieferung 
für das Magazin herangezogen werden sollen. 

Wien H. H. St. A. 

1705. Nov. 27. München. 

224. Die Administration an Prinz Eugen. 

Oberst de Wendt ist mit einiger Mannschaft zu Fuss u. zu Pferd verstärkt worden; er 
wird suchen, Braunau zu entsetzen u. Burghausen wieder zu nehmen. Man hat ein Verzeichnis 
der in Burghausen in Gefangenschaft befindlichen Offiziere erhalten; unter ihnen befinden sich 
die drei bei dem Verlust Burghausens verschwundenen Leutnante u. Oberstwachtmeister de Valair 
vom Graubündischen Bataillon, der in Kufstein während der Abwesenheit des Obersten v. Gellhorn 
das Commando geführt hatte u. auf dem Wege nach Wien war. Das Osnabrückische Regiment 
ist gestern u. vor drei Tagen hier eingetroffen, ist aber nur 815 Mann stark; man wird es so 
lang hier behalten, bis alle Rekruten aus Böhmen nach Italien gerückt sind u. der Aufruhr 
etwas gedämpft ist; dann wird man es gleichfalls nach Italien schicken. 

Wien Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 27. München. 

225. Die Administration an Bürgermeister u. Rat in Burghausen u. in Braunau. 

Nachdem berichtet worden ist, dass die rebellirenden Bauernburschen die in Braunau 
befindlichen Offiziere u. Soldaten mit den Strafen bedrohen, die man gegen sie verhängt hat 
u. auch in Zukunft verhängen wird, so werden diese dem Schutz der Stadt übergeben. Falls 
man sich im geringsten an ihnen vergreifen würde, wird man sich an Bürgermeister u. Rat 

Abh. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl. XXVI, 4. Abb. 13 



98 

so wie an die gesammte Bürgerschaft halten u. gegen sie mit Leib- u. Lebensstrafe, Confis- 
cation all ihrer Habe u. Güter so wie in Aschelegen ihrer Häuser ein Exempel statuiren. 
München Kriegsarchiv u. Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 27. Vilsbiburg. 

226. Vom Magistrat an den Pflegscommissär u. Mautner Adam Jos. Kolbinger in Vilsbiburg. 1 ) 

Sie erinnern sich der Pflichten, so sie S. K. M. abgelegt, noch gar wohl, hoffen auch nit, 
hierwider das wenigste verbrochen oder delinquirt zu haben, werden vielmehr in allerunter- 
tänigster Treu u. Devotion jeder Zeit beständigst verharren, „wie sich denn Euer Strengen gegen 
uns nit werden beklagen können, das wir selbige als einen Kaiser!. Oberbeamten u. diesorts in 
qualitate einer vorgesetzten Pfleggerichts Obrigkeit nit mit allem schuldigen Respect sollten 
angesehen haben." 

Dass sie aber bei der jüngst erzeigten Widersessigkeit der Bauernburschen u. Hinweg- 
nehmung der im Amtshaus zu Kriegsdiensten angesehenen Rekruten einige Hand nit angelegt, 
derentwegen wird wider sie nichts Ungleiches können suspicirt werden, weil dies ein solcher 
Actus war, welcher die Bürgerschaft so wenig concernirt. als wenig selbige auch befugt ist sich 
in die Gerichtshändel zu immisciren, zu geschweigens dass sie auch nit sufficient waren, der- 
gleichen unbesorgten Gewalttätigkeiten zu resistiren. Es war ihnen von der Hinwegnehmung 
der erwähnten Bauernburschen gar nichts bewusst, ausser bis diese zum Tor hinausgeführt worden. 
Es hat ihnen auch nit beifallen können, dass jemand bei der entstandenen Ungelegenheit ein 
sonderbares Gefallen erzeigt u. hierüber gespöttelt habe, es hat sich vielmehr ein jeder ver- 
nünftig einbilden können, dass dies alles keinen guten Ausgang gewinnen werde. „Wenn jedoch 
Euer Strengen vermeinen, dass ihnen von einem so andern aus der Bürgerschaft in particulari 
etwelche Injurien sollten begegnet sein, so würde man solchen gleichwohl zu gebührender Be- 
strafung durch ein unparteiisches nächst entlegenes Gericht zu ziehen wissen, indessen aber wird 
der gesammte Markt dies nit zu entgelten haben, noch viel weniger schuldig sein, wegen der 
gemachten Flucht einige Reiseunkosten abzustatten, derentwegen wir in eventum ziemlichst 
protestiren." 

Ansonsten aber hat der Markt leider zugenüge erfahren, wie selbiger so unverschuldeter 
Dingen durch dieses Factum in so grosse beschwerliche Quartiers- u. andere Unkosten einge- 
führt worden sei, welche die arme Bürgerschaft nur gar zu hart empfunden hat, doch will man 
nit zweiflen, es werde derselben eine anderwärtige Sublevation u. Ergötzlichkeit beschehen 
müssen, so man diese anders nit gar will ruiniren u. verderben lassen. 

Datum Biburg den 27. Nov. 1705. 

Landshut Kreisarchiv. 

1705, Nov. 27. Landshut. 

227. Kriegscommissär Philippi an die Landschaftsverordnung Unterlands. 

Die Administration hat angeordnet, dass die hiesige Garnison so bezahlt werde, dass sie 
sich selbst verpflegen könne, wodurch der Bürgerschaft eine Erleichterung verschafft werde. Es 
ist ferner der Arbeitslohn für die Instandsetzungsarbeiten an den Befestigungswerken sowie das 
Material für diese zu bezahlen. Er fragt an, welche Mittel hiezu in der Landschaftskasse vor- 
handen sind u. wenn nichts vorhanden, wo ein Credit aufzutreiben wäre. 

München Kriegsarchiv. 



') Antwort auf Nr. 214. 



99 

1705, Nov. 27. Mühldorf. 

228. Das fürstl. Salzburgische Stadtgericht Mühldorf (unterzeichnet: Gottfr. Griennagl, Pflegs- 
commissär) berechnet seine Leistungen für die Verpflegung des Corps des Obersten de Wendt 
am 21., 26. u. 27. Nov. auf die Summe von 1894 fl 20 kr. In dem Bericht wird geklagt, 
dass die Salzburg. Untertanen durch die grossen Plünderungen besonders der Reiter u. Husaren 
grossen Schaden erlitten hätten. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 28. Neuötting. 

229. Hofkammerrat Frhr. v. Gemmel an die Administration. 

Er ist am 26. Nov. von München abgereist u. am 28. früh vor 8 Uhr in Mühldorf ein- 
getroffen. Da Oberst de Wendt bereits aus dem Lager abmarschirt war, folgte er ihm, holte 
die Infanterie auf dem Marsch ein u. traf de Wendt mit der Cavallerie vor Neuötting stehend. 
Er teilte diesem den Zweck seiner Sendung u. den Befehl der Administration mit; de Wendt 
erwiderte, dass er die Bauern, die jetzt Neuötting besetzt hätten, schon mehrmals zur Unter- 
werfung u. Niederlegung der Waffen aufgefordert u. ihnen die kais. Gnade versprochen habe, 
aber nichts habe ausrichten können. Unterdessen liefen einige Bürger aus der Stadt heraus 
u. baten, es ihnen nicht entgelten zu lassen, wenn sie die zusammengerotteten Bauernburschen 
herrschen lassen müssten; es kamen weiter zwei Franziskaner von Altötting, die von de Wendt 
u. Gemmel mit Ermahnungen in die Stadt geschickt wurden. Als sich de Wendt mit seinem 
Corps u. den Geschützen gegen das Burghauser Tor wandte, ergab sich die Besatzung der Stadt. 
die aus 570 meist nur mit Spiessen u. Stangen bewaffneten Bauern u. 20 bis 30 abgedankten 
Soldaten bestand; die übrigen u. besonders die Schützen hatten sich schon tags vorher oder 
während der Nacht wegbegeben; 40 Bauern waren während des Anmarsches de Wendts ange- 
troffen u. nach kurzem Widerstand sämmtlich niedergemacht worden. Auch von denen, die aus 
der Stadt geflohen waren, wurden noch gegen 100 getötet. Nun will de Wendt heute seine 
Leute etwas im Quartier ausruhen lassen, dann ein Lager beziehen u. weiteren Entschluss fassen. 
Inzwischen hat er zwei Franziskaner Patres nach Burghausen u. an die bei Braunau stehenden 
Bauern mit offenen Patenten abgeschickt, worin er sie noch einmal zur gütlichen Unterwerfung 
ermahnt; sollten sie dies zurückweisen, so soll Gemmel sich zu ihnen begeben. Heute abends 
hat der Iiofwirt in Altötting einen Zettel von Bürgermeister Harter in Burghausen erhalten, 
worin die Uebergabe von Braunau berichtet wird. Viele glauben, dass dies nicht wahr sei, da 
Harter in üblem Verdacht steht. 

München Kriegsarchiv. 

1705. Nov. 28. Viechtenstein. 

230. Der Verwalter Jak. Herrnpöck an die Kriegsdeputation der fürstl. llofkammer in Passau. 

Der Pfarrer von Esternberg teilte mündlich mit. dass die Bauern sogar die Amtleute 
adstringirt hätten, die heute Nacht von Haus zu Haus ansagen u. von jedem Haus einen Sohn 
oder Knecht unter Bedrohung mit Feuer aufbieten mussten; diese Leute mussten schon heute 
früh alle in Münzkirchen 1 ) stehen, von wo sie nach Schärding abmarschirt sind. Bei dem Pfarrer 
hat sich niemand angemeldet u. ist auch kein Mann verlangt worden, sondern sie sind vorbei- 
gegangen. Jeder Bub hat auf drei Tage den Proviant selbst mitnehmen müssen. 

München Keichsarchiv. 



') 11 km nordöstlich von Seluirdim 



l:s< 



100 

1705, Nov. 28. Obernzell. 

231. Der Pfleger von Obernzeil an die Kriegsdeputation in Passau. 

Der Amtmann von Krämpelstein 1 ) meldet soeben, dass ihm heute Nacht um 2 Uhr von 
dem Schärdinger Obmann bedeutet worden sei, von jedem Haus der beiden Hofmarken (Krämpel- 
stein u. Pyrawang) bis 7 Uhr früh einen Mann nach Münzkirchen zu verschaffen, im Gegenfall 
würden sie selbst kommen u. die Leute abholen. Der Amtmann hat nun angefragt, was er tun 
solle; der Pfleger hat ihm ad interim befohlen, die Ansage zu dissimuliren, weil er die Nach- 
richt zu spät erhalten habe. Der Pfleger bittet um eine Resolution. 

Die Kriegsdeputation (Hofkammerdirektor R. Khräuvogl u. Oberstleutnant, Commandant 
von Passau u. Landrichter Wolf Heinr. Morawitzki von Raudnitz) billigt das Verhalten des 
Pflegers; der Amtmann soll sich bei weiterem Ansagen damit entschuldigen, er dürfe solches 
ohne Vorwissen seines Pflegers nicht tun. Damit aber die Untertanen durch die angedrohte 
Gefahr keinen Nachteil erleiden, soll er ihnen das gestellte Anbegehren mitteilen u. es auf ihr 
Belieben ankommen lassen, ob sie gehen wollen; mit Gewalt dürfen sie nicht verschafft werden. 

München Reichsarchiv. 

1705, Nov. 28. Landshut. 

232. Die Landschaftsverordnung Unterlands an den Kriegscommissär Philippi in Landshut. 2 ) 

Die Administration hat ausdrücklich befohlen, hier nichts zu bezahlen, sondern alle ein- 
gehenden Gelder nach München zu schicken, wie denn auch die meist durch Execution einge- 
triebene Pfingststeuer des Rentamtes Landshut im Betrag von 80 000 fl dorthin Übermacht worden 
ist, so dass die Kasse völlig erschöpft ist. Das Landsteueramt hat vor drei Tagen berichtet, 
dass von den Ausständen der Pfingststeuer nur 17 fl u. von der jüngst ausgeschriebenen Michaeli- 
stener in Folge der Unruhen überhaupt nichts eingegangen ist. Einen Vorschlag, Geld auf Credit 
aufzubringen, kann die Landschaft nicht machen, da ihre Versuche erfolglos waren, indem die 
Klöster zur Bezahlung der schwierig werdenden kais. Soldatesca schon einige tausend Gulden 
vorgeschossen haben. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 28. Burghausen. 

233. Die gefangenen kais. Offiziere. Leutnant Joh. Franz Theumer. Leutnant Clemens Casalis. 
Leutnant Friedr. Eichholtz. Cornet Gotthart v. Almstein u. Fourier Joh. Friedr. Sartori an die 
Regierung in Burghausen. 

Von den aus Burghausen nach Laufen abgezogenen kais. Offizieren wurde mitgeteilt, dass 
in den zu Burghausen festgestellten Accordspunkten der freie Abzug mit sicherem Geleit ein- 
geschlossen gewesen sei. Die Gefangenen bitten deshalb gleichfalls um freien Abzug u. Geleit. 

Auf dieses Schreiben erklärte die Gemein, sie wolle sich selbst zu den Gefangenen begeben 
u. diese Sache ausmachen. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 28. München. 

234. Die Administration an das Pfleggericht Wasserburg. 3 ) 

Zu den Lieferungen für das Magazin in Wasserburg sind die rebellischen Gerichte Kraiburg. 
Mörmosen, Trostberg u. Kling heranzuziehen; von dem letzten ist jedoch nur die Hälfte des 
auf es treffenden Teiles zu fordern, da sich dessen Untertanen nur zum Teil aufgelehnt haben. 

Wien H. H. St. A. 



') An der Donau 4 km oberhalb Obernzell. 2 ) S. Nr. 227. 3 ) S. Nr. 224. 



101 

1705. Nov. 28. München. 

235. Die Administration an die Regierung in Landshut. 

Dem Beamten in Griesbach ist zu bedeuten, dass er die von den rebellischen Bauern 
geforderten 16000 Pfund Brot nicht abgeben, sondern es auf das äusserste ankommen lassen 
soll. Es ist auch anderweitig kund zu tun, dass diesen bei Leib- u. Lebensstrafe nichts an 
Lebensmitteln zugeführt werden darf. 

München Kriegsarchiv. 

1705. Nov. 28. Nenötting. 

236. Oberst de Wendt an die Administration. 

Heute früh wurde der Marsch von Mühldorf angetreten u. bis Altötting fortgesetzt, wo 
man auf eine feindliche Wache von 40 wohlbewaffneten Leuten stiess; da sie auf uns Feuer 
gaben, wurden sie von den Husaren sämmtlich niedergehaut. Altötting war vom Feind verlassen. 
die Einwohner sagten aus, daß sich gegen 2000 Rebellen in Neuötting befänden. Es wurde 
nun gegen dieses Städtlein marschirt, die Vorwachen über den Haufen geworfen u. in die Stadt 
gejagt, wobei einige dreissig Mann von ihnen tot blieben, u. die Stadt mit der Cavallerie um- 
ringt. Die Grenadiere u. das Bataillon vom Regiment de Wendt nahmen am Tor Stellung. 
Der Feind wurde zur Uebergabe aufgefordert, widrigenfalls Stücke bei dem Tor aufgestellt u. 
mit dem Degen in der Faust alles massacrirt werden sollte. Darauf ergaben sie sich auf Gnade 
und Ungnade; 570 Bauern u. 30 abgedankte Soldaten legten das Gewehr nieder, worauf die 
Stadt besetzt wurde. Die Gefangenen wurden weitläufig examinirt. ob nicht der eine oder 
andere Grosse im Land an dem Aufstand interessirt sei; sie konnten aber niemand Recht- 
schaffenen als Aufwiegler angeben, sondern nur abgedankte Soldaten u. geringe Leute, wie 
Schlächter, Bader, Kürschner u. dgl. 

De Wendt ist durch die hier bestimmt auftretende Nachricht, dass Braunau sieh ergeben 
habe, sehr besorgt. Er u. der heute angekommene Frhr. v. Gemmel senden desshalb zwei 
Franziskaner mit einem offenen Patent nach Burghausen, in dem die Rebellen zur Unterwerfung 
aufgefordert werden. Morgen wird in Neuötting Rasttag gehalten, um für die Verpflegung zu 
sorgen u. die Ankunft der 300 Mann Verstärkung zu erwarten. Sollte aber das Unglück 
geschehen sein, so müssten ein-, zwei-, dreitausend Reiter von den fremden Truppen in Baiern 
einrücken u. man de Wendt so viel Truppen als möglich zuschicken, ferner einige Mörser u. 
sechs bis sieben schwere Geschütze von Ingolstadt mit Bomben u. Feuerballen; er würde dann 
die Plätze in kurzer Zeit wieder erobern. Diesen Succurs würde er am besten in einem Lager 
bei Mühldorf erwarten. Bei der heutigen Action sind zwei Pferde erschossen u. zwei verwunde! 
worden; eines davon gehörte dem Pflegscommissär v. Hofmihlen in Kling; die Grenadiere haben 
eine Fahne n. zwei Trommeln erbeutet. 

De Wendt bittet um Uebersendung von Raketen u. um Zusendung der Gewehre für die 
Rekruten mit der Post. 

München Kriegsarchiv. 

1705. Nov. 28. 

237. Von der bair. Landesdefension an das Kloster Reichersberg. 

Dem Ifochlöbl. Stift u. Kloster Reichersbert; wird hiemit aus ankommender Anbefehlunjr 
einer Löbl. Lands Defension aufgetragen, daß selbes sogleich ohne Zeitverlierung (indem man 
diesseits guet kaiserl. Mägen .spürt u. dessentwegen nebst der Fahrlässigkeit die allemal ange- 
drohte militärische Execution vorzukehren beursacht) die alltäglich abgeforderten 6000 Portiones 
heut um 8 Uhr unfehlbar u. unausbleiblich einliefern soll, sintemalen «1er Augenschein vorhanden, 
daß man an begehrtem Proviant wenig zu reichen gedenkt. 

Actum Hauptquartier St. Florian bei der Pfarr. den 18. Nov. 1705. 

Commaudircu.de Herrn Oberofficier. 



102 

P. S. 2 Emmer Wein, 4 Emmer Bier u. 2 Emmer Brantwein zum Sturmlaufen sammt 
4 Sack Haber soll in aller Eil u. Richtigkeit eingeliefert werden. 1 ) 

München Reichsai-chiv. 

1705, Nov. 28. Passau. 

238. Der Stadtrat an die fürstl. Kriegsdeputation in Passau. 

Jos. Pleyl, des Eats Bürger u. Stadthauptmann, hat referirt, dass der Bischof es gerne 
sähe, wenn bei dem dermaligen Bauernaufstand in Baiern alle Türl wohl versichert u. zugehalten 
würden. Dies ist bisher auch geschehen u. bei der sich immer mehr nähernden Gefahr ist man 
im Begriff, die gefährlichsten vermauern zu lassen. Es müssten aber auch die Tore mit Pali- 
saden besetzt werden. Die Stadt besitzt jedoch das hiezu nötige Holz nicht, ebenso wenig dem 
Vernehmen nach die Hofkammer. Dagegen ist solches bei dem Kloster Niedernburg u. beim 
Domcapitel vorhanden; man bittet desshalb, dass diese zur Abgabe angehalten werden, da sie 
ebenso gut wie die Bürgerschaft den allgemeinen Schutz gemessen; das Kloster Niedernburg 
soll als Grundobrigkeit auch die Beckenzeller Brandstätte, wo man nach Gefallen aus- u. ein- 
gehen kann, schliessen, damit der Stadt kein Nachteil erwachse. 

München Reichsarchiv. 

1705, Nov. 28. Traunstein. 

239. (Pflegverwalter) Franz Ign. Loichinger von Traunstein an die Administration. 

Nachdem den Untertanen bekannt gemacht worden war, dass sie die Herbststeuer auf den 
bestimmten Termin zahlen sollten, hat sich am 21. Nov. eine ziemliche Menge der Untertanen 
aus dem Amt Oberthingau zusammengerottet, ist in das Amtszimmer eingedrungen u. hat erklärt, 
dass sie nicht nur keine Steuer erlegen, sondern dass sie auch wissen wollten, wo die Gelder, 
die sie für Steuern u. Anlagen bezahlt hätten, hingekommen seien. Er zeigte ihnen die Quit- 
tungen vor; sie waren aber damit nicht zufrieden, sondern forderten sämmtliches Geld zurück. 
Ihre Furie u. Unsinnigkeit ging so weit, dass sie ihn, „sich der in seeunda persona immer stets 
gebrauchend", mit vielfältigen „reverendo Schelmen- u. Diebs-, auch andern unleidentlichen, 
schmerzlichen Schmachworten injurirten". u. ihn wohl auch gar hin- u. herstiessen. Dann 
nahmen sie Karten her, spielten damit öffentlich in der Amtstube, Hessen sich „zu mehrerer 
Erzeigung ihres Mutwillens" Bier zutragen u. tranken ihren Gefährten, die auf dem Platz vor 
dem Haus standen, vom Fenster aus „zu seinem nit geringen Amts Despect" zu. Obwohl er 
ihnen versprach, dass sie alles nach Billigkeit bekommen würden, verlangten sie das Geld augen- 
blicklich u. drohten unter grossem Geschrei ihn tot zu schlagen. Erst als einige Capuziner 
herzukamen u. ihnen abmahnten, Hessen sie ab. Da er fürchtete, sie möchten am anderen 
Tag wieder kommen, hat er sich mit der Flucht salviren müssen. 

Wien H. H. St. Ä. 



J ) In einem Schreiben der eommandirenden Oberoffiziere, actum Feldlager 4. Dez. 1705, wird das 
Kloster Reichersberg „mehrmalen höflichst" ersucht, wiederum 2 Emmer Brantwein u. 4 Emmer Bier 
anhero in das Lager Schärding heut noch zu liefern, indem das bereits gelieferte sein Endschaft genommen. 
— Am 22. Dez. 1705 attestirt in Braunau das kurbair. Landesdefensions-Oberkriegscommissariat, daß das 
Kloster Reichersberg zur Bestreitung der unumgänglichen Landesdefensions-Kriegsausgaben ab dem ange- 
legten Quanto 1600 fl baar erlegt hat u. künftig diese Summe „an den ausschreibenden Anlagen u. Kriegs- 
steuern wiederum zu defalciren befugt sein soll." — Eine vom Probst Herculanus des Klosters Reichers- 
berg ausgestellte, undatirte Specification dessen, was dieses Kloster „bei dem vorgewesenen Bauernauf- 
stand (als die Rebellanten die Stadt Schärding oecupirt) durch wirklich angedrungene militärische Exe- 
cution u. andern gebrauchten Zwang an baarem Geld, Wein, Branntwein, Fleisch, Bier u. Brotportionen, 
auch in anderweg prästiren müssen anno 1705", nennt als Summe der erzwungenen Prästation: 2S77 fl. 

München Reichsarchiv. 



103 

1705, Nov. 28. Amberg. 

240. Der Vicestatthalter Joh. Konr. Phil. Frhr. v. Tastuiigen an die Administration. 

Die Ruhe in der oberen Pfalz ist seit Stillung des Aufruhrs erhalten geblieben. Aus 
Wien ist die Nachricht gekommen, dass die obere Pfalz für die heurigen Winterpraestationen 
10000 Portionen zu fünf Reichstaler, d. i. für sechs Monate 300 000 Taler bezahlen soll. Wenn 
nun auch diese Anlage nicht so hoch ist wie im vergangenen Jahre, ist doch zu bedenken, 
dass die acht Monate dauernden Winterquartiere das Land völlig erschöpft haben u. dass eine 
Execution auf die andere erfolgen musste, um die Rückstände einzutreiben. Bei den fortwäh- 
renden Durchmärschen haben die Untertanen kaum acht Tage Ruhe gehabt. Es wird für die 
obere Pfalz ganz unmöglich sein, die Winterportionen zu bezahlen, auch wenn sie vom Natural- 
quartier befreit bleiben sollte. Die Armut ist so gross, dass die bei der Stillung des Aufruhrs 
hier gewesenen Offiziere u. der Kriegscommissär v. Guttenberg erklärt haben, eine solche Armut 
auf dem Land gefunden zu haben, wie sie sich niemals hätten einbilden können. 

Wien H.H. StA. 

1705, Nov. 28. München. 

241. Die Landschaftsverordnung an Frhrn. v. Gemmel. 

Die Landschaft hat heute nochmals bei der Administration inständig um Milderung der 
Winterpraestationen u. Nachlassung der Mannschaftsstellung gebeten. Man hat endlich die Zusage 
erhalten, dass, wenn das zusammengelaufene Bauernvolk unverzüglich auseinander u. nach Hause 
gehen, das Gewehr niederlegen, Burghausen verlassen u. die Rädelsführer ausliefern würde, 
die gewalttätige Hinwegnehmung der jungen Mannschaft unterbleiben u. dafür ein leidentliches 
Werbegeld oder eine andere erträgliche freiwillige Werbungsart verordnet werden sollte. Gemmel 
soll dies den Bauern mitteilen u. ihnen vorstellen, dass dies der einzige Weg aus der Verwir- 
rung sei, in die sie das ganze Land unbesonnener Weise gesetzt haben u. die unfehlbar den 
Ruin der ganzen Provinz nach sich ziehen werde, da aus Schwaben. Franken u. Tirol Truppen 
im Anmarsch seien. Die Bauernburschen haben die Sache nicht so tief erwogen wie die Land- 
schaft u. haben auch nicht die Capazität, so weit hineinzusehen. 

München Kriegsarcliiv. 

1705, Nov. 29. Regensburg. 

242. Beschluss des Reichsconventes. 

An verschiedenen Orten in Baiern haben sich die Bauern in ziemlicher Zahl zusammen- 
gerottet, sich gegen ihre Obrigkeit u. Beamte empört, das Land durchstreift, die adeligen u. 
andere Häuser geplündert, sich mit allerhand Gewehr bewaffnet, als ein Kriegsheer zusammen- 
gestellt, das sich von aufrührerischen unbekannten Offizieren commandiren lässt, verräterische u. 
rebellische Patente an die Gerichte unter Bedrohung mit Feuer u. Schwert geschickt, ganze 
Dorfschaften mit Gewalt zu sich gezogen, geraubt, geplündert, gemordet u. alles in Baiern derart 
in Unruhe gesetzt, dass viel herrenloses Zigeuner- u. Gaunergesindel, so wie abgedankte bairische 
Soldaten zu ihnen gestossen u. ihre Zahl auf etliche tausend Mann gebracht haben. Das rebel- 
lische Volk hat sich nicht gescheut, die zur Schonung des Landes nur schwach besetzten Städte 
Burghausen, Braunau u. Vilshofen mit Gewalt zu überwältigen, sondern auch mit dem einen 
Teil Schärding anzugreifen, mit dem anderen auf die kais. Mannschaft loszugehen. All dieses 
wurde bei dem Reichsconvent zur Beratung vorgestellt u. überlegt, was gegen diese höchst ver- 
pönte Rebellion u. Landfriedensbruch zu des gemeinen Wesens Besten für Mittel zu ergreifen 
wären. Man hat nun dafür gehalten, dass diese friedbrüchige Frechheit keineswegs nachzusehen 
wäre, sondern dass man sich der Sache mit allem Ernst annehmen müsse, damit nicht die bisher 
glücklichen Operationen am Oberrhein u. in Italien gehemmt, ein Bündnis mit den ungarischen 
Rebellen gemacht u. die benachbarten Fürsten u. Stände überfallen u. gezwungen würden, ihre 
Truppen vom Rhein abzurufen, wodurch dem Feind Tür u. Tor in das Innere des Reiches geöffnet 



104 

wäre. Da nun die Reichssatzungen u. besonders die Constitutionen über den Landfrieden nebst 
der Executionsordnung bestimmen, dass die Reichskieise ohne Verzug einander bei solchen rebel- 
lischen Rottirungen zu Hilfe kommen sollen, u. da einige der oberen Kreise gegenwärtig ver- 
sammelt sind, so ist einmütig in allen drei Reichscollegien dafür gehalten worden, den Kaiser 
zu ersuchen, er möge die oberen Kreise, Oesterreich. Obersachsen, Franken u. Schwaben auf- 
mahnen, damit sie zur Unterdrückung des ziemlich hochgestiegenen Feuers der bairischen Re- 
bellion mit gedoppelter oder getrippelter Hilfe unverzüglich ihre regulirte Miliz u. den Ausschuss 
aufbieten u. in Baiern auf Kosten der bairischen Rebellen einmarschiren lassen, ferner die Stadt 
Rogensburg mit der steinernen Brücke u. Stadtamhof mit wenigstens 1000 Mann besetzen, 
alle Brücken über die Donau abwerfen u. die Schiffe an sichere Orte bringen lassen, Kelheim 
mit genügender Mannschaft besetzen, so dass den Rebellen aller Verkehr abgeschnitten werde 
u. bei Beginn des nächsten Feldzuges nicht zu viel auf einen Bauernkrieg verwendet u. dadurch 
die Operationen gehindert werden. Damit jedoch alles dies erfolge, wäre dem Commissariat zu 
befehlen, die Veranstaltung zu machen, dass die einrückende Mannschaft mit Lebensmitteln u. 
einem Douceur zu ihrer besseren Verpflegung aus der bairischen Kasse versehen werde; die 
Kosten sollten aber dem Land bei seinen Praestationen angerechnet werden. Da die grösste 
Gefahr besteht, so sind der österreichische, obersächsische, fränkische u. schwäbische Kreis, so 
wie Würzburg, Weimar, Eisenach. Gotha, Württemberg, Nürnberg u. Ulm von reichswegen um 
Hilfe ersucht worden. Nachdem der Reichsconvent erfahren, dass die bairischen Reichsuntertanen 
gegen die kais. Absicht durch allerhand Eintreibungen u. Steuern, durch die Erzwingung der 
jungen Mannsehaft zum Ausschuss, Versteigerung des Salzes u. anderes gar zu hart mitgenommen 
worden sind u. dieses neben ihrer bösen Intention für eine der grössten Ursachen des Aufstandes 
erachtet wird, sich auch Benachbarte darüber beschweren, so bittet man den Kaiser an seine 
Behörden scharfe Verordnungen ergehen zu lassen, damit die bairischen u. andere Reichsunter- 
tanen nach abgelegter Pflicht den kais. Schutz geniessen, die Rebellen aber durch Anerbietung 
der kais. Gnade auf bessere, friedlichere Gedanken u. zur Unterwerfung gebracht werden, so 
dass hiernach gegen die "Widerspänstigen um so schärfer nach den Reichsgesetzen verfahren 
werden könne. 1 ) 

München Reichsarchiv. 

1705. Nov. 29. Stahremberg. 2 ) 

243. Der Pfleger Jos. Schmidtpaur an die Hofkammer in Passau. 

Die hiesigen Landesinsassen haben einigen Widerwillen bezeigt, weil zum Schutz gegen 
einen Einfall von Seite der bair. Rebellen keine Vorsehung getroffen worden. Obwohl der 
Pfleger den Malcontenten mündlich vorgestellt hat, warum nichts geschehen, hat dies bei ihnen 
nicht verfangen, sondern es hat sich ein mehrerer Unwille hervortun wollen. Dazu kam noch. 
dass zwei Reiter vom Martinischen Kürassier-Regiment vermessentlich nächtlicher Weile nach 
Ried zu gehen sich unterstanden, wodurch ein solcher Tumult entstand, dass man in Sorge wegen 
eines feindlichen Anfalles gestanden ist. Der Pfleger ist desshalb am 25. Nov. mit der Post 
nach Linz gereist u. hat gebeten, dass einige Veranstaltung unverzüglich vorgekehrt werde, wobei 
er den Brief aus dem rebellischen Lager vom 22. Nov. an den Marktrichter von Haag 3 ) vor- 
legte. Hierauf hat er gestern den endlichen Schluss der Landschaft 4 ) erhalten. Er hat nun 
alles solchergestalten vorgesehen, dass man hiesigen Ort jetzt nicht so leicht, wie dies früher 
möglich gewesen, übersteigen wird; er wird neben dem Leutnant Schickmayr einen solchen 
unermüdeten Eifer zeigen, dass dies dem Bischof zum Wohlgefallen u. dem lieben Vaterland 

M Der Bamberg. Gesandte in Regensburg Phil. Wilh. v. Hornigk schreibt am 11. Dez. an den Bischof 
von Bamberg: der Beschluss ist durch einen Expressen nach Wien geschickt worden; es ist aber nichts 
zurückgelangt als schöne Danksagungen an das Reich u. gute Vertröstungen über einige an die Admini- 
stration in München ergangene Verordnungen zur Dämpfung der Unruhen. 

2 ) Schloss Stahremberg im Land ob der Enns war eine füratl. passauisehe Herrschaft. 

3 ) S. Nr. 162. *) S. Nr. 216. 



105 

zum Schutz gereichen soll. Nachdem Braunau von diesen Canaillen gestern um 9 Uhr Vor- 
mittag wirklich bezogen worden ist, ist sowohl den verheirateten u. behausten Untertanen u. 
Inwohnern als auch den ledigen Burschen bei Mord u. Brand aufgetragen worden, morgen nach 
Schärding anzurücken. 

München Reichsarchiv. 

1705, Nov. 29. Landshut. 

244. Die Regierung in Landshut an die Administration. 

Der hier befindliche Kriegscommissär Philippi hat den Befehl der Administration mitgeteilt, 
dass die aus Böhmen kommenden 643 Rekruten für das Herbersteinische Regiment zehn Tage 
in Moosburg bleiben sollen. Es sind nun etliche Bürger dieser Stadt hieher gekommen u. haben 
mit unbeschreiblichen Klagen die Unmöglichkeit davon vorgestellt. Der Regierung ist aber auch 
bekannt, dass diese Stadt grossen Brandschaden erlitten hat, die zwei undisciplinirten Dalboni- 
schen Bataillone dort gestanden u. auch das Lager dort gewesen ist; ferner war die Stadt viel 
von Durchmärschen betroffen, so dass die Bürgerschaft sich in elendem Stand befindet. Der 
Kriegscommissär hat nun auf eigene Verantwortung zugegeben, dass die Mannschaft auseinander 
gelegt werde, so dass auf Erding 300, Wartenberg 69, Dorfen 80 u. Moosburg 220 Portionen 
treffen. Diese Einquartierung u. etappentnässige Verpflegung ist aber für alle diese Orte zu viel, 
so dass zu besorgen ist, diese Mannschaft, die zur Landesdefension dienen soll, werde mehr zur 
Aufwiegelung u. zum Aufstand beitragen, zumal es lauter undisciplinirte Leute sind, die aber 
zumeist bewaffnet sind. Es wäre daher besser, wenn man sie dem Corps des Obersten de Wendt 
überweisen würde. Es soll ein Bürger fünf bis acht Soldaten im Quartier haben u. ihnen die 
Verpflegung geben, wo ein grosser Teil selbst nichts zu nagen u. zu beissen hat. Es könnte 
leicht sein, dass die Bürgerschaft dieser Orte in Verzweiflung gerate. Dieselbe Beschaffenheit 
hat es hier in Landshut, wo mancher Bürger, wiewohl auch die Klöster u. die Geistlichkeit 
stark belegt sind, zehn bis vierzehn Personen im Quartier hat, da viele Soldaten verheiratet sind 
u. teilweise viele Kinder haben u. da die Offiziere sich viele Knechte halten. Man bittet desshalb 
wenigstens die Leute von den Kürassierregimentern Lothringen u. Baireuth aus Landshut zu 
verlegen u. Oberst v. Bartels mit den sechs Kürassiercompagnien wieder in die früheren Quartiere 
auf dem Land rücken zu lassen. Mit dem Futter ist hier auch nicht mehr fortzukommen, da 
nichts mehr hereingeliefert wird. 

Wien H. H. St. A. 

1705. Nov. 29. Braunau. 

245. Generalwachtmeister Georg Ign. Graf v. Tattenbach an Oberst de Wendt. 

Vernachrichte, dass Braunau über, ich als Gefangener verbleiben muss; also ist mir von 
dem Commandanten aufgetragen zu bedeuten, dass man nicht sollte so barbarisch mit dem Land 
umgehen; dieses habe wollen vernachrichten. Im übrigen bin ich ein armer Mann worden. 
Die Brunst ist Ursach der Uebergab, auch andere Sachen: versichere, dass mir nichts übles 
nachzusagen. 1 ) 

München hriegsarchiv. 

') Nach einer Meldung des kais. Zeugwärtera Jak. Werner, Wels. 16. Dez. 170"), fielen den Auf 
ständischen in Braunau in die Hände: metallene Geschütze: 11 Schlangen zu 10 u. 12 ü. 4 Falkaunen 
zu 6 8, 26 Regimentsstücke u. dgl.j eiserne Geschütze: 1 Mörser zu 60 Ü. 12 Falkaunen zu 6 fl . 5 Hau- 
bitzen zu 6 u. 8 fl , 6 Regimentsstücke, 130 Doppelhacken; Munition: 125 Zentner Pulver, 214 Zentner 
Blei, 509 Zentner Lunten, 581 6pfünd. Bomben. 7316 Haubitzgranaten, 20462 Handgranaten. 30000 Stück- 
kugeln aller Caliber; Handfeuerwaffen: 205 Carabiner, 120 neu geschattete u. 61 unbrauchbare Flinten. 
3948 Musketen. Wien H. H. St. A. 

Abh. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl. XXVI. 4. Abb. 11 



106 



1705, Nov. 29. Neuötting. 



246. Patent des von der kais. hochansehnlichen Administration u. einer gesaramten löblichen 
Landschaft in Baiein zur Dehortirung der revoltirenden Untertanen eigens abgeschickten Com- 
missarius, Hofkammerrates Wolf Heinr. Frhrn. v. Gemmel. 

Die Administration u. die Landschaft in Ober- u. Niederbaiern hat ihn zu den unter Oberst 
de Wendt stehenden Truppen gesandt, um den Revoltanten das auf ihren Untergang zielende 
äusserste Unheil vorzustellen. Obwohl Strenge am Platz wäre, wird man doch, wenn sie das 
Gewehr niederlegen, mit Milde gegen sie verfahren; das bevorstehende Winterquartier u. die 
Winterpraestationen werden nicht so schwer wie im letzten Jahre sein u. die Mannsstellung 
wird, wenn sie nicht ganz aufgehoben wird, doch sehr gemildert werden. Sollten sie jedoch 
in ihrem Unternehmen verharren, so wird man noch mehr kais. Truppen anmarschiren lassen, 
wie denn jetzt schon zwei fränkische Regimenter zu Fuss u. zwei zu Pferd im Anrücken sind. 
Es wird alsdann auf den gänzlichen Ruin des Landes ankommen; sie werden dann allzu spät 
Reue wegen des unausbleiblichen Blutvergiessens, von dem sie zu Wasserburg u. hier ein Bei- 
spiel gehabt, u. des Weheklagens. Trauerns u. Seufzens von Weib u. Kindern verspüren. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 29. Passau. 

247. Protocoll, aufgenommen bei der fürstl. Kriegsdeputation. 

Wolf Niederhauser, Inmann bei Paul Ilinterholzer des Waldgütler-Amtes sagt aus, dass. 
als er am 26. Nov. auf Kundschaft von hier abgefertigt wurde, er auf Schärding u. von da auf 
Gstötten 1 ) zugegangen sei; es seien ihm bei 150 Bauern u. Buben mit drei Offizieren, die 
geritten u. Monturen wie die Schlickischen Dragoner getragen, begegnet, die auf St. Maria- 
kirchen marschirten. Auf dem Weg nach Antiesenhofen wurde er von zehn Schützen u. zwei 
auf Bauernrossen Reitenden aufgefangen u. gegen Obernberg mitgeschleppt, bis er endlich gegen 
Spendirung eines Zwölfers wieder 'entlassen worden sei. Er sei noch selbige Nacht bei seinem 
Sohn, dem Hofmüller, in Ried eingetroffen. Am andern Tag, 27., um Mittag habe er Kleider 
seines Sohnes angezogen u. sei sodann mit zehn anderen Wagen, auf denen sich allerlei Brot 
befunden, in das Lager vor Braunau gefahren, wo sie das Brot gleich bei der Feldwache auf 
dem Feld auf vorhandene Gestrebe abgelegt hätten. Hierauf sei er in das Lager gegangen u. 
dort bis 28. morgens verblieben. Während dieser Zeit habe er keinen Schuss gehört, aber 
gesehen, dass sie in das Haus des Generals Weickel geschossen, das Tor zerschossen u. Pech- 
kränze eingeworfen gehabt, wodurch in der Stadt Feuer entstanden sei. Wie weit das Feuer 
um sich gegriffen, wisse er nicht, ebenso nicht, dass die Stadt übergegangen sei. Die Nachricht 
hievon sei eher als er nach Ried gekommen. Er habe dies auch die vergangene Nacht von 
den in Gstötten angetroffenen fünf Offizieren vernommen; die Vornehmsten von diesen waren 
der Kastner von Burghausen. Herr v. Hackledt u. der Bildhauer. 2 ) der dermalige Commandant 
von Ried. Sie sagten: Gott Lob u. Dank, dass wir Braunau mit Verlust von so wenigen Leuten 
überkommen haben. Wir wollens mit Schärding auch nicht lang machen, jedoch bis dahin die 
Garnison in Braunau behalten, um uns der Minen halber sicher zu stellen; nachgehends wollen 
wir sie in das Salzburgische begleiten. Der Kastner wollte sogleich zurück nach Braunau u. 
neben den Stücken 12000 Mann bringen. Sie seien dann fortwährend in der Stube auf- u. 
abgegangen u. hätten unter anderem vermeldet, sobald sie Schärding hätten, wollten sie zurück, 
auf die Klöster u. Schlösser gehen u. überall das Gewehr abholen, sodann die Kaiserlichen auf- 
suchen u. so lange nicht aussetzen, bis sich kein Kaiserlicher mehr in Baiern befinde. Sie 
gedächten nicht, auf Passau zu gehen. Sie sagten noch, sie wären zu weit gegen Eisenbirn 3 ) 
marschirt u. hätten nur um eine Viertelstunde die von Passau nach Schärding abgeführte Munition 

l ) Bei Ort an der Antiesen. -) Bonaventura Schwanthaler. 

:i ) 10 km östlich von Schäi'dinsr. 



107 

versäumt. Der Bildhauer von Ried habe darauf erwidert: sie werden nicht viel davon ver- 
schiessen u. wir werden sie folglich noch wohl bekommen. Dieses Auf- u. Abspazieren u. die Unter- 
redungen hätten bis gegen 2 Uhr nachts gedauert; er habe alles ganz wohl verstanden, da er 
im Zimmer an einem Tisch im Dunkeln gesessen u. sie ihn für einen der Ihrigen gehalten. Sie 
seien dann mit neun Pferden u. ihren Bedienten u. Knechten abgereist, der Kastner nach Braunau. 
der Hackledter nach Hause 1 ) u. der Bildhauer nach Ried. Er habe sich bis heute gegen den 
Tag in Gstötten aufgehalten, habe sich dann mit anderen Bauernbuben in das Lager bei 
St. Florian oder der Pfarr von Schärding begeben, sei aber dort nicht lange verweilt, sondern 
mit anderen, denen verwilligt gewesen, heim zu gehen, fortgegangen. Er habe noch vernommen, 
dass bei der Pfarr u. bei Allerheiligen zwei Sammelplätze seien, auf welchen je gegen 2000 Mann 
sein sollten; der grösste Teil von ihnen habe aber, wie er selbst gesehen, keine Schusswaffen. 
sondern nur Kolben, Pocken, Gabeln u. Stecken; die von Ried abmarschirten 400 Mann hätten 
nur 30 Rohre gehabt. Er habe wegen verschiedener Feldwachen weit um gehen u. sich gleich- 
wohl dreimal gefangen geben müssen, weil der eine Trupp hin u. der andere her marschire, 
so dass nirgends sicher durchzukommen sei. 

München Reichsarchiv. 

1705, Nov. 29. Braunau. 

248. Die sämmtlichen commandirenden Offiziere an den von der ganzen Versammlung 
bestellten Commandanten zu Burghausen, Kastner Frhr. v. Prielmayr. 

Was in Braunau in Füreinanderbringung dieses ganzen Wesens für eine Unordnung sei, 
ist nit leicht zu beschreiben. Es hat desshalb die ganze Versammlung u. Bürgerschaft heute 
beschlossen. Euer Gnaden hiezu zu erbitten. Also beschieht hieinit das unaussetzliche Verlangen 
u. Ersuchen, dass er sich sogleich zum besten des lieben Vaterlandes hieher verfüge. 2 ) 

München Kriegsarehiv. 

1705. Nov. 29. Braunau. 

249. Die sämmtlichen commandirenden Offiziere an die Regierung in Burghausen. 

Durch die ganze Pfleggcrichtsgemeinde wurde heute beschlossen, dass aus erheblichen 
Ursachen der hiesige Pflegscommissär Joh. Leonh. Rettinger u. der hiesige Gerichtschreiber 
Andr. Pachmayr abgesetzt u. dafür Frhr. v. Taufkirchen, der ein begüterter Landsasse ist, als 
Pfleger u. der gegenwärtig bei der Kriegskanzlei verwendete Math, lleitzer, der den beiden 
letzten Kurfürsten als Zahlamtsoffizier treu gedient hat, als Gerichtschreiber aufgestellt werde. 
Sollte dies nicht geschehen, so würde ein ganzer Aufruhr entstehen, die zwei Beamten nicht 
geduldet werden u. ihnen wohl gar etwas Unbeliebiges begegnen. 3 ) 

.München Kriegsarehiv. 

M Schloss Hackeledt, 4 km nördlich von Gstötten. 

2 ) Antwort der Regierung Burghausen vom 30. Nov. Prielmayr ist. wie .sie sieh erinnern weiden, 
auf ihr eigenes Begehren als Kriegscommissär in Burghausen aufgestellt worden; er hat über alle Vor- 
fallenheiten Anträge bei der Regierung zu stellen, so dass man ihn liier nicht enthehren kann, lue 
Burghauser Gemein will den Kästner gleichfalls nicht, fortlassen. Die Braunauer Abgeordneten begehrten 
hierauf die Sendung eines anderen Regierungsrates nach Braunau. A.a.O. 

3 J Antwort der Regierung vom MO. Nov. Die Regierung hat unter den Kurfürsten niemals die 
Befugnis gehabt, Beamte ab- oder einzusetzen; sie könne dies desshalb auch jetzt nicht tun. Es stehe 
bei den Braunauern, was sie wegen der Beamten für eine Verordnung machen wollten. Man wolle ihnen 
aber zu Gemüt führen, dass diese Braunauerische Pfleg dem Herrn Grafen v. Nogarola gehört, der an der 
ganzen Sache unschuldig ist u. dessen nahe Freunde sich beim Kurfürsten in Brüssel befinden. A. a. I>. 



14* 



108 

1705, Nov. 29. München. 

250. Die Administration an den Hofkammerrat Frhr. v. Gemmel. 

Er hat alle „gegen Obrist de Wendt einwendende officia" unter dem Namen Unserer lieben 
u. getreuen Landschaft auszuführen. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 30. Burghausen. 

251. Protocoll, bei der Regierung Burghausen aufgenommen. 

Die hiesige Gemein bringt bei der Commission an: sie braucht Gelder zur Werbung u. 
anderem; sie bittet daher um die Verfügung, dass die umliegende Pfarrei u. was unter dem 
Regimentsschutz steht, mit einem gewissen, unverzüglich zu erlegenden Quanto belegt werde, 
wogegen die Gemein die Regierungsräte damit verschonen wolle. Sollte sich die Regierung 
weigern, dem Folge zu leisten, so wird Gewalt gebraucht u. keiner damit verschont werden. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 30. Neuötting. 

252. Wolf Heinr. Frhr. v. Gemmel an die Administration. 

Die beiden zu den revoltirenden Bauernburschen gesandten Franziskaner sind gestern 
morgens mit den Patenten unverrichteter Dinge hieher zurückgekehrt. Sie wollten bei Hohenwart 
die Alz passiren, wurden aber von der dort stehenden Bauernrotte mit der Drohung zurück- 
gewiesen, sie sollten sich bei Vermeidung des Totschiessens zurückpacken. Oberst de Wendt 
hat nun die beiden Patres ersucht, nochmals den Versuch zu machen durchzukommen. Ueberdies 
hat man von den gefangenen Bauern vier Mann ausgesucht u. mit dem von Gemmel verfassten 
u. unterzeichneten Patent auf dem Wasser nach Braunau mit dem Bedeuten geschickt, dass sie 
unfehlbar eine Antwort zurückbringen müssten, was sie auch getreulich angelobt haben. Heute 
Nacht um 12 Uhr kam ein als Kundschafter nach Braunau geschickter Bürger mit der Nach- 
richt zurück, dass Braunau vorgestern abends 9 Uhr an die Rebellen übergegangen sei; er habe 
selbst die Bauern haufenweise über die Innbrücke aus- u. eingehen sehen; habe auch vernommen, 
dass die Husaren u. viele andere von der kais. Miliz bei den Rebellen Dienst genommen hätten. 
De Wendt hat heute mit Tagesanbruch ein Commando von 100 Pferden über den Inn nach 
Marktl geschickt, um verlässliche Nachricht zu erhalten. Ist Braunau wirklich gefallen, 60 wird 
sich das rebellische Volk schwerlich mehr in Güte unterwerfen u. der gute Herr Oberst unerachtet 
seines Tag u. Nacht brauchenden grossen Eifers u. Sorgfalt mit seinen Leuten zu schwach sein, 
den Aufstand zu stillen. Denn er ist nicht stark genug, um sich zu teilen; geht er mit dem 
ganzen Corpo von hier weg auf der einen Seite des Inns, so zieht sich der ganze Schwärm auf 
die andere Seite u. ist zu besorgen, dass sie dann die hiesige verlassene Brücke besetzen u. 
ihm den Uebergang über den Fluss verwehren würden, während sie selbst den Uebergang bei 
Braunau benützen könnten. Den Nachrichten zufolge muss auch ihre Zahl weit grösser sein, 
als man bisher glaubte. 

P. S. Eben kommt die Nachricht von dem mit dem Commando abgeschickten Rittmeister 
Hol!, dass er jenseits des Inns die Bauern an drei Orten, wo sie Wachthütten angelegt u. die 
Strasse mit Verhauen gesperrt hatten, angetroffen habe; sie seien aber gleich gewichen. De Wendt 
lässt diese Posten mit 60 Mann zu Fuss u. 30 zu Pferd besetzen, so dass Holl weiter vorgehen 
u. wieder sicher zurückkommen kann. 

München Kriesrsarchiv. 



109 

1705, Nov. 30. Neuötting. 

253. Wolf Heinr. Frhr. v. Gemmel an die Landschaftsveronlneten in Ober- u. Niederbaiern. 

Er will die Antwort auf das gestern von ihm abgeschickte Patent abwarten u. dann mit 
den Bauern weiter verhandeln, besorgt aber, dass durch den Fall von Braunau dieses eigensinnige 
Gesindel einen grösseren Zulauf bekommen u. sich nicht auf Unterhandlungen einlassen werde. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 30. Burghausen. 

254. Protocoll, aufgenommen bei der Regierung Burghausen. 

Nachdem die hiesige Gemein den Inhalt des Schreibens, das die Gemein u. die Offiziere 
in Braunau an den Kastner v. Prielmayr abgehen Hessen, vernommen, begehrt sie. zur Hebung 
der zwischen beiden Gemeinden bestehenden Missverständnisse selbst nach Braunau zu gehen 
u. verlangt von der Regierung, dass ihr der Kastner mitgegeben werde, damit man sehen könne, 
ob die Sache, so wie sie angefangen worden, fortzusetzen sei oder ob man andere Vorschlüge 
machen müsse. 1 ) 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 30. Neuötting. 

255. Frhr. v. Gemmel an die Landschaft in München. 

Eben um 9 Uhr nachts kommt ein Tambour aus Burghausen mit einem Brief des Generals 
v. Tattenbach. 3 ) Oberst de Wendt wird den Tambour über Nacht hier behalten u. ihm morgen 
die hier befindlichen Gefangenen zeigen. Der Tambour erzählte, dass der Kastner im Schloss 
von Burghausen das Commando führe u. die Regierung die Garnison bezahle. Morgen früh 
wird darüber beraten werden, ob Gemmel nochmals an die aufgestandenen Bauernburschen 
schreiben soll, wenn keine Antwort von ihnen eintrifft. 

P. 8. Eben kommen die mit dem Patent nach Braunau geschickten vier Bauern zurück 
u. bringen eine schriftliche Antwort 3 ) u. ein Schreiben des Bürgermeisters Dürnhardt*) mit. Da 
diesem Schreiben nach ein gütlicher Ausgleich nicht ausgeschlossen ist, wird Gemmel morgen 
nochmals ein Patent zur Beförderung eines guten Ausganges abschicken. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 30. Hauptquartier Braunau. 

256. Die sämmtlichen commandirenden Offiziere an Frhrn. v. Gemmel in Neuötting. 

Es wurde heute die Bauernschaft, so weit es möglich war, zusammengebracht u. ihr das 
Patent vorgelesen. Sie antworteten, dass sie ohne Vorwissen der Mehrheit, die beim Hauptwerk 
abwesend ist, nicht befugt sind einen Vergleich zu schliessen. Man wird nun diese herbeirufen 
und längstens innerhalb zwei Tagen eine unzweideutige Erklärung schicken. Inzwischen soll 
von beiden Seiten mit den Gefangenen so verfahren werden, wie es vor Gott u. der ehrbaren 
Welt verantwortlich ist. 

München Kriegsarchiv. 



l t Antwort der l'egierung. Sie findet die Keise des Kästners nach Braunau nützlich; er soll sogleich 
dahin abreisen. A. a. O. 

-i S. oben Xr. 245. 3 J S. Nr. 256. 4 ) S. Nr. 257. 



110 

1705, Nov. 30. Braunau. 

257. Bürgermeister Franz Dürnhardt an den Hofkammerrat Frhrn. v. Gemmel in Neuötting. 

Was in dem Patent Gemmeis enthalten ist, hat Dürnhardt schon vor 14 Tagen in Gegen- 
wart zweier kais. Offiziere den Bürgern vorgetragen. Man hat darauf hin etliche Accordpunkte 
aufgesetzt u. dem General Graf v. Tattenbach überschickt, der sie durch den Oberstwachtmeister 
Valair der Administration senden wollte. Dieser wurde aber von den in Simbach gestandenen 
Bauern aufgefangen u. nach Braunau in Arrest gesetzt. Dem Bürgermeister wurde sein Ver- 
mittlungsversuch von einem Teil der Bürger u. Bauern übel aufgenommen; da aber aus Salzburg 
u. Böhmen Truppen anrücken, so werden sie bald auf andere u. bessere Gedanken kommen. 
Die Festung ist infolge der gefährlichen Feuersbrunst übergegangen, die einen Schaden von über 
12 000 rl verursacht hat. Den General v. Tattenbach haben die Bauern gestern völlig ausgeraubt. 
die Offiziere konnten es nicht hindern; dem Bürgermeister haben sie das gleiche angedroht. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 30. Neuötting. 

258. Oberst de Wendt an die Administration. 

Er hat verschiedene Geistliche u. Weltliche abgeschickt, um zu erfahren, ob Braunau 
übergegangen sei. Es ist aber nur ein Spion zurückgekommen, der berichtete, dass es über sei; 
er habe selbst die Bauern über die Brücke in Braunau ein- u. ausgehen sehen. Es scheint 
wahr zu sein, da man, seit die Kaiserlichen in dieser Gegend sind, keinen Schuss mehr von 
Braunau her hört. Ist dies nun so, so ist zu fürchten, dass das ganze Land in Flammen gerät. 
Er bittet um Befehl, was er tun soll. Auf dem rechten lnnufer gegen Braunau vorzugehen, ist 
nicht möglich, da die Brücken bei Marktl u. Hohenwart abgeworfen sind; auf dem linken Ufer 
aber sind die Berge, Wälder u. Hohlwege sämmtlich verhaut. Um den Weg offen zu machen 
u. um gewisse Nachricht über das Schicksal Braunaus zu bekommen, sind heute 130 Pferde 
u. 60 Mann zu Fuss mit einigen 'Arbeitsbauern abgeschickt worden. Wenn Braunau wirklich 
über ist, so wäre es am besten, Oberst v. Bartels mit etwas Cavallerie zu verstärken u. ihn in 
der Gegend von Eggenfelden u. Pfarrkirchen zu postiren, während de Wendt den Uebergang 
über die Alz zu erzwingen u. Burghausen wieder zu nehmen suchen würde; dazu wären noch 
einige 60 pfundige Mörser mit 2 — 300 Bomben nötig. Es würde so auch das ganze Oberland 
im Zaum gehalten u. Zeit gewonnen, die anmarschirenden Truppen zu erwarten; diese sollten 
hauptsächlich aus Cavallerie bestehen, da Infanterie hier wenig nützen kann. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Nov. 30. Wien. 

259. Die Reichskanzlei an die Administration in München. 

Die Administration hat berichtet, dass die Ursachen der Rebellion die erzwungene Rekruten- 
stellung, die unerträglichen Contributionen u. die ungestraft gebliebenen Excesse der Miliz seien; 
sie war weiter der Ansicht, dass auch die in Ruhe verbliebenen Gerichte, wenn man von ihnen 
die Portionen eintreiben wollte, sich erheben würden. Die Administration hat Recht gehabt, 
dies vorläufig zu unterlassen. Da man aber die Mannschaft u. den Geldbeitrag unumgänglich 
nötig hat u. die Unruhen es unmöglich machen das Land zu verschonen, man also von den 
Forderungen ganz u. gar nicht abgehen kann, so soll gesucht werden die Landschaft zu bewegen, 
dass sie die Stellung einiger Rekruten u. die Bezahlung des Beitrags oder der Portionen auf 
sich nehme oder gelindere Mittel ausfindig mache, um dieses zu erhalten. Man kann ihr dabei 
vertraulich vorstellen, dass sie sich dadurch den Weg zu ihrer mehrerer Libertät bahnen u. sich 
allgemach in deren Besitz setzen würde; man würde sie, wenn sie sich eifrig zeigte, nicht über 
die Möglichkeit treiben, wie man auch, wenn die ausgeschriebenen 70 000 Portionen nicht zu 
bekommen sind, sich mit weniger begnügen wird. Ob all dies der Landschaft sogleich oder 



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erst nach besserer Stillung der Unruhe eröffnet werden soll, wird dem Gutbefinden der Admini- 
stration überlassen. Was die Excesse der Miliz betrifft, so sind sie am allerwenigsten in einem 
Lande wie Baiern, wo der Miliz alles Nötige geliefert wird, zu dulden; da aber ihre Abstellung 
auf allgemeine Klagen hin nicht geschehen kann, so ist jedesmal festzustellen, wann u. von 
wem sie verübt worden sind; dann sind sie genau zu untersuchen; ferner ist zu berichten, woran 
es liegt, dass sie in den Garnisonen u. selbst in München, wo es nach dem Bericht der Admini- 
stration nach 8 Uhr abends auf der Gasse nicht mehr sicher sein soll, nicht abgestraft werden. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 30. Hauptquartier Braunau. 

260. Patent für Math. Krauss von Kelheim. ausgestellt von den sämmt liehen commandirenden 
Offizieren. 

Wir sämmtliche in u. um Braunau der Landesdefension stehende Herrn Offiziere u. Truppen 
gebieten euch unsern Gruss u. befehlen euch hiemit, nicht allein in Kelheim. Pfleggericht, Rat 
u. Gemein, diesem gegenwärtigem Math. Krauss, Metzger, auf sein Begehren alsogleich ohne 
einigen Widerspruch getreulich an die Hand zu gehen, damit selbiger sowohl mit Montur, Gewehr 
u. Munition die Mannschaft allarmire u. zusammenziehe, u. die in Baiern stehenden feindlichen 
Truppen austreibe. Wir befehlen euch auch, dass die Pfleg- u. Hofmarksgerichte alle u. jede 
Intraden uns getreulich anzeigen sollen, damit unsere Truppen aller Notdurft nach unterhalten 
werden mögen, mithin auch an die benachbarten Pfleg- u. Hofrnarksgerichte der Assistenz willen 
alle behörige Veranstaltung zu machen, widrigenfalls in Verbleibung dessen mit Brand u. Schwert- 
strafe ohne Gnade verfahren werden wird, gleichwie aber hierdurch unser Anbefehlen vollzogen 
wird, als verbleiben wir euch ganz wohl gewogen. 

Wien H.H. St. A. 

IT'»"). Nov. 30. Braunau. 

261. Der Commandant Joh. Georg Meindl an die sämmtliche Gemein in Burghausen. 1 ) 

Die Gemein hat gestern um die sofortige Sendung eines Offiziers von Braunau nach Burg- 
hausen ersucht. Man kann aber heute nicht von Braunau weg; man wird dagegen morgen oder 
übermorgen mit dem ganzen Corpo in Burghausen erscheinen. 

München Kriegsarchiv. 

1705. Nov. 30. Braunau. 

262. Die sämmtlichen commandirenden Offiziere an den Vicedom Victor Frhr. v. Weichs. 

Wir bei der ganzen Versammlung der Bauern u. andern Landesuntettanen commandirende 
Offiziere sind einesteils zu Behauptung guter Freundschaft gedrungen, die alldort arrestando 
Angehaltenen, als Herrn Oberstwachtmeister, drei Herrn Leutnants vorn Jungischen Regiment. 
Herrn Capitänleutnant König, Hans Georg Comet von den Husaren u. N. llofer Schreiber, dann 
den Cadeten vom Falkensteinischen Regiment zu entlassen, dagegen wir der getröstlichen Zu- 
versicht leben auf allen begebenden Fall gegenseitlich gehalten zu werden; damit sie sich aber 
keiner Conspiration bedienen, beliebe man der hohen Verständung gemäss zu procediren. 

München Kriegsarchiv. 

'.) Dieses u. das in der folgenden Nummer enthaltene Schreiben sind ganz von der \idn<\ Meindls 
geschrieben; sie sind wohl die einzigen, lie erhalten blieben. I>as Siegel zeigt verschlungen .1. (i. M. 



112 

1705, Nov. 30. Braunau. 

263. Attest der Offiziere der Garnison für Generalwachtmeister Graf Tattenbach. 

Wir endsunterschriebene der Köm. Kais. Majestät Kriegsoffiziere bekennen kraft dieses, 
dass Ihre Excellenz Herr Generalwachtmeister Graf v. Tattenbach. gewester Commandant zu 
Braunau, auf keine Weise die Festung hat übergeben wollen, als bis er höchstens gezwungen 
mit entstandener Feuersbrunst in der Stadt, auch Benötigung der Bürgerschaft, schmählicher 
Tractirung u. Angreifung, auch sogar in das Feuer Werfung, vor welchem Unglück ihn Herr 
Rittmeister Pogatzi vom Roccavionischen Kürassierregiment in der höchsten Leibesgefahr mit 
etlicher bei sich habenden Mannschaft errettet u. erlöst hat. Beinebens haben die von dem Bartel- 
schen Regiment herein Geflüchteten, die meist aus bairischem Volk bestanden, alle Confusion 
gemacht u. vor der Zeit ihre Posten verlassen. Dass dies also u. nicht anders, bezeugen wir 
mit Hand-Unterschrift u. Petschaften. 

Joh. Erdmann v. Pogatzi, Rittmeister. — Joh. Adrian Muffel, Hauptmann. — 
Baron de Fallois, Capitänleutnant. — Joh. Friedr. Muffel, Leutnant. — 
Joh. Gust. v. Frangenberg, Cornet. — Joh. Seffmayr, Wachtmeister. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Nov. 30. Passau. 

264. Auszug aus dem Sitzungsprotocoll der Deputation der llofkammer. 

Nachdem auch vorgekommen, dass sowohl bei Hof als in der Stadt das gemeine Reden gehe, 
Hofkammerrat Glötl lasse sich in seinen Discurs u. Reden für die aufgestandenen rebellischen 
Bauernburschen dergestalt favorable heraus, als ob man an Seite der Kaiserlichen diese zu dämpfen 
u. zu stillen der Zeit nicht sufficient sei, wurde beschlossen, weil Glötl ohnedem ein einge- 
fleischter Baier ist u. er bekanntlich desshalb das eine u. anderemal von Ihrer Eminenz selbst 
bereits corrigirt worden ist, ihn ad plenum kommen zu lassen, ihm dieses im Beisein zweier 
Hofkammerräte mit Ernst vorzuhalten u. die letzte Warnung zu tun. 

München Reichsarchiv. 

1705, Nov. 30. Passau. 

265. Statthalter u. Räte an den Vicedom Joh. Friedr. Grafen v. Auffsess in Straubing. 

Der gestern auf der Donau von Regensburg hieher gereiste Commandant der Festung 
Oberhaus, Max Graf v. Lamberg. hat bemerkt, dass unterhalb Deggendorf, bei Niederaltaich. 
sowie oberhalb Vilshofen etliche Schiffe u. grosse Plätten diesseits der Donau, die die Unter- 
tanen zur Ueberfahrt gebrauchen, ja hart an der Stadt Vilshofen zwei grosse, den Salzzillen 
ähnliche Schiffe vorhanden sind. Obwohl sich in Vilshofen nur höchstens 100 Bauernbuben 
befinden, so können diese doch verstärkt werden, dann über die Donau setzen, die jenseitigen 
ledigen Burschen mit Gewalt heranziehen, sich der Donau diess- u. jenseits versichern, so einen 
noch grösseren Aufstand verursachen, u. sogar einen Einfall in das Hochstift unternehmen u. 
dessen Untertanen spoliren. Der Vicedom möge deshalb unverzüglich verfügen, dass die Schiffe 
an solche Orte geführt werden, wo die Rebellen sich ihrer nicht bemächtigen können. 1 ) 

München Reichsarchiv. 



') Am 3. Dez. antwortet der Vicedom, dass der Mautner in Straubing beauftragt wurde, alle im 
Regierungsbezirk auf der Donau vorhandenen Schiffe unverzüglich in Sicherheit zu bringen, u. dass auch 
die Regierung in Landslmt ersucht worden ist, ein gleiches zu tun. A. ä. O. 



113 

1705 (c. Dez.?). München. 

266. (Aus der Administrationskanzlei.) Information die Entweichung des Gerichtsschreibers 
Wolfg. Schmidt zu Abensberg betr. 1 ) 

Schmidt hat noch zu des Kurfürsten Zeiten etliche Kaufleute von Nürnberg, die in das 
Salzburgische reisen wollten, obwohl sie mit kurf. Pässen versehen waren, arrestirlich angehalten, 
ihnen Geld u. Effecten abnehmen u. sie sehr hart tractiren lassen. Nach verlässlichem Verlaut 
soll der Pass erteilt worden sein, ehe der Kurfürst mit dem Kaiser gebrochen; nachdem es aber 
zur Tätlichkeit gekommen u. die Kaufleute durch Baiern reisen wollten, hat sie Schmidt mit 
dem Geld angehalten u. beim Kurfürsten um Verhalt angefragt; dieser hat das Verfahren gebilligt 
u. Schmidt zur Belohnung 300 fl geben lassen. Nach nun geändertem Statu kamen die Kauf- 
leute im vergangenen Sommer zur Jakobidult nach München, klagten gegen Schmidt u. wollten 
Regress an ihm nehmen. Anstatt sich zu verantworten, ergriff Schmidt die Flucht; er wandte 
sich zuerst an einen Pater des Klosters in Scheiern, der ihm einen Habit verschaffte u. ihn in 
das Kloster Benediktbeuern begleitete, wo er sich an den P. Prior wandte, der ihn nach 
St. Gallen brachte, wo Schmidt den Habit wieder ablegte u. verschenkte. Inzwischen fand man 
in dem Haus des Schmidt zu Abensberg eine Quantität Mehl, die verborgen war. Da man aus 
seiner Flucht schloss, er müsse ein böses Gewissen haben, so wurde sein Tun u. Lassen unter- 
sucht u. man erfuhr, dass er durch die Geistlichen aus dem Land gebracht worden war. Es 
wurden desshalb diese insgeheim hieher beschieden u. ihnen vorgehalten, was für eine gefähr- 
liche, höchst strafbare Sache sie unternommen; man rede aller Orten von verborgenen Aufstands- 
concepten; das Verhalten des Schmidt zeige, dass er einer der ärgsten Erzschelme. Landauf- 
wiegler u. Bösewichte sei u. weil dies ein Verbrechen, das in das crimen laesae majestatis et 
perduellionis einlaufe, wobei alle Helfer u. Helfershelfer aufs härteste gestraft würden, so könnten 
sie erwägen, wie ihnen die Protection eines solchen Gesellen aufgenommen werde. Sie möchten 
auf Mittel bedacht sein, sich wieder auszusöhnen, wenn sie nicht rigorem processus empfinden 
wollten, der den Umsturz ihrer Klöster nach sich ziehen könnte. 

Der Prälat von Scheiern entschuldigte sich damit, dass er verreist gewesen sei, als Schmidt 
in das Kloster kam; es sei das Verbrechen eines Privatreligiosen. der hiezu keinen Befehl gehabt, 
so dass des8wegen nicht das ganze Kloster leiden könne. Der Prälat von Benediktbeuern gab 
vor, dass sein P. Prior sich des Menschen angenommen habe; er habe ihn nicht vorgelassen, 
sei also ohne Schuld; wenn der Prior zu viel getan, so könnte nicht das Kloster darunter 
leiden. Es wurde ihnen aber entgegnet, dass die Superiores ihre Untergebenen besser in Zaum 
u. Disciplin halten sollten; bei jetzigen gefährlichen Zeiten Hessen sich die apices juris nicht so 
genau in Acht nehmen; wenn sie sich nicht in Güte abfinden wollten, würde die Sache hoher 
Orten angebracht werden müssen. 

Nun hatte man bis zu dieser Stunde auf keine andere Ursache der Flucht des Schmidt 
kommen können, als die besorgte Verantwortung des den Kaufleuten zugefügten Schadens. Es 
hat sich aber nach der jüngst niedergelegten Bauernrebellion 8 ) aus der boshaften Corresponden/ 
dieses Mannes gezeigt, dass er inzwischen in Brüssel gewesen u. nunmehr von Rorschach aus 
sich bemüht, die unruhigen Gemüter in Baiern in einer fortwährenden Agitation zu erhalten u. 
zu einem neuen Aufstand zu animiren, sowie den Feind zu bewegen, zur Ausführung der von 
ihm concipirten Unternehmungen in Baiern einen Succurs an Gehl u. Gewehr zu schicken. 

Man fragt desshalb an. wie weit das Verbrechen beider Klöster zu expliciren u. wie viel 
ihnen zur Strafe anzudictiren sei. 

München Krieirsarchiv. 



') Wohl der Entwurf zu einem Berieht der Administration an die Reichskanzlei. 

2 ) Ilie Datirunir des Stücks beruht auf der Annahme, dass damit der locale Aufstund im [sarwinkel 
in der Nachbarschaft de? Klosters Benediktbeuern Mitte Oktober gemeint ist. Sollte sich die Rebellion 
auf den grossen allgemeinen Aufstand beziehen, wäre das .Stück erst nach .Mitte Januar 1700 anzusetzen. 

Abh. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl. XXVI, 4. Abh. 15 



114 

1705 (c. Dez.). Benediktbeuern. 

267. Casus terribilis per P. Angelum Rehling anno 1705. Mulcta 10000 fl. 

Anno 1705, nachdem schon die kais. Administration von dem Rentamt München Besitz 
genommen u. die wirkliche Huldigung empfangen, geschah folgender leidiger u. entsetzlicher Casus. 

Wolfgang Schmidt, Gerichtsschreiber in Abensberg, hatte sich aus verschiedenen Ursachen 
wegen allzu vordringenden Eifers gegen das Haus Baiern in grosse Suspicion u. endlich in 
solchen Stand u. Wahn gebracht, dass er auf die Entweichung denken musste. Um diese zu 
bewerkstelligen, hat er sich beflissen einen sacrum habitum nostri ordinis in Scheiern zu bekommen, 
den er auch erhalten. Hierauf reiste dieser unglückselige Mensch in fataler Begleitung des 
P. Hermann von Scheiern anher nach Benediktbeuern u. zu unserem allerhöchsten Unheil kam 
er hier am 15. Aug. an u. Hess seine Sachen in des Hofrichters Wendenschlegel, seines Schwagers 
Behausung tragen. Im Kloster wurde P. Hermann wohl empfangen u. mithin auch der fingirte, 
also genannte Fr. Wolfgangus. Die Intention des fugitivi war niemanden als Domino Abbati 
et P. Priori Angelo Rehling entdeckt. 

P. Prior, voll des Eifers gegen das Kurhaus Baiern, hat sich hierauf um jenen unglück- 
seligen Menschen also sehr angenommen, dass er sich unterstanden, den 17. Aug. in aller Frühe 
diesen Flüchtling zu begleiten u. sodann per avia nicht allein aus Baiern, sondern auch aus 
Schwaben in die Schweiz nach St. Gallen, ohne dass er dazu Erlaubnis hatte, zu practiciren. 
Er hielt sich auf der Reise so lange auf, dass etliche von uns geglaubt, er sei mit dem Flücht- 
ling zu dem Kurfürsten nach Frankreich entwichen, bis er endlich den 29. Aug. voll der Glorie 
hieher zurückgelangte. Er hat nun auch künftighin nicht ermangelt, mit jenem unglückseligen 
Menschen briefliche Correspondenz zu haben; also weit kam es mit der ungezäumten Affection 
bei dieser höchst gefährlichen Zeit. Diese unglückseligen, fatalen Briefe wurden aber sogleich 
aufgefangen u. der Administration eingehändigt, worauf dann am 4. Okt. ein kais. Befehl hieher 
kam u. P. Priorein Angelum u. den Hofrichter nach München citirte. Weil aber P. Angelus 
Prior wegen einer Gliederkrankheit bettlägerig war, musste ihn P. Carolus 1 ) in dieser Coni- 
mission vertreten u. wurde ihm dieses entsetzliche negotium erst nachts im Bett aufgetragen. 

Gleich den 5. Okt. früh musste die Reise angehen; mit was für unaussprechlichen Sorgen 
P. Carolus, der ohnedem ein unbeschreibliches Missfallen an der Tat des P. Prioris gehabt, 
die Reise antrat, lässt sich schwerlich beschreiben. Am 6. Okt. erschienen wir vor dem Geheimen 
Kanzleidirector. P. Carolus wurde gefragt, ob er Prior in Benediktbeuern sei u. als er mit 
Nein antwortete u. die Abwesenheit des Priors bestermassen entschuldigte, geschah endlich diese 
Proposition: So kann denn nichts mehr so Loses, Verdammliches u. Böses wider Seine Kais. 
Majestät geschehen als durch unsere katholische Geistliche usw. P. Carolo gingen diese Worte 
also scharf zu Herzen, dass er eben so leicht ein Messer mitten durch sein Herz hätte stechen 
lassen wollen als dergleichen Reden anhören. Er befahl aber die ganze Sache dem allwalten- 
den Gott. 

Bald hernach sahen wir die aufgefangenen Briefe u. die Handschrift P. Angeli. P. Carolus 
redete auf die an ihn geschehenen Fragen per omnia aperte, sincere, candide, da nichts rat- 
samer als die Wahrheit war, indem man mit eigenen Augen gesehen, dass schon alles u. alles, 
ja mehr als wir selbst wussten, bekannt war. Dominus Judex aber consternatus negabat instar 
quae tarnen negare non poterat. Alsdann wurde P. Carolus sogleich nach Belieben entlassen. 
Dominus Judex aber musste den Stadtarrest annehmen u. dessen Bruder von Pfaffenhofen 2 ) den 
Hausarrest, den er aber nicht gehalten. 

Sobald diese fatale Audienz vorbei war, hat P. Carolus den Hofrichter instantissime 
gebeten u. ermahnt, er wolle doch sogleich wieder Audienz begehren, um das. was er zuvor 
geleugnet, wieder in etwas auszuschleifen. Er konnte endlich diesen guten Rat nicht ausschlagen, 
hat ihn befolgt u. hat wohl getan. 



') Meiehelbeek, der Autor dieser Aufzeichnung. 

' 2 ) Hans Georg Wendenschlegel, Gerichtschreiber in Pfaffenhofen. 



115 

Herr Franz Jos. v. Unertl sagte inzwischen beständig, es werde die Sache entweder auf 
die Schleifung des Klosters oder doch auf 80 000 fl hinauslaufen. Noch selben Tag erhielt ich, 
P. Carolus, einen kais. Befehl, in dem P. Abbas Elilandus selbst nach München citirt wurde. 

Den 7. Okt. reiste ich mit diesem Befehl nach Hause, allwo propter casum fatalem alles 
in höchster Consternation war. 

Den 8. Okt. musste ich mit Reverendissimo schon wieder nach München. 

Den 9. Okt. Herr Administrator ist unversöhnlich. Abt Eliland richtet weder mit Güte 
noch mit Schärfe etwas aus, eben so wenig Abt Coelestin von Scheiern. Beiden sammt dem 
Herrn Prälaten von Tegernsee als Praeside wurde der Stadtarrest angekündet. In der ganzen 
Stadt war männiglich in Erstaunung wegen dieser Sache. 

Den 10. wurde Reverendissimus Tegernseensis angehört; er hat alles getan, aber nichts 
ausgerichtet. Ich hatte die harte Obedienz, den ganzen Tag die Stadt zu durchstreichen, Rat 
einzuholen usw. Es waren zwar einige, die etwas weniges sagten, allein es sollte geheim 
gehalten werden; es wollte sich niemand für unsern Freund ansehen lassen. 

Den 11. war Kirchweih in München. O Gott! wie war uns zu Gemüt, da wir nichts 
hörten als von Erlegung der 80000 fl! Abbas Elilandus adeo videbatur desperabundus, ut vix 
vestes indutus, curas tabacco conaretur sopire. Res sane commiseratione dignissima! 

Den 12. waren unsere responsiones, excusationes etc. zu Papier gebracht u. eingegeben. 

Den 13. ward unser Elend höchst vermehrt, indem das Kloster Scheiern, das unseren 
P. Priorem ins Unglück gebracht hatte, jetzt an diesem casu gar keinen Anteil haben wollte. 
Abt Eliland war hierüber also alterirt, dass man die unglaubliche Bewegung des Herzens durch 
die Kleider ganz wunderlich gesehen u. gehört. Dictu mirabile quidem, sed verum, uti postea 
etiam Rev. P. Praeses narravit. Inzwischen hörten wir jetzt, dass sich die Administration mit 
50000 fl wollte besänftigen lassen. 

Den 15. wurde den beiden Prälaten von Benediktbeuern u. Scheiern die letzte Sentenz 
gesprochen; es sollte jeder 20 000 fl erlegen, sich schriftlich dazu bekennen u. sich nicht länger 
mehr in München aufhalten. Das ist geschehen. 

Den 16. in der Nacht kommt Herr Unertl ad Rev. Elilandum, weckt ihn auf u. sagt, er 
möchte sich sogleich durch den Einlass nach Hause begeben, um den Aufstand an dem Gebirg 
zu stillen. Boni superi! Reverendissimo fiel nicht ein, desshalb einen Nachlass zu erbitten, der 
ihm doch unfehlbar zugesagt worden wäre. 

Als wir nach Hause kamen, glaubte man. es würde P. Angelus von dem Priorat entsetzt 
werden; Reverendissimus wurde ermahnt, aber umsonst. Endlich kam auch deswegen eine 
Erinnerung von München et postea amovit, verum sine ulla mentione delicti. Quis non obstupescat! 

Den 4. Nov. wird Capitel gehalten wegen der 20 000 fl. Oh, da gab es saure Gesichter 
ab! Man beschliesst. das Silber aus der Kirche u. dem Silberkasten herzugeben. 

Den 8., nachdem ein anderer Prior, P. Bernardus, eingesetzt worden war, reiste dieser 
nach München ad offerenda vasa sacra u. um, wenn nötig flexis genibus. um Moderation zu bitten. 

Den 9. wurde dies ipso opere complirt; aber die beiden Gesandten haben nichts gehört, 
als man könne nicht helfen; die Sache sei schon nach Wien gelangt. Es werde ein erschreck- 
liches Exempel statuirt werden u. das Kloster anderen Religiösen zu statten kommen. 

Den 12. kommt ein eigener Bote von Herrn Unertl, der ermahnt, die 20000 fl zu erlegen, 
sonst werde das Kloster geschleift werden. 

Den 13. ist nach der Prim Capitel. 

Den 14. reist P. Kellerer nach München, um zu sehen, was die Sache für ein Aussehen habe. 

Endlich hat man 10000 fl erlegt u. ist sodann nichts mehr verlangt worden. Man hat 
jedoch sichere Nachricht, dass in Regensburg auf dem Reichstag wegen Schleifung des Klosters 
wirklich unterhandelt worden ist. Es haben aber der preussischc Gesandte u. Prinz Alexander 
von Württemberg dort das Beste für uns getan, weil deren Truppen nirgends so grosse Höflich- 
keit als in Benediktbeuern empfangen. 

15* 



116 

Discite religiosi esse cauti et ordinationi dei in dispensandis provinciis non velle resistere. 
sed dei judicia cum timore et tremore adorare. 

Ita testor, ego supra dictorum fere omnium testis oculatus. 

P. Carolus Benedictoburanus. 

München Kreisarchiv. 

1705, Dez. 1. Braunau. 

268. Generalwachtmeister Graf Tattenbach an die Administration. Relation der entstandenen 
Aufruhr u. Zusammenrottirung der bairischen Untertanen von dato, als es mir ist entdeckt worden, 
bis zur Uebergabe der Stadt Braunau, wie sich alles zugetragen hat u. ich sub juramento 
bezeugen kann, wie sich auch die hier in Garnison gestandenen Herrn Offiziere zu bezeugen 
nicht weigern werden. 

Den 7. Nov. kam abends von Griesbach ein Husarencornet mit zwei Gemeinen gejagt u. 
meldete, dass alle Untertanen auf u. unter dem Gewehr seien; er hätte sich kümmerlich salviren 
können, die anderen seien alle niedergemacht worden oder nach Schärding geflohen. Als man 
ihn weiter examinirte, kam sein Rittmeister in eben solcher furia an u. meldete, dass seine 
Husaren alle niedergemacht seien oder in dieser Gefahr stünden; um dieser Gefahr zu entgehen, 
sei er durchgegangen. Ich habe nun den Cornet mit der Post an die Administration geschickt 
u. ihm, da er kein Geld hatte, 30 fl gegeben; am 8. hat er dort seinen Bericht abgestattet. 
Am 8. kam ein Leutnant vom Regiment de "Wendt hier an u. überbrachte das Schreiben der 
Administration vom 8. 1 ); ich hatte aber keine Husaren zum Ausschicken, da alle, die hereinkamen, 
zu Fuss waren. Dieser Leutnant kam am 10. nachts 12 Uhr wieder mit einem Schreiben der Ad- 
ministration vom gleichen Tag. 2 ) Oberst de Wendt verlangte 300 Mann zu Fuss, alle Berittenen, 
die sich herein geflüchtet hätten, u. 4 Stücke mit Zubehör. Am 11. früh 8 Uhr rückten diese 
ab. Am 13. kam ein Capitänleutnant vom Regalischen Regiment an, überbrachte ein Schreiben 
von de Wendt :i ) u. wollte mit mir über das eine u. andere reden. Es kam aber nicht dazu; ich 
zeigte ihm rund herum die Annäherung der Bauern, so dass er gleich mit der Post von hier 
abgehen musste; der Postknecht ist noch kümmerlich hereingekommen; wenn er die Kanonen- 
schüsse nicht gehört hätte, wäre er gefangen worden. Der Capitänleutnant muss dieses Kanoniren 
ebenfalls gehört u. de Wendt gemeldet haben, dass ich eingeschlossen sei; er hat ihm auch 
gemeldet, dass es nötig sein werde, insofern er nicht einen anderen Plan hätte, hieher zu 
marschiren. dann bei Schärding über den Inn u. alsdann nach Burghausen zu gehen. Ich habe 
den Obersten auch schriftlich darauf aufmerksam gemacht, dass die von Braunau abgeschickte 
Mannschaft am füglichsten bei Braunau zu ihm stossen würde; er ist aber nicht darauf einge- 
gangen, sondern hat sie nach Neuötting verlangt, wie dann auch geschehen ist. 

Am 14. wurde die Stadt zur Uebergabe aufgefordert, was abgeschlagen wurde. 

Am 15. liess ich den Magistrat u. die Zunftmeister zusammenrufen u. begab mich mit 
dem Ingenieuroberstleutnant v. Roschet u. dem Rittmeister Pogatzi vom Kürassierregiment Roc- 
cavione in die Versammlung; ich stellte ihnen die Sache vor, hielt ihnen einen langen Sermon 
u. erinnerte sie absonderlich an den geschworenen Eid. Der innere Rat erwiderte sogleich, 
dass sie willig seien, solchen zu halten; allein man müsste es auch den Zunftmeistern proponiren. 
Es geschah u. diese antworteten, sie wollten ihre Sache schriftlich geben. Wir sind hierauf 
auseinander gegangen u. haben unsere militärischen Anstalten zur Gegenwehr gemacht. 

Am 16. übergaben mir einige Deputirte eine Schrift, 4 ) die ich in ihrer Gegenwart den 
anwesenden Offizieren vorlas; hienach zerriss ich sie in der Mitte u. sagte ihnen, sie sollten 
sich nichts einbilden, bis nicht die Extremität vorhanden wäre; ich würde nicht barbarisch gegen 
sie handeln; dagegen sollten sie auch nicht begehren, dass ich die Uebergabe gestatte, ehe es 
Zeit sei. Damit sind sie abgefertigt worden. Sie brachten mir darauf zwei zwölfpfündige 
Kanonenkugeln, die glühend hereingespielt worden waren u. sagten, dass man das nicht ausstehen 



') S. Nr. 67a. 2 ) S. Nr. 7Ga. 3 ) S. Nr. 91a. 4 ) S. Nr. 117 



117 

könne. Unterdessen wurde beiderseits mit Kanoniren nicht gefeiert, wie denn den Bauern die 
Batterie ruinirt wurde, so dass sie einen Tag feierte. 

Am 18. kam General v. Weickel, der vormals bair. Feldmarschallleutnant gewesen, mit 
dem Bürgermeister Diirnhardt u. meinte, ob es nicht dienlich wäre, die sogenannten Landes- 
defensores zu befragen, was denn ihr Intent sei u. wenn sie Beschwerden hätten, könnte es 
auf eine andere Manier verlangt werden. Hierauf beschlossen die Offiziere, dass man einen 
Tambour abschicke, was auch spät abends geschah. 

Die draussen nahmen dies wohl auf u. Hessen zurück entbieten, man sollte am 19. um 
Uhr Deputirte zu ihnen schicken, was auch geschah. Es wurde Oberstwachtmeister de Valair, 
der in Kufstein gelegen u. zufällig hieher gekommen war. mit Rittmeister Pogatzi u. Bürger- 
meister Dürnhardt abgeschickt. Sie unterhandelten zwei Stunden, konnten aber nichts anderes 
herausbringen als die schriftlichen Punkte, 1 ) die ihrem Begehren nach eilfertig nach München 
geschickt werden sollten. Als man einen Pass für den überbringenden Offizier forderte, sagten 
sie, er sollte nur mit Postpferden nach Simbach an die Brücke kommen, wo er mit allem ver- 
sehen werde. Es ging nun der genannte Oberstwachtmeister, dem ich für die Reise 40 Louisdor 
von dem meinigem gab, dorthin; er wurde sogleich arretirt. Am Abend schickte ich einen 
Tambour ab, um zu fragen, warum der den Oberstwachtmeister begleitende Trompeter nicht 
zurückkäme; es wurde geantwortet, er werde morgen früh kommen, wie es auch geschah. Er 
meldete, dass der OberstwachtmeiBter nach Burghausen geführt worden sei. Als ich mich hier- 
über beschwerte, erhielt ich ein Schreiben, 2 ) nach dessen Ablesung das Kanoniren wieder begann. 

Vom Feind wurde nur mit Feuerkugeln gespielt. Dies dauerte bis 26. gegen 1 Uhr 
nachmittags, wo eine unbeschreibliche Feuersbrunst ausbrach; es war ein rechter Sturmwind 
dabei, so dass die grösste Gefahr war. die ganze Stadt gehe in Flammen auf. Vor der Be- 
lagerung hatten die Bauern der Stadt das Wasser genommen, so dass man nichts zum Löschen 
hatte. Als das Feuer überhand nahm, ging ich selbst auf den Brandplatz, um Anstalten zu 
machen. Da nahmen mich zwei Bürger u. wollten mich ins Feuer werfen; ich bin dem aber 
mit Hilfe zweier Lakaien entkommen. Als ich um ein Eck kam, erwischten mich einige Bürger 
mit Hacken u. ähnlichen Werkzeugen, die mich tot machen wollten. Unterdessen kam Ritt- 
meister Pogatzi mit vier Reitern u. wollte mich von ihnen erretten; es kostete aber viele Mühe, 
da die Bürger sich immer mehr vermehrten u. die Bartelschen Reiter ihre Posten verliessen u. 
das weisse Zeichen aufsteckten. Es kam auch der Bürgermeister Dürnhardt mit dem Postmeister 
gelaufen u. bat mich um Gotteswillen zu capituliren, wenn ich anders mich u. die Garnison 
am Leben erhalten wollte; er sei nicht mehr mächtig, die Bürgerschaft zu halten. Die Bürger- 
schaft aber ging in dieser Action sehr schändlich mit mir um, so dass es nicht zu Papier zu 
bringen ist. Ich schaute mich um u. sah nichts als einen ganzen Schwärm von Bürgern u. 
auch Bartelschen Reitern. Ich sprach nun zu dem Rittmeister u. anderen Offizieren, was in 
der Sache zu tun sei; sie gaben zur Antwort, es müsste capitulirt werden. Ich replicirte noch- 
mals u. bat die Bürger um Gotteswillen, sie sollten mich nicht zwingen. Die Antwort war, ich 
sollte nicht viel mehr machen u. wenn ich nicht capituliren wollte, würde ich sehen, wie es 
mir ergehen werde. Da nun kein Mittel mehr übrig war. so sprach ich. man sollte Chamade 
schlagen u. schickte einen Tambour hinaus, man sollte das Wasser wieder hereinlassen, was 
auch geschah u. wodurch dag Feuer, das so grausam anzusehen war. durch Mittel der Tiroler 
Bauern 3 ) gelöscht wurde. Die Bürgerschaft aber hatte gleich die Posten am Pulverturm u. am 
Zeughaus verjagt u. die Soldaten gezwungen, die Nachtfeuer auf den Gassen auszulöschen. 

Am 27. kamen Abgeordnete herein, um die Capitulation abzuschließen, die aber ganz 
wenig gehalten wurde; die Infanterie wurde in einen Winkel getrieben wie auch die Roccavioni- 
schen u. Vaubonnischen Reiter u. Dragoner. 

Am 30. kamen sie bei zweihundert u. stürmten mein Quartier, plünderten mich u. wenn 



>) S. Nr. 135a. 2 ) S. Nr. 1Ü7. 

3 ) Im Oktober waren Bergknappen von Hall in Tirol zur Demolirung der Festungswerke nach 
Braunau gekommen. 



118 

nicht einige von ihren Offizieren gewesen wären, hätten sie mich gar ermordet. Meine Gräfin 
gab ihnen, um mein Leben zu erhalten, von ihrem zusammengesparten Geld 1000 fl, wodurch 
sie etwas besänftigt wurden. Mein Schaden beträgt aber mit diesem Geschenk, jedoch ohne 
die abgenommenen Pferde wenigstens 8000 fl. Damit war es noch nicht genug; die Bürger- 
schaft verlangte, ich sollte hier im Arrest bleiben, bis der Schaden der Feuersbrunst gut 
gemacht wäre. 

Ich kann nicht unerwähnt lassen, dass ich bei Antretung des Commandos keinen Proviant 
vorgefunden habe u. dass auch bei der Bürgerschaft kein Vorrat war. Als die Bartelschen 
Reiter herein kamen, protestirten sie gleich, sie könnten u. wollten keinen Dienst tun, sie seien 
Kürassiere u. keine Musketiere, dem die Husaren auch folgten. Rittmeister Pogatzi bewog sie 
aber dazu, jedoch wurde der Dienst sehr schlecht versehen, da sie nächtlicher Zeit sich davon 
stahlen. Hiernach fingen sie an die Köpfe zusammenzustossen u. laut zu rufen, wenn man ihnen 
nicht täglich 10 kr gebe, wüssten sie schon, was zu tun wäre. Man hat ihren Willen getan 
u. ich habe dem Proviantverwalter hiezu 780 fl aus meinen Mitteln gegeben. Die Vaubonnischen 
Dragoner u. die Husaren sollten auf gleichen Fuss gesetzt werden, wenn das Geld dazu vor- 
handen wäre. Es war also nichts vorhanden, auf das man sich verlassen konnte, als die In- 
fanterie, die in 168 Dienstbaren bestand, dann die wenigen Vaubonnischen Dragoner; die 
100 Arbeitstiroler waren bei den Stücken u. dem Stadtgraben, der zu richten war, angestellt. 
Auch zwang mich die Bürgerschaft, dass ich alles Heu für die Garnison u. die Remontepferde 
bezahlte, da sie während des Tumultes sonst nichts hergaben, wodurch schon ganz klar zu 
sehen, dass die Bürger mit denen da draussen im Verständnis gelebt; ich habe also auf drei 
Seiten Feinde gehabt, gegen die die wenige Infanterie u. die Roccavionischen Reiter nicht 
genug waren; mit allen diesen habe ich also commandirt, dass ich glaube, man werde mir 
hoher Orten keine Schuld der Uebergabe geben; ich habe auch im geringsten nichts vorgenommen, 
was nicht vorher mit den Offizieren concludirt worden. Dass ich aber gezwungen worden u. 
auf welche Weise, beschliesst der Herren Offiziere Hand u. Schrift u. Petschaft. 1 ) 

Wien H. H. St. A. 

1705, Dez. 1. München. 

269. Patent der Administration. 

Der Pfleger von Neuötting v. .Toner hat den Auftrag erhalten in Mühldorf oder einem 
anderen Ort, den der kais. Proviantoffizier Gebhardt bestimmt, ein Magazin für die Truppen 
anzulegen; es sollen hiezu die rebellischen Gerichte 300 Zentner Mehl, 2000 Zentner Heu, 
200 Schaffet Hafer u. Stroh nach Bedarf liefern. Die Beamten, denen dieses Patent von Neu- 
ötting zugeht, haben von den Untertanen das Nötige zu fordern u. an das Magazin zu liefern. 
Sollten sich die Untertanen weigern, ist dies nach Neuötting zu berichten, von wo aus man 
dann den Beamten mit militärischer Execution an die Hand gehen wird. 

Wien H.H. StA. 

1705, Dez. 1. Hohenwart. 

270. Patent der Bauernanführer an die Gerichte Trostberg, Wald. Stein. 

Die Gerichts- u. Hofmarksobrigkeiten haben ohne Verzug den Untertanen eifrigst aufzu- 
tragen, dass sie sich sogleich nach Hohenwart begeben sollen, widrigenfalls wird man ein Com- 
mando abordnen u. die Leute, ja sogar das vorhandene Vieh mit Gewalt wegnehmen. 

Wien H.H. St. A. 



») S. Nr. 2G3. 



119 



1705, Dez. 1. München. 

271. Die Administration an die Reichskanzlei. 

Die preussische aus Italien gekommene Cavallerie hat kaum 100 Pferde, die so schlecht 
sind, dass sie nicht zum Dienst gebraucht werden können; von der unberittenen Mannschaft 
ist aber wenig für den Dienst zu erwarten. Nichts desto weniger hat man den diese Reiterei 
commandirenden Generalwachtmeister v. Hülsen durch einen Expressen ersuchen lassen, ob er 
bei diesen Conjuncturen seine Truppen zu Kriegsdiensten verwenden lasse, die dann nach Dingol- 
fing u. Landau an der Isar verlegt worden wären. Er hat sich aber geweigert u. vermeldet, 
dass die Truppen nicht im Stand wären, Dienst zu tun; er will seine Quartiere in Friedberg. 
Aichach u. Schrobenhausen nehmen. 

Infolge dessen hat man gestern die ganze Beschaffenheit der Sache dem Prinzen Eugen 
abermals hinterbracht u. gebeten, er möchte von der reconvalescirten Infanterie in Tirol 1000 Mann 
u. auch das Castellische Dragonerregiment hieher senden, da General v. Kriechbaum gemeldet 
hat, dass dieses Regiment zwischen Trient u. Roveredo angehalten worden sei, woraus man 
schloss, es könnte wohl auf einige Zeit dort entbehrt werden. Bei Ueberkommung der 1000 
alten Fussknechte könnte ein guter Teil der Recruten zum Dienst gebracht u. dadurch u. durch 
die Dragoner den Sachen ein so grosser Vorschub gegeben werden, dass man, wenn diese 
Truppen alsbald ankämen, andere Hilfsvölker schwerlich mehr von Nöten hätte. Man muss 
hiebei hauptsächlich bedenken, dass. wenn man nicht diesen Ernst u. remedium unverlangt 
vorkehrt, man unfehlbar vorhersehen kann u. man hiemit vorhergesagt haben will, dass mit 
den hier Btehenden Recruten u. solch scheinbarer blossen Formalität endlich u. endlich das 
ganze Land in die Rebellionsflammen — anerwogen auch hier zu München u. in diesem Rentamt 
die Gemüter sich sehr wankelmütig zu zeigen anfangen — mit aller Extremität ausbrechen wird. 
womit unmittelbar alles bunt über Eck gehen dürfte. Man zweifelt zwar nicht, dass in illo 
frangenti die Kreis- u. Reichstruppen von allen Orten u. Enden sich zusammensetzen, in Baiern 
einrücken u. sich zum Meister des Landes machen werden. Was aber dann für ein Nutzen 
für das kais. Interesse u. sonderlich für die italienische Armada daraus entspringen wird, können 
Euer Majestät von selbst genugsam erwägen; es kommt solchem nach auf die Frage an, ob es 
besser sei, mit einem Detaschement von 2000 Mann aus Tirol dieses Unwesen hier in Baiern 
gleich jetzt unverzüglich zu dämpfen u. die erfolgenden fructus davon inskünftig für das kais. 
Aerar beizubehalten oder aber in extremis durch fremde Hilfsvölker das Land über den Haufen 
werfen, mit Quartier u. sonsten auf das äusserste verheeren, verzehren u. rapite capite hin- 
nehmen zu lassen. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Dez. 1. München. 

272. Die Administration an die Reichskanzlei. 

Zu unserer grossen Bestürzung kommt diesen Augenblick durcli einen Expressen von 
Oberst de Wendt die Nachricht, dass Generalwachtmeister Graf Tattenbach ihm durch einen 
Zettel ') zu wissen gemacht, dass er wegen eines entstandenen Brandes Braunau an dieses leicht- 
fertige Gesindel übergeben habe u. für seine Person noch daselbst gefangen angehalten werde. 
Dies war nun eine unverhoffte Zeitung u. wir können unmöglich begreifen, aus was für einer 
Schwachheit sich Tattenbach dergestalten verloren, dass er diesen meisterlosen Canaillen, die 
nur Spiesse u. Stangen gehabt, nachgegeben u. einen so unverantwortlichen passum begangen 
hat, da er doch etliche 100 Mann zur Besatzung u. 581 Zentner Mehl an Proviant gehabt hat. 
welches darum eine gute Zeit in Braunau liegen geblieben war. weil es „etwas gemiechtelt". 
in einer Mischung mit gutem Mehl aber noch gar gut hätte verbraucht weiden können; endlich 

!) S. Nr. 215. 



120 

aber wäre in einer Not, wo er sich in wenig Tagen, ja Stunden eines Succurses vertrösten 
konnte, kein Gesetz gewesen, um sich, so gut es die Möglichkeit zugelassen, auszuhelfen. An 
Mannschaft, Munition u. dem nötigen schweren Geschütz war auch kein Mangel, so dass er 
nicht eine lange Zeit hätte zuwarten können, mit einem Wort, wir können einmal nicht 
begreifen, aus was für einer Fatalität dieser Streich aufgestossen. 

Nun ist zwar mehr der Affront als der Effect von diesem Platz zu bedauern, indem ein 
Ravelin schon fast ganz gesprengt, die Palisaden alle abgenommen u. viel daran ruinirt worden 
war; die "Wiedereroberung wird keine Schwierigkeiten machen, wenn man diese Canaillen mit 
einem guten Bombardement begrüssen u. eng blokirt halten wird, bei welcher Gelegenheit man 
auch das treulose Rentamt Burghausen bis auf das innerste Mark des Gebeines sacrificiren u. 
verheeren muss, was mit einer Militärpostirung gar leicht ins Werk gerichtet werden kann; 
folglich haben sich die Sachen noch nicht dahin verfallen, dass dieses Uebel nicht wieder kann 
abgewendet u. remedirt werden. Alles dies aber zeigt je länger je mehr, was wir diese ganze 
Zeit her so triftig vorhergesagt haben, daher wir auch nochmals darauf hinweisen, wie inständig 
wir den ganzen Sommer hindurch gebeten, dass doch zu der Demolirung von Braunau aus dem 
Land ob der Enns eine Anzahl Bauern beigeordnet werde; wir können anbei wohl versichern, 
dass, wenn man damals diese nun rebellischen Gerichte des Rentamtes Burghausen in grosser 
Anzahl beschrieben hätte, diese Leichtfertigkeit u. im Busen getragene Desperation unfehlbar 
schon im Sommer ausgebrochen wäre u. darf man daher wohl sagen, dass, wenn man der- 
gleichen Unglücksfall vorhersieht u. pflichtgemäss zu remediren sucht, die Sachen unter lauter 
Disceptationen u. Protestationen herumgezogen werden, bis endlich die traurigen Sequellen not- 
wendig ausbrechen. 

Um nun auf den jetzigen Stand der Sachen zu kommen u. selbigem zu steuern, so hat 
General Graf Bagni verordnet, dass Oberst de Wendt mit seinem Corpo vor Burghausen rücken 
u. es auf alle erdenkliche Weise wieder nehmen soll, da dort das Nest ist, in dem alle schäd- 
lichen Anschläge, Ausschreibungen u. Handhabungen als von einem Dicasterium des Landes 
angesponnen werden. Bei dieser Operation muss sich auch zeigen, ob die tumultuirenden 
Rebellen den Versuch machen werden, dem Platz zu succuriren, wobei wir dahingestellt sein 
lassen, was für weitere militärische Operationen der commandirende General anordnen wird. 

Um aber für jeden Fall alle Vorsicht zu gebrauchen, habe ich, Administrator, an die 
Benachbarten, den fränkischen Kreis, den Bischof von Eichstädt u. den Herzog von Württemberg 
geschrieben, damit sie für den Notfall einige Truppen bereit halten u. wenn nötig hieher 
schicken. Ich habe heute General Graf Bagni befragt, ob er fremde Hilfe für notwendig halte; 
er meinte jedoch, wie dies auch de Wendt geschrieben, mit den im Land befindlichen Truppen 
auszukommen; innerhalb drei Tagen, nach der Operation gegen Burghausen, wird sich die Not- 
wendigkeit weiterer Massnahmen zeigen. 

Es sind auch drei Bataillone Preussen im Anzug; wir zweifeln aber, ob sie sich dieser 
Fatigue werden unterziehen wollen; sie werden sicherlich die Erholungsquartiere in Ruhe geniessen 
wollen u. wer weiss, was noch für Bedenken darunter laufen. 

Die böhmischen Rekruten kommen wohl nacheinander an; aber ein guter Teil von ihnen 
wird noch aus Zwangsmitteln in Band u. Eisen mitgeführt, so dass man natürlicherweise mit 
diesen mehr exponirt, als versehen ist. 

Das Osnabrückische Regiment hat gute Offiziere, aber an Gemeinen sehr wenig, da es 
kaum 800 Köpfe zum Dienst ausmacht. Die Hälfte wird morgen zu de Wendt abmarschiren. 

Der commandirende General hat ferner verordnet, dass der Commandant von Schärding, 
nachdem dieser Posto schon meistenteils demolirt ist, sich überlegen soll, ob er sich getraue, 
den Ort zehn bis zwölf Tage gegen eine Einschliessung zu halten; ist dies nicht der Fall, so 
soll er suchen, die wenigen Stücke u. die Munition wegzubringen u. sich mit seinen Leuten 
nach Neuburg am Inn oder Passau begeben. 

200 Bauern sollen Vilshofen besetzt haben. Zu ihrer Vertreibung ist von Straubing 
Hauptmann Worazizki vom Regiment Guido Stahremberg zu Wasser oder Land geschickt 
worden. Es ist aber zu besorgen, dass, wenn diese Canaillen sich zwischen Inn u. Isar noch- 
mals erheben, dies ein grosses Contratempo sein dürfte. 



121 

Wir gehen den Truppen quoad oeconomicum mit alläussersten Kräften zur Hand, um alles 
zu Diensten zu bringen u. mobil zu machen, Bomben. Carcassen u. Feuerkugeln fertigen u. 
etwas von Stücken u. Böllern mit allem Zugehör equipiren zu lassen; wir richten auch Magazine 
in Wasserburg u. Mühldorf ein, so weit dies möglich ist. um daraus de Wendt zu verpflegen. 
Ein gleiches geschieht in Ingolstadt, Landshut, Straubing u. München. Da man aber nicht 
mehr die Mittel hat, etwas zu erkaufen, so hat man an die rebellischen Gerichte jenseits des 
Inns die Naturallieferung nach Wasserburg ausgeschrieben u. ein gleiches in der Gegend von 
Landshut getan. Unter der Hand vernimmt man jedoch, dass niemand sich dazu verstehen, 
sondern dass man den Ausgang des Bauernkrieges abwarten will. Jetzt wäre es an dem, dass 
man je eher je besser die Postulata u. die Praestation des quanti hybernalis den Ständen pro- 
poniren u. urgiren sollte. Nachdem aber gegenwärtig alles in einer solchen Zerrüttung u. 
Verbitterung ist u. das Rentamt München nichts anderes als einen solchen Causalem erwartet, 
dass der Pöbel die Köpfe gleichfalls zusammenstossen könne, u. zudem klar vor Augen liegt, 
dass von der Michaelisteuer nicht ein Kreuzer eingeht u. sie alles auf die Execution ankommen 
lassen wollen, so ist es notwendig, bis man besser die Oberhand gewinnen u. sich respectu 
brachii militari» in rechte Positur gesetzt haben wird, noch einige Tage zu dissimuliren u. con- 
niviren. Es ist hiebei aber zu bemerken, dass man bei diesem Totalruin des Landes das pro- 
jeetirte quantum hybernale nicht bekommen wird, wie auch die Cameraleinkünfte einen grossen 
Abbruch erleiden werden. 

P. S. Nachdem der Bericht abgefasst war, hat man es für gut angesehen, General Graf 
Bagni nochmals zu befragen, ob er einige Auxiliartruppen anher zu ziehen verlange. Er ist 
nun von seiner oben angeführten Meinung zurückgekommen u. hat die Frage bejaht. Wir haben 
ihn seine Ansicht schriftlich niederlegen lassen; sie geht dahin, dass er wegen der Beschleuni- 
gung des Abmarsches der Rekruten nach Italien vom Herzog von Württemberg zwei Regimenter 
zu Fuss u. ein Regiment zu Pferd, ferner die 500 Ansbachischen Grenadiere u. andere regulirte 
Truppen eilfertigst begehre. Demzufolge schicke ich, Administrator, meinen Kanzleidirector Hess 
zum Markgrafen von Ansbach, um zu sehen, ob man die Grenadiere unter leidentlichen Con- 
ditionen u. besonders dass man sie nach Belieben wieder entlassen, bekommen kann; er soll 
weiter von Nürnberg 3 — 400 Pferde zu erlangen suchen. Meinen Sohn sende ich zum Herzog 
von Württemberg. 

Wien H. H. St. A. 

1705. Dez. 1. Rosenheim. 

273. Der Kastner Franz v. Gropper an die Hofkammer in München. 

Zufolge des Befehles vom 20. Nov., der am 21. nachmittags l / z 1 Uhr eintraf, sind sogleich 
zwei Joche der Innbrücke abgebrochen u. die Schiffe von der anderen Seite herübergeführt 
worden. Nachdem Oberst de Wendt die Bauern bei Wasserburg geschlagen hatte, hat er die 
Verwilligung getan, da68 die Brücke wieder hergestellt u. für einen Uebergang tauglich gemacht 
werde. Hoffentlich ist damit nicht unrecht geschehen. Sollte aber wider Verhoffen eine feind- 
liche Partei den Versuch machen überzugehen, so wird das allhiesige kais. Gericht mit Zu- 
ziehung des Marktes sich dergestalt zur Wehr setzen, dass die feindliche Absicht verhindert u. 
die Brücke wieder abgeworfen werden kann. 

Wien H.H. St. A. 

1705. Dez. 1. Braunau. 

274. Kastner v. Prielmayr an den Vicedom Frhrn. v. Weichs in Burghausen. 

Auf Befehl der Regierung hat er sich gestern nach Braunau begeben u. die Sache so 
verwirrt u. unrichtig gefunden, dass es nicht zu beschreiben ist, indem kein Commando, keine 
Anstalt, keine Parition vorhanden ist. Er findet, dass man sich bei dieser Verwirrung, ohne 
dass man auch das Commando u. das Kriegswesen, was aber der Regierung u. ihm nicht zusteht, 

Abh. d. philoa.-philol. u. d. bist. Kl. XXVI, 4. Abb. IG 



122 

angreift, nicht um etwas annehmen könne u. solle. Der Ruin des Vaterlandes u. absonderlich 
der des Rentamts Burghausen steht vor Augen; der Grund liegt hauptsächlich darin, dass unter 
den commandirenden Offizieren kein Haupt vorhanden ist u. hiezu sich kein ehrlicher Mann 
kann u. wird brauchen lassen. Die commandirenden Offiziere suchen nichts anderes als Beute 
zu machen, was die Gemeinleute u. die gescheiteren Bauern wohl begreifen; dies wird sie 
veranlassen, andere u. mildere Gedanken zu schöpfen. Prielmayr wird hiezu in Vollziehung 
seiner Instruction keinen Fleiss sparen; er wird desshalb aus verschiedenen Gerichten die Ob- 
u. Gemeinleute zusammenrufen lassen u. ihnen umständlich vorstellen, wie sich die Sache verhält. 
Wegen der gefangenen Offiziere haben ihm die commandirenden Offiziere ein Schreiben 
behändigt 1 ) u. dabei gesagt, dass die Gefangenen nach der Rückkehr Prielmayrs freigelassen 
werden können, was Prielmayr bittet, ihnen zu ihrer Consolation mitzuteilen. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 1. Braunau. 

275. Die Gemein des Rentamts Burghausen an die Regierung. 

Die Gemein bittet das beiliegende Memorial dem Frhrn. v. Gemmel zu übermachen. 

Memorial an Frhrn. v. Gemmel der sämmtlichen Untertanen u. der Gemein des Rent- 
amts Burghausen. 

Nachdem Gemmel von der Landschaft wegen der Unruhen abgeordnet worden ist, haben 
die sämmtlichen Untertanen sich entschlossen, zur Erhaltung eines lieben Friedens einen Accord 
einzugehen, insofern ihnen in den Punkten, die sie demnächst überreichen werden, willfahrt 
werden wird. Die Landschaft möge die hilfreiche Hand bieten, damit die Sache bis dahin im 
jetzigen Ruhestand gelassen werde. Der Erzbischof von Salzburg wird durch eine Supplication, 
die der Regierung übersandt werden wird, ersucht werden, die Vermittlung zu übernehmen, dass 
die Sache in Güte debattirt u. gerichtet werden möge. Mit den alliirten Gerichten in den 
Rentämtern Straubing u. Landshuthat man wegen Kürze der Zeit nicht correspondiren können; 
es wird dies aber sogleich geschehen; man zweifelt nicht, dass sie sich gleichfalls dazu ver- 
stehen werden. 

Sämmtliche Untertanen u. Gemeinde Rentamts Burghausen. 

Anstatt deren unterschreibt Andr. Diller, verpflichteter 

Gerichtsprocurator zu Braunau als Gewalthaber. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 1. Wasserburg. 

276. Der Pfleger Joh. Albr. Frhr. v. Pienzenau an die Administration. 

Zufolge des kais. Befehles zur Anlage eines Magazins wurden die Beamten der rebellirenden 
Gerichte Kraiburg, Trostberg, Mörmoosen u. Kling sowie der Herrschaft Wildenwart zu Machung 
einer billigen Repartition nach der Zahl der Höfe auf heute hieher berufen; sie sind auch alle 
erschienen mit Ausnahme des Beamten von Wildenwart, der dem Vernehmen nach wegen des 
von den dortigen Untertanen sich angemassten Aufstandes wider ihn u. den Baron v. Schurff 
sich in München befindet. Nach dein beiliegenden Protocoll hat jeder der Beamten besonders 
sein Anbringen getan, um sich von dem Proviant- u. Fouragebeitrag für das Magazin „in etwas 
zu enthalftern." Der Pfleger hat aber dennoch das verlangte Quantum dergestalten repartirt, 
dass das Gericht Kling, das in 603 Höfen besteht, 518 Ztr. Mehl, 222 Schaffe! Hafer, 1036 Ztr. 
Heu u. 6216 Schab Stroh, das Gericht Kraiburg, das 172 Höfe enthält, 147 Ztr. Mehl, 63 Schäffel 
Hafer, 294 Ztr. Heu, 1764 Schab Stroh, das Gericht Mörmoosen, das 116 Höfe ausmacht, 
100 Ztr. Mehl, 42 1 /» Schäffel Hafer, 200 Ztr. Heu, 1200 Schab Stroh, das Gericht Trostberg, 



!) S. Nr. 262. 



123 

das 174 Höfe ausmacht, 149 Ztr. Mehl, 63 l /a Schäffel Hafer, 298 Ztr. Heu, 1788 Schab Stroh 
u. das Herrschaftsgericht Wildenwart, das in 100 Höfen besteht, 86 Ztr. Mehl, 36 1 / s Schäffel 
Hafer. 172 Ztr. Heu u. 1032 Schab Stroh in den nächsten Tagen unfehlbar hieher liefern soll. 
Der Pfleger bittet nun um Mitteilung, ob die Administration diese Reparation billigt oder ob 
dem einen oder anderen Gericht, wie Trostberg, das nach Angabe des Gerichtsschreibers ganz 
unschuldig sein soll, ein Nachlass gewährt werde; er bittet weiter, dass an die Gerichte ein 
geschärfter Befehl zu dieser Lieferung erlassen werde, damit sie sich diese um so förderlicher 
angelegen sein lassen. 

Protocoll. 

so gehalten worden über der Gerichtsbeamten zu Kraiburg, Trostberg, Mörmoosen u. Kling 
beschehene Erinnerungen wegen anbegehrter Lieferung in das kais. Magazin Wasserburg. 

Der Pflegscommissär zu Kraiburg Job. Casp. Koller erinnert, dass bekanntlich im ver- 
wichenen Sommer den 9. Aug. durch den Schauer die Sommerfrüchte dergestalt ruinirt worden, 
dass die Untertanen im Sommergetreide völlig samenlos wurden. Ueberdies hatte man erst dieser 
Tage das de Wendtische Corpo zwei Nächte zu verpflegen, wozu man nicht nur gegen 3000 Bund 
Heu u. einen Ueberfluss an Stroh beischaffen, sondern auch den Hafer von den dortigen Getreide- 
händlern auf Wiedererstattung borgen musste, woraus zu schliessen ist, dass das Gericht, wenn 
man anders die erarmten Untertanen nicht in den Bettel treiben will, nichts wird beitragen 
können, da sie das eingeschnittene Wintergetreide zur Beischaffung des Frühlingssamen höchst 
nötig haben u. dieses bei vielen nicht ausreicht. Doch will man sich auf keine Weise dem 
Befehl opponiren, sondern dem, was auf Bericht hin angeordnet werden wird, auch bei vor 
Augen sehenden Untergang der Untertanen nachleben. Es wird noch erinnert, dass wenigstens 
ein Drittel des Gerichtes diesseits des Inns gelegen ist u. dass von den dortigen Untertanen 
niemand auch nur den geringsten Aufstand unternommen hat u. demnach hoffentlich auch nicht 
zu der Anlage herangezogen werden wird. 

In Abwesenheit des Pflegscommissärs in Kling erinnert der Gerichtsschreiber Joh. Karl 
Pichler, dass er den sämmtlichen Untertanen den Befehl verlesen habe u. zur Beibringung des 
treffenden Quantums pflichtmässigen Eifer, so viel die Gerichtsmittel bei dem deimaligen Stand 
zulassen, anwenden u. einen Tag für die Lieferung bestimmen wolle. Ob aber die Anlage bei 
den täglich vorkommenden Hin- u. Hermärschen der Truppen, indem alle jenseits des Inns von 
u. nach Tirol kommenden oder gehenden Völker das Gericht betreten müssen, dann mit Rück- 
sicht auf den erwähnten Schauer u. andere den Untertanen zugefügte Schäden, die kein anderes 
Gericht in solchem Masse ausgestanden hat, abgeführt werden kann, steht zu erwarten. 

Im Namen des Gerichtes Trostberg erinnert der Gerichtsschreiber Balth. Schuler, dass die 
Untertanen schon vormals durch die Postirung, Schanzarbeiten u. immerwährende Aufgebote 
gegen Tirol, ferner durch die steten Hin- u. Hermärsche der Völker anderen Gerichten gegen- 
über sehr überladen waren, dass sie dann bei den zweimaligen feindlichen Einfällen das Lager 
gehabt u. ungemeine Plünderungen u. Brandschatzungen ausgestanden haben. Unter der jetzigen 
kais. Regierung sind die Untertanen, die grösstenteils an den Strassen wohnen, auf welchen die 
Truppen aus den kais. Erblanden nach Italien marschiren, totaliter ruinirt worden, da sie ausser- 
dem wie die anderen Gerichte die allgemeinen Bürden zu tragen hatten. Von diesen armen, 
bedrängten Untertanen hat bei den gegenwärtigen leidigen Conjuncturen noch kein einziger das 
Gewehr ergriffen, obwohl die Rebellen sie von Burghausen u. von Strass bei Wasserburg je 
einmal u. von Oetting aus zweimal unter Bedrohung mit Plünderung. Feuer u. Schwert auf- 
geboten haben. Am 28. Nov. ist, weil sie nicht mit dem aufrührerischen Pöbel gehalten, die 
wirkliche Execution erfolgt, indem bei anbrechendem Tag etwa 30 Schützen u. 50 Spiessler 
ganz unversehens das Schloss überfielen; sie wollten den Pflegscommissär in Arrest fortführen 
u. ihn so lange nicht entlassen, bis er nicht die begehrte Gerichtsmannschaft gestellt haben 
würde; endlich haben sie sich mit einem Erlag von Geld abfertigen lassen. Da nun der kais. 
Befehl nur auf die aufgestandenen Untertanen deutet, so lebt man der Hoffnung, dass die 
Gerichtsuntertanen nicht allein mit der Anlage verschont, sondern auch in Ansehung ihrer 
Devotion mit anderen kais. Gnaden unfehlbar angesehen werden. 

16* 



124 

Vom Gericht Mörmoosen erscheint in Abwesenheit des Oberbeamten der Gerichtsschreiber 
Anton Heiss. Er gibt an, dass die Untertanen durch den erwähnten Schauer dermassen an 
der Sommerernte getroffen worden sind, dass nicht nur diese, sondern auch die Gräserei u. die 
Obstbäume völlig zu Grund geschlagen wurden, so dass ein Untertan, wenn er sonst sechs Fuder 
Heu einzuheugen gehabt, heuer schwerlich den siebenten Teil davon gebracht hat. Ausserdem 
ist es allgemein bekannt, dass die an der Pollinger u. Eringer Landstrasse liegenden Untertanen 
durch die schon im fünften Jahr währenden Durchmärsche dergestalt zu Grund u. ins Elend 
gerichtet sind, dass es nicht menschenmöglich ist, sie mit einer Concurrenz für das Magazin zu 
belegen, zu gcschweigen davon, dass sie das in etlichen tausend Mann bestehende de Wendtische 
Corpo in diesen Tagen mit Bier, Brot u. Fourage versehen mussten, wovon die Kosten viele 
hundert Gulden betrugen. Man bittet daher, die Administration möge sich dieser erarmten, 
blutnötigen Tropfen erbarmen u. ein Mittel erfinden, dass sie bei häuslichen Würden verbleiben 
können u. nicht an den leidigen Bettelstab getrieben werden, was der Herrschaft nicht zum Nutzen, 
sondern zum grössten Schaden gereichen würde, indem sie weder an Anlagen noch an Steuern 
künftighin etwas erlegen könnten. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Dez. 1. Landshut. 

277. Joh. Wilh. Graf v. Königsfeld, Pfleger von Eggenfelden, an die Administration. 

Er hat sich ohne Licenz vom Amt wegbegeben, weil ihm die zusammengerotteten Burschen 
gedroht, ihn um Leib u. Leben sowie um Hab u. Gut zu bringen, da auf seine Veranlassung 
hin die Husaren nach Eggenfelden in das Quartier gekommen wären. Er musste sich kümmer- 
lich salviren; seine Eheconsortin, die noch ein paar Tage geblieben war, musste vor den zusam- 
mengerotteten Leuten alles im Stich lassen u. ebenfalls fliehen. Am Tage seiner Flucht sind 
die Burschen in Eggenfelden eingezogen u. in seine Behausung eingebrochen, wo sie ihm einen 
Schaden von 6 — 800 fl getan haben. Ob sie ihm inzwischen noch weiteres Uebel zugefügt, 
weiss er nicht, da niemand, selbst um den dreifachen Lohn nicht, sich dorthin wagt, teils wegen 
des de Wendtischen Corpo, teils wegen des herumschweifenden Gesindels. Er musste auch von 
seinem Gut Aichbach flüchtig gehen, da ihm auch die heroberen zusammengerotteten Burschen 
wegen der Husaren bedrohlich waren. Der Gerichtsschreiber, der gleichfalls in die Flucht 
getrieben worden war, befindet sich jetzt wieder beim Amt u. wird an seinem Amtsfleiss nichts 
erwinden lassen. Eben jetzt hat das Kriegscommissariat in Landshut den Pfleger mit Einquar- 
tirung belegt, obwohl er vor zwei Jahren von General v. Reventlow bei der Brandschatzungs- 
einforderung in Eggenfelden grossen Schaden erlitten hat u. sich jetzt auf der Flucht in Landshut 
befindet. Er bittet als ein wirklicher Beamter um Befreiung vom Quartier. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 1. Passau. 

278. Vernehmungsprotocoll. 

P. Kuchelmeister Seemüllner aus dem Kloster Michaelbeuern 1 ) sagt aus, dass er, um die 
Durchlassung des für das Kloster aus Unterösterreich heräufgebrachten Weines, der sich gegen- 
wärtig vor dem Sandtor am Inn in Passau befindet, zu bewirken, nach Braunau reiste, wo er 
am 29. Nov. gegen Mittag ankam u. eingelassen wurde. Die Festung war von den bairischen 
Bauern besetzt. Er hat glaubwürdig vernommen, dass die Rebellanten 9 — 12 glühende Kugeln 
in die Stadt geworfen, die zündeten u. neben der Spitalkirche bei 'sieben Häuser in Brand 
setzten; die Bürger hätten nach Wasser geschrieen; da sie aber solches nicht haben konnten, 
hätten sie den Commandanten angelaufen u. mit der Vorstellung, dass auf diese Weise die 



!) Michaelbeuern (auch Hofbeuern) 27 km südlich von Braunau; es gehörte zum Fürstbistum 
.Salzburg. 



125 

ganze Stadt in Asche geraten müsse, inständig um den Accord gebeten, was er nolens volens 
auch versprochen habe u. gewähren musste. Am 28. Nov. früh 7 Uhr siud die Bauern in der 
Ordnung eingezogen; der Einmarsch dauerte bis nachmittags 2 Uhr. Als sie dann die Plün- 
derung vornehmen wollten, haben die Bürger zeitlich davon Luft bekommen u. etliche Stücke 
gegen die Eebellanten gerichtet u. ihnen sagen lassen, dass, wenn sich einer zu spoliren unter- 
stehen würde, sie die Stücke auf sie lösen u. sich bis auf den letzten Blutstropfen defendiren 
würden, worauf die Plünderung unterlassen wurde. Dem General Grafen Tattenbach wurde Anlass 
gegeben, mit diesen Burschen durch ein honorario ein Abkommen zu suchen; sie warteten dies 
aber nicht ab, sondern drangen mit Gewalt in dessen Wohnung u. hatten an Silber u. Geschmeid 
schon etwas zu sich genommen, als der General ihnen 1000 Taler verreichte, mit denen sie 
zufrieden waren u. die weitere Beraubung unterliessen. Gleichwohl wurde er arretirt, unter 
dem Vorwand, er sei dem einen u. anderen noch etwas schuldig u. müsse vorher Richtigkeit 
machen. Die gemeinen Soldaten wurden von ihnen völlig disarmirt u. sodann nach Mattighofen 
u. von da in das Salzburgische convoyirt. Die meisten von diesen wollten bei den Rebellantcn 
Dienste nehmen; sie sollen aber nur solche angenommen haben, die vorher in bair. Diensten 
gestanden. Seemüllner hat mit eigenen Augen gesehen, dass sie an diesem Tag zwei Com- 
pagnien Dragoner aufgerichtet haben, die mit starken Pferden versehen wurden; acht Pferde 
des Generals v. Tattenbach u. die kais. Soldatenrosse wurden dazu genommen. Der Commandant 
in Braunau heisst Meindl, bei dem sich Seemüllner wegen Freipassirung des Klosterweines 
anmeldete u. sogleich das fiat erhielt. Er hat auch erfahren, dass von den Rebellanten 500 Mann 
gegen Oberst de Wendt detachirt sind u. dass etliche tausend, die keine Schiessgewehre, sondern 
nur Stecken, Gabeln u. dgl. gehabt, wieder nach Hause geschickt wurden, wofür aber andere 
angesagt worden waren. 

Joh. Jak. Sebald, Caplan in Esternberg, 1 ) sagt aus, dass gestern in der ganzen Pfarr alle 
Bauernsöhne u. Knechte u. wenn der Bauer keine solchen hatte, er selbst mitgehen mussten. 
Auch in den umliegenden Pfarreien sei Jung u. Alt aus Furcht vor dem angedrohten Brand 
mitgegangen, so dass bei den hinterlassenen Weibern u. Kindern nichts als Weinen u. Schreien 
sei. Ein zurückgekommener Bauer hat ihm gesagt, man habe sie, bei 600 Mann stark, in den 
Friedhof gelegt; er sei mit einem Patent zurückgeschickt worden, dass jeder Hof Futter, 
eine Klafter Holz und vier Laibe Brot in das Lager bei Schärding liefern solle; so viel er 
gesehen, stehe bei St. Florian 2 ) die meiste Macht, die über 5000 Mann stark sei; sie seien mit 
Aufwerfung einer Batterie beschäftigt u. obwohl sie einige Stücke bei sich hätten, wäre doch 
noch kein Schuss auf die Stadt geschehen, wohl aber sei von Schärding u. zwar vom Schloss- 
turm aus vielmals geschossen worden; vom Schneiderhäusel unterhalb des heil. Brunnen 3 ) aus 
habe man gesehen, dass von den bei St. Florian campirenden Buben etliche gefallen seien; 
unweit des heil. Brunnens habe er bei 600 Buben angetroffen, die im Faschinenmachen begriffen 
waren; der Anführer der Bauern, habe er gehört, soll Grünwald heissen; nach der Eroberung 
von Schärding sollen sie auf Straubing gehen wollen. 

Hans Adam Hausrucker, Bürger zu Obernberg, sagt aus. dass er am 29. Nov. Mittag von 
zu Hause weg gegangen sei; es war schon von den rebellischen Bauern Order vorhanden, dass 
die Obernberger an die Riedau am Inn Wagen für einige hundert kais. Soldaten stellen sollten; 
es wurde ihnen dies vom Richter u. vom Rat wirklich angesagt. Der Seppenhofer, den er gut 
kennt, hat ihm erzählt, dass sie Braunau eingenommen u. die Bürger den Commandauten. als 
er die Uebergabe verweigerte, tätlich angegriffen hätten; wenn der Bürgermeister Dürnhardt 
nicht gewesen wäre, hätten sie ihn totgeschlagen. Bei Einziehung der Bauern habe der Com- 
mandant acht Rosse u. die Garnison ihre Pferde u. alles Gewehr hergeben müssen. 

Bamberg Kreisanhiv. 



') Oberesternberg 8 km südöstlich von Passau; es gehörte zum Gericht Schärding. 

-) 1 km südlich von Schärding. 3 ) In Brunnenthal 2 km nordöstlich von Schärding. 



126 



1705, Dez. 1. Landshut. 



279. Extract aus einem Bericht des Regierungskanzleiverwandten Joh. Ben. Metzger als 
Begleitungscommissär des kais. Rittmeisters Campo. 

Ausserhalb Kronwinkl, zu Lern 1 ) wandte sich das Blättl, indem der Rittmeister zu Zus- 
dorf 1 ) durch seinen Fourier 20 fl erpressen Hess, die er aber auf die von den Bauern bei dem 
Commissär vorgebrachte Beschwerde ihnen zurückgab, in der Meinung, dass sonst nichts von 
seinen Erpressungen an den Tag kommen werde. Zu Erding aber berichtete der Pflegscom- 
missär, dass der Rittmeister sechs der dortigen Ortschaften habe heimsuchen lassen u. von ihnen 
60 — 70 fl erpresst habe. Der Pflegscommissär fügte bei, dass er die Administration der Re- 
stitution u. Bestrafung halber in Kenntnis gesetzt habe. Von da an ist keine Klage mehr vor- 
gekommen. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Dez. 1. München. 

280. Die Administration an den Vicedom Joh. Priedr. Grafen v. Aufsess in Straubing. 

Ihre hochfürstliche Eminenz von Passau hat das von dem Vicedom an sie gestellte Ersuchen 
der Administration mitgeteilt. "Was die Verstärkung der Garnison von Straubing u. die stärkere 
Besetzung der unteren Station, um dadurch die Passirung der Donau durch die rebellirenden 
Burschen zu verhindern, betrifft, so hat der commandirende General angeordnet, dass die in 
Vilshofen eingerückten rebellischen Burschen wenn möglich wieder delogirt u. die geschlossenen 
Orte Landau u. Dingolftng mit der erforderlichen Mannschaft besetzt werden; es wird dadurch 
die Gegend zwischen Donau, Isar u. Inn freigehalten, zumal da auch noch die eine u. andere 
Compagnie vom Bartelschen Kürassierregiment in dieses Revier verlegt werden dürfte. Ausser- 
dem wird in diesen Tagen noch das Lehozkische Husarenregiment u. andere Truppen gegen die 
untere Station anrücken. Was des Vicedoms Verlangen der Aufbringung von 10000 fl anlangt, 
so werden ihm inzwischen von der Administration 500 fl zur Geldverpflegung der Soldatesca 
zugekommen sein. Nach dem letzten Bericht der Regierung sind in Straubing noch 3452 fl 5 kr 
an Getreide u. Gefällen vorhanden, die im Notfall hergenommen werden können. Uebrigens 
geschieht gar wohl, dass man alle Obsorge nimmt, damit die rebellischen Burschen nicht über die 
Donau setzen u. die Waldgegend anzünden. Es ist dabei hauptsächlich dahin zu sehen, dass 
gute Kundschaft u. Correspondenz anher erhalten u. die Nachbarschaft nicht irr gemacht werde, 
da man nicht ermangeln wird, all jenes vorzukehren, was zu Conservation der Landen u. Ihrer 
Kais. Maj. Diensten gedeihen mag. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Dez. 1. — 3. Burghausen. 

281. Untertänigste Erklärung, zugleich Supplication an Ihro Hochfürstl. Gnaden zu Salzburg 
von der gesammten angrenzenden bairischen Gemein. 

Euer Hochfürstl. Gnaden wird die vor weniger Zeit unter uns entstandene neue Unruhe 
u. Empörung, so wie die Ursachen dazu teils aus Notorität, teils aus unsern ausgefertigten 
Patenten bekannt u. vermutlich deroselben, wie auch dero Untertanen sehr nachdenklich gefallen 
sein. Nun könnte es mit Vernunft von der ganzen Welt nicht verdacht werden, dass die eine 
oder andere Wacht gegen dero Grenzen aufgestellt u. auch etwelche von dero Untertanen ange- 
halten worden sind. Nichts desto weniger erklären wir hiemit u. versichern Euer hochfürstl. 
Gnaden u. dero Untertanen mit tiefster Reverenz, dass wider dieselbe fortan die allergeringste 
Feindseligkeit, Ungemach oder Beeinträchtigung von unserer Seite nicht mehr vorgenommen. 



J ) An der Strasse von Landshut nach Erding 



127 

sondern nur solche aufrichtige, gute, vollkommene nachbarliche Verständnis gepflogen werden 
soll, als es immer von uns zu erwarten sein mag, u. dass das bisherige aus keiner üblen 
Meinung beschehen, sondern aus voreilendem Unbedacht etlicher aus unseren Leuten herge- 
kommen sei. Wir haben bereits die Wachten abgestellt u. uns ingesammt dahin veranlasst, 
dass alles Commercium zu Wasser u. Land nicht gehemmt, sondern eifrigst befördert werde. 
Dahingegen gelangt auch an Euer hochfürstl. Gnaden unser Bitten, Sie geruhen bei dero sämmt- 
lichen an uns angrenzenden Untertanen — denn mit Ihro selbst begehren wir uns als blosse 
gemeine Leute keiner Handlung zu Prostituirung der höchsten Autorität zu unterfangen — - die 
Verfügung zu tun, dass wir von ihnen oder anderen unseren Widersachern aus oder durch deren 
Grund u. Boden nicht beeinträchtigt oder feindselig tractirt werden mögen. 

Antwort. 

Dem Ueberbringer dieses, Dr. Mayer, wird hiemit bedeutet, dass Ihro hochfürstl. Gnaden 
als Ordinarius u. hohe geistliche Obrigkeit ungern vernommen haben, dass ihre anvertrauten Schäfl 
in derlei gefährlichen Aufruhr sich eingelassen haben u. daher selbige väterlich hiemit dehortiren 
wollen, von derlei Beginnen, so endlich ihren gänzlichen Ruin nach sich ziehen dürfte, abzu- 
stehen u. ihre etwa habende billigmässige Beschwerde behörigen allerhöchsten Orts um deren 
Abhelfung anzubringen, wozu Seine hochfürstl. Gnaden, wenn sie als ein geistlicher Fürst u. 
Seelsorger etwas Beförderliches werden beitragen können, solches zu tun nicht ermangeln werden. 

Actum Salzburg den 3. Dez. 1705. 

Hochfürstl. Geheime Kanzlei allda. 
München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 2. Burghausen. 

282. Kastner Frhr. v. Prielmayr an Frhrn. v. Gemmel. 

Nachdem die Regierung allhier den aus dem gegenwärtig angeflammten u. bereits aller 
Orten des Rentamts ausgebrochenen Feuer hervorgehenden Totalruin des lieben Vaterlandes 
wehmütigst ansehen musste, hat sie nicht allein in corpore, sondern jeder Regimentsrat in 
particulari dahin gearbeitet, die Gemein auf andere u. mildere Gedanken zu bringen; man hat 
insoweit Erfolg gehabt, als vorgestern die hiesigen Gemeinleute selbst verlangt haben, nach 
Braunau zu gehen u. sich mit den anderen Gerichten zu unterreden, ob man nicht durch Accord 
erhalten möge, was die aufgestandenen Untertanen durch die Waffen zu erreichen suchen. Zu 
diesem Ziel u. Ende haben sie von der Regierung verlangt, ihnen Prielmayr nach Braunau 
mitzugeben. Dem wurde auch willfahrt. Prielmayr sollte der in Braunau entstandenen Unord- 
nung steuern u. sich bemühen, den erhitzten Untertanen mildere Gedanken ins Gemüt zu bringen. 
Er hat dies auch nach seiner Kraft getan; wie weit er aber mit seiner Commission etwas aus- 
gerichtet hat, gibt die Beilage, 1 ) deren Uebersendung an Gemmel die Regierung auf Verlangen 
der Gemein befohlen hat, zu erkennen. Die Regierung fände es sehr vorträglich, wenn sich 
Gemmel hieher oder an einen anderen sicheren Ort begeben möchte, um den Untertanen, bri 
denen er als ein in diesem Rentamt wohl angesessener Landsansässe ein gutes Vertrauen hat, 
mündlich zuzusprechen; seine Anwesenheit würde unzweifelhaft zu dem Werk mehreres bei- 
tragen u. beiderseits den gewünschten Effect erreichen machen. 

München Kriegsarchiv. 
») S. Nr. 275. 



128 

1705, Dez. 2. um 6 Uhr abends. Hauptquartier Badhöring. 1 ) 

283. Frhr. v. Gernmel an den Kastner Frhrn. v. Prielmayr in Burghausen. 

Er bestätigt den Empfang des Briefes Prielmayrs 2 ) u. des Memorials der Untertanen des 
Rentamts Burghausen. 3 ) Er hat daraus ersehen, dass die so hochsträflich aufgestandenen Unter- 
tanen sich eines anderen u. besseren bedacht haben u. eine Unterredung mit ihm wünschen. 
Gemmel hat dies dem Obersten de Wendt mitgeteilt u. mit einer beweglichen, dem Land zum 
besten gemeinten Remonstration so viel effectuirt, dass dieser sich von der ihm mit verfäng- 
lichem Ernst anbefohlenen militärischen Execution so lange zurückhalten u. das Rentamt, in dem 
sich die Principalrevoltanten zum höchsten u. äussersten Ruin des liebwerten Vaterlandes so 
freventlich zusammenrottirt haben, mit Feuer u. Schwert fernerhin verschonen wolle, bis der 
erbetene Congress gehalten worden. Zu diesem Ende trägt Gemmel kein Bedenken, hier im 
Hauptquartier, wohin u. wieder zurück de Wendt sicheres Geleit versprechen lässt, die zu einem 
Congress u. zur Unterhandlung begewalteten Untertanen anzuhören u. seine officia zur Con- 
servation u. zum Ruhestand dieser Landschaft beizutragen. Er erwartet die Abgeordneten 
morgen, wohl zeitlich u. zwar um so viel mehrers, weil er de Wendt zu einiger Gewogenheit 
bewogen hat u. damit der erhitzte Soldat, der ohnedies zur ausgelassenen Plünderung geneigt ist, 
vom weiteren Auslaufen abgehalten werden möchte. Nachdem die gefangenen Untertanen bereits 
entlassen worden sind, erwartet de Wendt auch die kais. Gefangenen unfehlbar mit den morgen 
herauskommenden Deputirten 

München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 2. Kais. Feldlager vor Burghausen. 

284. Frhr. v. Gemmel an die Regierung in Burghausen. 

Mit Vorwissen u. Verwilligung der Administration ist er eigens von der Landschaft in 
Ober- u. Niederbaiern hieher geschickt worden, um jedermänniglich in diesem Rentamt, wo die 
Untertanen wider Ihre Majestät höchst strafbarlich aufgestanden sind u. einige Mithelfer an 
sich gezogen haben, kund zu machen, welchergestalten Ihre Majestät durch dieser Revoltanten 
ungeziemendes Unternehmen veranlasst worden ist, der vormals geführten Resolution entgegen 
zu gänzlichem Verderben des werten Vaterlandes von allen Orten her ihre u. der Alliirten 
Truppen in grosser Anzahl anrücken u. diese rebellischen Aufwiegler zu geziemendem Gehorsam 
bringen zu lassen, wie denn zu den schon im Land stehenden kais. Truppen aus Böhmen, 
Schwaben, Franken u. anderen Orten verschiedene Regimenter in Baiern angelangt sind oder 
an die Grenzen anrücken. Er will solches der Regierung, der Bürgerschaft u. den in der Stadt 
befindlichen revoltirenden Bauernburschen wohlmeinend hinterbringen u. anfügen, dass Ihre 
Majestät, obwohl sie nicht unbillig die bisherige Widersässigkeit u. die entstandene wirkliche 
Rebellion in allerungnädigstes Missfallen zu nehmen u. mit der Schärfe zu verfahren Ursache 
hätte, aus angeborener Clemenz dermalen noch einmal die Güte brauchen u. sie wegen ihres 
üblen Unternehmens warnen u. dehortiren lasse. Solchemnach soll sowohl die Regierung u. die 
Bürgerschaft, als auch die in der Stadt u. im Rentamt Burghausen sich befindenden Revoltanten 
sich die ihnen aus diesem üblen Unternehmen erspriessenden üblen Sequellen u. die eigen- 
mächtige Ruinirung des werten Vaterlandes überlegen, sich vor Verheerung der Stadt, des herr- 
schaftlichen Schlosses u. der ganzen Landschaft treuherzig gewarnen lassen, wogegen er kraft 
des in seinen Händen befindlichen schriftlichen Befehles versichert, dass, wenn die Revoltanten 
sich ohne längere Verweilung submittiren, das Gewehr niederlegen u. sich aus der Stadt zu 
ihren Häusern begeben, die für heuer bevorstehenden Winterpraestationen unvergleichlich nicht 
so schwer als vor einem Jahr sein sollen. Man wird auch von dem kais. Hof selbst auf die 
von der Landschaft gemachten beweglichen Remonstrationen die Stellung der Mannschaft nach- 



!) 5 km nördlich von Burghausen. 2 ) S. Nr. 2S2. a ) S. Xr. 



129 

sehen u. das Land, wie immer möglich, verschonen; die Regierung soll dies wohl zu Gemüt 
ziehen u. der Bürger- u. Bauernschaft mit behörigen Umständen beweglich vortragen. 

Sollte aber diese kais. Gnade nicht sogleich stattfinden u. verfangen, sondern sie in ihrem 
auf das gänzliche Verderben abzielenden Unternehmen weiters verfahren, so haben sie versichert 
zu glauben, dass es zu Dämpfung des entstandenen Feuers endlich auf den von den Landes- 
kindern selbst verursachten Totalruin des Rentamtes u. des ganzen Landes ankommen wird, so 
sie sich alsdann selbst zuzumessen u. darüberhin allzu späte Reue u. unausbleibliches Blutver- 
giessen, wie sie leider schon zu Wasserburg u. Oetting zu Genüge empfunden, zu unaufhör- 
lichem Wehklagen, Trauern u. Seufzen ihrer Freundschaft, Weiber u. Kinder haben werden. 
Ueber welche in Commission habende, treumeinende Remonstration u. Dehortation eine unver- 
weilte, willfährige Erklärung zu Conservation des lieben Vaterlandes erwartet wird. 
Geschehen im kais. Feldlager vor Burghausen den 2. Dez. 1705. 

Der mit Vorwissen u. Einwilligen der hochansehnlichen Rom. kais. Administration 

zu München von einer gesammten löblichen Landschaft in Ober- u. Niederbaiern 

zu Dehortirung der Landrevoltanten abgeschickte Commissarius 

Wolf Heinr. Frhr. v. Gemmel. 

München Kriegsarehiv. 

1705, Dez. 2. Obernzell. 

285. Der Pfleger Christian Graf an die fürstl. Kriegsdeputation in Passau. 

Der Amtmann von Krämpelstein ist zwischen 3 u. 4 Uhr bei dem Pfleger erschienen u. 
hat berichtet, dass die Untertanen von Krämpelstein u. Pyrawang auf mehrmalige Androhung 
hin bei dem rebellischen Bauerngesindel erscheinen mussten u. noch nicht zurückgekommen sind. 
Die Rebellen sollen beabsichtigen, an den Grenzen Wachten aufzustellen, damit man nicht in 
das Land eindringen könne. Der Pfleger besorgt aber, da die Pyrawanger sich auch zu ihnen 
begeben u. mit ihnen einverstanden sind, sie möchten in Pyrawang oder Kasten mit den dortigen 
Zillen über die Donau setzen, um den hiesigen Markt zu plündern. Um dem vorzubeugen, 
wäre es gut. diese Zillen wegzunehmen. 

München Reichsarchiv. 

1705, Dez. 2. München. 

286. Gemeiner Landschaft in Baiern Verordnete u. Commissarii an die Administration. 

Bereits am 27. Nov. hat die Landschaft in einer Conferenz mit dem Oberkriegscommissär 
v. Löwenau ein Project abgefasst, wonach eine Cameralkriegsdeputation zur Erteilung der Marsch- 
routen, Regelung der Einlogirungen u. dgl. aufgestellt werden sollte. Es ist hierauf keine Re- 
solution erfolgt u. dem armen Land somit keine Abhilfe seiner Beschwerden zuteil geworden, 
die Drangsale haben sich vielmehr immer mehr gehäuft; die unaufhörlich ins Land kommenden 
Truppen haben keine Marschroute oder zeigen sie nicht vor; sie sind ohne Begleitungscommissäre, 
die notificirten, wo sie das Mittags- u. das Nachtquartier nehmen; sie halten auch nicht die 
von dem Reglement geforderte Disciplin; sie geben nicht zu erkennen, was es für Truppen sind 
u. welcher Offizier sie commandirt; sie logiren sich in geschlossene Plätze oder in Dorfschaften 
nach ihrem Gefallen ein u. nehmen die armen Bürger u. Bauern mit Einforderung u. Extorquirung 
von Victualien . Geld, Getränk u. was ihnen sonst abgeht u. einfällt, dergestalt unbarmherzig 
her, dass diese notwendig in das äusserste Verderben gestürzt u. inhabil gemacht werden, 
Steuern u. andere Praestationen reichen zu können. So hat. um nur das neueste zu erwähnen, 
das de Wendtische Corpo dem schlechten Märktl Frontenhausen in einem einzigen Nachtquartier 
2217 fl Unkosten verursacht, was etwas Entsetzliches ist, dem Markt Kraiburg aber, dein Ver- 
nehmen nach, ebenfalls in einem Nachtquartier gar über 3000 H; die Stadt Friedberg klagt über 
die „aufgesailte a Quartierlast u. dabei vorgehenden Gelderpressungen. Es ist sonach kein 
Wunder, dass bei solchem allzeit sich weiter ausbreitenden, ja das ganze Land überziehenden 

Abh. d. philos.-philol. u. d. hist. Kl. XXVI. 4. Abh. 17 



130 

Uebel, bei den Extorsionen, Plackereien u. Excessen ein solch armer, aller Hilfe beraubter 
Tropf, Bürger oder Bauer, der, wo er hinsieht, keine Remedirung findet, hingegen all sein 
Habschäftl verliert, sich die Alimentation für sich u. die Seinigen entzogen sieht u. sich einer 
baldigen Respiration u. Erholung nicht getrösten kann, endlich in eine Desperation verfällt u. 
dass sodann solch übler Effect eines unbesonnenen u. noch mehr schädlichen Aufruhrs erfolgt. 
Damit nun aber diesem Unheil, wiewohl es schon bei den Offizieren u. Gemeinen dergestalt 
eingewurzelt ist, dass fast keine Remedirung erklecklich ist u. es scheint, als wollten sie sich 
einer Ordonnanz u. einem Reglement, wie gut u. nachdrücklich sie auch ausgefertigt, nicht 
unterwerfen, vorgebogen werde, wiederholt man die eingangs gemachte Bitte u. macht folgende 
Vorschläge. 

Es möge, wenn nicht eine Cameraldeputation, wie es unter dem Kurfürsten gewesen, so 
doch ein Obercommissär von Seite der Landschaft, etwa Frhr. v. Gemmel u. neben diesem der 
v. Wächtern, die in militaribus u. vom Land eine sehr gute Information haben, aufgestellt u. 
an den Oberkriegscommissär v. Löwenau gewiesen werden; sie sollen miteinander über die 
militärischen Angelegenheiten, so weit das Land zu concurriren hat, verhandeln, der Landschaft 
hievon Mitteilung machen u. wenn es die Zeit leidet, ihre Zustimmung einholen. Man will sich 
nicht in die Verordnungen der Administration einmischen, sondern nur durch Vortrag der ein- 
laufenden Umstände die Mittel an die Hand geben, zu remediren. 

Es soll, wenn es nicht bereits geschehen ist, eine norma für die Verpflegung verfasst 
werden, die bestimmt, wieviel jedem Offizier an Geld, Naturalien, Mund- u. Pferdeportionen 
gebührt. Diese norma soll auch für die Winterportionen gelten. 

Wegen der Excesse soll monatlich Abrechnung gepflogen werden; Stände u. Untertanen 
haben schon vielfältig geklagt, dass sie zu einer Entschädigung nicht gelangen können. 

In den Rentämtern München u. Landshut will von der ausgeschriebenen Michaelisteuer 
nichts eingehen, so dass die Landschaft an die Zahlämter nichts liefern kann. Dagegen wird 
von ihr vom kais. Cassieramt, der Fabrica u. den Kaufleuten wegen der Prinz Eugenischen 
Anticipationswechsel immer Geld verlangt. Es ist desshalb notwendig, dass das Steuermandat 
wiederholt werde, da man sonst irgend eine Ausgabe bei dem völlig zerfallenen Credit u. dem 
allseitigen Geldmangel nicht mehr leisten könnte. 

München Reichsarchiv. 

1705, Dez. 2. Straubing. 

287. Bürgermeister Ulrich Oberhofer an die Landschaftsverordneten Ober- u. Unterlands in 
München u. Landshut. 

Er ist am 26. Nov. mit dem Prälaten von Vornbach 1 ) von Wien wieder abgereist. Sie 
kamen glücklich bis Peuerbach, 2 ) von wo aus noch drei Posten über Eisenbirn nach Passau 
sind. Da aber in dieser Gegend die aufrührerischen Bauernburschen versammelt waren, traute 
sich der Postmeister nicht weiter zu fahren u. wollte auch ihnen nicht dazu raten. Sie mussten 
von Peuerbach aus rechter Hand einen Mordweg über die höchsten Berge u. Steinklippen auf 
Engelhartszell nehmen u. von hier aus sich auf der Donau bis nach Passau hinauf „fliess- 
steinen" 3 ) lassen. Am 30. hat er den Prälaten ganz desolat, ja fast krank verlassen, weil 
dieser von seinem Kloster wieder lauter untröstliche u. gefährliche Nachrichten vernommen hatte, 
so dass er nicht unbillig im Zweifel war, ob er sich nach Hause getrauen dürfe oder in Passau 
bleiben sollte. Er, der Bürgermeister, ist auf dem weiteren Weg über die Berge jenseits der 
Donau mit der Post nach Deggendorf gefahren; hier ist er über die Donau gesetzt u. noch 
selbigen Tag um 12 Uhr nachts in Straubing angekommen. Graf Törring hat die Absicht gehabt, 
noch bis 1. Dez. in Wien zu bleiben; ob er die Rückreise gegen Passau oder, da der Aufstand 
indess grösser geworden ist, durch Böhmen machen wird, ist ihm nicht bekannt. 

München Kreisarchiv. 

J ) 4 km nördlich von Schärding. 2 ) An der Strasse Linz-Schärding. 

3 ) Die Fliesstein, gedecktes Passagierschiff zwischen Vilshofen, Passau, Engelhartszell. Schmeller- 
Frommann I, 784. 



131 

1705, Dez. 3. Kelheim. 

288. Kammerer u. Rat an die Administration. 

Am 25. Nov. hat der Magistrat gebeten, mit Einlegung von Soldaten verschont zu werden. 
Es ist aber am 27. Nov. von den sechs Compagnien des Generals Grafen Tattenbach der Haupt- 
mann Baron Gilani mit seiner Compagnie hier in das Quartier gerückt, wodurch der ohnedies 
ganz erschöpfte Bürgersmann noch mehr bedrängt wird u. der gemeinen Stadt durch Beischaf- 
fung von Holz u. Licht einige Unkosten aufgehen. Man bittet desshalb, diese Compagnie anders 
wohin zu verlegen, bevorab da dermalen dies Orts einige Gefahr nicht vorhanden oder zu 
besorgen ist. 1 ) 

Wien H.H. St. A. 

1705, Dez. 3. Burghausen. 

289. Sitzungsprotocoll der Regierung. 

Der Tambour, der mit dem von der Gemeinde u. der Bauernschaft an Prhrn. v. Gemmel 
gestellten Schreiben hinausgeschickt worden war, meldet ausführlich, dass Gemmel, nachdem er 
das Schreiben empfangen, sich damit zum Commandanten Obersten de Wendt begeben habe. 
Gemmel habe sich alsdann dahin verlauten lassen, dass zwei Herren vom Rat der Regierung 
zum Renzlbauern hinauskommen möchten, wo man sich auch ihrerseits einfinden würde, um zu 
sehen, was in den Sachen zu verhandeln sein möchte. Oberst de Wendt habe sich unter 
anderem auch vernehmen lassen, er werde den Instand nicht länger halten als bis 8 Uhr 
gegen den Tag. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 3. Braunau. 

290. Der Gerichtsprocurator Andr. Diller an Frhrn. v. Prielmayr in Burghausen. Cito, 
citissime. 

Auf das ihm von Prielmayr zugegangene Schreiben, wonach Diller den Hofbauer von 
Wurlach, den Plegel von St. Georgen u. jene Bauern des Gerichtes Mauerkirchen, die an der 
Abfassung des an Frhrn. v. Gemmel gesandten Memorials*) beteiligt waren, ohne Zeitverlierung 
nach Burghausen schicken soll, erwidert Diller, dass bei Abfassung des Memorials nicht nur der 
Magistrat, die ganze Gemeinde u. Bürgerschaft allhier, sondern neben dem Bauern von Wurlach 
auch verschiedene von den Gerichten Braunau u. Julbach u. von der Herrschaft Ering zugegen 
gewesen, die einhellig beschlossen, dass, weil die Gerichte der Rentämter Landshut u. Strau- 
bing bis dato hievon keine Wissenschaft hätten, die Bürger allhier auch die beschriebenen Rats- 
bürger nicht reisen lassen wollten. 

München Kricgsarcliiv. 

1705, Dez. 3. Braunau. 

291. Bürgermeister u. Rat an Frhrn. v. Prielmayr in Burghausen. 

Nachdem uns heute früh von dem hiesigen Stadt- u. PHeggerichtsprocurator Andr. Diller 
eine Ordonnanz vorgewiesen worden, inhalt welcher diejenigen Bürger u. Ratsfreunde, die zu 
der jüngst hier gehabten Versammlung begehrt worden u. dabei als Zeugen erschienen sind, 
neben anderen alsogleich nach Burghausen abgehen sollen, haben wir nicht ermangelt derent- 
wegen die verstandene Abordnung zu tun. Weil aber die hiesige Gemein u. Bürgerschaft wider 
solche Abordnung protestirt. wie aus der Beilage mehrers zu ersehen, als haben wir solches 
zur Nachricht u. zu unserer Entschuldigung überschreiben wollen. 

') Entscheidung der Administration: Ratio belli läset nichts anders zu. ' 2 ) S. Nr. 275. 

17* 



132 

(Beilage) Extract aus demRatsprotocoll der Stadt Braunau, 80 eingekommen den 3. Dez. 1705. 

Anbringen. Andr. Diller, Stadtprocurator allhier, edirt von der Regierungscommission 
in Burghausen eine Ordonnanz, kraft welcher die bei der jüngst allhier gehaltenen Conferenz 
erschienenen vier Bürger u. Ratsfreunde unverzüglich in Burghausen erscheinen sollen. Worüber 
geschlossen worden, dass solche vier Ratsfreunde dahin abreisen sollen, wobei auch der Fünfund- 
zwanziger von der Gemein erscheinen möge. 

Gegenerinnerung. Die gesammte Gemein u. Bürgerschaft protestiren wider die vorhabende 
Abordnung nach Burghausen, sonderbar weil Schärding u. auch andere Städte u. Märkte hie- 
von keine "Wissenschaft haben. Es ist ihnen dabei missfällig vorgekommen, dass etliche Rats- 
herrn der Stadt ein u. anderes mit Herrn Kastner v. Prielmayr ohne Vorwissen der Gemein 
vorgenommen haben. 

Antwort. Ein sämmtlicher innerer u. äusserer Magistrat hat an der Unterlassung der Ab- 
ordnung nach Burghausen weiter kein Bedenken, jedoch wollen sie, wenn hiedurch der Bürger- 
schaft u. Gemein ein Nachteil entstehen sollte, ohne Verantwortung sein. Fürs andere wird 
totaliter widersprochen, dass die nach Burghausen verlangten Bürger u. zugleich Ratsfreunde 
jüngst, als Herr v. Prielmayr sich hier eingefunden, das mindeste geredet oder in ihre Ver- 
handlung sich melirt haben, sondern man ist bloss ersucht worden, man möchte eingedenk sein, 
was er vor öffentlicher Bauerngemein u. Bürgerschaft rede. Weil man schliesslich vernimmt, 
dass die Gemein u. Bürgerschaft gegen den Magistrat eine Misstraurigkeit u. einen ungleichen 
Verdacht schöpfe, so wollen sie insgesammt, jedoch mit Consens höherer Obrigkeit den Ratssitz 
hiemit aufgeben u. der Bürgerschaft u. Gemein freigestellt haben, wen sie dann dazu setzen 
oder verordnen wollen. Im übrigen getrauen sie sich das, was bei jetzigen Conjuncturen bis- 
her gehandelt worden, gegen Gott, den Kaiser, den Kurfürsten aus Baiern u. die ehrbare Welt 
zu verantworten. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 3. Marktl. 

292. Dem edlen u. festen Herrn N. N. (Joh. Franz Hintreger) in Eggenfelden als unserm 
getreuen Freund. Ihm selbst einzuhändigen. Eggenfelden. 1 ) 

Wohlweiser, hochgeehrtester Herr Patron! Nunmehr möchten wir wissen, ob Sie dieses 
Mandat empfangen, welches da handelt von Aufbietung der Mannschaft. Wann Sie dann solches 
empfangen haben u. unserem Mandat nicht wollen nachkommen u. uns nicht wollen Gehorsam 
leisten, so werden Sie mit der unausbleiblichen Strafe gestraft werden. Um also solcher grossen 
Strafe zu entgehen, wollen Sie diesem unseren Mandat unverzüglich u. gleich alsobald nach- 
kommen, dass alle u. jede bei Gericht beschrieben werden u. zu uns nach Marktl noch heute 
oder doch zu wenigst heute in der Nacht geschickt werden, mit beigesetzter Lista mit Namen 
u. Taufnamen, wess Profession u. Vaterland sie sein mögen. 

Datum Marktl den 3. Dez. um 1 1 Uhr Mittag. 

P. S. Damit man auch unseren Befehl den Herrn von Pfarrkirchen soll zu wissen machen. 

Alle insgesammt commandirenden Offiziere. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 3. Regensburg. 

293. Der Magistrat an die Administration. 

Die Regierung in Straubing wird zweifellos schon berichtet haben, dass die rebellischen 
motus sich von Tag zu Tag dergestalt vergrössern u. dass die Rebellen sich bedrohlich ver- 



') Das Siegel zeigt die Buchstaben T. F. 



133 

nehmen lassen, Straubing ehestens zu attakiren. Wenn nun hierob sattsam abzunehmen, in 
welch misslichen Stand auch die hiesige E. K. M. allerdevoteste Stadt gesetzt werden dürfte, 
sofern sie noch länger von aller Hilfe entblösst stünde, so gereicht ihr zur innigsten Consolation, 
dass E. K. M. Principalcommissarius, Herr Cardinal von Lamberg, uns zu vernehmen gegeben, 
dass er einige Mannschaft hieher zu verlegen geneigt sei. Wir bitten daher, E. K. M. wolle 
so bald als möglich ob summum in mora periculum 300 Mann hieher schicken u. diese den 
Marsch omni modo beschleunigen lassen, ferner verordnen, dass. wie es höchst notwendig, 
die Stadt am Hof besetzt werde, welche Verfügung zur Rettung der hiesigen Stadt u. vorderst 
des Reichsconventes vor dem drohenden Unglück ein merkliches contribuiren wird. 

München Kriegsarchiv. 

1705. Dez. 3. Regensburg. 

294-. Der Kurfürsten, Fürsten u. Stände zu gegenwärtigem Reichstag allhier anwesende Räte, 
Botschaften u. Gesandte an die Administration. 

Wir zweifeln nicht, es werde unser am 29. Nov. abgelassenes Schreiben eingetroffen u. 
die darin wegen des bair. Bauernaufstandes vorgestellte Gefahr, wie sie an sich wahrhaftig ist. 
recht eingenommen worden sein. Nachdem nun aber die Sache stündlich mehr schlimmer als 
gut wird, indem die rebellischen Bauern sich der beiden Hauptströme Donau u. Inn u. aller 
bair. festen Plätze in Ermanglung der nötigen Besatzung u. Defension täglich mehr u. mehr 
bemächtigen, darin genugsam schweres Geschütz u. Munition erhalten, um viel schlimmere Dinge 
anzugehen u. mit Erfolg auszuführen, auch die Benachbarten in ihren Landen zu incommodiren 
u. andere Landesuntertanen zu gleichmässigem Generalaufstand zu bringen, wenn man nicht 
bald mit rechtem Ernst u. Eifer durch unverzügliche, zusammengesetzte Hilfe alle Kräfte zu 
Dämpfung u. Vertilgung dieser Unruhe den Reichssatzungen gemäss anwendet, so haben wir 
eine höchste Notdurft zu sein ermessen, unseren Herrn nicht allein davon Communication zu 
geben, sondern unter nochmaliger Repräsentation der äussersten Gefahr u. der dem Reich 
zu seiner höchsten Prostitution u. Beschimpfung daraus entstehenden Unglückseligkeit wieder- 
holt u. angelegentlich zu ersuchen, die Sache nach ihrer Wichtigkeit reiflich zu überlegen, 
sich selbst wegen der Angrenzung ohne Verlust eines Momentes vor Schaden zu sein u. an 
schleunigem Abmarsch der Truppen dem gemeinen Wesen zum besten u. zur Erhaltung der 
innerlichen Ruhe, auch zu ihrer eigenen Sicherheit nichts erwinden zu lassen, damit man mit 
desto mehreren Kräften die künftige Campagne gegen den Feind agiren könne, die sorgfältig 
gemachte Postirung im Elsass durch Avocation der Truppen nicht geschwächt u. diesem rebel- 
lischen Bauernvolk u. andern unter ihnen steckenden Bösewichten keine Zeit gegönnt werde, 
sich in solchen Stand zu setzen, dass man bei mehrerer Verweilung u. alsdann viel zu spät, so 
leicht u. bald nicht wie jetzt sie auseinander u. aus den festen Plätzen, es sei denn mit grosser 
Macht u. grossem Blutvergiessen, treiben könne, anderwärts aber das Eroberte dem Feind zum 
Vorteil, mit Verlust vieler Millionen verlassen u. vielleicht auch bei verstärkter feindlicher Armee 
nicht wieder erobert werde. 

Nachdem eine so grosse, vermessene Widersetzung unablässig mit Verwerfung der kais. 
Gnade von diesen Leuten verspürt wird, so hat Kais. Maj. u. das Reich bei verspürender hart- 
näckiger Beharrung um so weniger Ursache ihrer zu schonen, vielmehr alle Schärfe zu ge- 
brauchen. Wie wir an dem baldigen Anmarsch der Völker u. des Ausschusses zu Pferd u. zu 
Fuss, die in den bair. Landen mit Mund- u. Pferdeportionen verpflegen zu lassen vom Reichs- 
convent ob summum et praesentissimum periculum beschlossen u. die Kais. Maj. deswegen er- 
sucht worden ist, die nötige Veranstaltung durch deren Commissäre verfügen zu lassen, über 
Regensburg oder sonst den geraden Weg gegen Straubing u. wo es die Not erfordert, nicht 
zweifeln, also erwarten wir per Stafette eine baldige willfährige Antwort. 

München Kriejfsarchiv. 



134 

1705, Dez. 3. München. 

295. Die Administration an Frhrn. v. Gemmel. 

Nach dem letzten Bericht de Wendts wollen die aufgestandenen Burschen unterhandeln u. den 
Erzbischof von Salzburg als Vermittler gebrauchen, vorher aber sich mit ihren Interessenten oder 
sogenannten Alliirten der Rentämter Landshut u. Straubing unterreden. Wenn nun der Oberst 
ihnen die Hoffnung zu einem Accomodement machen will, so nehmen wir doch die Sache anders 
u. halten dafür, es werde von diesen Gesellen mehr beabsichtigt, durch solches Anerbieten Zeit 
zu gewinnen u. sich inzwischen in besseren Stand zu setzen, um ihr Beginnen desto füglicher 
auszuführen; dies ist auch daraus abzunehmen, dass sie auch Schärding wirklich berannt u. be- 
lagert halten, wodurch sie eine ganz andere Absicht zu verstehen geben. Es sei nun aber, wie 
es wolle, wir gedenken keineswegs uns mit diesen Rebellen in ordentliche Tractate einzulassen 
oder ihnen sogar eine Mediation zuzugestehen, da es in der Hauptsache bloss auf ihre pflicht- 
vergessener Weise verlorene Submission ankommt u. wir gar nicht zweifeln, man werde von 
Seite Salzburgs an der Mediation Bedenken tragen. Ein anderes wäre es, wenn sie um Inter- 
cession sich bewerben u. ihr vergangenes, so vermessenes Unternehmen bereuen sollten. Du 
bist für diesen Fall schon instruirt, wie weit Du Dich herauslassen u. die Dir aufgetragene 
landschaftliche Commission gegen uns valiren machen könntest, wobei aber aller anfangs ohne 
Anstand die Stadt u. das Schloss Burghausen zurückgegeben werden müsste. Wenn Du siehst, 
dass sich der Untertan zu dieser Submission nicht bequemen will, so hast Du dahin anzutragen, 
dass er unter einem Dir beifallenden convenienten Vorwand etliche Tage amusirt u. so weit 
gehalten werde, dass er im District des Rentamts Burghausen verbleibe u. das Feuer nicht über 
den Inn u. auch über die Donau schreite, da in wenigen Tagen mehrere Truppen einrücken 
u. wir sodann im Stand sein werden, diese Rebellen durch die Waffen zur Untertänigkeit zu 
bringen, so Du aber bei Dir zu behalten u. bei Deinen Pflichten ausser dem Obersten weiters 
nicht zu vertrauen hast. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 3. München. 

296. Die Administration an Prinz Eugen. 

Aus dem Schreiben vom 28. Nov. ersehen wir, was Dieselbe wegen des Bauerntumults 
für eine Intention führen; man hat dies an den kais. Hof berichtet. Wenn man jetzt auch 
zugestehen würde, dass man anstatt der Rekruten in natura das Werbegeld nehmen wolle, so 
ist es nicht mehr res integra, da die gravamina dieses losen Gesindels nach ihren im Land 
verbreiteten Patenten hauptsächlich auf drei Punkte ankommen: die Stellung der Rekruten, die 
grossen von den Soldaten verübten Excesse, ohne dass jemals darüber eine Remedirung erfolgt 
sei, u. letztlich die allzu überlästig aufdringenden Contributionen. Aus der hieraus entstandenen 
Desperation wird dieses tolle Volk alles auf die Extremität ankommen lassen. In der Relation 
an den Kaiser 1 ) ist schon ausführlich Erwähnung geschehen, dass hoc rerum statu nicht ein 
Kreuzer Contribution mehr eingeht, die Cameraleinkünfte merklich zurückgesetzt werden u. das 
projectirte quantum hybernale keineswegs zu hoffen ist. 

Damit aber diesem Unwesen gesteuert werde, hat man die Rekruten von Guido Stabrem- 
berg, Herberstein, Max Stahremberg u. Guttenstein nebst dem Osnabrückischen Regiment im 
Land angehalten u. in den nächsten Tagen werden auch die Kriechbaumischen Rekruten, die 
am 27. Nov. von Böhmen aufgebrochen, in das Land eintreten. Die Rekruten wurden nach 
Straubing, Ingolstadt, Landshut u. München verlegt, ein Osnabrückisches Bataillon dem de Wendt 
zur Verstärkung zugeschickt. 

General Graf Bagni wird über das militärische Commando einen eigentlichen Bericht ein- 
schicken; wir wollen aber nichts desto weniger succincter den kurzen Begriff narrando gleich- 



] 1 S. Nr. 272. 



135 

falls einfliessen lassen, dass nämlich de Wendt mit seinem Corpo unweit Oetting eine Bauern- 
postirung von 40 Mann, die sich zur Wehr gesetzt, vor vier Tagen völlig aufgeschlagen, sodann 
in Neuötting über 500 Bauern, die sich auf Gnade u. Ungnade ergaben, aufgehoben hat. Es 
ist zwar dem Obersten de Wendt allzeit der Entsatz von Braunau eingebunden u. aufgetragen 
worden; es ist aber dieser Platz zum Unglück auch verloren gegangen, worüber man bis zur 
Stunde noch keine einzige Particularität erfahren konnte. 

Nach Eintreffen dieser unverhofften Zeitung hat General Graf Bagni den Obersten de Wendt 
beordert, Burghausen wegzunehmen. Es haben aber die dortigen Inwohner ihn mit einer güt- 
lichen Composition bis zur heutigen Stunde amusirt; es scheint diesen Canaillen damit um so 
weniger Ernst zu sein, als sie den Erzbischof von Salzburg als Mediator vorschlagen u. melden, 
dass sie sich auch mit den Rentämtern Straubing u. Landshut wegen Eingehung eines solchen 
Vergleiches vernehmen müssten, so dass die abzielende Gelindigkeit noch ein weites Aussehen 
hat u. anbei klar zu begreifen ist, dass diese Rentämter bereits unter dieser leichtfertig an- 
gesponnenen Decke incorporirt sein müssen, zu geschweigen, was für impertinente Gesuche diese 
Canaillen sub forma der Tractaten auf die Bahn bringen werden, die aber aus höchster Re- 
putation S. K Maj. keineswegs einiges Gehör finden können. 

Unterdessen hat bei dieser Beschaffenheit der Oberst de Wendt einige Tage verstreichen 
lassen, innerhalb welcher er sich bei angekehrtem Ernst u. sonderlich durch Verursachung des 
Brandes, weil ex hoc motivo dieser Platz auch an die Bauern übergegangen, hätte zum Meister 
der Stadt machen können; es ist nicht zu zweifeln, dass unter dieser Frist u. Amüsement sich 
die Bauern in diesem Platz werden in bessere Positur gesetzt haben. Sonst wird noch berichtet, 
dass die Tumultuanten wirklich vor Schärding gerückt seien, so dass zu besorgen ist, es werde 
auch dieser Platz diesem Gesindel zu teil, da schon viel davon demolirt ist. Desshalb hat General 
Graf Bagni dem Obersten de Wendt aufgetragen, wenn er keine Hoffnung habe, Burghausen 
in wenig Zeit zu bekommen, sich in keine Belagerung einzulassen, sondern zurückzugehen u. 
diesseits des Inns in die Gegend von Pfarrkirchen zu rücken, um diese Seite zwischen Inn u. 
Isar von der vorhabenden Empörung zu zäumen u. zu sehen, ihnen einen empfindlichen Streich 
zu versetzen, indem, wenn der grosse Haufen dieses Gesindels aufgeschlagen wird. Burghausen, 
Braunau u. Schärding wieder zur Submission kriechen müssen, die übrigen im Land aber wohl 
die Lust verlieren, sich den kais. Waffen entgegenzusetzen. 

Sonst hat man allen Fleiss angekehrt, um vom Herzog von Württemberg zwei Regimenter 
zu Fu8s u. eines zu Pferd, so wie von Ansbach 500 Grenadiere zum Succurs zu erhalten. So 
bald diese ankommen, werden, wenn anders möglich, die Rekruten zur Armada in Italien ab- 
geschickt werden. Von den preuss. Bataillonen, die ebenfalls nach Italien gehen u. auf 3 Wochen 
in Baiern Refraichirquartiere haben sollen, hört man noch nichts. 

Es ist Euer Durchl. von selbst bekannt, welchen Abgang an Oberoffizieren man bei den 
in Baiern stehenden Truppen leidet, so dass, wenn dem Obersten de Wendt ein Zufall auf- 
stossen möchte, keiner dessen Vices führen könnte; man ist daher auf den Gedanken geraten, 
ob Euer Durchl. approbiren möchten, dass der Generalwachtmeister v. Kriechbaum sich hieher ver- 
füge; er könnte dem Commando bei dem formirten Corpo um so viel mehr vorstehen, da, wenn die 
Württembergischen u. Ansbachischen Truppen hieher kommen, ein General höchst notwendig ist. 
General Graf Bagni kann sich von seinem Posto nicht entfernen u. will, wenn der geringste Auf- 
stand im Rentamt Straubing entstünde, sich nach Ingolstadt auf seinen Posto verfügen. Man hat 
desshalb Kriechbaum eventualiter hieher invitirt u. ihm mitgeteilt, dass man dies Euer Durchl. 
u. dem kais. Hof berichten werde. 

Der Oberst v. Bartels ist zwar dermal als Commandant zu Landshut angestellt u. kehrt 
dort, so viel seine Möglichkeit zulässt, alle guten Veranstaltungen vor. Er ist auch mit Auf- 
richtung seines Regimentes Tag u. Nacht beschäftigt; von den hiefür bestimmten Prälaten- 
geldern ist schon einiges eingegangen; die Bischöfe von Passau u. Regensburg so wie der Erz- 
bischof von Salzburg haben ihre Dechanteien mit der diesfalls ausgeschriebenen Anlage wirk- 
lich belegt u. es ist nicht zu zweifeln, dass auch die Bischöfe von Freising, Augsburg u. Eich- 
städt diesem Beispiel folgen werden, so dass Bartels in seinem dissegno allerdings reussiren 
wird. Er hat auch bereits die Mannschaft complet u. etwa 430 Pferde beisammen. Man muss 



136 

aber Euer Durchl. hinterbringen, dass das Generalkriegscommissariatsamt diesen Offizier der- 
gestalt vexirt, dass es kein Wunder wäre, wenn sich seine Mannschaft schon längst verlaufen 
oder zu den Bauern geschlagen hätte, indem das Commissariat bis auf die heutige Stunde die 
Verpflegsgelder difficultirt u. keinen Mann, er sei denn völlig montirt, bewehrt u. beritten, 
assentiren will; ausserdem trägt es darauf an, dass an den capitulirten 90 Talern Werbegeld 
10 Taler abgebrochen werden, was verursacht, dass die Offiziere ziemlich zu Schaden kommen, 
wenn sie anders bei diesem harten procedere des Commissariats ihre Leute erhalten wollen. 
Unerachtet der Befehle des kais. Hofkriegsrates u. von Euer Durchl., dass die Barteische Mann- 
schaft zu verpflegen sei, legt das Commissariat eine Protestation um die andere ein; es wäre 
mithin höchst notwendig, wenn diesen Disceptationen ein Ende gemacht u. diesen Leuten zu 
ihrer Subsistenz die Notdurft gereicht würde. 

Wien Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 3. München. 

297. General Scipione Graf Bagni an Prinz Eugen. 

Aus meinem Bericht vom 22. Nov. haben Euer Durchl. die Beschaffenheit der in hiesigen 
Landen obschwebenden Conjuncturen ersehen. Gleichwie sich aber dieser Aufruhr immer mehr 
vergrössert, also ist man hingegen auch inzwischen auf alle mögliche Mittel bedacht gewesen, 
ä proportion als das Osnabrückische Regiment hier angelangt u. die meist zu Fuss gewesene 
Cavallerie nach u. nach beritten gemacht u. zum Dienst in Stand gebracht worden ist, den 
Obersten de Wendt mit mehrerer Mannschaft zu Pu6S u. zu Pferd zu verstärken, wie ich denn, 
nachdem am 25. Nov. das erste Osnabrückische Bataillon hier eingerückt ist, noch den selbigen 
Tag das hier in Garnison gelegene de Wendtische Bataillon ausziehen u. mit 100 Pferden, die 
mit der einst hier in der Fabrik verfertigten Montur, als Röcken, Mänteln, Stiefeln. Sätteln u. 
anderer Notdurft, auch mit dem in höchster Eile aufgebrachten Gewehr versehen, mithin zum 
Dienst in Stand gebracht worden, zum Renfort des Obersten de Wendt nach Mühldorf habe ab- 
marschiren lassen. Als am 26. spät abends das andere Osnabrückische Bataillon hier eintraf, 
habe ich den 27. von den hiesigen fränkischen Truppen einen Oberstwachtmeister mit 200 Mus- 
ketieren u. 100 Reitern, die, um keine Zeit zu verlieren, unbewehrt abgingen, nach Mühldorf 
folgen lassen u. den dritten Tag darauf das Gewehr den Reitern mit der Post nachgeschickt. 

Was nun die Operationen des Obersten de Wendt betrifft, so hat er zwar den 2000 aus 
dem Gericht Kling aufgestandenen u. vor Wasserburg versammelten Bauern einen mehrmaligen 
Streich angehängt, indem er gegen 400 niedergehauen, 450 gefangen bekommen u. etliche 100, 
die von den Rädelsführern zur Empörung gezwungen worden waren, pardonnirt, den Rest zer- 
streut u. auseinander gejagt hat. Ich habe ihm, bevor noch Burghausen in die Hände der 
Bauern geraten war, u. auch nach dessen Verlust zum öfteren nachdrücklich befohlen, auf alle 
menschenmögliche Weise zu trachten, die Festung Braunau zu secundiren u. von der Ein- 
schliessung zu befreien, alsdann es leicht sein würde, sich wieder in Besitz des Posto Burg- 
hausen zu setzen, weil man sich der Stücke, Mörser, Munition u. anderer Notwendigkeiten aus 
Braunau bedienen könnte. Inzwischen hatten sich zu Neuötting einige hundert Bauern postirt 
u. verlauten lassen, sie wollten sich zur Wehr setzen. De Wendt hat nun, bevor er von Mühl- 
dorf den Marsch zum Entsatz Braunaus fortsetzte, für notwendig gehalten, die in Oetting postirten 
Bauern über den Haufen zu werfen; am 28. hat er die aus 40 Bauern bestandene Yorwacht, 
obschon sie ziemlich auf ihn gefeuert, niedergehauen u. in Oetting 570 Bauern nebst 30 ab- 
gedankten Soldaten auf Gnade u. Ungnade gefangen genommen. Es langte nun sowohl von 
de Wendt als anderwärtig, wiewohl mit keinem rechten Grund, die ungefähre Nachricht ein, 
dass Braunau sich an die Bauern, die es nur einige Tage blokirt gehalten, ergeben habe. Man 
konnte dem um so weniger Glauben beimessen, als man sich keine Ursache für die Uebergabe 
denken konnte. Obschon man möglichst bemüht war, zuverlässige Kundschaft zu erhalten, konnte 
doch keine eingebracht werden. Am 1. Dez. erhielt man jedoch ein von dem Generalwacht- 
meister Grafen TatteDbach eigenhändig geschriebenes Billet, das ein feindlicher Tambour dem 



137 

Obersten de Wendt Dach Neuötting überbracht hatte. 1 ) Hierdurch wurde der Verlust dieses Posto 
confirmirt; von weiteren Umständen aber hat man bis heute nichts in Erfahrung bringen können. 
Bei solchem Zustand der Sachen hat man kein anderes Mittel vor zu sein erachtet, als Burg- 
hausen quovis modo recuperiren zu suchen, erstlich weil dieser Ort das Nest ist, worin als von 
einem dicasterio des Landes alle gefährlichen Anschläge angesponnen werden u. weil zweitens 
wir dann den Rücken sicher haben u. Braunau desto füglicher einsperren u. blokirt halten, 
mithin auf die eine oder andere Weise wieder in den Besitz dieses Posto zu kommen trachten 
könnten, zumal da die harte Winterszeit meines Erachtens nicht zulässt, diesen Platz zu atta- 
kiren, wir auch nicht im Stand sind, eine formale Belagerung vorzunehmen. Nun ist zwar 
gestern de Wendt, wie er berichtet, vor Burghausen eingetroffen u. hat den Ort durch einen 
Trompeter auffordern, im widrigen Fall ihn mit Feuer u. Schwert bedrohen lassen. Die Ant- 
wort war, dass sie mit dem von der Landschaft aus München abgeordneten Frhrn. v. Gemmel 
einen gütlichen Vergleich zu treffen, mithin Deputirte an ihn zu schicken u. sich Ihro kais. Maj. 
zu submittiren willens wären; sie bäten desshalb den Obersten mit der angedrohten Execution 
noch inne zu halten. Obwohl der Oberst sich Hoffnung macht, den Platz mit Güte zu be- 
kommen, so zweifelt man daran doch um so mehr, weil diese Rebellanten auf die Mediation 
von Salzburg antragen, sich vorher aber mit den Rentämtern Landshut u. Straubing darüber 
vernehmen wollen. Da dies nur lauter Amüsements sind, so habe ich de Wendt aufs neue be- 
fohlen, einen Versuch auf die Stadt zu tun oder sie im Weigerungsfall durch Hineinschiessen 
glühender Kugeln aus seinen vier kleinen Feldstückeln in Flammen bringen zu suchen u. zu 
forciren. Jetzt ist es um Schärding zu tun. welcher Ort, weil er schon zum Teil rasirt u. ausser 
Defensionsstand gekommen ist, den Bauern, die. wie verlautet, gleich nach der Uebcrgabe 
Braunaus den 29. davor gekommen, um ihn zu investiren, ohne allen Zweifel, wenn es nicht 
schon geschehen ist, heute oder morgen auch zu Teil werden wird. Ich habe zwar dem dortigen 
Commandanten, Oberstwachtmeister Büttner, sobald man nur von dem Verlust Braunaus das ge- 
ringste vernommen, sogleich durch einen Expressen Verhaltungsbefehl geschickt; da aber der 
Ort schon investirt u. nicht mehr hineinzukommen war, ist der Expresse unverrichteter Sache 
zurückgekommen. 

Die Rentämter Landshut u. München halten sich zwar noch in Ruhe; weil man aber, 
wenn Schärding auch verloren, eine weiters einreissende Empörung unfehlbar zu befahren hat 
u. demnach nicht zu trauen ist, so habe ich über die aus Böhmen in Baiern eingerückten neuen 
Rekruten, die Ihro kais. Maj. u. der Hofkriegsrat durch offenes Patent anzuhalten u. sich ihrer 
zu bedienen befohlen haben, so disponirt, dass die von Guido Stahremberg, die Deggendorf. 
Hilgartsberg u. Winzer an der Donau besetzt halten, nach Straubing, die von Max Stahrem- 
berg zur Verstärkung der Garnison nach Ingolstadt, die von Guttenstein nach Landshut 
u. die von Herberstein nach München verlegt werden. Inzwischen hat man zum Unterhalt des 
de Wendtischen Corpo in Wasserburg u. Mühldorf Magazine aufzurichten veranstaltet, um ihn: 
die Notdurft an Proviant u. glatter Fourage von dort aus abreichen zu können. Man ist auch 
bedacht vier schwere Stücke von Ingolstadt nach Landshut bringen zu lassen, um, wenn nötig. 
de Wendt damit an die Hand gehen zu können; man hat ihm auch zwei Feuermörser mit 
einigen wenigen, in der Eile hier zusammengebrachten Bomben zugeschickt. 

De Wendt verlangt weiter, dass zwischen Isar u. Inn in der Gegend von Pfarrkirchen 
einige hundert Mann zu Fuss u. zu Pferd postirt werden, um dadurch das Land im Respect 
zu erhalten. Dies wäre zwar eine ebenso notwendige als nützliche Sache, ist aber in Er- 
mangelung der Cavallerie nicht zu bewerkstelligen. Sobald aber ein Teil der seit zehn Tagen 
bestellten 200 Kürassier- u. 150 Dragonerpferde, von welch letzteren man in fünf bis sechs 
Tagen 100 Stück hier erwartet, eingetroffen ist, wird man die Cavallerie beritten machen u. 
einige Mannschaft zu Pferd u. zu Fuss bei Pfarrkirchen zu postiren sich angelegen sein hissen. 
Die Administration hat auch Hoffnung, von dem Herzog von Württemberg zwei Regimenter zu 
Fuss u. eines zu Pferd, so wie aus Franken 500 Grenadiere zu überkommen; es wäre dann 
nicht mehr nötig, die böhmischen Rekruten länger hier aufzuhalten. 

M S. Xr. 245. 
Abb. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl. XXVI. 4. Abb. 1- 



138 

Im übrigen darf ich nicht verhalten, dass an oberen Stabsoffizieren hier in Baiern ein 
solcher Mangel ist, dass bei der Infanterie u. besonders bei der Cavallerie niemand vorhanden 
ist, der sie commandire, da Oberst v. Hochberg wegen seiner im Treffen zu Höchstädt empfangenen 
u. noch nicht curirten Blessuren auf kein Pferd kommen u. keinen Dienst tun kann; bei dem 
einen Regiment ist nur ein Rittmeister, bei dem andern ein Leutnant, bei dem dritten nur ein 
Cornet vorhanden. Da der Oberst d'Arnan das Commando in der oberen Pfalz hat, so be- 
findet sich hier in Baiern niemand ausser dem einzigen Obersten de Wendt, der das formirte 
Corpo commandire. Wenn ihn eine Unbässlichkeit oder sonst ein Zufall ergreifen würde, wäre 
niemand vorhanden, ihn zu vertreten. Ich für meine Person aber habe hier genug zu tun, 
erstlich um der Administration wegen Herbeischaffung der erforderlichen Notdurft für das im 
Feld stehende Corpo anzuliegen, zweitens um die Dispositionen im Land hin u. wieder zu 
machen; drittens aber, wenn Schärding verloren geht u. Burghausen nicht wieder genommen 
wird, ist nicht zu zweifeln, dass die Rentämter Straubing u. Landshut sich empören; ich bin 
alsdann bemüssigt, mich ohne Zeitverlust auf meinen Posto Ingolstadt zu begeben, um diese 
Festung, von der doch das ganze Baiern dependirt, in Acht zu nehmen. Es hat desshalb die 
Administration wie auch ich für gut befunden, da man überdies einige Auxiliartruppen erhofft, 
den Generalwachtmeister v. Kriechbaum von Innsbruck hieher zu berufen, um das formirte 
Corpo, das von Zeit zu Zeit verstärkt werden wird, zu commandiren; inmassen nun Euer Durchl. 
dies selbst für eine unumgängliche Notwendigkeit ansehen, so werden dieselbe dem General 
v. Kriechbaum auftragen, sich un verweilt hier einzufinden u. das Corpo zu commandiren; ferner 
geruhen dieselbe von der Cavallerie einen Oberstleutnant u. einen Oberstwachtmeister hieher 
zu schicken; dem Hofkriegsrat habe ich dies schon bekannt gemacht. 

Wien Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 3. Salzburg. 

298. Der kais. Kriegscommissär Casp. Dietrich an die Administration. 

Das Schreiben der Administration vom 25. Nov. hat er am 28. nachts 10 Uhr in Laufen 
erhalten; im Vollzug desselben hat er sich am 29. nach Salzburg verfügt u. hier am 1. Dez. 
beim fürstl. Hof ausgewirkt, dass für die aus Burghausen ausgezogene, 110 Köpfe starke Zum 
Jungische Mannschaft der Weg über Reichenhall u. Lofer nach Kufstein bestimmt wurde, da 
die gerade Strasse nach Wasserburg versperrt ist. Zur Armirung der Mannschaft sind 100 Mus- 
keten, 10 — 12 Schuss Pulver u. Blei nebst den zugehörigen Lunten aus dem Zeughaus in Salz- 
burg mit der Bedingung abgegeben worden, dass, wenn in Kufstein die Auswechslung des Ge- 
wehres stattfinden kann, dieses nach Lofer zurück geliefert werde, da das Erzstift bei diesen 
Conjuncturen sich auf alle Weise in einen Defensionsstand setzen muss u. alles Gewehr selbst 
von nöten hat, aber doch dergestalten zu Zeigung schuldigster Devotion, damit der Marsch durch 
das Bairische über Reichenhall sicher gehe, ausgeholfen zu haben glaubt. Hauptmann Prändl 
ist mit einem Leutnant, einem Fähnrich u. 25 Mann des Zum Jungischen Regiments aus Italien 
hier eingetroffen, die mit den andern nach vorher gepflogener allseitiger Richtigkeit gestern von 
Laufen aufgebrochen u. mit einem Schreiben an den Landcommissär Meitinger in Kufstein, dass 
sie auf dem Wasser desto schleuniger nach Wasserburg befördert werden, abgeschickt worden 
sind. Vom Harrachisehen Regiment waren hier zwei verirrte Mann in Verpflegung, die mit 
den hier unter einem Feldwebel angekommenen, nach Wasserburg gehörigen etlichen 30 Mann 
auch dahin instradirt worden sind. Der Kriegscommissär für seine Person hat sich gestern 
anher nach Salzburg gemacht, weil das üble Wetter ihm auf der Reise das leidige Podagra 
mit Sand- u. Steinschmerzen verursacht hat, an welchem er in grösstem Geldmangel u. bei 
teuerer Zehrung, wesswegen er um gnädige Aushilfe bittet, darniederliegt, bis Gott wieder hilft 
u. Seine Excellenz ihm befiehlt, wann er sich wieder in seine Station zu verfügen habe, wie 
man denn hier wegen Burghausen gute Hoffnung hat. 

München Kriegsarclriv. 



139 

1705. Dez. 3. München. 

299. Christoph Dismas Frhr. v. Schurff an die Administration. 

Die Ton dem Verwalter meiner Herrschaft Wildenwart, Joli. Gebrath. eingereichte Be- 
schwerde ') über die von den Untertanen an ihm verübte grobe Schlägerei, Wegnehmung der 
Rekraten, Herauspressung der eingenommenen Winterportionsgelder. Zerreissung der Steuer- 
quittungen u. anderes wurde von der Administration durch einen Befehl vom 29. Nov. beant- 
wortet, wonach ich meinen Bericht erstatten, inzwischen aber den Untertanen im Namen S. Maj. 
auftragen sollte, dem Verwalter alles Abgenommene zurückzugeben; ich sollte ferner darauf 
sehen, dass die Rädelsführer ohne sonderlichen Rumor aufgehoben u. an das Gericht Rosen- 
heim abgeliefert würden, was aber meinen herrschaftlichen Rechten nicht präjudicirlich sein sollte. 

Diesen Befehl erhielt ich am 30. Nov. unterwegs, als ich mit den Meinigen auf der Reise 
nach München begriffen war. Da mir der Untertanen Raserei schon genugsam bekannt war, 
indem ich selbst von ihnen einen Streich an den Kopf u. einen Steinwurf auf den Rücken be- 
kommen habe u. durch die anderen Steinwürfe totgeworfen worden wäre, wenn ich mich nicht 
etwas vorgesehen u. gebückt hätte, so konnte ich ohne Leib- u. Lebensgefahr nicht wohl zu- 
rückkehren. Allein ich kann berichten, das» das Schreiben meines Verwalters allerdings in 
Wahrheit gegründet ist, zumal da ich mit meinem Streich u. Steinwürfen selbst mit dabei ge- 
wesen bin u. gesehen habe, wie sie den Verwalter ganz rasend u. unsinnig angefallen, ihm 
die Kleider vom Leib u. in viele Stücke zerrissen, auch ganz mörderisch mit Tremmeln tractirt, 
hernach die ihnen vorgezeigten Steuerquittungen durchlöchert, nicht weniger mit grosser Unge- 
stümigkeit die eingebrachte grosse Anlage zur Bestreitung der vorigen Winterportionen, die 
1500 fl betrug, bei Heller u. Pfennig zurückgefordert haben. Sie haben sich auch gegen 
mich verlauten lassen, sie wollten weder den Verwalter noch den Amtmann mehr dulden, 
so dass sich der Verwalter nicht mehr in der Herrschaft oder dem Dorf blicken lassen darf. 
sondern sich in Rosenheim aufhält; sie sagten weiter, sie wollten ohne Herrschaft u. Obrigkeit 
leben u. weder mir noch E. K. Maj. etwas verreichen. Bei solcher Bewandtnis kann ich dem 
Verwalter zu den von ihm erpressten Contributionsgeldern nicht verhelfen, sintemalen da die 
Untertanen u. vorderst die Rädelsführer ohne einige Ursache mir gegenüber den Respect ver- 
loren haben u. meine Anwesenheit in Wildenwart nichts fürtragen würde. Ich stelle desshalb 
zur Erwägung, ob nicht an die dortigen sogenannten Rechtssitzer eine wohlgeschärfte Signatur 
auszufertigen wäre, wonach sie die empfangenen Contributionsgelder ohne Zeitrerlierung u. bei 
Vermeidung der unfehlbaren militärischen Execution zusammenfordern u. mir nach München 
liefern sollen. Ich stelle gleichwohl in Zweifel, ob dies etwas fruchten werde. Sollte man aber 
dermalen einige Soldatenmannschaft entraten können, so würde meines Dafürhaltens das beste 
Mittel sein, dass man diese unvermerkt u. in aller Stille dahin abschicken u. einige Geiseln 
von 12 — 15 Untertanen wegnehmen u. hieher liefern würde, die so lange im Arrest zu ver- 
bleiben hätten, bis die erpressten Gelder wieder erstattet u. dem Verwalter neben Erstattung 
der entstandenen Unkosten u. des mörderischen Tractaments gebührende Satisfaction gegeben 
wäre, widrigenfalls jene, die sich mit einem Streich oder mit Worten an ihm vergriffen, mit 
wirklicher Leib- u. Lebensstrafe, anderen zum Kxempel. angesehen werden sollten; es wird 
sich sonst niemand mehr hervortun, um bei solchen Untertanen einen Verwalter abzugeben. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Dez. :'. Baumburg. 

300. Christoph Ernst v. Ernstburg, Hofrichter des Klosters Baumburg, an die Administration. 

Wenn bei diesen Conjuncturen u. bei dem Ausbleiben der I'ost zu trauen gewesen wäre, 
hätte er auf das von der Administration durch Unertl an den Prälaten von Baumburg gerichtete 
Schreiben, 2 ) das erst vor acht Tagen eingetroffen ist, weil es wegen Sperrung der Tore in 

') S. Xr. 205. 2 ) S. Nr. 145. 

IS* 



140 

Wasserburg einige Tage liegen geblieben war, schon geantwortet. Da er nun durch den 
Ordinari Münchner u. Salzburger Boten Andr. Lochner Gelegenheit zur Beförderung hat, be- 
richtet er erstlich, dass der Prälat aus Besorg der Plünderung u. des Brandes von Seite der 
Rebellen sich nicht getraut hat, sich in tarn arduo negotio gebrauchen zu lassen; er aber, der 
Richter der Hofmark des Frhrn. v. Lösch in Stein, der Bürgermeister u. Rat in Trostberg haben 
sich mittelst einer Correspondenz zusammen getan, sich zum Gericht Trostberg verfügt u. mit 
der dortigen Gerichtsgemein u. Versammlung umständlich conferirt, was auf die unter Bedrohung 
mit Plünderung, Schwert u. Brand von den Rebellen ausgefertigten Patente zu tun sei. Hier 
ist er, nachdem von dem Pfleggericht eine Proposition geschehen, mit Zuziehung u. Einver- 
stehung von Bürgermeister u. Rat, in Anwesenheit der völligen Versammlung hervorgegangen 
u. hat dem einen u. andern, dem Ansehen nach zum Aufstand inclinirten Gemüt seine Intention 
u. widrige Meinung mit dem Vortrag benommen — wie er dies ohne eitlen Ruhm melden kann, 
wie es die Erfahrung zeigen wird u. wie es die zugegen Gewesten bezeugen müssen — . indem 
er ausführte, dass diese Revolta oder dieser sogenannte Bauernkrieg keinen guten Anfang habe 
u. mithin auch kein gutes Ende nehmen werde u. keinen Effect zu hoffen habe, da bei diesen 
Leuten kein Commando, kein Proviant, viel weniger regulirte Mannschaft, sondern nur gemeine 
Leute u. Commandanten, wie sie genannt werden, u. unverständige Offiziere vorhanden wären; 
sie könnten auch nicht, wie sie vermeinen, auf einen Succurs hoffen, wie dies bei den Kaiser- 
lichen der Fall sei; ausserdem könne man sich nicht nur eine Feindseligkeit von Seite Salz- 
burgs, dessen Grenze u. Lande nur einen Büchsenschuss entlegen seien, sondern auch tirolerischer- 
seits eine Feindseligkeit oder wohl gar einen unverhofften Einfall auf den Rücken verursachen; 
man sollte desshalb nicht gleich also die Leute u. Untertanen auf die Schlachtbank geben u. 
die dem Kaiser abgelegte Pflicht u. Huldigung brechen, massen das unschuldige Blut von Weib 
u. Kindern über sie Rache schreien würde; es sollten sich daher alle, weil sie noch niemals 
meineidig geworden wären u. keine Waffen ergriffen hätten, auch ferner im Ruhestand u. bei 
Haus halten, sich dadurch einer kais. Gnade teilhaftig machen u. von den Rebellen die wirk- 
liche Gewalt, Ankunft, Plünderung oder Brand erwarten, bis sie in loco wären, sintemal da 
sie nicht gleich mit der Execution verfahren, sondern sich als gemeine Leute auch zuvor be- 
denken würden, wie sie denn auch solche Exempel noch nirgends statuirt oder in effectu de- 
ducirt hätten; es wäre dies bei diesem ungeordneten, irregulirten Volk nur eitle Drohung; vana 
enim sine viribus ira, wollte der Hofrichter sagen u. dgl. mehr, worauf die gerichtischen Ob- 
leute, dann andere Untertanen, auch Bürgermeister u. Rat u. der Richter von Stein ihr Sen- 
timent gegeben u. ihm beigestimmt haben, mithin auf solche Weise u. guten Anschlag — pro- 
testor de vana gloria, sed veritatem allego — das etwa heimliche u. vielleicht dem Ansehen 
nach bei einem u. andern im Herzen zuvor durch andere Instigation entzündete Feuer u. Complot 
gedämpft worden u. dieser Orten nicht ein einziger Untertan bisher die Waffen gegen S. K. M. 
ergriffen, noch sich aufgelehnt u. den Rebellen die geringste Assistenz getan hat; vielmehr 
haben sie declarirt, dieser guten Erinnerung u. Meinung jederzeit zu inhaeriren. Der Hofrichter 
hat in den ihm anvertrauten drei Hofmarken Altenmarkt, Chieming u. Truchtlaching noch immer- 
dar eine solche Politik u. Conduite gebraucht, dass bis auf diese Stunde allezeit der Ruhestand 
erhalten geblieben ist; er wird auch ferner bei den gerichtischen u. hofmärkischen Untertanen 
den möglichsten Fleiss anwenden; aus den oben angegebenen Umständen u. vorgestellten motivis 
haben sie ihn gebeten, auch ferner ihr Schützer u. Ratgeber hierinfalls zu bleiben, so er ihnen. 
weil sowohl die in den Gerichten Trostberg u. Traunstein, als seine Hofmarksuntertanen eine 
sonderbar grosse Liebe u. Affection gegen ihn tragen u. öffentlich zeigen, unveränderlich zu 
prästiren sancte versprochen u. zugesagt hat, dass er niemals weichen u. sich so leichter Dinge 
nicht schrecken lassen werde, obwohl ex parte adversa schon vier Patente angekommen sind. 
Aus all diesen Umständen u. in Consideration, dass der vor einem Jahr bei ihm im Quartier 
gewesene kais. Oberst v. Welzl ihm versprochen hat. ihm einen Dienst oder conditiones in kais. 
Landen auszuwirken, bittet er um Verleihung des Kastenamtes in Wasserburg oder um die 
Pflegsverwaltung in Trostberg oder Traunstein. im Fall sich wegen erzeigter disaffection u. 
rancoeur der Untertanen gegen die dermaligen Beamten, die dieser Orten vielleicht selbst nicht 
mehr zu verbleiben verlangen, eine Veränderung eintreten sollte. Das ihm von dem Münchner 



141 

Boten zur Beförderung übergebene Scbreiben der Administration an Bürgermeister u. Rat in 
Burghausen vom 1. Dez. konnte noch nicht befördert werden, da die Tore dieser Stadt gesperrt 
sind u. niemand aus- oder eingelassen wird. Von Oberst de Wendt ist eben ein Patent eingetroffen, 
wonach Vivres u. Fourage in sein Feldlager nächst Burghausen zu liefern sind. 

Wien H. H. St. A. 

1705. Dez. 3. Viechtenstein. 

301. Der Pfleger Jak. Herrnpöck an die fürstl. Kriegsdeputation in Passau. 

Fragt an, ob er die jetzt fällige letzte Quartalssteuer einziehen soll, da die Gefahr be- 
steht, dass die bairischen Rebellanten dies erfahren, was um so leichter geschehen könnte, da 
einige bairische Untertanen ihre hier liegenden Grundstücke zu versteuern haben, u. dass sie 
dann, da sie ganz geldbegierig sind u. schon verschiedene Posten an der Grenze der Herrschaft 
besetzt haben, am Steuertag einen gefährlichen Anschlag versuchen möchten. Er steht hier 
auf der verlorenen Schildwacht zwischen Furcht u. Hoffnung u. zwar je länger, je mehr, weil 
die Bauern sich von Tag zu Tag verstärken u. täglich näher kommen, wesshalb im Land ob der 
Enns an der Grenze schon das Flüchten angeht. 

München Reichsarchiv. 

1705, Dez. 4. Schärding. 

302. Accords-Puncta. so zwischen der in der Grenzstadt Schärding sich befindenden kais. 
Garnison, den Belagerten, einesteils, dann der kurfürstl. bairischen Landesdefension, den Be- 
lagerern, andernteils geschlossen worden. 

1. Soll dem Commandanten, allen Oberoffizieren u. der völligen Garnison mit Ober- u. 
Untergewehr, völliger Montur, klingendem Spiel, brennenden Lunten, Kugel im Mund, auch 
mit Sack u. Pack freier Abzug nach Passau verstattet u. sie dahin convoyirt werden. 

2. Der Ingenieur, der Zeugwart, die Büchsenmeister, der Proviantcommissarius mit seinen 
Rechnungen u. der Bagage, der Feldpater, der Commissfleischhacker u. ein Dragoner vom 
Herbevillischen Regiment sind befugt, in gleicher Weise abzuziehen. 

3. Alles schwere Geschütz mit der dazu gehörigen Munition, Kugeln u. Granaten, auch 
in Summa alles, was zur Artillerie gehört, soll passiren. 

4. Aller hier vorhandene Proviant soll abgefolgt werden. 

5. Die völlige Bagage u. die Pferde der Oberoffiziere mit ihren Knechten u. Gesinde, 
so wie alle hier befindliche kais. Montur soll passiren. 

6. Die zur Wegführung der Stücke, der Bagage, der Wägen, des Proviants u. der Munition, 
so wie anderer benötigter Vorspann u. der notwendige Convoy soll verschafft werden. 

7. Alle Beamten, nämlich Landrichter, Gerichtsschreiber. Maut- u. Aufschlagsbeamte, 
ferner alle Landgerichts- u. andere Schreiber, dann Bürgermeister u. Rat, nicht weniger der 
Dechant mit aller Geistlichkeit u. den Kapuzinern sammt aller Bürgerschaft u. Inwohnern, männ- 
lichen u. weiblichen Geschlechts, in der Stadt, worunter auch die Handwerksburschen u. herein- 
geflüchteten Gütler verstanden sind, sollen in Ruhe u. Sicherheit gelassen, auch nicht an Leib 
u. Leben, noch an Hab u. Gut beleidigt, auch dies niemand anderem in keinem Weg ver- 
stattet werden. 

8. Die Stadt soll bei allen ihren alten Privilegien, Freiheiten u. Gewohnheiten, auch in 
freiem Handel u. Wandel zu Wasser u. zu Land mit In- u. Ausländern gelassen u. ge- 
schützt werden. 

ü. Die in der Stadt befindlichen fremden Kauf leute u. Savoiarden sollen mit ihren Waren 
u. effeti ungehindert frei passiren. 

10. Es soll bei der abziehenden Garnison nicht die geringste Anwerbung oder Abredung, 
wie es auch immer geschehen möchte, tentirt werden. 

11. Wenn aber etwas von den Gütern u. effeti. die die bairischen Offiziere in der Stadt 
hüben, durch die Garnison distrahirt wurde, so soll alles wieder von ihr gut gemacht werden. 



142 

12. Die Garnison soll indistincte sechs Monate lang nicht wider Baiern dienen. 

13. Wenn die eine oder andere Mine angelegt wäre, soll die Garnison schuldig sein, sie 
vor dem Abzug heilig zu entdecken. 

14. Alle diese vorgeschriebenen Punkte sollen von beiden Teilen ganz ungeschwächt u. 
heilig gehalten werden. Derjenige, so darwider handeln oder sie schwächen wird, soll für einen 
Meineidigen gehalten u. an Leib u. Leben gestraft werden. 

Urkundlich dessen ist dieser Accord von beiderseits contrahirenden Teilen eigenhändig 
unterschrieben u. mit ihren Petschaften bekräftigt worden. 

Dieser Accord wird durch die von der gesammten bairischen Landesdefension Abgeordneten 
resp. Begewalteten im Namen deren hiemit unterschrieben u. approbirt. 

Joh. Ferd. Leonh. Rainer von u. zu Hackenbuch, 

Schützenhauptmann, 
Christian Ziegler, kurbairischer Adjutant, 
Wolf Andesner, Corporal von den Schützen, 
im Namen der gesammten Gemein. 
München Reichsarchiv. 

1705, Dez. 4. Braunau. 

303. Bürgermeister u. Rat an die Gemein in Burghausen. 

Auf das von einer Gemein in Burghausen an den Gerichtsprocurator Diller abgelassene 
u. uns communicirte Schreiben, wonach neben den Bauern auch einige Bürger nach Burghausen 
abreisen u. einen gütlichen Accord treffen sollen, wird so viel antwortlich angefügt, dass, gleich- 
wie man sich von Seite der Bürgerschaft vorhin niemals zu einer Erscheinung oder Schliessung 
des gütlichen Accordes eingelassen hat, die Bürger, nämlich Bürgermeister Dürnhardt, Stadt- 
kämmerer Angermair, Lebzelter Ebenpöck, Postmeister Pocher u. Handelsmann Mertinger bei 
dem vom Kastner v. Prielmayr den Bauern gemachten Vorhalt auf dessen Ansuchung nur als 
Zeugen u. keiner anderen Ursache halber dabei gewesen sind. Also kann man sich auch der- 
malen in solchen Accord noch nicht meliren oder eine Abordnung tun, mit dem Anhang, dass 
gestern von der sämmtlichen Bürgerschaft der Landesdefension die Pflicht abgelegt worden ist. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 4. Obernzell. 

304. Der Pfleger Christian Graf an den fürstl. Hofmarschall Gottlieb Grafen von Kufstein 
in Passau. 

Hat sich auf Befehl des Grafen heute nach Krämpelstein begeben. Der Amtmann sagte 
ihm, dass sich im Schloss weder eine Wache noch sonst jemand befinde. In Pyrawang dagegen 
befindet sich eine Wache von einem Corporal u. über 1 00 Bauern, unter diesen die nach Pyra- 
wang u. Krämpelstein gehörigen Untertanen der Pflege Obernzell. Sie sind aufgeboten worden, 
damit sie bei ihren Häusern verbleiben u. nicht mit den andern gehen müssen. Es ist ihnen 
schon dreimal unter Bedrohung mit Plünderung, Totschlag u. Brand eingesagt worden, sich zu 
stellen, so dass sie zur Verhütung dessen endlich hinausgegangen sind. Man kann aber Gott 
nicht genug danken, dass man sie zur Aufstellung dieser Wache zu Hause gelassen hat. Die 
übrigen in Pyrawang befindlichen Bauern sind anstossende Untertanen; man braucht sich nicht 
den geringsten Gedanken zu machen, dass gegen das Hochstift etwas Feindseliges unternommen 
werde; es haben desshalb die Untertanen in Pyrawang gebeten, ihnen die Fischerzillen nicht 
wegzunehmen; wenn aber die Wache verändert u. etwas Widriges gegen das Hochstift vor- 
genommen würde, so wollen sie zur Erzeigung ihrer Treue ihre Zillen selbst nach Obernzell 
abliefern; sie bitten aber, dass man sie in Ansehung ihrer jederzeit bezeigten Treue u. weil 
sie nicht mitzuhalten begehren, im Fall ein kais. Einfall geschehen sollte, vor aller Gefahr schütze. 

München Reichsarchiv. 



143 

1705, Dez. 4. Obernzeil. 

305. Der Pfleger Christian Graf an den fürstl. Ilofmarschall Gottlieb Grafen v. Kufstein 
in Passau. 

Eben diesen Augenblick lässt der Amtmann in Krämpelstein durch sein Weib mitteilen, 
dass sich das rebellische Bauernvolk an die steinerne Brücke zu Schildorf u. nach Pyrawang 
in unzählbarer Menge gezogen habe; sie wollen auf der Donau niemanden auf- oder abwärts 
reisen lassen u. wenn am linken Ufer auf der Strasse Fuhren nach Passau gehen, übersetzen, 
alles wegnehmen u. die Leute nach Schärding bringen. Sie erzählen auch, dass Schärdiug 
in ihre Hand gekommen sei. Der Pfleger ist in Sorge wegen des Uebersetzens der Rebellen 
über die Donau mit darauffolgender Plünderung von Obernzeil; die in Passau befindlichen Ge- 
musterten wären wohl von nöten, um diesem heillosen Gesindel versichert entgegenzugehen. 

München Reichsarchiv. 

1705, Dez. 5. Im Lager bei Burgbausen. 

306. Frhr. v. Gemmel an die Administration. 

Nachdem Oberst de Wendt am 1. Dez. unterhalb St. Margarethen mit sehr grosser Be- 
schwerlichkeit die Alz passirt u. sich selbigen späten Abend, um die Communication an den 
Inn u. den Hauptpass Ilöhenwart zu erhalten, bei Badhüring vor Burghausen gelagert hatte. 
haben er u. ich die Stadt u. alle, so drinnen waren, am 2. in aller Frühe durch gewöhnliche 
Patente zu einem gütlichen Accord ermahnt u. so viel zuwege gebracht, dass die Revoltanten 
am 3. in aller Frühe einen Ort zu einem Congress u. zu einer mündlichen Unterredung ver- 
langten. Dies wurde ihnen auch solchergestalten zugestanden, dass sie ihre Verordneten in das 
Hauptquartier nach Badhöring schicken sollten; sie haben aber dies recusirt u. die Ansuchung 
getan, man möge den Congress an einem dritten Ort anstellen, was auch geschehen. Man ist 
in dem Imhofischen Garten nächst der Einsiedlerklausen 1 ) vor dem Feldlager zusammengetreten 
u. der Schluss ist dahin gegangen, dass ich mit dem Kanzlisten Glasmann gegen genügsame 
Geiseln, so der kais. Mautner v. Oexl, zwei Bürger der Stadt u. zwei Bauern von den Revol- 
tanten gewesen, noch selbigen späten Abend um !» Uhr durch das Johannestor in die Stadt 
gekommen bin. wo ich unter dem inneren Tor in dem sogenannten Graben von dem kais. Kastner 
v. Prielmayr, einigen aus dem Stadtrat u. aus der gemeinen Bauernschaft empfangen u. mit 
einer starken Wacht in das mir bei dem Bürgermeister Harter ausgezeigte Quartier geführt 
wurde. Ich habe noch selbige Nacht ihnen ein u. die andere Remonstration u. Dehortation 
über ihr übles Unternehmen getan u. so viel zuwege gebracht, dass sie, weil es sich auch 
auf Braunau u. die unteren Gerichte bezogen, ausser der schon vorhin nach Braunau geschickten 
Stafette noch zwei Expresse nach Braunau u. Schärding, das von ihnen berannt war, abordneten. 
Am 4. wurde auch eine Abschickung einiger Bürger u. Obleute berufen, worauf ich, ohne das 
Eintreffen der Abgeordneten von Braunau abzuwarten, meine Commission mit langem, beweg- 
lichem Zureden wiederholt eröffnet habe, in der Hoffnung, wenigstens die in der Stadt befind- 
lichen Revoltanten zur Submission, Ablegung des Gewehres. Abtretung der Plätze Braunati u. 
Burghausen u. dass sie sich nach Haus u. Hof in Ruhe begeben möchten, zu bewegen. 
Es haben aber diese aufgestandenen Leute sich keineswegs unter einander verstehen können, 
indem ein Teil u. fast die Vornehmsten aus den Gutgesinnten auf Zusprechen des Hof kastners 
v. Prielmayr Ziemlichermassen zur Submission geneigt war. wahrend der mehrere Teil auf 
seinem übel angefangenen Unternehmen verharren wollte, bis endlich die nach Braunau u. in 
das Lager bei Schärding abgeschickten Expressen zurückkamen, die Uebergabe Schärdings 
meldeten u. mitbrachten, dass nach solcher Eroberung niemand mehr erscheinen wolle. Da- 
durch hat sich alle Hoffnung auf Submission zerschlagen u. ich wollte unverrichteter Sachen 
zurück ins Lager, um de Wendt von allem Rapport zu machen. Unterdessen kam ganz spät 



l ) In der Nähe der Küramemiskapelle auf halbem Weg von Burghausen nach liadh 



144 

am Abend der nach Salzburg zum Erzbischof geschickte Iiegierungsadvocat Mayer zurück nach 
Burghausen u. berichtete, dass der Erzbischof in dieser Verwirrung interponiren wolle. Es 
haben sich daher die Principalen der Revoltanten nochmals zusammengetan u. auf eifriges Zu- 
sprechen des ihnen von der Regierung mit Gewalt zugeordneten Commisarii v. Prielmayr end- 
lich sich zu einem vermeinten Stillstand erklärt u. mir dies in der Nacht nach 10 Uhr behändigt. 
Da weder ich noch de Wendt hierüber instruirt oder hiezu bevollmächtigt sind, schicke ich das 
Original ein u. erwarte Befehl. Als ich heute um 2 Uhr früh aus der Stadt abreisen wollte, 
hat sich ein unversehener blinder Lärm ereignet, dass man sogar mit Glocken angeschlagen 
hat u. alles, was sich nur rühren u. Waffen tragen konnte, zusammen u. auf die Wälle u. zu 
den Toren gelaufen ist. Ich konnte in solcher Verwirrung nicht aus der Stadt kommen u. 
stand mit Glasmann u. allen, die ich bei mir gehabt, bis gegen l \%b Uhr in grösster Lebens- 
gefahr, massacrirt zu werden. Solchem nach bin ich erst um 10 Uhr morgens bei de Wendt 
angelangt, dem ich alles referirt habe. Er teilte mir dagegen mit, was ihm für eine Order 
aus München zugeschickt worden; hiedurch. so wie wegen des sollicitirten Stillstandes fand 
er sich bcmüssigt, sämmtliche Oberstleutnante, Oberstwachtmeister, Hauptleute u. Rittmeister 
zusammen zu rufen u. im Beisein meiner u. des Kanzlisten Glasmann einen gewöhnlichen Kriegs- 
rat zu halten, was bei solchem emergenti u. weil Schärding verloren gegangen sei, die Revol- 
tanten sich allerseits auf 18 — 20000 Mann verstärkt hätten, er hingegen mit der unter ihm 
stehenden wenigen Mannschaft u. mit dem anrückenden Osnabrückischen Bataillon nicht über 
2000 Mann habe u. nicht einmal mit der höchst notwendigen Artillerie u. den Requisiten ver- 
sehen sei, nun zu allerschuldigstem Dienst u. Nutzen E. K. M. zu tun sei, ob man nämlich 
mit dem Degen in der Paust an Burghausen anlaufen, dieses wenige Corpo, das die meiste 
force in Baiern sei, hazardiren oder über die Salzach verteilen oder den Stillstand in so lang 
eingehen sollte, bis alles der Administration hinterbracht u. von dieser eine Resolution u. Order 
erfolgt sei. Die Vota sind einhellig dahin ergangen, dass man den verlangten Stillstand bis 
auf eintreffende Order bewillige, da das Corpo gar zu schwach u. ohne Artillerie u. Requisiten 
sei, um die Stadt par force zu erzwingen; in dieser hätten sich bei unserer Ankunft nicht 200 
bewehrte Mann befunden, wie Oberstwachtmeister de Valair berichtete, sondern es seien über 
600 wehrhafte Mann, ohne die Bürgerschaft, in der Stadt gelegen u. den Tag nach unserer 
Ankunft seien in aller Frühe noch etliche tausend Mann mit einigen Stücken eingezogen, die 
sich von Stunde zu Stunde über den Salzachfluss vermehrt hätten, wie dies alles ein als Geisel 
im Lager befindlicher Bürger in dem gesessenen Kriegsrat öffentlich ausgesagt hat. Durch den 
Stillstand werde auch verhütet, dass die Rebellen weiter in die Rentämter Landshut u. Straubing 
eindringen u. die dortigen Untertanen aufwiegeln; auf kais. Seite gewinne man aber Zeit, so 
dass mehr regulirte Truppen anrücken u. das Corpo, wie es die Not erfordert, verstärken 
könnten. Dem hat denn auch de W T endt vernünftigerweise beifallen müssen, der bisher u. so 
lang ich bei ihm gestanden, gewisslich getan, was er nur immer hat tun können, was auch alle 
Offiziere attestiren werden. Wenn aber die Revoltanten sich auf den Erzbischof von Salzburg 
berufen, so wird meines Erachtens nicht darauf zu consideriren, sondern mehrers zu glauben 
sein, dass er sich in diesen Aufstand schwerlich meliren wird. 

Eben während ich dies schreibe, kommt nochmals ein Tambour aus der Stadt mit einem 
offenen Brief, wonach sie nochmals einige an de Wendt abordnen wollen. Ich werde noch 
abwarten, was ihr Anbringen ist u. mich sodann selbst wieder nach München zurück begeben 
u. alles mit mehreren Umständen referiren; unterdessen wird der Bringer dieses ein so anderes 
mündlich mehrers erläutern. 

München Kriegsarchiv. 



145 

1705, Dez. 5. München. 

307. Die Administration an den Hofkriegsrat in Wien. 

Nachdem bei den obschwebenden rebellischen Troublen mehrere Truppen herangezogen 
u. Ton einem Teil derselben ein Corpo formirt werden musste, bei dem Oberst de Wendt das 
Commando führt, so ist doch zu betrachten, dass, wenn diesem der mindeste Zufall aufstossen 
möchte, kein dergleichen Oberoffizier hier im Land vorhanden ist, der das Commando über- 
nehmen könnte, anerwogen General v. Bagni sich von seinem Commando in Ingolstadt nicht 
entfernen, sondern bei einem im Rentamt Straubing ausbrechenden Aufstand sich dahin ver- 
fügen will. Man hat es daher für eine unumgängliche Not angesehen, den Generalwachtmeister 
Frhrn. v. Kriechbaum, der sich dermalen in Innsbruck befindet, anher zu berufen, damit er 
das Commando bei dem formirten Corpo um so viel mehr führen möchte, als man nächster 
Tage zwei würtembergische Regimenter zu Fuss u. eines zu Pferd, so wie 500 Ansbachische 
Grenadiere erwartet, alsdann aber, wenn wider Verhoffen mit diesen Truppen ein General 
kommen würde, keine Difficultät ratione des Commandos sich ereignen dürfte. Der Hofkriegs- 
rat wird daher ersucht, solches zu approbiren. Der Oberstwachtmeister de Valair, der einige 
Zeit in Kufstein gestanden u. auf der Reise nach Wien von den Bauern gefangen genommen 
u. nach Burghausen gebracht worden war, ist wieder auf freien Fuss gekommen u. hat hier 
über ein u. anderes Rapport erstattet. Weil die gute Conduite u. Kriogsexperienz dieses Offi- 
zieres gerühmt wird, er auch in seiner Gefangenschaft Particularnachrichten überkommen hat. 1 ) 
so hat man für Ihro Maj. Dienst sehr gut zu sein befunden, ihn zum de Wendtischen Corpo 
zu schicken u. ihn dort zu Kriegsdiensten gebrauchen zu lassen. Er hat gebeten, dies dem 
Hofkriegsrat mitzuteilen, damit ihm sein Ausbleiben nicht zum Nachteil gereiche. Weiter ist 
aus dem Reich der Oberst Graf Eckh, dem vom Markgrafen von Baden hier das Winterquartier 
angewiesen worden ist, angekommen; General Graf Bagni will ihn zum de Wendtischen Corpo 
abschicken; die Administration hat dem, quoad militaria, nichts beizusetzen, sondern bittet um 
eine Verfügung des Hofkriegsrates. 

Wien Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 5. Sehärding. 

308. Die sämmtlichen Offiziere an Oberstwachtmeister Büttner in Passau. 

Bei der einmarschirenden Mannschaft hat sich wider alles Verhoffen eine Rebellion be- 
geben; sie hat sich unterstanden, die auf Zillen befindliche Bagage wegzunehmen. Auf des 
Herrn Landrichters u. aller Offiziere eifriges u. erschreckliches Abstellen aber ist gleichwohl 
das meiste hievon wieder zusammen gebracht worden; etliche von unseren Offizieren sind hiebei 
von ihnen schändlich blessirt worden. Man ist erbietig, allen Abgang mit Geld oder in natura 
gut zu machen, bittet desshalb um Ueberschickung einer Specification u. ersucht, dass der mit- 
gegebene Convoy, die Pferde u. Wägen hierin nichts zu entgelten haben. 

München Reichsarchiv. 

1705. Dez. 5. Schärding. 

309. Die kurbairische Landesdefension an den Bischof von Passau. 

Wir geben aus gutgemeinter nachbarlicher Verständnis hiemit zur sicheren Nachricht, 
dass die kurbair. Festungen Burghausen. Braunau u. Schärding nunmehr wirklich an uns über- 
gegangen sind, wie wir denn die in den drei Plätzen gelegenen kais. Garnisonen bereits haben 
abziehen u. ausser Land convoyiren lassen. Und weil wir denn dieses angefangene Werk, das 
bloss u. alleinig zur Beschützung des ganzen Vaterlandes angesehen ist u. damit wir von den 



') Im Entwurf stand ursprünglich: sonsten alier mit seinem Oberstleutnant in einigen Missver- 
stiindnissen steht. 

Abb. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl. XXVI. 4. Abh. 19 



146 

bisher uns von S. K. M. aufgetragenen unerschwinglichen Anlagen u. andern höchst beschwer- 
lichen Bürden wieder befreit werden mögen, mit der Gnade Gottes noch weiter auszuführen u. 
endlich den bisher erwünschten Frieden zu erlangen hoffen, so haben wir das nachbarliche Ver- 
trauen, man werde keineswegs suchen oder gedenken, uns von Passau aus die geringste Unge- 
legenheit zu causiren, viel weniger eine kais. Garnison einzunehmen, damit wir nicht wieder 
von da aus ein u. den anderen Schaden zu befahren haben, wie wir dann dagegen kraft dieses 
versichern wollen, hinfür nicht allein mit der Stadt Passau, sondern mit dem ganzen Bistum u. 
allen anderen auswärtigen Orten alle vorige nachbarliche Einigkeit zu pflegen u. dem gemeinen 
Wesen u. dem commercio den ungehinderten Lauf zu geben. Im widrigen Fall aber würden 
wir gedrungen, u. es wird uns auch ganz nicht zu verdenken sein, wenn wir hierinfalls auch 
auf andere Mittel gedenken u. in Zeiten solche Präcaution veranstalten würden, dass wir vor 
allem weiteren Schaden sicher leben möchten, gestalten wir denn desshalb durch diese eigene 
Stafette Resolution u. Assecuration schriftlich zurückerwarten, im übrigen aber zu nachbarlichem 
Verständnis u. Einigkeit uns bestens empfehlen wollen. 
Actum Schärding den 5. Dez. 1705. 

Kurbair. Landsdefension. 

P. S. Die in Schärding gelegene Garnison wird morgen als Sonntag von da abziehen, 
ihren Marsch nach Passau antreten u. dort unfehlbar ein Nachtquartier halten, worauf denn in 
eventum sowohl mit der Verpflegung als mit Vorspann anzutragen ist, massen die Garnison in 
allem 20 Wägen, jeder mit vier Pferden bespannt u. 20 leer angeschirrte Pferde von nöten hat. 
Die kais. Garnison besteht aus dem Commandanten, zwei Ilauptleuten, zwei Leutnanten, einem 
Ingenieurhauptmann, acht Büchsenmeistern, zwei Proviantoffizieren, einem Zeugwart, u. vom Feld- 
webel an in 400 Gemeinen. 

München Reichsarchiv. 

1705, Dez. 5. Passau. 

310. Statthalter u. Räte an die -in Schärding commandirenden Offiziere. 

Auf das durch Stafette eingelaufene Schreiben erwidert man, dass man von Seite Passaus 
niemals intentionirt gewesen ist, gegen Schärding oder andere Orte etwas Feindliches zu ten- 
tiren, wie man denn auch eine kais. Garnison oder eine andere Vorsehung, die eine auswärtige 
Offension nach sich ziehen möchte, niemals vorgehabt hat noch hat. Bei solcher der Sachen 
Bewandtnis kann man daher die begehrte Versicherung geben; man wird auch nicht unterlassen 
wegen der Convoyirung u. weiteren Promovirung der in Schärding gestandenen Garnison die 
nötige Veranstaltung zu machen. 1 ) 

München Reichsarchiv. 

1705, Dez. 5. Passau. 

311. Statthalter u. Räte an den Bischof von Passau, Cardinal Job. Philipp Grafen v. Lamberg 
in Regensburg. 

Uebersenden das Schreiben der kurbair. Landesdefension aus Schärding vom 5. Dez. u. 
die nach reifer Ueberlegung erteilte unverfängliche Antwort hierauf, die durch eigene Stafette 
übersandt wurde. Bitten um Entschliessung, wie sie sich zu verhalten haben, wenn die Rebellen 
wider Verhoffen weitere Instanz machen u. kategorisch verlangen sollten, dass auch künftig 
keine kais. Garnison eingenommen werde. 

München Reichsarchiv. 



*) Im Entwurf folgt noch der folgende gestrichene Satz: Man hofft dagegen, dass die zu Pyrawang 
u. an anderen Orten nächst der Donau dem hiesigen Hockstift u. der hiesigen Stadt zum Präjudiz auf- 
gestellten Wachen eingezogen u. anderes, was feindlich scheinen könnte, unterlassen werde. 



312. Patent. 



147 
1705, Dez. 5. Hauptquartier Stammham. 1 ) 



Kraft dieses wird dem Pfleggericht Eggenfelden, dem darin gelegenen Markt u. den Hof- 
marken aufgetragen, gleich nach Verlesung, weil man zur Defension u. Beschützung des Landes 
die darin befindliche Mannschaft von nöten hat, die Anschaffung zu tun, dass sich diese morgen 
Mittag in dem Markt unfehlbar einfinde. Sofern wider Hoffen solches nicht geschehen möchte, 
wird dem Gericht hiemit angedeutet, dass es mit Feuer u. Schwert vertilgt wird. Wir versehen 
uns, dass demjenigen nachgelebt u. die Schützen u. die junge Mannschaft allhier zu kommen 
angehalten werden. 

Joh. Hoffmann 
S. kurf. Durchl. in Baiern löbl. Landesdefension bestellter Obrister. 

In Abwesenheit des Pflegers, Jos. Wilh. Grafen Königsfeld gibt dies der Gerichtsschreiber 
Joh. Franz Hintreger dem Gericht „der schuldigen Vollziehungs willen" bekannt. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 5. Pfaffenberg. 

313. Kammerer u. Rat an die Regierung in Landshut. 

Gestern sind hier etliche wohl wehrhafte Leute mit einem offenen Patent de dato 30. Nov. 
aus Braunau u. der Unterschrift der sämmtlichen Commandanten u. Offiziere allda angekommen 
u. haben begehrt, dass man ihnen die Ausgewählten sammt den Schützen so wie die Gewehre 
alsogleich verschaffen solle. Wir haben uns aber dessen geweigert, weil solches von dem Gericht 
angeschafft werden muss u. wir unser Gewehr nach Landshut schicken mussten. Sie haben sich 
endlich damit beruhigt, aber nicht nachgelassen, bis wir ihnen das Mandat zweimal haben ab- 
schreiben u. ihnen vidimirt haben zustellen lassen. Wir konnten dies so wie die Stellung eines 
Boten nicht abschlagen, weil in dem Mandat steht, dass der, welcher sich widersetzt, mit Feuer 
u. Schwert gestraft werden soll, was, da der hiesige Ort ganz offen ist, durch ein oder zwei 
Personen gar leicht geschehen könnte. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Dez. 5. Nürnberg. 

314. Bürgermeister u. Rat an den Reichsconvent in Regensburg. 

Das Gesuch vom 3. Dez. um Zusendung von Mannschaft gegen den bair. Aufstand hat 
man mit Bestürzen u. Betrauern erhalten. Man kann jedoch dem Verlangen nicht entsprechen, 
da keine geworbene Mannschaft mehr hier vorhanden, der wenige Ausschuss hierorts hochnötig 
ist u. es bei dergleichen Begebenheiten den Landmann selbst zu bewaffnen u. zumal ausser 
Landes u. gegen Bauern zu gebrauchen in viel Wegen allzu bedenklich wäre. Die geworbenen 
Contingente der fränk. Kreisstände befinden sich teils am Rhein, teils in der Oberpfalz und in 
Baiern, so dass man selbst der genügsamen Bedeckung wider solche sehr leichtlich weit u. in 
die Lande diesseits der Donau um sich greifende Unruhe allzu viel ermangelt. 

München Kriegsarchiv. 



') 3 km östlich von Marktl. 



19* 



148 



1705, Dez. 5. Obernzell. 



315. Der Pfleger Christian Graf an den Passauischen Hofmarsehall Gottlieb Grafen v. Kufstein 
in Passau. 

Heute Nacht 12 Uhr kamen Joh. Pamberger von Pyrawang u. Jos. Pamberger, Maier am 
Winterhof nächst Krämpelstein, zu ihm u. meldeten, dass die in Pyrawang gelegene Mannschaft 
u. die an der steinernen Brücke gestandenen Schützen diesen Augenblick fort u. nach Schärding 
gegangen seien. Die beiden, die sie auch mit Gewalt haben wollten, haben sich heimlich auf 
die Seite gemacht. Aus jedem Haus in Pyrawang wurde mit völliger Gewalt einer fortgenommen, 
wie auch der Knecht des Maiers am Winterhof mitgehen musste. Sie wollten auch mehrmals 
über die Donau setzen, um das, was diesseits aufwärts gegangen ist, wegzunehmen; die Pyra- 
wanger haben sie aber nicht übergefahren. 

München Reichsarchiv. 

1705, Dez. 5. Feldlager vor Burghausen. 

316. Patent. 

Den in der Stadt Burghausen versammelten aufgestandenen bairischen Untertanen, Bauern- 
söhnen u. Knechten mit ihren commandirenden Ober- u. Unteroffizieren u. anderen insgesammt, 
die sich bei ihnen befinden oder zu ihnen geholfen haben, tue ich mit diesem offenen Patent 
von Commando wegen kund u. zu wissen, dass auf die heute mit der Abordnung des Stadt- 
magistrates u. der Bauernschaft geschehene Abrede von beiden Seiten der Waffeninstand 
geschlossen worden ist, der bis zum Eintreffen der Resolution der Administration dauern soll. 
Während dieser Zeit wird von den unter meinem Commando stehenden Truppen nicht die 
geringste Feindseligkeit, Brand u. Plünderung vorgenommen werden. Dies muss auch von Seite 
der aufgestandenen Bauerngemein in Burghausen, Braunau u. Schärding, so wie von ihrem bei 
Schärding stehenden Corpo heilig gehalten werden, so dass sie in den von ihnen besetzten 
Plätzen in Ruhe u. Frieden ohne einige Hostilität verbleiben u. nichts Feindliches unternehmen 
oder verüben, noch weniger dieses Feuer weiter verbreiten. Es wird ihnen dann zu allem 
Ueberfluss u. damit sie die hohe kais. Gnade sich zu Gemüt ziehen können u. zwar allen ins- 
gesammt, gar keinen ausgenommen, ja sogar den Soldaten, die in kais. Diensten gestanden, 
hiemit von mir u. allen Offizieren, die nach mir commandiren werden, der Universal- u. General- 
pardon erteilt; ich verspreche bei meiner Ehre, Trauen u. Glauben solchen heilig zu halten, so 
dass keinem unter ihnen allen, der die Waffen ergriffen, sich zu diesem Aufstand geschlagen 
hat oder mit Rat u. Tat an die Hand gegangen ist, weder jetzt noch in Zukunft an Ehre u. 
Gut. noch weniger an Leib u. Leben das geringste Leid zugefügt werden soll, welches alles ich 
mit meiner eigenen Handschrift u. Petschaft ihnen hiemit versichere. 

Geben im Feldlager vor Burghausen den 5. Dez. 1705. 

Rom. kais. Maj. bestellter Oberst über ein Regiment zu Fuss, 

Commandant der Hauptstadt München u. des allhier 

stehenden Corpo commandirender Offizier 

J. H. de Wendt. 

München Kreisarchiv. 

1705, Dez. G. Burghausen. 

317. Die Gemein der Bürger u. Bauern im Rentamt Burghausen an Frhrn. v. Gemmel. 

Dass Euer Gnaden ex commissione der Landschaft zu uns bis aufs Blut bedrängten armen 
Untertanen gekommen sind, dessen bedanken wir uns; wir wollen aber nicht bergen, dass wir, 
wie bekannt, bei der Beilegung des jüngsten bair. Krieges unter die kais. Protection genommen 
worden sind, also zwar, dass man uns bei unseren alten Rechten u. Freiheiten zu lassen ver- 
sprochen. Man hat uns aber seither im geringsten nichts gehalten, sondern wir sind fortwährend 
mit unerhörten, unnatürlichen u. uns grundverderblichen u. unerschwinglichen Anlagen, Steuern. 



149 

Einquartirung der Soldaten, Hin- u. Hermärschen, unchristlichen, mörderischen Pressuren wider 
alles bessere Verhoffen nur feindlich u. dergestalt übel u. unbarmherzig gequält u. tractirt worden, 
dass wir auch von den Türken u. Barbaren kein grösseres Unheil hätten erfahren können, so 
dass wir denn lieber tot sein als weiter unter diesem tyrannischen Blutjoch leben wollen. 

Und weil wir nun aber jetzt nichts anderes mehr haben als unser Blut u. die Hoffnung 
bei unserer so gerechten Sache auf die Hilfe Gottes von oben herab u. weil wir durch neue 
unerträgliche Quartiere u. Anlagspressuren u. sogar gewalttätige Hinwegnehmung unserer Söhne 
u. Leute, so dass wir endlich selbst persönlich nicht mehr sicher wären, gar um das liebe Blut 
gebracht werden sollen, so müssen wir wider unseren Willen höchstnotgedrungen aller von Gott 
u. der Welt natürlich zulässigen u. allem Gewissen nach schuldigen Notwehr gemäss uns mit 
Ergreifung der Waffen bis auf den letzten Mann u. auf das äusserste defendiren, absonderlich 
da auch alle Obrigkeit wider nns ist u. bei der Regierung sogar den Schriftstellern unter 
gewisser Strafe verboten worden ist, uns um Nachlass einiger Anlagen u. dergleichen Pressuren 
etwas zu schreiben, u. wenn wir dahin supplicirt haben, so haben wir nichts anderes heraus- 
bringen können, als dass uns mit Signum bedeutet wurde, es stehe nicht in der Regierung 
Mächten oder Gewalt, uns einen Nachlass zu gewähren. Wir haben aus Respect u. Furcht 
der Regierung vor den Kaiserlichen die strengste Verfahrung u. Executionen ohne alle Barm- 
herzigkeit unvermeidlich auf dem Hals gehabt, obwohl doch bekannt, dass wir als ein Grenzort 
bei den so vielfältig erlittenen feindlichen Einfällen und Plünderungen bei weitem nicht das 
tun konnten, wie andere Rentämter des Landes u. dass wir mit den continuirlichen Quartieren 
u. Durchmärschen auch mehr als die anderen haben ertragen müssen. 

Da wir bei dieser wahren Bewandtnis uns auf ein Wort nicht mehr verlassen können u. 
weder trauen noch glauben dürfen, so werden wir von unserer äussersten u. höchsten Notwehr 
mit der Hilfe Gottes so lange nicht weichen, bis wir in den Punkten, die wir vorzubringen 
haben, erhört u. annehmbare Versicherung erhalten haben werden. Im übrigen wird es uns 
ganz nicht zuwider sein, Ihro kais. Majestät oder einem andern, der uns als rechtmässiger Herr 
vorgestellt wird, unsere alte Landsschuldigkeit unverweigerlich zu prästiren u. uns ihm billigen 
Dingen nach auf alle Weise gehorsam zu submittiren, womit wir auch hoffentlich mit Grund 
einiger Rebellion gegen die kais. Majestät u. da« Reich, wovor uns Gott behüte, ganz nicht zu 
beargen sind; es werden vielmehr diejenigen hier u. dort die schwere Verantwortung haben u. 
höchster Orten herzunehmen sein, die mit so unleidentlichen Drangsalen wider uns verfahren 
sind, da wir nicht glauben können, dass Ihro Majestät auf solche unchristliche u. tyrannische 
Weise mit uns umzugehen befohlen haben oder jemals befehlen werden. 

Burghausen den 6. Dez. 1705. 

Die bis aufs Blut bedrängte Gmein der Bürger u. Bauern allda 

u. Consorten. 
München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. (j. Burghausen. 

318. Die gesammte in Waffen stehende Gemein in Burghausen an Oberst de Wendt. 

Von Braunau sind heute einige Deputirte liieher gekommen, mit denen über das ganze 
obschwebende gütliche Compositionswerk eine ernstliche Conferenz gepflogen u. sowohl das von 
Salzburg heraus Gelangte als auch das übrige besprochen wurde; sie haben alles ad referendum 
genommen u. sind mit dem Versprechen abgereist, dass man in Braunau alles reiflich überlegen 
u. den Schluss noch heute durch Stafette hieher übermachen werde; sie zweifelten nicht, dass 
man sich mit der hiesigen Gemein confirmiren u. dem gestern mit de Wendt abgeredeten Concert 
seinen ungehinderten Lauf lassen u. dass man dem zufolge noch heute gleichfalls eine Deputation 
nach München abordnen werde; sie fügten noch an, es möge nicht nur von des Obersten Haupt- 
lager, sondern auch von den aus den Festungen herausgezogenen oder anderwärts eingerückten 
Truppen das armistitium unverbrüchlich gehalten werden. 

München Kriegsarchiv. 



150 

1705, Dez. 6. Feldlager bei Burghausen. 

319. Frhr. v. Gemmel an die Administration. 

Was bis zur Abfertigung des Commissärs Steyrer passirt ist, wird aus dem Bericht des 
Obersten de Wendt u. dem Beischluss 1 ) zu ersehen sein. Morgen früh werden wegen des von 
beiden Seiten zugestandenen Instandes Geiseln gewechselt, worauf Gemmel, es mögen die 
abgeordneten Bauern mitgehen oder nicht, nach München abreisen wird. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. C. Vilsbiburg. 

320. Pflegscommissär Adam Jos. Kolbinger an die Regierung in Landshut. 

Eben diesen Augenblick kommt ein Eggenfelder Bürger hier an, der dem Amtmann von 
Pfarrkirchen drei Pferde hieher retten musste, u. sagt aus, dass gestern nachts etliche rebellische 
Bauernburschen von Braunau mit Briefen an den Rat nach Eggenfelden gekommen seien, worin 
Geld u. Proviant verlangt worden sei; der Rat sei hierauf zusammengetreten u. hiebei auch die 
Burschen erschienen. Wie es ausgegangen, weiss der Bürger nicht; er hat aber bei seiner 
Abreise gehört, dass die Bauern innerhalb drei Tagen kommen u. es dem Markt so machen 
wollten, dass die Bürger die Hände am Kopf zusammenschlagen würden. Sie hätten auch im 
Gericht durch die Obleute von jedem Haus einen Mann aufbieten lassen u. bereits eine grosse 
Zahl von Bauernbuben mit fortgeführt; der Wirtssohn von Neuhofen im Gericht Eggenfelden sei 
einer der Rädelsführer u. er habe die Briefe nach Eggenfelden gebracht. Es sei eine grosse 
Beschwerde der Bürger, dass ausser dem Gerichtsschreiber kein Beamter zu Hause sei. 

Von hiesigem Gericht haben sich die Rädelsführer, der Wirtssohn von Brunn u. der von 
Radlkofen mit etwa 15 ledigen Burschen nach Braunau begeben; es sind desshalb die Söhne 
und Knechte im Gericht dermalen stät, aber doch so schwierig, dass man auf den mindesten 
weiteren Erfolg den Aufstand unmittelbar zu erwarten hat. Ich darf bei Gericht mit den Unter- 
tanen nichts vornehmen oder etwas einbringen, ausser was ich mit lauter Behutsamkeit u. guten 
Worten von ihnen herausbringe. 

Wien H.H. St. A. 

1705, Dez. 6. Vilsbiburg. 

321. Kammerer u. Rat an die Regierung in Landshut. 

Martin Guggenberger, Bürger u. Leineweber in Eggenfelden, hat drei Pferde des dortigen 
Amtmanns hieher in die Flucht gebracht u. berichtet, dass gestern der Wirtssohn von Neuhofen 
im Gericht Eggenfelden mit zwölf Schützen von Braunau nach Eggenfelden gekommen sei u. 
begehrt habe, es solle von jedem Haus ein Mann zu ihrem Aufgebot gehen; die Obleute hätten 
dies einsagen müssen u. es wären schon bei 300 Bauernburschen beisammen, die sie nach 
Braunau bringen wollten. Was von dem Markt begehrt worden ist, weiss er nicht. 

Wien H.H. St. A. 

1705, Dez. 6. Gangkofen. 

322. Der Verwalter des Deutschen Hauses J. S. Raster an den Pflegscommissär Kolbinger 
in Vilsbiburg. 

Gestern in der Nacht haben sich in Massing bei dem Fruhmann-Bräu gegen 20 Burschen 
zusammen getan; sie sind gegen Tag um zwei Uhr vor das Schloss Hellsberg gekommen, haben 
dem Jäger die Büchse abgenommen u. des Amtmanns Haus totaliter durchsucht u. spolirt; 



') S. Nr. 318. 



151 

der Amtmann hatte sich bei vernommenen Rumor davon gemacht u. sein Bestes salvirt. Da 
sich heute in Massing noch mehr Burschen zusammen tun wollen, um das Schloss 'Hellsberg zu 
plündern, so will der Verwalter durch eigenen Boten Nachricht geben, damit man gehörigen 
Orts Rettungsmittel insinuiren möge u. zwar um so mehr, als er heute früh ein von dem 
Gerichtsschreiber in Eggenfelden unterfertigtes Patent 1 ) erhalten hat, das zu derlei Aufruhr noch 
mehrere Gelegenheit gibt. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Dez. 6. Passau. 

323. Statthalter u. Räte an den Bischof von Passau, Cardinal Joh. Philipp Grafen v. Lamberg 
in Regensburg. 

Auf die gestern von den Rebellanten-Offizieren in Schärding gegebene Nachricht,-') dass 
sie die dort gelegene kais. Garnison heute hieher convoyiren lassen werden, hat man gestern 
Nacht den Stadtsyndicus rufen lassen u. ihm bedeutet, bei gemeiner Stadt solche Veranstaltung 
zu verfügen, dass die ankommende kais. Mannschaft einquartirt u. etappenmässig verpflegt werde. 
Heute früh hat man den Landoberhauptmann Pemmel mit dem Trompeter Lorenz u. einem 
Reitknecht auf den Mariahilfberg abgeschickt, damit er sich bei Annäherung der kais. Garnison 
sogleich zu ihr begebe, sie empfange u. den vorausgehenden Hauptmann berede, sich sogleich. 
bevor die Truppen in die Stadt rücken, zum Hofmarschall zu begeben, damit man sich vor den 
vielleicht vielen bair. Bauern, die die 20 angemeldeten Bagagewägen begleiten würden, sicher 
stellen könne. Zur Verhütung allen Widrigen u. um zu zeigen, dass man sich dies Orts in 
guten Defensionsstand gesetzt, hat man etliche zwanzig Mann ausser Mariahilf aufziehen lassen. 
Heute Nachmittag gegen '•> Uhr ist die kais. Garnison angerückt; von dem etwas vorausgehenden 
Offizier hat man vernommen, dass die meiste Bagage auf dem Inn sei u. mit der Mannschaft 
nur vier bespannte Wägen kommen würden. Man hat sie daher gleich in einem Marsch in die 
Stadt herein gelassen; zwei Compagnien wurden in der Stadt, die dritte in der Innstadt ein- 
quartirt. Gleich vor dem Einzug ist die Nachricht eingelaufen, dass die rebellischen Bauern 
das Schiff mit der Bagage überfallen u. wider den Accord alles weggenommen hätten; von den 
auf dem Schiff Gewesenen sollen einige erschossen, umgebracht u. in das Wasser gesprengt 
worden sein. Der kais. Oberstwachtmeister wurde durch diese Spoliirung veranlasst, den von den 
Rebellanten als Geisel mitgegebenen Hauptmann v. Hackenbuch, fünf Bauernburschen u. den 
Vorspann arrestirlich bei sich zu behalten. Dies verleitet zu dem Gedanken, es möchte dieses 
rebellische Gesindel sich der Stadt nähern, um die Ausfolgung dieser Bauernbuben u. des Vor- 
spannes mit Gewalt zu suchen, so dass man hier Orts nicht geringe Gefahr haben möchte. Der 
Hofmarschall ging desshalb zu dem Oberstwachtmeister u. stellte ihm vor, dass man von Seite 
der Deputation gar wohl erkenne, wie er wegen der Verletzung des Accordes durch die Plün- 
derung der Bagage u. die Blessirung etlicher Kranken zur Aufhaltung der Geisel u. des Vor- 
spannes befugt wäre; es könne aber die Innstadt sehr leicht von den rebellischen Bauern über- 
rumpelt werden, so dass die Stadt u. die kais. Soldaten Schaden leiden könnten; der Oberst- 
wachtmeister möge dies seinen Leuten einbinden, damit kein Unglück zu besorgen sei. Der 
Hofmarschall brachte bei seiner Zurückkunft einen Brief mit, den die Rebellanten-Offiziere an 
den Oberstwachtmeister geschrieben. 3 ) Dieser wird morgen früh ein Verzeichnis des Schadens 
nach Schärding schicken u. desshalb morgen hier verbleiben, sodann aber in das Land ob der 
Enns marschiren; er ist auch willens bei dem Hofkriegsrat u. bei dem in Baiern commandirenden 
General Order einzuholen u. hat desshalb gebeten, das beiliegende Schreiben 4 ) an diesen der 
sicheren Beförderung halber beizuschliessen. 

München Reichsarchiv. 



•) S. Nr. 312. 2 ) S. Nr. 309. 3 ) S. Nr. 308. 4 l S. Nr. 33->. 



152 

1705, Dez. 6. Regensburg. 

324. Der Bischof von Passau, Cardinal Joh. Philipp Graf v. Lamberg an die Administration 
in München. 

Wie weit sich nunmehr die rebellischen bair. Bauern vermessen u. wie imperios die soge- 
nannte bair. Landesdefension an die vom Bischof in Passau hinterlassene Statthalterei geschrieben, 
geht aus dem mit eigener Stafette übersandten Brief 1 ) u. der darauf erfolgten Antwort 2 ) hervor. 
Der Bischof fügt an, dass Hauptmann Graf "Worazizky in Straubing sich nach Vilshofen begeben 
sollte, um das dort befindliche Bauerngesindel zu delogiren; er ist auch, wie der Vicedom von 
Straubing mitteilte, nach Deggendorf abgegangen, hat aber Bedenken getragen diese Entreprise 
auszuführen, da er in Erfahrung gebracht, dass Vilshofen mit Schützen u. anderem Bauernvolk 
stärker, als man geglaubt, besetzt war, und da auch die Rebellanten sich ungescheut vernehmen 
Hessen, sie wollten nach der Eroberung Schärdings ihren Zug nach Straubing nehmen. Da der 
Vicedom weiter schrieb, dass in Straubing zur Defension nicht mehr als 35 Zentner Pulver vor- 
handen seien u. dass der Bischof desshalb von der Stadt Regensburg 10 — 12 Zentner Pulver 
u. 15 Zentner Kugeln erwirken möge, gegen Gutmachung durch die Administration, so hat er 
die Stadt Regensburg, nachdem er ihr die Zusage gemacht, dass sie von Ingolstadt mit nächstem 
Ersatz bekommen würde, dazu vermocht, innerhalb weniger Stunden bei aufgehendem Mondlicht 
10 Zentner Pulver u. ebensoviel bleierne Kugeln zu Wasser abzuschicken; er hat sogleich 
durch die Ordinari Post dem Vicedom u. dem Obersten d'Arnan hievon Nachricht gegeben. 
Der Bischof bittet, dass der Stadt Ersatz geleistet werde. Er ersucht ferner, von Zeit zu 
Zeit über die Erfolge de Wendts u. die mit den Rebellanten geführten Verhandlungen von 
der Administration unterrichtet zu werden, um die Gesandtschaften mit etwas Zuverlässigem 
consoliren zu können. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 6. Düsseldorf. 

325. Johann Wilhelm Kurfürst von der Pfalz an den Administrator Grafen v. Löwenstein in 
München. 

Wegen des in Baiern ausgebrochenen Bauernaufstandes haben von den am Oberrhein 
stehenden pfälz. Truppen das Regiment zu Fuss Graf Effern u. das Dragoner-Regiment Graf 
Wittgenstein schleunigst in die Neuburger Lande zu rücken. Der die beiden Regimenter 
commandirende Offizier ist an Grafen Löwenstein verwiesen, der sich ihrer bedürftigen Falls 
bedienen soll. 

München Geh. Staatsarchiv. 

1705. Dez. 6. Innsbruck. 

326. Generalwachtmeister Georg Friedr. v. Kriechbaum an die Administration. 

Auf das mit heutiger Post erhaltene Verlangen werde ich nicht unterlassen, nachdem ich 
vorher hier die erforderlichen Anstalten gemacht habe, mich übermorgen per posta nach München 
zu begeben, um das weitere conferiren zu können. 

München Kriegsarchiv. 



») S. Nr. 309. 2 ) S. Nr. 310. 



153 

1705, Dez. 7. München. 

327. Der Administrator Graf v. Löwenstein an den Bischof von Passau, Cardinal Joh. Philipp 
Grafen v. Lamberg in Regensburg. 

Ueber die ebenso imperiose als malitiose Anforderung, die die sogenannte bair. Landes- 
defension an die Statthalterei in Passau in puncto neutralitatis gestellt, bin ich nicht wenig 
verwundert. Die von Schärding nach Passau gekommenen 400 Mann stehen zur Disposition 
des Bischofs, ebenso die aus Braunau ausgezogene Garnison, die von dem Vetter des Bischofs, 
dem Hofkriegsrat Sigmund Graf v. Lamberg 1 ) hiezu den beiliegenden Befehl erhält. Im Fall 
der Bischof die beiden abgezogenen Garnisonen nicht gebrauchen will, wird er ersucht, den 
Befehl für die Braunauer Garnison zu supprimiren u. der Schärdinger Garnison behilflich zu 
sein, sich nach Straubing zu werfen. Sollte dies aber nicht mehr möglich sein, so wolle der 
Bischof sie durch seinen Vetter, den kais. Oberstleutnant 2 ) jenseits der Donau in einen ge- 
schlossenen Ort legen lassen, damit auf alle Begebenheit das Feuer nicht über den Donaufluss 
gebracht werde. Das von Regensburg vorgestreckte Pulver u. Blei wird von Ingolstadt aus 
ersetzt werden; es werden dem Bischof auch von Zeit zu Zeit Nachrichten über die Ereignisse 
beim de Wendtischen Corpo zugehen. 



München Kriesrsarchiv. 



1705. Dez. 7. München. 



328. Feldmarschalleutnant Scipione Graf v. Bagni an Oberstwachtmeister J. A. Büttner 
in Passau. 

Der Administration wurde durch den Bischof von Passau mitgeteilt, dass Büttner mit der 
Garnison von Schärding von den aufrührischen Bauern nach Passau convoyirt worden ist. Da 
es nun aber das Ansehen hat. dass der Bischof auf Anlangen des rebellirenden Bauernvolkes 
die Neutralität amplectiren will u. desshalb die Schärdinger Garnison nicht mehr in Passau 
nötig hat, so wird Büttner, da auch der kais. Dienst erfordert, Straubing mit einer stärkeren 
Garnison zu versehen, alsogleich nach Empfang dieses mit seiner Mannschaft dorthin rücken. 
Wenn er sich wegen des von den rebebellischen Bauern besetzten Städtls Vilshofen nicht getraut. 
diesseits der Donau nach Straubing zu marschiren. so soll er in Passau die Donau passiren u. 
jenseits der Donau in guter Ordnung u. Vorsichtigkeit den Marsch so schleunig als möglich nach 
Straubing fortsetzen, wo er mit dem Aufsehen u. dem Respect an den dort commandirenden 
Obersten d'Arnan. dem er seine Ankunft vorher mitzuteilen hat. verwiesen wird. 

München Reichsarchiv. 

1705. Dez. 7. München. 

329. Die Administration an Frhrn. von Gemmel. 

Den Waffenstillstand, der von der in Burghausen befindlichen sogenannten bewaffneten 
Macht anbegehrt u. von Oberst de Wendt bereits übernommen wurde, mögen wir unseres Orts 
zwar ad efFectum kommen lassen, jedoch solchergestalt, dass bis zum Austrag der Sache auch 
gegenseitig nichts Feindliches sub quoeunque nomine et praetextu über den Inn u. die Salzach 
noch anders wohin tentirt u. dass inzwischen angehört werde, worin denn die Beschwerden 
bestehen, die die Untertanen zu solchem Unternehmen veranlasst haben. Wenn sie sich nun in 
corpore des gesammten Rentamtes hierin verglichen u. sich zur Submission auf die Weise. 
worüber wir Dich schon instruirt haben, zuvorderst mit Abtretung von Burghausen, Braunau u. 
Schärding bequemen, so hat es hiebei sein Verbleiben. Wenn es aber anders ist u. die in der 
Gegend von Braunau oder Schärding Gelegenen sich mit denen von Burghausen nicht vergleichen 

') Mitglied der Administration. 

-i Maximilian Graf v. Lambert, Commandant der Festung Oberhaus. 

Abh. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl. XXVI, t. Abb. 20 



154 

können, so ist hauptsächlich auf die Abteilung dieser Gesellen anzutragen u. denen von Burg- 
hausen zu bedeuten, dass wir uns an jeden Teil halten u. sie, die Burghauser Bürger mit Feuer 
u. Schwert keineswegs mehr zu verschonen, sondern geschehen zu lassen gedenken, was der 
Vorbruch unserer Miliz in effectu geben mag. Damit man aber der Sache u. der Operation 
desto näher sei, wird morgen von hier der Kämmerer u. Kriegsrat Graf Lamberg abgehen, auf 
den wir Dich verweisen. Inzwischen hast Du den Inhalt des beiliegenden Schreibens der Land- 
schaft 1 ) valiren zu machen. In wenigen Tagen wird übrigens eine genügsame Anzahl aus- 
wendiger Auxiliartruppen in das Land einrücken. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Dez. 7. München. 

330. Die Administration an Frhrn. v. Gemmel vor Burghausen. 

Per Stafette wird das heute abends eingetroffene Schreiben des Cardinais v. Lamberg 8 ) 
überschickt, woraus wir abnehmen, da das Gesuchschreiben 3 ) erst vom S.Dez, datirt ist, dass 
es den aufgestandenen Burschen mit einem Accommodement nicht Ernst ist, sondern dass sie 
unter diesem Vorschein viel mehr ein Amüsement u. Zeit, so wie Sicherheit in ihrem Rücken 
zu gewinnen suchen, um die mehrere Stärke nach Burghausen ziehen zu können. 

Wien H. H. St. A. 

1705, Dez. 7. München. 

331. Die Landschaftsverordnung Oberlands an Frhrn. v. Gemmel. 

Obwohl von Gemmel seit 30. Nov. kein Bericht mehr an die Landschaft gelangt ist, hofft 
man doch, dass die von ihm gepflogenen Verhandlungen die Untertanen zur Unterwerfung 
bringen werden. Es ist aber nötig zu erfahren, was diese aufgestandenen Leute auf die ihnen 
getane gutmeinende Erinnerung u. Vorstellung für eine Antwort gegeben haben, damit die 
Landschaft weiter auf Hilfe u. Rat gedenken kann, wie sie die in solchen gefährlichen Aufruhr 
verfallenen armen Untertanen aus ihrem schweren Labyrinth heben, die mit Feuer u. Schwert 
angedrohte Verheerung u. Vertilgung ihrer Güter u. Häuser verhüten, mithin sie wieder in einen 
guten Ruhestand setzen helfen möchte, so dass sie sich wieder nach u. nach erschwingen u. 
bei Haus erhalten könnten. Da jedoch die Landschaft im ungewissen ist, ob die im Aufstand 
begriffenen Leute das Vertrauen zu ihr haben, soll Gemmel ihnen dies mit dem Zusatz eröffnen. 
dass, wenn sie etwas an die Landschaft bringen u. darum ersuchen werden, diese ganz willig 
u. bereit sei, sich um sie noch ferner nach allen Kräften allereifrigst anzunehmen, für sie, wie 
es schon bisher geschehen, zu suppliciren. Pardon u. mit diesem unzweiflich so viel zu erhalten, 
dass sie sowohl wegen Hinwegnehmung der Mannschaft als auch in den Steuern u. anderen 
Anlagen eine gedeihliche Moderation u. ergiebige Milderung hoffen dürften. 

P. S. Gemmel wird von der Administration schon vernommen haben, dass man die von 
den Malcontenten zu hoffende Submission nicht hier in München, sondern an einem dritten Ort 
empfangen wolle, wo dann auch das weitere mit ihnen abgehandelt werde. Wenn die Leute 
etwas schriftlich an die Landschaft bringen wollen, so wird diese einen u. anderen aus der 
Verordnung von Ober- u. Unterlands wegen an diesen noch unbekannten Ort abordnen; Gemmel 
soll die Leute sondiren, auf wen unter den Verordneten sie das beste Vertrauen hätten u. wer 
ihnen am liebsten u. anständigsten wäre. 

München Kriegsarchiv. 



') S. Nr. 331. 2 ) S. Nr. 324. 3 ) S. Nr. 309. 



155 

1705, Dez. 7. München. 

332. Die Landschaftsverordnung an Frhrn. v. Gemmel. 

Gernmel soll den aufgestandenen Bauern mitteilen, dass die Landschaft ganz willig u. 
bereit sei, sich ihrer auch ferner allereifrigst anzunehmen; sie sollen ihre Anliegen vor die 
Landschaft bringen, die bestrebt sein wird, ihnen Verzeihung, Nachlass der Mannschaftsstelhing 
u. Ermässigung der Steuern u. Abgaben zu verschaffen. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 7. Trostberg. 

333. Der Pflegscommissär Joh. Franz Aicher von Langquid an die Administration. 

Die im unteren Bezirk des Rentamtes Burghausen, besonders jenseits der Salzach aufge- 
standenen Bauern haben im oberen Bezirk die Untertanen der Gerichte Neuötting, Wald, Mör- 
moosen, Kraiburg u. Kling zum Aufstand gebracht. Auch das hiesige Gericht wollten sie dazu 
verleiten, anfangs durch Abgeordnete, die sie aus Burghausen, Neuötting u. dem Lager vor 
Wasserburg zu mir sandten, dann durch Patente vom 21., 23. u. 25. Nov. Am 28. Nov. bei 
anbrechendem Tag, als das Schlosstor geöffnet wurde, drangen mehr als 30 Rebellanten, abge- 
dankte oder desertirte Soldaten, Handwerksburschen, Bauernknechte, Taglöhner u. andere 
unangesessene Leute in das Pflegschloss. wo meine Amtswohnung ist. Sie sagten, sie hätten 
den Auftrag mich aufzuheben u. nach Burghausen zu liefern u. mir zur Strafe das Schloss 
auszuplündern. Da ich aber erhebliche Entschuldigungen vorbrachte u. auch einige Geistliche 
auf das Schloss herauf kamen. Messen sie sich endlich mit einem Stück Geld u. einem Trunk 
abweisen, worauf sie im Markt sich zwei bis drei Stunden mit Essen u. Trinken ergetzten u. 
dann in die Herrschaft Wald abmarschirten. 

Obwohl alle umliegenden Gerichte die Waffen ergriffen haben u. etliche unter der Bürger- 
schaft des hiesigen Marktes u. unter den Gerichtsuntertanen hiezu geneigt waren, aber nur auch 
sonst ganz widerspänstige. aufrührerische Köpfe u. schlechte Hauswirte, liederlich verdorbene, 
voll Schulden steckende Tropfen, die nichts zu verlieren haben, sondern hoffen, etwas zu 
erbeuten, so ist es mir doch gelungen durch vielfältige Vorstellungen, dass die Sache unmöglich 
lange (lauern könnte, da die Aufständischen weder mit dem Nötigen versehen seien noch auf 
auswärtigen Succurs rechnen könnten u. dass daher grosses Unheil, der Verlust von Haus u. 
Hof, von Leib u. Leben zu besorgen sei. die Untertanen von jeder Unruhe abzuhalten u. in 
der schuldigen Devotion zu erhalten. 

Wien H. H. St. A. 

1705. Dez. 7. Kais. Feldlager vor Burghausen. 

334. Oberst de Wendt an den Regierungskanzler Ferd. Franz v. Stromer in Landshut. 

De Wendt hat die ihm übersandte Aussage des Lerchenfeldischen Amtmanns über den 
Baron v. Vieregg 1 ) an die Administration abgeschickt; daher wäre die Sache bei dieser zu 
urgiren; er selbst hat in der Angelegenheit nur getan, was ihm befohlen war Er bedauert 
Vieregg von Herzen; der Amtmann wird alles erläutern können; Vieregg soll sich bei dein 
Administrator insinuiren, er wird dann zweifellos bald aus dem Arrest entlassen werden. 
De Wendt bittet, ihn bei Vieregg zu entschuldigen; wegen Kürze der Zeit könne er nicht selbst 
antworten. De Wendt steht schon in den siebenten Tag vor Burghausen; die Herren in Burg- 
hausen. Braunau u. Schärding sind zu tractiren gesinnt, heute sollen unfehlbar die Deputirten 
zu völligem Schluss in das kais. Lager kommen; er hofft mit göttlichem Beistand zum baldigen 
Ruhestand zu kommen. Inzwischen ist auf die Gegend von Eggenfelden u. Pfarrkirchen ein 
wachsames Auge zu halten, damit diese Lumpenhunde kein neues Feuer anzünden. 

.München Kriegsarchiv. 

') S. Nr. 97. 

20 



156 

1705, Dez. 7. Burghausen. 

335. Die Gemein Burghausen an den Erzbischof von Salzburg. 

Gegen Euer hochfürstl. Gnaden tut sich die auf das Blut bedrängte Gemein der bair. 
Bürger u. Bauern allda u. Consorten bedanken für die offerirte Interposition. 1 ) Wie unbarm- 
herzig u. tyrannisch wir durch die Kaiserlichen, unsere Feinde, bis aufs Blut gequält u. be- 
schwert sind, zeigt die Beilage, wobei wir Aergernis halber nicht melden durften, was sie sonst 
in den Kirchen für unchristliche Taten an Seel u. Heil verübt haben. Es ist aber auch im 
übrigen klar abzusehen, dass man Baiern also vernichtet, dass es bis zu Ende der Welt nimmer- 
mehr zu Kräften kommen u. mithin eine der vornehmsten Säulen der katholischen Religion in 
Deutschland zu unzweiflich höchstem Leid Euer hochfürstl. Gnaden, als unseres von Gott gewid- 
meten Seelenhirten, u. auch anderer katholischer Reichsstände gänzlich zu Grund gerichtet werde. 
Wir bitten daher ganz fussfallend u. um das Blut Christi willen, Euer hochfürstl. Gnaden 
geruhen sich nach dero Kräften noch weiters für uns verfänglich u so viel zu interponiren, 
dass wir zu angenehmer billigmässiger Remedur des innerlichen u. äusserlichen Ruhestandes 
ehestens gelangen möchten u. nicht wider unseren Willen zu noch mehrerer Extremität gezwungen 
werden. Wir haben uns zur Erhaltung dessen auch an die Landschaft in München gewendet. 
Die auf das Blut bedrängte Gemein der bair. Bürger u. Bauern allda 

et consortes. 

Antwort. 

Dem Dr. Mayer et consortes ist zu bedeuten, dass über die ihm neulich erteilte Signatur, 
die heute vor acht Tagen durch eigene Stafette nach Wien geschickt worden ist, noch keine 
Resolution erfolgt, solche jedoch stündlich zu erwarten ist. Weil das überreichte Memorial 
nicht so eingerichtet ist, dass man es unbedenklich nach Wien communiciren könnte, so steht 
dahin, ob etwa ein anderes u. zwar an S. K. M. selbst gerichtetes, jedoch in submissis terminis 
verfasst, vorher aber durch sofortige Niederlegung der Waffen die kais. Clemenz gesucht werden 
wolle. In diesem Fall würde Ihre hochfürstl. Gnaden, als ein eifriger Seelsorger, das ihrige 
möglichst dazu beitragen. 

Salzburg den 10. Dez. 1705. 

Hochfürstl. Geheime Canzlei allda. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 7. Wels. 

336. Hauptmann Ramschüssl vom Regiment zu Fuss Kriechbaum an Generalwachtmeister 
v. Kriechbaum. 

Hat über seine Gefangennahme schon in einem früheren Brief berichtet. Dass Braunau 
wieder in bair. Hände gefallen ist, war nicht zu verwundern, da die Garnison nur aus 800 Mann 
bestand u. General Graf Tattenbach von der Administration den Befehl erhielt, soviel Infanterie 
als möglich zu Oberst de Wendt zu schicken. Es sind dem zufolge 500 Mann mit fünf Stücken 
ausmarschirt, so wie was von den nach Braunau geflohenen Reitern u. Husaren beritten war. 
Die Garnison war nun nur mehr 263 Köpfe stark, von denen nur 178 zum Dienst blieben. 
Man hatte nicht genug Leute, um die äusseren Posten Tag u. Nacht zu besetzen. Zweimal 
schickten die Belagerer einen Tambour, die Festung zur Uebergabe aufzufordern; er wurde 
jedesmal von General t. Tattenbach zurückgeschickt. Darauf kam der Bürgermeister mit zwei 
Ratsverwandten u. etlichen Bürgern zum General u. sagte, die ganze Bürgerschaft lasse ihn 
bitten, weil die verbitterten Bauernburschen draussen stünden u. nicht nachlassen würden, bis 
sie die Stadt in Brand gesteckt hätten, es nicht auf eine Extremität ankommen zu lassen, sie 
völlig zu verderben u. die Stadt zu einer Ruine zu machen, sondern den Platz zu übergeben. 



i) S. Nr. 281. 



157 

Der General erwiderte ihnen ganz bescheidentlich, es sei noch keine Extrema; sie sollten I. K. M. 
nur ihre Pflicht, wie sie es versprochen, halten, dann hätten sie die zusammen rottirten Bauern- 
burschen nicht zu fürchten. Damit sind sie abgegangen, um es der gesammten Bürgerschaft 
vorzutragen. Am 23. Nov. brachten sie ein schriftliches Memorial, in dem sie verlangten, dass 
die Festung übergeben werde. Der General las es, bevor noch die Offiziere von ihren Posten 
bei ihm hatten zusammen kommen können; sobald er den Punkt wegen der Uebergabe gelesen 
hatte, zerriss er aus Zorn das Memorial u. fragte sie, ob sie kaiserlich oder bairisch sein wollten, 
er verlange, solches von ihnen zu wissen. Darüber schupften sie die Achsel; der General 
gab ihnen Termin von zwei Stunden, um sich zu erklären. Nun gingen sie weg u. sagten, 
sie wollten es abermals der Bürgerschaft vortragen u. die Antwort zurückbringen. Am Abend 
kamen sie wieder zum General u. sagten, sie wären niemals gesinnt gewesen, ihre abgelegte 
Pflicht gegen den Kaiser zu brechen, sondern sie seien bereit sämmtlich mit der Garnison alle 
Extrema zu erwarten u. auszustehen; sie versicherten, der General habe von den Bürgern nichts 
zu befürchten. Ich sagte gleich dem General, er sollte ihrem Versprechen nicht so viel trauen, 
denn die Bürger wären grössere Schelmen als die da draussen. Er war hierüber erzürnt u. 
gab mir zur Antwort: Fürchtet sich der Herr? Ich bin sodann mit Verdruss auf meinen Posten 
über der Brücke gegangen. Am 26. um 3 Uhr haben wir angefangen mit Bomben zu werfen 
u. der Feind begann mit glühenden Kugeln zu schiessen. Es entstand augenblicklich ein grosses 
Feuer; sieben Häuser, fünf Stadel u. die Hälfte der Kaserne brannten ab. Der General lief 
sogleich, um Anstalten zum Löschen zu machen. Als er auf den Brandplatz kam, griffen ihn 
die Bürger an, stiessen und schlugen ihn u. wollten ihn in das Feuer werfen. Es kam aber 
ein Rittmeister vom Roccavionischen Regiment mit fünf Mann dem General zu Hilfe, riss ihn aus 
ihren Händen u. rief, es sei keine Manier, dass sie den General so tractirten. Nun ist alles zu- 
sammengelaufen u. hat geschrieen: Schlagt tot den Hund! oder: er soll und muss uns hergeben 
die Stadt! Da haben sie den guten General auf öffentlichem Platz gezwungen, dass er Ja sagen 
u. mit ihnen gegen das Wassertor bis an die Innbrücke gehen musste. Ich bin dem General 
entgegen gegangen u. wollte zehn Mann mit mir nehmen. Er gab mir zur Antwort, es wäre 
nicht nötig, da wir schon in ihrer Gewalt wären; ich sollte nur einen Tambour hinaus- 
schicken u. rufen lassen, dass drei oder vier Mann von den Ihrigen auf halben Weg kommen 
sollten; er werde eben so viele dahin schicken und sich mit ihnen in eine Capitulation ein- 
lassen. Er schickte mich dann von meinem Posten weg mit dem Bürgermeister u. einem Rat 
hinaus, um ihnen die Capitulation am 27. anzubieten; sie sollten zwei Bevollmächtigte herein- 
schicken, wofür eine Geisel hinauskommen würde. Es ist also der Schluss der Capitulation 
vorgegangen; von unseren Punkten ist keiner verwilligt worden, sondern wir mussten tun, wie 
sie es machten. Doch haben sie verwilligt, dass die Offiziere mit völliger Bagage u. ein Ritt- 
meister oder Hauptmann mit drei, ein Leutnant oder Fähnrich mit einem Pferd abziehen dürfte. 
Dies haben sie aber keineswegs gehalten, sondern nach geschlossenem Accord den General völlig 
geplündert, so wie auch alle Offiziere bis auf den Ingenieur-Oberstleutnant. Wir hatten nicht 
nur die Bauernburschen vor der Stadt u. die Bürger zum Feind, sondern es haben auch einige 
Leute vom Bartelschen Kürassier-Regiment u. die Rekruten vom Regalischen Regiment, die lauter 
geborene Baiern waren, mit den Bürgern concludirt, dass sie, wenn es zur Extrema kommen sollte, 
zu ihnen fallen und uns massacriren helfen wollten, wie es auch geschehen ist. Dann sind wir 
abgezogen u. von 30Ü Schützen in das Land ob der Enns nach Haag convoyirt worden. Gegen- 
wärtig stehen wir in Wels, wo wir bis auf weiteren Befehl des Hofkriegsrates bleiben. Ich 
habe schon um Obergewehre. Patrontaschen u. Röcke, was uns alles abgenommen worden ist. 
sollicitirt, es ist aber noch keine Resolution erfolgt. Hauptmann de Weik ist in Scbärding; 
mit wieviel Leuten, weiss ich nicht. Der Sekretär sagt mir. dass Hauptmann Doffing stündlich 
erwartet werde. Die Mannschaft, die bei mir ist, ist wohlauf; zwei Corporale sind zu den Bauern 
übergegangen, der Lippert u. einer vom Landregiment; zwei sind verloren oder totgeschlagen, 
denn Dienste haben sie nicht genommen. 

Wien H.H. St. A. 



158 

1705, Dez. 7. Burghausen. 

337. Creditiv. 

Nachdem sich die gesammte in Waffen stehende Gemein des Rentamtes auf vorher von 
dem Obersten de Wendt etlichermassen getane Veranlassung einhellig entschlossen, der Landschaft 
diejenigen Motiva, Ursachen u. Beschwerden, wodurch sie zur Ergreifung der Waffen bewogen 
u. necessitirt worden, mit gründlichen Umständen vorstellig zu machen u. sie zu bitten, sich 
der Sache anzunehmen u. diese gravamina zu secundiren, inzwischen aber, bis diese zusammen 
gebracht u. mit den Petitis, wie solchen abzuhelfen, zusainmengerichtet u. ordentlich überreicht 
werden können, einen Universalwaffenstillstand auszuwirken u. absonderlich auch zu effectuiren, 
dass sich Oberst de Wendt mit seinem Corpo inzwischen aus diesem Rentamt zurückziehen 
möchte, wie sie dies bereits an ihn haben gelangen lassen, jedoch zur Antwort bekommen haben, 
dass dies nicht in seinen Mächten sei, so hat die Gemein einige Deputirte von der Regierung, 
dem bürgerlichen Magistrat von hier u. der Stadtgemeinde, denen sie auch einige aus ihrer Mitte 
u. der Bauernschaft beigefügt hat, erkiest u. sie inständig begehrt. Es sind dies Joh. Karl Mayr. 
Regimentsrat u. Kirchherr, Franz Bernh. v. Prielmayr, Kastner, Georg Mayr, Bürgermeister, Math. 
Zeller, des Rates u. Steuerschreiber, Jos. Sallinger, Procurator. Franz Robel, Mart. Höchstätter, 
Franz Nagelstätter u. Phil. Schwaiger zu Narnham. Sie haben die Instruction, durch Vermittlung 
der Landschaft den Waffenstillstand auszuwirken, innerhalb welches die Beschwerden vollständig 
incaminirt, die behörigen Abhelfungsmittel dem Erzbischof von Salzburg, der seine hilfliche Hand 
zu bieten sich schriftlich offerirt hat, u. der Landschaft überreicht u. in Güte, ohne fernere Tät- 
lichkeit zum Nutzen des Vaterlandes beigelegt werden können. Urkundlich dessen wird ihnen 
insgesammt gegenwärtiges Creditiv unter der gewöhnlichen Fertigung der Gemein hiemit erteilt. 

Sämmtliche commandirenden Oberoffiziere u. ganze Gemein allda. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 7. Passau. 

338. Oberstwachtmeister J. A. Büttner an Feldmarschalleutnant Graf Bagni in München. 

Euer Excellenz werden ohne Zweifel schon vernommen haben, dass ich von den Rebellanten 
nach der Eroberung Braunaus belagert worden bin. 1 ) Ich habe zweimal Schreiben an Euer Ex- 
cellenz abgehen lassen; meine Boten sind aber aufgefangen worden. Was mich zur Uebergabe 
bezwungen hat, werden Euer Excellenz aus der Abschrift u. der Attestation ersehen. Ich habe 
von dem äusseren Feind noch keine sonderliche Not gehabt, allein die Bürgerschaft, weil sie 
etwas mit Feuer beängstigt worden u. weil sie um 300 Mann stärker gewesen als ich mit meiner 
Garnison, hat mir bedeuten lassen, ich sollte meine Resolution geben, ob ich mit dem Feind 
einen Accord treffen wollte, indem sie nicht gesinnt wären, sich verbrennen zu lassen u. in den 
äussersten Ruin zu setzen; widrigenfalls, so ich nicht capituliren wollte u. mich nicht also bald 
resolviren täte, würden sie gezwungen werden, das Gewehr wider mich zu ergreifen. Also habe 
ich eine Stunde von der Bürgerschaft Termin begehrt, um mich mit meinen Ober- u. Unter- 
offizieren, wie auch Gemeinen nach Kriegsgebrauch zu unterreden. Weil nun diese sämmtlich 
erkannt und gesehen, dass man sich von dem inneren Feind mehrers zu befürchten hätte als von 
dem äusseren u. da die äusseren Werke völlig demolirt waren u. nur eine blosse, ziegeldicke Mauer 
um die Stadt vorhanden war, so ist einstimmig geschlossen worden, dass, ehe ich es zu einer Ex- 
tremität kommen liesse u. man alsdann nackt u. bloss, ohne Gewehr abziehen müsste, wie es zu 
Burghausen und Braunau geschehen, es besser wäre, einen raisonablen Accord zu machen. Die 
Accordspunkte 2 ) überschicke ich anbei. Es haben aber gestern bei meinem Abmarsch die Rebel- 
lanten sich über die Bagage, die auf dem Wasser war, gemacht u. sie völlig geplündert. Ich 
habe jedoch von ihnen eine Geisel u. sechs Gemeine bei mir; ich werde sie nicht entlassen, 
bis sie die Plünderung wieder erstattet haben, wie mir auch schon schriftlich versprochen 
worden ist. 3 ) 

München Reichsarchiv. 



') In Schärding. *) S. Nr. 302. 3 ) S. Nr. 303. 



159 

1705, Dez. 7. Passau. 

339. Statthalter u. Räte an den Bischof von Passau, Cardinal Joh. Philipp Grafen v. Lamberg 
in Regensburg. 

In der heute Vormittag gehaltenen Deputation referirt der Hofmarschall, dass Oberstwacht- 
meister Büttner bei ihm gewesen sei u. gesagt habe, er könne keine Rolle seiner Mannschaft 
übergeben, weil bei dem Auszug gegen 20 Mann zu den Rebellen übergegangen seien u. er 
noch nicht wisse, was von den Kranken noch hereinkommen werde u. was aus den bei der 
Plünderung der Bagage ins Wasser Geworfenen geworden sei. Nach der. Aussage des Oberst- 
wachtmeisters beträgt die Zahl der Offiziere u. Gemeinen gegen 370 Mann. Er sagte ferner, 
dass er das von den Rebellen begehrte Verzeichnis der weggenommenen Bagage durch eigene 
Stafette übersenden u. Ersetzung des Schadens verlangen werde; bis dahin werde er weder 
den Convoy noch den Vorspann freigeben. Der Hofmarschall hat hierauf gar vernünftig ersucht. 
der Oberstwachtmeister möchte in seinem Schreiben an die Rebellanten anfügen, dass er bis 
zur Erlangung wirklicher Satisfaction nicht nur nicht von hier abziehen werde, sondern auch 
billiger Weise von ihnen den Ersatz der durch die Verpflegung entstandenen Unkosten verlange, 
da man ihm hier keine solche gewähre. Sie werden so wegen der hiesigen Campirung keine 
Ursache zu einer Feindseligkeit gegen die Stadt oder das Bistum nehmen können. Der Oberst- 
wachtmeister versprach, dies ins Werk zu setzen u. benebens alles, was man ihm zum besten 
des Hochstifts an die Hand geben würde, willig u. schuldig zu vollziehen. Auf die Remon- 
stration, dass er die Verpflegung aus den bischöflichen Mitteln nicht verlangen könne, vermeldete 
er, es möge ihm ein Wechsel auf 1000 fl bei dem Salzbeamten zu St. Nicola angeschafft werden, 
womit er die Verpflegung für neun bis zehn Tage bestreiten könne; bis dahin hotte er von dem 
kais. Hofkriegsrat, an den er mit eigener Stafette Bericht erstattet hat, oder von General Graf 
Bagni Befehl zu erhalten; so lange wolle er propter defensionem in der Stadt oder deren Nähe 
verbleiben. Dadurch wird in etwas trainirt u. man wird sehen, wohin dieser Rebellanten Ab- 
sehen ist. Es wurde weiter mit ihm abgeredet, dass. wenn kein Befehl eintreffen sollte, er in 
das Land ob der Enns rücken u. sich in vicinia aufhalten soll, damit man im Notfall seine 
Hilfe in wenigen Stunden geniessen könnte. Der oberösterreichischen Landschaft ist solches 
heute mitgeteilt worden. 

München Reichsarchiv. 

1 7 ö . Dez. 7. liegensburg. 

340. Der Reichsconvent an den Herzog von Würtemberg. 

Der Reichsconvent hat bei der gegenwärtig zu besorgenden Unsicherheit dankschuldigst 
Kenntnis genommen von der durch den hiesigen Minister des Herzogs mitgeteilten patriotischen 
Resolution u. ungesäumten Handanlegung zu Versicherung des Baierlandes. Der Minister hat 
auch um Erlassung einiger Zeilen ersucht; die Beilage wird das mehrere ergeben. Dem Reichs- 
convent ist zwar nicht bekannt, was für weitere Vereinbarungen der Herzog mit der Admini- 
stration getroffen hat; im Fall aber diese mit den Wünschen des Reichsconventes überein- 
stimmen, so ersucht man die Verhandlungen so zu beschleunigen wie die durch die Einnahme 
Schärdings u. die von den Bauern angedrohte Anrückung in die Nachbarschaft ziemlich in Sorge 
gesetzten hiesigen Gesandtschaften, die es für allzu empfindlich achten, in ihnen des gesammten 
Reiches Ehre durch dergleichen Leute beschimpft zu sehen, zuversichtlich u. sehnlich wünschen. 

Beilage: Pro memoria. 

Nachdem bei dem versammelten Reichsconvent die zuverlässige Nachricht eingelaufen ist. 
dass das rebellische Bauernvolk in Baiern sich nach Burghausen u. Braunau nunmehr auch der 
Stadt Schärding bemächtigt u. sich dabei schriftlich hat vernehmen lassen, dass es resolvirt sei. 
sein übles Vorhaben weiter auszuführen, wodurch die vorgestellte Gefahr stündlich grösser wird, 
wie man dies schon den benachbarten Reichskreisen u. Ständen vorgestellt hat, so hat man 
nach Deliberation in allen dreien Reichscollegien folgendes beschlossen: 



160 

1. Der kais. Principalcommissär. Cardinal Job. Philipp Graf v. Lamberg, Bischof von 
Passau, soll im Namen des Conventes ersucht werden sich durch Expressen bei der Admini- 
stration zuverlässig zu erkundigen, welcher u. wie vieler Truppen man sich zur Stillung dieser 
Unruhe zu versichern habe; für diese sollen genügsame Backhäuser u. Proviant angeschafft 
werden. Der Reichsconvent kann es nicht verantworten, in solcher Unsicherheit dahier zustehen; 
er müsste sich allenfalls danach richten, da er sich nicht der Discretion der Bauern ergeben will. 

2. Der Cardinal wird ersucht, im Namen des Reiches den Herzog von Würtemberg zur 
Beschleunigung des Anmarsches der nach Baiern bestimmten Truppen aufzufordern, sowie zu 
veranlassen, dass diese Truppen nicht an der Grenze stehen bleiben, sondern geradenwegs 
schleunigst in das Baierland selbst an Ort u. Ende, wo es notwendig erachtet wird, marschiren; 
diese Truppen sollen von den bair. Landen verpflegt werden. 

3. Der Reichsconvent hat die Nachricht erhalten, dass im Voigtland u. dessen Nähe 
ungefähr 3000 Mann kursächsische Truppen stehen, die in kurzer Zeit hier eintreffen könnten. 
Der Cardinal möge hievon dem Kaiser durch Expressen Nachricht geben u. ihn bitten, er 
möge den Statthalter Fürsten v. Pürstenberg anweisen, dass er diese Truppen unverweilt nach 
Baiern marschiren lasse. 

4. Der Cardinal wird ersucht, an die bair. Landstände zu schreiben u. sie durch Vor- 
stellung des aus dieser Unruhe erfolgenden Ruins des Baierlandes zu vermögen, dass sie dem 
rebellischen Bauersmann ohne Zeitverlust bedeuten, sich zur Ruhe zu begeben u. sein Haus- 
wesen abzuwarten; das Reich werde sich dann beim Kaiser interponiren, dass ihnen in ihrem 
Begehren billigen Dingen nach väterlich geholfen u. die Beschwerden nach Befinden abgetan 
werden. 

5. Der Markgraf von Ansbach hat sich heute durch seine Gesandtschaft erboten, ein 
Bataillon Grenadiere in die hiesige Nachbarschaft rücken zu lassen; es wird dies mit Dank 
angenommen. Der Reichsconvent übernimmt es, bei dem Kaiser u. dem Herzog von Wolfenbüttel 
zu vermitteln, dass es nicht missdeutet werde, wenn das Bataillon nicht nach der Disposition 
des Herzogs am Rhein, sondern zur Sicherheit des gesammten Vaterlandes in Baiern gebraucht 
werde, wo es dem Reichsschluss gemäss verpflegt werden soll. Der wolfenbüttel- u. der ans- 
bachische Gesandte sind zu ersuchen, diese Conventsresolution ihren Principalen mit heutiger 
Post mitzuteilen. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 8. Kais. Feldlager bei Burghausen. 

341. Oberst de Wendt an Prinz Eugen. 

Ueber die Ereignisse bis zum 24. Nov. ist an diesem Tag berichtet worden. 1 ) Am 25. 
habe ich meinen Marsch von Wasserburg zurück nach Kraiburg genommen, am 26. den Marsch 
nach Mühldorf fortgesetzt u. am 27. dort einen Rasttag gehalten. An diesem Tag kam ein 
Bataillon meines Regimentes mit 100 Kürassieren zur Verstärkung an. Am 28. vormittags trat 
ich den Marsch gegen Neuötting an, da ich gewisse Nachricht hatte, dass dort ein Corpo des 
Feindes, 2 — 3000 Mann stark, stehe, sich der Stadt bemeistert habe u. sich zu defendiren 
gesinnt sei. Ich habe meinen Marsch an diesem Tag so fortgesetzt, dass ich mit anbrechendem 
Tag bei Altötting ankam, wo ich eine starke feindliche Vorwacht, in einem Dorf postirt, antraf. 
Ich Hess sie durch die Husaren umringen u. das Dorf von der Grenadiercompagnie meines 
Regimentes attakiren; durch die göttliche Gnade wurden die Rebellen über einen Haufen geworfen 
u. alles, was in dem Dorf gewesen, niedergemacht. Es wurden viele schöne Flinten u. Rohre 
zur Beute gemacht. Ich setzte hierauf den Marsch nach Altötting fort u. weil ich in diesem 
Ort keine Rebellen angetroffen, sondern den Feind auf dem Feld vor Neuötting stehen sah. 
habe ich, um Zeit zu gewinnen, da die Infanterie noch etwas zurück war. die Cavallerie neben 
den Husaren im flachen Feld in aller Geschwindigkeit in Bataille gesetzt u. mich gegen den 



»J S. Nr. 191. 



161 

rechter Hand liegenden Wald, gegen den Inn zu gezogen. Inzwischen habe ich die Infanterie, 
so rasch es möglich war. anmarschiren lassen u. verdeckt in dem Graben von Altütting bis Neu- 
ötting hinuntergezogen, um diese Bösewichte abzuschneiden, so dass sie nicht mehr in die Stadt 
kommen könnten. Allein als sie mein Mouvement mit der Cavallerie observirt, haben sie sich 
gleich gewendet u. sich gegen die Stadt Neuötting zurückgezogen, worauf ich mich mit den 
Husaren an den Feind gehängt, in der Meinung sie zum Stehen zu bringen. Sie haben sich 
aber mit grösster Präcipitanz in die Stadt geworfen, so dass die Husaren nur mehr die letzten 
ertappten u. gegen hundert niederhieben. Da ich die Cavallerie, die der Rittmeister "Weiss 
vom Hohenzollerischen Kürassier-Regiment commandirte, an das Wasser detaschirt hatte, sie 
aber wegen der Gräben, über die die Brücken abgeworfen waren, nicht so geschwind an die 
Innbrücke kommen konnte, haben sich sehr viele vom Feind über diese salvirt. Inzwischen 
hatte ich, ungeachtet des Feuers aus der Stadt, mit meinen Grenadieren u. dem Bataillon meines 
Regiments an dem Stadttor Posto gefasst u. das äussere Tor überstiegen. Weil aber bei dem 
inneren Tor eine Aufzugbrücke u. ein Graben war, konnten die Grenadiere nicht so geschwind 
an das Tor kommen. Inzwischen hat sich der Feind in der Stadt auf Gnade u. Ungnade ergeben, 
so dass ich noch 600 gefangen bekommen habe, ihre Offiziere aber, die lauter abgedankte 
gemeine Soldaten sind, haben sich gleich am Anfang über die Innbrückt mit der Flucht salvirt, 
weil ihnen bekannt ist. dass man ihnen keinen Pardon gibt. Ich habe durch die Gefangenen 
die gewisse Nachricht bekommen, dass Braunau sich liederlicherweise an den Feind ergeben 
hat, weil sechs Häuser in der Stadt abgebrannt sind. Da ich nun diese Zeitung nicht glauben 
konnte u. wollte, habe ich den Rittmeister Hollein vom Gronsfeldischen Kürassier-Regiment mit 
100 Pferden u. den Hauptmann Auer von meinem Regiment mit 100 Mann zu Fuss u. 100 
gefangenen Bauern mit Hacken commandirt. um die Wege durch die Berge u. Wälder von 
Neuötting bis Marktl, die verhackt waren, zu öffnen u. dabei gewisse Nachricht wegen Braunau 
einzuholen. Da mir General Graf Bagni befohlen hatte, mich nicht von dannen zu moviren, 
bis nicht alle Truppen bei mir eingetroffen wären, so habe ich diesen Tag einen Rasttag in 
Neuötting gemacht. In der Nacht sind die Detaschements zurückgekommen u. meldeten, dass 
bis Marktl alle Berge u. Wälder verhaut gewesen seien, der Feind auch da u. dort die Verhaue 
besetzt gehabt habe; sie hätten aber nichts desto weniger mit continuirlichem Scharmuziren die 
Passage geöffnet, viele Feinde niedergemacht u. wären bis auf die Höhe bei Marktl gekommen, 
wo sie eine feindliche Wacht angetroffen, die sie repoussirt hätten u. von der sie einige Ge- 
fangene in das Lager mit zurück brachten. Diese bestätigten einhellig, dass Braunau über sei. 
Inzwischen hatte ich den anmarschirenden Truppen entgegengeschickt, um ihren Marsch bei Tag 
u. Nacht möglichst zu beschleunigen. Da Braunau über war, so blieb ich auch den 30. stehen, 
um die Truppen zu erwarten. An diesem Tag kam ein feindlicher Tambour von Braunau mit 
einem Zettel des Generals v. Tattenbach. in dem dieser schrieb, dass Braunau unglückseliger- 
weise am 28. übergegangen sei u. er von den Bauern gefangen gehalten werde. Am Abend 
kam der Oberstwachtmeister vom fränkischen Regiment Janus mit 200 Mann zu Fuss u. 100 Mann 
zu Pferd im Lager an. Da aber Braunau über war, das ich unfehlbar, coüte que coüte, suc- 
curirt hätte, so habe ich meine Mesures ändern müssen. Ich habe es für das beste gefunden. 
die Passage über die Alz zu forciren, Burghausen zu infestiren u. es, wenn es sich auf meinen 
Appell nicht ergeben würde, mit Feuer zu zwingen. Unterdessen habe ich der Administration 
u. dem General Grafen Bagni die Uebergabe Braunaus u. meine Intention durch einen Expressen 
mitgeteilt u. um einige Mörser, Bomben u. Feuerkugeln gebeten. Am 1. Dez. trat ich den 
Marsch gegen die Alz an. Da mir bekannt war, dass die Brücke bei Hohenwart abgeworfen 
u. dies die einzige Brücke über den Fluss war, u. da ich durch gewisse Nachricht erfuhr, dass 
dieser bei der Hartermühle, unweit von Margarethenberg, zu Pferd durchfurtbar sei u. eine von 
mir abgeschickte Partei meldete, dass der Feind den Fluss auf u. ab u. auch an dieser Stelle, 
die sehr hoch sei, besetzt halte, so habe ich, um den Feind zu amusiren u. ihn glauben zu 
machen, ich wollte den Fluss bei der Brücke passiren, ein Detachement dorthin abgeschickt. 
Unterdessen setzte ich mit dem völligen Corpo den Marsch bis zur Hartermühle fort, der Feind 
jedoch glaubte, ich werde bei Hohenwart die Passage forciren u. warf in aller Eile seine grösste 
Force dorthin. Inzwischen lie68 ich die Grenadiere hinter die Heiter aufsitzen u. passirte bei 

Abb. d. philos.-philol. u. d. bist. Kl. XXVI, 4. Abb. 21 



162 

der Hartermühle den Fluss. Durch die Bravour der Grenadiere, der Cavallerie u. der Husaren 
wurde der in einem Verhack u. hohem Gestöck postirte Feind durch göttlichen Beistand glück- 
lich repoussirt, der Verhack geöffnet u. mithin die Passage gewonnen. Mittlerweile hatte ich 
eine Brücke von Wägen über den Fluss machen lassen u. die Cavallerie völlig durch das Wasser, 
die Infanterie aber auf dieser Brücke so geschwind als möglich übergehen lassen. Bei dieser 
Passage blieben, weil vom Feind ein ziemliches Feuer gemacht wurde, ein Reiter, ein Grenadier 
u. drei Pferde tot, ein Grenadier, zwei Reiter u. fünf Pferde wurden blessirt. Unter ihnen 
befand sich Rittmeister Tallany vom Darmstädtischen Kürassier-Regiment, der durch den Unter- 
leib geschossen wurde. Der Fluss war sehr kalt; von den Wägen wurden einige mit den 
Grenadieren umgeworfen; sie konnten sich jedoch retten; ein Wagen, drei Pferde u. zwei Bauern 
wurde vom Wasser fortgerissen. Vom Feind war alles zurückgegangen. Nachdem ich um 
zwei Uhr nachmittags den Fluss passirt hatte, von da aber noch drei Stunden bis Burghausen 
zu marschiren hatte, habe ich den Marsch unverzüglich angetreten, so dass ich, wie sich Tag 
u. Nacht geschieden, mit der Cavallerie u. den Husaren vor Burghausen angekommen bin u. 
mithin den Ort berannt habe; hätte ich die Stücke, die sich noch im Tal bei Hohenwart 
befanden, gehabt, hätte ich ihn belagert. Während der Berennung durch die Cavallerie hat 
der Feind sehr stark mit Stücken kanonirt. Da das Terrain sehr difficil war, so konnte ich 
nicht anders als unter dem Feuer der Stücke passiren. Hiebei wurde ein Reiter u. ein Pferd 
erschossen, ein Reiter u. ein Pferd blessirt. Die Infanterie kam zu später Stunde in der Nacht 
ins Lager. Da der Marsch sehr stark u. fatigable gewesen, so hat man diese Nacht nichts 
weiter vornehmen können. Am 2. wurde ein Detaschement von Cavallerie u. Infanterie nach 
Hohenwart abgeschickt, um die Communication zu eröffnen u. die Brücke durch die Zimmerleute 
u. Brückenmeister wieder in propren Stand setzen zu lassen. Inzwischen schickte ich einen 
Trompeter in die Stadt u. Hess sie auffordern. Am Nachmittag kam der Trompeter zurück u. 
meldete, dass der Feind morgen mit anbrechendem Tag herausschicken werde, um seine Er- 
klärung über die Aufforderung zu tun. Indessen wurde an diesem Tag die Brücke zu Hohen- 
wart verfertigt; um die Communication sicher zu halten, blieb sie mit 60 Pferden unter einem 
Rittmeister u. 40 Mann zu Fuss besetzt; ich nahm an diesem Tag auch den Augenschein ein, 
wie diesem Platz mit Feuer am besten anzukommen wäre. Am 3. zwischen 9 u. 10 Uhr kamen 
die feindlichen Deputirten aus der Stadt mit dem Vermelden, dass sie gesinnt wären, sich in 
Ihro Maj. Devotion zu unterwerfen; allein sie müssten es dem bei Braunau u. Schärding stehen- 
den Rebellencorpo auch erinnern, damit sie generaliter zu Ruhe u. Frieden kommen möchten; 
sie versicherten, dass ich morgen eine gewisse Declaration von ihnen haben werde. Da sich 
der von der Landschaft abgeschickte Commissär Frhr. v. Gemmel bei mir im Lager befand, 
verlangten sie ihn, um die Sache eher in Ordnung zu bringen, in die Stadt, wogegen sie einige 
Geiseln ins Lager schicken wollten. Auf ihr inständiges Bitten u. Verlangen habe ich es 
zugegeben u. Gemmel ging mit den Deputirten in die Stadt. Am 4. Nachmittag liess mir 
Gemmel durch einen Trompeter mitteilen, dass er die revoltirten Bauern noch zu keiner Raison 
habe bringen können u. von Braunau u. Schärding noch keine Resolution gekommen sei; er 
müsste also noch in der Stadt verharren u. bis morgen warten. Am 5. wartete ich bis früh 
9 Uhr u. weil nichts aus der Stadt kam, schickte ich einen Trompeter, um die kategorische 
Resolution von ihnen zu erhalten; wenn sie diese nicht geben wollten, sollte Gemmel zurück- 
kommen. Er kam zwischen 11 u. 12 Uhr mittags heraus mit der Nachricht, dass sie sich 
geben wollten; sie müssten nur noch auf Braunau u. Schärding warten. Gleich darauf kam ein 
Tambour mit einem Bittschreiben von der gesammten aufgestandenen Gemein 1 ) an mich, worin 
sie baten, ich sollte mit der militärischen Execution inne halten; die von Braunau u. Schärding 
wollten sich zu einem Stillstand declariren, wenn ich bis zum 6. in Geduld stehen bleiben wollte. 
Ich habe dies verwilligt, wenn sie sich bis morgen sämmtlich declariren würden. Am 6. kamen 
abermals einige Deputirte aus der Stadt u. verlangten auf geraume Zeit einen Stillstand der 
Waffen, damit sie ihre Punkte, in denen sie die Gnade Ihrer Maj. begehren u. sich dieser 



! ) S. Nr. 318. 



163 

unterwerfen wollten, zu Papier bringen könnten. Ich antwortete ihnen, einen Stillstand zu machen, 
stehe nicht in meiner Macht allein; ich wolle ihnen erlauben, dass sie in München bei der 
Administration u. dem commandirenden General darum bäten; sie sollten hiezu am 8. früh 
wieder erscheinen. Sie kehrten hierauf in die Stadt zurück. Am G. traf das Osnabrückische 
Bataillon mit zwei Mörsern u. einigen Bomben im Lager ein. Am 7. schickte der Feind aber- 
mals heraus u. liess von mir einen Stillstand der Waffen erbitten, bis ihre Deputirte nach 
München u. wieder zurück gekommen wären; es sollten Geiseln gewechselt werden; sie wollten 
dies ihren Leuten in Burghausen, Braunau u. Schärding publiciren. Ich war damit einver- 
standen; Hauptmann Graf Taxis vom Osnabrückischen u. Kapitänleutnant Gallant vom Fränki- 
schen Regiment gingen als Geiseln in die Stadt, wofür ein Regimentsrat, zwei Bürger u. zwei 
Bauern herauskamen. Am 8. kamen die Deputirten, um nach München zu reisen, im Lager 
an; ich schickte sie sogleich in Begleitung des Frhrn. v. Gemmel u. zweier Offiziere ab. Ich 
zweifle nicht, dass die Sache in kurzem zu einem gütlichen Vergleich kommen wird, da sie 
solchen durch Vermittlung der Landschaft bei der Administration u. dem commandirenden 
General erbitten wollen. Es ist dies meines Erachtens aueh viel förderlicher, weil an der Zeit- 
gewinnung sehr viel gelegen ist, da sonst die nach Italien gehörenden Truppen am Abmarsch 
gehindert werden u. der ganze Winter damit zugebracht werden möchte u. dadurch die Sache 
da u. dort ins Stocken geraten dürfte. 

Wien Kriegsarehiv. 

1705, Dez. 8. München. 

34-2. Der Administrator Graf Löwenstein an die Reichskanzlei in Wien. 

Der im Namen der Landschaft abgeordnete Commissär v. Gemmel berichtet, dass die in 
Burghausen befindlichen Aufständischen zur Submission geneigt seien. Ich habe den comman- 
direnden General u. die militares erinnert, sich an dieses suchende Accomodement keineswegs 
zu kehren, sondern in den Operationen verfahren zu lassen. Nachdem aber Oberst de Wendt 
befindet, dass er nicht im Stand sei, mit seiner Mannschaft die Salzach zu passiren u. weiter 
zu agiren, so habe ich dem General befohlen, dass, wenn sich diese Gesellen im Ernst nicht 
herbeilassen sollten, er hauptsächlich anzutragen hätte, dass sie amusirt u. die Zeit gewonnen 
werde, bis mehr Truppen in das Land gerückt wären. Der gestrige Bericht von Gemmel zeigt, 
dass die aufgestandenen Burschen allerdings noch Ernst zeigen. Damit man nun allenfalls der 
Sache desto näher sei u. selbe um so leichter ad effectum bringen möge, ist heute Vormittag 
auf mein Gutbefiuden Graf Lamberg nach Altötting abgereist. Meine Meinung ist. wenn sich 
das Tractament für die gesammten Untertanen der Burghauser Regierung nicht ergeben würde. 
sollte man dahin trachten, sie durch Bedrohung mit Feuer u. Schwert zu teilen, da nach Ueber- 
gabe von Burghausen die anderen desto leichter sich zum schuldigen Gehorsam bequemen werden. 

Die Ansbachischen Grenadiere werden morgen zu Vohburg aufs Wasser gesetzt u. nach 
Straubing transportirt. 

Wien H.H. St.A. 

1705, Dez. 8. München. 

343. Die Administration an die Regierung in Amberg. 

Ueber Eueren Bericht betr. die Untersuchung gegen die in einigen Gerichten aufgestan- 
denen Burschen ist uns referirt worden. An der von Euch in dieser Empörung vorgenommenen 
Vorsorge ist wohl geschehen u. wir erkennen auch hieraus Euere uns sonderbar zutragende 
Treue, der wir selbst es beilegen, dass diese Unruhe zu so baldigem Ende gekommen ist. Und 
wie Ihr ganz billig einen Unterschied zwischen denen macht, die occasionaliter, aus Furcht des 
Brandes u. aus Verleitung durch andere in diesen Aufstand geraten u. gezogen worden sind. 
u. jene sträflicher sind, die die Urheber dieser Empörung gewesen oder die als Hauptleute 

21* 



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dieses weit aussehende Werk besser hätten begreifen sollen, so wollen wir doch gegen alle 
unsere Clemenz der Schärfe vorziehen u. ihnen einen Generalpardon gewähren; den letzteren 
aber soll die Erstattung der durch die Miliz entstandenen Kosten, die sich gegen 1000 Reichs- 
taler belaufen, aufgetragen werden. Den Untertanen ist unsere Gnade durch Patent kund zu tun. 
Es werden 180 Kemontapforde, die zum Hohenzollerischen Regiment gehören, in die Ober- 
pfalz abgeschickt werden, wo sie einen Monat lang gefüttert u. sodann zu ihrem Regiment 
geführt werden sollen. Das gleiche wird noch von anderen Regimentern geschehen; Ihr habt 
desshalb dahin anzutragen, dass diese zeitlich auf die Gerichte u. Aemter repartirt werden, 
damit den Dienstpferden an solchen Orten Heu u. Hafer u. den Commandirten die etappen- 
mässige Verpflegung verschafft werde. 

München Kriegsarchiv. 

1705, Dez. 8. Aign. 

3-t-t. Der Pflegsverwalter Wolfg. Stöckl an die fürstliche Deputation in Passau. 

Vom Bräuamt Obernberg sind die prätendirten 100 fl Ilafergeld u. 15 fl Unkosten dem 
Tochtermann des Heimschwanger. Bräu in Kösslarn, 1 ) am Katharinentag bezahlt worden. Am 
28. November sind nach der Uebergabe von Braunau nachts um 7 Uhr von der bairischen 
Versammlung gegen 50 Mann nach Aign gekommen, denen man sogleich Quartier u. Verpflegung 
gegeben hat. Andern tags sind sie wieder fortgereist u. haben in Aign nichts tentirt, in Irching 
aber u. in anderen Dorfschaften haben sie die Bauern um unterschiedliche Gaben abgestossen 
u. dem Amtmann in Riedenburg, 2 ) was sie an Kleiderwerk u. anderem in dem Häusl gefunden, 
völlig geraubt. Am 29. nachts sind bei 30 Mann wiederum nach Aign heraufgekommen u. 
haben im Dechanthof den Anfang gemacht, wo sie 100 fl begehrt haben, aber mit 2 fl sich 
contentiren lassen. Von da sind sie in das Amtshaus Aign gegangen u. weil der Amtmann 
samt den Seinigen sich Verstössen, haben sie bei ihm, so wie bei dem Bader am Pfleghaus u. 
in der Schöffmühle, was sie an Kleidern oder sonst angetroffen, mit Gewalt weggenommen; 
etliche hatten sich das Gesicht mit Russ angestrichen, damit man sie nicht kennen sollte. Sie 
sind aber doch als Nachbarskinder von "Würding wohl erkenntlich gewesen. Am 3. Dezember 
sind Mittag vier wohl montirte u. bewaffnete Kerle von den bairischen Burschen an das Pfleg- 
haus gekommen, die mein Schreiber, der Tag u. Nacht zu Haus geblieben, mit harter Mühe 
anstatt der begehrten 50 fl mit 3 fl abgefertigt hat, weil ihm aus Aign niemand zugesprungen 
ist u. damit sie nicht wirklich Gewalt gebraucht hätten u. eingebrochen wären. Unter ihnen 
ist ein Nachbarssohn von Oed gewesen, der eine vor sieben Jahren erlittene Strafe, wie er 
sagte, rächen wollte. Inzwischen sind noch etliche Kerle auf- u. nieder gereist, die die Unter- 
tanen verköstigen, ihnen die Bierzechen zahlen u. Pferde zum Reiten verschaffen mussten, so 
dass samt dem Raub u. den Erpressungen die Unkosten über 100 fl betragen, ohne dem, was 
meiner Schwägerin u. des Dechants Köchin von Aign auf ihrer Reise nach Passau bei Schärding 
weggenommen worden ist. Ich halte mich bald in Aign, bald in Obernberg in der Stille auf, 
damit ich ihnen, ungeachtet des starken Nachfragens nach mir, nicht unter die Hand falle, 
weil sie von mir Geld zu erpressen gesucht haben. Obwohl die Drohungen bis dato stark sind, 
die Herrschaft zu plündern, so können sie doch keine Ursache finden, weil man ihnen Baiern 
mit lauter guten Worten entgegen geht. Es haben die Aigner die Absicht gehabt wie die 
Obernberger von den Baiern eine salva guardia zu nehmen; da ich aber nicht so stark darum 
getrachtet, ist es unterwegs geblieben. Was ich aber von den Aignern u. andern in dieser 
Zeit für Schmäh- u. Spottreden habe vertragen müssen, könnte ich in Kürze nicht beschreiben, 
sondern ich will davon ein mehreres mündlich vorstellen, um die behörige Abstrafung vorkehren 
zu lassen. Dies ist der ganze Verlauf, was sich in dieser Herrschaft während drei Wochen 
mit den rebellischen Burschen zugetragen u. was die Untertanen gelitten haben. Gott gebe, 



') S. Nr. 157. 

2 ) 2 km nordwestlich von Obernberg am linken Innufer. 



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dass es nicht ärger wird u. dass Oberst de Wendt, der mit seiner Mannschaft noch zwischen 
Burghausen u. Oetting jenseits des Innes steht, nicht weiter in dieses Revier herabrückt, sondern 
dass die bairischen Rebellen von hiesiger Nachbarschaft sich zum Widersetzen weiter hinauf 
ziehen müssen, wie denn gestern schon wieder aufgeboten worden ist, dass mehr Mannschaft 
dahin komme; allein dem Vernehmen nach haben sie zum Teil keine Lust mehr zu reisen. 

München Reichsarchiv. 

1705, Dez. 9. Feldlag